Mehr zum Thema Rezensionen & Literaturkritik Testberichte
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
Pro & Kontra
Vorteile
- spannend, unterhaltsam
- intelligent und sensibel geschriebener Roman, der sich um das Thema Geschlechteridentität dreht
- gibts nicht
- sehr gutes SF-Buch
Nachteile / Kritik
- zum Ende hin etwas abfallend
- keines ersichtlich
- alles
- nichts
Tests und Erfahrungsberichte
-
Mankell \
22.03.2003, 01:08 Uhr von
Libraia
Am meisten interessiere ich mich für Bücher, Filme und Politik. Klar, dass ich hierüber auch am m...4Pro:
intelligent und sensibel geschriebener Roman, der sich um das Thema Geschlechteridentität dreht
Kontra:
keines ersichtlich
Empfehlung:
Ja
Letztes Jahr während meines Schwedenurlaubs lag dieses Buch unter dem Titel "Pyramiden" dort bereits stapelweise in den Läden herum. Da mein Schwedisch abgesehen von den üblichen Begrüßungsfloskeln leider nahezu nicht existiert, musste ich mich leider bis zum Erscheinen auf deutsch gedulden. Nun ist es endlich so weit. "Pyramiden" heißt jetzt "Wallanders erster Fall" und liegt endlich auch in Stapeln in den deutschen Buchhandlungen herum.
Nein, es handelt sich nicht um den ersten Fall von Wallanders Tochter Mona (an dem er ja gerüchteweise schreibt), sondern dieses Buch geht weit zurück in Wallanders Vergangenheit.
Zum Autor:
Kennt ihn etwa jemand wirklich noch nicht? Es ist zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich, deshalb ganz kurz: Henning Mankell wurde 1948 in Härjedalen, Schweden, geboren. Bevor er als Krimiautor Furore wie selten jemand machte, war er bereits ein anerkannter Kinder- und Jugendbuchautor. Mit der Figur des melancholischen schonischen (Schonen heißt das Gebiet in Südschweden um Malmö herum) Kommissars Wallander erzielte er den absoluten Durchbruch. Jedem seiner Bücher gelang der Sprung in die Bestsellerlisten.
Mankell lebt die Hälfte des Jahres in Mosambik, er ist dort ein engagierter Theaterregisseur. Lobend erwähnen möchte ich noch seine beiden Afrikaromane "Chronist der Winde" und "Die rote Antilope". Viele seiner Bücher erhielten Preise und einige wurden auch (und zwar nicht schlecht) verfilmt.
Zum Buch:
Der Untertitel "… und andere Erzählungen" deutet schon darauf hin, dass sich dieser Krimi von seinen anderen unterscheidet. Es handelt sich zwar nicht um eine Sammlung von Kurzgeschichten, aber es werden mehrere Kriminalfälle aus unterschiedlichen Lebensepochen Wallanders erzählt.
In einem Vorwort erklärt Mankell, dass ihn die Leser selbst, die ihn oft nach der Vorgeschichte Wallanders gefragt hatten, auf die Idee zu diesem Buch gebracht hatten.
Beginnend mit dem jungen Streifenpolizisten, der gerne in den Kriminaldienst wechseln möchte und endend mit dem Auftakt zu dem in "Mörder ohne Gesicht" behandelten Fall erfahren wir nun also einiges über Wallander, wie er früher war.
Sein erster Fall, in den sein eigener Nachbar verwickelt ist, erklärt uns endlich, was es mit seinem Trauma, seiner Angst davor, im Dienst getötet zu werden auf sich hat. Immer wieder hat Mankell in seinen späteren Büchern eine lebensgefährliche Stichwunde erwähnt. Hier ist nun die Geschichte dazu. Genau genommen investigierte er damals noch ohne Auftrag, denn er war nur ein Streifenpolizist, aber die Lösung des Falls trug zu seinem schnelleren Wechsel in die begehrte Kriminalabteilung bei.
Der Fall: ein Nachbar, ein alter, einsamer Mann wird von Wallander tot in seiner Wohnung aufgefunden. Offenbar war es ein Selbstmord. Doch Wallander selbst glaubt im Gegensatz zu seinen Vorgesetzten nicht daran und begibt sich auf die Suche.
Der Fall an sich ist ganz spannend, mehr interessiert hier aber W.'s Umfeld, seine - schon in den Anfängen nicht umkomplizierte - Liebe zu Mona, seiner späteren Frau und vor allen Dingen sein Verhältnis zu seinem kauzigen Vater, dem Maler der immergleichen Ölbilder. Auch die Entscheidung, Polizist zu werden, obwohl - es ist die Zeit der Proteste gegen den Vietnamkrieg und Polizist ist für viele identisch mit "Bulle" - wird thematisiert. Meiner Meinung nach aber nicht wirklich tiefgehend, nur so ein bisschen am Rande.
Dieser Fall ist mit 122 Seiten auch der längste im Buch.
Bei der nächsten Geschichte "Der Mann mit der Maske", wir befinden uns nun in Malmö im Jahr 1975, ist Wallander bereits seit einigen Jahren Kriminalbeamter. In der Ehe mit Mona kriselt es schon gewaltig, die gemeinsame Tochter Linda ist fünf Jahre alt. Der Umzug nach Ystad kündigt sich bereits an.
Am Weihnachtsabend ruft die Besitzerin eines kleinen Ladens bei der Polizei an, weil ein verdächtig aussehender Mann herumlungert. Als Wallander dort ankommt, ist die Frau bereits tot. Und er ist allein im Laden mit dem Mörder…
Eine kurze Geschichte, in der die Problematik von Ausländern, die illegal und schwarz kommen, angeschnitten werden.
Bei dem nächsten Fall: "Der Mann am Strand" machen wir einen großen zeitlichen Sprung, 1987 ist Wallander bereits Kriminalkommissar in Ystad. In der eigenen Ehe kriselt es noch stärker, die Tochter Linda hat das Gymnasium geschmissen, Wallander selbst arbeitet währenddessen gut mit seinem Idol und Vorbild Rydberg zusammen.
Ein Mann stirbt in einem Taxi ohne ersichtlichen Grund. War es überhaupt Mord, wenn ja, dann aber wie?
Im "Tod des Fotografen" ist Wallander nun schon von Mona getrennt, es soll eine Trennung auf Probe sein, Mona und Linda leben in Malmö, er selbst ist weiterhin in Ystad.
Ein im Ort alteingesessener Fotograf wird von seiner Putzfrau tot in seinem Atelier aufgefunden. Während der Nachforschungen stellt sich heraus, dass dieser Mensch, den nahezu jeder im Ort zu kennen glaubt, ei völlig unnahbarer und distanzierter Mann war, eigentlich kennt ihn keiner. Auch seine Frau gibt an, schon seit Jahren nichts mehr von ihm zu wissen, sie leben zwar noch zusammen, sprechen aber nicht mehr miteinander. Nach der Geburt einer stark behinderten Tochter schiebt der Fotograf diese in ein Heim ab und kümmert sich fortan nicht mehr um sie. Verständlich, dass seine Frau ihm dies nie verziehen hat. Sie selbst besucht die Tochter natürlich, aber sie ist nicht die einzige. Wer ist wohl die geheimnisvolle Frau, die immer mal wieder im Heim auftaucht?
Außerdem kommt ein etwas absonderliches Hobby des Fotografen ans Licht: er hat geheime Fotoalben, in denen er berühmte Personen verunstaltet, was hat es wohl zu bedeuten, dass auch Wallanders Bild in dieser Galerie zu finden ist?
Ich fand diese Geschichte sehr spannend, die Auflösung hingegen erschien mir etwas an den Haaren herbeigezogen.
Die letzte, auch im Original die titelgebende Geschichte, ist meiner Meinung nach auch die beste: "Die Pyramide".
Wallanders Vater spielt hier eine große Rolle, denn der alte Mann hatte es sich in den Kopf gesetzt, einmal in seinem Leben die Pyramiden zu sehen, kurz entschlossen bucht er eine Reise nach Ägypten. Sein Sohn, der gerade mitten in einem Fall ist, bei dem es um den Absturz eines nicht registrierten Flugzeuges geht, wird allerdings durch einen Hilferuf nach Ägypten beordert, sein Vater ist dort im Gefängnis gelandet, Wallander soll ihn wieder herausholen…
Im privaten Bereich gibt es auch Neues, denn die Scheidung von Mona ist durch, Wallander versucht sich mit einer netten, aber langweiligen Krankenschwester zu trösten, was aber gründlich misslingt. Sein Chef und Kollege Rydberg wird immer kränker, aber noch weiß man nicht, was er eigentlich hat.
Während die Ystader Polizei alles versucht, herauszufinden, was es mit dem Flugzeug und den sich darin befindlichen Leichen auf sich hat, geschieht ein zweites Unglück. Zwei alte Schwestern, die ein Handarbeitsgeschäft in der Stadt betreiben, gehen samt ihrem Haus in Flammen auf. Bald ist klar, dass es bei dem Brand nicht mit rechten Dingen zuging. Auch hier - ähnlich wie beim Fotografen - zeigen die Nachforschungen, dass der Schein oft trügt. Die beiden biederen alten Tanten führten ein Doppelleben. Ich glaube, ich verrate nicht zu viel, wenn ich andeute, dass beide Fälle miteinander zu tun haben.
Seine Reise nach Ägypten zu den Pyramiden bringen Wallander letztendlich auf den richtigen Gedanken…
Meine Meinung:
Ich habe das Buch, wie alle seine anderen Bücher, gerne gelesen und fand es sowohl spannend als auch vom persönlichen her interessant. Dennoch habe ich den Eindruck, dass es nicht zu seinen besten gehört. Kein Vergleich zur "fünften Frau" oder zum "Mittsommermord".
Die Kriminalfälle an sich sind ganz gut, doch auch hier muss ich kleine Abstriche machen, denn der "Mann mit der Maske" beispielsweise schneidet Themen an, die nicht so oberflächlich angerissen bleiben sollten. Auch störte ich mich an dem Ende der Geschichte "Tod des Fotografen", denn Mord aus Leidenschaft will einfach nicht zu diesen eiskalten spießigen Typen passen.
Was ich aber noch bedauerlicher finde, ist, dass einige Figuren aus Wallanders Privatleben, über die der Leser (mindestens der Leser, der andere Bücher von ihm kennt) gerne mehr erfahren hätte, seltsam blass bleiben.
Seine Ehefrau Mona beispielsweise gewinnt nicht an Kontur. Es bleibt völlig unklar, was die beiden überhaupt zusammengebracht hat, so verschieden wie sie sind.
Auch Rydberg, der ja später immer wieder zitiert wird, gibt nur einige mehr oder weniger weise Sätze von sich, auch er wird leider nicht zu einer echten Persönlichkeit.
Ganz klasse hingegen die Darstellung von Wallanders Vater, so charakteristisch und mit Eigenleben erfüllt hätte ich mir auch die anderen (auch die Kollegen beispielsweise) gewünscht.
Interessant ist es aber allemal, denn die Person unseres grummeligen, übergewichtigen, schwermütigen und opernliebenden Kommissars wird uns viel näher gebracht als zuvor. Und das allein ist das Lesen schon wert.
Fazit:
Wallander Fans müssen es sowieso lesen (das sollen sie auch), allen Mankell Neulingen würde ich eher zu anderen Büchern raten. Wenn sie denn süchtig geworden sind, gibt es dieses dann wohl auch schon als Taschenbuch…
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-16 23:12:47 mit dem Titel Roth, Philip "Der menschliche Makel"
Philip Roth "Der menschliche Makel" erschien ursprünglich im Houghton Mifflin Verlag in New York unter dem Titel "the human stain".
Auf deutsch ist es gerade im Hanser Verlag herausgekommen , der Übersetzer ist Dirk van Gunsteren.
Warum ich den Übersetzer extra erwähne?
Da ich mich durch Roth's "I married a communist" (auch hier bereits besprochen) auf englisch mühsam hindurch gearbeitet hatte, weiß ich die Arbeit dieses wirklich guten Übersetzers um so mehr zu schätzen, denn Roth benutzt ein sehr vielschichtiges, gewiss nicht einfaches Englisch, das große Ansprüche an einen Übersetzer stellt. Van Gunsteren meistert diese Herausforderung.
Zum Autor:
Der 1933 in New Jersey geborene Philip Roth gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Schriftstellern. Er hat praktisch alle wichtige amerikanischen Literaturpreise, die man so bekommen kann erhalten, darunter auch den begehrten Pulitzerpreis.
Für das vorliegende neue Buch erhielt er den PEN/Faulkner Award.
Nun bedeutet die Tatsache, dass jemand ein preisgekrönter, von der Literaturkritik hochgelobter Autor zu sein, ja nicht unbedingt, dass i c h ihn gut finden muss. Tue ich aber! Ich hab das schon in meiner Besprechung zu "I married a communist" gesagt und wiederhole es hier noch einmal:
Philip Roth ist ein großartiger Schriftsteller auf höchstem literarischem Niveau, dessen Bücher zu lesen immer eine besondere (nicht nur) intellektuelle Freude bereitet. Es gelingt ihm, Menschen, deren Schicksal, ihre oft alles andere als geradlinigen Geschichten so echt und tief zu beschreiben, dass man sich als Leser einerseits sehr gut einfühlen kann, andererseits immer auch eine große objektivierende Distanz zu den Helden bestehen bleibt.
Roths Figuren erlauben es dem Leser nicht, einfach Sympathie oder Antipathie zu empfinden, es gibt hier n i e simple Schwarz-Weiß-Malerei. Ebenso wie Roths Sprache vielschichtig ist, sind es auch seine Romanfiguren, man wird einem Wechselbad der Gefühle ausgesetzt, wenn einen das Verhalten der Hauptfiguren einmal absolut empört, man einige Seiten später aber wieder von tiefem Mitleid und großer Sympathie und einem Ansatz von Verständnis für das empörende Verhalten erfüllt wird.
Was muss sonst noch erwähnt werden, bevor ich näher auf seinen neuen Roman eingehe? - Roth ist ein jüdischer Autor - und das ist in all seinen Romanen ein mehr oder minder wichtiges Thema . Neben Woody Allen ist es Roth, durch den ich das Milieu jüdischer amerikanischer Intellektueller, aber auch das der kämpfenden jüdischen Mittelschicht kennen gelernt habe.
Er ist außerdem auch ein Schriftsteller, der viel, gerne und sehr direkt über Sex schreibt, natürlich über die männliche Sichtweise; auch daraus habe ich, glaube ich, etwas gelernt.
Und nicht zuletzt: in fast all seinen Romanen baut er sich selbst durch sein Alter Ego "Nathan Zuckerman" ein.
So ist es auch im "menschlichen Makel"
Zum Inhalt:
Nathan Zuckerman, ein alternder berühmter jüdischer Schriftsteller ist, um in Ruhe gelassen zu werden und fernab vom Großstadttrubel schreiben und leben zu können, nach Athena, eine provinzielle, spießige amerikanische Kleinstadt, in der es aber immerhin eine Universität gibt, gezogen.
Hier denkt er nach über Bill Clinton und Monica Lewinsky, die gerade das Thema Nr. 1 in den Staaten sind, über seine Prostataoperation und über seine daraus folgende Impotenz. Mitten in diese -zwar nicht gerade sorgenfreie - Idylle bricht Coleman Silk, Professor für Altphilologie, 71 Jahre, ein wie ein zorniger Wirbelwind.
Silk wurde Unrecht getan, großes Unrecht; und er ist gekommen, damit Zuckerman sich seine Geschichte anhört und ein Buch darüber schreibt, denn ihm, dem berühmten Literaten, wird man glauben, Coleman Silk hingegen nicht.
Silk, der sich als Dekan der Uni große Verdienste erarbeitet hatte, der verknöcherte Strukturen aufgebrochen und neuen Schwung und intellektuelles Leben hineingebracht hatte, war ein Mensch, der sich seine brillante Universitätskarriere durch Zielstrebigkeit, Mut, Intelligenz und eine unbändige Energie immer wieder neu verdient hatte.
Zwei kleine Wörter sind es, die ihn von dieser Höhe herunterstoßen, die alles, was er vorher lebenslang erkämpft hatte, mit einem Schlag zerstören: Er nennt zwei abwesende Studenten, die er noch nie zu Gesicht bekommen hatte, "dunkle Gestalten". Das sollte eine Anspielung sein auf ihr eventuelle ausschweifendes Nachtleben, das sie das Tageslicht der Vorlesungen scheuen ließ, aber da die beiden Schwarze sind (was Silk aber nicht wusste) wird ihm dieser Ausdruck als eine rassistische Äußerung ausgelegt.
Alle Erklärungen nützen nichts, Silk merkt, dass er Feinde hat, dass auch vermeintliche Freunde nicht zu ihm stehen, die ganze Maschinerie (Abmahnungen, offizielle Fragebögen, Untersuchungsausschüsse ...) läuft an.
Silk erträgt das nicht mehr und scheidet "freiwillig" aus. Wesentlich schlimmer noch ist allerdings der Umstand, dass seine Frau ob der Demütigungen und Aufregungen stirbt. Zumindest ist sich Silk sicher, dass das der Grund für Iris' plötzlichen Herztod ist. Er sinnt auf Rache, er möchte Aufklärung, Bestrafung der Schuldigen, er versucht, selbst ein Buch zu schreiben, das die wahren Hintergründe zeigt. In dieser verzweifelten Situation kommt er zu Zuckerman, um ihn um Hilfe zu bitten.
Zuckerman weigert sich zwar, das Gewünschte zu schreiben, doch er ist andererseits fasziniert von diesem Mann. Die beiden freunden sich immer stärker an und er (dadurch auch wir) erfährt eine Menge über das Leben von Coleman Silk.
Die Art, wie diese langsame Annäherung der beiden vor sich geht, ist wundervoll beschrieben. Die Freude Zuckermans, einen neuen, gleichaltrigen und ihm intellektuell nicht unterlegenen Freund gefunden zu haben, ist sehr anrührend beschrieben. Allerdings erfährt man als Leser auch einiges über Alterssex, über Viagra und Inkontinenzprobleme, was man nicht unbedingt so genau wissen möchte ( und doch: auch das ist irgendwie interessant, denn wann denkt man schon darüber nach...)
Nach und nach dringen wir immer tiefer in Colemans Geschichte und in seine Psyche ein. In Rückblenden wird seine Jugend, seine Lieben, seine Ehe, Freuden und Probleme mit seinen Kindern und natürlich immer wieder die Sache mit der Uni aufgerollt. Nicht alles erfährt Zuckerman von seinem Freund selbst, einiges bekommt er von anderen erzählt oder muss es rekonstruieren, Wir als Leser werden immer in einer gewissen Spannung gehalten, denn Roth ist halt nicht Zuckerman, sondern er begeht viele Wege ,Schleifen und Umwege, um uns einen Menschen mit all seinen Facetten nahe zu bringen.
Ich habe darüber nachgegrübelt, wie viel ich von dem eigentlichen Clou der Story "verraten" kann, ohne die ganze Geschichte zu erzählen und bin zu dem Schluss gekommen, nur sehr wenig preiszugeben, denn ich möchte euch potentiellen Lesern nicht um die Überraschung, Empörung, den Ärger und auch das Verständnis gegenüber der Hauptperson, das ich selbst beim Lesen empfunden habe vorenthalten.
Nur so viel:
Coleman Silk ist nicht der, der er zu sein scheint, irgendwann in seiner Jugend war er an einem Punkt, an dem er beschloss, ein anderer zu werden. Von nun an lebte er mit einer großen Lebenslüge, die immense Auswirkungen hat, nicht nur auf ihn, sondern auch auf alle ihm nahestehenden Menschen .
.Neben den beiden Männern Zuckerman und Silk gibt es jedoch noch eine Frau, die in der Jetztzeit eine wichtige Rolle spielt: Faunia, Analphabetin, Putzfrau an der Uni, misshandelte und vor ihrem Exehemann flüchtende Mitttdreißigerin. Ausgerechnet sie wird Colemans heimliche Geliebte, man kann sich vorstellen, dass dieser Beziehung jede Menge Zündstoff innewohnt.
In einem ausgezeichneten Kapitel (sie sind zwar alle ausgezeichnet, aber dieses ist so anders als der Rest des Buches) wird aus Faunias Sicht erzählt, aber nichts über das, was wir eigentlich oberflächlich über sie wissen wollen, sondern eine Art Zwiegespräch zwischen ihr und einem Vogel. So sonderbar sich das liest, anschließend hatte ich das Gefühl, diese ungreifbare Frau jetzt verstanden zu haben, einen Zugang zu ihr gefunden zu haben.
Dass es kein klassisches "Happy End" geben kann, versteht sich aufgrund der Art, wie die Geschichte angelegt ist, eigentlich von selbst. Dennoch möchte ich auch jetzt nicht das Ende vorwegnehmen. Lest es lieber selbst!!
Mein Fazit:
Ich habe jetzt schon so viel von Roth gelesen und alles gut gefunden, einiges aber sehr gut und noch einiges absolut ausgezeichnet. Wo in dieser Skala soll ich dieses Buch einreihen???
Ich bin mal wieder begeistert von seinem Stil, seinem Können, seinem tiefen Verständnis für Menschen, auch von der Story, die wirklich sehr interessant und aufwühlend ist.
Dennoch haben mich (auch nicht zum ersten mal bei Roth) einige Dinge gestört: an manchen Stellen wird er sexistisch (ich möchte zum Beispiel nicht lesen müssen, dass eine Frau gut im Bett ist, weil sie als Kind missbraucht wurde, das schreibt er aber einmal, allerdings nimmt er das einige Seiten später wieder zurück). Auch fand ich die Lebenslüge des Coleman Silk so unglaublich, dass sie mir anfangs zu konstruiert vorkam (habe mich aber überzeugen lassen, dass seine Story gar nicht so ausgefallen und absurd ist).
Auch fehlen mir einige Aspekte, die ich an anderen Roths so liebe: sein Versteckspiel , wer ist Zuckerman, wer ist Roth, fehlt hier völlig.
Aber was soll's! Man merkt, dass alle eventuellen Einwände gleich widerlegbar sind, deshalb mein endgültiges Fazit:
Ein sehr gutes Buch, ein ausgezeichnetes Buch (aber er hat bereits noch bessere geschrieben!)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-02 23:20:13 mit dem Titel Jonathan Franzen , "Die Korrekturen"
"Lesen worüber jeder spricht" mit diesem Spruch wirbt nicht etwa der Suhrkamp Verlag für den neuen Walser, sondern der Rowohlt Verlag für den US Shooting Star Jonathan Franzen.
Ob wirklich schon "jeder" drüber redet - ich bezweifle es, aber immerhin wurde dieser Roman in nahezu jedem Feuilleton, in jeder Zeitschrift und Zeitung im Land ziemlich ausführlich besprochen.
Ich selbst wurde bereits im Herbst 2001 durch eine dermaßen begeisterte und begeisternde Lobeshymne - ich glaube es war in der "Zeit" - auf Franzen aufmerksam. Mein lieber Mann schenkte mir daraufhin die englische Originalausgabe, die - wegen des schwierigen Anfangs - allerdings einige Monate lang ungelesen in der Ecke lag. Erst als jetzt im Juni 2002 die deutsche Ausgabe auf den Markt kam, packte mich der Ehrgeiz: mal sehen, ob ich das nicht doch noch auf englisch "schaffe".
In einer der unzähligen - fast durchweg positiven - Rezensionen wurde ich dann auch etwas getröstet wegen meiner Anfangsschwierigkeiten. Die ersten 30 Seiten seien "zum Zähne daran ausbeißen", also lagen meine Schwierigkeiten wohl doch nicht an meinen mangelnden Englischkenntnissen, sondern an dem auch in der Übersetzung schwierigen Einstieg in den Roman.
Ich finde jetzt - nachdem ich mich durchgebissen habe - den Einstig übrigens sehr sehr schön, poetisch und atmosphärisch dicht, beklemmend und beeindruckend.
Dennoch bin ich froh, dass das Buch nicht so weiter geht, sondern im Gegenteil sehr gut lesbar wird.
Zum Autor:
Jonathan Franzen, Jahrgang 1959, schrieb mit The Corrections bereits sein drittes Buch. Die Titel "The 27th City" und "Strong Motion" mit denen er in den USA Achtungserfolge erzielt hatte, wurden bisher noch nicht ins Deutsche übersetzt. Er studierte übrigens auch zwei Jahre lang in Deutschland (München und Berlin) Literaturwissenschaften.
Es gibt eine witzige, aber auch recht erhellende Anekdote über ihn zu erzählen. In den USA gibt es zwar viele Talkshows, eine aber ist sozusagen die Über - Super - Talk - Show, die jeder kennt: "Oprah Winfrey". 99% aller Amerikaner würden sich die Finger danach abschlecken, einmal in Oprahs Show erwähnt zu werden. Nicht so Jonathan Franzen. Als Oprah seine Corrections als Buch des Monats vorstellen wollte (was ihm hundertprozentig tolle Verkaufszahlen beschert hätte), weigerte er sich beleidigt und empört. Er schreibe "richtige" Literatur (und kein "Buch des Monats" in einer Talkshow) in Richtung National Book Award (den er dann tatsächlich auch bekommen hat) und Booker Prize.
Man mag ein solches Verhalten arrogant oder lächerlich finden (das ist es sicher auch) andererseits beweist es auch die Ernsthaftigkeit Franzens, sein inneres Anliegen und auch eine gewisse Unbestechlichkeit.
Sein Anspruch an die moderne Literatur ist es eigentlich, einen Mittelweg zu finden zwischen der anspruchsvollen Literatur eines Th. Pynchon und De Lillo (mit dem er übrigens befreundet ist), die aber nur von einer intellektuellen Elite gelesen wird und dem eher plot- und figurenorientierten Stories populärer Unterhaltungsschriftsteller. In einem Essay, das er 1996 geschrieben hatte, beklagt er die scharfe Trennung zwischen diesen beiden Genres. Dass er sich gegenüber Oprah Winfrey dann doch so eindeutig auf die eine Seite - die der höheren Literatur - stellte, ist gemessen an seinem eigenen Anspruch leíder etwas inkonsequent.
Zum Buch:
In diesem Buch wird die Geschichte einer durchschnittlichen middle-upperclass Familie aus dem mittleren Westen der USA erzählt. Alfred, ein pensionierter höherer Eisenbahnangestellter und Freizeitforscher, der allerdings fast nur noch antriebslos und verstummt in seinem Lieblingssessel im Hobbykeller sitzt und seine Frau Enid, die ihn vergeblich zu irgendwelchen Aktivitäten zu motivieren versucht und die drei erwachsenen Kinder Chip, Denise und Gary.
Vordergründig geht es nur darum, dass Enid sich in den Kopf gesetzt hat, die gesamte Familie möglichst mit den Enkelkindern zu einem letzten Weihnachten in ihrem Haus zusammen zu bringen. Sie weiß, dass ihr Mann immer kränker und sonderbarer wird, dass sie das Haus möglicherweise nicht alleine halten kann und dass eine Zukunft in einem Pflegeheim droht. Ebenso ist ihr klar, dass sich die Kinder schon seit langem innerlich von ihr und voneinander entfernt haben, jeder sein eigenes Leben führt, von dem sie wenig weiß und auch einiges lieber nicht wissen möchte. Um so stärker wird ihr Wunsch, noch ein einziges Mal ein perfektes Familientreffen zu organisieren: mit Weihnachtsbaum, selbst Plätzchen backen, eine Nussknackerballettaufführung besuchen und allem, was dazu gehört.
Dieses halsstarrige und vielen Widrigkeiten trotzende Bemühen Enids zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch.
In der Eingangsszene des Romans gibt Franzen eine tief beeindruckende Vorstellung davon, wie bedrückend das Leben der beiden alten Leute ist, die eine sehr traditionelle Ehe führten, was so viel heißt wie wenig Partnerschaft, viel Verschweigen, keine Gefühle zeigen und eine strenge Rollenaufteilung.
In den weiteren Kapiteln werden nacheinander die Kinder vorgestellt.
Chip, ehemals vielversprechender Literaturwissenschaftler, der nun, mit 40 Jahren, wegen einer Affäre mit einer Studentin aus seiner Stelle an der Uni gekickt wurde, hängt voll durch. Seine - allerdings sowieso verheiratete - Freundin hat ihn verlassen, sein Theaterstück findet keinen Verleger und die Schulden bei seiner jüngeren Schwester Denise werden immer höher. Und dann kündigen sich auch noch die Eltern zu einem Besuch an. Er hatte seiner Mutter vorgemacht, er arbeite beim "Wall Street Journal", leider schreibt er in Wirklichkeit nur ab und zu unbezahlte Artikel für das völlig unbekannte "Warren Street Journal". Wie aus einem ursprünglich ganz simplen akustischen Missverständnis eine immer größere Lüge wird, das beschreibt Franzen sehr witzig und komisch, auch wenn es eigentlich traurig ist.
Gary, der älteste Sohn hat es hingegen wirklich "geschafft". Er ist erfolgreicher Anlageberater, verheiratet mit der intelligenten und schönen Caroline und Vater dreier Söhne. Trotz seines Erfolgs und seinen beruflichen Möglichkeiten hat er nie das Ziel vergessen, ja nicht so zu werden wie sein Vater, der immer nur für den Beruf und wenig für die Familie gelebt hatte. Gary macht keine Überstunden, er kocht regelmäßig und spielt mit seinen Kindern. Warum er dennoch immer depressiver und unglücklicher wird, kann er nicht verstehen. Die Aufforderung seiner Mutter, gemeinsam mit seiner Familie Weihnachten bei ihr und Alfred zu verbringen, bringt seine Ehe an den Rand einer Katastrophe. Caroline weigert sich kategorisch, Gary wird innerlich zerrissen von den Ansprüchen seiner Mutter einerseits und seiner Frau andererseits. Wie eine - von außen betrachtet - so unbedeutende Kleinigkeit dennoch alle innere Stabilität seines Lebens ins Wanken bringt und vor allen Dingen mit wie viel tausend Tricks und Selbstüberredungskünsten Gary versucht, sich und seine Umwelt davon zu überzeugen, dass er auf keinen Fall depressiv sei, das geht einem ganz schön nahe…
Die Tochter Denise ist eine äußerst erfolgreiche Starköchin, sie verdient nicht nur sehr gut, sondern sie liebt auch ihren Beruf. Ihre Mutter könnte sehr gut angeben mit ihr, wenn sie nicht geschieden wäre. Außerdem befürchtet Enid, dass Denise ein Verhältnis mit einem verheirateten Mann habe. Ganz so einfach liegen die Dinge jedoch nicht, denn nach zwei gescheiterten Beziehungen mit verheirateten Männern, ihrer - allerdings freundschaftlich - gescheiterten Ehe mit dem jüdischen Starkoch Emile und einer ebenfalls gescheiterten lesbischen Beziehung möchte Denise eigentlich nur noch kochen und arbeiten. Bis sie sich unrettbar in Robin, die Frau ihres netten und attraktiven Chefs verliebt.
Der Leser lernt alle gut kennen: Robin mit ihrem schwierigen Familienhintergrund, deren Töchter, ihre Schwierigkeit mit dem plötzlichen Reichtum ihres Mannes klar zu kommen und vor allen Dingen Denise, die versucht, hinter allen Rollen, die sie jemals gespielt hat, ihr eigenes Ich zu finden.
Ich könnte noch viel erzählen über absurde Verwicklungen, über Chip, der mit dem Exmann seiner Exfreundin nach Litauen fliegt, um dort zwielichtige Internetgeschäfte abzuwickeln, über Robins kriminellen Halbbruder, über die ereignisreiche Kreuzfahrt, zu der Enid ihren Mann Alfred überredete, aber dann könnte ich kein Ende mehr finden…
Vielleicht , so hoffe ich, ist dennoch eines klar geworden_ bei den "Korrekturen" gibt es keinen wahnsinnig spannenden Handlungsstrang, der den Leser bei der Stange hält, weil er unbedingt wissen möchte, wie es ausgeht. Außer man findet die Frage, ob sich die Familie nun Weihnachten trifft, ausreichend spannend, was ich mir aber nicht so recht vorstellen kann:)
Es handelt sich hier eher um ein breit angelegtes Epos, das sich in viele kleinere Untergeschichten verzweigt. Diese verschiedenen Handlungsstränge und die Menschen, die man hier kennen lernt, sind allerdings durchwegs interessant und gut charakterisiert, ja und eben doch sehr spannend…
Zum Stil:
Auch wenn alle Feuilletons schreiben, dass Franzen "modern" und "neu" schreibt, dass es ihm gelinge, den amerikanischen Roman nahezu wieder neu erfunden zu haben, ich kann das nicht finden. Auch sehe ich die oft zitierte großartige Gesellschaftskritik nicht.
Klar wird vieles angesprochen: Kapitalismuskritik, starre Rollenbilder, Geldgeilheit, Snobismus, ein bisschen Kritik an der weißen Oberschicht, amerikanische Prüderie, Geschlechteridentitäten, den Umgang der Gesellschaft mit den Themen Krankheit, Tod und Depression. Wenn man so drüber nachdenkt, dann packt Franzen tatsächlich sehr, sehr vieles hinein in seinen Roman und man kann es auf dieser Ebene tatsächlich lesen.
Ich allerdings habe einen Familienroman gelesen über Menschen, die ich mir sehr gut vorstellen kann, mit denen ich eine Zeit lang mit gelebt habe.
Ich finde, dass Franzen weder besonders innovativ noch intellektualisierend schreibt, mag sein, dass er hier und da mal was ausprobiert, aber eigentlich schreibt er eine geradlinige und traditionelle Geschichte in einem Erzählstil, der einem so unbekannt nicht vorkommt.
Im Tagesspiegel wurde sein Stil mit Ph.Roth und Updike verglichen. Gar nicht so falsch, denke ich (obwohl er nicht an Roth heranreicht); auf alle Fälle kann er sowohl intelligent als auch gut lesbar schreiben - und wenn das nicht mal auf alle Fälle sehr lobenswert ist, was dann?!
Fazit: ein Buch, bei dem ich es schade fand, als es zu Ende ging, ich hätte gerne einfach immer weiter gelesen….
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-06 23:09:02 mit dem Titel Mankell "Wallanders erster Fall"
Wallanders erster Fall
Letztes Jahr während meines Schwedenurlaubs lag dieses Buch unter dem Titel "Pyramiden" dort bereits stapelweise in den Läden herum. Da mein Schwedisch abgesehen von den üblichen Begrüßungsfloskeln leider nahezu nicht existiert, musste ich mich leider bis zum Erscheinen auf deutsch gedulden. Nun ist es endlich so weit. "Pyramiden" heißt jetzt "Wallanders erster Fall" und liegt endlich auch in Stapeln in den deutschen Buchhandlungen herum.
Nein, es handelt sich nicht um den ersten Fall von Wallanders Tochter Mona (an dem er ja gerüchteweise schreibt), sondern dieses Buch geht weit zurück in Wallanders Vergangenheit.
Zum Autor:
Kennt ihn etwa jemand wirklich noch nicht? Es ist zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich, deshalb ganz kurz: Henning Mankell wurde 1948 in Härjedalen, Schweden, geboren. Bevor er als Krimiautor Furore wie selten jemand machte, war er bereits ein anerkannter Kinder- und Jugendbuchautor. Mit der Figur des melancholischen schonischen (Schonen heißt das Gebiet in Südschweden um Malmö herum) Kommissars Wallander erzielte er den absoluten Durchbruch. Jedem seiner Bücher gelang der Sprung in die Bestsellerlisten.
Mankell lebt die Hälfte des Jahres in Mosambik, er ist dort ein engagierter Theaterregisseur. Lobend erwähnen möchte ich noch seine beiden Afrikaromane "Chronist der Winde" und "Die rote Antilope". Viele seiner Bücher erhielten Preise und einige wurden auch (und zwar nicht schlecht) verfilmt.
Zum Buch:
Der Untertitel "… und andere Erzählungen" deutet schon darauf hin, dass sich dieser Krimi von seinen anderen unterscheidet. Es handelt sich zwar nicht um eine Sammlung von Kurzgeschichten, aber es werden mehrere Kriminalfälle aus unterschiedlichen Lebensepochen Wallanders erzählt.
In einem Vorwort erklärt Mankell, dass ihn die Leser selbst, die ihn oft nach der Vorgeschichte Wallanders gefragt hatten, auf die Idee zu diesem Buch gebracht hatten.
Beginnend mit dem jungen Streifenpolizisten, der gerne in den Kriminaldienst wechseln möchte und endend mit dem Auftakt zu dem in "Mörder ohne Gesicht" behandelten Fall erfahren wir nun also einiges über Wallander, wie er früher war.
Sein erster Fall, in den sein eigener Nachbar verwickelt ist, erklärt uns endlich, was es mit seinem Trauma, seiner Angst davor, im Dienst getötet zu werden auf sich hat. Immer wieder hat Mankell in seinen späteren Büchern eine lebensgefährliche Stichwunde erwähnt. Hier ist nun die Geschichte dazu. Genau genommen investigierte er damals noch ohne Auftrag, denn er war nur ein Streifenpolizist, aber die Lösung des Falls trug zu seinem schnelleren Wechsel in die begehrte Kriminalabteilung bei.
Der Fall: ein Nachbar, ein alter, einsamer Mann wird von Wallander tot in seiner Wohnung aufgefunden. Offenbar war es ein Selbstmord. Doch Wallander selbst glaubt im Gegensatz zu seinen Vorgesetzten nicht daran und begibt sich auf die Suche.
Der Fall an sich ist ganz spannend, mehr interessiert hier aber W.'s Umfeld, seine - schon in den Anfängen nicht umkomplizierte - Liebe zu Mona, seiner späteren Frau und vor allen Dingen sein Verhältnis zu seinem kauzigen Vater, dem Maler der immergleichen Ölbilder. Auch die Entscheidung, Polizist zu werden, obwohl - es ist die Zeit der Proteste gegen den Vietnamkrieg und Polizist ist für viele identisch mit "Bulle" - wird thematisiert. Meiner Meinung nach aber nicht wirklich tiefgehend, nur so ein bisschen am Rande.
Dieser Fall ist mit 122 Seiten auch der längste im Buch.
Bei der nächsten Geschichte "Der Mann mit der Maske", wir befinden uns nun in Malmö im Jahr 1975, ist Wallander bereits seit einigen Jahren Kriminalbeamter. In der Ehe mit Mona kriselt es schon gewaltig, die gemeinsame Tochter Linda ist fünf Jahre alt. Der Umzug nach Ystad kündigt sich bereits an.
Am Weihnachtsabend ruft die Besitzerin eines kleinen Ladens bei der Polizei an, weil ein verdächtig aussehender Mann herumlungert. Als Wallander dort ankommt, ist die Frau bereits tot. Und er ist allein im Laden mit dem Mörder…
Eine kurze Geschichte, in der die Problematik von Ausländern, die illegal und schwarz kommen, angeschnitten werden.
Bei dem nächsten Fall: "Der Mann am Strand" machen wir einen großen zeitlichen Sprung, 1987 ist Wallander bereits Kriminalkommissar in Ystad. In der eigenen Ehe kriselt es noch stärker, die Tochter Linda hat das Gymnasium geschmissen, Wallander selbst arbeitet währenddessen gut mit seinem Idol und Vorbild Rydberg zusammen.
Ein Mann stirbt in einem Taxi ohne ersichtlichen Grund. War es überhaupt Mord, wenn ja, dann aber wie?
Im "Tod des Fotografen" ist Wallander nun schon von Mona getrennt, es soll eine Trennung auf Probe sein, Mona und Linda leben in Malmö, er selbst ist weiterhin in Ystad.
Ein im Ort alteingesessener Fotograf wird von seiner Putzfrau tot in seinem Atelier aufgefunden. Während der Nachforschungen stellt sich heraus, dass dieser Mensch, den nahezu jeder im Ort zu kennen glaubt, ei völlig unnahbarer und distanzierter Mann war, eigentlich kennt ihn keiner. Auch seine Frau gibt an, schon seit Jahren nichts mehr von ihm zu wissen, sie leben zwar noch zusammen, sprechen aber nicht mehr miteinander. Nach der Geburt einer stark behinderten Tochter schiebt der Fotograf diese in ein Heim ab und kümmert sich fortan nicht mehr um sie. Verständlich, dass seine Frau ihm dies nie verziehen hat. Sie selbst besucht die Tochter natürlich, aber sie ist nicht die einzige. Wer ist wohl die geheimnisvolle Frau, die immer mal wieder im Heim auftaucht?
