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Pro & Kontra
Vorteile
- spannend, unterhaltsam
- intelligent und sensibel geschriebener Roman, der sich um das Thema Geschlechteridentität dreht
- gibts nicht
- sehr gutes SF-Buch
Nachteile / Kritik
- zum Ende hin etwas abfallend
- keines ersichtlich
- alles
- nichts
Tests und Erfahrungsberichte
-
Friedrich Schiller \ Kabale und Liebe
5Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Ich schreibe heute über das Buch von Friedrich Schiller, da ich es mittlerweile schon 2 mal für die Schule lesen sollte und somit wollte ich euch von meinen Erkenntnissen nicht unverschont lassen.
INHALT
In dem Drama „Kabale und Liebe“ (1783) erzählt Friedrich Schiller von der Liebe zwischen der Musikantentochter Luise Miller und dem Sohn des Präsidenten, Ferdinand von Walter, deren Liebe auf die Probe gestellt wird.
Ferdinand und Luise haben sich ineinander verliebt, jedoch sind beide Väter aufgrund der Standesunterschiede gegen ihre Vereinigung und so wird sich Luise ihrer Liebe bald nicht mehr sicher.
Um eine Heirat zwischen Ferdinand und Luise zu verhindern, beschliesst der Präsident, dass sein Sohn Lady Milford, eine vom Fürsten begünstigte Hofdame, heiraten soll und verbreitet diese Nachricht unter dem Volk. Aber als Ferdinand davon erfährt, sagt er seinem Vater direkt, dass er diese Heirat nicht eingehen wird.
Um es ihr dann direkt ins Gesicht zu sagen, besucht Ferdinand Lady Milford und beichtet ihr, dass er sie nicht liebt und sie deshalb auch nicht heiraten wird. Dem Standesdünkel der damaligen Zeit unter-worfen, hat sie den festen Willen ihn trotzdem zu heiraten.
Ferdinand stürmt direkt danach zu seiner geliebten Luise, um ihr davon zu erzählen, doch sie wusste es schon.
Da der Präsident diese Liebelei nicht dulden kann und denkt er sich einen Plan aus, dessen erster Teil ist Luises Eltern unter dem Vorwurf der Majestätsbeleidigung in Haft zu nehmen.
Mit Wurm, seinem Haussekretär, bespricht er den weiteren Verlauf. Wurm erklärt Luise, dass ihre Eltern hingerichtet werden würden. Jedoch könnte sie dies verhindern, indem sie einen von ihm diktierten Liebesbrief an den Hofmarschall von Kalb schreibt. Zusätzlich muss sie noch einen Eid leisten, der besagt, dass sie diesen Brief als freiwillig anerkennt. Luise, die ihre Eltern liebt, erkennt anhand dieser Intrige, dass die Liebe zwischen Ferdinand und ihr keine Zukunft hat, geht diesen Pakt ein.
Alles wird nun so arrangiert, dass Ferdinand diesen Liebesbrief zu lesen bekommt und er ist stark enttäuscht von Luise, da er dachte, dass Luise ihn wirklich liebt und nun ist er fest überzeugt, dass sie ihm etwas vorheuchelte.
Ferdinands Vater, der über die Vorgänge unterrichtet ist, ist jetzt so schlau und sagt auf einmal, dass er nichts gegen eine Beziehung zwischen ihm und Luise hätte.
Zur selben Zeit empfängt Lady Milford Luise bei sich, um einen Versuch der Entzweiung zu starten. Deshalb hat sie sich heute ihre teuersten Kleider angezogen und ihren wertvollsten Schmuck umgelegt, um damit zu zeigen, dass sie besser für Ferdinand geeignet ist als die kleine Bürgerstochter. Jedoch überzeugt Luise die Lady durch ihr Auftreten und ihre Worte, dass sie plötzlich ihr momentanes Leben nicht mehr mag, der Liebe entsagt und beschliesst das Land zu verlassen.
Luise sah als einzige Chance Ferdinand die Wahrheit zu sagen, indem sie versuchen würde sich zu töten und ihm dann im Sterben die Wahrheit zu gestehen. Von diesem Vorhaben bringt sie ihr Vater ab.
Ferdinand dagegen ist sehr zornig. Um sich für Luises Untreue zu rächen, besucht er Familie Miller und schüttet Gift in einem unauffälligen Moment in die Limonade von Luise und sich selbst. Da er nicht mehr leben will, soll Luise auch nicht mehr leben. Bei Luise wirkt das Gift schnell und ihr geht es schon schlechter. Sterbend erzählt sie Ferdinand von der Intrige seines Vaters, worauf er noch mehr erzürnt ist.
Luise ist tot und Ferdinand verspürt auch schon leichte Anzeichen des Giftes, doch er schafft es noch vor seinem Tode, seine Empörung über seinen Vater loszuwerden. Dieser versuchte, die ganze Intrige noch auf Wurm zu schieben, doch als er sah, dass er keine Chance hatte, gab er es zu. Jedoch ist diese Einsicht zu spät, Ferdinand ist jetzt auch tot..
Somit sind zwei junge Leben ausgelöscht nur um den gesellschaftlichen Regeln zu entsprechen.
HAUPTPERSONEN
Die Hauptpersonen von „Kabale und Liebe“ bilden die Liebenden Ferdinand von Walter und Luise Miller. Sie werden hauptsächlich durch andere Personen oder durch ihr Verhalten näher beschrieben.
Ferdinand ist der Sohn des Präsidenten. Er ist 20 Jahre und Major.
Wie jeder normale Mensch hat auch Ferdinand seine guten und seine schlechten Seiten. Zu den guten gehört, dass er zwischen Recht und Unrecht unterscheiden kann, da er die kriminellen Machenschaften seines Vaters nicht verachtet, besonders die Intrige gegen ihn und Luise.
Sein eigener Wille, der nur das geschehen lässt, was er will, ist auch sehr stark. Als ihm sein Vater erzählte, dass er Lady Milford heiraten soll, weigert er sich (1. Akt, 7. Szene, S. 23, Z.7-11 „...Aber ich bin wohl lächerlich, lieber Vater, daß ich ihre Laune für Ernst aufnehme? Würden Sie Vater zu dem Schurken Sohne sein wollen, der eine privilegierte Buhlerin heuratete?“).
Dieses Verhalten stützt sich darauf, dass er eine andere liebt. Er ist der Typ Mensch, dass, wenn er liebt, dann liebt er auf ewig, ohne Rücksicht auf die Standesunterschiede zu nehmen, die zur damaligen Zeit streng eingehalten worden. Daran sieht man wie großen Einfluss die Liebe haben kann.
Seine starke Liebe kann sich aber genauso schnell in Wut verwandeln. Als er durch den Brief erfährt, dass Luise angeblich den Hofmarschall von Kalb liebt, ist er sehr erzornt, doch dies zeigt nur, dass er ein von Gefühlen beherrschter Mensch ist.
Jedoch führt seine starke Wut zu seinem Plan Luise und sich zu vergiften. Das weist auf, dass er nicht alleine leiden will. Denn wenn er Luise nicht kriegt, soll sie auch kein Anderer haben. Und so ist es ihm selbst anzurechnen, dass Luises Vater Ferdinand als „Giftmischer“ bezeichnet (5. Akt, letzte Szene, S. 110, Z. 10).
Luise ist meiner Meinung nach im Vergleich zu Ferdinand ein komplett anderer Mensch.
Sie ist zwar nur bürgerlicher Herkunft als Tochter eines Stadtmusikers. Dies soll aber nicht bedeuten, dass ihr Leben deswegen weniger Wert ist.
Auch Luise hat gewisse Prioritäten ihrem Leben gesetzt. So stehen ihre Eltern bei ihr ganz oben, für sie würde sie sogar ihr Leben riskieren. Dies tut sie in dem sie den Brief schreibt und den Eid leistet, damit ihre Eltern nicht hingerichtet werden. Sie stellt somit ihr eigenes Glück für das Leben ihrer Eltern zurück, da sie genau weiss, dass es für Ferdinand und sie keine Zukunft geben kann.
Ich denke man kann über Luise sagen, dass sie offen ist für neue Ideen und Ansichten, doch ihr Glaube ist manchmal noch stärker. Denn sie verliebte sich in Ferdinand, obwohl sie wusste, dass er von adligem Geschlecht ist. Danach wurde sie sich ihrer Liebe noch unsicher.
Sie zweifelte zwar an ihrer Liebe, aber das bedeutet nicht, dass sie ihn weniger liebte. Sie liebte ihn so sehr, dass sie den Plan hatte ihr Leben zu opfern, damit sie Ferdinand über die Intrige seines Vaters unterrichten kann (5. Akt, 1.Szene, S.88, Z. 21
„... Der dritte Ort ist das Grab.“ 5. Akt, 1. Szene, S. 89, Z. 5 „... Ich will in den Fluss springen...“), aber ihr Vater konnte sie davon durch zureden noch abhalten.
SPRACHE
Friedrich Schiller wendete in diesem Werk einen sehr pathetischen Sprachstil an.
Er benutzt die Sprache um den Figuren ihre soziale Einordnung zu verdeutlichen und ihren Charakter auszuschmücken. Somit hat jeder Charakter einen eigenen Sprachstil.
So lässt sich die Sprache der Familie Miller, vertretend für die Bürgerlichen, als eine Sprache bezeichnen, die auf den Punkt bringt, was sie meint (1. Akt, 1. Szene, Seite 5, Z. 8-11 „... Meine Tochter kommt mit dem Baron ins Geschrei. Mein Haus wird verrufen. Der Präsident bekommt Wind, und – kurz und gut, ich biete dem Junker aus.“). Sie drücken in ihren Worten die Angst vor der Obrigkeit aus, da diese die Macht haben und über die kleinen Leute, wie sie es sind, entscheiden können.
Insbesondere die Frau gibt ein gutes Beispiel für die falsche Verwendung von Fremdwörtern, die sie benutzt um einen guten Eindruck zu machen, in dem sie Wurm mit „Herr Sekertare“ (1. Akt, 2. Szene, S. 9, Z. 4 und Z. 35) statt Sekretär anspricht.
Der Präsident, als ein Vertreter für die Sprache der Adligen, hat einen zynischen Ton drauf, der nicht nur arrogant (1. Akt, 7. Szene, S.23, Z. 12/13 „... Ich würde selbst um sie werben, wenn sie einen Fünfziger möchte...“), sondern auch kalt wirkt. Es soll den Eindruck von Gefahr und Drohendem verdeutlichen (1. Akt, 7. Szene, S.24, Z. 39 ff „... Wenn du mich zum Lügner machst, Junge – vor dem Fürsten – der Lady – der Stadt – dem Hof mich zum Lügner machst – Höre Junge – oder ich hinter gewisse Historien komme...“). Seine Sprache ist ganz typisch für die Herrschenden.
Wurm, der Haussekretär spricht auch in diesem Sprachstil, jedoch ordnet er sich dem Präsidenten unter.
Lady Milford hat ihren eigenen Sprachstil. Sie kann so hochgestochen wie die anderen Adligen reden, aber auch im Stil der Bürger. Die Sprache der Adligen kennt sie durch ihr Leben am Hofe. Doch sie ist diese Sprache schon seit ihrer Kindheit gewohnt, denn ihr Vater war oberster Kämmerer des Königs (2.Akt, 3. Szene, S. 34, Z. 38). Doch sie kann auch in einem anderen Ton reden, der aufkommt, wenn sie verletzt oder traurig ist und Mitleid im Menschen erweckt (2. Akt, 3. Szene, S. 33, Z. 25/26 „Herr Major! Das hab ich nicht verdient.“).
Luise und Ferdinand haben wieder eine ganz eigene Sprache zu einander, die Sprache der Liebenden sozusagen.
Luises Sprache ist von ihrem Glauben (5. Akt, 1. Szene, S.86, Z. 35 f „... Ich habe einen harten Kampf gekämpft. ... Gott gab mir Kraft. Der Kampf ist entschieden.“) und von ihrem Herzen geprägt, so wünscht sie sich, dass die Standesunterschiede keine Rolle mehr spielen „.. wenn die Schranken des Unterschieds einstürzen – wenn von uns abspringen all die verhaßten Hülsen des Standes – Menschen nur Menschen sind ...“ (1. Akt, 3. Szene, S. 13, Z. 23- 25).
Ferdinand ist anfangs schwer verliebt (3. Akt, 4. Szene, S. 58, Z. 34/35 „... Deine Fußtapfe in wilden sandigten Wüsten mir interessanter als das Münster in meiner Heimat ...“) , doch verändert sich im Verlauf des Stückes die Liebe in ein Gefühl des Zorns und der Wut.
Wenn beide aufeinander treffen, sind keine Anzeichen der Standesunterschiede mehr erkennbar. Sie denken dann nur an sich und ihr Gefühl der Liebe.
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Das Stück von Schiller, welches den ursprünglichen Namen "Luise Millerin" hat, beruht auf Schillers eigener Erfindung.
Es wurde zum ersten sozialen Drama und enstand aus der Empörung gegen den Herzog Karl Eugen und aus der tiefen Einsicht in die Unmoral vieler Regenten seiner Zeit. Das Bewusstsein der Kluft zwischen Adel und Bürgertum wurde dadurch deutlich. weiterlesen schließen -
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John Gray - Männer sind anders Frauen auch
Pro:
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Kontra:
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Empfehlung:
Ja
Also zu aller erst möchte ich sagen/schreiben, dass ich dieses Buch nur jedem empfehlen kann.
Es ist ein Sachbuch das anschaulich und direkt über Beziehungsprobleme berichtet und erstaunliche Lösungen aufweist.
Man kann sich erstaunlich gut in die von John Gray beschriebenen Situationen hineinversetzen und hineindenken. Jeder erkennt sich eigentlich immer wieder an verschiedenen Stellen wieder.
Alles ist sehr anschaulich erklärt, so dass es wirklich jeder verstehen kann, wahrscheinlich macht es auch unter anderem grade deswegen so viel Spaß dieses Buch zu lesen.
Es ist in 13 Kapitel aufgeteilt und beinhaltet 318 Seiten.
