Youth for Understanding ist eine der ältestesten Organsiationen, die ein Austauschjahr im Ausland organsieren. Ihre Erfahrung macht sich zunutze, wer bei ihnen einen Platz bekommt. Das allerdings ist nicht so einfach!
Neben ausführlichen schriftlichen Unterlagen muß jeder Bewerber ein Auswahlverfahren durchlaufen. Im Regelfall bedeutet das, daß man im Umkreis von ca. 100 km für drei Stunden mit mehreren anderen eingeladen wird. Nach einer Afulockerungsrunde muß man verschiedene Spiele gemeinsam bestreiten, ein bißchen teamwoken und schließelich mit den anderen Bewerbern in einer Diskussionsrunde Ansichten über das Auslandsjahr vertreten. Nach ca. zwei bis sechs Wochen erhält man dann eine Zusage oder eine Ablehnung.
Erst nach einer Zusage muß man sich für das Land endgültig entscheiden, wobei man dies auch schon in der Bewerbung angeben muß. Dann istinnerhalb sehr kurzer Zeit erforderlich, eine englischsprache Darstellung der eigenen Person zu verfassen, die dann in das gewählte Land geschickt wird an die potentiellen Gastfamilien. Parallel dazu, immer mehr zum Sommer (d.h. Abflug) hin, erhält der Teilnehmer einen Haufen Informationsmaterialien, u.a. auch relativ früh einen von zwei möglichen Abflugterminen. Das ermöglicht eine ziemlich gute Planung für die zurückbleibende Familie. Weniger gut ist diese Planung, was die Unterbringung in einer Gastfamilie angeht: Trotz Bewerbungsschuß der Unterlagen (also nach endgültiger Aufnahme!) Anfang Dezember kommen die frühesten Zusagen im März. Ein Großteil der Bewerber erfährt seine Familie erst im Juni, z.T. sogar erst im Juli oder August. Angesichts des Abflugtermins Mitte/Ende August ist das eine harte Prüfung und erleichtert die Einstellung auf das "neue" Leben nicht gerade. Eine frühzeitige Kontaktaufnahme mit der Gastfamilie jedenfalls, die schon einmal erste Berührungspunkte ermöglicht und Fremdheitsgefühle abbauen kann, ist so nur in sehr seltenen Fällen möglich.
Die Kosten belaufen sich für ein 10monatiges USA-Programm derzeit auf ca. 12000 DM. DArin sind enthalten Flug, Betreuung auf dem Flug, Betreuung vor Ort durch einen Area REpresentative, Vorbereitungsmaterial, Schulgebühren (nicht aber Anmeldegebühren o.ä.!), Krankenversicherung. Alles andere kommt "obendrauf". Dazu gehört z.B. eine erweiterte Krankenversicherung, mit der der Teilnehmer auch an sog. Risikosportarten teilnehmen kann. Dazu gehören bspw. Skifahren, White Water Rafting, Bungee Jumping, Drachen- und Ballonfliegen. Schon Mountainbiking liegt hart an der Grenze. Wer unbedingt in eine bstimmte Region (eine von fünf) in den USa möchte, kann dafür einen Aufpreis bezahlen. Ob sich das lohnt, steht auf einem anderen Blatt - schließlich heißt "Western Region" mit Californien, Washington, Arizona, etc. nicht gerade, daß man in Malibu landet. Das kann schließlich genauso gut irgendein Kaff im Hinterland von Kalifornien in der Wüste sein. Und dafür dann eine satte Summe mehr zu zahlen...?!
Zur Vorbereitung gehört auch ein dreitätiges Seminar, bei dem d ca. 40 Teilnehemr mit ehemaligen Austauschschülern gemeinsam Probleme und Problemlösungsstrategien erarbeiten. Auch dieses ist wiederum - obwohl verpflichtend - mit einem Kostenbeitrag zu bestreiten. Anfahrtskosten kommen ohnehin dazu.
Wer ein Stipendium will, muß einen Haufen Papier beilegen, um nachzuweisen, daß tatsächlich eine Bedürftigkeit vorliegt. Angesichts der Erfahrung von YfU, daß viel mehr Anträge als finanzielle Mittel vorhanden sind, sollte man sich adrauf aber nicht verlassen. Üblicherweie werden wohl nur Teilstipendien augeschüttet, und die vor allem
an ohnehin schon sozialhilfeempfänger, Arbeitslose und ähnliche Fälle. Immerhin besteht für alle die Möglichkeit, um RAtenzahlung zu bitten. Bis zum Ende des Jahres, in dem der Austausch begonnen hat, ist das in der Regel auch kein Problem.
Was man aber auf gar keinen Fall vergessen sollte: Jedes Auslandjahr, egal wo und mit wem, steht und fällt mit der Gastfamilie. Und auch wenn diese gut und sorgfältig ausgewählt ist, so schützt das nicht davor, daß Austausch-Schüler und Gastfamilie einfach nicht miteinander klarkommen. Das kann sowohl an der Gastfamile als auch an dem Schüler liegen - sorgfältige Auswahl auf beiden Seiten ist also erforderlich!
