Heute soll es um das Debütalbum des musikalisch mit Sicherheit verblüffensten Duos der (mehr oder weniger) jüngeren Musikgeschichte gehen: das selbstbetitelte Album "Dead Can Dance" aus dem Jahr 1984, das auf dem Kultlabel 4AD erschienen ist (es hatte u.a. Bauhaus unter Vertrag).
In ein Genre lassen sich die Australier Dead Can Dance nicht rücken, sondern vereinen in ihrer Musik Instrumente der verschiedenstartigen Kulturen mit dem grandios vielschichtigen Gesang von Lisa Gerrard oder der weichen, warmen Stimme von Brendan Perry. Die Musik von Dead Can Dance entführt in ferne, vernebelte Welten und vergangene Jahrhunderte... ...so finden sich mittelalterliche, arabische, asiatische und afrikanische Einflüsse, um nur einige wenige zu nennen. All diese Exotik kommt in diesem Album allerdings noch nicht so stark zum Ausdruck wie in den darauffolgenden CDs, da "Dead Can Dance" wesentlich waviger ist und gesanglich noch nicht so "opernhaft" ist. Daher ist es mein absolutes Lieblingsalbum von DCD, da es einen warmen, harmonischen "80s-Flair" versprüht und nicht so sehr anklagt wie alle zukünftigen Alben.
1.Fatal Impact Der Track, durch den man auf DCD erstmals aufmerksam wurde. Ein wunderschöner Einstieg in diese CD - weich und harmonisch und kommt völlig ohne Gesang aus. Eine Einladung, die auf mehr hoffen lässt.
2.Trial Hier kommt man erstmals in den Genuss von Brendan Perry´s Stimme - eine sanfte, unverwechselbare Stimme, bei der es scheint, als käme sie aus weiter Ferne - und trotzdem fesselt sie den geneigten Hörer. Eine eingängige Melodie und die rhymthmische Instrumentalisierung lassen nicht mehr los.
3.Frontier Der erste Auftritt von Mme. Gerrard beim Gesang in einer Sprache, deren Herkunft sich nicht eindeutig bestimmen lässt. Der Gesang ist erneut mit einem leichtem 80s-Hall belegt, der die Stimme distanziert wirken lässt. Die Instrumentalierung ist tribalhaft und demzufolge entsprechend treibend.
4.Fortune Wieder eine warme Wave-Nummer mit Herrn Perry hinter dem Mikro, "Trial" nicht ganz unähnlich :)
5.Ocean Eine sehr wehleidiger/ anklagender Song, der mir persönlich durch den zittrig gestalteten Gesang nicht sooooo gut gefällt. Ein Song, den ich als Hybrid aus den ursprünglichen und den jetzigen DCD beschreiben würde.
6.East of Eden Federleicht und beschwingt erzählt Herr Perry hier vom "East of Eden" - diese Unbekümmertheit wird man nicht mehr sehr oft von DCD hören können... ;) Wieder sehr, sehr wavig - und daher wunderschön.
7.Threshold - ANSPIELTIPP !!! Wooooooow - als ich diesen Song zum ersten Mal gehört hatte, war ich wirklich platt - ein absolutes "Brett" passt hier als Bezeichnung schon ganz gut! Ein treibender Rhythmus und ein perfekter stimmlicher Einsatz machen die (leider nur) drei Minuten zu den Kurzweiligsten der ganzen CD.
8.Passage in Time Ein sehr eingängiger Song, den ich mir aber leider überhört habe. Hier schlägt Brendan Perry mal etwas höhere Töne an, die Instrumentalisierung unterscheidet sich hingegen nicht großartig von den anderen Tracks.
9.Wild in the Woods - ANSPIELTIPP !!! Soooooooo schön....ein Song, bei dem man seinen Frieden mit der Welt machen könnte...so stelle ich mir die musikalische Untermalung des Himmels vor - oder einer Opium-Hölle ;)
10.Musica Eternal Hier zeigen sich wieder erste Schritte in Richtung der DCD der nachfolgenden Alben - mystisch und düster, relativ dezente Instrumentalisierung und Lisa Gerrards Stimme im Mittelpunkt.