1. Kapitel: Männer stammen vom Mars, Frauen von der Venus - Der Zauber der Liebe; guter Wille allein ist nicht genug
2. Kapitel: Männliche Lösungsmodelle und weibliche Verbesserungsvorschläge - Eigenheiten der Marsianer; Eigenheiten der Venusianerinnen; Hören sie auf, Männern Ratschläge zu erteilen!; Lernen sie zuzuhören!; Wie man mit liebenswerten Eigenheiten kreativ umgehen kann
3. Kapitel: Die geheimen Mittel gegen den Streß - Die Höhle als Zufluchtsort; Das befreiende Gespräch; Voneinander lernen
4. Kapitel: Wie motiviert man das andere Geschlecht? - WEnn ein Mann liebt; Eine Frau die liebt; Wie man die Waage hält zwischen Geben und Nehmen; Nehmen lernen; Geben lernen
5. Kapitel: Du kannst mich einfach nicht verstehen! - Gefühle ausdrücken oder Fakten vermitteln?; Die Sprache der Frauen; Die Sprache der Männer; Gemeinsame Schritte auf dem Weg zu einer besseren Kommunikation
6. Kapitel: Männer sind wie Gummibänder - Pendeln zwischen Nähe und Autonomie; Zeit mit ihm zu sprechen; Wenn Männer schweigen; Ein Mann braucht seine Höhle; Respektvoller Umgang mit den Bedürfnissen des Partners
7. Kapitel: Frauen sind wie Wellen - Wie Männer auf die Welle reagieren; Das reinigende Wellental; Wenn sie im Wellental und er in der Höhle ist; Kein Freikauf aus dem Auf und Ab der Welle; Die guten wie die schlechten Tage annehmen
8. Kapitel: All die Liebe, die sie brauchen - Die zwölf Arten der Liebe; Der edle Ritter; Die Kunst, den Partner nicht vergraulen; Warum Männer sich nicht ändern wollen
9. Kapitel: Wie man Streit vermeidet - Was geschieht, wenn wir uns streiten?; Vier Strategien, um sich vor Verletzungen zu schützen; Warum wir uns streiten; Die Anatomie eines Streites; In schwierigen Zeiten zusammenstehen
10. Kapitel: Punkte sammeln beim anderen Geschlecht - Kleine Ursache, große Wirkung; 77 Methoden, um bei einer Frau Punkte zu sammeln; Aufmerksamkeit in neue Bahnen lenken; Wenn Frauen keine Punkte geben; Warum Männer werniger geben
11.Kapitel: Wie teile ich meine schwierigsten Gefühle mit? Die Liebesbrieftechnik - Schreiben sie einen Liebesbrief; Einen Antwortbrief schreiben; Lesen sie ihren Liebesbrief und die Antwort darauf gemeinsam mit ihrem Partner; Eine sichere Atmosphäre für Liebesbriefe; Miniliebesbriefe; Wann man einen Liebesbrief schreiben sollte; Warum wir Liebesbriefe schreiben müssen; Werden sie aktiv!
12. Kapitel: Wie man um Unterstützung bittet und sie auch erhält - Warum Frauen nicht fragen; Um das bítten, was sie bereits bekommen; Üben sie, um mehr zu bitten; Positives Fragen
13. Kapitel: Den Zauber der Liebe lebendig erhalten - Warum Beziehungen manchmal verrrückt spielen; Die Mülleimertheorie; Die Neunzig-Prozent-Regel; Ein heilender Brief; Der Grund für ihren Ärger liegt nie dort, wo sie ihn vermuten; Der Spätzünder; Warum wir süchtig sind; Der Wechsel der Jahreszeiten der Liebe#
Ich glaube durch die obige Auflistung der einzelnen Kapitel erfährt man schon einiges, worum es in diesem Buch geht.
Mir hat es sehr geholfen, das männliche Geschlecht besser verstehen zu lernen und mich selber auch.
Der Preis beträgt übrigens 8,50 Euro.
Weitere Bücher von John Gray:
Mars, Venus und Eros
auseinander geliebt
Mars, Venus und Partnerschaft
Mars liebt Venus, Venus liebt Mars
Mars und Venus
Jeden Tag mehr Liebe
Männer sind vom Mars
Frauen sind von der Venus
Mars sucht Venus, Venus sucht Mars
So bekommst du, was du willst, und willst, was du bekommst
Kinder sind vom Himmel
Mars & Venus im siebten Himmel
Leidenschaft lebendig halten
Also viel Spaß beim Lesen! weiterlesen schließen -
Der letzte Flug des Kleinen Prinzen - im Funkkontakt mit SAINT-EXUPÉRY
Pro:
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Kontra:
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Empfehlung:
Ja
***Da geschah etwas Seltsames in meinem Kopfhörer. Bevor ich noch auf Saint-Ex' Frequenz umschalten konnte, hörte ich die helle Stimme, die ich so gut kannte: "Monsieur, Monsieur, schießen Sie nicht! Schießen Sie nicht auf meinen Freund, Saint-Ex. Er ist so traurig. Lassen Sie ihn zu seiner Rose zurückkehren. Bitte, Monsieur, lassen Sie ihn zu den Wolken aufsteigen, damit ich ihn mit zu meinem Planeten nehmen kann."***
(Zitat: Der letzte Flug des kleinen Prinzen, Jean-Pierre de Villers)
Am 31. Juli 1944 verschwand Antoine de Saint-Exupéry auf mysteriöse Weise während eines Aufklärungsfluges in seiner silbernen P-38 über dem Mittelmeer.
50 Jahre danach, bei einer Saint-Exupéry-Ausstellung am 29. November 1993 in New York, begegnet der kanadische Literaturprofessor Jean-Pierre de Villers einem alten Herrn, der in stiller Verzweiflung mit den Tränen kämpft. Villers ist bestürzt und spricht ihn an. Was er jetzt erfährt, ist die sehr ergreifende Geschichte einer Freundschaft zwischen dem ehemaligen Wehrmachts-Piloten Wilhelm von Stadde und dem Schöpfer des Kleinen Prinzen, dem großen französischen Literaten Saint-Exupéry.
Mitten im zweiten Weltkrieg, in der Schlacht über dem Mittelmeer, begegnen sich per Funkkontakt der deutsche Pilot von Stadde und der französische Pilot Saint-Exupéry. Die Männer, die doch eigentlich Feinde sein müssten, werden zu Freunden.
Villers erzählt in anrührender und doch spannender Weise von den Begegnungen und Gesprächen zwischen den beiden Männern und – dem Kleinen Prinzen, der immer mit dabei ist.
Dann kommt der Auftrag, den berühmten französischen Schriftsteller abzuschießen – gedacht als großartiger Triumph für die Nazi-Propaganda. Von Stadde erhält diesen Befehl und er versucht, seinen Freund zu schützen. Aber genau wie er damals, erleben wir heute den letzten Flug des Kleinen Prinzen, hören die letzten Worte zwischen ihm und Tonio, wie er vom Kleinen Prinzen liebevoll genannt wird.
Der geniale Schreibstil von Villers und seine dramatische und doch so zarte Geschichte machen es unmöglich, das Buch in Etappen zu lesen.
Alle, die den Kleinen Prinzen ins Herz geschlossen haben, sollten dieses wunderbare Buch lesen. Und die ihn noch nicht kennen, sollten zuvor „Der Kleine Prinz“ lesen.
Infos für alle, die die nun lesen möchten:
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Jean Pierre de Villers
Der letzte Flug des Kleinen Prinzen
Im Funkkontakt mit Saint-Exupéry
Benziger Verlag 2002, 96 Seiten, 9,90 Euro weiterlesen schließen -
teuflich gut
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Obwohl wohl mittlerweile fast jeder in meinem Bekanntenkreis weiß, dass ich nicht unbedingt ein leidenschaftlicher Bücherleser bin, bekam ich zu meinem letzten Geburtstag ein Buch geschenkt. Da ich auch nicht unhöflich sein und eventuellen späteren Fragen aus dem Wege gehen wollte, habe ich mir vorgenommen das Buch auch zu lesen! Und was passt da am Besten, als das im Urlaub zu machen. Also habe ich es mir in meinem gerade zu Ende gegangenen Urlaub (*heul*) zu Gemüte geführt und möchte Euch jetzt hier meinen Erfahrungsbericht präsentieren:
*** Allgemeines ***
Das Buch, das ich meine, trägt den Titel "Tod und Teufel" und wurde von Frank Schätzing geschrieben, hat 373 Seiten und ist 1998 im Emons Verlag in Köln erschienen. Es ist zum Preis von 11,00 EURO unter der ISBN-Nr 3897051222 zu erhalten!
*** Zum Inhalt ***
In dem Buch wird ein Kriminalfall aus dem mittelalterlichen Köln (1260) beschrieben. Dort wird Jacob der Fuchs, seines Zeichens Dieb und Herumtreiber, Zeuge, wie der Dombaumeister Gehard von einem Gerüst des Domes fällt. Alles sieht nach einem Unfall aus. Nur Jacob weiß, das es sich um einen Mord handelt, denn er hat einen höllenschwarzen Schatten gesehen, der Meister Gerhard einen Stoß versetzt hat. Jacobs Pech ist es, dass auch der Schatten ihn gesehen hat. Jeder, dem Jacob sein Geheimnis anvertraut, stirbt kurze Zeit später. Nur durch Zufall gerät er an Menschen, die ihm seine Geschichte glauben und ihm helfen wollten, die Tat aufzuklären. Nun beginnt eine Jagd durch ganz Köln, bei der Jacob und seine Vertrauten versuchen den Hintergrund des Mordes aufzuklären, bei der aber auch der Schatten versucht, alle die von seiner Tat wissen aus dem Weg zu räumen.
*** Der Autor ***
Frank Schätzing, 1957 geboren, ist Kölner und Inhaber ein Werbeagentur. Er beschäftigt sich mit Chaosforschung und Kommunikationswissenschaften und schreibt Krimis, Satiren und Utopien.
*** Meine Meinung ***
Ich bin von dem Buch einfach begeistert. Der Kriminalfall ist zwar, im Vergleich zu heutigen Krimis, simpel, aber sehr spannend und unterhaltsam geschrieben und zieht sich durch das ganze Buch. Er ist wohl auch auf bestimmten Ereignissen in dieser Zeit aufgebaut worden.
Viel interessanter war allerdings für mich das, was der Autor um diesen Fall herum an Beschreibungen und Hintergrundwissen in diesem Buch vermittelt. So wird hier sehr anschaulich vermittelt, wie man sich das Leben und den Tagesablauf der Menschen im mittelalterlichen Köln verstellen muss. Anhand eines Stadtplanes des mittelalterlichen Kölns kann man genau verfolgen, wo sich unsere Helden gerade aufhalten. Dabei finde ich es sehr erstaunlich, dass sich die Namen und die Lage der einzelnen Straßen und Plätze in den letzten 750 Jahren nur unwesentlich verändert haben. Hinzukommt, dass man erfährt, warum einige Straßen im heutigen Köln ihre Namen tragen.
Weiterhin muss ich dem Autor dieses Buches ein großes Komplement machen, denn was er hier an politischen Hintergrundwissen vermittelt, geht weit über das hinaus, was man selbst an Kölner Schulen jemals zu hören bekommt. Man merkt sofort, dass der Autor sich sehr intensiv mit dieser Zeit und den Geschehnissen in dieser Zeit befasst hat. Dabei beschränkt sich Frank Schätzing nicht nur auf die Zeit, in der sich der Kriminalfall ereignet, sondern bringt auch ziemlich geschickt die Zeit und die Geschehnisse davor in das Werk ein um Zusammenhänge aufzuzeigen. Genauso endet das Buch nicht mit Abschluss des Kriminalfalls, sondern es wird noch kurz, aber sehr verständlich die weitere politische Entwicklung dargestellt.
*** Fazit ***
Für mich war dieses Buch, wie bereits erwähnt, ein Erlebnis. Ich kann es daher sehr weiterempfehlen. Allerdings, und das muss ich einschränkend noch erwähnen, kann ich mir vorstellen, dass dieses Buch bei Lesern, die keinerlei Bezug zu Köln haben, nicht unbedingt die gleiche Begeisterung hervorruft, wie bei mir, da sich sehr vieles doch speziell auf diese Stadt bezieht.
Soweit mein Bericht. Ich hoffe, dass er Euch weiterhilft. Wenn nicht, schreibt mir bitte einen entsprechenden Kommentar!
gruß
city-flitzer weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
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Gabriele Gast: Kundschafterin des Friedens - Autobiographie einer Top-Spionin
11.11.2002, 15:55 Uhr von
willibald-1
Zur Zeit selten hier. Gegenlesungen dauern daher - kommen aber!Pro:
sehr engagiert geschrieben man erfährt eine Menge Interna Politik mal von einer anderen Seite!
Kontra:
./.
Empfehlung:
Nein
Manche können sich vielleicht noch erinnern: 1990 ging ein Aufschrei durch die Presse, als eine Frau verhaftet wurde, die eine relativ hohe Position beim BND bekleidete - und dabei schon während ihres Studiums und insgesamt mehr als 20 Jahre lang für die DDR spioniert hatte.
Diese Frau war Gabriele Gast. In ihrem Buch "Kundschafterin des Friedens" reflektiert sie über ihre doppelte Karriere, aber auch über die Umstände ihrer Verhaftung.
Es begann 1968. Die damalige Studentin recherchierte für ihre Doktorarbeit und besuchte zu diesem Zweck Verwandte in der DDR. Bei einem offiziellen Termin lernt sie Karl-Heinz kennen, der den Auftrag der Stasi hat, sie als Spionin anzuwerben. Durch ihre persönliche Neugier macht sie es ihm leicht.
Die beiden verlieben sich. Aber Gabriele Gast ist nicht die typische "Spionin aus Liebe", die mit einer "Romeo-Affäre" angeworben wird. Sie ist überzeugte Sympatisantin der DDR und der Politik der SED. Aus der Überzeugung heraus, mit ihrer Spionagetätigkeit für den Frieden zu wirken, bleibt sie ihren Auftraggebern auch treu, als ihre Liebesbeziehung zu Karl-Heinz zerbricht.
Ihre Agententätigkeit lernt sie von Grund auf. In ihrem Buch stellt sie ausführlich dar, welche technischen Hilfsmittel sie benutzt hat. Genau so ausführlich beschreibt sie die Mittel der Konspiration. Und nicht zuletzt charakterisiert sie die Persönlichkeiten, mit denen sie zu tun bekommt.
Nach ihrer erfolgreichen Dissertation bewirbt sie sich schließlich beim BND in Pullach - und bekommt dort eine Stelle im Sowjetunion-Referat. Wertvolle Informationen kann sie von dort an die DDR weiterleiten. Sie macht beim BND Karriere und steigt nicht zuletzt dadurch auch zur Top-Agentin der DDR auf. Sie wird zeitweise sogar von Markus Wolff, dem "Mann ohne Gesicht", persönlich geführt.
Sie lebt ein Doppelleben. Bei beiden deutschen Geheimdiensten ist sie "zu Hause", und so ist sie in der Lage, Unterschiede und Gemeinsamkeiten darzustellen. Dabei macht sie keinen Hehl daraus, welcher Seite ihre eigentliche Sympathie galt.