Außerdem kommt ein etwas absonderliches Hobby des Fotografen ans Licht: er hat geheime Fotoalben, in denen er berühmte Personen verunstaltet, was hat es wohl zu bedeuten, dass auch Wallanders Bild in dieser Galerie zu finden ist?
Ich fand diese Geschichte sehr spannend, die Auflösung hingegen erschien mir etwas an den Haaren herbeigezogen.
Die letzte, auch im Original die titelgebende Geschichte, ist meiner Meinung nach auch die beste: "Die Pyramide".
Wallanders Vater spielt hier eine große Rolle, denn der alte Mann hatte es sich in den Kopf gesetzt, einmal in seinem Leben die Pyramiden zu sehen, kurz entschlossen bucht er eine Reise nach Ägypten. Sein Sohn, der gerade mitten in einem Fall ist, bei dem es um den Absturz eines nicht registrierten Flugzeuges geht, wird allerdings durch einen Hilferuf nach Ägypten beordert, sein Vater ist dort im Gefängnis gelandet, Wallander soll ihn wieder herausholen…
Im privaten Bereich gibt es auch Neues, denn die Scheidung von Mona ist durch, Wallander versucht sich mit einer netten, aber langweiligen Krankenschwester zu trösten, was aber gründlich misslingt. Sein Chef und Kollege Rydberg wird immer kränker, aber noch weiß man nicht, was er eigentlich hat.
Während die Ystader Polizei alles versucht, herauszufinden, was es mit dem Flugzeug und den sich darin befindlichen Leichen auf sich hat, geschieht ein zweites Unglück. Zwei alte Schwestern, die ein Handarbeitsgeschäft in der Stadt betreiben, gehen samt ihrem Haus in Flammen auf. Bald ist klar, dass es bei dem Brand nicht mit rechten Dingen zuging. Auch hier - ähnlich wie beim Fotografen - zeigen die Nachforschungen, dass der Schein oft trügt. Die beiden biederen alten Tanten führten ein Doppelleben. Ich glaube, ich verrate nicht zu viel, wenn ich andeute, dass beide Fälle miteinander zu tun haben.
Seine Reise nach Ägypten zu den Pyramiden bringen Wallander letztendlich auf den richtigen Gedanken…
Meine Meinung:
Ich habe das Buch, wie alle seine anderen Bücher, gerne gelesen und fand es sowohl spannend als auch vom persönlichen her interessant. Dennoch habe ich den Eindruck, dass es nicht zu seinen besten gehört. Kein Vergleich zur "fünften Frau" oder zum "Mittsommermord".
Die Kriminalfälle an sich sind ganz gut, doch auch hier muss ich kleine Abstriche machen, denn der "Mann mit der Maske" beispielsweise schneidet Themen an, die nicht so oberflächlich angerissen bleiben sollten. Auch störte ich mich an dem Ende der Geschichte "Tod des Fotografen", denn Mord aus Leidenschaft will einfach nicht zu diesen eiskalten spießigen Typen passen.
Was ich aber noch bedauerlicher finde, ist, dass einige Figuren aus Wallanders Privatleben, über die der Leser (mindestens der Leser, der andere Bücher von ihm kennt) gerne mehr erfahren hätte, seltsam blass bleiben.
Seine Ehefrau Mona beispielsweise gewinnt nicht an Kontur. Es bleibt völlig unklar, was die beiden überhaupt zusammengebracht hat, so verschieden wie sie sind.
Auch Rydberg, der ja später immer wieder zitiert wird, gibt nur einige mehr oder weniger weise Sätze von sich, auch er wird leider nicht zu einer echten Persönlichkeit.
Ganz klasse hingegen die Darstellung von Wallanders Vater, so charakteristisch und mit Eigenleben erfüllt hätte ich mir auch die anderen (auch die Kollegen beispielsweise) gewünscht.
Interessant ist es aber allemal, denn die Person unseres grummeligen, übergewichtigen, schwermütigen und opernliebenden Kommissars wird uns viel näher gebracht als zuvor. Und das allein ist das Lesen schon wert.
Fazit:
Wallander Fans müssen es sowieso lesen (das sollen sie auch), allen Mankell Neulingen würde ich eher zu anderen Büchern raten. Wenn sie denn süchtig geworden sind, gibt es dieses dann wohl auch schon als Taschenbuch…
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-05 21:52:55 mit dem Titel "Chourmo" - der zweite Teil von Jean-Claude Izzos Marseille-Trilogie
Chourmo
Nachdem ich den ersten Teil der "Marseilletrilogie" von Jean Claude Izzo mit großem Gefallen gelesen hatte, musste sofort auch noch der zweite Band "Chourmo" her.
Bis zur Seite 57 muss man auf die Erklärung des Titels warten, ich werde das Rätsel aber gleich für Euch auflösen: Chourmo kommt vom provenzalischen "chiourme" was so viel wie "Ruderer auf einem Galeerenschiff" bedeutet also Sklaven, Sträflinge, die sich abrackern müssen. Im übertragenen Sinne sind junge Menschen in Marseille gemeint, vorwiegend Einwanderer, aber nicht nur, die ständig mit einem Bein, seien sie schuldig oder auch nicht, im Knast stehen. Ihr Lebensgefühl drückt sich auch in einer bestimmten Musikart aus. Die Fangemeinde der Raggamuffin Gruppe "Massilia Sound System" hatte zuerst diesen Ausdruck aufgegriffen. Mittlerweile kennzeichnet "chourmo" neben der Bedeutung einer Unterstützer-bzw. Fangruppe auch einen innereren Zusammenhalt. Junge Leute treffen sich, machen gemeinsam Musik, arbeiten an Soundsystems, geben Fanzeitschriften heraus, vor allem aber treffen sie sich, helfen sich gegenseitig und kommen zusammen. Es entsteht eine Art von "Chourmo - Geist" d. h. man gehört irgendwie zusammen oder um wieder auf die Sklavengaleere zurückzukommen: "man rudert in derselben Galeere! Um rauszukommen! Zusammen!" (letzteres ist ein Zitat aus dem Buch selbst).
Selten habe ich so viel Platz auf die Erklärung eines Titels verwendet, aber ich finde die Bedeutung schon ganz interessant und hoffe es geht Euch auch so.
Jetzt kurz zu den Formalien:
Das Buch ist im Schweizer Unionsverlag (meinem Lieblingsverlag, das sage ich immer wieder mal) unter der ISBN: 3-293-20187-3 als Taschenbuch erschienen, es kostet 8,90 Euro und hat knapp 270 Seiten.
Zum Autor:
Jean Claude Izzo ist 1945 in Marseille geboren, 2000 ebendort an Lungenkrebs verstorben. Er war Journalist, ein politisch aktiver Mensch mit einer großen Liebe zu seiner Heimatstadt Marseille. Als er aus politischen Gründen (genaues weiß ich nicht) von seiner Stelle als Redakteur der Zeitschrift "Viva" entlassen wurde, begann er mit 50 Jahren Krimis zu schreiben. Die "Heldin" dieser Romane ist in erster Linie die Stadt und ihre Bewohner.
In Frankreich sind seine Krimis Bestseller und auch in Deutschland wächst die Fangemeinde. Im Jahr 2001 hat er den ersten Platz beim "Deutschen Krimipreis" erhalten.
Zum Buch:
Im ersten Band war Fabio Montale noch Polizist, ein recht frustrierter zwar, aber dennoch. Jetzt ist er es nicht mehr, er hat gekündigt und lebt in seinem bescheidenen Häuschen glücklich mit seiner Jugendliebe Lole (die man aus dem ersten Buch schon kennt) zusammen und verbringt seine Zeit vor allem mit fischen, gut essen und trinken (natürlich auch wieder seinen Lieblingswhiskey Lagavulin). Seine alte Nachbarin Honorine, die bereits früh an ihm und seinen mittlerweile getöteten Jugendfreunden Ugo und Manu so eine Art Mutterersatz gespielt hat, umsorgt ihn und kocht hervorragende Fischgerichte für ihn. Doch ganz so idyllisch ist es nicht mehr, denn Lole, mit der er im letzten Buch gerade eine Beziehung begonnen hatte, hat ihn nun schon wieder verlassen. Offensichtlich waren sie aber sehr lange zusammen und Fabio hofft noch sehr auf ihre Rückkehr.
Sein väterlicher Freund Fonfon, der Besitzer seiner Lieblingskneipe, bietet ihm an, den Laden zu übernehmen, da er Angst um Fabio, der anscheinend nur noch aufs Meer raus will und fischen, hat.
Doch so weit wird es nicht kommen. Fabio bekommt nämlich Besuch von seiner schönen Cousine Gelou, in die er als Jugendlicher sehr verliebt war, mit der er aber keinerlei Kontakt mehr hatte. Gelou ist getrieben von der Sorge um ihren ältesten Sohn Guitou, der von einer Reise nach Marseille nicht mehr nach Hause gekommen ist. Fabio soll ihr bei der Suche nach dem gerade mal 17jährigen Jungen helfen. Da es sich um eine Liebesgeschichte handelt, glaubt Fabio erst mal an nichts Schlimmes. Guitou hat sich nämlich in eine junge Araberin namens Naima verliebt und sich mit ihr gegen den Willen der Eltern in Marseille getroffen. Die mittlerweile sehr wohlhabende Gelou und ihr Mann Gino erweisen sich als Rassisten, was Fabio zwar anwidert, aber natürlich macht er sich doch auf die Suche nach dem Jungen.
Die Spur führt über viele Umwege zu einer politischen Sache: radikale Islamisten haben einen arabischen Intellektuellen ermordet, der offensichtlich mit Naima und Guitou bekannt war. Dass es hier einen Zusammenhang gibt, ist bald evident, aber wo genau ist er und was ist mit den beiden jungen Menschen passiert?
Nun, hier muss ich einschieben, dass das Schlimmste eigentlich schon auf den ersten Seiten steht (deshalb kann ich es auch verraten): Guitou lebt nicht mehr…
Nach der ersten Liebesnacht seines Lebens wird er brutal getötet. Das weiß zwar der Leser (und leidet mit, das Eingangskapitel geht ganz schön an die Nieren!), aber Fabio weiß es noch nicht und weder Fabio noch wir Leser wissen, was aus Naima geworden ist.
Bei der Suche nach Naimas Familie begegnet Montale Serge wieder, einem Sozialarbeiter, mit dem er bei früheren Polizeieinsätzen sehr eng (für seine Kollegen und Vorgesetzten, die eher für die "harte" Polizeitaktik waren, viel zu eng) zusammengearbeitet hatte. Noch bevor er ein Wort mit Serge wechseln kann, wird dieser aus einem fahrenden Auto heraus erschossen. Seinen früheren Kollegen macht es offensichtlich große Freude, Montale, der nun als Zeuge vernommen wird, zu verdächtigen und zu piesacken.
Fortan wird Montale versuchen, beides aufzuklären: das Verschwinden Guitous und den Mord an Serge. Er findet heraus, dass Serge sich intensiv mit den Verbindungen von Islamisten in Frankreich beschäftigt hatte und ganze Dossiers über involvierte Personen, über Querverbindungen und ihre Gefährlichkeit angelegt hatte. Ist hier das Motiv für seinen Tod zu suchen oder findet man es eher in Serges angeblicher Liebe zu Knaben?
Sehr gut fand ich auch die Darstellung von Naimas Familie, der Mutter, die ihrer Tochter helfen will, sich in der Welt zwischen den Kulturen zurechtzufinden, aber nicht recht weiß, wie sie es tun soll, der jüngere Bruder, der zum "chourmo" gehört und ebenfalls versucht, auf anständige aber eigenständige Weise sein Leben trotz aller Widrigkeiten, denen junge "Beurs" (so werden in Frankreich die arabischen Einwanderer genannt bzw. so nennen sie sich selbst) zu gestalten. Im Gegensatz dazu der ältere Bruder, der ein immer gläubigerer Muslim wird, wogegen nichts zu sagen wäre, wenn er nicht seine Familie ebenfalls dazu zu zwingen versuchte und wenn seine Freunde nicht immer gefährlichere, radikalere Typen wären.. Nicht zuletzt der Großvater, ein verständnis- und humorvoller Mann, der das Beste für seine Enkel will, aber mit der zunehmenden Radikalisierung des Ältesten nicht mehr klar kommt.
Wie schon im ersten Buch spielt auch hier das innere Leben Fabio Montales, Erinnerungen an früher, immer wieder seine unglückliche Liebe zu Lole und das Graben in der Vergangenheit eine große Rolle. Nicht zu vergessen die Liebe zur Musik, zum Meer, zu Marseille und seinen alten Freunden. Auch über seine Cousine Gelou (die schon immer wie Claudia Cardinale aussah) denkt er viel nach und verliert sich in Kindheitsreminiszenzen. Es gibt auch noch andere, nicht weniger interessante Seitenstränge der Handlung, die ich aber nicht alle erwähnen kann; nur so weit, dass einige "Fälle" die mit Fabios früherer Zusammenarbeit mit Serge zu tun haben und deren Bedeutung in die Gegenwart hineinreichen. So wird z.B. das entsetzliche Schicksal einer jungen Drogensüchtigen geschildert.
Was ist mit Naima geschehen und wer ist schuld an Serges Tod? Nun, das könnt und sollt ihr selbst herausfinden…
Zum Stil:
Ich würde sagen, sehr anspruchsvoll - besonders gemessen am üblichen Kriminiveau - und teilweise auch ungewöhnlich. Was aber nicht heißt, dass es schwierig zu lesen wäre. Ab und an finde ich die Sprache etwas zu poetisierend, aber das ist eine Frage der Mentalität. Insgesamt gefällt mir Izzos Stil aber sehr gut.
Meine Meinung:
Ich hoffe, dass Izzos Romane nicht mehr lange nur noch "heimliche Bestseller" sind, sondern bald richtige werden. Schade, dass er seinen Erfolg nicht mehr richtig mitbekommen hat!
Das Buch ist mindestens so gut wie das erste, ich hab auch gleich das dritte danach in Angriff genommen.
Aber da ich ja doch immer ein bisschen was zu meckern habe, tue ich es auch diesmal:
Es gibt eine Stelle im Buch, in der Montale einem Menschen, der in akuter Lebensgefahr ist, nicht hilft. Dieser Mensch ist ein absolutes Charakterschwein und Montale hasst ihn (er hat auch allen Grund dazu). Dennoch: einerseits ist er so absolut moralisch, andererseits hat er noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen dabei? Und redet sich obendrein noch ein, dass das ja keine Tötung sei, weil er ja nicht aktiv dazu beigetragen hat? Nun ja, diese Art der Erklärung und der Verdrängung der eigenen Schuld will mir nicht wirklich behagen.
Aber warum sollte Montale bzw. sein Erfinder Izzo auch der "perfekte" Mensch sein. Da erwarte ich wohl zu viel, aber halt deshalb weil ich insgesamt so begeistert von ihm bin, da wird meine innere Messlatte wohl ein bisschen zu hoch.
Fazit: unbedingt lesen!!!
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-21 22:57:56 mit dem Titel 3. und letzter Teil der Marseilletrilogie
„Solea“ ist der Titel des letzten Teils der Marseille – Trilogie von Jean-Claude Izzo. In diesen drei Krimis geht es immer um zwei „Helden“: die Stadt Marseille und Fabio Montale.
Da ich in meinen Besprechungen der ersten beiden Teile schon genauer darauf eingegangen bin, also meine „treuen“ Leser nicht langweilen möchte, andererseits ja doch die Bücher unabhängig voneinander vorstellen muss, versuche ich mich – entgegen meiner sonstigen Gewohnheit – einfach mal etwas kürzer zu fassen, was den allgemeinen Teil angeht.
„Solea“ ist ein Taschenbuch aus dem Unionsverlag, hat die ISBN: 3-293-20203-9 und kostet 8,90 Euro.
Zum Autor:
Jean-Claude Izzo , 1945 in Marseille geboren, war Journalist bevor er mit 50 Jahren begann, Krimis zu schreiben. Gleich sein erstes Buch „Total Cheops“ wurde ein Bestseller. Im Jahr 2000 starb er an Lungenkrebs. Er konnte seinen schriftstellerischen Erfolg also nur knapp 5 Jahre lang genießen. So erfuhr er auch nicht, dass er 2001 für sein zweites Buch „Chourmo“ den Deutschen Krimipreis erhielt.
Zum Buch:
Wie auch in den anderen Bänden ist die Geschichte aus der Sicht von Fabio Montale geschrieben. Fabio, der im ersten Buch noch Polizist war, am Ende dann aus Frust über den Rassismus und die Korruption innerhalb der Polizei gekündigt hatte, lebte im zweiten Buch als Fischer in seinem Häuschen am Meer und versuchte vergeblich, ein ruhiges Leben zu führen. Wenn er schon in „Chourmo“ in unfreiwilligen Kontakt mit der Mafia gekommen ist, so geht es im vorliegenden Buch erst so richtig zur Sache.
Fabio ist immer noch tief unglücklich über die Trennung von seiner Lebensgefährtin Lole, er hält sich von Liebesbeziehungen fern, seine sexuellen Bedürfnisse befriedigt er bei Prostituierten. Bis er eines abends Sonia kennen lernt. Zum ersten Mal seit Loles Fortgang kann er sich wieder vorstellen, mit jemandem neu anzufangen. Lange dauert diese vage Ahnung von Glück jedoch nicht, denn schon nach der ersten gemeinsamen Nacht ist Sonia tot, ermordet…
Fabio war seit vielen Jahren mit der Journalistin Babette befreundet. Babette hatte aus beruflichen Gründen über die Mafia recherchiert und dieses Thema ließ sie nicht mehr los. Ihr Lebenspartner, ein italienischer Rechtsanwalt wurde von der Mafia gefoltert und ermordet. Nun sind sie hinter ihr her; Babette flieht zu einem Freund nach Frankreich, in eine der letzten Landkommunen, die von der 68er Bewegung noch übrig waren. Doch sie bittet auch Fabio um Hilfe. Fabio Montale jedoch hat Angst, denn auch er kennt die Unerbittlichkeit und die Methoden der Mafia. Er möchte sich auch nicht mehr einmischen, nicht mehr Detektiv spielen und die Welt verbessern. In gewisser Weise hat er resigniert vor der Bösartigkeit der Welt. Er möchte aus Meer hinausfahren, fischen, sich mit seinen Freunden in „Hassans Bar“ treffen, die gute Fischsuppe seiner alten Nachbarin Honorine essen und – wie auch anders- seinen geliebten Whiskey Lagavulin trinken. Doch die Ereignisse überrollen ihn. Spätestens seitdem er einen Anruf bekommen hatte, in dem ihm befohlen wurde, Babette ausfindig zu machen, ist Sich – Heraushalten plötzlich keine Alternative mehr.
Montale soll also Babette für die Mafia aufspüren, sie quasi ans Messer liefern. Selbstverständlich weigert er sich, aber dann findet er Sonia, die er gerade angefangen hatte, zu lieben. Was anfangs nur eine Ahnung war, wird zur bitteren Gewissheit: wenn Fabio nicht mitmacht, werden Menschen, die er liebt, sterben…
Die Mafia ahnt jedoch nicht, dass Babette alle Daten, die sie über die französische Mafia gesammelt hat und die sehr viele Menschen, hohe Tiere, Wirtschaftsmagnaten und Politiker
in große Bedrängnis bringen würde, bereits auf Disketten gespeichert und an Fabio geschickt hat. Fabio sitzt also da mit dem „heißen“ Material.
In dieser inneren Zwickmühle entschließt er sich, Babette tatsächlich zu finden und zu versuchen, sie von der Veröffentlichung der Daten abzubringen. Er ist überzeugt, dass es in Frankreich nichts ändern würde. Im Gegensatz zu Italien, in dem eine kritische Öffentlichkeit hinter den mutigen Richtern und Staatsanwälten der „mani puliti“ (so wird die Bewegung von anständigen Richtern, Rechtsanwälten und Polizisten genannt, die in Italien den Kampf gegen die Mafia und die Korruption aufgenommen haben, genannt) steht, würde hier alles nur verpuffen. Die Verwicklung von Politikern, der Wirtschaft, den Medien und der Mafia sei so groß, dass auch die genauest erforschten Daten einer einzelnen Journalistin nichts bewirken würden. Außerdem: das Leben seiner Freunde ist ihm das nicht wert – und: auch er selbst möchte noch weiterleben, obwohl er bereits überall den Tod riecht.
Hilfe bekommt er von eher unerwarteter Seite, nämlich von der Polizei. Genauer gesagt von der Kommissarin Helene, einer Frau, die eine ähnliche Vorstellung von Polizeiarbeit hat, wie er selbst früher: Helfen, das Leben zu verbessern, gegen die Umstände zu kämpfen, die Verbrechen verursachen, unbestechlich bleiben und Mitgefühl zeigen. Helene wird ihm beistehen, wenn es hart auf hart kommt. Nur dumm, dass der Marseiller Polizeiapparat halt auch so seine Lücken aufweist, und die Mafia eben überall ihre Finger drin hat.
Wird es Fabio Montale gelingen, seine Freunde zu beschützen, wird er Sonias Tod rächen können (der Gedanke an Rache taucht immer stärker auf, obwohl ihm dieses „Auge um Auge Denken“ eigentlich wesensfremd ist) und wird es ihm gelingen, Babette von einer Veröffentlichung ihrer Materialen abzuhalten?
WER DAS ENDE NICHT WISSEN MÖCHTE, SOLL BITTE ERST BEI „MEINE MEINUNG“ WIEDER WEITERLESEN!
Warum ich gegen meine Gewohnheit diesmal den Schluss verraten möchte, das hat einen ganz einfachen Grund: ich finde ihn absolut genial!
Izzo traut sich wirklich, seinen Helden, mit dem er gerade absolut erfolgreich ist, sterben zu lassen. Izzo hätte mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit weitermachen können mit Fabio Montale, er hätte anknüpfen können an Kommissar Wallander, an Commissario Brunetti und wie sie alle heißen und er hätte noch eine Menge Geld damit verdienen können. Aber nein: die Angst davor, eine Romanfigur, ein Thema so lange zu bedienen, bis alle Kraft daraus verschwunden ist, hielt ihn davon ab. Das mag der eine Grund sein, der andere ist ein weitaus ernsterer: Izzo wusste, dass die Mafia tatsächlich keine Gnade kennt und dass sie in der Realität einfach mächtiger ist als ein intelligenter und mutiger kleiner Exbulle und eine tapfere Journalistin. In „Solea“ (das ist übrigens der Titel eines Lieblingsliedes von Fabio) werden noch weitere Menschen, die Fabio liebt, getötet werden. So, wie es eben in der Realität auch geschieht. Es kommt zu einem dermaßen bitteren Ende, dass es einem den Atem verschlägt.
Es ist nicht nur Schluss mit unserem Romanhelden (und mit einigen anderen, die dem Leser nahe gekommen sind), sondern es ist auch Schluss mit der Hoffnung auf einen guten Ausgang im Kampf David gegen Goliath!
Meine Meinung:
Waren schon die ersten beiden Bände dieser Trilogie ziemlich faszinierend, so begeistert mich der letzte Teil total.
Nein, hier geht es nicht mehr um einen spannenden Krimi oder einen gut gestrickten Plot! Das ist zwar durchaus vorhanden (und nicht schlecht!) aber das ist nicht die Hauptsache. Hier geht es um den inneren Kampf eines Menschen, der wie auch immer er sich entscheidet, eine falsche Entscheidung treffen wird. In diesem Sinne ist es also eine echte klassische Tragödie.
Aber auch was die politischen Dimensionen angeht, ragt „Solea“ weit über vergleichbare Literatur hinaus. Selten ist mir so deutlich klar geworden, wie weit und wie intelligent verzweigt die Mafia (ich meine damit nicht nur eine bestimmte Gruppe, sondern im Sinne von: organisierter Kriminalität) mittlerweile ist, in welchen Bereichen sie Einfluss hat und wie abhängig nicht nur ganze Wirtschaftszweige, sondern eben auch die Gesellschaft im Allgemeinen von ihr ist.
Izzo schreibt über mafiöse Strukturen in Frankreich, am Rande auch in Italien, aber ich denke (bzw. teilweise weiß man es auch) dass sich vieles auf Deutschland und andere Länder problemlos übertragen lässt.
Ich bin ziemlich erschüttert! So, wie wenn einem jemand etwas erzählt, was man eigentlich schon lange weiß, aber nie so richtig an sich ran ließ bis jemand plötzlich die richtigen Worte dafür findet.
Wer den letzten Teil meines Berichts nicht gelesen hat, dem möchte ich nur noch sagen, dass ich Izzos Ende dieser Marseille Trilogie genial, mutig und richtig großartig fand.
Fazit: Lesen, lesen, lesen!!!
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-26 00:41:07 mit dem Titel Mein erster ( und wohl auch letzter) "Knochen"Krimi
Kathy Reichs, geboren in Chicago, unterrichtet, wenn sie nicht gerade Krimis schreibt, an der University of North-Carolina. Sie ist forensische Anthropologin, eine von insgesamt nur 50, die in den USA und Kanada eine Zulassung besitzen.
In ihren Kriminalromanen dreht es sich dementsprechend immer um Fälle, in denen Gerichtspathologen und Anthropologen den größten Anteil an der Aufklärung haben.
Ihre Bücher "Tote lügen nicht" "Knochenarbeit" und "Lasst Knochen sprechen" sind sehr erfolgreich und drohen, ihre Konkurrentin auf diesem Fachgebiet Patricia Cornwell langsam, aber sicher den Rang abzulaufen.
Folgerichtig wirbt - zumindest die amerikanische Ausgabe des Buches, das im Original "A fatal voyage" heißt groß mit dem Spruch: "Better than Patricia Cornwell!"
Ob das tatsächlich der Fall ist und ob die Verkaufszahlen durch Qualität gerechtfertigt sind, das wollte ich gerne herausfinden.
"Durch Mark und Bein" ist 2002 im Blessing Verlag erschienen, es kostet 22,90 Euro, ist 450 Seiten dick, auf englisch ist es als Taschenbuch für 12,30 Euro erhältlich.
Wie auch in ihren anderen Romanen spielt die wissenschaftliche Mitarbeiterin an einem gerichtsmedizinischen Institut Tempe Brennan die Hauptrolle. Tempe ist eine von ihrem Mann getrennt lebende Mutter einer erwachsenen Tochter, irgendwo in den Vierzigern und immer auf der Suche nach dem richtigen Mann. Die Frage, ob es vielleicht doch ihr Ex, mit dem sie noch gut befreundet ist, oder vielleicht der FBI-Agent Ryan sein könnte, zieht sich als Nebenstrang durch das ganze Buch.
Kurz noch für diejenigen, die sich (trotz meiner natürlich hervorragenden :) Buchbesprechung von Ondaatjes "Anils Geist", in der es auch um eine forensische Anthropologin geht) nichts unter dem Beruf unserer Heldin vorstellen können eine Erklärung: durch Untersuchungen an Leichen können, egal in welchem Verwesungszustand sich diese befinden oder auch bei ganz alten Skeletten wertvolle Hinweise zur Aufklärung von Verbrechen erarbeitet werden; etwa wie alt, welches Geschlecht, in begrenztem Umfang auch welche Rasse, hatte der Tote ein Hüftleiden etc. Besonders wichtig sind dabei natürlich auch die Hinweise auf die Todesursache. Forensische Anthropologen werden neben der Beratung der Kriminalpolizei auch von Menschenrechtsorganisationen und der Uno zur Aufklärung von politischen Morden, etwa bei Auffindung von anonymen Massengräbern eingesetzt.
Nun aber zum vorliegenden Buch:
Inhalt:
Tempe Brennan wird anlässlich eines schrecklichen Flugzeugunglücks, bei dem alle Insassen ums Leben gekommen sind, zu Hilfe gerufen.
Die Anfangsszenen beschreiben in einer sehr direkten und schockierenden Aufdringlichkeit den Zustand der einzelnen Unfallopfer bzw. der Teile dieser Menschen.
Wer einen derartig krassen Stil nicht verträgt oder nicht mag, sollte am besten gleich die Finger von dem Buch lassen.
Bei dem Einsammeln einzelner Körperteile stößt sie auf einen Fuß, der anscheinend zu keinem der Flugzeuginsassen gehört. Noch während sie gemeinsam mit Lucy Crowe, einer energischen breitschultrigen "Sheriffin" (das Wort hab ich gerade kreiert) herauszufinden versucht, was es mit diesem Fuß auf sich hat, wird sie zu ihrem Auftraggeber zitiert. Man wirft ihr unerlaubtes Eindringen in nichtöffentliches Gelände, Mitnahme eines noch nicht katalogisierten Objekts (sie nahm den Fuß nur mit, damit er nicht von wilden Tieren noch weiter angenagt würde) und dergleichen mehr vor. Nachdem auch ihr direkter Vorgesetzter trotz jahrelanger freundschaftlicher Zusammenarbeit nicht mehr hinter ihr steht und ihr trotz der Absurdität der Anschuldigungen quasi ein Berufsverbot auferlegt wird, zumindest bis zur Aufklärung der Vorwürfe (was bekanntlich lange dauern kann...), wird ihr langsam klar, dass es wohl höhere Mächte bzw. einflussreiche Personen sind, die ihre Arbeit behindern wollen.
Doch eine Tempe Brennan gibt nicht auf!
Mit der gelegentlichen Hilfe von Boyd, dem ihr kurzzeitig anvertrauten Hund ihres Ex, von Sheriff Crowe und auch von Ryan, meist aber ganz alleine, versucht sie dennoch herauszufinden, was es mit dem Fuß und den Gründen ihrer "Verbannung" auf sich hat.
Im Zuge ihrer Recherchen stößt sie auf ein verlassenes Haus, auf eine weitere Leiche (diesmal jemand, den sie kannte und mochte) und auf einige verschwundene Personen. Diese sind alles ältere Menschen, ihr Verschwinden ist verteilt über längere Zeiträume, weshalb bisher auch niemand jemals einen Zusammenhang gesehen hatte.
Ich möchte nicht zu viel von der weiteren Handlung verraten, unsere tapfere Tempe wird allerdings noch auf einige makabre, furchteinflößende und skandalöse Geheimnisse treffen.
Am Ende wird es dann noch mal richtig schön spannend, das Durchhalten lohnt sich also1
Meine Meinung:
Warum spreche ich vom "Durchhalten"? Ist das Buch denn so langweilig und dröge, dass man sich durchkämpfen muss?
Nein, so ist es nicht gemeint, es ist schon recht spannend und die Story als solche (gerade die Teile, die ich jetzt nicht erzählen kann) gefallen mir ziemlich gut; allerdings hatte ich einige Schwierigkeiten, mich einzulesen. Abgesehen davon, dass mich der brutale und blutrünstige Anfang abstieß, störten mich die unendlich vielen mir oft unverständlichen Abkürzungen (wobei ich nicht sicher bin, ob die in der deutschen Übersetzung auch so stehen gelassen wurden, ich habe es auf englisch gelesen), was Polizeiränge und medizinische Titel anbelangt.
Außerdem kam mir die Hauptperson als solche nicht wirklich nahe, ihre Liebesgeschichten fand ich eher langweilig, die Tatsache, dass sie sich gerne von Boyd, dem Hund, abschlecken lässt, fand ich ekelhaft, unsympathisch ist sie dennoch nicht, die Tempe, aber mein Herz fliegt ihr auch nicht gerade zu (besser gefiel mir Sheriff Crowe).
Zur Frage, ob sie besser als die Cornwell ist, da kann ich mich nicht wirklich entscheiden, ich fand die Cornwellkrimis (kenne ja nicht alle) eigentlich spannender, aber bei ihr störten mich die zunehmende drastische Beschreibung von perversen Serienkillern immer mehr und vor allem ihre sehr konservative Einstellung gegenüber der Todesstrafe und ihrer Definition vom "Bösen". Ich habe irgendwann aufgehört, Cornwell zu lesen, obwohl die Fälle wirklich packend in einem Zug zu lesen sind.
Kathy Reichs geht anders an das gleiche Genre ran: Die Einstellung ihrer Heldin ist differenzierter und überlegter, was mir sehr gut gefällt. Ihre Berufswahl begründet sie mit dem Wunsch, den unbekannten Toten Respekt zu erweisen und den Lebenden, ihren Angehörigen das Gefühl zu vermitteln, dass ihren Toten Anteilnahme entgegengebracht wird, dass auch tatsächlich versucht wird, herauszufinden, wer und was dahintersteckt.
Gerade im vorliegenden Buch beklagt sie, dass besonders bei älteren Menschen oft nicht genügend nachgeforscht wird, ob ein Verbrechen vorliegt oder nicht. Auch das gefällt mir.
Wenn ich nur 3 Sterne gebe, ist das vielleicht ungerecht, aber ich habe sowieso das Gefühl, dass ich oft zu "gut" bewerte, wenn es das gäbe, dann würde ich etwas zwischen 3 und 4 Sternen vergeben.
Fazit:
Kann man gut lesen, ist spannend, keine verlorene Zeit, aber wenn man es nicht liest, ist man auch nicht dümmer oder ärmer dran...
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-05 23:37:42 mit dem Titel Khartum fällt im Janua weiterlesen schließen -
-
Zu Martin Kamphuis- Ich war Buddhist
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Martin Kamphuis
Ich war Buddhist
Brunnen Verl.,Basel
210 S.
Der Autor,aufgewachsen auf einem Bauernhof in den Niederlanden,erzählt von seinen abenteuerlichen Reisen und seiner spirituellen Suche die ihn,nach mehreren Zwischenstationen,schliesslich zum Christentum geführt hat.
Der erste Teil des durchweg spannend geschriebenen und mit SW-Bildern illustrierten Buches handelt von Erlebnissen bzw. Eindrücken aus der Kindheit und Jugend des Autors und schildert eindrucksvoll die Beweggründe,die aus seiner physisch gemeinten Suche nach einer besseren Welt eine spirituelle haben werden lassen.
Wir begleiten Kamphuis dabei in die abgelegensten Dörfer Südamerikas und erfahren wie er während seiner Studienzeit schliesslich mit dem tibetischen Buddhismus in Berührung kommt.
Der mittlere Teil beschreibt die vielfältigen Stationen seiner religiösen Reise,vermittelt dabei gleichzeitig einen tiefen psychologischen Einblick in seine Gefühlswelt,seine Abhängigkeiten sowie zwischenmenschliche Probleme und Beziehungsk(r)ämpfe.Auch hier erfährt der Leser wieder Interessantes über fremde Länder und Kulturen,insbesondere den tibetischen Buddhismus,sowie über die europäische NewAge-Szene,der er auch zeitweise angehörte,wobei aber gleichzeitig deutlich wird wie problematisch und wenig befriedigend all diese Erfahrungen für den Autor waren. Schliesslich kommt auch noch seine damalige Freundin und heutige Frau Elke zu Wort und schildert die damaligen Erlebnisse aus ihrer Sicht,wodurch manche Dinge auf interessante Weise relativiert werden.
Der letzte Teil des Buches zeigt schliesslich auf,wie Kamphuis und seine Frau beim Christentum "gelandet" sind und dort,zumindest subjektiv empfunden,die Erfüllung ihrer Sehnsüchte gefunden haben.
Das Buch ist auf jeden Fall lesenswert,nicht nur für Psychologen. Doch gewinnt man den Eindruck,dass der Autor von manchen der beschriebenen Dinge noch nicht den emotionalen Abstand hat den er vorgibt zu haben,was sich in stellenweise fast naiv anmutenden,erhrfürchtigen Beschreibungen von Personen und religiösen Praktiken äussert.
An einigen Stellen flackert hin und wieder etwas Kritik an buddhistischen und esoterischen Lehrsätzen auf,doch wer an dieser Stelle eine tiefgründige Analyse erwartet wird leider enttäuscht. Auch scheint Kamphuis einige psychologische Tricks und Manipulationen von Seiten seiner früheren Lebensgefährtin Iris,seinen früheren buddhistischen Lehrern und nicht zuletzt seiner jetzigen christlichen Gemeinde nicht ganz durchschaut zu haben ( oder er findet nichts Schlimmes dabei).
So entsteht der Eindruck,Kamphuis habe sich bei seinem Weg zum Christentum wieder einmal von den Entscheidungen Anderer leiten lassen und letztlich nur eine Droge mit einer anderen vertauscht.
Nicht ER hat laut eigenen Aussagen seinen Weg zu Christus gefunden,sondern es war "höhere" Fügung-aus meiner Sicht eine nette Umschreibung dafür dass er de facto überrumpelt wurde.
Man nimmt es ihm als Leser zwar ohne Weiteres ab,dass er sich in seiner jetzigen Situation glücklich und zufrieden fühlt,doch seine "Verbürgerlichung",die Zufriedenheit mit dem ganz Alltäglichen,der Gehorsam gegenüber einem "höheren Wesen" als Essenz und letztes Ziel seines spirituellen Weges - das hinterlässt doch einen faden Geschmack im Mund.
Ob dies nun wirklich das letztendliche Glück ist und so ein wirklich freier Mensch aussieht,das möge jeder Leser für sich selbst entscheiden. weiterlesen schließen -
Oldie but goldie?
27.12.2002, 18:24 Uhr von
sugips
Ich bin Wiener und Wahlneusiedler im Burgenland. Hier lebe ich mit meinem Liebstling, 1 bis drei ...Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Ernest hemingway: Der alte Mann und das Meer
Oldie but goldie?
Der alte Mann und das Meer (amerikanisch The old man and the sea) ist ein Kurzroman – kaum mehr als 60 Seiten – von Ernest Hemingway. Erschienen 1952, neun Jahre vor seinem Tod, gehört es zu seinen Alterswerken. Mit dem Thema hat er sich schon lange herumgeschlagen, bereits 1936 erschien in der Zeitschrift Esquire ein Prosastück mit dem Titel On the Blue Water, in dem er vom Kampf eines alten Fischers mit einem riesigen Fisch erzählte. Diesen kurzen Text baute er dann später zu einem vollendeten werk aus, in dessen Mittelpunkt einer jener kubanischen Fischer steht, unter denen er selbst jahrelang gelebt hat, und das eine Apotheose jenes Heldentyps darstellt, dessen persönlichen Ehrenkodex er in seinen früheren Werken gefeiert hatte. Allein, einsam, stark, mutig, niemals, auch in der Niederlage nicht, aufgebend.
Der Inhalt
Der alte Santiago ist seit vielen Wochen, zunächst in Begleitung des ihn bewundernden Fischerjungen Manolin, dann allein, täglich aufs Meer hinausgefahren, ohne einen Fang zu machen. Nach 84 glücklosen Tagen steuert er, in der Hoffnung, einen großen Fisch zu fangen, weit in den Goldstrom hinaus. Als ein Schwertfisch, länger als Santiagos Boot, anbeißt, beginnt ein Kampf, der zwei Tage und zwei Nächte dauert und den der alten Mann in einsamer Tapferkeit durchsteht. Dabei führt er Selbstgespräche und wünscht sich den Jungen als Zeugen herbei, beschwört Erinnerungen an vergangene Bewährungsproben herauf und spricht sich selbst Mut zu. Das Duell mit dem Fisch, den Santiago nicht nur als ebenbürtigen Herausforderer respektiert, sondern dem er sich fast brüderlich verbunden fühlt, endet, als das erschöpfte Tier dem Boot, das es bereits meilenweit in den Ozean herausgezogen hat, zu nahe kommt. Santiago harpuniert den Fisch, vertäut ihn längsseits, setzt mit seinen von der Leine zerschnittenen Händen das Segel und beginnt die Beute, von deren Erlös er monatelang leben könnte, in Richtung Küste zu schleppen.
Doch die eigentliche Bewährung – die Hinnahme der Niederlage – steht dem alten Mann noch bevor. Haie fallen den Fisch an. Santiago versucht verzweifelt, sie zu verscheuchen, aber diesmal ist er der Unterlegene. Als er, dem physischen Zusammenbruch nahe, den Strand erreicht, hängt nur noch das Skelett des großen Fisches an der Bootswand. Santiago legt sich schlafen, umsorgt von Manolin, der tief bewegt etwas von der menschlichen Größe ahnt, die der Tapferkeit seine alten Freundes innewohnt.