11.Garden of the Arcane Delights: Carnival of Light Von der Instrumentalisierung her erinnert der Track tatsächlich ein wenig an Karneval - der gesamte Track klingt eigentlich wie eine Karusselfahrt :)
12.Garden of the Arcane Delights: In Power We Entrust the Love Advocated - ANSPIELTIPP !!! Wiedermal ein Track wie aus dem Paradies - so ruhig, friedlich und harmonisch, ohne dabei kitschig zu sein. Ein perfekter Song - so schön, dass man weinen könnte.
13.Garden of the Arcane Delights: The Arcane Ein sehr ruhig-schleppendes, schwermütiges Lied, aber trotzdem (oder gerade deswegen?) bezaubernd...es kündet leider schon das Ende der CD an, beschafft aber dennoch einige bittersüße, nachdenkliche Momente.
14.Garden of the Arcane Delights: Flowers of the Sea Zum Abschluss winkt der Wandel: ein Track voller Tribal-Elemente, die schon Großes für die nächsten CDs erahnen lassen. Und Lisa Gerrard begleitet all die exotischen Instrumente mit ihrer feenhaften Stimme in einer uns wohl unbekannten Sprache...
Fazit: Eine CD für alle, die sich immer wieder verzaubern lassen wollen und unkonventioneller Musik gegenüber, die Kulturen der ganzen Welt in sich vereint, aufgeschlossen sind. Ihr werdet es nicht bereuen! Große Gesangskunst und exotische Instrumente erwarten euch :)
Danke fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren! eva
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Magische Klangwelten
ein Testbericht von Sowan2006-04-20 10:20:39vom 20.04.2006Empfehlung: ja
Vorteile: Exklusive Musik, innovativ und sehr gut umgesetzt....Nachteile/Kritik: Fällt mir nichts zu ein ;-)
1984 erschien bei dem Indipendent-Label 4AD das Album "Dead Can Dance" von der gleichnamigen Band. 4AD ist ein Indipendent-Label, welches es sich zur Aufgabe gemacht hatte Bands aus dem Untergrund-Bereich ein Forum zu bieten. Das Label war Wegbereiter für zahlreiche Ausnahme-Bands, unter Ihnen Bands wie Bauhaus (!). Das Label hatte also einen Riecher für Qualität, und so war schon im vornherein anzunehmen, daß "Dead Can Dance" alles andere als Mainstream ist!
Die Band
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Dead Can Dance sind eine Reihe von Musikern, die sich um das Ausnahmeduo Lisa Gerrard und Brendan Perry scharen. Das Vorliegende Album ist ihr Debutalbum. Beide Musiker, die ursprünglich aus Australien stammen und inzwischen in ihrer Wahlheimat Irland leben, haben eine klassicher musikalische Ausbildung hinter sich. Sie verbinden in ihrem Musikstil mittelalterliche Elemente mit keltischen Klängen und modernen Ansätzen.
Weshalb aber hat diese ungewöhnliche und herausragende Band sich einen derart 'morbiden' Namen wie "Dead Can Dance" gegeben?
Lisa Gerrard sagte dazu in einem Interview, daß die Namensgebung der Band nicht etwa ein Hinweis darauf wäre, daß sie ihren Ursprung in der Gothic Bewegung (in der die Band große Erfolge feierte) sähe. Vielmehr bezöge sich der Bandtitel (welcher zugleich Titel der ersten CD ist) auf die musikalische Intention der Musiker: Sie wollten mit ihrer Musik das Tote - totgesagte Klänge aus dem Mittelalter oder anderen Kulturen - wieder einem breiten Publikum zugängig machen. Und diese Tatsache haben sie während Ihrer Karriere sowohl durch den Einsatz alter Instrumente (wie zum Beispiel der Drehleier), als auch durch ihre Musik immer wieder unterstrichen.
Die Zeit
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Ehe ich hier beginne die CD zu besprechen, möchte ich ein paar Zeilen zur zeitlichen Einordnung der CD schreiben, vor allem die jüngeren Leser und Leserinnen können so vielleicht ein klareres Verständnis dafür bekommen wie ein Band wie "Dead Can Dance" überhaupt Fuß fassen konnte.