Im privaten Leben gilt sie als sozial engagierte Frau. Eine Familie zu gründen, dafür war in ihrem Leben kein Platz. Als jedoch das behinderte Kind, das ihre Schwester adoptiert hat, das Zuhause verliert, ist sie bereit, diesem Jungen eine neue Heimat zu geben. Sie adoptiert den kleinen Harry und wird dadurch zur alleinerziehenden Mutter. Ihre Auftraggeber aus der DDR finden neue Wege der Zusammenarbeit, ohne ihre Sicherheit zu gefährden.
Vom Zusammenbruch der DDR wird sie trotz ihrer sehr guten Kenntnisse der politischen Lage und Absichten überrascht.
Sämtliche Agenten-Hilfsmittel vernichtet sie. Sie verläßt sich darauf, daß auch im MfS alle Unterlagen über die Agenten der DDR vernichtet werden.
Als sie schon nicht mehr damit rechnet, wird es ihr zum Verhängnis, daß Mitarbeiter des MfS ohne Skrupel und nur zu ihrem eigenen Vorteil verdeckte Mitarbeiter verraten.
Gabriele Gast leidet darunter, daß durch diesen Verrat auch die Beziehung zu ihrem Adoptivsohn zerstört wurde, ja daß im Grunde das Leben des zu dem Zeitpunkt 15jährigen Jungen zerstört wurde. Dies lastet sie ihrem Verräter persönlich an, der um ihre Situation als alleinerziehende Mutter genau wußte.
Als Mitarbeiterin des BND fühlt sie sich besonders hart behandelt. Sie steht weiterhin zu ihrer Agententätigkeit, empfindet es jedoch als ungerecht, daß für nicht-enttarnte Agenten, die für die DDR - den anderen deutschen Staat - spioniert haben, eine Amnestie nicht gilt.
Sie wurde während der Untersuchungshaft in Isolationshaft gehalten. Sehr eindrucksvoll beschreibt sie die psychischen Probleme, die sich dabei mit der Zeit entwickeln.
Während die früheren Kampfgenossen ständig von Solidarität redeten, konnte sie während des Gerichtsprozesses gegen sie auf keinen von ihnen zählen. Selbst Markus Wolf und ihre Führungsoffiziere sowie ihr langjähriger Freund Karl-Heinz, denen sie blind vertraute und die ihr zu DDR-Zeiten immer jegliche Unterstützung im Falle einer Enttarnung versprochen hatten, ignorierten sie und mieden jeden Kontakt.
Gleichzeitig wurde ihr jedoch auch viel persönliche Zuwendung zuteil, dadurch daß ihre Mutter und auch befreundete Kollegen des BND persönlich zu ihr hielten.
Sicherlich lassen sich nicht alle Details eines solchen Buches in einem kurzen Beitrag wiedergeben.
Dieses Buch ist sicherlich ein wichtiger und lesenswerter Beitrag zur Geschichte und zur Arbeit der deutschen Geheimdienste, es charakterisiert deren politisch Verantwortliche und gibt sachkundigen Einblick in das ambivalente Verhältnis von Regierung und Nachrichtendienst. weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
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"Das Leben ist...
Pro:
das Leben ungeschönt, aber vor allem treffend beobachtet
Kontra:
nichts für Leser ohne Sinn für Skurriles und Absurditäten
Empfehlung:
Nein
...eine für Jugendliche verbotene Schnulze".
So konstatiert es T. S. Garp in seinem legendären Roman: "Bensenhaver und wie er die Welt sah". Und dessen erstes Kapitel ist Teil dieses Romans von John Irving, dem legendären Garp und wie er die Welt sah, im Original "The World according to Garp". Und zu Recht, wie ich nun nach den 635 Seiten der Taschenbuchausgabe sagen kann, bekam es von der Stadtbibliothek meines Vertrauens den Aufkleber "Skurril/ Makaber" verpasst.
Doch der Roman beginnt nicht mit der Geschichte Garps, sondern mit einer Erzählung,
Garps Mutter ist eine Frau, die weiß, was sie will - eine Tatsache, die in den frühen 40er Jahren unter jungen Frauen weder beliebt noch üblich ist. Als Tochter eines reichen Schuhfabrikanten könnte sie ein sorgloses Leben führen, doch sie zieht es vor, einen richtigen Beruf zu erlernen:
(...) "Jenny war zweiundzwanzig. Sie hatte das College, kaum hatte sie angefangen, auch schon wieder verlassen, aber die Schwesternschule hatte sie als Klassenbeste absolviert, und sie war sehr gern Krankenschwester. Sie war eine athletisch wirkende junge Frau und hatte immer leicht gerötete Wangen; sie hatte dunkles, weich glänzendes Haar und einen Gang, den ihre Mutter als männlich bezeichnete (sie schwenkte die Arme), und ihr Gesäß und ihre Hüften waren so schmal und fest, dass sie von hinten wie ein Junge aussah. Jenny fand ihre Brüste zu groß; sie war der Meinung, durch ihren üppigen Busen sehe sie wie ein ‚billiges Flittchen’ aus.
Sie war alles andere. Tatsächlich war sie vom College abgehauen, als ihr der Verdacht kam, ihre Eltern hätten sie hauptsächlich deshalb nach Wellesley geschickt, damit sie sich von irgendeinem jungen Mann aus gutem Hause ausführen und dann zum Traualtar führen ließ. Das Wellesley College hatten ihre älteren Brüder empfohlen. Wellesley-Absolventinnen, hatten sie ihren Eltern versichert, würden nicht als leichte Mädchen betrachtet, sondern gälten als vorzügliche Ehekandidatinnen. Jenny spürte, dass ihr Studium für ihre Eltern nur eine höfliche Methode war, Zeit zu schinden, als ob sie in Wirklichkeit eine Kuh wäre, die nur auf die Einführung des Instruments zur künstlichen Besamung vorbereitet würde." (...) (S. 9/ 10)
Jenny entscheidet sich gegen die Ehe, aber für ein Kind. Ihren geplanten einzigen Sohn zeugt sie mit "dem letzten Schuss" eines ihrer Patienten, die sie auf der Intensivstation zu betreuen hat. Er ist ehemaliger Soldat, Turmschütze, mit einem Splitter im Kopf aber kriegsunfähig, selbiger sorgt auch dafür, dass er sich - psychisch wie physisch - immer weiter in Säuglingsstadium zurückentwickelt. Nur zeugungsfähig bleibt er, und das auf eine besonders eindrucksvolle Weise. Sein Name: T. S. (Technical Seargant) Garp.
Wie sich im Laufe des Romans herausgestellt, ist sein Name nicht das einzige, was Garp von seinem Vater geerbt hat. Doch zunächst verlebt er seine Kindheit an der Steering School, wo seine Mutter als Schulschwester arbeitet. Diese Entscheidung trifft sie, wie alle weiteren wichtigen, nach dem Gesichtpunkt, ob es für die Entwicklung ihres Sohnes zuträglich wäre. So lehnt sie eine bessere Stelle an einer reinen Mädchenschule ab, weil sie nicht will, dass ihr Sohn seine ersten sexuellen Erfahrungen innerhalb eines Wäscheberges von Mädchenunterwäsche macht. Sie bevorzugt die Steering School, die als reine Jungenschule einen guten Ruf genießt. Garp wächst im Krankenrevier der Schule auf, die er später auch abschließen wird.
Doch zunächst betrachtet der Leser mit Garps Augen den alltäglichen Wahnsinn an der Schule. Da Garp nicht das einzige Lehrerkind ist, findet er schnell Spielkameraden. So zum Beispiel die Kinder des Schulsekretärs Stewart "Fat Stew" Percy, dessen einzige Qualifikation darin besteht, die Tochter des Direktors geheiratet zu haben. Nicht zu vergessen natürlich seine jährlich stattfindende Vorlesung zur Geschichte des 2. Weltkrieges im Pazifikraum, bestehend aus einer Diashow und eigenen verherrlichenden Erfahrungsberichten.
Der Zufall will es, dass Garp den Ringsport für sich entdeckt, kurz darauf lernt er die gleichaltrige Tochter des Ringertrainers kennen. Für ihn steht sofort fest, dass er Helen heiraten will - doch ist er für sie nur als Schriftsteller interessant. Garps Berufswunsch steht fest, um sein vorhandenes gewisses Talent zu fördern, reist seine Mutter mit ihm nach seinem Schulabschluss nach Wien, wo die beiden ein Jahr lang leben werden.
Beide haben den Wunsch zu schreiben: Garp, um Helen zu beeindrucken, die auf dem College großen Ehrgeiz an den Tag legt; Jenny, um ihr Leben zu fixieren. Beide sollen letztendlich Erfolg haben. Nachdem Garp bei einer Wiener Prostituierten nicht nur sexuelle Erfahrungen gemacht hat, und die "Pension Grillparzer" als Fantasiekurzgeschichte Helen so fasziniert hat, dass sich Garp fortan Schriftsteller nennen darf, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die beiden heiraten. Garp und Helen sind noch auf dem College, als sie 19jährig heiraten.
Zu diesem Zeitpunkt beginnt Garps Leben als liebevoller Familienvater von zwei Kindern und Hausmann, seine schriftstellerische Karriere hingegen verläuft zunächst im Sande, Helen ernährt ihre Familie als Dozentin für englische Literatur. Es kommen die späten 60er Jahre und die sexuelle Revolution - Garp und Helen haben beide Affären. Das Buch jedoch, das Garp darüber verfasst, sein zweites, sollte noch weniger Beachtung finden als sein erstes, ist er doch nicht mehr als "der Sohn von Jenny Fields".
Seine Mutter hingegen findet mit John Wolf genau den Verleger, den sie für ihre Autobiographie "Eine sexuell Verdächtige" haben wollte. Die Beschreibung ihrer unkonventionellen Lebensart (unkonventionell für ihre Zeit - siehe oben) lässt sie zu einer Heldin der Feministinnenbewegung werden, die nun aufkeimt. Ihren Beruf als Krankenschwester muss sie nun nicht mehr ausüben, nachdem ihr Buch zum Bestseller mutiert ist. Um sie scharen sich zahlreiche Frauen, und auch wenn Jenny Fields ihre neue Rolle zunächst etwas ungewohnt erscheint, findet sie sich doch recht schnell mit dieser neuen Situation ab.
Eitel Sonnenschein oder Friede Freude Eierkuchen? Nicht in der Welt, wie sie Garp erscheint und die er in seinen minder erfolgreichen Romanen scharf zeichnet. Sein Familienglück wird durch ein tragisches Unglück auf die Probe gestellt - wird es daran auch zerbrechen?
Skurril ist die Welt, wie Garp sie sieht und Irving beschreibt. Aber dennoch real, mit hohem Wahrheitsgehalt in den Beschreibungen, so überzogen sie auch erscheinen mögen. Er entsteht ein Bild von der Gesellschaft, von Lehrern und Huren, Spießern und Außenseitern, Opfern und Mördern, Transsexuellen und Sittenstrolchen, Männern, Frauen und Kindern. Skurril oder makaber - das Leben als Groteske. So scheint es völlig normal, dass Professoren ein Verhältnis mit Studentinnen haben und Väter mit Babysittern; dass das Schicksal eines 10jährigen Mädchens, der nach ihrer Vergewaltigung die Zunge abgeschnitten wurde, Hunderte von Frauen aus Mitgefühl dazu bewegt, es ihr nachzutun; dass ein 12jähriger Junge seine Freunde einlädt, damit sie seine Mutter beim Baden beobachten können. Was nach außen idyllisch scheint, ist in Wahrheit eine Farce. Beim Lesen habe ich mich oft gefragt, wie Irving die Situation noch überbieten will - meistens schaffte er es zu meiner Verblüffung.
Das Leben ist unbarmherzig und konfliktreich, aber vielleicht kann Sex einige Probleme lösen... Das Leben als eine für Jugendliche verbotene Schnulze.
Und Irving schönt seine Erzählung nicht: Brutalität und sexuelle Gewalt werden so genau beschrieben, dass es fast weh tut (zur Belegung dieser These empfehle ich den Anfang des 14. Kapitels), Kraftausdrücke werden ebenfalls reichlich verwendet. Es ist eine klare Sprache, die Irving spricht, eine, die sehr realitätsnah wirkt, wenn auch manchmal etwas überzogen, was aber hervorragend ins Konzept passt.
Der Autor spart auch nicht an den Einzelheiten, kein Nebensatz ist unwichtig und was noch viel wichtiger erscheint: er vergisst keinen Charakter, den er einmal eingeführt hat, auch wenn er eigentlich keine große Rolle zu spielen scheint. Jeden Charakter schildert er so, dass man sich in den Menschen, so widersprüchlich er in sich auch sein mag (aber sind wir das nicht alle?), hineinversetzen kann. Irving vergisst niemanden, und trotz der vielen Personen kommt man nie in die Verlegenheit, Charaktere zu vertauschen.
In meinen Augen also eine volle Weiterempfehlung an diejenigen, die unsere Welt durchleuchten wollen - Skurriles, Absurdes und Komisches inbegriffen. Ein Buch, das man immer wieder lesen kann und immer wieder etwas Neues findet. Trotz des enormen Umfangs bietet es kurzweilige Unterhaltung, fesselnd und abstoßend zugleich. Doch ein Fünkchen Wahrheit steckt auch in der größten Übertreibung.
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John Winslow Irving wurde 1942 in Exeter, New Hampshire, USA geboren. Nach seinem Studium an den Universitäten von Pittsburgh, Wien und New Hampshire lehrte er ab 1967 am englischen Institut am Mount Holyoke College. Auch an der Universität Iowa war er als Dozent des Schriftsteller-Workshops tätig. Nach dem Erfolg von "Garp und wie er die Welt sah" 1978 konnte er seine Lehrtätigkeit aufgeben und sich nur auf das Schreiben konzentrieren.
Bisherige Veröffentlichungen:
1969 Setting Free The Bears (Lasst die Bären los)
1972 The Water-Method-Man (Die wilde Geschichte vom Wassertrinker)
1974 The 158 Pound Marriage (Eine Mittelgewichts-Ehe)
1978 The World According To Garp (Garp und wie er die Welt sah) - 1982 verfilmt
1981 The Hotel New Hampshire (Das Hotel New Hampshire) - 1986 verfilmt
1985 The Cider House Rules (Gottes Werk und Teufels Beitrag) - 1999 verfilmt
1989 A Prayer For Owen Meany (Owen Meany)
1993 Trying To Save Piggy Sneed (Rettungversuch für Piggy Sneed: Erzählungen)
1994 A Son Of The Circus (Zirkuskind)
1996 The Imaginary Girlfriend (Die imaginäre Freundin: Biographie)
1998 A Widow For One Year (Witwe für ein Jahr)
1999 My Movie Business (My Movie Business - mein Leben, meine Romane, meine Filme)
2001 The Fourth Hand (Die vierte Hand)
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Und was ich noch sagen wollte:
>
Garp: "Geboren mit einem sonnigen Gemüt und der Gewissheit, dass die Welt verrückt ist"
Du auch?
