Mehr zum Thema Pflegeheime Allgemein Testbericht

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Erfahrungsbericht von PaulAmsel

Tagesablauf eines Pflegeheimes

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Mein Name ist Paul Amsel aus Berlin

Ich bin seit 12 Jahren in der Altenpflege tätig .

Ich arbeitete in Städtischen und Privaten Altenpflegeheime , sowie in Betreutes Wohnen für chronisch psychisch Kranke .
Ich habe noch viel Kontakt mit ehemaliger Kollegin und Kollegen mit denen wir uns
ca. 1 mal im Monat die Gedanken austauschen.
Ich möchte heute mal über einen Tagesablauf in einem Pflegeheim berichten, damit man mal einen Eindruck über so ein Heim bekommt.
Der Tagesablauf läuft so oder so ähnlich in den meisten Einrichtungen ab.

Der Frühdienst beginnt um 6: 30 Uhr und die ersten Kollegen kommen meistens kurz nach 6: 00 Uhr. Es wird paar Private Worte gewechselt und eine Tasse Kaffee getrunken.
Der Nachtdienst hat die ersten Bewohner die schon wach sind versorgt und evtl. Gewaschen.
Im Dienstzimmer sind nun der Frühdienst sowie der Nachtdienst zusammen, es beginnt die Dienstübergabe.
Bei einer korrekten Dienstübergabe sollte ein kleiner mündlicher Kurzbericht über jeden Bewohner mitgeteilt werden sowie die Arbeit des Frühdienstes eingeteilt werden
( man nennt dieses auch Teambesprechung ).
Ein Team ( Frühdienst ) kann aus Krankenschwestern , Altenpfleger / in , Krankenpfleger,
Pflegehilfskräfte und ganz wichtig Zivildienstleistende ( Zivis ) bestehen.
Dabei möchte ich noch ganz stark betonen , das ein Pflegebetrieb egal ob in einem Pflegeheim oder in einem Krankenhaus ohne Zivildienstleistende noch schwerer oder fast unmöglich wäre , denn die Zivis sind die , die sich für die einzelnen Bedürfnisse der Bewohner zeit nehmen können ( solange es nicht in der Behandlungspflege fällt ) .

In einer Station mit 40 Bewohnern kommen im schnitt 5 Pflegekräfte davon
2 exam. Personal.

Ab 7:00 Uhr beginnt man die Bewohner zu wecke, zu waschen , sowie bei dem ankleiden behilflich zu sein, also alles was wir auch so machen , bevor wir aufstehen .

Vielleicht kann man sich ein Bild davon machen wie die Vorgehensweise sein muss, wenn man weiß das 5 Personen 40 Bewohner versorgen sollen und die meisten gerne zwischen
8 : 00 – 9: 30 Uhr Frühstücken möchten .
Ich habe mich oft gefragt wie das alles zu bewerkstelligen ist , aber es hatte immer geklappt,
leider aber auch auf kosten der Bewohner , denn das persönliche Gespräch kommt immer mehr zu kurz.
Ab 10:00 Uhr hat man das wichtigste für die Bewohner erst mal geschafft die Bewohner die mobil sind , sind alle aus dem Bett und haben gefrühstückt und die ersten Bewohner die zur Toilette mussten und Hilfe benötigten wurden auch versorgt.
Wenn man glück hat und nichts dazwischen kommt , kann das Personal kurz eine Frühstückspause machen .
Auch hier möchte ich aufmerksam machen ,das eine Frühstückspause nicht so wie in anderen Berufen ist, man setzt sich eine ½ Stunde hin und kann in ruhe essen oder eine Zigarette raucht, meistens muss man die Pause unterbrechen, wenn der Bewohner einen Wunsch hat ,
denn die Versorgung der Bewohner geht vor .

Ich möchte jetzt nicht missverstanden werden , das jetzt einige denken die Bewohner stören während das Personal Pause machen möchte,
dem ist ja nicht so, aber vielleicht haben Besucher jetzt mehr Verständnis , wenn sie sehen das dass Pflegepersonal im Dienstzimmer sitzt und eine kleine Verschnaufpause einlegt .

