Pro:
Selbstironie, Weltanschauung aus Frauensicht
Kontra:
Handlung kommt nicht in Gang
Gedankengänge zu lang
Empfehlung:
Ja
Ja ja ich bin schon ein kleiner Ildikó von Kürthy- Fan. Und nachdem ich „Mondscheintarif“, „Blaue Wunder“ und „Freizeichen“, gelesen habe, durfte ihr zweites Werk „Herzsprung“ natürlich auch nicht fehlen. Und da ich über „Blaue Wunder“ und „Freizeichen“ schon berichtet habe, dachte ich mir, dann erzähle ich euch mal heute etwas von „Herzsprung“.
°°°°°°°°°° Fakten zum Buch und zur Autorin °°°°°°°°°°
Kürthy (2005): Herzsprung. 19. Auflage. Rowohlt Taschenbuch Verlag. Reinbeck bei Hamburg.
ISBN: 3-499-23287-1
Preis: 8,90Euro
Fotos von Kristin Schnell
Herzsprung ist 2002 erschienen.
Kurzbiographie
1968 geboren und lebt in Hamburg, 1999 veröffentlichte sie ihr Debütroman "Mondscheintarif" 20001 folgte "Herzsprung", 2003 "Freizeichen" und 2004 erschien "Blaue Wunder". Sie ist Redakteurin beim Magazin Stern.
°°°°°°°°°° Inhalt °°°°°°°°°°
Die Hauptakteurin in diesem Roman heißt Amelie „Puppe“ Sturm. Sie führt eine 2 ½ jährige Wochenendbeziehung zu Phillipp von Bülow einem Promianwalt, lebend in Berlin. Sie selbst lebt in Hamburg und führt mit ihrer besten Freundin Ibo das Cafe Himmelreich. Ein Tag vor ihrem 32 Geburtstag ist sie warnsinnig enttäuscht von ihrem Freund, da sie Eifersüchtig auf eine seiner Klientinnen ist. Sie möchte Rache üben und packt kurzerhand ihre Sachen, nimmt ihren Hund Marpel, sammelt seine ganzen teuren Anzüge zusammen um sie anschließend mit Rotwein zu übergießen. Danach schwingt sie sich in ihr Auto und fährt 950 Kilometer Richtung?
Das Ende verrate ich euch natürlich nicht.
Auch wenn ihr glaubt, dass ich eine sehr kurze Inhaltsangabe geschrieben habe, aber wesentlich mehr kann ich dazu einfach nicht berichten. Mehr Geschichte ist nicht.
°°°°°°°°°° Leseprobe °°°°°°°°°°
„ Philipp, auch das hatte ich schnell gemerkt, gehört zu der Sorte Mann, die nach der Arbeit Zeit für sich braucht.
Das hat sich mir, ehrlich gesagt, nie erschlossen. Wozu braucht denn einer Zeit für sich, wenn er stattdessen Zeit mit r verbringen kann? Wozu in Ruhe Zeitung lesen, wenn ich doch bereit bin, alle wichtigen Ereignisse des Tages anschaulich und detailliert zu berichten und noch dazu kommentieren?
Ich kenne viele Männer, die Zeit für sich brauchen- und wenig Frauen, die dafür Verständnis haben. Was meistens dazu führt, dass der Mann in der Stunde, in der er Zeit für sich haben will, mit seiner Frau zankt, weil die keine Zeit für sich haben will.
Phillip und ich, das war uns sehr bald klar, passten überhaupt nicht gut zusammen. Und ich wertete das als viel versprechend. Ich meine, wenn einer so ist wie ich, kann ich ja auch alleine bleiben. Dann würde ich ja gar nicht auffallen.“
(Herzsprung, Seite 65)
°°°°°°°°°° Meine Meinung °°°°°°°°°°
Ich mag den Schreibstil von Ildikó von Kürthy sehr und ihre Art die Welt aus Frauenaugen zu beschreiben ist amüsant zu lesen. Auch die typischen Klischees bedient sie wieder einmal hinreichend und die Lachmuskeln werden auch bei diesem Roman selten verschont.
ABER: Im Gegensatz zu ihren anderen Büchern, finde ich Herzsprung, leicht ermüdend zu lesen. Es gibt nicht viel Handlung in diesem Roman und auch das Ende kommt nicht wirklich überraschend. Zwar ist ihr Stil einzigartig, allerdings machen die langen Gedankengänge, der Amelie Sturm, den Handlungsablauf kaputt. Die eigentliche Handlung kommt einfach nicht richtig in Gang. Ihre Komik über die Weltanschauung, aus Blickwinkel einer Frau, ist zwar (wenn ich nur dieses Buch kennen würde) komisch, allerdings wiederholt sich einiges in anderen Romanen von ihr.
Ich habe das Buch einige Male beiseite gelegt, was bei anderen vielleicht nicht wunderlich ist, bei mir deutet so etwas auf Ermüdungserscheinungen hin. Vielleicht bin ich einfach von der Autorin schon übersättigt.
Die Aufmachung vom Buch ist sehr gelungen. Die Farben sind ansprechend und auch die typische Tagebuch- Gestaltung, gefällt mir gut.
Wolfgang Joop sagte: „Ildikó von Kürthy schärfste Waffe ist die Selbstironie. Und damit ist sie unschlagbar!“
Auch wenn Schlagfertigkeit eigentlich nichts mit Büchern gemeinsam haben, empfinde ich die Autorin, trotzdem für Schlagfertig, da sie einem häufig aus der Seele spricht und genau das ausspricht, was man gerade denkt. Vielleicht trifft das Wort Sinnesverwandt doch eher zu. Die Geschichte der Amelie Sturm könnte auch im wirklichen Leben passieren, jedoch sind die Nebengeschichten, teilweise unrealistisch, aber gerade das macht die Sache so interessant. Man sieht und liest über Menschen, die noch viel mehr Pech und Ungeschick beweisen, als man selbst und gerade das macht einen zu einem beruhigten Leser. Man weiß selbst, dass man nicht der schlimmste Tollpatsch auf Erden ist.
°°°°°°°°°° Fazit °°°°°°°°°
Ich ziehe dem Buch im ganzen zwei Sterne ab. Zu einem wegen der, doch sehr kurzen eigentlichen, Handlung. Zum Zweiten, wegen dem langen Gedankengänge der Amelie Sturm. Die beiden Punkte machen es schwer das Buch in einem Rutsch zu lesen. Im Vergleich zu den anderen Büchern finde ich dieses Werk nicht ganz so toll und deshalb gibt es nur drei Sterne.
Trotzdem empfehle ich es weiter, da das Buch nicht wirklich schlecht ist, sondern nur im Vergleich zu den anderen Werken, schlechter abgeschnitten hat. weiterlesen schließen
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