So, Ende der Durchsage. weiterlesen schließen -
"Die Tränen des Teufels" von Jeffery Deaver
Pro:
wird mit jeder Seite spannender!
Kontra:
teilweise sehr blutrünstig
Empfehlung:
Nein
Heute möchte ich denjenigen ein ganz tolles Buch vorstellen, die vielleicht noch nach einer guten Urlaubslektüre suchen, aber nichts allzu schwer Konsumierbares lesen und sich auch nicht langweilen wollen: "Die Tränen des Teufels" von Jeffery Deaver, aus dessen Feder auch "Der Knochenjäger" stammt, dessen Verfilmung mit Denzel
Washington bestimmt einige von euch auch bereits gesehen haben.
***Die Geschichte***
Ein verrückter Serienkiller, der nur als "der Digger" bezeichnet wird, hält Washington,D.C. in Atem: der Einzige, dessen Wort für ihn zählt und der ihn stoppen könnte, ist sein Auftraggeber.
Dieser verlangt 20 Millionen Dollar oder er veranlasst, dass der Digger nach einem ersten warnenden Blutbad am Silvestermorgen noch bis Mitternacht alle vier Stunden ein weiteres Massaker anrichtet.
Der Auftraggeber wird zwar schnell durch das FBI unter der Leitung von Margaret Lucas ermittelt, doch kurz vor seiner Verhaftung wird er bei einem Autounfall tödlich verletzt und als einzige Spur, die zum Digger führen kann, verbleibt der Erpresserbrief.
Parker Kincaid, Handschriftenexperte und ehemaliger Agent des FBI, wird
hinzugezogen, um den Brief zu entschlüsseln.
Kincaid ist zwar zur Mithilfe bereit, doch nur unter der Bedingung, dass er anonym bleibt. Sein Name darf nicht an die Öffentlichkeit gelangen, denn Kincaid steckt grade inmitten eines Sorgerechtstreits, warum er das FBI auch verlassen hat, da er in keinerlei Verbindung mit gemeingefährlichen Verbrechen gebracht werden darf, wenn er das Sorgerecht für seine Kinder erhalten will.
Doch natürlich geht alles schief: während Kincaid versucht, das Rätsel des Erpresserbriefs zu lösen, zieht sich die Schlinge um seinen Hals stets weiter zu.
Aber: Alles wird gut! ;-)
Der Roman findet ein überraschendes Ende: es stellt sich heraus, dass der vermeintliche Auftraggeber gar nicht der Auftraggeber war, der Autounfall war Mord, ein raffiniertes Täuschungsmanöver des wirklichen Erpressers und der ist ganz in der Nähe.
Das FBI ist die ganze Zeit von falschen Voraussetzungen ausgegangen.
Doch wer meint, mit der Verhaftung des echten Drahtziehers sei die Geschichte beendet, der wird noch eines Besseren belehrt, denn auch wenn die letztendlich stattfindende spektakuläre Verfolgungsjagd schon wie ein final countdown wirkt; zum richtigen final countdown kommt es erst, als Kincaid daheim Besuch erhält: der Digger ist da..
Na, aber wie gesagt: alles wird gut und mehr sag ich dazu nicht. :-)
***Bewertung***
Bei diesem Roman handelt es sich um eine äußerst gelungene Mischung aus Krimi und Psychothriller.
Der Anfang mag sich zuerst zwar ein bisschen zäh hinziehen, aber das ändert sich schnell und man will diesen Roman schon bald gar nicht mehr aus den Händen legen, ehe man ihn nicht bis zum bitteren Ende durchgelesen hat.
Manchen könnte der Roman mit seinen 444 Seiten (ich vermute Schriftgröße 10) zwar etwas lang erscheinen, aber ich habe das Buch von meinem Freund empfohlen bekommen, der es "total klasse" findet und dabei eigentlich doch ein ziemlicher Lesemuffel ist.
Er ist schon stolz, wenn er an einem Abend auch nur vier Seiten gelesen hat und mir ist es ein Rätsel, wie er diesen Roman durchgekriegt hat. :-) [Er meint, es habe es im Urlaub in einer Woche durchgelesen]
Aber Fazit: dieses Buch schafft es, auch Lesemuffel zu überzeugen.
Kleiner Tipp: Man sollte dieses Buch aus zweierlei Gründen nicht spätabends lesen, denn
1. besteht dringende Gefahr, dass man sich sonst die Nacht um die Ohren schlägt, da man einfach nicht mit dem Lesen aufhören kann und
2. könnte die Story einem den Schlaf rauben, da man ständig fürchtet, der Digger könne plötzlich vor einem stehen.
Endergebnis: ein sehr empfehlenswertes, spannendes, gut recherchiertes
(besonders in Bezug auf die Handschriftanalyse) Buch eines außergewöhnlichen Autors, der es versteht, mit der Psyche des Menschen zu spielen und dessen Werke man kennen sollte und wer den Film zum "Knochenjäger" mochte, der wird diesen Roman erst recht lieben.
Jeffery Deaver, "Die Tränen des Teufels"
in Taschenbuchausgabe erschienen im Goldmann Verlag
ISBN 3-442-45036-5
Preis: 8,50 Euro
PS:Diesen Artikel habe ich auch auf meiner homepage veröffentlicht <= nur falls es jemand entdeckt und mir dann unterstellt,ich hätt mich selbst beklaut! ;-)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-29 20:56:30 mit dem Titel "A Time To Kill" by John Grisham
"A Time To Kill" by John Grisham
***Kontext***
John Grisham ist der einzige Autor,den ich ausschließlich im englischsprachigen Original lese und daher soll es auch hier nun um die englische Ausgabe gehen und so werde ich den Inhalt gleich auch auf Englisch zusammenfassen.
"A Time To Kill" ist hierzulanden unter dem Titel "Die Jury" bekanntgeworden;die Verfilmung (u.a. mit Sandra Bullock als Ellen Roark) wird wohl einigen geläufig sein.
"A Time To Kill" <- nicht nur inhaltlich,sondern auch sprachlich ein
empfehlenswerter Roman.Wer seine Englischkenntnisse verbessern oder ausbauen möchte,ist mit diesem Werk recht gut bedient.
Es ist kein allzu schwieriges Englisch.Die Sprache ist recht einfach gehalten und ich behaupte nun einfach mal,dass der Englischunterricht Klasse 5-10 ausreicht,um nicht alle 2 Minuten wieder einen Ausdruck nachschlagen zu müssen.
(Ich besuche derzeit die 12.Klasse Gymnasium,habe Englisch-Leistungskurs belegt,dort 9 Punkte (3+),und habe insgesamt vier Wörter im Wörterbuch nachgeguckt.)
***Zum Inhalt***
At the story`s beginning,Tonya Hailey,a 10-year-old black girl,is raped by the two white men Billy Ray Cobb and his friend Peter Willard on her way home.
They injure her badly and afterwards,they throw her over a bridge into a dried-up river bed.
After the girl is found,her parents lay an information against the two white men who are later arrested by Ozzie Walls,the sheriff of Clanton, who is black,too.
In the meantime,Carl Lee Hailey,Tonya`s father,makes inquiries of the young lawyer Jake Brigance about the consequences of murder.
Jake tells him that if the same crime had been done to his daughter,he would have killed the rapers.
Furthermore,Carl Lee asks Jake if he would defend him in case of emergency.
Short time after this conversation,Carl Lee makes the decision to buy himself a gun and two kill the two white men who raped and hurt his little daughter.
When the deputy named Sgt Looney takes Billy Ray and Peter down to court for their hearings,Carl Lee suddenly jumps out of a dark corner and shoots them both down.
The two men are dead at once.The deputy is also injured by a bullet which hit him in his right knee but he survives and even shows understanding for Carl Lee`s behaviour afterwards.
Carl Lee is arrested by Sheriff Walls immediately.
Carl Lee wants Jake Brigance to conduct his defence and the young lawyer agrees.
But it`s a very difficult intention because most of the inhabitants of Clanton are white,and so the members of the jury will also be white.
Jake attempts to move the trial into another federal state where more black inhabitants will be in the jury and perhaps judge in a more fair way.
But his petition is turned down by a judge called Noose.
So Brigance and his assistants Ellen Roark,a law student,and Harry Rex Vonner, one of Jake`s friends,search for incriminating material to expose the prosecutor`s witnesses.
Rufus Buckley,the prosecutor,and his helpers do the same on the other side to proof the non-credibility of the witnesses of the defence.
During the preparations for Carl Lee`s trial,Jake and his colleagues are repeatedly attacked by members of the Ku Klux Clan.
They burn down Jake`s house,attack the husband of his secretary and finally Ellen is also attacked.
At the trial Rufus Buckley demands the death penalty for Carl Lee and tries to convince the jury of his guilt to reach his aim of a death sentence for Carl Lee.
In his pleading Jake Brigance begs the jurors to close their eyes and again tells the whole story of what happened to Carl Lee`s daughter.
He doesn`t leave out anything,he describes the whole act of violence, how the two men raped the little girl, how they injured her after they raped her,how they threw her off the bridge after they had even urinated on her.
At the end,he demands the jurors to imagine that all this happened to a white girl.
The jury is deeply affected by this final speech and the decide to find Carl Lee NOT guilty.
***Fazit***
Einfach empfehlenswert. :-)
Nicht nur die Sprache stimmt,auch die Geschichte.
Hier darf man vielleicht nicht vergessen,dass Rassismus in den Staaten immer noch eine immense Rolle spielt,die Rassentrennung noch nicht allzu lange aufgehoben ist,und dass dieser Roman 1989 von Grisham verfasst wurde,dem Jahr,in dem zum ersten Mal ein Schwarzer zum Gouverneur eines US-Staats gewählt wurde.
Grisham hat in diesem Werk also ein heute wie besonders damals brisantes Thema dargestellt.
Nun ja:zum Glück nimmt die Geschichte im Roman letztendlich eine positive Wendung für die Schwarzen und ich hoffe,dass jeder Leser den Roman als das versteht,was er ist:ein Plädoyer des ausgebildeten Rechtsanwalts Grisham gegen Gewalt und vor allem gegen den Rassismus und nicht für die Selbstjustiz!
Auch heute ist es noch so, dass schwarze Gelegenheitsdiebe in den USA oft härter bestraft werden als weiße Schwerverbrecher ( => wir erinnern uns alle an den Film "American History X");und wer sich hierfür näher interessiert,der findet auch noch genauere Informationen unter http://www.amnesty.ca/library/1999/amr5152.htm (englisch!)
"A Time To Kill" von John Grisham
veröffentlicht bei Arrows
ISBN 0-09-978491-2
19,90DM
(in Deutschland unter dem Titel "Die Jury" bei Heyne erschienen)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-14 23:54:36 mit dem Titel "Frühlings Erwachen" von Frank Wedekind
Dieses Stück von Wedekind haben wir in der 8. oder 9.Klasse im Deutschunterricht besprochen und waren -zum Leidwesen unserer Lehrerin- nicht sonderlich erbaut davon.
Inzwischen ist es mein absolutes "Mutmachstück",wenn ich mich mal wieder in einer der winterüblichen Depriphasen befinde *lach*,auch wenn der Tod eigentlich das zentrale Thema ist,am Schluss steht aber das Leben. (Und ich bin wieder aufgemuntert.)
"Frühlings Erwachen",als "Kindertragödie" gekennzeichnet,könnte ebenso
"Aufklärungsdrama" genannt werden,denn an sexueller Aufklärung hat es 1892;zu diesem Punkt spielt "Frühlings Erwachen";wohl auch gemangelt und diese mangelnde Aufklärung spiegelt sich ebenfalls in "Frühlings Erwachen" wieder.
***Inhalt***
Bei den Protagonisten handelt es sich um die Gymnasiasten Melchior Gabor und Moritz Stiefel nebst Wendla Bergmann und ihren Schulfreunden.
Die jungen Akteure sind allesamt um die 14 Jahre alt,wenig bis gar nicht aufgeklärt und stehen,dem Alter entsprechend,am vAnfang der Pubertät und was das bedeutet,wissen wir ja alle,gell? ;-)
So schreibt Melchior einen Aufsatz an Moritz,in dem er,der diesbezüglich bereits ein etwas fundierteres Wissen besitzt,den ahnungslosen Mitschüler über die,nun ja,zwischengeschlechtlichen Beziehungen aufklärt,und seine Ausführungen zwecks des besseren Verstehens auch noch mit Randzeichnungen versieht.
Auch Wendla wird durch Melchior aufgeklärt,wenn auch eher auf praktische Weise.
Denn Wendla ist auch jetzt noch fest davon überzeugt,dass Babies vom Storch kommen und nur verheirateten Frauen gebracht werden,und so ist es für sie ein unerklärliches Phänomen,dass sie schwanger ist,nachdem es zwischen Melchior und ihr zum Sex gekommen ist.
Wendlas Mutter veranlasst eine Abtreibung und kurz darauf verstirbt Wendla an den ihr verabreichen Abortivmitteln.
Auch Moritz stirbt:er tötet sich selbst,da er den schulischen Anforderungen und dem damit verbundenen Druck seiner Eltern nicht standhalten konnte.
In seinem Zimmer wird Melchiors Aufsatz gefunden und nun wird dieasem die Schuld an Moritz` Suizid gegeben;seine "unflätigen" Worte,die ja eigentlich nichts anderes als die Wahrheit waren,hätten Moritz in den Tod getrieben.
Melchior wird daraufhin von seinen Eltern in eine Erziehungsanstalt gegeben,aus der er jedoch ausbricht.
Als er noch in der Nacht seines Ausbruchs Wendlas Grab besucht,begegnet er auf dem Friedhof dem toten Moritz,der ihn zu sich holen,der ihn also ebenfalls zum Selbstmord verführen möchte.
Jedoch kommt plötzlich ein unbekannter schwartzer Mann hinzu;das Leben,das Gegenstück zum Tod verkörpernden Moritz.
"Du lernst mich nicht kennen,ohne dich mir anzuvertrauen." (S.68,Z.11-12)
Melchior entscheidet sich für ihn.Moritz bleibt alleine auf dem Friedhof zurück.
