Pro:
nichts
Kontra:
sehr kurze und langweilige Handlung, schwer zu lesen
Empfehlung:
Nein
Ciao liebe Community!
Wie das nun mal so ist im Deutschunterricht, liest man eine Menge mehr oder minder guter Lektüren auf dem Weg zum Abitur. Die Lektüre, die ich euch hier vorstellen will ist eine der letzteren Art, und zwar eine antike Tragödie namens „Antigone“.
Beginnen möchte ich den Bericht mit einer kurzen Einführung in die Welt des griechischen Dramas. Die griechische Tragödie ist aus Festspielen zu Ehren des Gottes Dionysos entstanden. Diese Festspiele fanden im November / Dezember statt bestanden zunächst nur aus Tänzen. Später entwickelte sich daraus dann das Drama.
Als Peisistratos 539 v. Chr. die Macht in Athen erlangte führte das Fest der Städtischen Dionysien ein, bei dem an drei Aufeinanderfolgenden Tagen von je einem Dichter drei Tragödien und eine Komödie aufgeführt wurden. Dies war auch die Zeit der großen griechischen Tragödien-Dichter Aischylos, Sophokles und Euripides.
Zunächst wurde das ganze Drama nur von einem Schauspieler und einem Chor dargestellt, später dann wurde die Anzahl der Schauspieler auf zwei und dann auf drei erhöht. Sämtliche Schauspieler waren Männer, die die verschiedenen Charaktere mittels Masken repräsentierten, so dass nicht die Mimik, sondern nur die Gestik das gesprochene untermalen konnte.
Der Autor Sophokles ist der zweite der großen griechischen Tragödien-Dichter. Man weiß, dass er über 120 Stücke geschrieben hat, von denen allerdings nur noch 7 erhalten sind. Seine beiden wichtigsten Werke sind „König Ödipus“ und „Antigone“. In seinen Dramen sind die Menschen zum selbstständigen Handeln aufgerufen, müssen sich den Göttern gegenüber allerdings fromm verhalten. Tun sie das nicht, so werden sie durch die Götter bestraft und sehen am Ende ihr vergehen ein. Diese Läuterung war für die Zuschauer ein wichtiger Bestandteil der Tragödie.
Nun wollen wir zu „Antigone“ kommen. Die Handlung ist recht schnell erklärt: Die Zwei Söhne des Königs Ödipus, Eteokles und Polyneikes sollten sich die Herrschaft über die Stadt Theben im jährlichen Wechsel teilen. Eteokles hatte sich jedoch nicht daran gehalten und Polineikes die Besteigung des Thrones verweigert, der daraufhin weggegangen und mit einer Armee zurückgekommen war und die Stadt Theben angegriffen hatte. In dieser Schlacht hatten sich Eteokles und Polyneikes gegenseitig getötet, bevor Theben den Sieg erringen konnte.
Der neue Herrscher Kreon verbietet nun den Leichnam des Polyneikes zu beerdigen und ihm damit die letzte Ehre zu erweisen. (Hier sollte man wissen, dass es ein hohes Gesetz der Götter ist, dass selbst Feinde beerdigt werden müssen.)
Die Schwester der beiden Streithähne, Antigone, beerdigt nun gegen den Erlass von Kreon den Polyneikes und wird dafür zu Tode verurteilt. Ein Seher rät Kreon noch davon ab, doch dieser bleibt Stur bei seinem Urteil. So wird Antigone in eine Höhle gesperrt, in der sie zu verhungern droht. Bevor sie eines solch elenden Todes stirb bringt sie sich jedoch selbst um.
Ihr verlobter, der Sohn des Kreon, folgt ihr daraufhin in den Tod und Kreon sieht ein, dass sein Urteil falsch war.
Das war die gesamte Handlung.
Sonderlich spannend ist die Story also nicht. Sie geht ziemlich geradeaus und ist nicht gerade als vielschichtig zu bezeichnen. Es gibt keine großen Wendungen, was vielleicht daran liegt, dass die ganze Handlung sehr kurz ist und so überhaupt keinen Raum für Wendungen bietet. Zum Verständnis der Handlung ist ein gewisses Hintergrundwissen, der griechischen Mythen nötig, das man als Leser, vor allem als Schüler, für gewöhnlich nicht hat.
Auch für Veränderungen der Charaktere bietet die kurze Handlung zu wenig Platz. Kreon, der allen gegenüber sehr misstrauisch ist und sehr auf die Festigung seiner Macht bedacht ist, besteht immer auf seinem Recht und lässt sich nicht in sein Handeln reinpfuschen. Sogar den Rat des alten Sehers übergeht er. Am Ende des Textes sieht der durch das Schicksal gepeinigte Kreon sein Fehlverhalten jedoch ein und zeigt somit doch ein wenig Verhaltensänderung.
Die Figur der Antigone ändert sich dagegen während des Stückes nicht. Sie stellt eine starke und entschlossene Frau dar, die dem Herrscher Kreon trotzig Paroli bietet und sich auch mit ihrer Strafe abfindet, da sie sich vor dem Tod nicht fürchtet.
Das ganze Drama ist in einer gewissen Versform geschrieben, die (zumindest in der Übersetzung) keinen Sinn macht und das Lesen nur unnötig erschwert, denn die Zeilenumbrüche sind an den unmöglichsten Stellen. Reime gibt es (ebenfalls zumindest in der Übersetzung) nicht.
Die geschwollene Sprache erschwert das Verstehen des Textes noch zusätzlich zum fehlenden Hintergrundwissen. Nach einer gewissen Zeit gewöhnt man sich allerdings daran und versteht das meiste, wenn auch mit einiger Anstrengung. Dann ist das Drama allerdings auch fast schon wieder vorbei.
Besonders schwer zu verstehen fand ich die Lieder des Chores. Diese haben nicht immer direkt etwas mit der Handlung zu tun und bedienen sich einer noch schwierigeren Sprache als die Dialoge. Dadurch werden diese Passagen zu einer wahren Tortur.
In der Ausgabe vom Hamburger Lesehefte Verlag findet man hinter der Tragödie noch eine Seiten mit Zusatzmaterial. So findet man im Nachwort eine kurze Beschreibung des Ursprungs der griechischen Tragödie, kurze Texte über den Autor und das Stück „Antigone“, Stimmen zu Antigone von Hegel und Bultmann sowie eine Aufzählung der Bearbeitungen.
In den Anmerkungen findet man zu schwer verständlichen Stellen (die Zeilen sind durchnummeriert) erklärende Worte. Im Text sind die Stellen, zu denen es eine Anmerkung gibt allerdings nicht markiert, so dass man teilweise vergeblich nachsieht, ob zu einer Stelle eine Anmerkung vorhanden ist.
Das Heft ist in einem gelben, dünnen Pappeinband gebunden und, den ein gezeichnetes Bild von einer Frau, die einen Krug über ihren Kopf hält, ziert. Die Kosten für die Anschaffung dieses Heftes betragen 1,30 €.
Mein Fazit:
Man ist nach dem Lesen dieser Tragödie zwar um eine Erfahrung reicher, hat allerdings ein schlichtweg langweiliges und schwer verständliches Drama gelesen, dass nicht besonders viel aussagt und einen auch nicht unterhält und dessen einziger Nutzen in dieser Zeit wahrscheinlich darin besteht im Deutschunterricht totzuinterpretiert zu werden.
Danke für’s Lesen
Dem To weiterlesen schließen
Bewerten / Kommentar schreiben