Textzitat: “Wenigstens der Wind ist unser Freund, dachte er. Dann fügte er hinzu, manchmal. Und die große See mit unseren Freunden und unseren Feinden. Und mein bett, dachte er. Mein bett ist mein Freund. Ja, mein Bett, dachte er. Das Bett wird wunderbar sein. Es ist einfach, wenn man geschlagen ist, dachte er. Ich wusste niemals, wie einfach es ist. Und was hat dich geschlagen? dachte er. „Nichts“, sagte er laut. „ich bin zu weit hinausgefahren.“
Zur Interpretation
Und gleich ein anderes: „Aber der Mensch darf nicht aufgeben ... Man kann vernichtet werden, aber man darf nicht aufgeben.“ Dieser Grundsatz des alten Fischers, der, vom Glück verlassen, den letzten großen Kampf seines Lebens kämpft, ist die zur lapidaren Kürze zugespitzte Verhaltensmaxime, der sich Hemingways Protagonisten, noch in der Niederlage ihre persönliche Würde bewahrend, unterwerfen. Die Geschichte des einsamen Zweikampfs Santiagos mit dem Fisch erscheint fast mythisch – als Gleichnis vom ewigen Kampf des Menschen mit der Natur - , als Parabel von der moralischen Unbesiegbarkeit des wahren Helden. Santiagos Verlassenheit, seine zerschundenen Hände und die Szene, in der er, wie Christus am Kreuz, den Mast seines Bootes den Strand hinaufträgt, lassen auch an Christus erinnern, wie einige Interpretationen behaupten. Einige Kritiker vermuteten in dem werk auch eine parabolische Selbstdarstellung des Autors, des alternden literarischen Matadors, der noch einmal den großen Kampf aufnimmt.
Kurz nach Erscheinen von The old man and the sea schien es, als habe Hemingway damit einen Sieg über jene Kritiker errungen, die nach dem Fehlschlag von Über den Fluß und in die Wälder (1950) sein Talent für erschöpft hielten. Der Kurzroman wurde enthusiastisch als Meisterwerk begrüßt und in der Begründung für die Verleihung des Nobelpreises (1954) besonders erwähnt. Inzwischen hat die Kritik strengere Maßstäbe angelegt und darauf hingewiesen, dass das Werk eine fast an Selbstparodie grenzende Wiederholung des einst revolutionären Hemingway-Stils darstelle, dass der Versuch, spanische Dialog- und Satzrhythmen im Englischen nachzuahmen, forciert wirke und dass sich trotz der betonten Kargheit in Sprache und Darstellungsmittel sentimentale Töne eingeschlichen hätten. Trotzdem ist das Buch eine bewegende und fesselnde Geschichte von männlicher Tapferkeit und eines der repräsentativen amerikanischen Erzählwerke der Mitte des 20. Jahrhunderts.
Anmerkungen:
Das Buch wurde 1958 unter der Regie von John Sturges auch verfilmt. Es liegt in diversen Ausgaben, auch als rororo-Taschenbuch vor. Ich – Jahrgang 1957 – sah den Film als Kind, so mit 6, und schlief dabei ein. Ich las das Buch in der Schule, lobte es wegen seiner Kürze –*g* - und vergaß es lange Zeit. Jetzt habe ich es wieder einmal gelesen. Ich muß sagen, es gefällt mir immer besser, für mich ist es nicht Hemingways Meisterwerk aber neben den großen Romanen und einigen Short-Stories ein wesentlicher Teil seines Gesamtwerkes.
Zum Autor:
1899 Ernest Miller Hemingway wird am 21. Juli in Oak Park, einem Vorort von Chicago, geboren.
1913 Besucht die Oak Park Highschool; er ist ein Versager beim Football, schreibt aber für die Schülerzeitung.
1917 Erste Stelle als Reporter beim "Kansas City Star".
1918 Fährt Krankenwagen beim Amerikanischen Roten Kreuz in Italien.
Am 8. Juli bei Fossalta verwundet. Verliebt sich in einem Mailänder Krankenhaus in die Krankenschwester Agnes von Kurowsky.
1919 Widerwillige Heimkehr, geht oben in Michigan seiner Mutter aus dem Weg.
1920 Reporter beim "Toronto Star Weekly".
1921 September: Heirat mit Hadley Richardson.
November: Abreise nach Paris, wo er Auslandskorrespondent des "Toronto Star" wird.
1922 Schreibt Kurzgeschichten, lernt Gertrude Stein kennen, die ihn in seiner Arbeit ermutigt. Auf dem Weg zu Ernest in die Schweiz verliert Hadley den Koffer mit seinen Manuskripten auf dem Bahnhof.
1923 Erste Spanienreise, erster Stierkampf, Geburt des ersten Sohn John und erstes veröffentlichtes Buch: Three Stories and Ten Poems.
1925 Der Kurzgeschichtenband In Our Time (In unserer Zeit) erscheint, die Frucht von fünf Jahren Arbeit. Nach der Fiesta in Pamplona beginnt er The Sun Also Rises (Fiesta).
1926 Lernt F. Scott Fitzgerald und den Scribner's Lektor Max Perkins kennen. Scribner's veröffentlicht The Sun Also Rises. Erster literarischer Erfolg.
1927 Lässt sich für Pauline Pfeiffer von Hadley scheiden. Der Kurzgeschichtenband Men Without Women (Männer ohne Frauen) erscheint.
1928 Verlässt Paris, mietet ein Haus in Key West. Geburt des zweiten Sohnes Patrick. Selbstmord des Vaters. Schreibt in Key West und auf verschie- denen Ranchen in Wyoming an A Farewell to Arms (In einem anderen Land).
1929 A Farewell to Arms erscheint.
1930 Arbeit an Death in the Afternoon (Tod am Nachmittag) in Key West und auf der L-T-Ranch in Wyoming.
1931 Kauft ein Haus in Key West. Geburt des dritten Sohnes Gregory.
1932 Death in the Afternoon erscheint.
1933 Winner Take Nothing (Der Sieger geht leer aus) erscheint. Erste Safari in Afrika.
1935 Green Hills of Africa (Die grünen Hügel Afrikas) erscheint.
1936 Arbeit an To Have and Have Not (Haben und Nichthaben) in Wyoming, Kuba und Key West.
1937 To Have and Have Not erscheint; im Spanischen Bürgerkrieg Korrespondent auf der republikanischen Seite, Mitarbeit am Propagandafilm Spanish Earth.
1938 The Fifth Column (Die fünfte Kolonne) - ein Stück über den Spanischen Bürgerkrieg - und The First 49 Stories erscheinen.
1939 Trennung von Pauline, lebt mit Martha Gellhorn auf Kuba. Schreibt in Paris, Kuba, Key West, Wyoming und Sun Valley (Idaho) an For Whom the Bell Tolls (Wem die Stunde schlägt).
1940 For Whom the Bell Tolls erscheint. Heirat mit Martha Gellhorn. Sie beziehen die Finca Vigía auf Kuba.
1941 Martha und er besuchen als Auslandskorrespondenten China und den Fernen Osten.
1942 Bewaffnet sein Boot Pilar, um in der Karibik deutsche U-Boote zu suchen.
1944 Kriegsreporter für das Magazin "Collier's". Fliegt mit der RAF und nimmt an der Befreiung von Paris teil, besonders der Bar des Ritz. Sammelt Material für Islands in the Stream (Inseln im Strom).
1945 Scheidung von Martha.
1946 Heirat mit Mary Welsh. Sie wohnen auf Kuba.
1948 Europareise. Verliebt sich in Venedig in Adriana Ivancic.
1949 Beginnt Across the River and Into the Trees (Über den Fluss und in die Wälder) und The Garden of Eden (Der Garten Eden), das erst 1986 veröffentlicht wird.
1959 Across the River and Into the Trees erscheint. Erste wirklich schlechte Kritiken. Arbeit an Islands in the Stream (1970 veröffentlicht) und beginnt The Old Man an the Sea (Der alte Mann und das Meer).
1952 The Old Man and the Sea erscheint und stellt seinen Ruf wieder her.
1953 Pulitzer Preis für The Old Man and the Sea.
1954 Januar: Verfrühte Nachrufe nach zwei Flugzeugabstürzen in Norduganda. Oktober: Nobelpreis für Literatur.
1955 Beginnt ein afrikanisches Tagebuch, das 44 Jahre später als True at First Light (Die Wahrheit im Morgenlicht) veröffentlicht wird.
1956 Im Pariser Hotel Ritz entdeckte alte Tagebücher werden zur Grundlage von A Moveable Feast (Paris - ein Fest fürs Leben), das 1964 erscheint.
1958 Verlässt Kuba und mietet ein Haus in Ketchum (Idaho).
1959 Schreibt ein langes Manuskript über den direkten Wettstreit (mano a mano) zwischen den Stierkämpfern Ordonez und Dominguin, das 1960 in "Life" erscheint und 1985 als das Buch The Dangerous Summer (Gefährlicher Sommer).
1960 Zwei Selbstmordversuche. Elektroschocktherapie in der Mayo-Klinik.
1961 Im Januar entlassen. Nach neuem Selbstmordversuch im April wieder in der Klinik. Am 26. Juni als geheilt entlassen. Selbstmord am 2. Juli. Auf dem Friedhof von Ketchum bestattet.
Quelle: Palin, Michael: Hemingways Reisen.
Haffmans Verlag, ARTE EDITION, Zürich 1999
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-13 16:55:25 mit dem Titel Zum 50. Mal noch wunderbar!
Johann Wolfgang von Goethe: Faust. der Tragödie 1. und 2. Teil
1) Persönliche Vorbemerkung
2) Daten
3) Entstehungsgeschichte
4) Handlung Faust 1
5) Handlung Faust2
6) Kurz zur Werkdeutung
7) Persönliches Schlusswort
1) Persönliche Vorbemerkung
In knapp einer halben Stunde beginnt in ?3SAT? die Aufzeichnung von Faust 1 in einer fast 5-stündigen Fassung in der Regie von Peter Stein aus Hannover. Morgen folgt in über acht Stunden der Faust 2. Ungeschnittener, komplet-ter wird man Faust nicht mehr sehen. Ich feiere damit ein persönliches Jubiläum: damit habe ich nun nach zahllosen Lesungen Faust zum 50. Mal gesehen. Ihr lest richtig ? zum 50. Mal. Von Gründgens zu Heyme, von Kreza zu Strehler, von Reinhardt bei den Salzburger Festspielen 1933 (natürlich nur in einer Filmaufzeichnung) bis zu Peter Stein. Schauspieler wären zu viele zu nennen.
Für mich ist Faust ein Geniestreich und ein ewig-junges Stück, fernab von der Fadesse, mit der ihn deutsch-Lehrer in höheren Klassen oft behandeln. Darum einfach dieser Bericht.
2) Grunddaten
FAUST. Tragödie in zwei Teilen von Johann Wolfgang von GOETHE (1749?1832), Teil 1 erschienen 1808, Teil 2 1832; erste Aufführung von Teil 1 (einzelne Szenen): Schloß Monbijou, 24. 5. 1819; erste vollständige Aufführung: Braunschweig, 19. 1. 1829, Nationaltheater; Uraufführung von Teil II: Hamburg, 4. 4. 1854, Schauspielhaus; erste Gesamtaufführung beider Teile: Weimar, 6. und 7. 5. 1876, Großherzogl. Hoftheater.
3) Stoff und Entstehungsgeschichte
Der Faust-Stoff begegnete dem Dichter in zweierlei Gestalt: als Volksbuch, wahrscheinlich in der 1674 veröffentlichten Fassung des Nürnberger Arztes Johann PFITZER, und, schon in den Kindheitsjahren in Frankfurt, als Pup-penspiel, d. h. als einer der vielen Abkömmlinge von MARLOWES Doctor Faustus, der seinerseits eine erste, geni-ale Dramatisierung des Volksbuches darstellt. Dieses verschmolz die in schwankhafter Form überlieferten und um Sagenelemente bereicherten Zeugnisse über das Leben des Doktor Faustus (Anfang des 16. Jh.s) mit dem im Mittel-alter verbreiteten Motiv des Teufelsbundes. Indem es den wissensdurstigen Helden zum gottlosen Adepten schwar-zer Magie stempelte, wandte es sich von protestantisch-dogmatischem Standpunkt aus polemisch gegen das panreli-giös gestimmte Erkenntnisstreben der Zeit, wie es in den Schriften des PARACELSUS zu Worte kam.
Mit dem Beginn der Aufklärung wandelte sich das Faustbild: aus dem verruchten Apostaten und Gotteslästerer wurde ein lächerlicher Zauberkünstler und Obskurant. LESSING stellte, in herausfordernden Gegensatz zu GOTTSCHED und dessen Kreis, die Figur zum erstenmal in positivem Licht dar; in seinem Faust-Fragment (1759), das Goethe wohl schon in seiner Jugend las, wird der Held ans Schluß von Engeln gerettet. Die junge Generation des Sturm und Drang machte Faust zum Sprecher ihres titanischen Ich-und Freiheitsgefühls, das der Bevormundung durch religiöse Tradition und antimystische Ratio gleichermaßen spottete. Erst Goethe rückte die Gestalt auf eine Ebene jenseits tendenziös einseitiger Wertungen; damit wurde sie universaler, zugleich aber auch vieldeutiger.
Goethes Faust entstand in einem sechs Dezennien währenden, zeitweise auf Jahre unterbrochenen. nicht überall eindeutig zu erhellenden Schaffensvorgang; Partien des zweiten Teils, wie z. B. der Helena-Akt, waren schon ange-legt, als der Dichter noch am ersten Teil arbeitete. Ein erster dramatischer Entwurf, der die Gelehrtentragödie und die Gretchen-Tragödie noch unverbunden nebeneinanderstellt, entstand zwischen 1772 und 1775. Dieser Urfaust blieb nur in einer 1887 von Erich SCHMIDT wieder aufgefundenen und im gleichen Jahr von ihm herausgegebenen Abschrift des Weimarer Hoffräuleins Luise v. Göchhausen erhalten.
1790 veröffentlichte Goethe unter dem Titel Faust, ein Fragment eine Bearbeitung jenes ersten Entwurfs, deren Komposition deutlich den klärenden Einfluß der italienischen Reise erkennen läßt. Doch erst in den Jahren seiner Freundschaft mit SCHILLER, als sich in ihm ein intensives Interesse an kunsttheoretischen Problemen und ideellen Ordnungsprinzipien entzündete, fügte er den Prolog im Himmel und die Paktszenen hinzu, in denen sich nun das übergreifende Leitmotiv der Wette klar abzeichnete.
So entstand zwischen 1797 und 1806 Faust, 1. Teil. Vorwiegend ECKERMANN ist es zu danken, daß Goethe nach langer Pause die schon um 1800 entstandenen Bruchstücke des II. Teils wieder aufgriff und das Ganze zwischen 1825 und 1831 planmäßig, »durch Vorsatz und Charakter« (an W. v. Humboldt, 17. 3. 1832), aus der Sicht seiner nachklassischen Schaffensphase beendete, in der die Gegensätze von Klassik und Romantik sich ver-söhnten und in der auch seine Erfahrung als Staatsmann poetischen Ausdruck suchte. 1827 veröffentlichte Goethe in der Ausgabe letzter Hand den Helena-Akt mit dem Untertitel Klassisch-romantische Phantasmagorie, 1828 ebenda die Szenen am Kaiserhof. Noch vor seinem letzten Geburtstag versiegelte er das abgeschlossene Drama. Was die Vollendung des Werks, das in den letzten Jahren immer wieder in seinem Tagebuch das »Hauptgeschäft« genannt wurde, für Goethe bedeutete, bezeugen Briefe aus dieser Zeit und die Gespräche mit Eckermann; hier heißt es (6. 6. 1831): »Mein ferneres Leben kann ich nunmehr als ein reines Geschenk ansehen, und es ist jetzt im Grunde ganz einerlei, ob und was ich noch etwa tue.«
4) Handlung Faust 1
Dem Beginn der eigentlichen Handlung sind die lyrische Zueignung und zwei Vorspiele vorangestellt. In der Zueig-nung spricht sich Goethes Verbundenheit mit den Gestalten der Tragödie aus, die nach langen Jahren wieder vor seinem geistigen Auge erscheinen und zugleich mit der Erinnerung an seine jugendliche Schaffenszeit die Sehnsucht nach dem »stillen, ernsten Geisterreich« der Dichtung in ihm wachrufen: » Was ich besitze, seh? ich wie im Weiten, / Und was verschwand, wird mir zu Wirklichkeiten.« Das Vorspiel auf dem Theater führt, ohne direkten Bezug auf das Stück, in einem Gespräch zwischen Schauspieldirektor, Dichter und Lustiger Person auf die Ebene gesellschaft-lich-merkantiler Realitäten als dem Bereich, in dem der Bühnendichtung zu wirken bestimmt ist. Der Prolog im Himmel schlägt mit dem Wechselgesang der Erzengel »das Motiv der großen allgemeinen Ordnung« an (E. Trunz): »Die Sonne tönt nach alter Weise / In Brudersphären Wettgesang, / Und ihre vorgeschriebne Reise / Vollendet sie mit Donnergang.« Er ist zugleich Exposition der Handlung: Mephisto wettet mit Gott, daß es ihm gelingen werde, Faust auf seine Wege herabzuziehen.
Die Ausgangssituation des Stückes ist die gleiche wie im Puppenspiel: der berühmte Anfangsmonolog zeigt Faust im nächtlichen Studierzimmer, unbefriedigt vom Studium der Wissenschaften, deren trockener, traditionsgläubiger Rationalismus in Famulus Wagner verkörpert erscheint. Er wendet sich der Magie zu. Doch hier schon entfernt sich die Tragödie entscheidend von dem vorgegebenen Stoff: Faust beschwört nicht satanische Mächte, die ihm Wissen, Macht und Genuß verschaffen sollen, sondern er ruft den Erdgeist, die wirkende Kraft der Natur, um durch ihn zur Teilhab. am Leben des göttlichen Alls zu gelangen. Vorn Erdgeist höhnisch in die Schranken gewiesen, überdies von der trockenen Pedanterie des herzueilendes Famulus angewidert, sieht der verzweifelte Faust irrt Freitod den letzten Weg zu vollkommener Seinserfahrung. Aber der Klang der Osterglocken und Auferstehungschöre, der in seine Studierstube dringt, hält ihn mit dem Zauber der Kindheitserinnerung zurück.
Die Umkehr in ein Leben naiver Unbefangenheit ist ihm jedoch versagt. Sein Osterspaziergang mit Wagner führt ihn unter feiernde Bürger und Bau-ern, deren selbstzufriedenes Behagen ihm sein Ungenügen an der Beschränktheit der menschlichen Existenz und an der Widersprüchlichkeit seines eigenen Wesens nur noch schmerzlicher bewußt macht: »Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, / Die eine will sich von der andern trennen; / Die eine hält, in derber Liebeslust, / Sich an die Welt mit klammernden Organen; / Die andre hebt gewaltsam sich vom Dust / Zu den Gefilden hoher Ahnen.« Erst jetzt, nachdem die Gespaltenheit Fausts sichtbar gemacht ist, tritt Mephisto auf. Das Stichwort, das ihn auf den Plan ruft, ist Fausts Wunsch: »Ja, wäre nur ein Zaubermantel mein, / und trüg? er mich in fremde Länder! / Mir sollt? er ? um die köstlichsten Gewänder. 1 Nicht feil um einen Königsmantel sein.« Den Fähigkeiten Mephistos skeptisch gegenüberstehend, fügt Faust in den Pakt mit ihm eine bedeutsame Klausel ein, die das Bündnis in eine Wette verwandelt: »Werd? ich zum Augenblicke sagen: / Verweile doch! du bist so schön! 1 Dann magst du mich in Fesseln schlagen, / Dann will Ich gern zu Grunde gehn!« Damit bleibt der Ausgang offen, wird das bloße Schauerspektakel zum Drama. Im Teufelspakt gipfelt die Einsicht Fausts in sein Unvermögen, aus eigener Kraft zur Welterkenntnis zu gelangen.
In den folgenden beiden Szenen werden die Unzulänglichkeiten des Lehrens und Lernens ironisch beleuchtet: der Dialog zwischen dem als Faust verkleideten Mephisto und einem ratsuchenden Studenten ist eine witz-sprühende Satire auf die Hochschulfakultäten. Ein wüstes studentisches Saufgelage in Auerbachs Keller in Leipzig, wohin Mephisto Faust auf seinem Zaubermantel führt, illustriert Mephistos Ansicht von der Intelligenz des Men-schen: »Er nennt?s Vernunft und braucht?s allein, / Nur tierischer als jedes Tier zu Sein.« ?
Die folgende Szene, Fausts Verjüngung in der Hexenküche, ein Vorgang, der mit augenscheinlichem Behagen am absurden, aus Tief-sinn, Satire und Obszönität gemischten Spiel dargestellt ist, bildet das Präludium zur Gretchen-Tragödie. Faust er-blickt in einem Zauberspiegel das Bild Helenas, das ihn zu glühendem Begehren entzündet. In Gretchen wird diese Vision (in der sich zugleich die künftige Erscheinung Helenas andeutet) Wirklichkeit. Faust begegnet diesem kindlich unschuldigen und selbstsicheren Geschöpf in einer mittelalterlichen Kleinstadt. Er bedrängt Mephisto, ihn mit Gretchen zusammenzuführen.
Die Unbedingtheit, mit der Faust das Mädchen ohne Rücksicht auf dessen Bindungen an Familie und Tradition für sich fordert, ist von vornherein unheilträchtig. Daß er Mephistos Beihilfe in Anspruch nimmt, führt zur Katastrophe: das Schlafmittel für Gretchens Mutter, vor der Fausts nächtliche Besuche verheimlicht werden müssen, wirkt tödlich; Valentin, Gretchens Bruder, der die Entehrung der Schwester rächen will, fällt durch Mephstos Eingreifen im Kampf mit Faust; Gretchen tötet in Verzweiflung das Kind, das sie geboren hat, und endet im Kerker. Und doch zeigen sich in Gretchens Tragödie die Grenzen der Macht des Bösen, deutet sich die Allmacht der Liebe an, die auch Faust vor dem endgültigen Anheimfallen an dieses Böse retten wird.
Gretchen, von Faust verführt, Mörderin der Mutter und ihres Kindes, mitschuldig am Tode des Bruders, ist dennoch unantastbar in der ihrem Wesen eigenen Unschuld, und Mephistos Worte » Über die hab? ich keine Gewalt« lassen erkennen, daß sie seine eigentliche Gegenspielerin ist. Fausts sinnliche Begierde in Liebe wandelnd und sein besseres Selbst weckend, droht sie, Mephisto auch die Gewalt über ihn zu rauben. Im tiefsten Abfall von ihrer Lebensordnung verliert Gretchen doch nie wirklich die Verbindung mit ihr, und dem letzten Zugriff des Bösen entzieht sie sich mit der Flucht in diese Ordnung: »Gericht Gottes! dir hab? ich mich übergeben! ... Dein bin ich, Vater! rette mich!« ?
In die Gretchen-Tragödie ist Bild der Dämonie des Geschlechtlichen die surrealistisch anmutende Szenenfolge, die »romantische« Walpurgisnacht auf dem Blocksberg, eingefügt. Als Theater im Theater wird Oberons und Titanias Goldene Hochzeit aufgeführt, eine an die Adresse der literarischen Gegner Goethes gerichtete Persiflage, zugleich aber auch vorausdeutender Hinweis auf das Thema der Vereinigung von Norden und Süden, Romantik und Klassik, das ins Helena-Akt des zweiten Teils Gestalt wird.
5) Handlung Faust 2
Die Handlung diesen Teils setzt in einer Nochgebirgsszenerie völlig neu ein. Faust erwacht als ein von schwerer seelischer Zerrüttung Genesener aus dem Schlaf des Vergessens, in den ihn Ariel und seine ätherische Geisterschar versenkten. Die Szene Weist auf den Prolog im Himmel zurück; auch sie spielt im Bereich kosmischer Mächte, die hier jedoch in ihrer Wirkung auf den Menschen gezeigt werden: Faust erlebt im Traumschlaf ihre Heilkraft, er erfährt ihre vernichtende Gewalt am »Flammenübermaß« der aufgehenden Sonne; er wendet sich geblendet ab und erkennt am Bild des Regenbogens, der sich im Gischt des Wasserfalls bildet, »bald reingezeichnet, bald in Luft zerfließend«, daß dem Menschen das Absolute nur im Schleier des Vergänglichen erträglich und daß der Raum seiner Existenz das »Farbige« ist, der Zwischenbereich von Licht und Dunkel: »Am farbigen Abglanz haben wir das Leben.«
Nach diesem Vorspiel tritt Faust, nun wieder in Begleitung Mephistos, am kaiserlichen Hof auf, in der Welt politisch-sozialen Handelns. In einem allegorischen Maskenzug, an dem Faust als Pluto, Gott des Reichtums, teilnimmt, weitet «ich die Szene zum bunten Bild des menschlichen Lebens. Am Beispiel des plutonischen Goldes, des legitimen Reichtums, dem die Poesie zugesellt ist, und dem Gegenbeispiel des inflationistischen Papiergeldes, mit dem Mephisto die Finanzmisere des Staates beheben zu können vorgibt, wird das Verhältnis des Menschen zu Besitz und Macht als den beiden Angelpunkten politisch-ökonomischen Lebens erhellt. Auf Wunsch des Kaisers beschwört Faust die Urbilder menschlicher Schönheit, Paris und Helena.
Mit diesem Vorgang, im Volksbuch ein bloßes Zauberkunststück, setzt hier ein Geschehen von vielschichtiger Symbolik ein, in dem die Wechselbeziehungen von Kunst und Leben, Idee und Realität, Schaffendem und Geschaffenem, von nordischer und mediterraner Geistigkeit, von Chaos und Form, Geschichte und Gegenwart Gestalt werden. Faust beschwört das antike Paar mit Hilfe eines Dreifußes, den er, von Mephisto mit einem Zauberschlüssel versehen, aus dem »Reich der Mütter«, der gestaltenträchtigen Tiefe der Urbilder, heraufholt. Hingerissen von der Schönheit Helenas, will er die Truggestalt an sich ziehen, doch ein betäubender Schlag streckt ihn zu Boden. Der Versuch, die Schönheit der hellenischen Klassik gewaltsam in die Gegenwart zu zwingen, kann nicht gelingen: die vollendete Form der Antike bleibt leblo-ses Phantom, wenn nicht der schöpferische Eros sich den Geist des Griechentums anverwandelt und den Schatten des Vergangenen aus den Bildekräften der Natur zu neuer Wirklichkeit belebt.
Der folgende Akt bereitet das Erscheinen der wiedergeborenen wahren Gestalt Helenas vor, in deren Begegnung mit Faust sich das Drama zu einem seiner Gipfel erhebt. Das Thema der Verwirklichung Helenas weitet sich, mit zahllosen anderen Motiven verknüpft, zu dem des Werdens überhaupt. Der Beginn des zweiten Akts zeigt das alte Studierzimmer Fausts. Ein ironischer Dialog zwischen dem als Gelehrter verkleideten Mephisto und dem zum Baccalaureus aufgerückten Studenten knüpft an die Schülerszene des ersten Teils an. Wagner, der zu hohen akademischen Ehren gelangte Famulus Fausts, erzeugt im Laboratorium ein »artig Männlein« in einer Phiole, Homunculus, Bild der Entelechie des Menschen. Das Experiment wird durch Mephistos Hinzutreten auf nicht näher bezeichnete Weise vollendet. Faust wohnt dem Vorgang bei, auf einem Lager bewußtlos »hingestreckt«, d. h. im Zustand imaginativer Schau.
Homunculus, die reine Geistigkeit, die es drängt, Gestalt zu werden, erkennt Fausts Sehnsucht nach dem Urbild griechischer Schönheit und wird nun, ihm und Mephisto in seiner Phiole voranschwebend, Wegweiser zur »klassischen« Walpurgisnacht. In dieser Nacht, die auf der thessalischen Ebene und in den Buchten der Ägäis vorhomerische Fabelwesen, Götter und gespenstisch-bizarre Zwittergestalten, antike Philosophen und Naturgottheiten zusammenführt und im mitternächtigen Meeresfest zu einem Preisgesang an die vier Elemente und den allbeherrschenden Eros gipfelt, geht jeder der drei Partner seinen eigenen Weg.
Mephisto, der sich auf klassischem Boden nicht zu Hause fühlt, verwandelt sich in Phorkyas, die urhäßliche Ungestalt, als die er Helenas Gegenpart sein wird. Faust macht sich, von Chiron geleitet, auf, um Helena im Hades von Persephone zu erbitten. Homunculus stürzt sich, seine Verleiblichung suchend, ins Meer als dem Element proteischer Verwandlungen, wo die gläserne Hülle seiner schwebenden Geistigkeit am Triumphwagen der Liebesgöttin Galatea zerschellt.
»Die Klassische Walpurgisnacht ist mit dem Wogen ihrer Gestaltenfülle zu Ende gegangen. Der Vorhang senkt sich und hebt sich wieder. ... Das Fest des Eros am Ende der Walpurgisnacht war wie ein Zeugen des Schönen. Und jetzt ist es gleichsam geboren, Helena ist erschienen.« (E. Trunz) »Trunken von des Gewoges regsamem 1 Geschaukel« betritt sie, vom Strande kommend, griechischen Boden. Sie, deren Gestaltwerdung dreifach bewirkt wurde: durch den zur Verkörperung bereiten Geist, die umgestaltenden Kräfte der Natur, wie sie sich im Geschehen der klassischen Walpurgisnacht verkörpern, und das in den Tiefen des Erinnerns bewahrte Bild der klassischen Schönheit.
Eines der Hauptthemen des zweiten Teils, die Synthese polarer Lebens- und Kunsttendenzen, beginnt sich im dritten, dem sogenannten Helena-Akt, mit ihrem Erscheinen in großen Zügen zu entfalten. Raum und Zeit werden in die kontrapunktische Figuration dessen, was Goethe in einem sehr weiten Sinn das »Klassische« und das »Romantische« nannte, einbezogen.
Helena, die mit einem Gefolge gefangener trojanischer Mädchen nach Mykene zurück-kehrt und dort der Phorkyas, Verwalterin des verlassenen Palastes, begegnet, repräsentiert die Welt des antiken Griechenland; Faust, der als germanischer Heerführer das herrenlose Sparta besetzt hat, die des nordischen Mittelal-ters. In der Begegnung zwischen ihm und Helena, die aus Furcht vor Menelaos Rache mit ihrem Gefolge unter Phorkyas Führung in Fausts Burg flüchtete, vollzieht sich metaphorisch die wechselweise Durchdringung beider Bereiche. Die Synthese zwischen der seelischen Erlebniskraft des »romantischen« Nordens und dem Formsinn der griechischen Klassik wird in einem Dialog, in dem Helena von Faust die Kunst des Reimens Symbol des inneren Einklangs erlernt, zartestes Bild.
Der Vereinigung entspringt ein Sohn, Euphorion. Sein feuriger Erlebnisdrang, sein todes-trunkener Höhenflug lassen ihn als den Genius der Poesie erscheinen, wie Goethe ihn in der faszinierenden Gestalt BYRONs am reinsten verkörpert sah; und die Totenklage für den im Augenblick zum Jüngling ge-reiften Knaben, der dem Untergang in der Schlacht entgegenfliegt, gilt auch dem Dichter, der 1824 auf griechischem Boden starb. Mit der Anspielung auf Byron, den Zeitgenossen Goethes, wird eine neue Zeitdimension, die Gegenwart des Dichters, einbezogen, so daß, wie Goethe selbst sagte, der Helena-Akt drei Jahrtausende in sich faßt.
Helena folgt ihrem Sohn in den Tod. Faust bleibt nur ihr Gewand, das sich zur Wolke wandelt und ihn hinwegträgt. Auf einem Hochgebirge kehrt er zur Erde zurück (vierter Akt).
Wieder setzt das Drama ganz neu ein. Nur die Wolke, die Faust getragen hat und die, sich auflösend, flüchtig die Umrisse Helenas und Gretchens annimmt, vergegenwärtigt ihm noch einmal den unvergänglichen Gewinn seiner Vergangenheit: » Wie Seelenschönheit steigert sich die holde Form, / Löst sich nicht auf; erhebt sich in den Äther hin / Und zieht das Beste meines Innern mit sich fort.« Es drängt Faust zu »großen Taten«: er will dem Meer durch Dammbauten fruchtbares Land abzwingen. Mit Hilfe der drei Gewaltigen Raufebold, Habebald und Haltefest von Mephisto bestellter dämonischer Kreaturen, führt er in einer Schlacht zwischen dem kaiserlichen Heer und dem des Gegenkaisers den Sieg des angestammten Herrschers herbei und wird zum Dank mit einem Küstenstreifen belehnt, an dem er seinen Plan zu verwirklichen beginnt
(fünfter Akt). Die Hütte des friedlichen alten Paares Philemon und Baucis, die seinem Anspruch auf unein-geschränktes Verfügungsrecht im Wege ist, wird von Mephistos Helfershelfern, mittelbar jedoch durch Fausts Schuld, niedergebrannt, wobei die beiden unschuldigen Alten den Tod finden. Noch einmal wird, wie in den Gret-chen-Szenen, die Zwiespältigkeit der faustischen Natur sichtbar. Im Sinne einer moralischen Vervollkommnung ist Faust keinen Schritt weiter als am Anfang. Aber in den Worten, die wie der späte Widerruf seines Wunsches nach einem Zaubermantel klingen, kündigt sich das Ende seiner Bindung an Mephisto an: »Könnt? ich Magie von mei-nem Pfad entfernen, / Die Zaubersprüche ganz und gar verlernen, / Stünd? ich, Natur, vor dir ein Mann allein, / Da wär?s der Mühe wert, ein Mensch zu sein.« Hundertjährig, von der Sorge, die ihn mit Blindheit schlägt, heimge-sucht, treibt Faust dennoch ungebrochen sein Werk voran, während schon die Lemuren unter Mephistos makaber-ironischer Anleitung sein Grab schaufeln. Im Wahn, das große Unternehmen gehe seiner Vollendung entgegen, »das Geklirr der Spaten« gelte dem unternommenen Graben«, bekennt er, den Augenblick höchsten Glücks zu genießen: »Solch ein Gewimmel möcht? ich sehn, / Auf freiem Grund mit freiem Volke steh´n. / Zum Augenblicke dürft? ich sagen: / Verweile doch, du bist so schön/ / Er kann die Spur von meinen Erdetagen / Nicht in Äonen untergehn. ? / Im Vorgefühl von solchem hohen Glück / Genieß? ich jetzt den höchsten Augenblick.« Damit ist nach dem Wortlaut des Vertrages sein Leben verwirkt und seine Seele in Mephistos Gewalt gegeben. Faust sinkt tot nieder, und Mephisto wacht mit seinen satanischen Gehilfen an seiner Leiche, um der den Körper verlassenden Seele habhaft zu werden. Er glaubt, die Wette gewonnen zu haben, doch eine himmlische Heerschar schwebt rosenstreuend hernieder und entführt Fausts »Unsterbliches«. ? In einer Schlußszene, die sich christlich-mittelalterlicher Bildsprache be-dient, steigt Fausts Entelechie in hierarchisch gestufte geistige Regionen auf; von den von Anachoreten bewohnten Bergschluchten bis zum »blauen, ausgespannten Himmelszelt«, dem Mantel der Gottesmutter, reichend, sind sie weltimmanent, nicht transzendentes Jenseits. Hier spricht der Chor der Engel die Verse, in denen, nach Goethes eigenen ? von anderen Äußerungen allerdings widerlegten ?Worten »der Schlüssel zu Fausts Rettung enthalten« ist (Goethe zu Eckermann, 6. 6. 1831): »Wer immer strebend sich bemüht, / Den können wir erlösen. / Und hat an ihm die Liebe gar/ Von oben teilgenommen, / Begegnet ihm die selige Schar / Mit herzlichem Willkommen.« Dem Streben nach »immer höherer und reinerer Tätigkeit« kommt (»von oben«) die »Liebe« helfend entgegen. Fausts Weiterleben nach dem Tode ist jedoch nicht »ewige Seligkeit« im traditionell christlichen Sinn; es ist neues, gestei-gertes Wirken, eine sich in ewiger Bewegung vollziehende Wandlung, ein aufsteigendes »Umarten« der Entelechie.
6) Kurz zur Werkdeutung
Die Ausweitung des Stoffes steht mit der grundlegend gewandelten Konzeption der beiden Protagonisten und ihres Verhältnisses zueinander in innerem Zusammenhang. In der Gestalt Fausts weitet sich das Teilphänomen des soge-nannten »faustischen« Menschen zum Phänomen des Menschen überhaupt.
Als »Knecht
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-15 10:05:08 mit dem Titel Der reine Tor!
Die Wüste ist aus gelbem Mehl. Groteskgedichte (Hammerschlag, Peter)141 Seiten - Zsolnay, Erscheinungsdatum: 1997; ISBN: 3552048294
Nur wenige werden ihn kennen: peter Hammerschlag geboren 1905 in Wien, tritt ab 1939 als kabarettist auf und wird einer der produktivsten und originellsten Dichter des literarischen Kabaretts der 30er Jahre. Nach dem "Anschluß" Österreichs wird er nach Ausschwitz verschleppt, wo er vermutlich 1942 den Tod findet. Außer wenigen Gedichten gibt es zu Lebzeiten keine Publikationen in Zeitschriften. Eine erste Textausgabe erschien erst 1972. In der Bibliothek Wiederaufnahme österreische Literatur des 20. Jahrhunderts erschien 1991 ein Band "Groteskgedichte", auf den sich dieser Bericht bezieht. (Verlag Jungbrunnen, wien, München 1991; Linzenzausgabe mit Genehmigung des Paul Zsnolnay Verlages Wien/Darmstadt, 81 Seiten). Es gibt auch Video mit gerhard Bronne/Elfriede Ott, die einige Gedichte und Szenen in den Wiener kammerspielen zur Aufführung brachten.
"Seine ganze Art war aus der Art" wurde er einmal charakterisiert. Hammerschlags Gedichte und Songs - von seinen Kabarettszenen ist leider nur "Von der Lüneburger Heide und der simmeringer Had" erhalten geblieben - zeichnen sich zumeist durch eine überaus verblüffende, radikale Bildwahl und groteske, skurille Vorstellungskraft aus, die humorlose Geister wahrscheinlich als dekadent bezeichnen würden. Er schreibt mir also aus der Seele.
Zu den Groteskgedichten zählt etwa "Eia Popeia", in dem der Säugling nüchterne, ja eiskalte Antworten auf die einschmeichelnden Töne und den auch klagenden und anklagenden Monolog der verlassenen Mutter gibt.
"Pfeift durch das Lädchen - na was denn? - der Wind,
Wieget ein Mädchen - na was denn? - sein Kind ...
Weißt du, mein Kleines, um Märzveilchen blau?
Weißt du, um Lieben, auf lenzjunger Au?
Weißt du, wie glühend die falschheit küßt?
weißt nicht einmal, wo dein Vater ist!
Denkt sich der Kleine: wie Vater wohl heißt?
eia popeia, wenn du es nicht weißt!
Sehnst dich nach Vater? Er tat von uns gehn ...
Einsamer Weg durch der Leute Gehöhn!
Kennst du der Schande dornige Kron?
Schlafe, mein Liebes, was weißt du davon ...?
Denkt sich das Liebe: Er tat von dir gehn?
Eia popeia, das kann ich verstehn!
Schlafe, mein Schäfchen, es ist ja schon spät ...
Habe kein Quentchen Elektrizität!
Weißt du von Qualen in einsamer Nacht?
Weißt du, was du mir für Schmerzen gemacht?
Denkt sich das Schäfchen: mir reißt die Geduld!
Eia popeia, jetzt bin ich noch schuld!
Liegts du, mein Armes, auf ärmlichen Pfühl ...
weißt du um wasser, so tief und so kühl?
Weißt du um Ruhe nach endloser Qual?
Einmal ihn sehn noch, ein einzige Mal!
Drauf sagt das Arme - nicht sehr infantil:
Spring schon ins Wasser und red nicht so viel!
Weißt du, mein Kind, was das Herz mir zerreißt?
Weißt du vielleicht auch, was Heimweh heißt?
kennst du die reue und höllisches Weh?
kennst du das Häuschen am Michigansee?
Weißt, wieviel Sternlein am himmlischen zelt ...?
Eia popeia! ... - Das Hurenkind bellt ..."