1984 war die Zeit, in der ein Teil der Punk-Szene sich veränderte und sich eine neue Bewegung zu formieren begann.
Großbritannien brachte die "New Wave"-Bewegung hervor. Als Übergang von Punk zu New Wave fungierten Musikerinnen wie Toyah (wer kennt die noch?) oder Siouxsie (die kennt ihr aber!!!), die bekanntesten Vertreter dieser Musikrichtung sind vermutlich bis heute "The Cure".
In Deutschland dominierte die 'Neue Deutsche Welle' die Hitparaden. Als konstruktives Nebenprodukt dieser Modewelle wurde eine neuartige Experimentalmusik hervorbrachte. Aus ihren Wurzeln entstanden Band wie "Die Einstürzenden Neubauten", "DAF" usw.
Es war eine Zeit, in der Neues und Innovatives in der Musik von Musikern wie Hörerschaft aufgesogen wurde wie von einem ausgedörrten Schwamm. Nur so ist zu erklären, weshalb die sogenannten 'Indipendent-Labels', die kleinen Bands ohne Namen eine Chance gaben, entstehen konnten. Generell war man einfach offen für neuartige Klangexperimente und sah darin nicht nur Kunst und Musik, sondern auch durchaus die Möglichkeit ein breiteres - weil sehr offenes - Publikum anzusprechen.
Ich persönlich glaube, daß heutzutage das Publikum nicht mehr so offen für neue Innovationen ist.
Die Musik
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Das Album "Dead Can Dance", welches mir als CD vorliegt, erschien seinerzeit - am Beginn des 'New Wave' - noch als LP. Die CD (damals war der Markt für CDs noch nicht so umfassend
erschlossen wie heute - Copyright Sowan) umfaßt deshalb neben dem eigentlichen Album "Dead Cand Dance", welches aus 10 Stücken besteht, noch die Mini-LP "Garden of the Arcane Delights" als Bonus.
Die Mini-LP "Garden of the Arcane Delights" ist - meines Wissens - heute nicht mehr ohne weiteres erhältlich.
Da beide Teile der CD recht unterschiedlich sind, werde ich sie hier gesondert besprechen.
1. DEAD CAN DANCE
Schon der Opener der CD "The Fatal Impact" bereitet die Hörerschaft auf das kommende Klangerlebnis vor. Eine Art 'Geräuschkulisse' empfängt die Zuhörer und führt dann zu einem schleppenden, aber dennoch seltsam treibenden Rhythmus. Schlaginstrumente, Gitarre und Keyboard vermischen sich zu einem Klangteppich, in dessen Hintergrund man archaische menschliche Stimmen vernimmt, die scheinbar gedrückt jubeln. So seltsam diese Beschreibung klingt, so seltsam war auch mein erster Eindruck von der CD.
Und so gibt das erste Stück auch gleich den Grundtenor der CD an: Gemischte Gefühle und Eindrücke spiegeln sich immer wieder in den Klängen wieder. Dabei gibt es ein seltsames Gegeneinander von modernen Eindrücken (repräsentiert durch Instrumente wie die E-Gitarre) und archaischen Klangelementen, welche durch Schlaginstrumente und Gesang ausgedrückt werden.
Im zweiten Stück der CD "THE TRIAL" glaubt man wieder etwas mehr in die Gegenwart zu kommen, E-Gitarre und Schlagzeug bilden mit der männlichen Gesangsstimme von Brendan Perry ein melodiöses, aber seltsam beklemmendes Musikstück.
Doch "FRONTIER" reißt den Hörer zurück in eine vollkommen andere Welt. Treibende Schlaginstrumente und ein mystisch anmutender Klangteppich aus Synthesizer-Klängen gibt dem Stück einen trance-ähnlichen Charakter. Nach 39 Sekunden Spielzeit dann setzt der Gesang von Lisa Gerrard ein ... und dieser Gesang hat es in sich. In einer nie gehörten fremdartigen Sprache beginnt sie mit einer außerordentlich klaren und gut geschulten Stimme zu singen. Meine Assoziationen zu diesem Stück waren die einer Schamanin in Trance.