***Bewertung***
Das Stück zeigt,wie wichtig eine frühzeitige Aufklärung ist und gleichzeitig,wie abenteuerlich das Leben,dem wir vertrauen müssen,ohne jegliche Erfahrung mit ihm zu haben,aber Neugier liegt halt in der Natur des Menschen. :-)
Und mit jedem Male,das ich "Frühlings Erwachen" lese,vertraue ich dem Leben ein bisschen mehr.
Natürlich,dieses Stück spielt Ende des 19.Jh. und die Sprache klingt
entsprechend altmodisch.
Viele der hier verwendeten Begriffe werden heute nicht mehr benutzt,aber im Anhang werden sie nach Seiten- und Zeilenzahl geordnet,erklärt.
Beim ersten Lesen muss man vielleicht ziemlich oft Wörter nachschlagen,aber das zwingt einen dann auch wiederum dazu,sich wirklich mit dem Inhalt zu beschäftigen,und den Text nicht nur zu überfliegen.
Mit 15 war es zwar -noch- nicht ganz so meine Literatur,dafür lese ich es heute immer mal wieder ganz gerne zwischendurch.
erschienen bei Reclam (70 Seiten + Anhang)
ISBN 3-15-007951-9
damals 4DM
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-20 15:09:32 mit dem Titel "Die Mutter" von Petra Hammesfahr
Ich lese genauso gerne wie ich schreibe und es gibt zwei Schriftstellerinnen,von deren Büchern ich nicht genug kriegen kann;eine in der Kategorie "international" und eine "Nationale":bei der "von Welt" handelt es sich um Elizabeth George,aber um die geht es jetzt grad nicht.
Denn die für mich genialste Schriftstellerin unserer Zeit ist eine
Deutsche:Petra Hammesfahr.
Ich habe nie so fesselnde,packende,erschreckende und doch reale Romane
wie von Hammesfahr gelesen.
Und wenn ihre Romane einen parapsychologischen Hintergrund haben,wie "Das Geheimnis der Puppe",machen sie den Leser nachher umso tiefer glauben:es gibt Geister!
Nun ja,heute möchte ich euch Hammesfahr Roman "Die Mutter" vorstellen.
***Inhalt***
Vera Zardiss und ihr Ehemann Jürgen,praktizierender Gynäkologe,erfüllen sich mit der Unterstützung ihrer Eltern den Traum vom Eigenheim auf dem Lande bei Köln,wo sie nun mit eben den Eltern und den beiden Töchtern Anne und Rena wohnen.
Anne war schon immer die Tochter aus behütetem Haus,die man sich
wünscht:intelligent,wohlerzogen,höflich.
Rena war dagegen die kleine Rebellin,die gerne im Gothic-Stil mit ihren
drogenabhängigen Freunden rumhing,auch selber das eine oder andere
Aufputschmittelchen probierte,und ein gewaltiges Problem mit Mathe hatte.
Die Schwierigkeiten in Mathe blieben,alles andere änderte sich nach kurzer Zeit Landleben:Rena entdeckte ihre Leidenschaft für Pferde,gewann neue Freunde und das alte "Gossenleben" blieb zurück.
Auch wenn sie ihre alte Clique regelmäßig in der Schule sah,sie schenkte ihr weiter keine große Beachtung.
Und hier setzt die Geschichte des Buches ein:die Familie lebt längst glücklich auf dem Land und die Vergangenheit wird nur hin und wieder im Rückblick gezeigt.
Doch kurz nach ihren 16. Geburtstag der große Schock:Rena kommt eines Tages nicht vom Reitstall heim.
Was erst nur aussieht wie eine kleine Flucht vor der Mathearbeit,die am nächsten Tag geschrieben wird und wegen der Rena blaumachen wollte,entwickelt sich schnell zum großen Mysterium.
Denn sie kehrt nicht zurück und es gibt Aussagen,dass sie am besagten Abend mit einem grauen Kleinbus vom Reitstall abgeholt worden sei.
Polizeiliche Ermittlungen ergeben,dieser Wagen gehört zu André,einem der Jungs aus Renas alter Clique.Der ist natürlich auch unauffindbar,ebenso wie Nita,die Anführerin der Gruppe.
Während die Polizei an von daheim abgehauene Jugendliche glaubt,ist Vera überzeugt davon,der Besitzer des Reitstalles habe ihre Tochter getötet.
Rena taucht nicht wieder auf;die Familie,insbesondere die verzweifelte
Mutter,zerbricht an ihrem Verschwinden.
Dass ihre geliebte Tochter plötzlich fort ist,zwingt die Eltern außerdem,sich mit ihren eigenen Eltern auseinanderzusetzen und vor allem mit ihrer eigenen Beziehung,die plötzlich doch nicht mehr zu rosig sein scheint.
Eines Tages wird der gesuchte Kleinbus in Frankfurt in einen Autounfall
verwickelt,André kann nichts mehr sagen:sein Kiefer ist zertrümmert und er stirbt auch kurz darauf an seinen schweren Verletzungen.
Die Polizei ermittelt,dass noch zwei weitere Personen im Bus gewesen sein müssen:eine muss Nita gewesen sein,aber Rena kann nicht mit an Bord gewesen sein.
Tests ergeben,dass die Blutflecken im Bus nicht von ihr sein können;sie hat eine andere Blutgruppe.Also wo ist Rena?
Gleichzeitig mit Renas Verschwinden erlitt die Schwester von Udo,einem von Renas neuen "Landfreunden" zusammen mit ihren Kindern einen tödlichen Autounfall.Udo ist total verzweifelt.Hat er etwas mit Renas Verschwinden zu tun?
Plötzlich steht er unter Mordverdacht an Rena.Er gesteht sogar,aber ohne Leiche ist dieses Geständnis gar nichts wert und eine Leiche ist absolut nicht aufzufinden.Und wenn er es war,kann er der Polizei nicht mehr sagen,wo er Rena versteckt hat,denn sein Schwager,der ihm die Schuld am Unfall seiner Frau gibt,läuft Amok,bringt ihn um und verübt selbst anschließend ebenfalls Suizid.Also gab es den Mord an Rena wirklich?
Vera macht mithilfe eines Privatdetektivs Nita in Frankfurt ausfindig.Sie liegt im Krankenhaus,Aids,und kann jeden Tag sterben.
Nitas Mutter veranlasst eine Verlegung nach Köln,wo Vera sie besucht und Nita ihr von Rena erzählt;aber inwiefern kann man einem drogenabhängigen,aidskranken Mädchen glauben?War Rena wirklich mit in Frankfurt?
Oder haben André und Nita sie nur bis zum Bahnhof mitgenommen,wo Renas Rad einige Tage nach ihrem Verschwinden gefunden wurde,und ist Rena dann mit dem Zug nach England,wohin ihr Lieblingspferd am selben Tage verkauft worden war?
Oder war es doch Mord und André und Nita alleine in Frankfurt?
***Bewertung***
Das Buch ist aus der Perspektive von Vera geschrieben und konzentriert sich in erster Linie auf die Gefühle,die in einer Mutter vorgehen,deren Kind plötzlich spurlos verschwunden ist und dessen Verschwinden ihr den Boden unter den Füßen wegzieht.
Diese Empfindungen reichen von allen anderen die Schuld zuschieben über die gesamte Schuld auf sich nehmen bis zum Ignorieren des Verschwindens und dem tiefen Glauben,das Kind plötzlich wieder vor sich stehen zu haben und der Überzeugung,dass das Kind tot sein muss.
Dieser Roman löst Beklemmungen in einem aus:wie würde man selber reagieren?
Man versteht Vera und ihre Verzweiflung,die sich auf den Leser überträgt,und will sie nur noch loswerden,von sich schütteln,hinter sich lassen.
Aber so einfach macht es Petra Hammesfahr ihren Lesern nicht:die Geschichte kommt zu keinem eindeutigen Ende,der Druck ums Herz bleibt.
Seid ihr schon mal nachts bei strömenden Regen eine Landstraße
entlanggefahren,der Scheibenwischer schwenkt nach links und nach rechts,aber es regnet so stark,dass die Tropfen net von der Scheibe weichen und ihr wegen der schlechten Sichtverhältnisse kaum vorwärtskommt und des Gefühl habt,diese Nacht nimmer am Ziel anzukommen?
Dieses Bild hatte ich beim Lesen die ganze Zeit vor Augen;vielleicht auch,weil am Abend von Renas Verschwinden eben solche Wetterverhältnisse herrschten;aber auch,weil alle auf der Stelle treten:alle wollen zu Rena,Rena ist das Ziel,aber keiner kommt weiter und jeder Schritt vorwärts bringt zwei Schritte rückwärts
mit sich.
Ich habe noch nie ein Buch gelesen,das mich so tief berührt und getroffen hat.
Ich glaube,es gibt nichts Schlimmeres,als sein Kind zu verlieren und ich denke,es gibt kein schrecklicheres Buch als "Die Mutter".
Für diesen Roman hätte Petra Hammesfahr mehr verdient als "nur" den
Frauenkrimipreis der Stadt Wiesbaden;warum gibt es keinen Oscar im Bereich "Literatur" anstatt nur beim Film?
***Schlusswort***
Liebe Literaturfreunde,für euch noch einmal zurück zum Anfang meines
Berichts:es ist die beste deutsche Schriftstellerin unserer Zeit;die beste,die ich überhaupt je gelesen hab;und ich würde sie auch gerne weiterhin auf den Bestsellerlisten stehen sehen.Also:lest!!
"Die Mutter" (397 Seiten) von Petra Hammesfahr,erschienen bei rororo
(www.rororo.de)
ISBN 3-499-22992-7
9,90 Euro
PS:Am 30.10.02 strahlt die ARD um 20.15Uhr die Verfilmung dieses Romans mit Martina Gedeck in der Rolle Vera Zardiss` aus.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-18 00:30:02 mit dem Titel G.E.Lessing, "Nathan der Weise"
Dieses Stück lesen wir derzeit im Rahmen des Deutsch-Leistungskurses.
Alle seufzen,alle stöhnen,*mich oute*,ich finds schön. :-)
***Zum Inhalt dieses "dramatischen Gedichts in fünf Augzügen" (gleichbedeutend mit "Theaterstück in fünf Akten")***
Ein junger christlicher Tempelherr rettet in der Zeit der Kreuzzüge dessen angenommene Tochter Recha aus dem brennenden Jerusalemer Haus des reichen Juden Nathan,der weithin für seine Weisheit gerühmt wird.
Auch dem jungen Tempelherrn wurde kurz zuvor das Leben ein zweites Mal
geschenkt,in Form einer Begnadigung durch den muslimischen Sultans,die ihn vor der Exekution bewahrte,und die er nur dem Umstand zu verdanken hat,dem verstorbenen,heißgeliebten Bruder des Sultans so sehr zu ähneln.
Jedoch macht der Tempelherr keinen Hehl daraus,dass es ihm lieber gewesen wäre,hätte sich statt Recha eine Christin in den Flammen befunden.
Durch Rechas Gesellschafterin Daja erfährt er,dass Recha von Christen
abstammt,nichtsdestotrotz aber auf jüdische Weise von Nathan erzogen wurde.
Das Unglück nimmt seinen Lauf:der Tempelherr diskutiert den Fall mit dem Patriarchen,der wendet sich an den Sultan und dieser bestellt Nathan daraufhin zu sich und will von ihm,der für seine Weisheit so bekannt ist,wissen,welche der drei Weltreligionen denn die bedeutsamste sei.
Nathan gelingt es jedoch,mithilfe eines Märchens (der berühmten "Ringparabel") diese Fangfrage zu umgehen und dem Sultan zu vermitteln,dass es DIE Religion nicht gibt und die verschiedenen Glaubensrichtungen einander gleichgestellt sind.
Es entsteht eine Freundschaft zwischen dem Sultan und Nathan,der zuletzt aufklärt,wie nicht nur ihre Religionen,sondern auch die Protagonisten dieses Dramas selbst miteinander verbunden sind:so sind der Tempelherr und Recha eigentlich Geschwister und die Kinder von Assad,dem Bruder des Sultans,mit dem der Tempelherr ja soviel Ähnlichkeit besitzt.
Somit sind schließlich alle Glaubensrichtungen vereint.
Der Inhalt soll verdeutlichen,dass die drei Religionen
(Islam,Judentum,Christentum) nicht nur in ihrer Bedeutung einander
gleichgestellt sind,sondern auch alle denselben Ursprung haben.
***Bewertung***
Die Grundidee des Stückes finde ich sehr gut,besonders angesichts der heutigen "Mode" wirklich alles und jeden in bestimmte Schubladen zu stecken und bloß nichts miteinander zu vermischen.
Ich habe es eben auch sehr gerne gelesen,auch wenn die Sprache natürlich etwas älter ist;schließlich handelt es sich bei "Nathen dem Weisen" auch um ein Stück aus dem 18. Jahrhundert.
Allerdings wirkt der Ausgang dieses Dramas;sieht man die Hauptakteure als Menschen und nicht als Darsteller ihrer Religionen;etwas befremdlich und erinnert sehr an das altbewährte Motto "Friede,Freude,Eierkuchen" bzw. an den Inhalt der heutigen TV-Seifenopern.
Alle sind verwandt,alle sind glücklich (hier hat mich besonders erstaunt,dass es dem Tempelherren und Recha gar nichts ausgemacht hat,miteinander verschwistert zu sein,was eine Heirat ja unmöglich hat und von eben einer solchen war kurz zuvor noch die Rede gewesen,da sich zwischen den beiden dann doch tiefere Gefühle entwickelten;kann man Bruderliebe und "richtige" Liebe denn so leicht verwechseln?*wunder*)
Aber wie gesagt:vor dem Hintergrund der Religion gesehen,ist es ein
gelungenes,durchaus verständliches Stück,was sich auch jederzeit einen gewissen Anspruch bewahrt.
"Nathan der Weise" ist im Klett-Verlag für 4,90 Euro erschienen
(Es gibt auch noch eine günstigere Version bei Reclam,für ca.2€,aber in der Klett-Variante werden Fremdwörter in der Fußzeile erklärt und der Anhang ist noch mit weiteren Zusatzmaterialien,Lessing betreffend,ausgestattet,wegen denen sich unser LK dann für Klett entschieden hat;für den "gemeinen" Leser sind diese Infos wohl nicht unbedingt vonnöten,aber jedem,wies ihm beliebt,gell?)
Im Übrigen wird "Nathan der Weise" derzeit auch im Stadttheater Bielefeld auf der Bühne gebracht;recht moderne Inszenierung,sehr gute Schauspieler...