Einige Texte kreisen umm den Tod (nachruf auf einen messerstecher, Zirkusreferat), mit anderen wollte er bewußt schockieren oder provoziere, wie in den allerorginellsten der "Weihnachtsdirne" oder der "Forellensusi".
"Mein Susi versteht sich aufs Wasser!
selbst die Fischlein beneiden sie bald.
ich liege am ufer als nasser
Bewunderer ihrer Gestalt.
Heut ist sie spazieren geschwommen,
und Stunden und Stunden vergehn ...
ich frag die Forellen beklommen:
'habt ihr nicht mein Susi gesehn?'
'Du trägst nach Schön-susi verlangen?
Schön-susi glich uns zu sehr!
man hat sie geangelt ... gefangen ...
Du findest Schön-Susi nicht mehr...'
Im Schwimmtrikot, triefend und triste,
So stürz ich zum Seeblick-hotel -
und seh, wie ein bankprokuriste
Mein Susi grad frißt, der Gesell!
Er grinst voll teuflischem Hohen,
zerteilt mit dem Messer mein Glück.
Sie trägt statt der Märtyrerkrone
Im Maul ein Zitronenstück ...
Tags drauf fand man den prokuristen
Erstochen, in schwärzlichem Blut.
Am dorffriedhof, ganz unter Christen,
Dort schläft er jetzt relativ gut.
Doch ich hab kein ruhiges Stündchen,
Mir liegt Schön-susi im Sinn.
Ich seh stets ein todblasses Mündchen
mit einer Zitrone darin."
Auch das erotische kam bei Peter hammerschlag in Annäherung an den Expressionismus nicht zu kurz. "Die Schwergewichts-Maitresse" sei dafür ein Beispiel mit der zeile "Wer nie mit Steinbruch Unzucht trieb,
der ahnt nicht, wie sich mich begrub."
Seine gestalten sind Messerstecher, Huren, Matrosen, Zirkusleute, abgewiesene Liebhaber, verlassene Mädchen, Kaffehaushocker und Wirtshausgeher.
immer wieder gibt es leise Melancholie in seinen Gedichten, "ein armer kleiner jud, der kein scharfes Messer hat". So im "liebslied an ein Proletariermädchen", in dem es die Spittelberg Buam, die vulgären, gewalttätigen bei den Mädchen haben als er. hammerschlag bleibt auf Distanz, "bringt süße Mehlspeis' und muß betteln: sei mir ein bisserl gut."
Auch der "abschiedsbrief des poetisch veranlagten stubenmädchens Lisi an ihren Elektriker" schlägt in die gleiche Kerbe.
es gibt aber auch Gedichte, die an morgenstern, kafka oder Kubin erinnern. seine tiergedichte von seehunden, pekinesen, Möpsen, Mäusen, krokodilen, Nilpferden, Affen, Hyänen, Max dem dachs, Arnold dem nervösen Karnickel, über das stinktier Klein-skunks, der sich nicht waschen läßt, dem jungen Hund, der nicht in seine haut paßt oder dem trauigen Löwen im Zoo, der ein telegramm aus der sahara bekommt, daß ihm ein Sohn geboren wurde, seien dafür Beispiele.
Hammerschlag schreibt Wienerisch und mit jiddischem, ungarischen oder böhmischen Einschlag (ungarische Schöpfungsgeschichte Die Ballade vom
Lustmörder Alois Blawatschek), ein Vorgänger des legendären Herrn Karl von Helmuth Qualtinger).
zum abschluß, vielleicht haben ja alle mitbekommen, daß Peter Hammmerschlag zu meinen Lieblingsdichter zählt noch das gedicht:
Portrait eines trottels (Widmung nicht einmal mit den Anfangsbuchstaben; es kennt ihn jeder)
"Der Trottel schritt zur Bergeshöh,
Da stand am Wege eine Fee.
Ihr leib, der war wie Elfenbein,
Ihr Haar von rotem Golde fein,
Dazu ihr blaues Augenpaar,
Das wie der frühlingshimmel war.
Sie sprach zu ihm:'mein Knabe du,
ich bin die fee, drum hör mir zu.
Warts fleißig, lieb und brav dabei,
dafür steht jetzt ein Wunsch dir frei.
Verlang von mir, was die gefällt!
Willst du Erfolg? Berühmtheit? Geld?
Willst du am End ein Mägdelein?
Soch ich wohl deine Liebste sein?'
da zog der Trottel seinen Hut
und sprach servil, doch wohlgemut:
'Wie spät ist's denn, ich bitte schön?
was-zehne schon? Dann muß ich gehn!'
der Trottel zieht des Wegs fürbaß.
die Fee steht da und ist ganz blaß."
ich wünsche viel Spaß beim lesen und dem Buch viele Leser.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-15 08:56:45 mit dem Titel Da kommt jeder auf den grünen Zweig!
Stefan Zweig: Balzac
Stefan Zweigs letztes Werk, das sein Hauptwerk werden sollte, ist eine tiefe Verbeugung vor dem Literaten Balzac. Eine „Sternstunde der Menschheit“ sollte geschildert werden und dadurch ein Stück Menschheit selbst. Eine erlebte, erlittene, erschriebene comédie humaine ist es auch geworden, und beim Lesen bekommt man Lust, die werke Balzacs nochmals vorzunehmen. Aber diese „große Balzac“, der 1920 publiziert wurde, ist nicht nur das unvollendete „magnum opus“ Stefan Zweigs, nicht nur der Ausdruck der Bewunderung für einen großes Vorbild, sondern zugleich ein fesselnder Roman, gerade weil er auch die kleinen und großen Schwächen eines Genies, die Arbeit und Anstrengung, den Kampf und die Herausforderung des schöpferischen Menschen nicht unerwähnt lässt.
Obwohl flüssig und interessant geschrieben, ist es doch kein Buch für ein schnelles, unaufmerksames Darüberhinweglesen; manches sollte man zweimal, oder noch öfter lesen, immer wieder wird man Neues entdecken, das einem bis dahin entgangen war. Bei zweiten Mal Lesen lässt man sich weniger vom Erzählfluß mitreißen und erfährt dadurch sehr vieles, nicht nur über Balzac sondern auch über das Problem des Schriftstellers in seiner Zeit, seinen Kampf um Anerkennung und, in diesem speziellen Fall, seine Situation als Hanswurst der Gesellschaft und großer Literat zugleich.
Schon einmal hatte sich Stefan Zweig mit dem Problem des Genies beschäftigt: in der „Schachnovelle“; dort war es der dumpf-einfältige Schachkünstler im Kampf gegen den Intellektuellen, der das Schachspiel nur als Rettung vor der Langeweile in der Gestapohaft gebraucht hatte: hier geht es um den Kampf des Dichters um Geld, Liebe, Anerkennung und Vollendung seines Genies und seines von seiner Zeit noch nicht verstandenen Werkes. Beide Bücher verdienen einen Ehrenplatz in jeder Bibliothek, als ausgezeichnete Darstellung dieses Problems.
Balzac. Eine Biographie.
von Stefan Zweig
Preis:* DM 28,91
EUR 14,78
Taschenbuch - Fischer-TB.-Vlg.,Ffm
ISBN: 3596221838
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-15 09:20:55 mit dem Titel Die Klitoris hat doppelt soviel Nerven wie ein Penis!
Diese und viele andere derartige Fakten findet man im Buch und im Stück "Vagina Monologe" von Eve Ensler. Ich habe das Stück in London im New Ambassodords Theatre gesehen. Die Inszenierung (falls man von einer solchen sprechen kann, denn drei Damen auf Barhockern teilten sich einfach den Text) war Irina Brown; es spielten Pam ferris, Josette Simon und Jerry Hall, manchen noch als Ex-Frau von Rolling-Stone Mick Jagger bekannt.
Die Autorin:
Eve Ensler ist Dramatikerin, Lyrikerin, Drehbuchautorin und in der Frauenbewegung aktiv. Als Dramatikerin schrieb sie Stücke wie "The Depot", "Floating Rhoda and the Glue Main", "Extraordinary Measures" "Lemonade" und "Ladies and Scooncat". Die Stücke wurden in vielen Staaten gespielt, sie erhielt auch sehr viele Preise. Bekannt geworden ist sie aber durch ihre "Vagina Monologe".
Der Inhalt:
200 Frauen unterschiedlichen Alters, Herkunft, Berufes und Familienstandes hat Eve Ensler zu ihrer Vagina interviewt: Wenn sie sprechen könnte, was würde sie sagen? Wenn deine Vagina sich anziehen würde, was würde sie tragen? Sie gibt damit eine Anregung zur weiblichen Selbsterkenntnis, eine Aufforderung an alle Frauen, den eigenen Weg zur Lust zu finden. Gleichzeitig ist dies ein entschiedenes Plädoyer gegen sexuelle Gewalt. Die unterschiedlichen Erfahrungen und Ausdrucksweisen der Befragten geben dem Buch eine lebendige Vielfältigkeit. Witz und Leichtigkeit stehen neben Traurigem und Erschütterndem. Die Vagina-Monologe wurden zwei Jahre lang in einem New Yorker Off-Broadway-Theater gespielt. In Deutschland läuft das Stück Anfang 2000 im Staatstheater in Stuttgart und an vielen anderen Bühnen.
Was soll ich sagen, das Stück, das ich sah, dauerte 80 Minuten und ich habe viel glernt, viel gelacht, nachher mit meiner Freundin viel diskutiert und auch vieles gehört, was mich betroffen machte: etwa wenn eine bosnische Frau aus einem Flüchtlingslager über ihre Vergewaltigungen berichtete. Oder der Bericht einer75jährigen, die ihre Scham und ihre verdrängte Lust beschreibt, die sie durch negative Erfahrungen bis zum Tag des Interviews verdrängt hatte. Kein bißchen pornografisch, hier muß ich alle, die sich das erwarten enttäuschen, oft sehr berührend, vieles in den Mund nehmend, worüber noch immer zu wenig gesprochen wird: falsche Scham, Orgasmus-Probleme, Männer (was würde die Vagina sagen "Langsamer/Slow down).
Klar ist es kein tiefgründiges Werk, kein wissenschaftliches Stück oder Buch. Aber ist es nicht an der Zeit, auch über Vaginas und Penisse zu lachen? Jedenfalls war das Nachahmen der unterschiedlichen Orgasmen bei Katholen, Juden. Mohamedanern, überrraschten, lebhaften etc. Frauen einfach zum brüllen.
Natürlich ist vieles auch echt amerikanisch: die Ausrufung eines V-Tags, die Abhaltung von V-Workshops und das immer wieder eingeforderte Herausbrüllen des Wortes "Vagina" etwa. Ich halte das Werk trotzdem für sehr wichtig und kann nur empfehlen: anschauen und/oder lesen.
Die Vagina- Monologe.
von Eve Ensler; Preis: DM 24,80; EUR 12,68
Gebundene Ausgabe - 116 Seiten - Ed. Nautilus, Hamburg, Erscheinungsdatum: 2000
ISBN: 3894013451
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-15 10:39:52 mit dem Titel Die Prosa des reinen Toren!
Die Affenparty (Hammerschlag, Peter), 176 Seiten - Zsolnay, Erscheinungsdatum: 2001; ISBN: 3552051643
Ich komm von ihm nicht los. Vor wenigen Wochen ist unter dem namen "Die Affenparty" gesammlete Prosa von Peter Hammerschlag erschienen. (Verlag Paul Zsolnay, Wien mit 11 Zeichnungen des Autors, herausgegeben von Volker Kaukoreit und Monika Kiegler-Griensteidl, 167 Seiten, ATS 298,--)
Das Buch ist wichtig, es enthält einen sehr ausführlichen und dem Stand der neuesetn Forschung entsprechenden Lebenslauf des Autors (einige Daten am Ende meines Berichts), Quellenangaben und Anmerkungen. Außerdem ist es die erste umfangreiche Sammlung an Prosa von Peter Hammerschlag, von dem nur 1984 einmal 5 Geschichten in Buchform publiziert wurden. Aber schön der Reihe nach.
Peter Hammerschlag (1902-1942) wurde zunächst als Kabarettist und Lyriker wiederentdeckt. Eine Ausstellung im Jüdischen Museum der Stadt Wien 1997 machte auf ihn als Grafiker und zeichner aufmerksam. 1984 erschien eine Hammerschlag-sammlung "Steif weht die Brise von der Postsparkassa. Groteskgedichte und Gelegenheitsprosa", mit eben den fünf kurzen Prosatexten. Allein im Nachlaß, der sich in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien befindet, lassen sich rund 100 weitere Prosatexte nachweisen. Vieles davon blieb bis heute unpubliziert, einiges ist in nicht immer eindeutig identifizierbaren Zeitungen und Zeitschriften - etwa im Unterhaltungsblatt "Wiener Magazin" veröffentlicht worden. Der vorliegende Band präsentiert nun 21 Texte.
Zumeist handelt es sich um zeitkritische humorvolle Geschichten mit ironischen, satirischen, grotesken, selten zynischen Inhalten. Manches sind Auftragsarbeiten, um Zeilenhonorar zu lukrieren, oft rasch im Kaffehaus auf kleine Zettel oder rechnungen geschrieben. Viele von Hammerschlags Lieblingsthemen tauchen wieder auf, nur das lasziv-obszöne und makabre kaumt kaum vor. Viele Geschichten sind aus den Blickwinkeln von Kindern und Tieren erzählt, die Welt des Theatres, Films und der Musik kommt prominent vor mit ihren Diven, Heroen und Moden vom Vamp (Marlene Dietrich) bis zu einem fiktiven und sehr skurilen Auftritt der Mickey Maus in Wien. Der Autor mokiert sich über den "americasn way of life", über Trendsetter, Naturisten (er nennt sie zynisch Naturheiler), Rationalisten und Fortschrittsoptimisten. Die Geschichten sind damit auch moderner, als man auf den ersten Blick glauben möchte. Er erzählt wie der Mensch auf den Hund und der Hund auf den Menschen, die Menschen zurück zum Affen und der Affe auf die Höhe des modernen Menschen kommen kann. Ein weiteres Hauptthema ist die Liebe und der aussichtlose Kampf zwischen den Geschlechtern.
Hammerschlag ist auch ein genauer Beobachter des Alltags in Schul- und Bürosituationen, in der marktschreierischen Erscheinung eines Straßenverkäufers oder bei der Fahrt in der Wiener Straßenbahn. Hammerschlag stellt dabei seine Figuren bloß, indem er ihre Schwächen ausbreitet und mit Witz, Dummheit, Oberflächlichkeit, Ignoranz und Selbstverkennung geißelt. Dabei spart er auch nicht mit Selstironie - viele Figuren etwa der Held in "Blamage in Hellbrunn" oder der malträtierte Journalist in "Mickey Maus in Wien" tragen autobiographische Züge.
leider ist es, anders als bei den Gedichten, nicht möglich, ganze Geschichten im Wortlaut zu bringen, das würde den Rahmen wirklich sprengen, ein paar Passagen möchte ich aber doch bringen:
Aus "Der kleine Marathonläufer". " DER KLEINE BUB RENNT; RENNT; RENNT ...
Er ist böse dran, und die Angst, die er in sich trägt, ist zehnmal größer als er selbst.
Die Großen, um deren Knie er große Bögen macht und deren mantelzipfel seine Schultern streifen, haben gar keine Ahnung, wie ihm zumute ist. Viele von den Erwachsenen, deren manche ihm nachknurren oder entgegenlächeln, werden vielleicht heute auch zu spät kommen. Aber selbst der böseste Bureauvorstand kann nicht so schauen wie der Herr Lehrer. Und die großen werden sich heute an höchstens einem halben Dutzend schadenfroher Bureaukollegen vorbeizudrücken haben...
Nach ihm aber, dem Kleinsten und Schwächsten der Hastenden und doch schon zum Zuspätkommen-Verdammten, werden sich 56 Schulbuben umdrehen, und ein gedämpftes 'Uh!' wird durch die Klasse gehen! Weil er in dieser Woche schon zum dritten Mal zu spät kommen wird.
Er rennt verzweifelt. (...)
Und an der nächsten Ecke fliegt der federkasten aus der Schultasche, er hat obenauf gelegen. Und der deckel fährt aus der Rinne, und Federhalter, Bleistift, alles, rollt, klappert, rasselt auf das feuchte Trottoir. Federhalter und Bleistift erwischt er noch, bevor sie über den Rand des Steiges gerollt sind, er hat sich fast auf den Bauch geworfen. (...)
Aber vielleicht ist es noch nicht zu spät? Es ist eine kindische Hoffnung, aber der, der sie hegt, ist ja auch noch ein Kind. Vielleicht gehen die schwarzen und goldenen Zeiger falsch? Und der hagere, große herr, der eben vorübereilt, hört von unten irgend ein Stammeln, sieht ein rotes, schmutziges, schweißnasses Kleinbubengesicht, mit angstgeweiteten Fischaugen und nassem Karpfenmund ...
(...)
Er pfaucht irgend etwas, seine Abschiedsverbeugung reißt ihn fast um, er beginnt wieder zu rennen, zu rennen, zu rennen ...
Die Türe des Klassenzimmers ist schon geschlossen. Nur die Stimme des lehrers klingt heraus."
Zum Schluß, wie versprochen, noch etwas Biographie zu Peter Hammerschlag:
27. 6. 1902 Peter Hermann Hammerschlag wird als Sohn jüdischer Eltern Viktor (Hals-, Nasen-, Ohrenarzt) und Hedwig (geb. Buinzl) Hammerschlag in Wien geboren.
2.9. 1908 Peter Hammerschlag und seine Mutter werden romisch-katholisch getauft.
Gymnasium, Matura
1921-1929 P.H. besucht ein semester den lehrgang Buch- und Illustrationsgewerbe, studiert Kunstgeschichte. Er verfaßt Mittelschulrevuen. Diverse Schreib- und Zeichenaufträge. Erste illustrierte Gedichte und Prosatexte erscheinen in Zeitschriften.
Dez. 1929 - Mitte 1930: Aufenthalt in Berlin. Auftritte im "Küka" (Künstlerkaffee), einem kabrettistischen Kleinunternehmen
7.11.1931 Stella Kadmon eröffnet die Kleinkunstbühne "Der liebe Augustin". Peter Hammerschlag arbeitet dort als Hausautor, "Blitzdichter", Conférencier und Schauspieler bis Herbst 1935. Er schreibt auch Texte für andere Bühnen wie "Stachelbeere" und "Österreichische Volksbühne".
1935-1938: P.H. erscheint in den Programmen bekannter Wiener Kleinkunstbühnen auf. "ABC", "literatur am Naschmarkt", "Kleinkunst in den Collonaden".
Juli 1938 die Familie wird aus ihrer Wohnung verwiesen
August 1938: P.H. reist nach Jugoslawien aus.
November 1938: Ausweisung aus Jugoslawien und Rückkehr nach Wien.
Jänner 1939: Im Programmhet des "Wiener Werkel" erscheint Peter Hammerschlags Name das letzte Mal auf (bis September 1939)
1939: "Die wunderbaren Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen", eine von P.H. in Versen gefaßte Münchhausiade erscheint als einzige selbständige Publikation zu Lebzeiten im Leipziger Trenkler-verlag. (Wer weiß, wo ich die bekomme, dringend Mail schicken).
19.9.1941-15.6.1942: Zwangsarbeit im "ersatzpflegemagazin - Leergutsammelstelle" der deutschen Wehrmacht im Wiener Prater.
Juni 1942: Eltern werden am 20.6. deportiert, P.H. taucht unter. Als er die Wohnung verläßt, wird er auf der Straße verhaftet.
17.7.1942: datum des Deportationstransportes mit dem P. H. nach Ausschwitz gebracht wird. Das Datum seiner Ermordung ist unbekannt.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-12 19:15:39 mit dem Titel William Shakespeare: hamlet. Bin ichs oder nicht!
Hamlet
Ich bleib wieder einmal bei den Klassikern. Diesmal nehme ich mir Hamlet von William Shakespeare (1564-1616) vor. Ich werde versuchen, mich kurz zu fassen, doch bitte ich trotzdem um ein wenig Lesegeduld.
Die Einteilung
1) Vorbemerkung/Stoff und Werkgeschichte
2) Der Inhalt
Exkurs über Hamlets Charakter
3) Thema und Problematik
4) Die Sprache des Werkes
5) Aufnahme des Werkes
6) Was mag buhsi am Hamlet
7) Ende und Schluß mit Ausgaben, Verfilmungen und ein paar Standardwerken
1) Vorbemerkung/Stoff und Werkgeschichte
Das Werk hießt im Original The Tragicall Historie of Hamlet, Prince of Denmarke (übersetzt: Die tragische Geschichte Hamlets, des Prinzen von Dänemark). Es handelt sich dabei um eine Tragödie in fünf Akten in Versen und Prosa, die etwa um 1600 entstanden sein soll. Der Erstdruck (Quarto I) stammt von 1603, die erste belegte Aufführung vom Juli 1602 in London. Die Grundlage für heutige Ausgaben des Dramas bildet aber nicht Quarta I, ein weitgehend auf die Kriminalstory reduzierter Raubdruck, sondern der sorgfältig redigierte Text von Quarto II (1605), ergänzt durch die Folio-Ausgabe von 1623. Die stellenweise willkürliche Einteilung in fünf Akte nahm überhaupt erst eine Quarto-Ausgabe von 1676 vor.
Der Stoff ist alt. Shakespeare ist auch alt, aber der Stoff ist noch älter. Mit im wesentlichen den gleichen Personen und Handlungselementen findet er sich im dritten Buch von SAXO GRAMMATICUS: GESATA DNORUM (begonnen etwa 1185). Als Shakespeares unmittelbare Quelle gilt eine erweiterte Bearbeitung der Sage in FRANCOIS DE BELLEFORTS: HISTOIRES TRAGIQUES (1582). Ein nicht überliefertes Hamlet-drama, das wegen seiner offensichtlich zahlreichen Beziehungen zu KYDS: THE SPANISH TRAGEDY diesem zugeschrieben wird, erscheint 1589 in London Stadtgespräch gewesen zu sein. Sicher ist, dass 1594 eine – wohl mit dieser identische – Hamlet-Tragödie in dem auch von Shakespeares Truppe bespielten Newington Butts Theatre aufgeführt wurde, und mit größter Wahrscheinlichkeit hat Shakespeare auf sie zurückgegriffen.
Zum Leidwesen vieler Schüler ist Hamlet mit 4.000 Zeilen, von denen 40 Prozent auf die Titelgestalt fallen (deshalb ist sie so sehr von Schauspielern geliebt und gefürchtet), Shakespeares längstes Drama. Macbeth ist etwa nur halb so lang. Außerdem ist es das problematischste Drama des Autors. Es hat zahllose Deutungen erfahren und fordert noch immer zu neuen Interpretationsversuchen heraus. Während meines Studiums (Theaterwissenschaften) habe ich gelernt, daß täglich rund 100 Artikel zu Hamlet erscheinen. Aus diesem Schatz schöpfen heute noch die Deutschlehrer, meist aber nur aus wenigen Büchern, eine komplette Interpretationsgeschichte kann wegen der Fülle des Materials gar nicht wirklich geschrieben werden. Ich finde dann immer – jeder hat recht – meistens stimmt es sogar. Jedenfalls ist Hamlet die erste der großen Tragödien und markiert einen Wendepunkt im Schaffen Shakespeares. Das Grundmodell der Handlung entstammt dem Rachedrama SENECAS, wie es von KYD, MARLOWE, PEELE und anderen für die englische Bühne weiterentwickelt wurde.
2) Der Inhalt
Die wichtigsten Personen
Hamlet
Claudius, sein Onkel
Gertrud, seine Mutter
Polonius, Hofmeister
Ophelia, Tochter des Polonius
Laertes, Sohn des Polonius
Rosenkrantz, Höfling
Guildenstern, Höfling
Horatio, Hamlets Freund
Fortinbras geg, Prinz von Norwegen
Prinz Hamlet wird vom Geist seines Vaters, des vormaligen Königs von Dänemark, beauftragt, für den an ihn begangenen Meuchelmord Rache zu nehmen. Ziel soll Claudius sein, der Bruder des Ermordeten und jetziger Inhaber des Thrones, der jetzt mit Gertrude, der Mutter Hamlets in (nach Renaissance-Begriffen) inzestuöser Ehe lebt. Hamlet gelobt Rache. Jetzt folgt kein Krimi (für manche leider). Die Hauptfrage des Dramas ist nicht wie und gegen welche Hindernisse Hamlet sein versprechen einlöst, sondern die entscheidende Frage, ob er es überhaupt einlöst. Es geht also um den inneren Konflikt des Helden. Das erklärt auch die vielen (7) Monologe Hamlets.
Dieser Konflikt war (und ist so spannend, dass auch das keineswegs sehr gebildete Publikum der Shakespeare-Zeit stundenlang, teilweise stehend im Theater aushielt, um dem verschlungenen, oft auf der Stelle tretenden, von sieben langen Monologen des Prinzen unterbrochenen Gang des Dramas zu folgen. Einen Spannungseffekt gibt es jedoch. Hamlet stellt sich aus taktischen Gründen wahnsinnig und tritt damit fast in einer Doppelrolle auf.
Träger der Handlung sind zwei Familien, die königliche und die des Hofmeister Polonius. Die Handlung selbst spielt auf engstem Raum – in Schloß Elsinor und in nächster Umgebung – aber umfasst sehr verschiedene Personenkreise, wie Hof, Militärs, Schauspieler, Totengräber und Studenten. Beide Familien sind am Ende ausgelöscht, tot. Zu jeder dieser zwei Familien gehört eine Frau, zu der Hamlet in tiefer emotionaler Beziehung steht. Gerade diese Beziehungen bestimmen wesentlich den Gang der Handlung. Da gibt es Hamlets Mutter, über deren Mitschuld am Königsmord weder für Hamlet noch für den Zuschauer je Klarheit herrscht. Und da gibt es Ophelia, die Hamlet liebt und die ihn liebt. Er jedoch stößt sie von sich, tötet ihren Vater Polonius und treibt sie dadurch mittelbar – ich würde fast sagen unmittelbar – in den Wahnsinn und in den Selbstmord durch Ertrinken. Ophelia hat jedoch einen Bruder, Laertes, der von Claudius zu unlauteren Kampfmethoden überredet Hamlet ersticht.
Hamlets unmittelbarer Gegenspieler ist jedoch Claudius, ein redegewandter Diplomat mit gewinnenden Manieren und speziellen Abhörpraktiken. Claudius ist aber auch ein Mann, dem Heuchelei so zur zweiten Natur geworden ist, dass er selbst im Gebet keine Reue aufbringen kann. (DIE WORTE FLIEGEN AUF, DER SINN HAT KEINE SCHWINGEN). Claudius ist aber auch ein Machtmensch, der andere – Ophelia, die Höflinge, Rosenkrantz und Guildenstern, mit deren Hilfe Hamlets Gesinnung ausspioniert werden soll – als Werkzeuge benutzt. Er kämpft nicht mit dem Schwert sondern mit Gift. Folgerichtig versucht er Hamlet aus der Welt zu schaffen, indem er ihn in Begleitung von Rosenkrantz und Guildenstern mit einem verräterischen Brief nach England schickt.
Hamlet versucht die Schuld des Königs zweifelsfrei ans Licht zu bringen, indem er vor dem Hof ein Schauspiel aufführen lässt. Das Modell dazustammt von einem 1592 in Italien geschehenen Mordfall, bei dem ein Marquese Alfonso Gonzago von seinem Neffen umgebracht wurde. Claudius verrät sich tatsächlich, aber Hamlet zieht nicht sofort Konsequenzen.
Exkurs über Hamlets Charakter
Dieses Zaudern lässt sich nicht einfach aus Hamlets Charakter erklären: denn Hamlet ist, obwohl seine Verwandtschaft mit der zur Zeit Shakespeares beliebten literarischen Figur des Melancholikers zwar unverkennbar ist und er sich selbst im Zorn als solchen schmäht, kein introvertierter Träumer, kein unentschlossener Schwächling. Ophelia rühmt an ihm nicht nur DES HOFMANNS AUGE, DES GELEHRTEN ZUNGE sondern auch DES KRIEGERS ARM. Auch Fortinbras, der ihn mit kriegerischen Ehren zu bestatten befiehlt, ist überzeugt, dass Hamlet UNFEHLBAR SICH HÖCHST KÖNIGLICH BEWÄHRT hätte. Daß Hamlet gezielt und entschlossen handeln kann, erfahren Rosenkrantz und Guildenstern, die er dem ihm selbst zugedachten Tod ausliefert, Polonius, den er in der Meinung, es sei der ihm nachspionierende König, wie EINE RATTE ersticht, und am Ende der König selbst, den der Prinz zuvor, als er ihn im Gebet findet, verschont, um nicht dem Mörder zu einem Platz im Himmel zu verhelfen, während der IN SEINER SÜNDEN MAIENBLÜTE getötete Vater in ewiger Verdammnis schmachtet.
Hinweise auf die Hintergründe seines Zauderns und seines sprunghaften, oft irrationalen Reagierens geben bereits Hamlets erste Auftritte. Er hält sich beim königlichen Staatsempfang, als einziger in Trauerkleidung, am Rande der versammelten Gesellschaft, und seine ersten Worte sind ein leises Beiseitesprechen. Er ist ein Außenstehender, der dem Augenschein nicht traut, - eine Eigenschaft, die sich in der Szene seiner Begegnung mit dem Geist bestätigt. Diese Begegnung spielt sich räumlich, zeitlich und geistig an Grenzen ab: an der Grenze zweier Elemente (am Meer), an der Grenze zwischen Tag und Nacht und an der Grenze zwischen Diesseits und Jenseits. Das ist ein genaues Bild von Hamlets innerer Situation. Sein von Zweifeln geprägtes Bewußtsein steht auch an Grenzen – an der Grenze zwischen von tradierten Verhaltensvorschriften (Blutrache) und dem Glauben an eine überirdische Gerechtigkeit gesicherte Daseinsform und einer bis zum Zynismus kritischen Lebenshaltung, die dem Individuum die Hauptlast der Verantwortung für den Zustand der Welt aufbürdet. Und diese Welt ist für ihn zutiefst verrottet, wie die Mitteilung des Geistes ihm blitzartig klarmacht. DIE ZEIT IST AUS DEN FUGEN; SCHMACH UND GRAM, DASS ICH ZUR WELT, SIE EINZURICHTEN, KAM.
So ist Hamlets Wahnsinn nicht nur bewusst gewählte Clownmaske, die ihm erlaubt, schlimme Wahrheiten öffentlich zu äußern, sondern auch Ausdruck der abgebrochenen Kommunikation mit der normalen, als bösartig und heuchlerisch befundenen Umwelt. Ophelia, Hamlets Spiegel- und Gegenbild – auch sie entzieht sich dem Normalen – taucht im Wahnsinn aus der schmerzhaften Helle des Bewußtseins in die Traumzone des Unbewussten und damit in ihren eigentlichen Daseinsraum unter wie in das Wasser des Flusses, in dem sie, blumenbekränzt und singend, unter Weidenbäumen hinabtreibt, ehe sie versinkt. WIE EIN GESCHÖPF GEBOREN UND BEGABT FÜR DIESES ELEMENT.
Hamlet gelangt aber erst im Wahn-Sinn zur vollen Klarheit seines Denkens, und diese schockartige, überdeutliche Einsicht in das Böse, Verworrene unter der Oberfläche des glatten Scheins, die jähe Konfrontation mit dem Tod, die Skepsis selbst gegenüber dem eigenen Denken, das, bei Licht betrachtet, EIN VIERTEL WEISHEIT NUR UND STETS DREI VIERTEL FEIGHEIT hat – sie sind es, die ihm die unbedachte Spontaneität rauben. Daher haben Horatio, der verlässliche Freund, ein von keinem Zweifel geplagter Stoiker, Rosenkrantz und Guildenstern, die austauschbaren Produkte einer konventionskonformen Erziehungsdressur, der geschwätzige alte Polonius, der Kalenderspruchweisheiten austeilt, ohne selbst danach zu handeln, als normale Spielarten der Gesellschaft neben ihrer unmittelbar dramatischen Funktion noch die, Hamlets Anderssein hervortreten zu lassen. Als markanteste Kontrastfigur steht ihm der junge Fortinbras gegenüber, der Prinz von Norweg weiterlesen schließen -
Gordon, Noah: Der Medicus
11.10.2002, 18:34 Uhr von
Nietzsche
Hallo! Ich liebe Filme! Deswegen wird man bei mir meisst Berichte über eben dieses Thema finden! ...Pro:
gute Story, spannend
Kontra:
nix
Empfehlung:
Nein
Vor einiger Zeit schwärmte die Presse und jedermann von dem „Medicus“. Ich habe das Buch damals nicht gelesen, dennoch stand es irgendwann in meinem Bücherregal, da ich es geschenkt bekam, las es jedoch weiterhin nicht.
Ich beschloß dies jedoch zu ändern und nahm das Buch in meinen Urlaub mit, da es drei wichtige Voraussetzungen erfüllte:
1.Es ist relativ umfangreich, versprach also ein längeres Lesevergnügen
2.Es würde sicherlich nicht langweilig sein und
3.Es würde nicht zu anspruchsvoll und mir somit für den Urlaub zu anstrengend sein.
Leider kam noch ein vierter Grund hinzu, der mich dazu brachte froh darüber zu sein genug Lektüre mitgenommen zu haben, denn ich brach mir im Urlaub den linken Fuß! : ( Darüber vielleicht in der offenen Kategorie mal mehr... .
------------------------------------------------------
Die Story
°°°°°°°°°
Der junge Rob Jeremy Cole wird durch widere Umstände zum Waisen. Seine Geschwister werden in fremde Familien gegeben, doch er bleibt zunächst allein in dem elterlichen Haus zurück. Doch ein Bader (ein fahrender „Arzt“) nimmt sich des Jungen an und stellt ihn bei sich in die Lehre.
Rob lernt bei ihm zunächst Fähigkeiten, die zur Unterhaltung dienen, wie z.B. das Jonglieren, doch beweißt bald, daß er auch für die ärztlichen Fähigkeiten geeignet ist. Dies auch, da Rob über eine Gabe verfügt, die ihm beim halten einer Hand Aufschluß darüber erteilt, wie gesund oder krank ein Mensch ist, bzw. ob er bald sterben würde.
Bald behandelt er genau wie sein Meister verschiedenste Krankheiten und Verletzungen der Menschen, die in den verschiedensten Städten zu ihnen kommen.
Rob merkt jedoch bald, daß ihm diese Tätigkeit nicht reicht, denn er kann nicht alle Krankheiten behandeln, da ihm dazu das nötige Wissen fehlt.
Nach dem Tod des Baders will er sich deswegen in das ferne Persien aufmachen, um dort an der Universität von Isfahan Medizin zu studieren. Dies ist jedoch nur Juden und Moslems erlaubt. Rob läßt sich jedoch nicht abschrecken und gibt sich kurzerhand als Jude aus. Doch in Isfahan angelangt wird er nach seinem ersuchen in der Universität aufgenommen zu werden in den Kerker geworfen, aus dessen Tiefen ihn nur noch ein Gesuch beim Schah erretten könnte... .
------------------------------------------------------
Meine Meinung
°°°°°°°°°°°°°
Der Medicus ist ein Buch, das den Leser nicht nur in das mittelalterliche Leben einführt, sondern auch in das historische Leben der Juden, Moslems und Perser. (Am Ende des Buches befindet sich für das bessere Verständnis auch eine Tabelle mit jüdischen, moslemischen und persischen Begriffen, die hier erläutert werden)
Man bekommt beim Lesen den Eindruck, daß Noah Gordon für dieses Buch sehr viel recherchiert hat und sich viel Hintergrundwissen aneignete, um die Geschichte so authentisch wie möglich zu erzählen. Daß er dies tatsächlich tat wird im Nachwort deutlich, in dem er selbst angibt, daß dies Buch ohne etliche Bibliotheken etc. nicht zu Stande gekommen wäre.
Dieser Aspekt hat mir sehr gut gefallen, gibt es hier doch viel historisches zu lernen und zu entdecken.
Die Geschichte an sich ist fließend erzählt und läßt keine Langeweile aufkommen. Man wird durchaus spannend durch die über 600 Seiten geführt, ohne das Buch irgendwann gähnend von sich weisen zu wollen.
Allerdings ist es mir dabei jedoch auch nicht so gegangen, daß ich völlig gefesselt war und Probleme gehabt hätte mal für ein paar Stunden das Lesen zu unterbrechen, weswegen ich den Aufdruck auf der Rückseite des Buches, in dem es heißt: “Der Medicus macht schon nach den ersten Zeilen süchtig...“ nicht wirklich bestätigen möchte. Das Buch machte mich interessiert, doch nicht wirklich süchtig und es begeisterte mich auch nicht wirklich nachhaltig.
Der Medicus ist ein gutes Buch, das kann man ihm in jedem Fall zusprechen, doch er ist kein überragendes Buch. Wer etwas über das Mittelalter in Europa und im fernen Persien lesen möchte und dies in einer schönen, sehr gut geschriebenen Geschichte tun möchte, sollte sich den Medicus beherzt zu Gemüte führen. Ein Lesevergnügen ist er in jedem Fall!
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-07 21:22:54 mit dem Titel Kurt Laßwitz: Homchen
Manchmal hat es wirklich Vorteile seinen Bücherschrank auszusortieren. Bei dieser Tätigkeit fiel mir ein Buch in die Hand, das ich sicher schon lange Jahre verstauben ließ, doch bisher nicht zum lesen in die Hand nahm. Eigentlich hatte ich sogar schon vergessen, daß es sich überhaupt in meinem Besitz befindet.
Nachdem ich mir den Inhalt durchgelesen hatte, wurde ich jedoch so neugierig, daß ich es am selben Abend noch zu lesen anfing und es nicht zum Verkauf freigab. Welch Glück!
------------------------------------------------------
Die Story:
°°°°°°°°°
Das Buch spielt in grauer Vorzeit – genau zu der Zeit, als Saurier die Erde beherrschten und die Säugetiere ihr Dasein im Dunkel der Nacht fristeten. Alle kleinen Säuger finden sich mit ihrem Schicksal ab, hat doch die rote Schlange, die von allen Tieren – vor allem aber den Sauriern angebetet wird – befohlen, daß die Saurier bei Tag und die Säuger bei Nacht leben sollen.
Doch nicht Homchen! Homchen gehört zu der Gattung der Kala und ihm gelingt das Unglaubliche: Mit Hilfe seines Verstandes schafft er es eine Echse zu überlisten und zu töten. Die Konsequenzen sind riesig: Die Echsen sind geschockt und blasen zum Krieg gegen die Kalas und Homchen selbst wird verstoßen.
Doch Homchen gibt nicht auf. Er beschließt die rote Schlange zu finden, beginnt er doch Zweifel an ihrer Unfehlbarkeit zu bilden – oder sogar an ihrer Existenz.
Das kleine Homchen begibt sich auf die Reise, auf der es Gefahren überstehen muß, doch auch vieles lernt. Es beginnt immer mehr seinen Verstand den Eindrücken des bloßen Auges vorzuziehen. Bald schon gelingt es ihm sogar das Feuer zu beherrschen. Genau darin sieht es seine Chance: Mit Hilfe des Feuers will er den Echsen den Garaus machen und den Tag samt der Vorherrschaft für die Säuger erkämpfen.
Als Homchen zurückkehrt zu seinen Artgenossen, zögern viele ihm zu folgen, doch ein teil ist bereit das Wagnis auf sich zu nehmen. So ziehen die kleinen Kalas gegen die Echsen in den Kampf, um ihre Bedrohung ein für alle Mal loszuwerden... .
------------------------------------------------------
Der Autor:
°°°°°°°°°
Kurd Laßwitz lebte von 1848-1910 und gilt als der Begründer der deutschen Science-Fiction Literatur. Sein bekanntester Science-Fiction Roman „Auf zwei Planeten“ erschien bereits 1897. „Homchen“ selbst erschien zu ersten Mal 1902.
Studiert hat Laßwitz Physik und Mathematik auf Lehramt – wie man heute sagen würde. Er promovierte später in Physik und lehrte als Gymnasiallehrer. 1884 erhielt er den Professorentitel.