Die hier beschriebenen Impressionen ziehen sich durch das ganze Album. Dabei ist es für mich immer so, daß die Stücke, die Brendan Perry gesanglich untermalt, ein wenig mehr 'diesseitig' erscheinen. Oftmals gewinnen in diesen Stücken (z.B. Stück 4, 'FORTUNE' oder Stück 6 'EAST OF EDEN) die modernen Instrumente ein wenig die Oberhand. Es ist, als wolle man den Zuhörer wieder ein wenig in unsere Zeit führen, ehe ein neuer Ausflug in andere Gefilde ansteht. Dabei ist Lisa Gerrard es, die durch ihren Gesang das völlig andersartige - aber wunderschöne - hervorzaubert. Sie singt in fremden Zungen - in Sprachen die ich nie zuvor vernahm. Erst viel später erfuhr ich durch ein Interview, daß sie in einer Fantasy-Sprache singt.
Dem gegenüber stehen Brendans englischsprachige Stücke. Brendan ist sozusagen in dieser Welt verwurzelt, während Lisa sich in andere Sphären erhebt. Beide gemeinsam schaffen ein Gleichgewicht.
2. GARDEN OF THE ARCANE DELIGHTS
Es ist sofort hörbar, daß "Garden of The Arcane Delights" später produziert wurde, als das Album "Dead Can Dance".
Brendan Perry und Lisa Gerrard haben hier ihren gemeinsamen Stil, der sich durch weitere Projekte ziehen wird, gefunden. Die Musik ist klarer, offener und vor allem etwas besser produziert, als beim vorhergegangenen Album.
Dies soll auf keinen Fall heißen, daß "Dead Can Dance" als Album selbst nicht gut ist - im Gegenteil, ich finde es genial. Aber die Musiker dieser Ausnahmeband zeigen bereits durch diese CD eine Fähigkeit, die ich sehr schätze: Sie arbeiten konsequent an sich und ihrem Stil, verändern sich stetig weiter in Richtung Perfektion und entwickeln immer neue, facettenreiche Stilrichtungen, die sie dann weiter ausbauen.
Besonderes Ohrenmerk möge man auf "Flowers of the Sea" werfen, welches - obgleich archaisch rhythmisch anmutend - eine wundervoll entspannte Wirkung erzielt. Es repräsentiert alles, was "Dead Can Dance" ausmacht: Schönheit und gute Musik mit einen Hauch von Magie.
Cover
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Das Cover ist ganz in Schwarz und Silber gehalten. Eine afrikanische, geschnitzte Maske ziert das Cover, daneben steht in einer runenartigen Schrift der Titel bzw. Bandname "Dead Can Dance". (Copyright Sowan) Das Cover ist sehr schlicht gehalten - im Gegensatz zur Musik, die alles ist, nur nicht schlicht.
Fazit
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Ich weiß, ich neige dazu mich zu widerholen, aber "Dead Can Dance" ist ein MUSS für jeden wirklichen Musikliebhaber. Dieser Klangvariationen vermag man sich kaum zu entziehen. Wer allerdings Loveparade-Gehämmer und Hipp Hopp (oder wie das heißt) für gute Musik hält, der sollte die Finger von Dead Can Dance lassen! Das gäbe nur eine Enttäuschung.
Spielzeit
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Dead Can Dance: 36 Minuten und 9 Sekunden
Garden of the Arcane Delight: 15 Minuten
Insgesamt: 51 Minuten und 9 Sekunden
Playlist:
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DEAD CAN DANCE:
- The Fatal Impact
- The Trial
- Frontier
- Fortune
- Ocean
- East Of Eden
- Threshold
- A Passage In Time
- Wild In The Woods
- Musica Eternal
GARDEN OF THE ARCANE DELIGHTS
- Carnevial Of Light
- In Power We Entrust The Love Advocated
- The Arcane
- Flowers Of The Sea
Reinhörtip:
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"WILD IN THE WOODS" (Gesang: Brendan Perry)
"OCEAN" (Gesang Lisa Gerrard)