Ich war bei der Premiere;also,ich habe noch nie etwas so Gutes gesehn.Einfach genial!
Also wen das Stück interessiert und wer aus der Gegend kommt:macht mal wieder einen auf Kultur *lach* und geht ins Theater;ich kann es nur empfehlen!
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-22 20:56:50 mit dem Titel Jeffery Deavers` "Schule des Schweigens"
Nach den "Tränen des Teufels" möchte ich heute ein zweites Deaver-Buch
vorstellen,und den dritten Roman aus der Feder Deavers,den ich bislang gelesen habe:"Schule des Schweigens".
***Inhalt***
Drei aus dem Gefängnis ausgebrochene Schwerverbrecher entführen in Kansas den Schulbus einer Gehörlosenschule,in dem sich zu diesem Zeitpunkt acht taube Schülerinnen nebst zwei Lehrerinnen,von denen eine ebenfalls taub ist,befinden,die eigentlich auf dem Weg zu einer Gedichte"lesung" (bzw. "Zeigung") ihrer behinderten Lehrerin Melanie sind.
Nun ja,aus diesem Auftritt wird nun nichts mehr.
Die Ausbrecher verschleppen ihre Geiseln in ein stillgelegtes,altes Schlachthaus am Arkansas River,und verschanzen sich dort.
Das FBI wird eingeschaltet,allen voran Agent Arthur Potter,der Topverhandler der Bundesbehörde,der bereits so einige Verbrecher zum Aufgeben bewegt hat.
In diesem Falle verlangen die Entführer die Erfüllung aller ihrer
Bedingungen,sonst werden sie jede Stunde eine Geisel erschießen.
Nun kommt es zu einem Konflikt zwischen dem FBI und den Landesbehörden von Kansas,denn es sind nur noch 4 Monate bis zur Wahl und so kommt es zu einigen nicht angekündigten Eingriffen in das Vorgehen des FBI,diedie Situation nicht unbedingt entschärfen. :-/
Während der ganzen Bemühungen im Außenbereich des Schlachthauses,entwickelt in dessem Inneren Melanie ungeahnte Kräfte und mausert sich vom schüchternen Angsthasen zur mutigen Heldin,die es sogar schafft,einige der Mädchen aus dem Gebäude zu schleusen.
Aber hauptsächlich konzentriert der Roman sich auf die Unterhaltungen zwischen Arthur Potter und Lou Handy,dem Kopf der Verbrecherbande.
***Bewertung***
Dieser Roman hat mich sehr irritiert,da ich eben bereits die "Tränen des Teufels" und den "Letzten Tanz" von Deaver gelesen hatte.
Und es war bislang immer so,dass es um die Suche nach dem "großen Unbekannten" ging,und man nicht wusste,wer der Böse ist und erst so langsam in das Geschehen eingeführt wurde.
Hier weiß man nun sofort,wer gut und wer böse ist,aber beruhigend:wenn hier am Ende der eigentliche Hintergrund des Ausbruches der drei geklärt wird,dann gibt es doch noch den "großen Bösen im Hintergrund". ;-)
Dieser Roman war für mich sehr atypisch für Deaver,aber wieder einmal ein Meisterwerk!
Man erfährt viel über die taktische Vorgehensweise von Arthur Potter und ich habe vorher nicht gewusst,dass es so viele Splittungen innerhalb der Gehörlosenbewegung gibt,wie sie hier vorgestellt (und vor allem auch erklärt) wurden.
Vom Inhalt her atypisch für Deaver,aber typisch für Deaver:äußerst lesenswert! :-)
"Schule des Schweigens" von Jeffery Deaver (506 Seiten)
erschienen im Goldmann-Verlag für 8,00 Euro
ISBN 3-442-43458-0
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-23 15:40:17 mit dem Titel Stephen King, "Das Spiel"
Mein absoluter Meister:Stephen King! :-)
Ich habe mich entschieden,euch nun euch Stück für Stück,bzw. Roman für Roman,die Werke eines der besten Autoren der Welt vorzustellen.
Ich beginne mit dem "Spiel",das noch eher harmlos ist.*g*
Viele von euch verbinden wohl mehr Horror mit King,aber King hat auch schon so einige Romane vollendet,die wohl eher in das Genre "Psychothriller" gehören.
Wie auch "Das Spiel"
***Inhalt***
Jessie Burlingame ist mit ihrem Mann Gerald für einen Kurztrip in das einsam gelegene,gemeinsame Ferienhaus an einem See in Maine gefahren.
Gerald hat die Marotte,dass er dort gerne kleine Fesselspielchen mit seiner Frau treibt. ;-)
Jessie tut das allerdings nicht so gerne.*g*
Nun sind sie also wieder in ihrem Ferienhaus und Jessie liegt nackt und ans Bett gefesselt auf ihrer Schlafstätte und würde nun aber gerne wieder losgelöst werden.
Da Gerald ihrem Wunsch nach Entfesselung aber nicht nachkommt,weiß sie sich nicht anders zu helfen,als ihn zu treten,und zwar mitten in seine
Weichteile,damit er von ihr ablässt.
Sie trifft so gut,dass er einen Infarkt kriegt,vom Bett purzelt und stirbt.
Nun ja,dann liegt unsere gute Jessie also gefesselt da und kann sich weder selbst befreien noch dass da irgendjemand in der Nähe wäre,der sie aus ihrer misslichen Lage befreien könnte.
Und hier beginnt der Wahnsinn:
Denn stellt euch einmal vor,ihr liegt nackt und gefesselt in einem Bett,nichts zu trinken,nichts zu essen,weit und breit keine Hilfe in Sicht und noch dazu eine Leiche neben euch!
Prickelnd,nicht wahr?
Jessies Überlebenskampf beginnt...
Sie versucht mit allen ihr noch verbliebenen Kräften,sich aus ihrer misslichen Lage zu befreien und,schon fast im Delirium,sieht sie ihr Leben an sich vorbeiziehen.
Plötzlich ist sie wieder ein kleines Kind und sie weiß,irgendetwas war damals mit ihrem Vater,aber WAS ist vorgefallen?
Die totale Erschöpfung löst Halluzinationen bei ihr aus,ihre damalige Lage und ihre jetzige Situation vermischen sich,und um sich letztendlich befreien zu können,muss sie ihre ganze Kindheit noch einmal vor ihrem inneren Auge erleben... :-/
Wenig lecker:als ein ausgehungerter Streuner durch die Hintertür ins Haus eindringt und als er realisiert,dass Jessie nicht länger zur Gegenwehr fähig ist,er die Leiche von Gerald Stück für Stück auffrisst.Bah!
***Bewertung***
Dieser Roman ist nichts für Leute,die auf besondere Action stehen.
King konzentriert sich auf die Reflektion von Jessies Kindheit.Jessies jetziger Überlebenskampf dient ihm eher als Rahmen,ihre Lebensgeschichte zu verpacken.
"Das Spiel" meint weniger die Fesselspiele zwischen Gerald und Jessie,als das Spiel mit Jessies Psyche,das hier getrieben wird.
Wer Kings "Dolores" vielleicht schon gelesen und auch gemocht hat,dem wird auch dieses Buch gefallen.
Wie zu Anfang bereits erwähnt:dies ist ein Psychotriller;kein blutrünstiger Horrorroman!
"Das Spiel" von Stephen King (412 Seiten)
erschienen bei Heyne Bücher für damals 14,90DM
ISBN 3-453-08824-7
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-23 22:43:54 mit dem Titel Stephen King, "Stark - The dark half"
Eines der absolut besten Bücher Stephen Kings!!
***Inhalt***
Thad Beaumont ist Schriftsteller,der mit seiner Romanserie um den Helden George Stark große Erfolge gefeiert hat.
Nun will sich Beaumont von Stark loslösen,da er auch einmal in andere
Literaturformen vordringen und nicht nur auf das Horrorgenre reduziert werden will.
Also lässt er George Stark in der letzten Folge seiner Stark-Saga sterben,aber Stark lebt!
Und will auch weiterhin am Leben bleiben.
Plötzlich werden die Menschen in Beaumonts Umfeld,insbesondere die,mit denen er beruflich in Verbindung stand,umgebracht;Beaumont schreibt Dinge,die nicht von ihm kommen...
Und alle Morde scheinen erwiesenermaßen von Beaumont begangen worden zu
sein,dummerweise hat der aber immer ein absolut wasserdichtes Alibi,auch wenn beispielsweise seine Fingerabdrücke eindeutig identifiziert worden sind.
Beaumont und Stark scheinen die gleiche,wenn auch nicht dieselbe Person zu sein.
Aber was hat es mit Starks Existenz zu tun?
Diese Frage wird zwar relativ bald geklärt,aber fraglich ist weiterhin,wie George Stark aufgehalten werden kann.
Die Situation spitzt sich immer zu:Stark wütet weiter,plötzlich sind alle Menschen in Beaumonts Umfeld in Gefahr,und es gibt keine logische Erklärung für das Geschehen.
Muss Thad Beaumont George Stark wieder auferstehen lassen und weiterhin
Geschichten um seine Person kreieren,oder gelingt es letztendlich doch,ihn endgültig von der Bildfläche verschwinden zu lassen?
Oder mutiert Beaumont womöglich noch zu seiner eigenen Romanfigur?
***Bewertung***
Ich könnte noch viel mehr sagen,aber ich tus nicht! :-)
Denn dieses Buch ist so großartig,ich will ja nichts vorwegnehmen.Dieses Buch muss man gelesen und nicht erzählt bekommen haben! ;-)
Dieser Roman ist typisch für den Horrorautor King und man sollte etwas aushalten können,wenn man sich auf diese Story einlässt.
Denn es werden so einige Morde begangen und diese verlaufen auch nicht unbedingt unblutig und King beschreibt sie auch noch in ihrer ganzen Blutrünstigkeit.
So wird zum Beispiel jemand umgebracht und Stephen King scheut sich nicht davor,genau zu beschreiben,wie Stark die Genitalien des Mannes abgeschnitten und in welcher Anordnung er sie an die Wand geheftet hat.
King lässt bis zum Schluss alle Möglichkeiten offen und grade das macht dieses Werk auch so ungemein spannend,aber wie gesagt:nichts für kleine Kinder und sensible Nerven! ;-)
Ansonsten wünsche ich viel Spaß beim Lesen!
"Stark - The dark half" von Stephen King (522 Seiten)
erschienen bei Heyne Bücher für damals 16,90DM
ISBN 3-453-04880-6 weiterlesen schließen -
*Der Gott der Kleinen Dinge* ganz groß
Pro:
fesselnd, sprachlich perfekt bebildert, spannend, real
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
They all crossed into forbidden territory.
They all tampered with the laws that lay down who should be loved, and how.
And how much.
Besser kann man es nicht ausdrücken.
Das Buch an sich hat als Erstlingswerk von Arundhati Roy den Booker Prize erhalten und viel Aufsehen erregt:
´Ein weiblicher Rushdie am Firmament.`
Neue Züricher Zeitung
´It is rare to find a book that so effectively cuts through the clothes of nationality, caste and religion to reveal the bare bones of humanity. A sensational novel.`
Daily Telegraph
Es entfaltet sich die atemberaubende und schillernde Geschichte (im wahrsten Sinne) einer Familie, die an verbotener Liebe zerbricht.
Viel beschworen ist der Beginn des Romans; ein himmelblauer Plymouth fährt an einem klaren Dezembermorgen des Jahres 1969 durch die Reisfelder des südindischen Kerala... Wenig später wohnt der Leser einer Beerdigung bei, einem Kinofilm, einer Willkommensfeier... den Ereignissen im Leben derer von nebenan ... die unscheinbaren Gemüter, aus deren Erlebnissen sich plötzlich eine Geschichte spinnt.
Den Inhalt des Buches kann man nicht zusammenfassen, ohne das man die Spannung nimmt...
Es geht um ein Geschwisterpaar, das die Tragodie seiner Mutter in Gang setzt - unabsichtlich, mit "Hilfe" der englischen Cousine, die auf Besuch nach Indien kommt in ihren gelben Schlaghosen, und die Indien nicht wieder verlassen wird...
...das Geschwisterpaar, das die verborgenen Rachegelueste der erzkonservativen, in einer Welt aus Tradition und Selbstverleumdung gefangenen Verwandten ans Licht bringt...
... eine Pickles- und Konservenfabrik, die langsam den Bach hinunter geht und die Familie ruiniert....
... ein Geschwisterpaar, das - fuer Jahre auseinandergerissen - eindlich wieder zusammenfindet und mit der einen Vergangenheit abschliessen kann...
....mehr soll nicht verraten werden....
Arundhati Roy selbst orientierte sich an den Kathakali-Tänzen, bei denen das Ende am Anfang steht, und sich danach die Geschichte entfaltet...
Das heißt nicht nur, dass es eine ganze Portion Aufmerksamkeit und Konzentration fordert, um einen Weg durch den Roman zu finden, sondern auch den Mut, sich einer komplexen Kultur anzunehmen... Das Buch ist gespickt mit Aufmerksamkeiten für die kleinen Dinge, für - man kann schon fast sagen - Nebensächlichkeiten, und genau die sind es, die ein vollständiges Bild eines Landes zu zeichnen versuchen, in dem es vor Gegensätzlichkeiten kein Entkommen gibt. ...
Immer wieder ist das Buch von Leitmotiven durchzogen.
Einer Plastikuhr mit aufgemalter Zeit.
Einem Zwillingspaar, das gegenseitig Gedanken lesen kann.
Einem auf dem Kopf stehenden Lächeln.
Einem Falter mit dichtgeschuppten Flügeln.
Einer vertrockneten Rose im Wind.
und dem Satz:
... laws that lay down who should be loved, and how. And how much...
Sie tauchen an den verschiedensten Stellen wieder auf und führen den Lauf der Dinge fort - in einem kleinen südindischen Dorf namens Ayemenem. Viele der Bemerkungen ergeben sich erst am Schluss, wenn Roy die einzelnen Handlungsstränge zusammenführt.
>A masterpiece, utterly exceptional in every way.<
(Harpers & Queen)
Die Sprache ist sehr bildgewaltig - Betonung auf Gewalt. Es wimmelt vor Metaphern und Symbolen, am Ende fragt man sich, wie ein Buch wie diese ohne diese rhetorischen Mittel auskommen könnte.
Es könnte nicht.
Eingeflochten in die indische Geschichte (kommunistische Bewegung im südindischen Vorzeige-Staat Kerala) und voller Kultur steckt das Buch.
Die Charaktere sind glaubhaft und Sinnbild für die Menschheit.
In den Hauptrollen:
Geschwisterliebe.