------------------------------------------------------
Meine Meinung:
°°°°°°°°°°°°°
Der Name „Homchen“ ist natürlich nicht zufällig gewählt. Er steht quasi für Menschlein, also den Vorfahren der Menschen. Laßwitz versteht es wunderbar in seinem Buch evolutionäre Gedanken mit einer spannenden Geschichte zu vermischen. Das ist natürlich kein Zufall, denn die Evolutionstheorie wurde zu Laßwitz Lebzeiten viel gelesen und bewegte alle denkenden Gemüter. Ich habe bisher jedoch kein Buch gelesen, in dem sich das Denken der betreffenden Epoche so deutlich wiederspiegelt. Neben dem evolutionären Gedanken finden sich viele andere Ansätze wieder, wie auch Gedanken von seinem Zeitgenossen Friedrich Nietzsche, wobei ich natürlich nicht weiß, ob Laßwitz Nietzsche gelesen hat – da er zu Lebzeiten wenig gelesen wurde – oder ob nicht Nietzsche und er einfach ein Spiegel der gleichen Epoche sind.
Mich hat dieses Buch wahnsinnig fasziniert. Die Reise des kleinen Homchens und vor allem dem Beginn seines Nach-Denkens ist ungemein spannend und interessant geschrieben.
Daneben erfährt man in dem Buch viel darüber, wie weit der Forschungsstand bezüglich Evolution u. ä. zur damaligen Zeit war.
Das Buch ist eigentlich auch nicht wirklich ein Science-Fiction, sondern eigentlich viel mehr ein Evolutions-Roman oder aber ein Naturalismus-Roman.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Fazit:
*****
Für jeden, der naturwissenschaftlich interessiert ist oder aber sich mit dem Ende des 19. Jahrhunderts beschäftigt hat, wird an diesem Roman seine wahre Freude haben.
Homchen ist spannend, lehrreich und durchaus auch einfach unterhaltsam. Für mich war dieses Buch ein wahrer Genuß und Gewinn!
Mein Buch in der phantastischen Literatur bei Bastei Lübbe als Taschenbuch erschienen und kostete damals 6,80 DM.
Das Buch hat 204 Seiten.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-21 19:13:08 mit dem Titel Wolfgang & Heike Hohlbein: Spiegelzeit
Wie schon mal erwähnt ist Wolfgang Hohlbein ein unglaublicher Vielschreiber. Manchmal schreibt er dann auch zusammen mit seiner Frau Bücher, die meißt noch phantasievoller in ihrer Handlung sind, als seine „Soloprojekte“.
------------------------------------------------------
Die Story:
°°°°°°°°°
Julian, der Sohn eines wohlhabenen Zauberkünstlers lernt auf einem Rummelplatz Roger kennen. Dieser bringt ihn in einen Teil des Rummels, der älter wirkt, als der restliche Rummel. Julian ist fasziniert von diesem Teil des Rummelplatzes, doch seine Faszination macht schnell der Angst Platz, denn bald verwandeln sich Menschen auf dem Rummel in böse Wesen, die ihm nach dem Leben zu trachten scheinen.
Als Julian dennoch die Flucht gelingt, muß er feststellen, daß auch sein Vater in Schwierigkeiten steckt: Bei seinem geheimnisvollen Spiegeltrick ist etwas schief gelaufen – der Junge, den er bei der abendlichen Vorstellung durch den Spiegel schickte tauchte nicht wieder auf.
Julian begreift schnell, daß sein Vater mehr weiß, als er zugeben will. Bald schon tauchen Visionen vor seinem Auge auf, in denen der gesamte Rummelplatz in Flammen aufgeht und tausende tötet. Julian ahnt, daß sein Vater aber auch er selbst irgendwie mit diesem Unglück zu tun haben muß. Kurzentschlossen folgt er seinem Vater in die Welt hinter den Spiegeln, als dieser sich während einer Veranstaltung selbst verschwinden läßt.
Doch damit beginnt das Abenteuer erst, denn Julian sieht sich nicht nur durch die seltsamen bösen Wesen bedroht, die er „Trolle“ tauft, sondern auch durch die „Herren des Zwielichts“, die zwischen den Zeiten lauern. Außerdem befindet er sich nicht nur hinter den Spiegeln, sondern etwa 100 Jahre in der Vergangenheit. Doch damit nicht genug: Es geschieht tatsächlich ein großes Unglück, bei dem der gesamte Rummel verbrennt und dieses Unglück geschieht in dieser fremden Welt Nacht für Nacht. Julians einzige Chance das ewige Drama zu beenden und somit seine neuen Freunde zu retten, die in dieser Welt leben ist eine Spiegelscherbe zu finden, die einst verloren ging, als ein Zauberspiegel zerbrach und so das Unglück hereinbrach... .
------------------------------------------------------
Meine Meinung:
°°°°°°°°°°°°°
Die Bücher, die Wolfgang Hohlbein mit seiner Frau Heike zusammen schreibt sind – wie bereits erwähnt – phantasievoller. Außerdem wirken die Geschichten lebendiger und besser durchdacht.
In diesem Roman haben beide auf eine bewährte Story zurückgegriffen, die jedem durch Lewis Carrolls „Alice im Spiegelland“ bekannt sein sollte: Jemand geht durch einen Spiegel und landet in einer anderen Welt. Doch was so ähnlich aussieht ist es bei näherer Betrachtung dann doch nicht mehr, denn hier landet der Hauptprotagonist nicht wirklich in einer anderen Welt, sondern eigentlich nur in einer anderen Zeit.
Der Roman hat also im weitesten Sinne mit Zeitreisen zu tun und allen Verwirrungen, die sich bei solchen Geschichten ergeben: Man kann die Vergangenheit nicht ändern (jedenfalls nicht ohne Konsequenzen für die Zukunft), viele Handlungsstränge werden erst im Kontext klar und einiges ist erst nach gründlichem überlegen und dem Kontext mit der Zeit verständlich. Hier liegt auch oft die Gefahr, denn viele Zeitgeschichten bleiben schlecht durchdacht oder aber weisen Unstimmigkeiten auf. Den Hohlbeins ist es jedoch gelungen dies zu vermeiden. Die Geschichte ist Zeitlich gut durchdacht und bleibt in sich schlüssig.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Fazit:
*****
Die Geschichte ist spannend erzählt und wird nicht langweilig. Manchmal ist es aufgrund der Zusammenhänge, die sich durch die Zeitreisen ergeben, schwer die Handlung auf Anhieb zu verstehen. Dennoch werden alle Fragen im Laufe der Geschichte geklärt und befriedigend beantwortet.
Allein das Ende fällt nach meinem Geschmack ein wenig zu plump aus. Es erinnert ein wenig an amerikanische Filme und Serien der 70er und 80er Jahre, in denen jemand am Ende etwas lustiges sagt und alle in der letzten Szene lachen. Dies hätte man hier anders lösen können und sollen.
------------------------------------------------------
Meine Ausgabe:
Wolfgang und Heike Hohlbein: Spiegelzeit. München: Heyne 2001. Das Buch hat 509 Seiten und kostete mal 8,95€.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-13 16:03:54 mit dem Titel Karen Duve: Regenroman
Vor der großen Flutkatastrophe im Osten Deutschlands gab es auch eine hier in Niedersachsen – wenn diese auch im Vergleich eher bescheidenere Ausmaße angenommen hatte. Dennoch waren in meiner Wohnsiedlung alle Keller und einige kleinere Straßen überflutet. Nach dem Disaster wurde mir ein Buch ans Herz gelegt mit dem passenden Titel: Regenroman.
------------------------------------------------------
Story:
°°°°°
Leon ist Schriftsteller. Sein Freund Harry besorgt ihm einen Auftrag. Er soll eine Biographie für den Hamburger Zuhälter Pfitzner schreiben, der ihm dafür 50.000 DM im Voraus zahlt. Mit samt seinem bescheidenen Reichtum begibt sich Leon daraufhin, zusammen mit seiner Frau Martina, in ein abgelegenes Haus mitten im Moor, um das Buch dort in Ruhe schreiben zu können.
Die scheinbare Idylle hat jedoch von Anfang an ihre Tücken: Es regnet fast ununterbrochen, die Wasserleitungen fördern eine braune Brühe zum Vorschein und der Garten wird von einer Unmenge Nacktschnecken heimgesucht.
Leons und Martinas Einsamkeit wird bald durch einen Hund, der ihnen zuläuft, gemindert und durch ihre beiden einzigen Nachbarinnen Kay und Isadora. Kay fängt bald an die beiden tatkräftig bei Reparaturen zu unterstützen; Isadora jedoch kümmert sich ausschließlich um Leon... .
Bald schon steht erneuter Ärger ins Haus: Pfitzner ist mit Leons Arbeit nicht zufrieden, kommt ihn deswegen zusammen mit Harry besuchen und macht ihm brutal deutlich, daß er das Buch nach seinem Geschmack geschrieben haben möchte und nicht so, wie es Leon gerne möchte.
Der Besuch hat Folgen: Leon entwickelt ein Rückenleiden, das es ihm bald kaum noch ermöglicht zu sitzen, geschweige denn zu schreiben. Natürlich nimmt Pfitzner dies nicht hin und kommt ein zweites Mal zu Besuch. Diesmal endet der Besuch in einer wahren Katastrophe, bei der es Tode geben wird aber auch das Leben von Martina und Leon danach nicht mehr das selbe sein wird... .
------------------------------------------------------
Meine Meinung:
°°°°°°°°°°°°°
Der Schreibstil von Karen Duve ist angenehm und leicht zu lesen. Sie verzichtet größtenteils auf Ausschmückungen oder lange Erzählpassagen, in denen nicht wirklich etwas passiert. Die Handlung treibt eher beständig voran, wobei man jedoch „Handlung“ nicht zwingend mit Action gleichsetzen sollte. Vieles von dem, was passiert, beschränkt sich auf den Bereich der Personen oder anders ausgedrückt: Mit den Personen selbst vollzieht sich beständig etwas. Sie sind Stimmungen unterworfen oder auch inneren Veränderungen, die gut dokumentiert werden.
Im Roman wird bald klar, daß sowohl Leon, als auch Martina ihre ganz eigenen Probleme haben, wobei sich bei Leon die meißten emotionalen Entwicklungen ausmachen lassen. Selbst sein Rückenleiden ist klar als Reaktion auf vorangegangene Handlungen einzuordnen.
Deutlich wird auch, daß alle Personen ein gemeinsames Problem haben: Sie leiden, teilen sich jedoch nicht mit. Jeder knabbert an dem, was ihm Kummer macht, doch jeder zieht sich auf seine Weise in sich zurück. Diese Aspekte haben mir gut gefallen.
Etwas, was mir weniger gut gefiel war die Tatsache, daß sich im Verlauf der Handlung viele Ereignisse ankündigten, diese jedoch nicht wieder aufgegriffen wurden. Plötzlich tauchen etwa merkwürdig große Tiere auf, doch es wird nie mehr geklärt, was es mit ihnen auf sich hatte. Selbst ihr kurzes Auftauchen schien für mich keinen Zweck zu erfüllen, denn hätte man diese einfach weggelassen, so hätte dies für die Handlung keinen Abbruch getan.
Auch manche Emotionen hätten noch stärker umrissen werden können.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Fazit:
*****
Alles in allem ist der Roman gut zu lesen und wird durchaus nicht langweilig. Vieles ist gut und überzeugend geschildert, so daß man die Nässe etwa, die im Roman vorherrscht, manchmal fast schon spüren kann.
Das Buch bietet zudem einen kleinen Einblick in die menschliche Psyche, ohne jedoch psychologisch oder ähnliches zu werden.
------------------------------------------------------
Die von mir gelesene Ausgabe:
Karen Duve: Regenroman. München: List 2000. 299 Seiten – 14,90 DM
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-15 16:01:31 mit dem Titel Hohlbein, Wolfgang & Heike: Midgard
Als Wolfgang Hohlbein neulich im Interview im Fernsehen zu sehen war, sagte er, daß er selbst nicht wisse, wie er auf die Geschichten käme, die er so schriebe. Sicher ist jedoch, daß er und seine Frau Heike sich, bei dem von mir nun vorgestellten Buch „Midgard“, von der nordischen Sagenwelt um die Edda inspirieren ließen.
------------------------------------------------------
Story:
°°°°°
Der junge Lif wurde einst in einem Nachen an die Küste Midgards gespült. Dort nahm ihn Osrun an seinem Hof auf und zog ihn groß. Keiner weiß genau, woher Lif stammt, doch an dem Nachen, der ihn an die Küste trug, und auf einem Amulett, das er um den Hals trägt, befindet sich eine geheimnisvolle Rune.
Bald beginnt Lif seltsame Dinge zu beobachten: Ein großes schwarzes Schiff, das sich der Küste nähert und ihm Angst einflößt, ein Kampf zwischen einem riesigen Hünen und einem großen Wolf, der durch eine seltsame alte Frau gestoppt wird, die ihn zu kennen scheint.
Doch Osrun und alle anderen an dem Hof wollen nichts von Lifs Erlebnissen wissen, sondern zwingen ihn sogar alles schnell wieder zu vergessen und nicht mehr davon zu erzählen. Lif jedoch ahnt, daß es sich hinter dem Erlebten mehr verbirgt und beschließt die alte Skalla danach zu befragen, die anscheinend mehr weiß, als sie bisher sagte.
In einer Nacht erzählt sie ihm dann, daß es eine Sage gibt, nach der das Glück, bzw. Elend der Welt sich in einem Kampf entscheiden wird, den Lif gegen seinen Zwillingsbruder Lifthrasil kämpfen muß: In der Schlacht Ragnarög.
Lif beschließt zu flüchten und sich auf die Suche nach seinem Bruder zu machen. Auf seiner Flucht lernt er den Nachtalben Eugel kennen, der ihm schützend zur Seite steht. Bald begegnet er sogar einem wahrhaftigen Gott: dem Asen Baldur.
Zusammen begeben sie sich auf die lange Reise nach Asgard, um dort Odin zu treffen. Auf ihrem Weg müssen sie vielen Gefahren trotzen: Dem Feuerriesen Surtur, der den Kampf vorschnell beenden will, indem er Lif tötet, den Geschöpfen der Hel – der Welt der Toten, in der sie unter anderem auf den riesigen Drachen Nidhögger treffen, dem Wolf Fenris und vielen anderen.
Es gelingt ihnen dennoch nach Asgard zu gelangen, doch Lif hat längst begriffen, daß er den letzten großen Kampf nicht verhindern kann. Sein Schicksal ist es in Ragnarög gegen seinen Bruder zu kämpfen – ob er nun will oder nicht und den Ausgang des Kampfes können noch nicht mal die Götter prophezeien... .
------------------------------------------------------
Meine Meinung:
°°°°°°°°°°°°°
In diesem Buch ist es Wolfgang und Heike Hohlbein mal wieder gelungen eine spannende, phantasievolle Geschichte zu schreiben, die man kaum aus der Hand legen möchte.
Ich kenne mich mit der Sagenwelt der Edda zugegebenermaßen wenig aus, so daß ich nicht sagen kann, wie viel übernommen wurde und wie viel selbst erdacht ist, doch das ist bei der Geschichte wohl auch nicht wichtig. Schlagnamen, wie „Odin“, „Thor“ und „Asgard“ lassen den Leser ahnen, daß er sich in nordischen Mythen befindet.
Die Geschichte selbst erinnert zum Teil ein wenig an klassische Fantasy-Romane, wie vielleicht „Herr der Ringe“, findet man hier doch viele vertraute Elemente wieder, wie z.B. Drachen, Zwerge, Riesen, Alben. Doch trotz dieser Ähnlichkeit haftet der Geschichte etwas ganz eigenes an, wimmelt es in ihr doch auch von Göttern.
Spannend ist in dem Buch nicht nur Lifs Reise nach Asgard und der Ausgang des anschließenden Kampfes, sondern auch seine Erkenntnisse, die er innerhalb der Geschichte gewinnt. Lif begreift nach und nach, daß sein Leben durch das Schicksal bestimmt wird, das unablässig von den Göttern geknüpft wird. Dennoch sind auch die Götter nicht allmächtig, denn sie knüpfen nur das Schicksal, das bereits längst feststeht. Selbst über sie herrschen andere – viel mächtigere Götter, die ihrerseits vielleicht wieder von anderen Göttern beherrscht werden.
Hierbei ist kein Bezug zum wirklichen Leben herzustellen, doch der Gedanke, daß auch Götter von Göttern beherrscht werden und somit nicht allmächtig sind, faszinierte mich.
In dem Buch gibt es neben den genannten Bezeichnungen, wie Ragnarög noch viele weitere fremdartig klingende. Dennoch wirkt dies im Verlauf der Handlung nicht verwirrend, denn man gewöhnt sich schnell an die vielen neuen und zum Teil sehr fremd klingende Namen und Bezeichnungen.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Fazit:
*****
Midgard ist ein wirklich tolles Buch! Es ist äußerst spannend geschrieben und hält sich nicht mit langen, aktionsarmen Passagen auf. Der Leser wird schnell in die nordische Sagenwelt gezogen und lernt zusammen mit Lif ihre Bedeutung und ihre Namen.
Für mich hat sich wieder einmal bestätigt, daß die Bücher, die Wolfgang Hohlbein zusammen mit seiner Frau Heike schreibt, meißtens auch die phantasievolleren sind. Zudem scheint es ihm nach wie vor zu liegen Geschichten zu schreiben, die entweder im Mittelalter anzusiedeln sind oder aber in der Welt der klassischen Fantasy.
------------------------------------------------------
Meine Ausgabe:
Wolfgang und Heike Hohlbein: Midgard. München: Heyne 1998. Das Buch hat 347 Seiten und kostete mal 14 DM. Ich habe es allerdings für 2,50€ als Mängelexemplar ohne wirkliche Mängel erstanden.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-17 18:59:50 mit dem Titel Christoph Ransmayr: Die letzte Welt
Christoph Ransmayrs Buch „Die letzte Welt“ gehört nicht zu den Büchern, die den meißten bekannt sein dürften, obwohl er für das Buch mit Preisen ohne Ende überhäuft worden ist.
Story:
Der junge Römer Cotta macht sich auf die lange Reise zu der Küstenstadt Tomi, in die Ovid aus Rom verbannt worden ist. Sein Ziel ist es Ovid zu finden und von ihm dessen Buch die „Metamorphosen“ zu erhalten, da Ovid dieses vor seiner Abreise in die Verbannung verbrannt hat.
In Tomi angelangt begibt er sich nach Trachila – einem abgelegenen Ort in den Bergen – da Ovid dort leben soll. Anstelle von Ovid findet er in der klirrenden Kälte nur dessen Diener Pythagoras – einen verrückt erscheinenden Greis. Doch Cotta gibt nicht auf und beschließt weiter nach Ovid zu suchen.
Seine Suche bleibt erfolglos, denn die Bewohner Tomis begegnen ihm mit völliger Gleichgültigkeit und sind der Meinung, daß Ovid auch früher bereits länger verschwunden blieb. Erst als Cotta Echo, die den Haushalt von Lycaon führt, bei dem Cotta wohnt, kennen lernt, scheint er sich dem Ziel zu nähern. Echo, die sonst schweigsam ist und auf Fragen nur durch ein Echo antwortete, gibt Cotta nun Antworten. Sie erzählt ihm von Ovid und von seinen Metamorphosen. Bald jedoch, nach einem schweren Sturm, bleibt Echo für immer verschwunden.
Cotta wird von nun an immer mehr in das Leben in Tomi hineingezogen und, wie es scheint, auch immer mehr in die Metamorphosen des Ovid. Bald schon geschehen seltsame Dinge in Tomi: Menschen verwandeln sich in Stein oder in Vögel, die Natur überwuchert die Stadt und seltsame riesige Spinnen erscheinen... .
Zum Autor:
Christoph Ransmayr wurde 1954 in Wien geboren und hat dort Philosophie studiert. Er arbeitete zunächst als Reporter und Kulturredakteur unter anderem für Geo und Merian.
Seit 1982 arbeitete er als freier Autor. Er begann kleinere Geschichten und Romane zu verfassen. „Die letzte Welt“ ist sein dritter Roman, ihr ging „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“ voraus und es folgte „Morbus Kitahara“.
Im Moment lebt Ransmayr in Irland (und schreibt hoffentlich einen neuen Roman ; ) )
Meine Meinung:
Die Story des Buches wiederzugeben ist enorm schwierig, zumal man dabei nicht auf das wichtigste eingehen kann: Die Sprache des Buches und die Art und Weise, in der es verfasst wurde! Ransmayr bietet hier gehobene Literatur, die auf Anhieb vielleicht nicht zu verstehen ist, die jedoch allein durch die Sprachgewalt beeindruckt. Zwei Dinge müssen hier besonders hervorgehoben werden: Zum einen die Verwendung etlicher Anachronismen und zum anderen der Schreibstil.
Schreibstil:
Das Buch ist nicht einfach so runtergeschrieben – das merkt man beim Lesen. Man bekommt sogar den Eindruck, das kein Satz – ja noch nicht mal die einzelnen Wörter gedankenlos geschrieben worden sind, sondern daß Ransmayr jeden Satz und jedes Wort genau überdacht hat. Dennoch wirkt die Geschichte dadurch nicht gekünstelt oder gar konstruiert – ganz im Gegenteil.
Vielmehr weist sie eine enorme sprachliche Schönheit und Einmaligkeit auf. Alles wirkt besonders. Einem Hirsch wird z.B. nicht einfach Heu zum Fressen vorgeworfen, sondern Kastanien und getrocknete Rosenknospen.
Anachronismen:
List man das Buch zum ersten Mal, so wird man verwirrt sein. Zunächst glaubt man sich zur Zeit von Ovid zu befinden – also um 8 n. Chr., doch bald schon steht Cotta in Tomi vor einer rostigen Bushaltestelle und Ovid spricht in einem Rückblick vor einem Strauß Mikrophone. Diese Vermischung und Verwischung der Zeit zieht sich quer durch den gesamten Roman.
In einer Hausarbeit, die ich kürzlich zu diesem Thema verfasste kam ich zu dem Schluß, daß dies dazu dient, den fiktiven Charakter der Geschichte deutlich zu machen. Neben Fakten, also z.B. der Verbannung Ovids, verwendet Ransmayr auch Fiktion, wie z.B. die Verbrennung der „Metamorphosen“. In Wirklichkeit hat Ovid sein Buch nie verbrannt, denn sonst könnte man es heute ja nicht mehr erwerben.
Aufhänger der Handlung ist also bereits die Fiktion.
Ransmayr wollte ursprünglich eine moderne Übersetzung der Metamorphosen verfassen, als er begann sich intensiv mit dem Werk Ovids zu befassen. Herausgekommen ist sein Roman „Die letzte Welt“. Dennoch ziehen sich die Metamorphosen quer durch das gesamte Buch. Nicht nur dadurch, daß Cotta dieses Buch sucht, sondern auch in Form der Bewohner Tomis etwa. Sie tragen durchweg Namen von Figuren der Metamorphosen. Z.B.: Cyparis, Echo, Arachne, Itys usw. .
Ransmayr hat zum besseren Verständnis dem Roman ein „ovidisches Repertoire“ angehängt, in dem man die Bedeutung der Figuren für den Roman aber auch ihre ursprüngliche für die Metamorphosen nachlesen kann.
Fazit:
Ransmayrs Roman ist ein wahres Meisterwerk, das mir bei jedem Lesen besser gefällt. Es ist sicherlich kein einfaches Buch, das man entspannt vor dem Schlafen lesen kann. Man muß schon konzentriert bei der Sache bleiben, um der Geschichte folgen zu können.
Für mich ist es eines der besten Bücher der letzten Zeit. Es ist sprachlich einmalig und hochwertig. Wer behauptet, daß heutzutage keine hochwertige Literatur mehr verfasst wird, der sollte dieses Buch lesen.
Um das Buch zu lesen und zu verstehen sind im übrigen Kenntnisse der Metamorphosen von Ovid nicht unbedingt erforderlich. Zum besseren Verständnis sind sie manchmal nützlich, doch dazu reicht auch der Anhang des Buches selbst.
Meine Ausgabe:
Christoph Ransmayr: Die letzte Welt. Frankfurt am Main: Eichborn 1991. Das Buch hat 320 Seiten. Was es gekostet hat weiß ich nicht, denn dieses Buch habe ich zum Abitur geschenkt bekommen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-29 14:36:58 mit dem Titel Wolfgang und Heike Hohlbein: Drachenfeuer
In diesem Buch haben sich Heike und Wolfgang Hohlbein diesmal zum großen Teil von der keltischen Mythologie inspirieren lassen. Viele ihrer Geschöpfe wurden in der Geschichte übernommen.
------------------------------------------------------
Story:
°°°°°
Chris ist mit seinen Eltern nach Irland gereist, da sein Vater dort beruflich zu tun hat: Er soll einen Weg durch einen Berg sprengen. Chris ist von Irland zunächst wenig begeistert, bietet ihm dieses Land doch außer Landschaften nur Langeweile.
Doch bald schon ändert sich dies dramatisch: Er beobachtet einen rothaarigen Jungen: Llewellyen, der eine seltsame Sprache spricht und scheinbar niemand weiß, woher er ursprünglich stammt. Dieser treibt sich in der Gegend um den geplanten Sprengungsort herum. In der Burgruine von Ross Castle verliert Chris vorübergehend seine Spur, doch dann entdeckt er einen Geheimgang, der tief in den Berg führt. Dort befinden sich scheinbar endlose Gänge und Räume – doch nicht nur das! Chris trifft plötzlich auch auf seltsame Kreaturen, denen er nur knapp entkommen kann.
Da Chris neugierig geworden ist, was es mit den seltsamen Gängen und Kreaturen auf sich hat, beschließt er der Sache weiter auf den Grund zu gehen. Dabei wird er durch ein Tor plötzlich in eine andere Welt katapultiert. In dieser wimmelt es nur so von seltsamen Gestalten: Sidhe, Tuatha de Dannan, Buka, Merrow und vielen anderen.
Bald schon muß er jedoch feststellen, daß dieses Reich von bösen Mächten bedroht wird: den Milesiern – einem Volk aus dem Norden, das dieses Land um jeden Preis erobern will und dabei mit unglaublicher Gewalt vorgeht. Und noch eines wird bald klar: Chris selbst wurde erwartet! Nach einer Prophezeihung wird jemand aus einer der anderen Welten kommen und das Land Erinn retten. Die Bewohner Erinns glauben, daß dies Chris ist. Bald schon wird er zum Elfenkönig Fuavarra gebracht, der ihm sagt, was er tun soll: In das kalte Land gehen und ein Drachenei holen, denn die Druiden würden dann den Drachen beschwören und diesen gegen die Milesier einsetzen.
Doch in der Vergangenheit hat es einen solchen Versuch schon einmal gegeben und damals schlug er fehl. Der Drache hatte Städte und ganze Landstriche verwüstet, weil er sich nicht bezwingen lies. Aus diesem Grund bezweifeln auch viele Bewohner Erinns, daß es diesmal klappen könnte und auch Chris ist sich unsicher darüber, ob er den Wunsch des Elfenkönigs erfüllen soll und kann oder nicht. Er trifft eine in jeder Beziehung folgenschwere Entscheidung... .
------------------------------------------------------
Meine Meinung:
°°°°°°°°°°°°°
Bisher habe ich in hohen Tönen von den Büchern geschwärmt, die von Heike und Wolfgang Hohlbein gemeinsam verfaßt wurden. Nun, dies muß sich nun ändern. Nun ist eingetreten, was ich bisher nur auf die Bücher bezogen habe, die Wolfgang Hohlbein allein verfaßte: Es gibt gute, die mich begeistern können aber es gibt auch schlechte, bzw. weniger gute, die mich eher langweilen oder bisweilen sogar nerven. Dieses Buch gehört leider zur letzteren Kategorie!
Die Geschichte beginnt interessant und man kann und mag der Erzählung gut folgen, doch dann gibt es einen plötzlichen Bruch. Das, was sich zu Anfang abzeichnete wird plötzlich nicht mehr fortgeführt, sondern eine völlig andere und neue Geschichte erzählt. Auf mich wirkte dies irritierend und rief ein absolutes Unverständnis hervor. Plötzlich bekam die Geschichte dadurch einen unmotivierten Charakter und man konnte als Leser die Zusammenhänge nicht mehr nachvollziehen.
Ein weiteres Problem des Buches ist, daß es sich bisweilen zieht. Da die Geschichte größtenteils absehbar ist – was an sich nicht schlimm ist – wäre es gut gewesen ein wenig mehr Tempo vorzulegen. So jedoch war ich oft versucht das Buch aus der Hand zu legen und statt dessen zu einem anderen zu greifen, das mich mehr unterhalten kann.
Das schlimmste an diesem Buch war aber wohl der Nerv-Effekt, den es bei mir auslöste. Um diesen näher zu erläutern werde ich ausführen, was die Hohlbeins erreichen wollten, statt dessen aber erreichten:
Erreicht werden sollte, daß sich ein deutlicher Konflikt innerhalb der Hauptfigur Chris abzeichnet. Ein Konflikt, in den er gerät, weil er einerseits helfen will, andererseits aber eine Gefahr in der Art seiner Hilfe sieht: dem Drachen. Deutlich sollte außerdem werden, daß es in einem Krieg kein falsch und richtig gibt; zumindest insoweit, als daß jede Partei ihre berechtigte Motivation hat den Krieg zu führen und am Ende jeder dabei verlieren wird: Menschenleben usw. .
Erreicht wurde, daß Chris innerhalb des Buches unendlich oft schwankte zwischen dem Beschluß zu helfen und dem nicht zu helfen: also den Drachen zu holen oder nicht. Auf mich wirkte dies nach einer Weile nervig und unglaubwürdig und regte mich dermaßen auf, daß ich ihn am liebsten am Schlawittchen gegriffen hätte, um ihn lautstark zu fragen, wie denn nun bitte seine ENDGÜLTIGE Entscheidung aussehe. Statt innerer Zerrissenheit gab es nur fast zerrissene Nerven, zumal mir nie wirklich ganz klar wurde, warum er seine Meinung wechselt.
Aus der eigentlich ganz guten Aussage, daß es kein richtig, bzw. falsch gibt wurde ein stark stilisierter theatralisch erhobener Zeigefinger. Schade!
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Fazit:
*****
Ich habe mich mit diesem Buch schwer getan. Auf mich wirkte es streckenweise langatmig bis -weilig und zum ersten Mal bei Hohlbein überlegte ich ernsthaft das Buch wegzulegen und statt dessen ein anderes zu lesen.
Man kann zwar nicht behaupten, daß diese Geschichte nicht phantasievoll sei, doch mich konnte sie nur schwer und an wenigen Stellen in den Bann ziehen.
Gute Ansätze scheitern an einer schlechten Umsetzung – hier leider besonders.
Empfehlen kann ich es nur für absolute Fans oder aber als Jugendbuch!
------------------------------------------------------
Meine Ausgabe:
Wolfgang und Heike Hohlbein: Drachenfeuer. München: Heyne 2002.
Das Buch hat 460 Seiten und kostet normalerweise 8,95€. Ich habe die Ausgabe allerdings mal wieder als Mängelexemplar ohne sichtbare Mängel für 2,50€ erstanden.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-11 16:34:30 mit dem Titel J. Gregory Keyes: Aus Wasser geboren
In letzter Zeit stöbere ich gerne mal in den Bücherständen auf denen Preisreduzierte Mängelexemplare zu finden sind. Das hat den Vorteil, daß man auch mal Bücher mitnehmen kann, deren Autor man zwar nicht kennt, die jedoch vom Thema ganz interessant klingen. Ein großes Risiko geht man so jedenfalls nicht ein, wenn dann ein Buch doch mal nicht ganz so toll war.
„Aus Wasser geboren“ von J. Gregory Keyes fiel mir auch auf diese Art zufällig in die Hände.
------------------------------------------------------
Die Story:
°°°°°°°°°
Bis kurz vor Ende ziehen sich zwei Handlungsstränge durch das Buch, die ich nacheinander vorstellen werde.
1.Handlungsstrang:
Hezhi ist Prinzessin. Sie lebt im Palast der Wüstenstadt Nhol, in dem auch die Herrscherfamilie des „Großen Flusses“ lebt. Ihr Vater, der große Chakunge, regiert das Land. Wie es Tradition ist, lebt Hezhi nicht bei ihren Eltern, sondern wird von ihrer Amme Qey erzogen und umsorgt. Außerdem steht ihr Tsem zur Seite – ein Halbriese, der ihr Leibwächter aber auch so etwas wie ein Freund ist.
Vor einiger Zeit wurde D'en, der Bruder von Hezhi, durch die Priester verschleppt. Sie allein entscheiden, welches Königskind zur Herrschaft bestimmt ist und welches für immer in den Katakomben des großen Flusses unter dem Palast verschwindet. Letzteres Schicksal ist auch ihrem Bruder wiederfahren, über den nur noch als D'en-nata gesprochen wird – nata=Geist!
Immer wieder begibt sich Hezhi auf die Suche nach ihrem Bruder, bleibt dabei jedoch erfolglos. Erklären, was mit ihm passierte, kann ihr niemand, denn die Priester haben über alle einen Fluch gelegt, der sie schmerzhaft daran hindert auch nur ein verbotenes Wort auszusprechen.
Hezhi läßt sich jedoch nicht entmutigen. Sie beginnt in der Bibliothek des Palastes in Büchern nach einer Antwort zu suchen. Einer Antwort darauf, was ihrem Bruder widerfuhr und auch einer Antwort darauf, was ihr eventuell bevorstehen könnte. Nach einiger zeit gelingt es ihr durch die Hilfe des Bibliothekars Ghan der Lösung nahe zu kommen. Scheinbar wohnen in jedem Mitglied ihrer Familie starke Kräfte, da alle Familienangehörigen mit dem Gott des großen Flusses verbunden sind. Diese Kräfte zeigen sich in der Pubertät und auch Hezhi bemerkt langsam, wie etwas in ihr heranwächst. Als die Priester sie testen begreift sie, daß sie in großer Gefahr schwebt. In ihrer Not bittet sie den großen Fluß ihr jemanden zu schicken, der sie rettet... .
2.Handlungsstrang:
Perkar lebt in dem Waldland Alwat. Seine Familie lebt im Bunde mit der Flußgöttin. In diesem Land steckt in jedem Baum, in jedem Fluß – einfach in allem ein Gott, den man preisen kann und die den Menschen manchmal helfen. Perkar ist gerade erwachsen geworden.
Eines Tages kommt König Kapaka mit einigen Männern in seiner Begleitung auf den Hof seines Vaters. Kapaka hat vor den „Herrn des Waldes“ – den obersten Waldgott – aufzusuchen, um ihn um Land für seine Söhne zu bitten, denn der Lebensraum ist knapp geworden. Perkar schließt sich der Gruppe gern an, hat er doch ein Vorhaben im Hinterkopf: Er will „Den Verschlinger“ suchen. Dieser Fluß verschlingt alles und jeden, doch vor allem auch den Fluß seiner geliebten Flußgöttin.
Da Perkar klar ist, daß man einen Gott nicht mit einer normalen Waffe töten kann, begibt er sich heimlich in die Höhle des Herrn des Waldes, in der sich auch eine Waffenkammer befindet. Hier entwendet er das Schwert Harka, in dem auch ein Gott wohnt. Doch sein Unterfangen bleibt nicht ohne Folgen: Der Herr des Waldes zürnt dieser Tat und läßt Perkar und alle anderen durch den Krähengott und die Jägerin verfolgen. Fast alle kommen zu Tode. Nur Perkar und Ngangata überleben, weil sie rechtzeitig den großen Fluß, den Verschlinger erreichen. Auf einem Boot des Krähengottes treiben sie auf dem Fluß dahin. Perkar wird bald klar, daß der Fluß sie nicht gehen lassen wird, weil er sie zu einem bestimmten Ziel bringen will... .
------------------------------------------------------
Meine Meinung:
°°°°°°°°°°°°°
Dieses Buch zu lesen hat richtig Spaß gemacht. Beide Handlungsstränge waren so spannend, daß ich mich manchmal nicht beherrschen konnte und so den einen überblätterte, um zunächst den anderen weiter zu lesen.
Das Buch bietet klassische Fantasy, ohne jedoch nur auf altes zurückzugreifen. Vielmehr wurde hier eine völlig neue Art erschaffen, in der sich Wesen tummeln, die so bisher noch nicht erdacht wurden. Besonders gut hat mir dabei die Idee mit den Göttern und Geistern gefallen (in Hezhis Königsreich leben jede Menge Geister). Die Götter leben ihrerseits in einer art Hierarchie. Es gibt zwar in jedem Gegenstand einen Gott, aber auch Götter, die über einzelne Gebiete herrschen. Meistens dulden sie sich gegenseitig, doch wenn die Menschen einzelne von ihnen einfangen, um sie zu Häusern z.B. zu verarbeiten, so sind sie darum nicht traurig, denn so steigt nur ihre eigene Macht.
Obwohl relativ schnell im Buch klar wird, wie und warum sich die beiden Handlungsstränge treffen werden, so wird das Buch dennoch nicht langweilig. Viele Fragen bleiben lang genug offen, um die Spannung zu erhalten.
Auch die Abenteuer der beiden Hauptakteure tragen zum Erhalt der Spannung enorm bei.
Der amerikanische Autor hat bis auf dieses Buch bisher nur noch ein anderes verfasst: „Der schwarze Gott“. Ich werde nach diesem Buch in jedem Fall Ausschau halten, da ich mir davon genau so viel Spannung und Spaß beim Lesen verspreche, wie von diesem.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Fazit:
*****
Diese Buch ist spannend von Anfang bis zum Ende, wobei man schnell und gut in die Story hineinfindet. Hat man erst einmal mit dem Lesen begonnen, so möchte man dieses Buch nicht so schnell wieder aus den Händen legen.
Für Freunde der Fantasy-Romane absolut empfehlenswert!
------------------------------------------------------
Meine Ausgabe:
J. Gregory Keyes: Aus Wasser geboren. Heyne: München 2000. Das Buch hat 575 Seiten und kostete mal 8,95€. Ich habe aber dieses Buch ebenfalls mal wieder für 2,50€ als preisreduziertes Mängelexemplar ohne wirkliche Mängel erstanden. weiterlesen schließen -
GEFÄHLICHE POSSEN von T. Pratchett, D. Adams, I. Asimov uva.
02.10.2002, 19:08 Uhr von
leser@tte
Interessen sind vielfältig und sollen es auch bleiben! Mehr von mir auch bei ciao und ecomments. ...Pro:
spannende Story
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Fehlerhaft und dennoch Fantastisch
Der von Peter Haining herausgegebene Band GEFÄHLICHE POSSEN bietet Highlights der humorvollen Fantasy. Eigentlich habe ich mir das Buch mit 24 Kurzgeschichten lediglich gekauft, weil ich dachte es handelt sich um seichte Lektüre vor dem Einschlafen. Nachdem ich in durchgelesen habe muß ich aber sagen, daß ich das Buch trotz einiger Macken für ein wirklich herausragendes Stück phantastischer Literatur halte, welches einen Ehrenplatz (schnell griffbereit) in meinem Büchregal erhalten wird.
Großartig finde ich nicht nur die Zusammenstellung von meist unbekannten Kurzgeschichten einiger Autoren von Weltruhm - nein, besonders begeistert bin ich davon, daß jeder Geschichte eine Einleitung voran gestellt ist, welche Hintergrundinformationen zum Autor gibt und die Geschichten in einen Gesamtzusammenhang zu stellen vermag.
Gegliedert ist das Buch dabei in drei Teile zu je 8 Kurzgeschichten, die da wären:
1. Zauberer und Dingsdas
Geschichten von komischer Absurdität von Terry Pratchett, Lord Dunsay, John Collier, Henry Kuttner, Eric Frank Russel, Ray Bradbury, Philip K. Dick und Ursula K. Le Guin
2. Schwerter und Zauberei
Geschichten der heroischen Fantasy von Stephen Donaldson, F. Anstey, James Branch Cabell, Frederic Brown, Fritz Leiber, Robert Bloch, Brian W. Aldiss und Avram Davidson
3. Astronauten und Außerirdische
Space-Opera-Arien von Douglas Adams, H.G. Wells, C.S. Lewis, Reginald Bretnor, Arthur C. Clarke, Isaac Asimov, Larry Niven und Kurt Vonnegut Jr.
Dabei muß ich zugeben, daß die meisten Autoren bereits im voraus für mich als Garant für Qualität standen und ich eine derart erlesene Auswahl ehestens in Suhrkamps Phantastische Bibliothek erwartet hätte.