Kritisch kann ich hier nur die Auswahl beurteilen seitens der deutschen Schüler. Im Grunde, und das ist in YfU-Kreisen leider nur zu gut bekannt, wird jeder genommen, der nicht ersichtlich über psychische Defizite oder ganz schlechte Schulleistungen verfügt. Dieses Problem - denn natürlich ist es eines, wenn auch sozial nicht sonderlich geübte PErsonen verschickt werden - , hat sich durch dn 11. September noch verstärkt: Denn YfU benötigt mittlerweile eine bestimmte, nicht zu kleine Anzahl an Schülern im Programm. Aufgrund des Terroranschlages wollten aber viele nicht mehr. Konsequenz: Die Auswahlkriterien, in den Programmheften noch hochgelobt und herausgestrichen, wurden noch mehr gesenkt. Hier liegt manches im Argen und wäre eine deutliche Positionierung von YfU, ob man nun Qualität oder Quantität will, dringend gefragt.
Das gilt auch für die Organisation als solche. Sicherlich hat YfU durch seine jahrelange Erfahrung bestimmte Kenntnisse. Aber Erfahrungen werden immer nur von Einzelpersonen gemacht und weitergegeben. Und diese Einzelpersonen entscheiden zwangsläufig darüber, wie gut die Organisation ihre Sache macht.
Seitens der Organisation sind das zum einen die professionellen Vorbereiter in Hamburg, die Informationsmaterial zusammenstellen und verschicken. Hier ist oftmals ein gewaltiger Zeitverzug festzustellen. Beispielsweise könnten bestimmte Termine und Materialien durchaus früher bekanntgegeben werden. Und auch darüber, wann eigentlich welche Info (z.b. über die Gastfamilie, die Schule, den Abflug) bei der deutschen Familie eintrifft, könnte deutlich besser kommuniziert werden. Zudem ist die Information, was die Gastfamilie betrifft, oftmals nicht korrekt. Ich kenne mehrere Fälle, in denen die Größe der Familie oder der Beruf der Gasteltern nicht stimmte. Hier wäre seitens der Organisation in der Tat eine höhere Sorgfalt wünschenswert.
Vor Ort dann sind es die Gastfamilie (deren Auswahl im Vorfeld und das Abstimmen der Auswahl des Gastes) und vor allem der YfU Area Representative, die das Gesicht von YfU prägen. Wie gut gerade dieser "gute Onkel" ist, hängt ganz stark davon ab, wie engagiert er seine Sache betreibt. Ruft er mindestens einmal im Monat an, kennt er "seine" Gastfamilien und -schüler, ist er interessiert, kennt er Vertreter an der Schule und hört darüber noch einiges? Oder absolviert er eher ein "Pflichtprogramm"? Versammelt er "seine" Gastschüler regelmäßig um sich und verschafft dadurch auch diesen das Gefühl, sich mal frei austauschen zu können über ihre Erfahrungen oder beläßt er es bei den zwei (seitens YfU wohl vorgeschriebenen) Treffen am Anfang nd am Ende? Organisiert er Ausflüge und Veranstaltungen, so daß sich die Familien und Gastschüler untereinander kennenlernen können? Schließlich möchten auch die Familien mal hören, wie es anderswo so klappt?
Der Raum für die individuelle Gestaltung dieser Positionen ist riesig und hängt - leider - vor allem davon ab, was der Einzelne daraus macht.
Daher kann ich YfU angesichts der Professionalität empfehlen. Vermutlich haben sie auch einen relativ großen Grundstock an Gastfamilien und notfalls auch "Auffangfamilien". Im Grunde aber ist es ziemlich egal, da der Erfolg und die Freude an einem solchen Jahr maßgeblich von der Familie und den neu zu findenden Freunden abhängen.
PS: Wenn ich unten "teuer" hinschreibe, dann gilt das nicht für YfU im Besonderen, sondern für alle Organisationen. Mir leuchtet nicht ein, warum die Kosten für ein Jahresticket bei der Lufthansa, das noch dazu im Block erworben wird (auf dem freien Markt für unter 2000 DM zu haben), die Bezahlung der Mitarbeiter vor Ort (die dafür nur eine Aufwandsentschädigung erhalten), eine mäßig gute Krankenversicherung (als Auslandsreiseversicherung für 365 Tage in Deutschland ab ca. 300 DM zu haben), der Betrieb einer kleinen "Hauptstation" in Hamburg mit wenigen Mitarbeitern und vielen ehrenamtlichen Auswählern und Betreuern in Deutschland Gesamtkosten von 12000 DM produziert. Selbst wenn bei YfU noch einiges davon in den Stipendientopf wandern mag, dann ist die Kalkulation doch erstaunlich schlecht.
Mir leuchtet auch nicht ein, warum die sog. kommerziellen Anbieter (Sprachreiseveranstalter), die von YfU und AFS als den größten nicht-kommernziellen Anbietern beständig schlechtgemacht werden, auch nicht teurer sind - obwohl die Leistungen identisch sind. Bei diesen werden gleichfalls Stipendien gewährt, und eine Gewinnspanne ist mit Sicherheit auch einkalkuliert.
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