Nach dem Frühstück werden die Betten hergerichtet , Zimmer saubergemacht und darauf geachtet die Getränke im Zimmer zur Verfügung stehen.
Bettlägerige Bewohner werden gelagert ( damit sie sich nicht wund liegen )
und ärztliche Anordnungen werden ausgeführt.

Wenn man auf der Uhr schaut, dann sieht man , das es wieder Zeit ist den Mittagstisch zu decken denn zwischen 12: 00 und 12 :30 Uhr möchten die meisten essen und evtl. ein Mittagsschlaf halten.
Nach dem essen werden die Bewohner auf Wunsch auf Toilette begleitet und wenn sie es möchten ins Bett gebracht werden.

13 :00 Uhr langsam kehrt ruhe auf der Station ein , wer jetzt denkt wir hätten keine arbeit der irrt sich . Die Zivis beschäftigen sich mit den Bewohnern und räumen die Station auf
und das Pflegepersonal schreibt die Dokumentation , im übrigen kann man ein gutes Pflegeheim daran erkennen das eine ausführliche Dokumentation vorhanden ist , wo z. B. Unregelmäßigkeiten , Pflegeprobleme , ärztliche Anordnungen , Pflegeprotokoll , aber auch die Fähigkeiten eines Bewohner ausführlich beschrieben sind .

Ab 14 : 00 Uhr beginnt der Spätdienst das heißt zwischen 14:00 – 14:30 Uhr wird wieder eine Dienstübergabe gemacht

So sieht ein ruhiger Arbeitstag in einem Pflegeheim aus , aber meistens kommen kleine dinge dazwischen die häufig Zeit in Anspruch nehmen , Arztbesuche im Haus wo eine Pflegekraft immer zugegen sein muss , Angehörige die Auskunft über ihre Mutter oder Vater haben wollenkurz gesagt da kommen noch andere dinge dazu .
Ich hoffe das ich einen kleinen Einblick zum Alltagsablauf eines Pflegeheimes geben konnte
Man kann auch nicht alles aufzählen was noch alles gemacht werden muss, es sollte nur
einen kleinen Einblick für Angehörige geben , die zwar sehen das ihre Angehörigen gut versorgt sind , aber nicht wissen unter welchen Bedingungen die arbeit geleistet werden muss.

Der Mensch der in ein Pflegeheim kommt , wird aus seinem Sozialen Umfeld gerissen ,
dadurch wird auch ein stück seiner Persönlichkeit genommen, außerdem wissen sie auch das es mit großer Wahrscheinlichkeit der letzte Umzug ihres Lebens gewesen ist .
Das ist eines der größten Probleme des Pflegebedürftigen Menschen , meistens hilft schon ein offenes Ohr und das man zuhört

Ich liebe meine Arbeit , doch in meinen Augen , geht bei der Pflege , immer mehr die Menschlichkeit verloren „es wird gepflegt“ , und auf die Bedürfnisse des einzelnen Menschen kann immer weniger eingegangen werden , da es an Personal mangelt und dadurch die Zeit fehlt.
Die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen sind gut ausgebildet , den alten Menschen die würde zu bewahren, ihre Fähigkeiten zu erhalten , mit Gesprächen auf wünsche einzugehen , und auf das neue soziale Umfeld behilflich zu sein.

Leider wird es immer schwerer dieses auch durchzuführen , was zur folge hat das die Motivation des Pflegepersonales langsam immer mehr den Bach runter geht .
Man kann das erlernte nicht mehr vollständig ausüben obwohl es notwendig wäre.


Sprache ist das wichtigste Handwerkszeug der Altenpflege
und die Pflegekräfte sind das Sprachrohr des zu pflegenden Menschen

Ich hoffe das ich ein Sprachrohr für die Pflegebedürftigen Menschen sein konnte, aber auch für das Pflegepersonal

euer Paul Amsel

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