Ich hoffe es wird mir verziehen, wenn ich bei der Fülle nicht auf alle Geschichten im einzelnen eingehe. Die meisten haben mir jedenfalls sehr gut gefallen. Als Beispiel sei vielleicht die Geschichte DER TWONKY von Henry Kuttner herausgegriffen, da ich von diesem Autor bisher noch nie etwas gehört hatte:
In einer Radiofabrik in welcher die Mitarbeiter häufig wechseln taucht ein sonderbarer Fremdling mit einer Beule am Kopf auf. Da dieser verwirrt und betrunken scheint wird er vom Vorarbeiter angefahren er solle an die Arbeit gehen. Er schaut sich kurz die Musiktruhen an und in seinem nebligem Geist sieht er seine Bestimmung. Twonkys! Sein ganzes Leben hatte er Twonkys hergestellt, also war es wohl das, was man von ihm wollte. Sofort ging er an die Arbeit. Nach einiger Zeit war der Twonky fertig und ein Vergleich mit den anderen Musiktruhen ließ äußerlich keinen Unterschied erkennen. Er brachte den Twonky also ins Lager zu den anderen Musiktruhen und kehrte in die Werkstatt zurück. Da lichtete sich der Nebel in seinem Kopf vollends.
Er japste etwas von Großer Snell! und ..Zeitknoten, zog seinen Overall aus, tastete in einer Ecke in der Luft und setzte sich zufrieden etwa einem Meter über dem Boden in die Luft un verschwand.
In kurzer Form beginnt die Geschichte vom Twonky so. Wer nun wissen will, was mit der Musiktruhe weiter geschieht hat entweder die Möglichkeit sich GEFÄHLICHE POSSEN zuzulegen oder besorgt sich den Band Line to Tomorrow aus dem Jahre 1946 von Henry Kuttner. Mir geht es bei dieser Zusammenfassung nur darum einen kurzen Einblick zu geben um was für eine Art von Geschichten es sich hier handelt. Die Geschichte soll im übrigen auch Verfilmt worden sein und wird als Vorläufer zu Steven Spielbergs Poltergeist betrachtet.
Wenn ich zu den Fehlern in dem Buch komme, die mich stören, kann ich auch gleich mit Henry Kuttner beginnen. Wenn ich der Biographie glauben schenken soll wäre er 144 Jahre alt geworden. (Seite 42)
Bei Eric Franc Russel steht er hätte von 1905 bis 1878 gelebt!? (Seite 74) Ich denke jedoch nicht, daß er den Zeitstrahl in entgegengesetzter Richtung entlangläuft.
Bei F. Anstey steht (Seite 175), daß es sich um das Pseudonym von Thomas Anstey Guthrie handelt, welches dadurch zustande kam, daß der Setzer als Unterschrift fälschlicherweise T. Anstey las. Möglicherweise hat auch diesmal ein Setzer nicht aufgepaßt. Darauf deutet auch hin, daß auf Seite 178 in der Story von F. Anstey das e im Wort bewußt fehlt und auf Seite 239 ein guter junge klein geschrieben ist!
Weitaus verwirrender finde ich jedoch, daß man mir bei Douglas Adams einreden möchte, die deutsche Übersetzung von Mostly Harmless hieße Einmal Rupert und zurück (Seite 284). Ich habe beide Bücher gelesen und muß sagen, daß es sich um gänzlich verschiedene Bücher handelt – einen Science Fiction Roman und ein Buch über vom Aussterben bedrohte Tierarten!
Wenn ich jetzt noch die fehlenden Anführungszeichen auf Seite 345 erwähne bin ich gespannt, welche Fehler in meinem ciao Bericht mir alles aufgetischt werden.
Aber möglicher Weise hilft es ja dem ein oder anderem den Band als Mängelexemplar herunter zu handeln!
Hier kurz die Daten:
GEFÄHRLICHE POSSEN von Peter Haining (Hg.)
Erzählungen von Terry Pratchett, Douglas Adams u.a.
Heyne Buch Band 06/5909, 3. Auflage
444 Seiten Paperback für 14,90 DM
Umschlaggestaltung Josh Kirby
(der allen Terry Pratchett Freunden bekannt sein dürfte)
Fazit:
Der Herausgeber verspricht nicht zu viel, wenn er den Band als Anthologie von Highlights der humorvollen Fantasy bezeichnet. Trotz der langen Liste von Fehlern erlaube ich mir für diese phantastische Sammlung die beste Bewertung zu geben. Sowohl die Zusammenstellung, wie auch die Einbettung in einen literarischen Kontext verdienen meine Hochachtung. Ich hoffe jedoch, daß in der 4. Auflage (ich habe die 3.) die Fehler beseitigt werden!
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-25 16:01:39 mit dem Titel wildes Sammelsurium humorvoller Fantasy
Ein Bericht über
Ritter des Wahnsinns von Peter Haining (Hrsg.)
Der von Peter Haining herausgegebene Band RITTER DES WAHNSINNS bildet den Abschluß seiner dreibändigen Reihe mit Highlights der humorvollen Fantasy. Nachdem ich die beiden ersten Bände (SCHEIBENWAHN und GEFÄHRLICHE POSSEN) verschlungen habe konnte ich natürlich auch von diesem nicht die Finger lassen. Wie auch die ersten beiden Bände ist die Sammlung wieder in drei Teile zu je 8 Kurzgeschichten gegliedert. Im einzelnen findet sich in diesem Band:
1. Flüge der Phantasie (absurde Geschichten)
· TERRY PRATCHETT - Hollywood-Hühner
· JEROME K. JEROME - Das neue Utopia
· G.K. CHESTERTON - Die zornige Straße
· MERVIN PEAKE - Die Party der Lady Cusp-Carnine
· ROBERT BLOCH - Der kleine Mann, der nicht ganz da war
· RAY BRADBURY - Das Jahr, als das Glop-Monster den Goldenen Löwen von Cannes gewann
· PETER S. BEAGLE - Leila, die Werwölfin
· PHILIP K. DICK - Der Krieg mit den Fnolls
2. Anno dazumal (Geschichten von heroischen Zeiten)
· SPIKE MILLIGAN – Die Schöpfungsgeschichte nach Spike Milligan
· MARK TWAIN – Eine mittelalterliche Romanze
· BEN TRAVERS – Ethelred der Unredliche
· EVAN HUNTER – Die Traum-Maid
· JOHN KENDRICK BANGS – Drei Monate im Ballon
· GENE WOLFE – Wie ich den zweiten Weltkrieg verlor und mithalf, die deutschen Invasoren zurückzuwerfen
· ORSON WELLS – Fifi und die chilenischen Trüffel
· PETER SELLERS – Der Verschwender
3. Humord muß sein (Kriminalfälle)
· TOM SHARPE – Gut aufrühren
· L. FRANK BAUM – Der Selbstmord des Kiaros
· A. A. MILNE – Der Raub des Sherlocks
· JAMES THURBER – Der Fall des weißen Kaninchens
· STAN McMURTRY – Wasses Auge nicht sieht
· WOODY ALLEN – Die Verurteilten
· DONALD E. WESTLAKE – Das Mulligan-Stew
· DAVID L. STONE – Die Dulwich-Mörder
Während ich bei den ersten beiden Bänden eigentlich durch die Bank weg begeistert war fällt es mir bei diesem Band etwas schwerer ein einhelliges Urteil zu bilden. Das mag zum einen daran liegen, daß der Band recht schwach anfängt. Die Story von Terry Pratchett ist einfach nicht ganz das, was ich sonst von ihm gewohnt bin. Es geht um Hühner, die neben der Autobahn eine eigene Zivilisation bilden.
Gleich im Anschluß liefert Jerome K. Jerome, der einigen vielleicht durch seinen Roman Drei Mann in einem Boot bekannt ist, eine Story die auf mich ein Flickwerk aus zwei Storys des Sammelbandes SCHEIBENWAHN wirkt. Seine Kurzgeschichte Das neue Utopia, die von einer merkwürdigen Reise in die Zukunft handelt, scheint mir einfach eine Mischung aus Kurt Vonnegut Juniors Harrison Bergeron und Stephen Leacocks Der Asbestmann zu sein.
Schade finde ich auch, daß die von mir sehr geschätzten Space Operas in diesem Band durch seltsame Kriminalfälle ersetzt worden sind, wenn auch gerade unter diesen eine meiner Lieblingsgeschichten in dieser Sammlung zu finden ist. Woody Allens Die Verurteilten erinnert mich irgendwie stark an den Film Die letzte Nacht des Boris Gruschenko. Dieser Film ist bisher mein Lieblingsfilm von Woody Allen und so dürfte es auch nicht verwundern, daß mir eine derartige Kurzgeschichte sehr gefällt.
Ein weiteres Highlight ist die Geschichte von Philip K. Dick, der mir bisher nur durch seine Geschichte Träumen Androiden von elektrischen Schafen bekannt war, welche als Vorlage zu Ridley Scotts Film Bladerunner diente. Darin versucht eine merkwürdige außerirdische Spezies (die Fnolls) die Erde zu erobern. Das sonderbare an ihnen ist, daß alle zwar jede beliebige (menschliche) Form annehmen können, aber alle exakt gleich aussehen und nur 1,20 Meter groß sind. Bei dem hier beschriebenem erneuten Angriff passiert es nun durch ein Unglück, daß sie auf die normale menschliche Körpergröße anwachsen und die Invasion scheint unaufhaltbar, bis alles ein unerwartet merkwürdiges Ende nimmt.
Nun, bei der Fülle an Geschichten möchte ich nicht auf jede einzeln eingehen. Ein weiterer Pluspunkt des Buches sollte aber noch erwähnt werden. Das eigentliche Konzept dieser Antologie. Gelungen finde ich dabei, daß jeder Geschichte eine Einleitung voran gestellt ist, welche Hintergrundinformationen zum Autor gibt und die Geschichten in einen Gesamtzusammenhang stellt.
Hier kurz die Daten:
RITTER DES WAHNSINNS von Peter Haining (Hg.)
Erzählungen von Terry Pratchett, Woody Allen u.a.
Heyne Buch Band 06/9062, 2. Auflage
380 Seiten Paperback für 14,90 DM
Umschlaggestaltung Josh Kirby
(der allen Terry Pratchett Freunden bekannt sein dürfte)
Fazit:
Nach den fantastischen ersten beiden Bänden der Reihe (SCHEIBENWAHN und GEFÄHRLICHE POSSEN) finde ich hier die Geschichten doch sehr durchwachsen. Einige gefallen mir sehr gut, dafür kann ich mit manchen einfach nichts anfangen oder finde sie einfach nicht komisch. Für den Inhalt würde ich vielleicht neutrale 3 Punkte vergeben.
Das Gesamtkonzept des Buches, eine Sammlung von unbekannten Kurzgeschichten meist bekannter Autoren mit Hintergrundinformationen über ebendiese, finde ich nach wie vor super. Auch hat der Band deutlich weniger Druckfehler als die ersten. Dafür hätte ich ein sehr gut vergeben.
Somit bilde ich diesmal den Mittelwert und spreche nur eine bedingte Empfehlung aus.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-29 11:06:04 mit dem Titel Peter Haining (Hrg.) / Scheibenwahn: Von PRATCHETTs Tod bis CLARKEs Weltuntergang
Wenn man sich vor Augen hält, daß die Sammlung von Kurzgeschichten unter dem Titel SCHEIBENWAHN mit einer Geschichte über den Tod beginnt und mit einer vom Weltuntergang endet, scheint es sich auf den ersten Blick um eine eher morbide Anthologie zu handeln. Verwunderung macht sich dann breit, wenn auf der Rückseite des Bandes erklärt wird, daß es sich um eine Sammlung von Highlights humorvoller Fantasy (dt. etwa Höhepunkte humorvoller phantastischer Geschichten) handelt. Nachdem ich die wilde Sammlung leider schon wieder beendet habe möchte ich hier einen wirklichen Schatz für Freunde von Science Fiction und Fantasy Literatur und Kurzgeschichten vorstellen.
Es handelt sich um den zweiten Band einer Reihe von Kurzgeschichten die von Peter Haining herausgegeben werden und auf die ich eher durch Zufall gestoßen bin, als ich in Hannover auf Bücherbummel unterwegs war. Dort stießen mir zwei Bücher sofort ins Auge, da der Umschlag unverkennbar von Josh Kirby gestaltet war und ich zuerst dachte es handele sich um zwei neue Terry Pratchett Romane. Ganz daneben lag ich nicht, den jeder Band der Reihe beginnt mit einer Kurzgeschichte von Pratchett. Es handelte sich um die Bücher:
GEFÄHRLICHE POSSEN &
RITTER DES WAHNSINNS
Als ich erfuhr, daß es noch einen mittleren Band gibt habe ich in schnell bei amazon bestellt. Um diesen geht es nun.
SCHEIBENWAHN ist wie auch die anderen beiden Bücher in drei thematisch zusammengehörige Teile zu jeweils acht Kurzgeschichten aufgeteilt. Besonders gut gefällt mir, daß jeder Kurzgeschichte eine kurze Einführung voran gestellt ist, in der der Autor und das Umfeld erläutert werden. Diese Reihe eignet sich so also auch gerade besonders gut für Neueinsteiger in die phantastische Literatur, die hier einen netten Überblick geboten bekommen. Im einzelnen finden sich in diesem Band folgende Kurzgeschichten:
TEIL 1 – Dinge und Undinge
(Komische Phantasien)
•TERRY PRATCHETT – Scheibenwahn
•P.G. WODEHOUSE – Ein Stück wirkliches Leben
•L. SPRAGUE DE CAMP & FLETCHER PRATT – Besser als eine Mausefalle
•ERIC KNIGHT – Sam Smalls bessere Hälfte
•MERVYN PEAKE – Totentanz
•C.S. LEWIS – Trugwelt
•KURT VONNEGUT JR. - Harrison Bergeron
•PIERS ANTHONY – Phantastisch bis Rar
TEIL 2 – Tödliche Nachtgestalten
(Erzählungen vom Übernatürlichen)
•JOHN COLLIER – Die richtige Seite
•FREDERIC BROWN - Koboldgeist
•NELSON BOND – Der Geist ist billig
•THOMAS M. DISCH – Küchenschaben
•ANGELA CARTER – Die Dame aus dem Haus der Liebe
•MICHAEL MOORECOCK – Steinding
•ROBERT BLOCH – Psycho und Nympho
•ROALD DAHL – Ach, süßes Geheimnis des Lebens
TEIL 3 – Freier Raum
(Science Fiction-Geschichten)
•STEPHEN LEACOCK – Der Asbestmann
•JOHN WYNDHAM – Das Weibchen des Spezies
•STANISLAW LEM – Die Tracht Prügel
•CORDWAINER SMITH – Von Gustibles Planeten
•ROBERT SHECKLEY – Spezialist
•WILLIAM F. NOLAN- Die Abenteuer mit den Marsmonden
•HARRY HARRISON – Die goldenen Jahre der Stahlratte
•ATHUR C. CLARKE – Die Gedankenbotschaft
Bei immerhin 24 Erzählungen, die mir ausnahmslos Vergnügen bereitet haben, halte ich es für übertrieben auf jede ausführlich eingehen zu wollen. Deshalb picke ich mir lieber aus jedem Teil eine heraus und schreibe kurz etwas dazu.
Die Titelgeschichte der Sammlung Scheibenwahn von Terry Pratchett wird die Fans wahrscheinlich überraschen. Auch wenn es der Titel vermuten läßt spielt sie keineswegs auf der Scheibenwelt, wo seine meisten Geschichten angesiedelt sind, sondern in England. Es geht um einen Disc Jockey, der im LP Scheibenwahn ist und der Bekanntschaft mit einem gutem Bekannten für alle Pratchet Leser macht – GEVATTER TOD.
Auch wenn es schwer zu entscheiden ist, welche Geschichte mir am besten gefallen hat, so belegt doch Psycho und Nympho von Robert Bloch auf jeden Fall einen der vordersten Plätze. Die Geschichte eines Psychaters, der eine Nymphomanin von einem Satyr befreien soll wurde zuerst im amerikanischem Magazin HUSTLER veröffentlicht, welches seit ich das weiß in meiner Gunst sehr gestiegen ist. Sie besticht vor allem durch sprachlichen Witz und Doppeldeutigkeiten, die auch in der deutschen Übersetzung gut rüberkommen.
Die letzte Geschichte berichtet von einer merkwürdigen Kontaktaufnahme Außerirdischer Intelligenzen mit einem Mathematiker auf der Erde. Selten dürfte der Untergang der Welt auf derart lustige Weise eingeläutet worden sein.
Nun ich hoffe, ich konnte einigen diese Sammlung schmackhaft machen.
Das Buch hat übrigens 300 Seiten und ist im Paperback beim Heyne Verlag erschienen. Bezahlt habe ich für diesen (wie auch für die beiden anderen Bände) 14,.90 DM.
Fazit:
Ein muß für alle die auf Kurzgeschichten aus dem Bereich Fantasy und Science Fiction stehen.
Nach dem ersten Band GEFÄHRLICHE POSSEN ist Peter Haining hier ein wirklich guter Nachfolger gelungen. Ich kann es kaum erwarten den dritten Band zu lesen und wäre dankbar, wenn jemand mir weitere Bücher in dieser Richtung nennen würde.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-02 14:34:51 mit dem Titel Die fliegenden Zauberer / Niven, Larry & Gerrold, David
Zugegeben, nicht als zu häufig kommt es vor, daß ich einen Bericht bei ciao lese und mir gleich das Buch bestelle, aber in diesem Falle war es so. (Bei yopi ist mir das bisher nocht nicht passiert!) Und nun bin ich fertig und werde mir Mühe geben meine Sicht auf das Buch darzulegen.
Kurz zur Handlung:
Ein Astronaut landet auf einem unerforschtem Planeten, der in einer Nebelwolke verborgen liegt und um den zwei Sonnen kreisen.
(Bevor ich schelte von der astrophysikalischen Fraktion oder Vertretern des heliozentrischen Weltbildes bekomme sei gesagt, daß dies das Bild ist, wie ich es in dem Buch verstanden habe.)
Dort trifft er auf eine Zivilisation der technische Begriffe fremd sind und welche ihr Naturverständnis in der Götterwelt und der Magie sucht. So sind dann auch die Hauptfiguren Purpur (der Astronaut) und Shoogar, der Dorfschamane oder Magier.
Sehr interessant macht die Geschichte, daß sie aus der Perspektive von Lant, dem örtlichem Knochenhändler erzählt wird und eben nicht aus der Sicht von Purpur, welche etwa die der [I]Jungs der NASA sein könnte, denen das Buch gewidmet ist.
So stellt da Buch für mich hauptsächlich ein Aufeinanderprallen zweier sehr unterschiedlicher Kulturen und die sich daraus ergebenden Konflikte dar. Hauptsächlich rühren diese allerdings daher, daß sich Shoogar dauernd duellieren will, weil ein Dorf keine zwei Magier haben darf.
Der Klappentext verspricht, daß der Roman selbst die glühensten Anhänger der exakten Naturwissenschaften davon überzeugen [dürfte], daß Wissenschaft und Magie nur zwei Arten der Betrachtung ein und derselben Sache sind: der Wirklichkeit.
Nun, ich weiß nicht, wer diesen Kommentar geschrieben hat, aber wenn er damit meint, daß der Roman aus Naturwissenschaftlern Magier macht, hat er ein anderes Buch gelesen als ich. Vergleiche ich den sturen Shoogar und den (zugegebenermaßen nicht ganz so diplomatischen) Purpur, würde ich mich an jedem Punkt des Buches auf die Seite der Wissenschaft stellen, ebenso wie es den Söhnen von Lant im Verlaufe der Geschichte zu ergehen scheint.
Desweiteren wird versprochen, daß dem Autorengespann Niven und Gerrold einer der witzigsten SciFi-Romane gelungen sei, die je geschrieben wurden. Nun, da muß ich recht geben. Es ist zwar nicht so, daß ich das Buch dauern vor Lachen in die Ecke geworfen habe, aber es hat mir doch ein paar vergnügliche Abende beschert.
Ich nehme allerdings an, daß das Original noch besser ist, da bereits der Titel THE FLYING SORCERERS in seiner Doppeldeutigkeit zwischen fliegenden Zauberern und Untertassen in der Übersetzung nur die Hälte rüberbringt. Und auch die Transformation des Namens Asimov in Purpur ist im Deutschen nicht unbedingt nachzuvollziehen.
Zu den Autoren kann ich leider nicht all zu viel sagen, da dies mein erster (aber bestimmt nicht letzter) Roman von ihnen war. David Gerrold wird allerdings als Autor von Enemy Mine genannt, dessen Verfilmung ich vor Jahren gesehen habe und die auch ein ähnliches Thema behandelt.
Zum meiner Ausgabe kann ich noch kurz anmerken, daß es sich um das Heyne Buch 7022 handelt, welches als Paperback mit 448 Seiten 12 DM gekostet hat.
Zum Abschluß noch ein Schnitzer, der mir aufgefallen ist:
Auf Seite 390 meiner Ausgabe findet sich der schöne Satz Purpur hatte bereits drei Säcke aufgebunden und arbeitete an dem dritten. Ob daß nun der (Über-)Setzer war oder auch nicht, ich weiß es nicht...
Fazit:
Ich bin weiterhin dankbar für den Tip, den ich bei ciao aufgeschnappt habe und empfehle das Buch hiermit weiter. Auch wenn es nicht die Kombination von Magie & SciFi a la Piers Anthony war, die ich erwartet habe, bin ich alles andere als enttäuscht.
Eine spannende Geschichte mit Tiefgang und Sinn für Humor.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-13 09:55:06 mit dem Titel Doppelwelt = Doppelspaß
Magie regiert die eine Welt, Wissenschaft die andere - und ein Mensch ist Grenzgänger zwischen beiden. So heißt es auf der Rückseite des Romans Doppelwelt von Piers Anthony. Eine Beschreibung, die nicht nur auf den Protagonisten der Geschichte zutrifft, sondern durchaus auch den Autor beschreibt, welcher in meinen Augen eine ganz eigene Art gefunden hat die Genres Fantasy und Science Fiction zu verbinden.
DIE STORY
Erzählt wird die Geschichte von Stile, der als Leibeigener auf dem Planeten Proton lebt. Dieser Satz mag recht mittelalterlich klingen, jedoch ist Proton eine sehr hoch technisierte Welt, die als einzige den Rohstoff Protonit liefern kann, der genug Energie für interstellare Raumfahrt besitzt. (Ein Vergleich zu Frank Herberts Spice drängt sich mir auf...) Phaze wird von den Bürgern regiert und die einzige Chance auf Proton eine Aufenthaltsgenemigung für 30 Jahre zu bekommen ist sich als Leibeigener zu verdingen. Nach diesen 30 Jahren muß man den Planeten verlassen, wird aber derart fürstlich entlohnt, daß man sich irgendwo in der Galaxis zur Ruhe setzen kann.
Die Leibeigenen auf Phaze leben jedoch nicht schlecht. Zwar sind sie den Bürgern zu gehorsam verpflichtet und haben nicht das Recht Kleidung zu tragen, dafür ist aber für alle Grundbedürfnisse gesorgt. Ein Leibeigener hat keinen eigenen Besitz, hat aber auch gar keinen Grund, etwas eigenes besitzen zu müssen. So möchten die meisten eigentlich auch auf Proton bleiben. Die einzige Möglichkeit, länger als 30 Jahre zu bleiben, ist der Gewinn der alljährlichen Meisterschaften im Spiel.
Das Spiel ist eigentlich eine Meisterschaft, in der jeder gegen jeden in allen Möglichen Wettkämpfen antreten kann. Eine genauere Erklärung würde diesen Bericht sprengen, den die Variation reicht von GO bis zum Marathonlauf.
Bevor ich mich jetzt in Einzelheiten verzettel sollte ich aber zu einem der wichtigsten Aspekte von Proton kommen. Der Planet hat einen Zwilling (Phaze) in einem parallelen Universum, auf dem einiges anders ist. Während Proton eine hochtechnisierte Lebensfeindliche Welt ist, auf der das Überleben nur in Kuppeln möglich ist, ist Phaze eine naturbelassenen Märchenwelt mit Einhörnern, Werwölfen und Zauberern. Jede Kreatur auf Phaze hat eine Entsprechung auf Proton und umgekehrt. Wenn jedoch einer der beiden stirbt, kann der andere zwischen den Welten wechseln.
Genau daß passiert Stile. Sein alternatives Selbst stirbt und er wird zum Wanderer zwischen den Welten. Da der erste Band für Ihn unter dem Moto: Erkenne dich selbst! steht, möchte ich an dieser Stelle meine Beschreibung der Geschichte abbrechen um nicht zuviel vorwegzunehmen.
SKURILES
Laut Klappentext ist Doppelwelt der Startband der wohl besten Science Fantasy-Trilogie von Piers Anthony. Das verwundert, den in Deutschland kamen gleich zum Start 4 Bände auf den Markt. Einerseits könnte man nun sagen, daß Piers Anthony neben Douglas Adams einer der wenigen Autoren ist, die eine Trilogie mit mehr als drei Bänden auf den Markt gebracht haben, andererseits könnte man argumentieren, daß der deutsche Verlag einfach den zweiten Band in zwei Teilen auf den Markt gebracht hat und der Autor gar nicht dafür kann. Mittlerweile ist jedoch auch ein wirklicher vierter Band in deutsch erschienen und die englischen Bände zur Doppelwelt sind auf 7 angewachsen, womit Anthony Adams sogar überrundet hat. Die Trilogie Per Anhalter durch die Galaxis von Douglas Adams bringt es schließlich nur auf fünf Bände.
DER AUTHOR
Piers Anthony Dillingham Jacob wurde am 6. August 1934 in Oxford, England geboren. Bereits im Alter von 4 Jahren verließ er aber England und kehrte nie mehr in das Land seiner Geburt zurück. Zusammen mit seiner Schwester und seinen Eltern lebte er kurz in Spanien, wo seine Eltern während des spanischen Bürgerkrieges von 1936-1939 an einem Hilfsprojekt für hungernde Kinder arbeiteten.
Wegen Problemen mit der neuen Regierung (Piers Vater wurde von der Regierung Franco wegen falscher Anschuldigungen verhaftet) verließ die Familie Spanien aber 1940. So kam Piers im Alter von 6 Jahren in die Vereinigten Statten von Amerika, wo sein Vater ursprünglich herstammte.
Seine schulische Laufbahn war zunächst ein großes Desaster. Da er sich zu beginn bereits an die dritte Heimat gewöhnen mußte und zusätzlich ie Ehe seiner Eltern in die Brüche ging, verwundert mich dies jedoch nicht sehr. Er wechselte 5 mal die Schule und verbrachte 3 Jahre in der ersten Klasse bis er Lesen und Schreiben konnte. Zu diesem Zeitpunkt glaubte wohl keiner daran das sich Piers Anthony eines Tages mit Literatur in irgend einer Form beschäftigen würde.
1956 schloß Piers die Schule (Goddard College, Vermont) ab und heiratete seine Frau Carol Ann Marbel (kurz Cam). 1958 erlangte Piers nach dem Dienst in der U. S. Army die amerikanische Staatsbürgerschaft. Piers und Cam ließen sich nach seinem Kriegsdienst in Florida nieder, wo sie bis heute leben. Da beide zusammen bereits genug Namen für eine Großfamilie haben nannten sie ihre Töchter kurz Penny (*1967) und Cheryl (*1970).
Nach einigen Jobs als Lektor und Lehrer stellte Piers fest, das darin nicht seine wirkliche Bestimmung lag. Kurzerhand verkürzte er seinen Namen zu Piers Anthony, kündigte seinen Job und begann zu Schreiben. Die ersten Versuche eine Geschichte zu veröffentlichen waren allenfalls nicht von Erfolg gekrönt. Seine erste Kurzgeschichte (Evening) wurde vom Galaxy Magazine abgelehnt, und erst nach vielen Jahren, und vielen Versuchen wurde 1962 seine erste Geschichte veröffentlicht. Fünf Jahre später folgte der erste Roman. Mittlerweile hat Piers Anthony über 110 Romane geschrieben, von denen viele mit Preisen ausgezeichnet wurden.
DIE TRILOGIE
Der Doppelwelt Zyklus besteht in der deutschen Überstzung aus den Büchern
Die Doppelwelt
Der Blaue Adept Band 1
Der Blaue Adept Band 2
Juxtaposition
Verbannt aus der Doppelwelt
Die ersten 4 Bücher sind bei Moewig erschienen und mittlerweile leider alle vergriffen. Den letzten Band kenne ich leider nicht, weshalb ich dazu keine näheren Angaben machen kann. Im Original sind mittlerweile drei weitere Bände hinzugekommen, die aber bisher nicht auf deutsch erschienen sind.
DATEN
Piers Anthony DIE DOPPELWELT
erschienen bei Moewig
Originaltitel SPLIT INFINITY
deutsche Übersetzung Thomas Ziegler
352 Seiten Paperback
Preis 8,80 DM
FAZIT
Die Doppelwelt halte ich für einen sehr unterhaltsamen Roman, der mit Fantasy und Science Fiction zwei meiner Lieblingsgenres vereint. Die Story regt vielerlei zum nachdenken an. Man kann sie als eine Gegenüberstellung der heutigen technisierten Welt zur magischen Welt unserer Ahnen sehen. Auch kann man sie als eine Interpretation der Neumannschen Viele Welten Theorie betrachten. Ebenfalls fallen mir Parallelen zu Flucht ins 23. Jahrhundert (mit 30 Verbannung aus der Gesellschaft) und Frank Herberts Wüstenplaneten (Spice - Photonit) ins Auge.
Alles in allem ein Buch, daß ich jedem empfehlen kann, dem es irgendwo mal über den Weg läuft. Ich finde es sehr schade, daß die Reihe im Handel vergriffen ist und hoffe, daß sie irgendwann neu aufgelegt wird.
(Wie immer erstveröffentlicht bei ciao)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-13 10:39:56 mit dem Titel halbes Buch zur Doppelwelt
Der Blaue Adept 1 / Anthony, Piers
Trotz der netten Story fühle ich mich von diesem Produkt enttäuscht. Es ist zwar ein Kuriosum, daß der zweite Band einer Trilogie groß den Aufdruck Band 1 trägt, ebenso wie es merkwürdig ist, wenn eine Trilogie mit vier Bänden verlegt wird. Dies allin trägt allerdings eher zur meiner Erheiterung bei, denn auch die ursprüngliche Trilogie ist mittlerweile um einige Bände erweitert worden, von denen aber bisher nur einer in deutscher Sprache erschienen ist. Ärgerlich macht es mich aber, wenn ich ein Buch kaufe und es mitten in der Geschichte plötzlich aufhört.
Zur Erklärung, in diesem Band befinden sich die ersten fünf Kapitel der amerikanischen Originalausgabe und Kapitel 6-12 kamen in Deutschland als separates Buch (Der blaue Adept Band 2) heraus. Während man sowohl den ersten Teil (Die Doppelwelt), wie auch den dritten Teil (Juxtaposition) der Trilogie durchaus als eigenständige Geschichten lesen kann, ist dies bei diesem halben Buch nicht der Fall. Es drängt sich mir die Vermutung auf, daß es sich um eine Marketingstrategie handelt. Für zwei Bücher kann man halt doppelt kassieren. Das ist aber weder im Sinne der Doppelwelt, noch im Sinne des Lesers.
ZUR STORY
Bereits im ersten Teil der Welt hat der Protagonist Stile erfahren, daß seine hoch technisierte Welt Proton durch einen magischen Schleier mit ihrer Parallelwelt Phaze verbunden ist. Während Stille auf Proton lediglich ein Leibeigener ist, dessen Aufenthaltsgenemigung bald abläuft, nimmt er auf Phaze die Stelle seines gestorbenen alternativen Selbst, des blauen Adepten, ein. Somit ist er dort einer der mächtigsten Zauberer des gesamten Planeten.
In diesem Band ist Stile sehr im Streß und hetzt eigentlich dauernd von einer Welt zur anderen. Während er auf Phaze versucht die Liebe der Lady Blau, also der Gemahlin seines alternativen Selbst, zu gewinnen und seinen Status als neuer blauer Adept zu sichern nimmt er auf Proton an den Spielen teil. Die Spiele stellen die einzige Möglichkeit für einen Leibeigenen dar, zu einer permanenten Aufenthaltsgenemigung und dem Status eines Bürgers von Proton zu gelangen. Dieser Preis winkt dem Gewinner, während die Verlierer in den Wettkämpfen den Planeten verlassen müssen. Ein hartes Los, den selbst als Leibeigener hat man auf Proton ein sehr angenehmes Leben.
Die Spiele die durch teilweise Wahl beider Spieler und ein Quäntchen Zufall des Spielecomputers gewählt werden haben dabei eine sehr breite Variation. So tritt Stile zuerst im american football an und muß dann in seiner zweiten Runde eine Partie Domino gewinnen. Am interessantesten fand ich den letzten Wettkampf dieses Buches, in dem Stile im Rätselwettkampf gegen einen Außerirdischen antritt.
Zwischen den Wettkämpfen eilt Stille immer wieder nach Phaze. Um die Deckung seiner Eidfreundin, der Einhornstute Neysa, aufzuschieben stimmt er einem Duell mit dem Hengst der Einhornherde zu. Durch das Orakel erfährt er nun, daß die einzige Chance zu gewinnen für ihn darin besteht, sich von den Platinelfen die magische Platinflöte zu leihen. Also machen sich Stile, Neysa und die Lady Blau auf den Weg zu diesen Elfen, die nicht gerade im Ruf stehen gastfreundschaftlich zu sein.
Nebenbei erfährt man in diesem Band sehr viel über die Lady Blau und den ersten blauen Adepten, da Lady Blau Stile einiges aus ihrer Vergangenheit berichtet. Wie sie aber an die Flöte kommen, wie Sile sich im einzelnen in den Wettkämpfen schlägt und was sonst noch in der Doppelwelt passiert möchte ich hier aber nicht verraten.
DER AUTOR
Piers Anthony Dillingham Jacob wurde am 6. August 1934 in Oxford, England geboren. Bereits im Alter von 4 Jahren verließ er aber England und kehrte nie mehr in das Land seiner Geburt zurück. Zusammen mit seiner Schwester und seinen Eltern lebte er kurz in Spanien, wo seine Eltern während des spanischen Bürgerkrieges von 1936-1939 an einem Hilfsprojekt für hungernde Kinder arbeiteten.
Wegen Problemen mit der neuen Regierung (Piers Vater wurde von der Regierung Franco wegen falscher Anschuldigungen verhaftet) verließ die Familie Spanien aber 1940. So kam Piers im Alter von 6 Jahren in die Vereinigten Statten von Amerika, wo sein Vater ursprünglich herstammte.
Seine schulische Laufbahn war zunächst ein großes Desaster. Da er sich zu beginn bereits an die dritte Heimat gewöhnen mußte und zusätzlich die Ehe seiner Eltern in die Brüche ging, verwundert mich dies jedoch nicht sehr. Er wechselte 5 mal die Schule und verbrachte 3 Jahre in der ersten Klasse bis er Lesen und Schreiben konnte. Zu diesem Zeitpunkt glaubte wohl keiner daran das sich Piers Anthony eines Tages mit Literatur in irgend einer Form beschäftigen würde.
1956 schloß Piers die Schule (Goddard College, Vermont) ab und heiratete seine Frau Carol Ann Marbel (kurz Cam). 1958 erlangte Piers nach dem Dienst in der U. S. Army die amerikanische Staatsbürgerschaft. Piers und Cam ließen sich nach seinem Kriegsdienst in Florida nieder, wo sie bis heute leben. Da beide zusammen bereits genug Namen für eine Großfamilie haben nannten sie ihre Töchter kurz Penny (*1967) und Cheryl (*1970).
Nach einigen Jobs als Lektor und Lehrer stellte Piers fest, das darin nicht seine wirkliche Bestimmung lag. Kurzerhand verkürzte er seinen Namen zu Piers Anthony, kündigte seinen Job und begann zu Schreiben. Die ersten Versuche eine Geschichte zu veröffentlichen waren allenfalls nicht von Erfolg gekrönt. Seine erste Kurzgeschichte (Evening) wurde vom Galaxy Magazine abgelehnt, und erst nach vielen Jahren, und vielen Versuchen wurde 1962 seine erste Geschichte veröffentlicht. Fünf Jahre später folgte der erste Roman. Mittlerweile hat Piers Anthony über 110 Romane geschrieben, von denen viele mit Preisen ausgezeichnet wurden.
DATEN
Der blaue Adept (Band 2a der Doppelwelt Trilogie)
Originaltitel: Blue Adept
dt. Übersetzung: Andreas Brandhorst
MOEWIG Science Fiction Band 3662
ISBN 3-8118-3662-5
160 Seiten Paperback
Preis: 6,80 DM
Weitere Bände der Trilogie: Die Doppelwelt, Juxtaposition
KRITIK
Neben der unsinnigen Teilung des blauen Adepten in zwei Bände, die dazu führt, daß das Buch mittendrin aufhört, bin ich auch mit der Übersetzung nicht ganz glücklich. So habe ich leider Schwierigkeiten, das letzte Rätsel in der deutschen Übersetzung nachzuvollziehen. Es geht um die Erweiterung des Satzes von Pythagoras (a²+b²=c²) auf unendlich große Potenzen, womit eine quadratische Kurve beschrieben werden soll. Mir wird nicht ganz klar, was da wie dargestellt wird?
Dabei scheint mir das Rätsel eine tiefere Bedeutung für die Doppelwelt zu haben, den zur Lösung muß man durch Unendlich teilen und der erste Teil der Trilogie nennt sich im Original Split Infinity. Möglicherweise aber auch nur ein Zufall?
Das Cover ist zwar ganz hübsch, hat aber mit dem Buch nicht wirklich etwas zu tun. Weder gibt es in der Geschichte geflügelte Einhörner, noch trägt man in Phaze oder Proton Jeans und Turnschuhe. Hier hat sich wohl jemand gedacht, bei einem Fantasyroman kann ich meiner Fantasie auch freien Lauf bei er Gestaltung des Einbandes lassen. Wobei ich sagen muß, daß es sich wie so oft bei Piers Anthony um eine Mischung aus Fantasy und Science Fiction handelt.
Auch das Papier und die Bindung scheinen mir nicht von großer Qualität zu sein. Es wundert mich also wenn ich dieses Buch in der Hand halte nicht sehr, daß der Moewig Verlag keine Science Fiction mehr verlegt.
Abgesehen davon fügt sich dieses Buch aber dennoch schön in die Trilogie ein, welche ich für eine gelungene Mischung aus Fantasy und Science Fiction halte.
FAZIT
Genau genommen handelt es sich hier um ein halbes Buch. Die Trennung des blauen Adepten in zwei Bände kann ich nicht nachvollziehen. Statt Band 1 hätte man lieber erste Hälfte auf das Buch drucken sollen. Das träfe die Sache besser.
Sollte ich hier die Geschichte bewerten gäbe es möglicherweise 5 Sterne von mir. Für das Gesamtprodukt, also die mangelhafte deutsche Ausgabe des Moewig Verlags, kann ich mich aber lediglich noch zu drei Sternen durchringen.
Wer die Trilogie am Stück lesen will kommt wohl nicht um diesen Band herum. Wer aber nur mal eben ein Buch von Piers Anthony lesen möchte um sich ein Bild über den Autor zu machen wird hier abgeschreckt!
(wie immer erstveröffentlicht bei ciao)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-13 13:10:52 mit dem Titel ein Bruchstück Fantasy-Literatur
Der Blaue Adept 2 / Anthony, Piers
Trotz der netten Story fühle ich mich von diesem Produkt ebenso enttäuscht wie vom Vorgänger Band 1.
Zur Erklärung: In diesem Band befinden sich die letzten sieben Kapitel der amerikanischen Originalausgabe Blue Adept und Kapitel 1-5 kamen in Deutschland als separates Buch (Der blaue Adept Band 1) heraus. Während man sowohl den ersten Teil (Die Doppelwelt), wie auch den dritten Teil (Juxtaposition) der Trilogie durchaus als eigenständige Geschichten lesen kann, ist dies bei diesem halben Buch nicht der Fall. Die Story beginnt mittendrin, wenn man den Band 1 nicht gelesen hat. Es drängt sich mir die Vermutung auf, daß es sich um eine Marketingstrategie handelt, da man für zwei Bücher doppelt kassieren kann. Das ist aber sicher nicht mit dem Titel Doppelwelt beabsichtigt worden.