Eifersucht.
Tugendhaftige Hingabe an die alten Traditionen.
Mitleid.
Versuchung.
Machtgier.
Verlogenheit.
Verstocktheit.
Aufrichtigkeit,
und ganz besonders:
Opferbereitschaft für die Hauptperson: Liebe.
Gänzlich ohne Kitsch (unglaublich aber wahr) sondern mit erstaunlichen Verweisen auf Kultur, das Indisch-Englische Verhältnis und Traditionen bleibt am Ende von den verschiedensten Lebensläufen, die im Buch ausgeführt werden, nur noch dieses eine Grundthema übrig, an dem (wie eingangs erwähnt) alle scheitern.
Alle - und das ist das erstaunliche.
Sie tun es auf unterschiedliche Weisen, doch schlussendlich wird eine ganze Familie wörtlich ausgelöscht beziehungsweise zerstört - nur durch die Liebe zweier Menschen... und im Prinzip nicht einmal dadurch, sondern durch die Reaktionen.
Das Umfeld. Die Gesellschaft. - wie immer stellen beide das entscheidende Moment dar.
´Heartbreaking and indelible`
(New York Times)
...und das ist das Problem: Wenn man sich mit Indern unterhält, die in ländlichen Gebieten wohnen, und selbst in Großstädten (was angesichts des Buches niederschmetternd ist), so kann man unschwer erkennen, dass sich nichts geändert hat. Vielleicht liegt darin die eigentliche Tragik des Buches.
Aber wie gesagt: Kein Kitsch. Aber mit viel Gefühl.
Wie ich waehrend meines noch andauernden Aufenthalts in Indien immer wieder erfahre, hat das Buch nicht an Aktualitaet verloren. Das ist leicht gesagt und laesst eine Rezension viel besser klingen, doch in diesem Falle steht fest:
Hat man sich mit dem dichtgeflochtenen Netz aus Traditionen in Indien einmal naeher beschaeftigt, wird man feststellen, dass sich die Menschen auch heute schwer von genau den strengen Konventionen loesen koennen, die in diesem Buch beschrieben werden. Dabei findet die Handlung in den 60ern statt. Man muesst davon ausgehen, dass sich seitdem einiges geaendert hat...
Die Menschen werden meist noch immer von der Idee geleitet, ihr Leben auf die Gesellschaft abstimmen zu muessen. Dies laesst sie nicht nur einen Teil ihrer eigenen Identitaet verlieren, sondern - wie Roy beschreibt - ist auch notwendig, um das Zusammenleben in einer Gemeinde zu ermoeglichen.
In diesem Sinne wuerde ich dieses Buch dringendst als Reiselektuere empfehlen, um sich auf die Atmosphaere in Indien vorzubereiten, wenn dies denn ueberhaupt moeglich ist.
Ebenfalls erhältlich sind Audiobooks zu "Der Gott der kleinen Dinge" aus dem Hörverlag. Sie sind von sehr guter Qualität, auch wenn der Roman gekürzt worden ist.
Wenn man zuerst das Buch liest und sich später auf die Kassetten konzentriert, fallen einem auch nach langem Intervall die fehlenden Stellen auf - ein Beweis dafür, dass es sich wirklich um ein tiefgehendes Buch handelt.
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Nachtrag
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Mensch, da hat die Hälfte des Beitrages gefehlt und keiner hats gemerkt, am wenigsten ich. Schwein gehabt, Nosianai!!
(c) 2001/2002 Nosianai
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-15 12:51:33 mit dem Titel Arme Irre in *Liebesleben* (Zeruya Shalev)
Zeruya Shalev "Liebesleben"
Bereits als ich noch in den ersten Kapiteln herumstocherte, wusste ich: darüber musst du einen Bericht schreiben! Und jetzt - gerade mal eine Stunde, nachdem ich die letzte Seite des Buches durchforstet habe, fällt mir vor Schreck kein passendes Wort für diesen Roman ein.
Außer vielleicht: Anders.
Über die Autorin...
hatte ich bis zu dem Moment noch nie etwas gehört, als ich mir das Taschenbuch von der Auslage in der Bücherrei grabschte, weil mir das Cover irgendwie bekannt vorkam - und der ein oder andere weiß aus anderen Buchvorstellungen vielleicht schon, dass ich einer gut gemachten Umschlaggestaltung sekundenschnell verfallen bin.
Zeruya Shalev, geboren im Kibbuz Kinneret 1959, hat Bibelwissenschaften studiert, was sich auch - zumindest wenn man's weiß - in ihrem Roman niederschlägt, denn die Gedanken der Personen werden immer durch irgendwelche Geschichten aus heiligen Schriften gelenkt. Ungefähr so als wenn einer Andersen liest und sein Leben mit dem der Schneekönigin vergleicht - also nichts überhebliches oder abwegiges.
Solche Anspielungen sind für den Laien, der die Bibel nur aufklappt, um das hauchdünne Papier zu bestaunen, auf dem sie gedruckt ist, eher unverständlich - aber für solche Leute hat Zeruya Shalev jede einzelne der Geschichten zumindest oberflächlich erklärt.
Der Durchbruch gelang Shalev mit eben diesem Roman. Ein weiterer, "Mann und Frau", erschien in der Zwischenzeit im Berlin Verlag und ist - gemessen an "Liebesleben" - wohl auch wert gelesen zu werden.
Plot
Ja'ara, deren Alter wir im ganzen Roman nie genau erfahren, ist Dozentin an der Uni und bereits fünf Jahre mit dem *schafsgesichtigen Joni* verheiratet ist, begegnet zufällig einem alten Freund ihres Vaters: Arie.
Dunkelhäutig, ergraut, mit faltiger Haut und barsch - so steht sie ihm zum ersten Mal gegenüber und ist ihm auch schon verfallen, wofür sie auf den folgenden 368 Seiten alle ihre Prinzipien über Bord wirft: ihre Ehe, ihre Vorstellung von Treue und Anstand, ihr Studium - einfach alles.
Und dann ist es Sache des Lesers, sich in die gewundenen Gedanken von Ja'ara hineinzuzwängen und ihr auf Schritt und Tritt durch ihr Leben zu folgen, das Seite für Seite mehr und mehr in sich zusammenfällt.
Wieso lesen?
Sicherlich nicht, weil Reich-Ranicki, der selbsternannte Kritikergott, über dieses Buch sagte, es zähle überhaupt zu dem Besten, was er in den letzten Jahren gelesen hat. Erinnert man sich dunkel daran, dass er auch die Fantasien einer gewissen Französin Cathrine für lesenswert erachtete, sagt diese Einschätzung noch nicht viel aus.
Und auch die Kurzkritiken auf der Rückseite des Einbandes sind eher differenziert. Wo Hellmuth Karasek (wer auch immer das ist) das Buch noch schlichtweg als "hocherotisch" bezeichnet, nennt es Batya Gur (selbiges Kommentar in Klammern) bereits "schön und mutig".
Am zutreffendsten jedoch ein Zitat der ZEIT:
"Zeruya Shalev redet und überredet, blufft und verblüfft und lässt uns am Ende doch ungläubig darüber staunen, wie rein und sauber die Luft ist nach einem solchen Erzählgewitter."
Zutreffend.
---Die Kunst des Erzählens---
beherrscht Zeruya einwandfrei. Zugegeben, es gibt da ein paar Dinge an Büchern, die bringen mich dazu, die noch so heiß begehrte Schwarte in die Ecke zu pfeffern, auf dass sie dort über die Zeit von alleine recycelt werde. Als da wären:
--- fehlende Anführungszeichen ---
Wenn Nosianai nicht weiß, was nun genau wörtliche Rede ist, weil die zwei heißbegehrten Gänsefüßchen fehlen, um den Schwank einzuleiten, und zwei weitere paar Füße, um sie wieder ausklingen zu lassen, dann wird sie nervös und mag nicht weiterlesen.
In Gedanken noch kräftig schwadronierend, bemerkt Nosianai gewöhnlich erst viel später, dass der Protagonist schon lange die Klappe hält und in Wirklichkeit der Erzähler das Ruder wieder fest in der Hand hält.
Mindestens genau so schlimm:
--- Alles hat ein Ende nur der Abschnitt nicht! ---
Nosianai braucht Denkpausen. Punkt. Komma. Absatz. Ohne is nich. Die Unendliche Geschichte war ein feiner Film, lässt sich aber nur sehr schwer auf Sätze übertragen, und auf Absätze, die heimlichen Liebhaber Nosianai's Leserhoffnungen, schon gar nicht.
Auch nicht zu verachten ist folgendes Manko:
--- Kein Land in Sicht! ---
Das Kapitel will und will einfach nicht aufhören. Und mitten im Kapitel hört Nosianai nicht auf zu lesen. Und wenn das Kapitel endlich mal zu Ende ist, dann versteht Nosianai nicht, warum das so ist. Warum hat der Autor ohne ersichtlichen Grund hier aufgehört und auf einer neuen Seite weitergeschrieben? Musste er auf's Klo und hatte vergessen, was er schreiben wollte?
Fazit: Solche Bücher, in denen diese drei Schwerverbrechen gnadenlos begangen wurden, finden keinen Weg in Nosianai's Regal.
Wie kommt es also, dass Zeruya ohne mit der Wimper zu zucken alle diese Dinge in ihrem Roman verwirklicht hat? Sozusagen: Das Grauen der Nosianai auf 368 Seiten, und ich habe alle gelesen!
Shalev beginnt einen Satz, und wenn ihr danach ist, setzt sie nach einer Ewigkeit einen Punkt. Regeln gibt es dabei keine. Um mal ein Beispiel dafür zu liefern:
"Im Autobus versuchte ich, eine Ausrede zu finden, aber es gelang mir nicht, mich zu konzentrieren, so sehr wunderte ich mich plötzlich über seine Verstrickung in mein Leben, ich empfand sogar Zorn, mit welchem Recht hatte er sich aufgeregt, wer hatte ihm erlaubt, sich aufzuregen, als ich damals in einem durchsichtigen Käfig lag, und warum hatte er sich so aufgeregt, als ich beboren wurde, und war jetzt so gleichgültig, schade, dass es nicht umgekehrt sein konnte, und warum hatte er von einer Freundin gesprochen statt von einem Freund, schließlich bestand zwischen meiner Mutter und ihm eine offene Feindschaft, und ich war so versunken in meine Gedanken, dass ich kaum merkte, dass ich bereits die Rolltreppe der Universität hinauffuhr und neben mir, auf der Rolltreppe abwärts, der Kopf des Dekans auftauchte, der in ein lebhaftes Gespräch mit seiner Assistentin vertieft war, und ich kämpfte mit mir, ob ich ihm folgen sollte, aber ich hatte keine Kraft, ich war an diesem Tag schon so viel gerannt, deshalb beschloss ich, ihm einen schönen Entschuldigungsbrief mit einer überzeugenden Ausrede zu schreiben."
Ganz recht: Das war EIN Satz. Nur einer. Und zwar einer von vielen in Zeruyas Roman.
Dabei hätte man sehr viele Punkte setzen können. Einfach mal ein Satzende - zur Abwechslung. Das Problem an diesen Sätzen ist: Pausen macht man erst, wenn sie zu Ende sind. Und ohne Punkt liest man einfach weiter. Kurze Verschnaufpause beim Komma, dann geht's weiter. So kommt man beim Lesen außer Atem und liest immer schneller, weil man ja eigentlich gewohnt ist, einen Punkt zu sehen.
Als ich das Buch begann, hatte ich deshalb meine kleinen Problemchen mit der Sprache, aber hat man sich erst einmal daran gewöhnt, dass die Satzpunkte im ganzen Roman auf eine zweistellige Zahl reduzierbar sind, dann besitzen diese Sätze sogar einen besonderen Reiz, denn sie entwickeln Tempo.
Nicht inhaltlich, sondern durch diesen simplen Trick, täuscht Shalev Tempo in ihrer Erzählung vor. Man glaubt im Lesestress zu sein und dass viele Dinge in kurzer Zeit Schlag auf Schlag passieren, was allerdings bei näherer Betrachtung nicht der Fall ist.
Außerdem gibt es in Shalevs Roman nur 13 Kapitel, bei denen es mir nicht gelingen konnte, diese Kapitel zu inhaltlichen Bündeln zu verbinden. Sie hört einfach mitten im Satz (haha) auf, schreibt eine neue Kapitelzahl hin und beginnt wieder von vorn. Szenenwechsel, Zeitwechsel, Gedankenwechsel, das alles ist nicht notwendig, und das einzige System, das mir auffiel: Ja'ara schläft ein und wacht auf. Und während sie schläft, endet ein Kapitel. Das ist allerdings nicht zwingend, denn die erzählte Zeit umfasst nicht nur 13 Tage sondern schätzungsweise 3 Monate. Darüber lässt uns die Autorin im Dunkeln.
---Sprachbesonderheiten---
Neben dem trügerischen Tempo ist es vor allem eines, das den geneigten Leser in Ja'aras Bann zieht: Die einfache Sprache. Kein Wort, dass uns nicht genauso eingefallen wäre. Jeder Satz, auch wenn er kein Ende zu haben scheint, ist einfach gestrickt.
Subjekt. Prädikat. Objekt.
Und alles, was passiert, passiert zuerst in Ja'aras Kopf. Denn sie ist die Ich-Erzählerin des Romans. Ihre Gedankengänge sind so verworren, dass man sich an den Kopf greift und sich fragt: Wie kann ein Mensch nur zwei Fehler machen, wo doch nur einer möglich ist?
Oder: Warum denkt diese Frau von hinten nach vorn?
Mehr als einmal habe ich mich dabei erwischt, wie ich der Protagonistin am liebsten eine geklatscht hätte, obwohl ich mich normalerweise nicht so mitreißen lasse. Aber dadurch, dass alles, was passiert, greifbar ist, befindet sich der Leser in der "Das könnte mir auch so gehen"-Situation.
---Ja'ara---
Einmal abgesehen davon, dass ich den Namen so schön finde, möchte ich trotzdem noch ein Kapitel der Protagonistin widmen.
Über ihr Aussehen erfahren wir nicht viel. Ihren Mann bezeichnet sie als schafsgesichtig. Die meisten Adjektive für das Aussehen eines Menschen widmet sie Arie, dem tyrannsichen Egozentriker, dem sie blind folgt.
Sie ist verlogen, als sie den Tod des Katers ihrer besten Freundin erwirkt und sich später sogar mit der Freundin auf die Suche macht, um den Kater zu suchen.
Sie ist masochistisch, wie sie sich von Arie auf immer neue Weise demütigen lässt und die Finger trotzdem nicht von ihm lassen kann.