WAS BISHER GESCHAH
(geraffte Story Doppelwelt & Der Blaue Adept Band 1)
Der Leibeigene Stile hat herausgefunden, daß es neben seiner hochtechnisierten Welt Proton noch eine Parallelwelt mit Namen Phase gibt, die von der Magie bestimmt wird. Auf der Fluch vor Anschlägen auf sein Leben, deren Grund ihm ein Rätsel ist, gelangt er nach Phaze und nimmt dort die Stelle seines alternativen Selbst ein, daß bei einem Anschlag umgekommen ist. Stile wird der blaue Adept, der mächtigste Zauberer von Phaze.
Da Stile auf der Suche nach dem Mörder seines Vorgängers die Hilfe seiner Einhornfreundin Neysa benötigt, der Herdenhengst aber ebenfalls Ansprüche erhebt einigen sich beide darauf die Entscheidung in einem Duell zu fällen. Um Chancen gegen die magieresitenten Einhörner zu haben macht sich Stille auf, die heilige Flöte der Platinelfen zu suchen. Mit Hilfe der Werwölfe und Vampire kommt er schließlich in ihren Besitz.
Nach wie vor ist er aber auf der Suche nach den Attentätern (in Phaze und Proton) und versucht die Liebe der Lady Blau zu erringen. Auch die Wettkämpfe auf Proton, bei denen als Preis der Bürger
status zu gewinnen ist machen einen häufigen Spährenwechsel notwendig.
ZUR STORY
Das Buch beginnt mit der Einhornolympiade, auf die der erste Band hingearbeitet hat. Mit Hilfe der Vampire gelingt es Stile trotz einer Niederlage gegen den Herdenhengst seine Interessen durchzusetzen. Seine Eidfreundin, die Einhornstute Neysa bekommt die Erlaubnis, weiterhin bei der Suche nach Stiles Feinden behilflich zu sein.
Auch auf Proton muß Stille im Turnier eine Niederlage in den Wettkämpfen hinnehmen. Bei einem Wettmusizieren bekommt er als Gegner Clef zugewiesen, der scheinbar der beste Musiker des Planeten ist. Auch hier kann Stille aber einen Vorteil sehen, den er erkennt in Clef den Prophezeiten der Platinelfen. So übergibt Stille Clef sein magisches Musikinstrument, welches er sich im letzten Buch geliehen hat, und nimmt ihn mit nach Phaze, wie er es den Elfen versprochen hat.
Ein Problem ergibt sich, als sich Hulk ebenfalls in die Lady Blau verliebt. Stile macht ihm den Vorschlag zurück nach Proton zu wechseln um das alternative Selbst der Lady zu finden. Leider hat Stiles Gegner aber dort eine Falle gelegt, in die Hulk hinein tappt. Stile kann lediglich in einer Aufzeichnung sehen, wie Hulk umgebracht wird und schwört Vergeltung.
Als er herausfindet, daß es sich bei seinem Gegner um den Roten Adepten handelt, der seine Magie mittels Amuletten ausübt, macht sich Stille auf die Suche um diesen Gegner endgültig zu vernichten. Da der Rote Adept ebenfalls zwischen den beiden Welten hin und her wechselt entbrennt ein verwirrender Kampf über beide Sphären, der seinen Höhepunkt unerwartet im regulärem Wettkampf auf Proton findet.
Mehr möchte ich nun aber wirklich nicht verraten.
DER AUTOR
Piers Anthony Dillingham Jacob wurde am 6. August 1934 in Oxford, England geboren. Bereits im Alter von 4 Jahren verließ er aber England und kehrte nie mehr in das Land seiner Geburt zurück. Zusammen mit seiner Schwester und seinen Eltern lebte er kurz in Spanien, wo seine Eltern während des spanischen Bürgerkrieges von 1936-1939 an einem Hilfsprojekt für hungernde Kinder arbeiteten.
Wegen Problemen mit der neuen Regierung (Piers Vater wurde von der Regierung Franco wegen falscher Anschuldigungen verhaftet) verließ die Familie Spanien aber 1940. So kam Piers im Alter von 6 Jahren in die Vereinigten Statten von Amerika, wo sein Vater ursprünglich herstammte.
Seine schulische Laufbahn war zunächst ein großes Desaster. Da er sich zu beginn bereits an die dritte Heimat gewöhnen mußte und zusätzlich die Ehe seiner Eltern in die Brüche ging, verwundert mich dies jedoch nicht sehr. Er wechselte 5 mal die Schule und verbrachte 3 Jahre in der ersten Klasse bis er Lesen und Schreiben konnte. Zu diesem Zeitpunkt glaubte wohl keiner daran das sich Piers Anthony eines Tages mit Literatur in irgend einer Form beschäftigen würde.
1956 schloß Piers die Schule (Goddard College, Vermont) ab und heiratete seine Frau Carol Ann Marbel (kurz Cam). 1958 erlangte Piers nach dem Dienst in der U. S. Army die amerikanische Staatsbürgerschaft. Piers und Cam ließen sich nach seinem Kriegsdienst in Florida nieder, wo sie bis heute leben. Da beide zusammen bereits genug Namen für eine Großfamilie haben nannten sie ihre Töchter kurz Penny (*1967) und Cheryl (*1970).
Nach einigen Jobs als Lektor und Lehrer stellte Piers fest, das darin nicht seine wirkliche Bestimmung lag. Kurzerhand verkürzte er seinen Namen zu Piers Anthony, kündigte seinen Job und begann zu Schreiben. Die ersten Versuche eine Geschichte zu veröffentlichen waren allenfalls nicht von Erfolg gekrönt. Seine erste Kurzgeschichte (Evening) wurde vom Galaxy Magazine abgelehnt, und erst nach vielen Jahren, und vielen Versuchen wurde 1962 seine erste Geschichte veröffentlicht. Fünf Jahre später folgte der erste Roman. Mittlerweile hat Piers Anthony über 110 Romane geschrieben, von denen viele mit Preisen ausgezeichnet wurden.
DATEN
Der blaue Adept (Band 2b der Doppelwelt Trilogie)
Originaltitel: Blue Adept
dt. Übersetzung: Andreas Brandhorst
MOEWIG Science Fiction Band 3679
ISBN 3-8118-3679-X
160 Seiten Paperback
Preis: 6,80 DM
Weitere Bände der ursprünglichen Trilogie: Die Doppelwelt, Juxtaposition
Mittlerweile ist die Trilogie allerdings um mehrere Bände erweitert worden, die ich jedoch nicht gelesen habe und die überwiegend nur im englischem Original zu erhalten sind.
KRITIK
Neben der unsinnigen Teilung des blauen Adepten in zwei Bände, die dazu führt, daß das Buch mittendrin aufhört, gefällt mir auch das Cover nicht besonders. Es ist zwar ganz hübsch, hat aber mit dem Buch nicht wirklich etwas zu tun. Weder gibt es in der Geschichte geflügelte Einhörner, noch trägt man in Phaze oder Proton Jeans und Turnschuhe. Hier hat sich wohl jemand gedacht, bei einem Fantasyroman kann ich meiner Fantasie auch freien Lauf bei er Gestaltung des Einbandes lassen. Wobei ich sagen muß, daß es sich wie so oft bei Piers Anthony um eine Mischung aus Fantasy und Science Fiction handelt.
Das Papier und die Bindung scheinen mir auch nicht von großer Qualität zu sein. Es wundert mich also wenn ich dieses Buch in der Hand halte nicht sehr, daß der Moewig Verlag keine Science Fiction mehr verlegt.
FAZIT
Die Bände Doppelwelt und Juxtaposition bilden in sich abgeschlossene Geschichten, die sich gut in die Trilogie einfügen. Das kann ich vom blauen Adepten nicht behaupten. Genau genommen handelt es sich hier um ein halbes Buch. Die Trennung des blauen Adepten in zwei Bände kann ich nicht nachvollziehen. Statt Band 2 hätte man lieber zweite Hälfte auf das Buch drucken sollen, das träfe die Sache besser. Zudem läßt sich die Story nur schwer nachvollziehen, wenn man nicht (mindestens) den ersten Band gelesen hat.
Sollte ich hier die Geschichte bewerten gäbe es möglicherweise 5 Sterne von mir. Sie klärt doch einiges, was mir bei den restlichen Bänden nicht ganz klar war und ist sehr spannend. Für das Gesamtprodukt aber, die zerrissene deutsche Ausgabe des Moewig Verlags, kann ich mich maximal zu drei Sternen durchringen.
Wer die Trilogie am Stück lesen will, kommt wohl nicht um diesen Band herum. Wer aber nur mal eben ein Buch von Piers Anthony lesen möchte um sich ein Bild über den Autor zu machen wird hier abgeschreckt uns sollte lieber die Finger davon lassen.
(wie immer erstveröffentlicht bei ciao)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-13 16:06:08 mit dem Titel Spannung bis zum Ende
Juxta-Position / Anthony, Piers
Juxtaposition ist der abschließende Band des Doppelwelt-Zyklus, der Piers Anthony – neben der Tarot-Trilogie – zu großem Erfolg verhalf. Stile, in Proton, dem Planeten der Wissenschaft, ein Leibeigener, auf Phaze, wo die Magie herrscht, ein Herrscher, ist nach wie vor zwischen den Welten auf der Suche nach seinem geheimnisvollen Gegnspieler. Und er findet ihn.
Soviel gibt die Rückseite des Bandes her mit dem ich meine Berichte zur Doppelwelt von Piers Anthony vorerst abschließen möchte. Einer Trilogie die ich nicht chronologisch gelesen habe, sondern mit diesem Band begann, den ich durch Zufall auf dem Flohmarkt gefunden habe. Daher kann ich auch sagen, daß die Geschichte durchaus ohne Lektüre der ersten Bände interessant und spannend ist. Letztendlich hat mich die Doppelwelt aber so fasziniert, daß ich mir die anderen Bände nachträglich zugelegt habe.
__DIE VORGESCHICHTE__
(geraffte Story Doppelwelt & Der Blaue Adept)
Der Leibeigene Stile hat herausgefunden, daß es neben seiner hochtechnisierten Welt Proton noch eine Parallelwelt mit Namen Phaze gibt, die von der Magie bestimmt wird. Auf der Fluch vor Anschlägen auf sein Leben, deren Grund ihm ein Rätsel ist, gelangt er nach Phaze und nimmt dort die Stelle seines alternativen Selbst ein, daß bei einem Anschlag umgekommen ist. Stile wird der blaue Adept, der mächtigste Zauberer von Phaze.
Da Stile auf der Suche nach dem Mörder seines Vorgängers die Hilfe seiner Einhornfreundin Neysa benötigt, der Herdenhengst aber ebenfalls Ansprüche erhebt einigen sich beide darauf die Entscheidung in einem Duell zu fällen. Um Chancen gegen die magieresitenten Einhörner zu haben macht sich Stille auf, die heilige Flöte der Platinelfen zu suchen. Mit Hilfe der Werwölfe und Vampire kommt er schließlich in ihren Besitz, was ihm aber lediglich zu einer ehrenvollen Niederlage verhilft.
Auf Proton muß Stille ebenfalls eine Niederlage im Wettkampf hinnehmen, erkennt jedoch in seinem Gegner Clef den Prophezeiten der Platinelfen. So übergibt Stile die Flöte an Clef und nimmt ihn mit nach Phaze, wo er sich auf den Weg zu den Elfen macht.
Durch den tragischen Tod seines Freundes Hulk erkennt Stille im roten Adepten seinen geheimnisvollen Gegner. Es kommt zu einem erbittertem Kampf der sich über beide Welten hinzieht. Letztendlich geht Stile aber als Sieger hervor und gewinnt sogar die Liebe der Lady Blau, der Gemahlin seines ermordeten alternativen Selbst auf Phaze.
__ZUR STORY__
Der Band beginnt mit den Flitterwochen von Stile - dem blauen Adepten - und der Lady Blau die sich auf den Weg zum Westpol machen. (In der magischen Welt Phaze gibt es neben Nord- und Südpol auch einen West- und Ostpol!) Alles scheint friedlich, bis sie auf feindliche Magie stoßen. Auf irgend eine Weise scheint das Orakel durch Fehlinterpretationen an den Angriffen beteiligt zu sein.
In groben Zügen wird in Gesprächen zwischen den frisch Vermählten die bisherige Story erklärt. Stile scheint bereits in seiner Ursprungswelt Proton von einem unerkannten Feind verfolgt worden zu sein. Auf der Suche wechselt er in den Kapiteln des Buches immer wieder zwischen beiden Welten. Zudem läuft auf Proton auch weiterhin der Wettkampf, als dessen Preis die Bürgerschaft auf Proton winkt.
Im Laufe der Geschichte zeigt sich, daß Stile tiefer in das Schicksal der beiden Welten verwoben ist als ihm lieb ist. Das Gleichgewicht zwischen den beiden Alternativen Welten droht aus den Fugen zu geraten und Stile stößt auf beiden Seiten auf erbitterten Widerstand, da sowohl Adepten, wie auch Bürger um ihre Macht fürchten.
Wer mehr zur Story wissen möchte kommt um die eigene Lektüre schwer herum... ;)
__DER AUTOR__
Piers Anthony Dillingham Jacob wurde am 6. August 1934 in Oxford, England geboren. Bereits im Alter von 4 Jahren verließ er aber England und kehrte nie mehr in das Land seiner Geburt zurück. Zusammen mit seiner Schwester und seinen Eltern lebte er kurz in Spanien, wo seine Eltern während des spanischen Bürgerkrieges von 1936-1939 an einem Hilfsprojekt für hungernde Kinder arbeiteten.
Wegen Problemen mit der neuen Regierung (Piers Vater wurde von der Regierung Franco wegen falscher Anschuldigungen verhaftet) verließ die Familie Spanien aber 1940. So kam Piers im Alter von 6 Jahren in die Vereinigten Statten von Amerika, wo sein Vater ursprünglich herstammte.
Seine schulische Laufbahn war zunächst ein großes Desaster. Da er sich zu beginn bereits an die dritte Heimat gewöhnen mußte und zusätzlich die Ehe seiner Eltern in die Brüche ging, verwundert mich dies jedoch nicht sehr. Er wechselte 5 mal die Schule und verbrachte 3 Jahre in der ersten Klasse bis er Lesen und Schreiben konnte. Zu diesem Zeitpunkt glaubte wohl keiner daran das sich Piers Anthony eines Tages mit Literatur in irgend einer Form beschäftigen würde.
1956 schloß Piers die Schule (Goddard College, Vermont) ab und heiratete seine Frau Carol Ann Marbel (kurz Cam). 1958 erlangte Piers nach dem Dienst in der U. S. Army die amerikanische Staatsbürgerschaft. Piers und Cam ließen sich nach seinem Kriegsdienst in Florida nieder, wo sie bis heute leben. Da beide zusammen bereits genug Namen für eine Großfamilie haben nannten sie ihre Töchter kurz Penny (*1967) und Cheryl (*1970).
Nach einigen Jobs als Lektor und Lehrer stellte Piers fest, das darin nicht seine wirkliche Bestimmung lag. Kurzerhand verkürzte er seinen Namen zu Piers Anthony, kündigte seinen Job und begann zu Schreiben. Die ersten Versuche eine Geschichte zu veröffentlichen waren allenfalls nicht von Erfolg gekrönt. Seine erste Kurzgeschichte (Evening) wurde vom Galaxy Magazine abgelehnt, und erst nach vielen Jahren, und vielen Versuchen wurde 1962 seine erste Geschichte veröffentlicht. Fünf Jahre später folgte der erste Roman. Mittlerweile hat Piers Anthony über 110 Romane geschrieben, von denen viele mit Preisen ausgezeichnet wurden.
__DATEN__
Juxtaposition (Abschlußband der Doppelwelt Trilogie)
Originaltitel: Juxtaposition
dt. Übersetzung: Andreas Brandhorst
MOEWIG Science Fiction Band 3696
ISBN 3-8118-3696-X
432 Seiten Paperback
Preis: 16,80 DM
Weitere Bände der ursprünglichen Trilogie: Die Doppelwelt, Der Blaue Adept (Band 1 und 2).
Mittlerweile ist die Trilogie allerdings um mehrere Bände erweitert worden, die ich jedoch nicht gelesen habe und die überwiegend nur im englischem Original zu erhalten sind.
__ANMERKUNGEN__
Wenn man die vorhergehenden Bände gelesen hat wundert man sich doch stark über den Text auf dem Cover. (s. Anfang meines Berichtes) Stille scheint doch gerade den geheimnisvollen Gegner (den roten Adepten) im Band zuvor besiegt zu haben. Zur Aufklärung sei gesagt, daß Rot ebenfalls durch einen (fehlgedeuteten) Spruch des Orakels zum Gegner für Stille wurde. Die Verschwörung scheint also tatsächlich noch tiefer zu liegen.
Wer sich über den merkwürdigen Titel wundert, dem sei Gesagt, daß Juxtaposition etwa mit Nebeneinanderstellung aus dem Englischen übersetzt werden kann. In den Büchern geht es dauernd um die Verknüpfung der beiden Welten, die auch zwei unterschiedliche Ansichten einer Welt interpretiert werden können. (Ich bin mal so frei..) Der magischen und der wissenschaftlichen Sicht der Welt. Zum Ende des Buches kommt es zur Juxtaposition und beide Welten nehmen einander plötzlich wahr, was zu einem einschneidenden Erlebnis für alle Beteiligten wird.
Wie so häufig fasziniert mich die Mischung von Fantasy und Science Fiction die ich für eine Spezialität von Piers Anthony halte. Auch wenn er selten so scharf trennt, wie in diesem Buch, wo er jeder Welt nur eine Eigenschaft zugesteht.
__FAZIT__
Juxtaposition bildet in sich abgeschlossene Geschichten, die mir jedoch Lust auf mehr gemacht hat, so daß ich schließlich doch die Vorgänger ebenfalls gelesen habe. Ließt man es dann nochmal rücken auch die letzen Fragezeichen in ein erhellendes Licht.
Die Geschichte finde ich sehr spannend und unterhaltsam. Zudem scheinen mir viele autobiographische Züge des Autors mit in den Protagonisten einzufließen. Die Story lädt zudem ein über den Raubbau an der Welt, den wir teilweise betreiben und noch so manches andere nachzudenken. Ein wie ich finde typischer Piers Anthony Roman.
Jedem der Fantasy und Science Fiction mag kann ich nur raten mal einen Blick hinein zu werfen. Es lohnt sich! Und dafür vergebe ich gerne volle Punkte.
(wie immer erstveröffentlicht bei ciao)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-03 11:04:36 mit dem Titel Der zweite Engel / Kerr, Philip
Spannung bis zum Schluß
Phillip Kerr war für mich bis zu diesem Roman ein völlig unbeschriebenes Blatt und hätte man
mir das Buch nicht mit den Worten Das mußt Du unbedingt lesen! in die Hand gedrückt
wäre ich wohl auch nie auf diesen Autor Aufmerksam geworden.
Der Zweite Engel wird angepriesen als zugleich hochspannender Science-Thriller und
philosophischer Abenteuerroman. Wenn man mich fragen würde hätte ich wohl eher gesagt,
es handelt sich um einen spannenden SF Roman. Der Roman zeichnet eine Vision der Erde im
Jahre 2069 in einer düsteren Atmosphäre, die vielleicht an den Blade Runner erinnern mag.
Nebenbei werden sehr viele Bezüge aus Gentechnik, Quantenphysik und Philosophie eingewoben.
Sehr viele Erklärungen (reale und fiktiv) finden sich in Fußnoten, was aber für einen Leser
von Terry Pratchett Romanen (wie mich) nichts ungewöhnliches darstellt. Auch die Handlung
nimmt immer wieder unerwartete Wendungen und so hatte ich durchaus Schwierigkeiten das Buch
zwischendurch aus der Hand zu legen. Sehr positiv finde ich auch, daß es der Autor schafft
mich selbst auf der letzten Seite noch zu überraschen.
__INHALT__
Da ich das Buch selbst völlig unbefangen gelesen habe und mich die Handlung doch oftmals
überrascht hat möchte ich hier auch nicht mehr verraten, als der Verlag selbst preisgibt:
In der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts kämpft die Menschheit ums Überleben: Ein
tödliches Virus namens P2 hat achtzig Prozent der Weltbevölkerung befallen. Die Krankheit
ist heilbar, allerdings nur durch einen kompletten Blutaustausch. Blut bedeutet Leben; es
ist wertvoller als Gold. Der Preis für einen Liter gesunden Blutes liegt
bei 1,5 Millionen Dollar. Ein erstklassiges Spekulationsobjekt für
Geschäftemacher, die reich werden und zugleich gesund bleiben. Wer nicht
zu diesen privilegierten Kreisen gehört, hat kaum eine Überlebenschance.
Überall auf der Welt sind Blutbanken durch ausgeklügelte Sicherheitsvorkehrungen geschützt.
Die größte und wichtigste dieser Banken befindet sich auf dem Mond, ausgerüstet mit einem
unüberwindlichen Hochsicherheitssystem, das von einem allwissenden Computer namens
«Descartes» gesteuert wird.
Dieses hochkomplexe System ist die Erfindung eines einzigen Mannes: Dana
Dallas, Chefkonstrukteur des mächtigen Terotech-Konzerns. Das tödliche Virus hat ihn zu
einem reichen Mann gemacht, er ist auf der Gewinnerseite der neuen Weltordnung.
Doch dann erkrankt seine kleine Tochter, und Dallas braucht plötzlich selbst große Mengen
des begehrten Stoffes - mehr, als er je bezahlen könnte. Der geniale Techniker wird zum
Sicherheitsrisiko, Terotech setzt einen Killer auf ihn an.
Plötzlich steht Dallas auf der anderen Seite, und er beschließt, den
Kampf aufzunehmen und das Unmögliche zu wagen: Er tritt gegen sein eigenes perfektes System
an. Ein gnadenloses Duell zwischen Mensch und Technik beginnt...
__DER AUTOR__
Philip Kerr wird 1956 in Edinburgh, Schottland, geboren. Seine Familie zieht Anfang der 70er
Jahre nach Northhampton in England. Der Jugendliche leidet unter der Verachtung, die ihm die
Gleichaltrigen entgegenbringen und versucht, seine schottische Herkunft zu verbergen.
Nach der Schule studiert Philip Kerr Jura und anschließend Rechtsphilosophie in Birmingham
(1973 bis 1980). Nach Abschluss des Studiums wendet er sich von der Juristerei ab und
arbeitet in einer Werbeagentur. Tagsüber schreibt Kerr an Werbekampagnen, nachts an seinen
Romanen. Mit dem Erscheinen seines ersten Romans 1989 gibt Kerr seinen Job auf und widmet
sich ganz der Schriftstellerei.
Philip Kerr schreibt zunächst eine aufsehenerregende Trilogie über den ehemaligen Polizisten
Bernhard Gunther, der im Berlin der Nazi-Zeit eine Detektei betreibt und versucht, seinen
eigenen Weg zu gehen. Die drei Romane erweisen sich zwar nicht als Bestseller, werden aber
von der Kritik positiv besprochen und verkaufen sich bis heute gut. Danach wendet sich Kerr
dem Science- oder Technothriller zu: Kerr gewinnt sowohl mit dem Roman Das
Wittgenstein-Programm - ein Unbekannter dringt im Jahr 2013 in die Datenbank des
Londoner Polizeicomputers ein, indem die Daten über Männer gespeichert sind, die aufgrund
ihrer genetischen Disposition gewaltbereit seien - als auch mit »Game Over« - einen Roman
über ein hochtechnifiziertes Hochhaus, in dem der Computer austickt und mit den Menschen ein
perfides Spiel treibt - gleich zweimal den Deutschen Krimipreis (1995 und 1997). Philip Kerr
selbst sortiert seine Romane eher als Science-Fiction ein: Aber erst wenn man den Begriff
in seine Bestandteile zerlegt: die fiktionale Hochrechnung aktueller wissenschaftlicher
Befunde. (zitiert nach Ralph Eue).
Philip Kerr ist verheiratet und lebt in dem Londoner Vorort Wimbledon.
__QUELLEN__
http://www.rowohlt.de/rowohlt/roverlag/kerr2-00.htm
http://www.medical-thriller.de/philipp_kerr_2.html
__DATEN__
Philip Kerr
Der
zweite Engel
Thriller
Deutsch von Cornelia Holfelder-von der
Tann
448 Seiten
Gebunden. DM 42,-
3-0852-0649-6
Mittlerweile als Paperback für 9,90 Euro zu haben
__FAZIT__
Den Roman kann ich wirklich allen Freunden der Science Fiction nur wärmstens
weiterempfehlen. Philip Kerr hat mich mit dem zeiten Engel stundenlang gefesselt und
spannend unterhalten. Eine düstere Zukunftsvision, die angesichts von Seuchen wie AIDS gar
nicht mehr so weit entfernt scheint.
Ich habe jedenfalls beschlossen, daß ich mehr von Kerr lesen muß und warte gespannt, wann
das Wittgenstein-Programm von im in meinem Briefkasten auftaucht.
(auch dieses Mal erstveröffentlicht bei ciao)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-02 09:17:20 mit dem Titel Wer ist hier eigentlich verrückt?
Kleiner Mond für Psychopathen / Dick, Philip K.
Kleiner Mond für Psychopathen lag bei mir über Jahre in einer Bücherkiste, bis ich es neulich ausgegraben und gelesen habe. Nachdem ciao meinen Vorschlag angenommen hat möchte ich das Buch nun auch bei yopi vielleicht ein paar Lesern schmackhaft machen.
__ZUM INHALT__
Zunächst gebe ich hier mal kurz den Text auf dem Einband wieder:
Ein Hospitalmond im Alpha Centauri System wird von ausgebrochenen Psychopathen erobert. Die Irren bereiten sich auf einen Krieg mit der Erde vor. Der Kriegsclan der Paranoiker plant den Präventivschlag, die Manischen basteln begeistert die Waffen dazu. Extraterrestrier mischen sich ein. Die Erde entsendet CIA-Top-Agenten Rittersdorf. Aber Rittersdorf hat kein Verständnis für Psychopathen. Sein Problem: Wie bringe ich unauffällig meine Frau um?
Nun, wer diesen Text geschrieben hat scheint mir nur in Ansätzen die gleiche Geschichte gelesen zu haben wie ich. Zumindest finde ich ihn nicht besonders treffend.
Die Hauptfigur der Geschichte ist sicher der Agent Rittersdorf, der durch die Scheidung seiner Frau in den Ruin getrieben wird. Richtig ist auch, daß er den Plan ersinnt seine Frau die als Chefpsychiater in ein Gutachten über besagten Mond anfertigen will, dort auf einer Mission zu ermorden um sich so seiner Probleme zu entledigen.
Allerdings klingt der Klappentext so, als ob eine Horde von Psychopathen den Mond in einer Art Überfall in Besitz genommen hätten. Es ist aber vielmehr so, daß es sich bei dem Mond um ein ehemaliges Sanatorium handelt, das sich über Jahre hinweg selbst überlassen wurde. Auf dem Mond hat sich eine eigene Gesellschaft aus den unterschiedlichen Gruppen psychisch Kranker herausgebildet, die in meinen Augen ein Zerrspiegel der menschlichen Gesellschaft darstellt.
Die Hauptfrage, die ich mir bei der Lektüre immer wieder gestellt habe war: Wer ist hier eigentlich verrückt?
__DER AUTOR__
Philip Kindred Dick wurde 1928 in Chicago geboren und veröffentlichte 1952 seine erste Geschichte. Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er in Kalifornien, wo er in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts die meisten seiner Geschichten veröffentlichte. Große Bekanntheit erlangte er unter anderem mit seiner Geschichte Träumen Roboter von elektrischen Schafen die Rideley Scott unter dem Titel DER BLADERUNNER verfilmt hat. Philip K. Dick starb 1982.
__DATEN_
Philip K. Dick: Kleiner Mond für Psychopathen
Originaltitel: Clans of the Alphane Moon
Bastei Lübbe Science Fiction Bestseller Band 22 012
deutsche Übersetzung: Rosemarie Hundertmarck
187 Seiten Paperback
Preis: 4,80 DM
ISBN 3-404-01383-2
__MEINE MEINUNG__
Auch wenn der Roman von 1964 ist zeichnet Dick eine Persiflage auf die Gesellschaft, die nach wie vor aktuell ist. Schließlich wird unsere Welt in vielen Beziehungen immer verrückter.
Der Protagonist Rittersdorf ist ein sympatischer Antiheld, der eigentlich eher in eine große Affäre hineingezogen wird und von einem Schlamassel ins nächste Gerät, als kaltblütig einen Mord zu planen, wie man vielleicht nach der Lektüre des Einbandes vermuten könnte. Es fehlt in dieser Space Opera weder an seltsamen Außerirdischen, noch an futuristischen Erfindungen (auch aus heutiger Sicht!).
Ich denke Philip Dick ist hier ein sehr unterhaltsamer Roman gelungen, der dazu anregt mal darüber nachzudenken, was denn nun eigentlich normal ist. Das ganz ist verpackt in eine rasante SciFi Komödie mit vielen skurilen Einfällen.
Ich muß sagen ich hatte sehr viel Spaß bei der Lektüre und habe mir darauf gleich einen (neuen) Sammelband mit Geschichten dieses Autors zugelegt. ;)
__FAZIT__
Wer den Schinken irgendwo auf dem Flohmarkt findet sollte ihn ruhig mitnehmen. Ich schätze mal, daß man das Buch für ein bis zwei Euro bekommen dürfte und dafür bietet es eine Menge Spaß und Unterhaltung.
Allerdings ziehe ich für die schlechte Papierqualität und die billige Bindung einen Punkt in der Wertung ab.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-02 13:00:02 mit dem Titel PLAYBOY mal ohne Bilder! ;)
Die besten Stories von Philip K. Dick
Nachdem ich Kleiner Mond für Psychopathen von Philip K. Dick verschlungen habe konnte ich nicht umhin mir dieses Buch zu kaufen als ich es vor der Mensa am Bücherstand entdeckte. Zudem hatte ich bei dem Titel die Vermutung, daß sich die Geschichte Träumen Androiden von elektrischen Schafen unter den besten Stories befinden könnte. Diese suche ich schon länger, da sie die Vorlage zum Film BLADE RUNNER war und mich die Vorlage interessiert.
Auch wenn meiner gesuchte Geschichte nicht in diesem Buch enthalten ist war es für mich ein Vergnügen etwas mehr von der teils bizarren und meist düsteren Welt des Philip K. Dick mitzubekommen.
__ZUM INHALT__
Und da liegt dann das Wobb *****
BEYOND LIES THE WUB
Eine bizarre, kurze Geschichte über eine Raumschiffbesatzung, welche sich für ihre Reise mit lebendigem Proviant weiterlesen schließen -
Tanz auf meinem Grab - Aidan Chambers
29.09.2002, 20:25 Uhr von
yopianerin
Hi! Ich liebe Musik (Alternative, Grunge, Reggae, Metal,...) und höre fast ständig Musik ;) Ich...Pro:
sehr spannend, informativ und interessant
Kontra:
sehr lange
Empfehlung:
Nein
Der Roman „Tanz auf meinem Grab“ von dem englischen Autor Aidan Chambers handelt von dem sechzehnjährigen Protagonisten Henry Spurling Robinson, kurz Hal genannt.
Den Rahmen der Handlung bilden zwei Zeitungsausschnitte, die als Einleitung und Schluss dienen.
Hal zieht mit seinen Eltern nach Southend (in England) und lernt dort nach anfänglichen Schwierigkeiten Barry kennen. Beide sind von einander fasziniert und es entwickelt sich rasch „mehr“ als eine Jungenfreundschaft.
Hal arbeitet in den Sommerferien bei Barry und dessen Mutter im Geschäft, Barrys Vater ist bereits verstorben. Hal will ständig mit Barry zusammen sein und vereinnahmt ihn völlig. Auf Barry übt jedoch das Neue und Unbekannte einen besonderen Reiz aus, weshalb er auch mit Hal Schluss macht.
Nach einem großen Streit kommt es zu dem tragischen Unfall. Barry stirbt und Hal fühlt sich schuldig. Er will Barrys Leiche sehen, um sicher sein zu können, dass er wirklich tot ist...
Die Erzählperspektiven wechseln zwischen Hal und einem Sozialarbeiter, der Hal betreut. Denn nachdem Hal es durch die Hilfe einer Freundin geschafft hatte, Barrys Leiche zu sehen, tanzt er auf dessen Grab.
Der Sozialarbeiter soll nun herausfinden, warum Hal auf dem Grab seines besten Freundes tanzt, noch dazu, da der Tanz für Außenstehende wie eine Grabschändung aussieht.
Man merkt also, dass in dieser Geschichte viel mehr steckt, als bloß eine Jungenfreundschaft mit tragischem Ende...
Mir persönlich hat das Buch wahnsinnig gut gefallen, es ist sehr locker und „modern“ geschrieben. Auch hat mich dieser Roman dazu bewegt das Buch „Slaughterhouse 5“ von Kurt Vonnegut zu lesen, denn dieses wird öfter von Hal, der sich intensiv mit dem Tod beschäftigt, erwähnt. (Slaughterhouse 5 kann ich auf diesem Wege auch sehr empfehlen, es ist wohl ein bisschen grausam, aber sehr gut :-)
„Tanz auf meinem Grab“ ist gleichzeitig humorvoll und witzig geschrieben, doch auch tief traurig und es regt zum Nachdenken an, man muss sich einfach nur mitreißen lassen...
mfg Christina
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-29 18:25:52 mit dem Titel Der ewige Gärtner - John Le Carré
„Der ewige Gärtner“ – John Le Carré
John Le Carré verfasste 2001 sein großartiges Werk „Der ewige Gärtner“. Der 1931 in England geborene Bestsellerautor befasst sich in seinem neuesten Werk mit der üblen, nur scheinbar Heil bringenden Welt der globalen Pharmaindustrie. Er beschreibt Betrug und Gefahr so, dass man völlig von der Spannung gepackt wird und das Buch kaum noch aus den Händen legen will.
Tessa, die Frau von Justin Quayle, dem Protagonisten, wird in der Wüste von Kenia ermordet aufgefunden. Justin Quayle, ein leidenschaftlicher Hobbygärtner sieht seine gehegten und gepflegten Freesien welken, die Schmerzen über den Tod seiner Frau machen den Witwer stärker und er versucht die wahren Gründe der vertuschten Ermordung Tessas herauszufinden. Er stoßt dabei auf dunkle Machenschaften der Pharmaindustrie, die bereits Tessa aufzudecken versuchte. Unter falschem Namen reist Justin Quayle umher, bis nach Basel, zum Hauptsitz des Pharmakonzerns, der mit einem neuen „Wundermittel Dypraxa“ gegen Tuberkulose das große Geld machen will. Er trifft andere Bedrohte in Kanada, wird selbst verprügelt und verfolgt, bis er schließlich im Sudan landet...
Tessa war das Gegenteil von Justin, sie interessierte sich für die politischen Machenschaften in Afrika und als Justin sich genauer mit ihren Arbeiten befasst, gerät seine heile Welt ins wanken, er beginnt nach und nach zu entdecken, womit sich seine geliebte Frau wirklich beschäftigte.
Dieser Roman in 24 Kapiteln ist spannungsgeladen und ausdrucksstark. Man erfährt Details über Tuberkulose und Aids und die Situation in Afrika.
Ein großartiges Werk, sehr aktuell und ich kann es nur jedem empfehlen.
mfg Christina weiterlesen schließen -
Walters, Minette: Dunkle Kammern
19.09.2002, 12:57 Uhr von
frorgy
Hallo, um euch Anregungen für lange regnerische Herbstabende zu geben, werde ich immer mal wieder...Pro:
subjektiver Blick auf Geschichte
Kontra:
Inhalt leidet unter Konzept
Empfehlung:
Nein
Gefangen im eigenen Gedächtnis
Eine junge Frau ist mit ihrem Auto gegen einen Betonpfosten gerast, der mitten in offener Landschaft stand. Ganz offensichtlich ein Selbstmordversuch, zumal sich schnell herausstellt, daß ihr Verlobter vor kurzem die Verlobung gelöst hat. Die Frau überlebt, behauptet allerdings, sich nicht an die letzten Wochen erinnern zu können. Sie wird in eine Klinik eingeliefert, wo sie umfassend ärztlich betreut wird. Doch schon nach kurzer Zeit kommen der Polizei und dem behandelnden Arzt erhebliche Zweifel an der Selbstmord-Theorie. Die Frau ist eine erfolgreiche Fotografin, erwartet nach dem Tod ihres Vaters ein Millionenerbe, und schließlich ist sie keineswegs traurig über den Verlust ihres Verlobten.
Die Polizei versucht, die Angelegenheit zu klären, der Arzt versucht, das Vertrauen seiner Patientin zu gewinnen und ihr zu helfen, ihr Vater versucht, sich und seine Familie zu schützen. Und die Fotografin selbst? Welche Rolle spielt sie wirklich? Ist die Amnesie nur vorgetäuscht? Denn auch in ihrer Vergangenheit finden sich dunkle Punkte...
Minette Walters gelingt es, ein spannendes Netz aus mysteriösen Einzelheiten zu flechten, in dem der Leser bald selbst gefangen ist. Zwar bringt er der Fotografin und ihrem Arzt schnell Sympathien entgegen, doch die Zweifel an ihrer Unschuld mehren sich mit der Erkenntnis, daß sie mehr über ihre eigene Vergangenheit weiß, als sie zugibt. Der Roman führt den Leser aus verschiedenen Perspektiven immer tiefer in das Leben der Hauptfiguren hinein. Schlaglichtartig werden die dunklen Kammern, in denen die Fotografin durch ihren Gedächtnisschwund gefangen ist, erhellt.
Schwächen hat dieser stilsicher geschriebene Roman eigentlich wenige, vielleicht werden einige der ausgelegten Fährten etwas zu offensichtlich als frühzeitig Holzwege deutlich.
Minette Walters Roman "Dunkle Kammern" garantiert spannende, manchmal auch etwas beklemmende Unterhaltung. Empfehlenswert.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-16 09:44:08 mit dem Titel Gaarder, Jostein, Sofies Welt
Philosophie für Grundschüler
Da hat ein Lehrer sein zugegebenermaßen beeindruckendes didaktisches Konzept zu einem Buch verarbeitet, und es wurde ein Bestseller daraus. Endlich kann man sich Platon, Aristoteles und Kant noch kurz zwischen Tagesschau und Tatort reinziehen - aber kann man dies wirklich? Meiner Ansicht nach nein. Denn die großen Philosophen verlangen nun einmal danach, daß man ihre Gedanken (zugegebenermaßen mühsam) nachvollzieht, sie lassen sich nicht in ein Fast-Food-Programm quetschen. Genau dies aber macht Gaarder. Er zieht einen oder zwei Grundgedanken aus ihren Werken heraus und erklärt sie in anschaulicher Weise. Doch damit werden tausend andere Gedanken, die ebenso wesentlich sind, ausgeblendet, das vielschichtige Werk der Philosophen auf eine Dimension reduziert.
Die Rahmenhandlung ist denkbar einfach: Ein zunächst Unbekannter (Gaarders alter ego) macht ein Mädchen durch anonyme Briefe neugierig aufs Philosophieren und befriedigt ihre Neugier dann häppchenweise mit schmalen Ausschnitten aus der Philosophiegeschichte.
So kann man versuchen, jemandem "philosophisch denken" beizubringen - und das ist ja der Grundgedanke von Gaarders Konzept (Die Rahmenhandlung macht dies deutlich). Aber die Philosophen versteht man damit noch lange nicht.
(Wer sich etwas ernsthafter mit der Geschichte der Philosophie befassen will: Wilhelm Weischedels "Philosophische Hintertreppe" ist auch nicht dicker als "Sofies Welt", etwas anstrengender, aber durchaus verständlich und weit kompetenter...; oder auch, noch kürzer: Otfried Höffe, Kleine Geschichte der Philosophie)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-19 10:57:40 mit dem Titel Grass, Günter: Mein Jahrhundert
Jahrhundertwerk?
Nein, das ist es nicht geworden. Günter Grass schreibt hundert kurze Episoden, jeweils aus einer anderen Ich-Erzähler-Perspektive, die je ein Ereignis der Jahre 1900 bis 1998 zum Inhalt haben (die 99er-Episode, aus der Perspektive von Mutter Grass, ist reine Fiktion), mal aus der großen Weltpolitik, mal Szenen aus der Lokalpresse. Dabei gewinnt man als Leser den Eindruck, daß die inhaltliche Füllung der Grundidee untergeordnet wird (und so ist es auch zu erklären, daß manche Geschichten sich im nächsten Kapitel einfach fortsetzen). Die Personen, von denen erzählt wird, stammen aus allen Schichten, allen Regionen (teils wird Dialekt verwendet), allen gesellschaftlichen Bereichen. Aber gerade dabei versagt an manchen Stellen auch Grass' Sprachmächtigkeit, so in dem gern zitierten Beispiel, als sich ein einfacher Landser "zwecks Einschiffung" im Hamburger Hafen einfindet - so redet kein einfacher Mann vom Lande!
Zum Teil lebendig geschilderte Facetten des Jahrhunderts, zum Teil gute Unterhaltung, zum Großteil aber eine echte Enttäuschung. Von einem Grass, einem der zweifellos größten Autoren des 20. Jahrhunderts, hätte ich mehr erwartet. weiterlesen schließen -
Generation Golf- Florian Illies
Pro:
siehe Text...
Kontra:
...dito...
Empfehlung:
Nein
Hallo ihr Lieben,
nein, ich glaube nicht, dass dieses Buch ein Skandal ist, so wie es eine Zeitung geschrieben hat. Ich glaube auch nicht, dass es die meisten Leser besonders skandalös finden. Es ist einfach nur wahr.
Generation Golf.
Eine Selbstanalyse.
Florian Illies beschreibt genau die Menschen, die das Privileg haben, zwischen 1970 und 1982 geboren zu sein. Schade. Gehöre ich als 1983geborene unwiderruflich nicht dazu? Ich kann es mir nicht vorstellen...wo doch auch ich mit Werbungen wie „Aus Raider wir jetzt Twix“ und Alles in Obi“ aufgewachsen bin. Und auch ich habe mit Playmobil und Barbies gespielt.
Ist es überhaupt so erstrebenswert, zu dieser Generation zu gehören?
Zu einer Generation, die sich nach Aussage das Autor nur über ihr Auto definiert? Mein einziger Schnittpunkt mit diesem Wagen war die Fahrschule. Und auch ich muss sagen: Nicht schlecht...aber auch nicht mein Lebensinhalt...und jetzt fahre ich genau das Auto, was mir, sofern ich denn Mitglied der Generation Golf bin, so verhasst sein müsste: Einen Opel Astra. Omaauto. Uncool.
Aber ist es überhaupt erstrebenswert, zu dieser Generation zu gehören?
Zu einer Generation, die egoistisch nur auf das eigene Wohl bedacht ist, einen übertriebenen Körperkult pflegt und nur nach draußen geht, um sich selbst zu zeigen? Bin ich so??? Während der Lektüre dieses Buches stellt man sich zwangsläufig die Frage, ob die vom Autor beschriebene Lebensweise wirklich so zutreffend ist. Manchmal ja, manchmal nein, wobei ich versucht bin zu sagen, dass die oben genannten negativen Punkte eher nicht auf mich zutreffen...
Und ist es überhaupt erstrebenswert, zu dieser Generation zu gehören?
..mit all ihren Macken und Kanten. Revolution? Nein, schon lange nicht mehr. Die Mitglieder der Generation Golf sind sich selbst genug. Jeder hat mit sich selbst zu tun und das reicht. Was kümmert es, wenn hier und dort ein Krieg ausbricht oder ein Wald abbrennt? Solange es uns nicht betrifft. Die Generation ist ©marenmoon unpolitisch. Politik ändert doch sowieso nichts. Die da oben mit ihrem Klüngel. Wir sind unselbstständig. Bieder. Schrecklich.
Nein, das trifft nicht auf mich zu. Wage ich, zu behaupten. Oder? Natürlich interessiere ich mich für das, was passiert. Und ich gehe wählen. Was bin ich also? Unpolitisch? Die Generation Golf ist es, mal abgesehen von einer kleinen Spende für die Armen Kinder in Simbabwe zu Weihnachten, weil das bei den anderen gut aussieht. Aber sonst.
Aber ist es überhaupt erstrebenswert, zu dieser Generation zu gehören?
In diesem Punkt nicht. Aber ist die Generation überhaupt so? Was sind es denn für Menschen, die auf Demos gegen Nazi-Terror gehen? Gehören sie alle zu den Leuten über 30? Nein, gehören sie nicht.
Welche Menschen demonstrieren gegen die Globalisierung? Auch nicht ausschließlich Menschen über 30. Auch die Generation Golf wacht auf. Langsam, und nicht immer, aber sie wacht auf.
Warum soll man also nun dieses Buch lesen?
Der Autor vermittelt ein Bild davon, was seiner Meinung nach die 19-30 jährigen von heute für eine Einstellung vom Leben haben und hatten. Natürlich ist das eine subjektive, auf seine eigenen Erfahrungen beruhende Feststellung der Tatsachen und nicht immer zutreffend (siehe oben). Oft erkennt man sich und seine Kindheitserfahrungen wieder, manchmal fragt man sich, in welcher Welt man bzw. der Autor gelebt haben mag.
Die eigentliche Frage, die sich mir stellt, ist allerdings eine andere: Warum GOLF?
Natürlich ist der Golf ein Auto, welches in den Jahren zum Massenwagen fungiert ist. Trotzdem beschreibt ein Auto und alles, was damit verbunden wird, meiner Meinung nach nicht unbedingt die Kennzeichen einer Generation. ©marenmoon Auch wenn der Versuch des Autors, diese Generation zu beschreiben, eigentlich sehr gut gelungen ist, verwundern mich doch immer wieder die Passagen über den Golf, die wirken, als seinen sie nur dazu geschrieben, um den Titel des Buches zu rechtfertigen. Mit dem restlichen Inhalt des Buches lassen sie sich jedenfalls nicht vereinbaren.
Im Grunde genommen kann ich dieses Buch nur jedem empfehlen, der sich an Dinge erinnern will, die normale Menschen einfach wieder vergessen. Der Autor bringt Sprüche aus den 90er Jahren genau an den passenden Stellen und versetzt einen immer wieder selbst in Situationen, die man erlebt hat. Ich habe noch nie ein Buch gelesen, in dem ich mich und meine Umwelt so wiederfinden konnte, ohne jedoch gleichzeitig allem zuzustimmen, was Illies geschrieben hat. Es ist einfach wahr, was er schreibt und das finde ich faszinierend. Jemand hat sich mit der Zeit, in der man aufgewachsen ist und aufwächst, intensiv beschäftigt und bringt sie einem in kompakter Form zurück. Und bringt einen dazu, über sie und sich nachzudenken.
Fazit: Ein Buch, dass anders ist. Es ist keine Geschichte, kein Sachbuch, kein Roman. Es ist eine Analyse, die das ganz normale Leben von ganz normalen Menschen aufgreift und kritisch beschreibt. Empfehlenswert auch zur Selbstanalyse, denn ich bin mir sicher, dass sich jeder in irgendeiner Form in diesem Buch wiederfinden wird.
Trotzig weiter Opel Astra fahrend grüßt euch....
maren weiterlesen schließen -
Krimi Spannung à la Schweden: "Die falsche Fährte" (Henning Mankell)
Pro:
Spannende Story, guetr Stil
Kontra:
Umschlag / Einband
Empfehlung:
Nein
Henning Mankell ??? Wer in aller Welt ist HENNING MANKELL ? Ehrlich gesagt: Hätte mir ein Freund vor einiger Zeit nicht durch einen Zufall leihweise das Buch DIE FALSCHE FÄHRTE in die Hand gedrückt, dann wüsste ich immer noch nicht, wer oder was Henning Mankell eigentlich ist.
Aber zum Glück bin ich ja nun aufgeklärter.
Zum Beispiel weiß ich nun, dass Henning Mankell 1948 in Stockholm geboren wurde, mittlerweile in Mosambik lebt und dort seine Krimis schreibt. Früher hat er wohl auch Jugendbücher geschrieben, heute aber widmet er sich sehr erfolgreich den Kriminalromanen.
Offenbar hat er mit seiner Heimat aber nicht ganz abgeschlossen, denn seine Werke scheinen durchgängig in Schweden zu spielen.
Mittlerweile habe ich erfahren, dass Mankell sehr erfolgreich mit seinen Krimis ist, auch hier in Deutschland.
Typischerweise handeln seine Krimis immer im gleichen Ort, immer mit den gleichen Polizisten.
Die Hauptperson heißt lustigerweise KURT WALLANDER und ist Kriminaler.
Endlich mal kein Ltd. Mike Stone, kein Inspektor Gadget, kein Inspector Smith, Miller oder sonstwie.
Ein Krimi, der in schwedischer Provinz spielt und ein Kommissar namens Kurt Wallander ! So was gibt´s wahrhaftig nicht alle Tage !
Achja, eine Info noch so nebenbei:
DIE FALSCHE FÄHRTE gibt´s für 9,80 € als Taschenbuch und ist beim DTV-Verlag erschienen.
So, genug des Drumherums, jetzt zum eigentlichen Buch:
Kurt Wallander will in den Urlaub. Mit seiner angebeteten Baiba, die er offenbar in einer seiner früheren Fälle kennengelernt hat. Achja, ich sollte hier erwähnen, dass dieses Buch nicht das erste dieser Wallander-Reihe ist. Ich habe also mittendrin angefangen und trotzdem fand ich ganz einfach den Einstieg.
Urlaub. Richtig. Wallander freut sich auf seinen Urlaub.
Doch dann begeht eine junge Farbige unter heftigen Umständen Selbstmord. Eine Farbige, die niemand kennt, niemand weiß, woher sie ist.
Parallel dazu geschehen Morde, Morde an Persönlichkeiten. Die Persönlichkeiten waren nicht ganz koscher, polizeibekannt, das macht die Sache aber nicht unbedingt leichter.
Gibt es Zusammenhänge zwischen den Morden ? Evt. sogar einen Zusammenhang zu dem Selbstmord ? Oder war es gar kein Selbstmord ? Und ist evt. auch Wallanders Tochter in Gefahr ?
Henning Mankell beschreibt die Ermittlungen des Kurt Wallander detailgenau und lässt den Leser mit an seinem Leben und Beruf Teil nehmen.
Wallander ist nicht nur Polizist eines kleinen Örtchens in Schweden, nein, er ist auch Vater. Die Tochter macht ihm Sorgen...vor allem, weil keinerlei Kontakt zur Mutter besteht.
Der Leser bekommt neben den polizeilichen Ermittlungen auch Einblicke ins private des Kurt Wallander.
Auch bekommt´s der Leser mit den Kollegen des Wallander zu tun. Und diese sind auch nicht so ganz einfach. Fast so wie im wahren Leben ;-) .
Mankell hat einen spannenden und sehr packenden Schreibstil. Der Leser lechzt förmlich nach der nächsten Seite, dem nächsten Kapitel...tja, und sogar nach dem nächsten Buch.
Ich war von diesem Buch so begeistert, dass ich am Samstag gleich in den nächsten Buchladen maschierte und mir ein weiteres Buch dieser Serie kaufte.
Folgendes ist allerdings anzumerken:
Das Buch ist nicht nur spannend, nein, sondern auch detailliert. Nicht jedem Leser gefällt es zu lesen, wohin all das Blut spritzte oder wie genau die Mordwaffe ihre Aufgabe verrichtete.
Denn auch hierbei lässt Mankell keine Fragen offen.
Doch ich will ehrlich sein: Man kanns ertragen. Es geht also nicht um möglichst viel Blut in diesem Buch, nein, wahrhaftig nicht, sondern eher um detailgenaue Beschreibung. Nein, und dass auch nicht von Seite 1 bis Seite x.
Meine Meinung dazu: Ich habe da keine Probleme mit; es wird nichts übertrieben, man hat den Eindruck, dass Mankells Recherchen auch bei Leichenbeschauern stattgefunden haben.
Freunde sagten mir, dass dieses Buch für Mankell schon eines der „brutaleren“ ist. Aber bitte, wie gesagt...für mich wird eine Grenze nicht überschritten, im Fernsehen gibt´s Tag für Tag ganz andere Sachen zu sehen.
FAZIT
=====
Toll ! Einfach klasse. Der Name Henning Mankell ist mir nun ein Begriff und das wird er auch bleiben. Die Stories, der Schreibstil, die Spannung, die Leichtigkeit der Erzählung.....hier passt einfach alles !
Ich bin sicher, dass ich mir alle Fälle des Kurt Wallander zu Gemüte führen werde.
HALT:
=====
Einen Wehmutstropfen gibt es doch noch: Und zwar den Umschlag des Taschenbuches !
Farblich ist dieser zum Großteil in sattem schwarz gehalten. Ok, das geht in ordnung, aber irgendwie ist das ein Papier bzw. ist da eine Beschichtung drauf, die wirklich den noch so kleinsten Fingerabdruck hinterlässt.
Ob das kriminaltechnische Hintergründe hat ...??
Egal, jedenfalls sieht´s nicht so toll aus...
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-13 06:44:36 mit dem Titel Die Hunde von Riga / HENNING MANKELL
Im Herbst letzten Jahres wurde ich erstmalig auf HENNING MANKELL aufmerksam. Ein schwedischer Autor schreibt Erfolgskrimis?? Schon fast undenkbar..... .Ein Freund empfahl mir jedoch seinerzeit diese Lektüren und irgendwie bin ich dran hängengeblieben.
Mittlwerweile weiß ich auch, dass Henning Mankell 1948 in Stockholm geboren wurde, mittlerweile in Mosambik lebt und dort seine Krimis schreibt. Früher hat er wohl auch Jugendbücher geschrieben, heute aber widmet er sich sehr erfolgreich den Kriminalromanen.
Offenbar hat er mit seiner Heimat aber nicht ganz abgeschlossen, denn seine Werke scheinen durchgängig in Schweden zu spielen.
Henning Mankell ist mit seinen Krimis sehr erfolgreich, auch hier in Deutschland.
Typischerweise handeln seine Krimis immer im gleichen Ort, immer mit den gleichen Polizisten.
Die Hauptperson heisst lustigerweise KURT WALLANDER und ist Kriminaler. Endlich mal kein Ltd. Mike Stone, kein Inspektor Gadget, kein Inspector Smith, Miller oder sonstwie.
Ein Krimi, der in schwedischer Provinz spielt und ein Kommissar namens Kurt Wallander ! So was gibt´s wahrhaftig nicht alle Tage !
Achja, eine Info noch so nebenbei:
DIE HUNDE VON RIGA gibt´s für 9,50 € als Taschenbuch und ist beim DTV-Verlag erschienen.
So, genug des Drumherums, jetzt zum eigentlichen Buch:
Ein geheimnisvoller Anrauf geht bei der Polizei von Ystad ein: Angeblich soll am nächsten Tag ein Schlauchboot an Land getrieben werden. Mit Leichen drin.
Und genauso passiert es auch: Am nächsten Tag wird ein rotes Schlauchboot entdeckt. Und tatsächlich: Zwei Tote befinden sich auch darin.
Und nun beginnen Wallanders Ermittlungen: Wer war der Anrufer ? Wer sind die Toten ? Wo kommen Sie her ? Wer hat sie umgebracht, denn klar ist zumindest dieses: Ein Alterstod war es nicht. Die Spur führt nach Lettland. Aus Amtshilfegründen erhält Wallander einen unterstützenden Polizisten aus Riga (Lettland) zu Besuch.
Doch der Fall wird dadurch nicht einfach.
Der Gast reist zurück...........und das hat keine guten Folgen.
Jetzt macht sich Wallander auf den Weg nach Riga. Irgendwie muss der Fall doch gelöst werden.
Henning Mankell beschreibt die Ermittlungen des Kurt Wallander detailgenau und lässt den Leser mit an seinem Leben und Beruf Teil nehmen.
Wallander ist nicht nur Polizist eines kleinen Örtchens in Schweden, nein, er ist auch Vater. Die Tochter macht ihm Sorgen....vor allem, weil keinerlei Kontakt zur Mutter besteht.
Der Leser bekommt neben den polizeilichen Ermittlungen auch Einblicke ins private des Kurt Wallander.
Auch bekommt´s der Leser mit den Kollegen des Wallander zu tun. Und diese sind auch nicht so ganz einfach. Fast so wie im wahren Leben ;-) .
Mankell hat einen spannenden und sehr packenden Schreibstil. Der Leser lechzt förmlich nach der nächsten Seite, dem nächsten Kapitel....tja, und sogar nach dem nächsten Buch.
Mankell wird oft vorgeworfen, dass er zu sozialkritisch schreibt, das würde nicht in Krimis hineingehören ! Ach nein ? Wieso eigentlich nicht ? Dass in Lettland nicht alles Gold ist was glänzt sollte uns klar sein. Aber warum sollte man nicht über einen Krimi ein wenig mehr über Machenschaften in Lettland erfahren ? Wallander recherchiert gut, bevor er Passagen in seinen Romanen veröffentlich, die nicht jedermann gefallen könnten.
Politsche Ziele, Bestechungen, Kumpeleien.....das gehört zum Leben und ist daher für meinen Geschmack auch in einem Krimi gut aufgehoben.
FAZIT
Toll ! Einfach klasse. Der Name Henning Mankell ist mir nun ein Begriff und das wird er auch bleiben. Die Stories, der Schreibstil, die Spannung, die Leichtigkeit der Erzählung....hier passt einfach alles !
Ich bin sicher, dass ich mir alle Fälle des Kurt Wallander zu Gemüte führen werde.
HALT:
Einen Wehmutstropfen gibt es doch noch: Und zwar den Umschlag des Taschenbuches !
Farblich ist dieser zum Großteil in sattem schwarz gehalten. Ok, das geht in ordnung, aber irgendwie ist das ein Papier bzw. ist da eine Beschichtung drauf, die wirklich den noch so kleinsten Fingerabdruck hinterlässt.
Ob das kriminaltechnische Hintergründe hat ....??
Egal, jedenfalls sieht´s nicht so toll aus.... weiterlesen schließen -
" Silvia Schubert: Beruf: MARY - die zweite Haut des Georg Preuße "
Pro:
sehr gutes SF-Buch
Kontra:
nichts
Empfehlung:
Nein
Heute will ich mich mal an eine Rezension eines Buches wagen, es handelt sich dabei um eine autorisierte Biographie über Georg Preuße alias der Travestiekünstler MARY.
Das Buch heißt BERUF: MARY - Die zweite Haut des Georg Preuße und ist im Verlag Das neue Berlin erschienen.
Die Autorin ist Silvia Schubert und kommt, wie ich auch aus Chemnitz. Weitere Angaben zur Autorin habe ich leider noch nicht auftreiben können, aber wenn ich was weiß, dann kommt eine Ergänzung des Beitrages.
Was sofort auffällt ist, daß das Buch in der 3. Person geschrieben ist und darum eher gekünstelt zuweilen sogar distanziert wirkt. Ich habe die Vermutung, daß dies mit der " Verehrung " der Autorin für den Künstler zusammenhängt und der sanfte Georg sich nicht allzutief in die Seele schauen lassen wollte.
In den nachfolgenden Abschnitten des Berichtes werde ich kurz den Inhalt der einzelnen Kapitel des Buches schildern. Dabei ist es der Autorin gelungen jedem Kapiteln einen Titel der Figur MARY zuzuordnen.
1. Ich bin hier
****************
Hier beschreibt die Autorin ihren persönlichen Weg zur Person "MARY" und dem dahinterstehenden Menschen Georg Preuße.
2. Sind zwei kleine Hände
**************************
Die Autorin schildert die Kindheit des kleinen Georg in Ankum. Er wird geschildert als sehr empfindlicher und kränklicher Junge, der in einer kleinbürgerlichen Umgebung nicht viel zu lachen hatte.
Es wird gekonnt auf die Lieder MARY`S eingegangen, die auch erlebtes aus der Kindheit reflektieren. Es gibt auch schöne Jugendfotos zu sehen.
3.Lieber Gott , schenk mir Flügel
**********************************
Beschreibt Georgs Weg als Jugendlicher. Er lernt auf Wunsch der Eltern den Beruf des Funk- und Fernsehmechanikers, wird aber damit nicht glücklich, da er nach eigener Aussage 2 linke Hände hat.
Deshalb geht er als Student der Informatik den 1. Schritt in die weite Welt. Diese Welt heißt ab jetzt Bielefeld und um sein Geld aufzubessern jobbt er als Kellner, Barkeeper und Diskjockey.
Bielefeld wird für den Landjungen zur Weltstadt und dort findet er zum ersten Mal den Mut zu singen. Er wird von einem alternden Travestiekünstler dazu animiert diese Lieder im "Fummel" zu singen.
Er verläßt, weil der Vater seine "Kunst" nicht verstehen will oder kann - sein Elternhaus im Streit.
4. Fraun, Fraun, Fraun
***********************
Schildert die 1. Schritte als Travestiekünstler und Georgs persönliche Haltung zu Frauen - von denen er sagt: Eine richtige Frau wollte und will ich nicht sein - daß wäre mir viel zu anstrengend.
Wir erfahren, daß MARY eigentlich Mary Morgan heißt und am Anfang eigentlich ein relativ ungeliebter Name seiner Travestiefigur war.
Es kommt zum 1. Kontakt von MARY und GORDY ( Rainer Kohler) und wir erfahren, daß wir das Duo eigentlich einem Spaziergang zweier Hundebesitzer zu verdanken haben.
5. Es ist nicht leicht, ein Clown zu sein
******************************************
Dieses Kapitel handelt vor allem von Rainer Kohler ( GORDY ) und dessen großem Traum ein Clown zu sein.
6. Wenn ich nicht mehr bin
***************************
Ist das vielleicht emotionalste Kapitel des Buches und handelt vom Abschied GORDY`S von der Bühne, seinem Leiden mit der heimtückischen Krankheit Krebs und seinem Tod.
Hier erfahren wir, daß Georg seinem Freund Rainer durch die Vertrautheit helfen konnte, denn Georg verstand es Rainer, als dieser nicht mehr sprechen konnte, seine Wünsche von den Augen abzulesen.
7. Wenn man Freunde hat
************************
Das Jahr 1988 - MARY ist allein auf der Bühne zurückgeblieben und fällt immer tiefer in ein Loch - eine Schaffenskrise beginnt. Und er muß lernen allein - ohne Partner auf der Bühne zu überleben.
Gute Freunde stehen ihm zur Seite und die große Wende passiert, als sich Dürrenmatt als MARY und GORDY Fan outet. Und er bietet Georg die erste Theaterrolle in seinem Stück "Achterbahn" an. Georg lernt seine neuen Talente kennen und macht einen Schritt in eine neue Richtung.
8. Feuer und Eis
*****************
Hier zieht Georg Bilanz. Er gibt Auskunft über sein Verhältnis zu seinem Körper und seinem Aussehen. Er läßt kleine Einblicke zu, aber sein Privatleben bleibt tabu.
Wir erfahren, daß Georg sich mit seinen Eltern versöhnte, da diese jetzt überaus stolz waren ihren erfolgreichen Sohn im Fernsehen zu sehen.
Wir erfahren einiges zu seiner Einstellung in Beziehung zu Freunden und Liebe, aber sein eigenes Geheimnis wird nicht enthüllt - wir erfahren nicht ob es eine Beziehung egal welcher Art in Georgs Leben gibt. Schade !!
9. Das alles ist MARY
**********************
Hier beschreibt die Autorin wer MARY ist und was MARY ausmacht.
Sie ist eine fiktive Figur, die Georg wie ein Puppenspieler führt und die sich an Themen traut, die sich niemand anzusprechen wagt.
Da sind keine Themen tabu - weder Aids noch die Homosexualität oder Rassismus sind dabei ausgeschlossen.
MARY ist die perfekte Illusion, die die Menschen unterhält, aber auch zum eigenständigem Denken "verführt".
10. Wir sitzen in der Loge
***************************
Die Autorin schildert ihre eigenen Erlebnisse während mancher sehr kritischer Lieder.
Wir erfahren, daß Georg als MARY in seinen Shows gern die organisierten "Wohltätigkeitsveranstaltungen" aufs Korn nimmt.
Und in diesem Zusammenhang erfahren wir wie Georg seine Spenden los wird, nämlich als "Patenonkel" für 10 Patenkinder bei "Plan International".
In seinen Shows übernimmt den Part des "Spiegels" für die Erwachsenen oft der "Kinderstar " LILLY. Sie schaut den Erwachsenen aufs Maul und kritisiert auch ohne Scheu was sie als unmöglich empfindet.
Wir erfahren, daß Georg allergisch auf Arroganz und Diskriminierung reagiert.
Vor allem das Thema AIDS hat es ihm angetan und seine Erfahrungen inspirierten Ihn zu seinem Song " Der Flur der AIDS - Station ".
Weiterhin ist zu erfahren, daß Georg ein politisch sehr interessierter Mann ist, welcher sich aber nicht vor den Karren einer Partei spannen läßt.
Seinen besonderen Unmut erregen Politiker, Nationalisten, Rechtsradikale und Rassisten.
11. Ich seh mir selbst ins Gesicht
***********************************
Hier erfahren wir näheres zu Georgs sehr erfolgreiche Auftritten in Musicals oder als Schauspieler.
Und wir erfahren auch, daß nicht alle Leute gern mit Ihm arbeiten, weil er so konsequent probt und feilt bis alles perfekt ist.
12. Viele Städte sind mein Heim
********************************
Wir erfahren von Georgs unsteter Art und daß er nach Alkoholproblemen auf 45 kg abmagert und schließlich nach einer Leberentzündung im Jahre 1978 ein hilfreiches 2. Zuhause bei einfachen Leuten in der Schweiz fand.
Es wird uns vermittelt, welche verschiedenen Touren, Auftritte und Fernsehatktivitäten MARY & GORDY und später Georg allein unternahmen.
Dabei erfährt der Leser viele Details über die Tourneeplanung und welchen Aufwand solch ein Unternehmen betreiben muß.
Zu erfahren ist außerdem , daß Georg die gesamte 1992er "Sternschnuppentournee" mit einem Bänderriss und gebrochenem Fuß absolvierte.
Das führte dazu, daß Georg als MARY diesmal nicht hektisch über die Bühne huschte, sondern seinen Astralkörper auf einen Barhocker niederlassen mußte.
13. Berlin, Berlin
*******************
Georg zieht nach Berlin - Charlottenburg und widmet dieser Stadt, die Ihn inspiriert das neue Programm "MARY in Berlin".
Wir lernen Maria Lucas kennen, die Georgs mehr als 600 Kleider und 60 Perücken entwickelt hat und sich deshalb für die MARY- Shows unabkömmlich gemacht hat.
Dabei werden Detail zu den 20 - 40 kg schweren Kostümen enthüllt.
Auch wird in etwa bekannt, wie die Lieder und Texte für MARY - Revuen entstehen.
Es werden auch einige Zuschriften an Georg als Zitate abgedruckt.
Wir sehen hinter die Kulissen der Show "MARY in Berlin" und erfahren was Georg mit seiner schon als Markenzeichen bekanntgewordenen "Demaskierung" der MARY erreichen will.
14. Danke , MARY !
*******************
Beschreibt das Ende einer Show und was die Zuschauer dabei empfinden. Z. B. fragen sich viele Leute , wann Georg wieder mit einer neuen Show auftreten wird. Das Publikum stellt sich allgemein die Frage was noch aus MARY ,dem Traumwesen aus Georgs Phantasie wird. Wird die von den Besuchern heiß geliebte "Frau" älter ? - oder fährt später wie Georg immer im Scherz sagt: Im Rollstuhl über die Bühne und wechselt dann nur noch die Decken !
Es wird die Frage aufgeworfen, was empfindet Georg, wenn der letzte Vorhang gefallen ist, wenn er plötzlich in seiner Garderobe allein ist - wir werden es nie erfahren !
***********
Mein Fazit
***********
Ich halte ein Buch in meiner Hand und habe dabei absolut gespaltene Gefühle.
Ich erfuhr im Buch einiges aus dem Privatleben Georg Preußes, aber es bleibt bei mir ein fader Beigeschmack.
Die Gliederung des Buches wäre mir anders lieber , wenn es sich eher am zeitlichen Rahmen orientieren würde wären die Tatsachen besser einzuordnen.
Auch geht mir das Buch zu wenig in die Tiefe - es bleibt oberflächlich.
Im Buch gibt es viele Bilder, aber was mich erstaunt ist, daß sehr viele davon Schwarz- Weiß- Aufnahmen sind.
Und was mir persönlich den Lesespaß vergällte war, daß das Buch im 2 spaltigen Design gedruckt wurde.
Genauso muß ich die Gestaltung des Hardcovers beurteilen, denn die wirkt lieblos - ohne Bild . Der Umschlag ist lose angebracht und leidet, wenn man das Buch öfters zur Hand nimmt erheblich.
Ich persönlich hätte besser die 44 DM für eine Konzertkarte investiert, denn ich bevorzuge das Liveerlebnis.
Denn dann kann ich die Atmosphäre und die Aura genießen, die das Buch in keiner weise vermitteln kann.
Und wenn man dann noch das "Glück" hat, daß MARY auf seinen 10cm Stöckeln ausrutscht und bei seinem gekonnt abgefangenem "Sturz" dann fast auf meinem Schoß landet - ja dann ist das Erlebnis perfekt.
Da sprühte so viel Energie und Lebensfreude, daß ich euch zurufe: Wer das Buch braucht, der soll es als Hintergrundliteratur lesen, -
Aber wer MARY liebt der geht in Georgs nächste Show !!!!
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-08 18:47:23 mit dem Titel Hilfe - die Klone sind schon unter uns ...
Hierbei handelt es sich um einen Silberband der Perry Rhodan- Serie. Die ursprünglichen Perry Rhodanhefte erschienen seit 1961 .
...so kann man das Perry Rhodan-Buch: Die Altmutanten im groben beschreiben.
Die von den Hauptautoren: Karl-Herbert Scheer und Walter Ernsting (alias Clark Darlton) veröffentlichten Hefte wurden später in den „Silberbänden“ zusammengefasst und lassen sich so besser lesen.
Der Inhalt des Romans:
Es handelt sich um einen Roman des Altmutanten"-Zyklus.
Nach der Landung eines Explorerschiffe, das nach vielen Jahren auf die Erde zurückkehrt beschließen Perry Rhodan und die anderen Verantwortlich zum Einsatzort des Explorers dem Planeten „ASPORC“ im Rattley-System aufzubrechen.
Während dieser Expedition wird der Supermutant Ribald Corello von paranormalen Kräften übernommen.
Er ist nun nicht mehr in der Lage, seine Parakräfte zu Gunsten der Menschheit einzusetzen, denn die 8 Altmutanten zwingen Ihm ihre Interessen auf.
Nach der Rückkehr zur Erde beginnt er mit sehr verwirrenden und die Menschheit gefährdenden Aktionen.
Bei diesen Aktionen dringt er auch in eine uralte Geheimstation der Lemuren ein.
Diese Station liegt unter dem Meeresboden und birgt ein Geheimnis dort lagern geklonte Eizellen aus denen Ribald Corello 8 Synthokörper züchten läßt.
Bei der Produktion der Synthokörper wird durch den Zeitmangel ein Turboprogramm benutzt .
Diese schnelle Produktion der Körper wird der entscheidende Mangel sein, denn so schnell wie sie produziert wurden – so schnell verfallen sie auch.
In der Gewalt der Altmutanten befindet sich auch der Mutant Alaska Saedelaere, der von Ribald Corello kontrolliert wird – dieser kann aber ab und zu der Beeinflussung entweichen und so auch eigene unbeeinflußte Aktionen auslösen.
So gelingt es Ihm während der Jagd auf Ihn und Ribald Corello , ein Signal zu Perry Rhodan zu senden und damit die Paralysierung von Ribald durch die Mutanten zu ermöglichen.
So ist es auch möglich die Synthokörper mit den Altmutanten fangen und in eine Klinik zu bringen.
Dort versuchen Aramedizinier und Mediziner von der Erde die Körper zu stabilisieren, damit die Altmutanten nicht wieder in der PARA – Raum müssen.
Da diese Stabilisierung nicht zufriedenstellend gelingt beschließen die Mutanten einen Ausbruch aus der Klinik und bilden indem sie Ihre Kräfte einen neuen Körper aus Antimaterie.
In diesen Körper wechseln die 8 Bewußtseinsinhalte der Altmutanten.
Die neuen Erlebnisse der Altmutanten kann man dann im nächsten Band der Silberbände mit dem Titel „Kampf der Paramags“ nachlesen.
Informationen zu handelnden Personen: ( nachfolgende Texte teilweise von der Homepage: http://www.perry-rhodan.net )
Perry Rhodan:
Es beginnt im Jahr 1971: Mit der Rakete STARDUST landen vier amerikanische Astronauten unter Befehl von Perry Rhodan auf dem Mond, und treffen dort auf ein notgelandetes Raumschiff. Aus dieser Begegnung entwickelt Perry Rhodan seine Idee einer geeinten Menschheit, die er gegen alle Widerstände durchsetzt. Unabhängig von Hautfarbe, Nationalität oder Religion gibt es nur noch "Terraner", die neue Hauptstadt heißt entsprechend Terrania.
Mit Hilfe der außerirdischen Technik werden Raumschiffe gebaut, die überlichtschnell den Weltraum durchqueren. Die Terraner stoßen auf Mächte zwischen den Sternen, die sich seit Jahrtausenden etabliert haben, und sie treffen auf das Geisteswesen ES, das Perry Rhodan eine Reihe schwerer Prüfungen auferlegt, bevor er als Lohn die relative Unsterblichkeit winkt. Mit jedem Schritt, den sich Perry Rhodan tiefer in den Weltraum hineinwagt, scheinen die Rätsel größer zu werden, wird das Schicksal der Menschheit immer geheimnisvoller. Im Lauf der Jahrhunderte und Jahrtausende verlassen Milliarden von Menschen die Erde, und siedeln sich auf fremden Planeten an. In unglaublich fernen Bereichen des Universums müssen sich die Menschen immer wieder neuen Herausforderungen stellen, um gewaltige Rätsel lösen zu können und um Ihre eigentliche Bestimmung zu finden: als kosmisches Volk zwischen den Sternen zu leben, in Partnerschaft zu anderen, völlig fremdartigen Völkern und im Bewusstsein, dass der Kosmos noch viele weitere Wunder für sie bereithält.
Altan:
Atlan, ein Arkonide, wurde durch einen speziellen Zellaktivator den ihm Carfesch im Auftrag der Kosmokraten überreichte, relativ unsterblich. Ein aktivierter Gehirnsektor beherbergt das »photographische Gedächtnis« und den Logiksektor/Extrasinn.
Atlans Charakter ist durch einen starken Hang zum Zynismus geprägt. Er handelt kühl und überlegt, ist ein wohlmeinender Spötter, aber auch ein unerbittlicher Antreiber.
Gucky:
Im Jahre 1975 auf seinem Heimatplaneten Trump heimlich an Bord der STARDUST II gekommener Ilt, der bald darauf in das Mutantenkorps aufgenommen wird. Der selbsternannte »Retter des Universums« ist ein ausgezeichneter Telekinet, Telepath und Teleporter.
Im Lauf der Zeit entwickelt sich eine herzliche Freundschaft zwischen ihm und Perry Rhodan - vor allem aber mit Reginald Bull, der häufig genug unter Guckys Späßen zu leiden hat. Außer für seine geliebten Mohrrüben kann sich der Mausbiber für stundenlanges Kraulen erwärmen.
Als ein regelrechtes Hobby könnte man seine unermüdlichen Versuche bezeichnen, Helden-Epen mit sich selbst in der Hauptrolle zu verfassen. Nach der Heirat mit Iltu im Jahre 2402 wird Gucky stolzer Vater des kleinen, ebenfalls paranormal begabten Mausbiberjungen Jumpy.
Er erhält wegen der extrem hohen Lebenserwartung seines Volkes von ca. 500 bis 600 Jahren erst 2931 einen Zellaktivator, nachdem er im Jahre 2437 auf dem Pöaneten Monol einer biophysikalischen Hyperregenerierung unterzogen und dadurch um rund 500 Jahre verjüngt wurde.
Wie seine terranischen Gefährten muß auch Gucky im Oktober 1169 NGZ seinen Zellaktivator an ES zurückgeben. Auch er erhält im Jahre 1173 NGZ von ES einen Aktivatorchip und macht sich mit Alaska Saedlaere auf die Suche nach den Spiegelgeborenen.
Ribald Corello:
Supermutant, der die fünf Para-Fähigkeiten eines Hypnosuggestors, Individualaufladers, Emotiolenkers, Quintadimtrafers und Telepsimaten in sich vereinigt. Corello wird am 05.09.2909 als Sohn Kitai Isibashi von und der Báalol-Priesterin Gevoreny Tatstun auf einem Planeten der Antis geboren.
Sein Körper ist stark fehlproportioniert, Rumpf und Gliedmaßen wie bei einem zweijährigen Kind, der Schädel dagegen ist riesig (größter Durchmesser 51 cm). Die Gesamtkörperlänge beträgt 1,29 m. Der Schädel ist vollkommen haarlos und von rotbrauner Farbe, über die Schädeldecke ziehen sich dicke bläuliche Adern. Das Gesicht macht nur einen relativ kleinen Teil des Kopfes aus, ist etwa handflächengroß und besitzt Mund, Nase und Ohren, die im Entwicklungsstadium eines Kleinkindes stehengeblieben sind. Corellos Augen haben dafür einen größten Durchmesser von jeweils 8 cm, sind hellgrün irrlichternd und liegen unter einer weit vorgewölbten Stirn. Der schwächliche Kinderkörper wird von Corello dank seines äußerst differenziert entwickelten Nervensystem vollkommen beherrscht. Der Charakter Corellos ist bestimmt durch zahlreiche Komplexe, darunter besonders schwerwiegend ein starker Ödipuskomplex. Corello ist rechthaberisch, egoistisch, herrschsüchtig, jähzornig und grausam, kann sich jedoch auch als geistvoller Plauderer und angenehmer Gesellschafter zeigen, wenn ihm dies Vorteile bringt. Seine wissenschaftlichen Fachgebiete sind Kosmopsychologie und Hyperphysik. Der Supermutant läßt sich mit dem aus dem Sprachgebrauch der Báalols stammenden Titel Tapur (Mächtiger, Erhabener) anreden.
Mein Fazit:
Wieder ein sehr gelungener Roman aus den Silberbänden – der auf die Ereignisse aus älteren Romanen Bezug nimmt.
So erfährt man mehr über das Schicksal der während der Second – Genesis – Krise verschwundenen Mutanten.
Diese Altmutantenschicksale bilden die Basis für dieses Buch und die der anderen Bücher des Altmutantenzyklus.
Ich freue mich schon auf die Handlung im nächsten Buch und finde diese SF – Romane eine schöne Art der Unterhaltung für Alt und Jung.
Das einzige Problem sind die etwas schwer zu lesenden Namen der handelnden Personen . Aber während des Lesens erschließt sich dem Leser die Welt des Perry Rhodan und seiner Freunde / Gegner sehr schnell.
Ich kann, wenn ich so einen neuen Band vor mir habe kaum mit dem Lesen aufhören, denn man denkt, daß man etwas verpaßt, wenn man aufhört zu lesen.
Auch über das nachfolgende Buch werde ich bei Gelegenheit berichten. weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
-
susperia, 30.10.2002, 11:23 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
Wow, ein wirklich informativer und ausführlicher Bericht! Bye Deine Susperia
-
krawallo, 09.06.2002, 14:34 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
HAllo yopi hat meinen Bericht über das NdV bei ciao irgendwie verschluckt, jetzt ist er vollständig, würdest du nochmal bitte schauen =?? Danke auch...
-
Informationen
Die Erfahrungsberichte in den einzelnen Kategorien stellen keine Meinungsäußerung der Yopi GmbH dar, sondern geben ausschließlich die Ansicht des jeweiligen Verfassers wieder. Beachten Sie weiter, dass bei Medikamenten außerdem gilt: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.
¹ Alle Preisangaben inkl. MwSt. und ggf. zzgl. Versand. Zwischenzeitl. Änderung der Preise, Lieferzeiten & Lieferkosten sind in Einzelfällen möglich. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr.
Bewerten / Kommentar schreiben