Sie ist nachlässig, wie sie ihre ganzes Leben nur einem alten Mann widmet, und man sie in der ganzen Zeit nur dann mit der Uni beschäftigt sieht, wenn sie gerade eine Verabredung mit dem Dekan platzen lässt.
Sie ist naiv, wie sie die Gönnerschaft, die sie genießt, verwelken lässt und andererseits alles daran setzt, von einer Person wahrgenommen zu werden: Ob das ihre gefühlskalte Mutter ist, der Vater, zu dem mir keine Beschreibung einfällt, so wie Ja'ara auch keine einfällt, ihr liebenswert-trottelige Mann oder Arie.
Sie hat ein gnadenlos gutes Talent für eine schlechtes Timing und die Eigenart, allen vor den Kopf zu stoßen, wenn sie es am wenigsten beabsichtigt.
Und sie ist eine begnadete Erzählerin. Und die Erotik, die der mir unbekannte Hellmuth Karasek so beschwört, findet sich meines Erachtens in den allglatten Szenen, in denen Ja'ara ihre seltsamen Monologe über "Wenn und Aber" führt und sich nach präzisem Abwägen aller Möglichkeiten für den dümmsten Weg entscheidet.
(Und wer Cathrine Millet auf Hebräisch erwartet, wird enttäuscht sein: Solche Schilderungen finden sich in dem Buch nicht, und sind auch betont unerotisch. Im Vergleich dazu ist Sex in der BlitzIllu noch schillernder. Und das ist gut so. Denn das Buch "Liebesleben" hat am wenigsten etwas damit zu tun, sondern zeigt nur Ja'ara, die, anstatt den unbeschwerten Weg in Aries Bett zu finden, worin unverblümt ihr Anliegen besteht, am Ende doch nur den reichlich steinigen Weg zu sich selbst findet.
Und anders als in den pseudophilosophischen Schriften von beispielsweise Oscar Wilde, macht Selbsterkenntnis in diesem Buch sogar richtig Spaß.)
--- Die 15 Punkte textbezogener Interpretation... ---
lasse ich an dieser Stelle weg und fasse meine Meinung über dieses Buch mit einem einzigen Satz zusammen (selten genug für Nosianai) und scheue mich auch nicht vor einem plumpen Werbeversuch:
Muss man gelesen haben!
Viel Spaß und: langsam lesen!
Nosianai
(c) 05/2002 weiterlesen schließen -
DIANA GABALDON: der magische Steinkreis. Kompendium zur Highland-Saga.
19.09.2002, 12:28 Uhr von
liskailonka
Meine Berichte findet man auf vielen Plattformen unter vielen Namen.Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Diana Gabaldon gewährt uns einen tiefen Einblick in ihr Autorenhirn und erläutert Hintergründe, Zusammenhänge, Fußnoten und so mehr in diesem Kompendium zur Highland-Saga; die ich übrigens auch dringend empfehlen möchte.
Auf dieses Kompendium hat jeder Fan gewartet und auch ich habe es förmlich verschlungen als ich es endlich bei www.bol.de bestellen konnte. Jeder der die 4 vorangehende Romane von Diana Gabaldon gelesen hat, wird mittlerweile genauso süchtig sein nach dieser Autorin wie ich. Deshalb war ich auch komplett aus dem Häuschen als irgendwo eine Pressemitteilung über ein kommendes Kompendium erschien.
Von dieses Buch hatte ich mir einiges erwartet und ich bin mehr als befriedigt nach dem ich es nun endlich gelesen habe. Auch wenn es kein Roman ist; das Buch ist genauso spannend und voller Witz und Humor wie die komplette Highland-Saga. Alle Fragen die in mir aufkamen, während ich die 4 Romane las, wurden in diesem Kompendium beantwortet und ich konnte sogar Leseproben finden für Teil 5 und 6 der Highland-Saga (die in Deutschland noch nicht veröffentlicht wurden).
Leseprobe 1.
Entnommen von Seite 32.
>>Stört es dich, dass ich keine Jungfrau bin?>Tja, nein>Ich schätze, wir sollten wissen, was wir tun>Wenn ich meine Post lese, dann glaube ich manchmal, dass ich keine Romane schreibe, sondern Rorschachtests.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-19 10:28:41 mit dem Titel Die Seherin von Avignon, Jeann Kalogridis.
vor einiger Zeit hatte ich mal wieder genug Webmiles auf meinem Konto, um mir etwas Nettes aussuchen zu können und dabei fiel dann meine Wahl auf dieses Buch.
***** DIE AUTORIN *****
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Jeanne Kalogridis; eine für mich bislang unbekannte Autorin, wuchs auf in Florida, Usa. Sie studierte dort amerikanische Literatur und Russisch. Danach arbeitete sie acht Jahre als Lehrerin in Washington D.C. und unterrichtete dort Englisch. Erst danach fing sie an Bücher zu schreiben; Bis jetzt schrieb sie fünf Bücher. Erst drei Scifi-Romane, dann ein Gruselroman und schließlich dieses Buch: "Die Seherin von Avignon".
Wer die Autorin kennenlernen möchte, dem kann ich ein Interview anbieten, das durchaus lesenswert ist auf der Seite: http://www.blickpunkt.net/report/kalogridis.html
***** DIE GESCHICHTE *****
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Frankreich im Jahre 1357. Überall lodern die Scheiterhäufe und die Folterknechte gehen ihre Arbeit nach; die Inquisition hat Einzug gehalten.
Die Geschichte "der Seherin von Avignon" spielt in dieser dunklen Epoche Frankreichs und Hauptschauspielplätze sind Carcassonne, Toulouse und eben Avignon; zu dem Zeitpunkt das Mittelpunkt der christlichen Kirche und Papstsitz. Leider gibt es neben der christlichen Kirche zu diesem zeitpunkt noch eine zweite Glaubensrichtung und so ist der, altrömische, Dianakult sehr beliebt. Natürlich sind die Anhänger davon beliebte Brandopfer für die allgegenwärtigen Inquisition.
In den Kerkern von Carcassonne treffen wir auf dem jungen Schreiber, und Dominikanermönch, Michelle. Er soll die dort gefangengehalten und der Gotteslästerei und Hexerei beschuldigte Äbtissin Marie Francois, ein geständnis abzwingen; sie gesteht aber nichts, erzählt dafür den jungen Mönch ihre komplette Lebensgeschichte.
Sie erzählt von ihrer Kindheit in Toulouse, als ihr weltlicher Name noch Marie Sybille war und erzählt dem Mönch von den Visonen die sie als Kind schon hatte. Auch erzählt sie ihm von ihrer geliebten Großmutter, die sie unterrichtete in Natürheilkunde und das Wissen über die Kräuter. Die Großmutter war fervente Anhängerin des Dianakults und so wurde auch Sybille darin unterrichtet.
Auch die Großmutter hat Visionen; sie sieht darin das ihre Enkelin einst eine große Seherin, Priesterin und Heilerin werden wird, aber das der Weg dorthin dunkel und schwer sein wird. Die Großmutter fällt der Inquisition zum Opfer und Sybille muß sich mitansehen, wie ihre Großmutter verbrannt wird.
Jetzt muß Sybille Entscheidungen treffen; tagelang schwirrt sie umher und traut sich nicht nach Haus, wegen den Schergen der Inquisiton. Auf ihre Wanderung wird sie durch Räuber überwältigt, schließlich aber gerettet und landet in einem Franziskanerkloster, wo sie unterrichtet wird; sie bleibt ein paar Jahre bei den Nonnen und lernt dort Lesen, Schreiben und auch vieles über Medizin.
Über die Jahre hat Sybille immer wieder Visionen von Flammen, Scheiterhaufen und von einem unbekannten, aber übermächtigen Feind. Gleichzeitig setzt sie ihre Heilkünste und -kräfte ein und wird dadurch von den Leuten als lebende Heilige verehrt; dies ist der Kirche ein Dorn im Auge und fürchtet sich für Sybille, die jetzt Äbtissin Marie Francois ist, und will an ihr ein Exempel statuieren. Sie wird verhaftet und in den Kerkern von Carcassonne geworfen.
Michelle, der Mönch, hat sich die atemberaubende Lebensbeichte von Marie Francois angehört und aufgeschrieben; er zweifelt immer mehr an die Anschuldigungen gegen Marie Francois. Nur noch wenige Stunden, dann wird der Scheiterhaufen für Marie Francios lodern. Die Priester der Inquisition verlegen die Vollstreckung des Urteils in die frühen Morgenstunden, weil sie Unruhe beim Volk vermeiden wollen. Wird es Michel gelingen Marie Sybille vor den Flammen zu retten?
***** MEINE MEINUNG *****
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Nur ganze 448 Seiten wurden benötigt um diese, sehr interessante, Geschichte zu Papier zu bringen und das ist wirklich sehr schade; die Geschichte hat dadurch an Substanz verloren. Kaum Tiefgang und es wird über vieles nur schnell hinweg geschrieben.
Hier wird viel Wert darauf gelegt mir den Roman als "historischen Roman" schmackhaft zu machen, aber es werden zuviele phantastische Elemente eingestreut; Dianakult, Zauberei, schwarze Magie, Schutzamulette und so recht kann ich die Historie, die Geschichte nicht darin erkennen.
Der Roman ist gut, ohne Zweifel, und hier und da kann man das Genre (Historischer Roman) auch erkennen, aber es wird zuviel drumrum geschrieben und so gibt es ganze Passagen, wo man sich in einem fantastischen Roman von Marion Zimmer Bradley befinden könnte. Der Roman ist weder historisch, noch komplett fantastisch und der Autorin ist der Mix der beiden Genren ganz gut gelungen, obwohl ich mir etwas anderes bei dem Buch vorgestellt hatte.
Das Buch ist empfehlenswert; trotz manch langatmige Phasen, eine recht vorhersehbaren Verlauf der Geschichte und ein ebenso vorhersehbares Ende. trotzdem muß ich auch etwas Negatives loswerden: korrekt recherchierte Mittelalterromane stellen, wie auch dieses Buch, oft die dunkele und grauenvolle Seite dieser Epoche in den Vordergrund. So kann sich der Leser, noch ehe die Hälfte der Seiten um ist, auf eine detaillierte Folterungsszene, 2-3 Menschenverbrennungen, eine fast tödliche Hausgeburt und die ausführlich beschriebene Verwüstung des Landes durch die Pest erfreuen - der Krieg folgt dann später. Da kommt doch gelegentlich die Frage auf, ob man nicht eigentlich ein Buch zu Hand genommen hat, um sich nett zu unterhalten......
***** BUCHDATEN *****
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* Die Seherin von Avignon, Jeanne Kalogridis
( The Burning Times)
* Aus dem Amerikanischen von Marion Balkenhol, Ullstein Verlag.
* Gebundene Hardcoverversion mit Schutzumschlag € 17.
Meine Berichte erscheinen auch bei CIAO & DOOYOO. weiterlesen schließen -
Grisham, John: Die Farm
02.09.2002, 19:06 Uhr von
Kunigunde
Ich habe unter den Nicks: Annabelle (dooyoo) und Boppa (ciao) meine hier veröffentlichten Beiträg...Pro:
ein ganz anderer Grisham und doch so gut
Kontra:
keine
Empfehlung:
Nein
Ich war auf dem Weg zu einem Treffen mit einer Freundin, jedoch mal wieder viel zu früh dran. Ich hatte alles erledigt, was ich mir vorgenommen hatte und nur so herumzutrödeln liegt mir nicht. Also führte mich mein Weg schnurstracks in den nächsten Buchladen, auf der Suche nach etwas, dass mir die Zeit vertreiben sollte. Ohne lange zu überlegen, griff ich zum neuen Grisham, zahlte und ging. Von ihm hatte ich schon lange nichts mehr gelesen, also kam es mir gerade recht und es sollte auch eine etwas anders gelagerte Geschichte sein, als man sie von ihm gewohnt ist.
Was soll ich sagen, die Zeit hat es mir vertrieben und eigentlich hätte ich keine Verabredung mehr gebraucht, um einen schönen Abend zu haben, denn die Geschichte gefiel mir auf Anhieb ziemlich gut.
Aber so ein Treffen mit einer Freundin hat ja auch was für sich...
Zum Inhalt will ich mich möglichst kurz fassen. Die Geschichte spielt in den 50er Jahren in Arkansas auf einer Baumwollfarm. Im Mittelpunkt steht der 7 jährige Luke und seine Familie. Der Alltag ist geprägt von harter Arbeit auf dem Feld beim Pflücken der Baumwolle, von den finanziellen Schwierigkeiten der Eltern und Großeltern, der Sorge um Ricky, der im Koreakrieg kämpft, Baseball und den ‚strengen’ Familienhierarchien. Trotz aller Sorgen, um eine gute Ernte und das Zusammenleben mit den Erntehelfern (Fremde aus den Bergen und Mexikaner) und schwerster körperlicher Arbeit führt Luke ein glückliches Leben und träumt davon einmal ein berühmter Baseballspieler zu werden - bis zu dem Tag, als er Zeuge eines Mordes wird, den er nicht vergessen kann, und der ihn zu einer seiner schwersten Entscheidungen zwingt. Mehr möchte ich dazu eigentlich nicht loswerden.
Es ist eine wirklich ungewöhnliche Geschichte für einen Grisham, denn es kommt kein einziger Anwalt, kein Gerichtssaal, kein Prozess und auch keine quälenden gesellschaftlichen Fragen vor darin. Grisham selbst sagt, das er einen Teil seiner Kindheit verarbeitet hat, aber auch ein Teil der Geschichten, die von seinen Eltern und Großeltern erzählt wurden. Diese Geschichten enthalten sicher einen Teil Wahrheit, aber auch immer einen Teil Verzierung, wie das so ist bei Geschichten, die immer wieder erzählt werden.
Luke ist und bleibt ein lebendiger Charakter und mit den Problemen, die ein Siebenjähriger so hat, kann man sich schnell anfreunden. Auch wenn eigentlich nicht viel passiert – schließlich wird die Zeit einer Ernteperiode abgedeckt (mit zusätzlichen Rückblicken) – passiert dennoch genug, um nie sagen zu können, dass es langweilig geworden ist. Mich hat es fasziniert, wie so ein Tag in dieser Familie funktionierte, wie selbstverständlich jedes Familienmitglied seine Rolle kannte und auch gerecht wurde, dass schon diese Tatsache allein spannend genug war, um immer weiterlesen zu müssen. Grisham ist und bleibt nun mal ein verdammt guter Erzähler, das hat er mit diesem Buch mal wieder eindeutig bewiesen. weiterlesen schließen
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