Pro:
Viel zu endecken, besonders für Nibelungen-Fans ein Muß, sehr gemütlich, tolle Umgebung
Kontra:
reicht für einen Wochenendtripp
Empfehlung:
Ja
Im August 2004 war ich zu den Nibelungenfestspielen in Worms. Als großer Nibelungenfan (siehe auch meinen Bericht über das Nibelungenlied + Hintergründe) wollte ich schon seit Jahren dorthin und habe mir natürlich eine Menge davon versprochen. Ich muss sagen, meine Erwartungen wurden noch übertroffen, denn Worms ist wirklich eine Wochenend-Reise wert.
***Zur Lage:
Worms (Rheinland-Pfalz) liegt am Rhein und grob zwischen Mainz und Mannheim.Die Region dort nennt man Rheinhessen.
***Zur Geschichte:
Wie schon angedeutet ist Worms eine sehr geschichtsträchtige Stadt. Zum einen ist Worms Hauptschauplatz des berühmten Nibelungenliedes (der Mythos von Siegfried dem Drachentöter, König Gunter, Hagen von Tronje), auf der anderen Seite bevorzugte Karl der große Worms als Residenz. Worms ist eine sehr alte Stadt. Soweit ich weiß taucht Worms als erstes in Bezug auf die Kelten auf. Auch in Bezug auf Martin Luther hat Worms eine geschichtliche Bedeutung. Da das aber nicht so mein Interesse ist, kann ich da nicht viel zu sagen.(sorry)
****Die Sehenswürdigkeiten:
Es gibt unendlich viel in Worms zu sehen. Besonders, wer sich für die Nibelungensage interessiert kommt voll auf seine Kosten. Es ist schon wirklich faszinierend, die Schauplätze aus der Sage live und in Farbe zu sehen. Aber auch für nicht Nibelungen-Fans ist einiges geboten. Der Einfachheit halber werde ich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten einmal aufteilen:
****Sehenswürdigkeiten zum Nibelungenlied:
a) Der Wormser Dom
Als imposantestes Bauwerk gilt in Worms natürlich der Dom. Während des 30jährigen krieges wurde Worms niedergebrannt. Der 2. Weltkrieg zerstörte den Stadtkern von Worms auf’s neue. Aber der Dom wurde Gott sei Dank verschont. Der Dom ist ein gigantisches Bauwerk der Gothik. Zu seinen Füßen soll der Streit zwischen Kiemhild und Brunhild ausgebrochen sein, der sich zu einer schrecklichen Tragödie im Nibelungenlied entwickelte.
b) Das Hagen-Denkmal
Am Rheinufer findet man eine wunderbare Promenade. Hier kann man neben Schiffstouren auch die teils sehr urigen Restaurants nutzen oder auf kleinen Banken in der Sonne sitzen. An dieser Promenade steht das Denkmal von Hagen von Tronje, der in der Sage den berühmten Nibelungen-Schatz im Rhein versenkt haben soll. Natürlich ist das Denkmal so konzipiert, dass Hagen gerade dabei ist, einen Teil des Schatzes in den Fluss zu werfen. Es gehen im übrigen Gerüchte um, die sagen, dass das Denkmal genau die Richtung anzeigt, in der man den Schatz suchen soll…;o)
c) Das Nibelungen-Museum
Für Fans der Nibelungen unbedingt einen Besuch wert. Das Nibelungen-Museum ist zu einem Teil in eine alte Stadtmauer „eingebaut“, zum Teil an die mauer angebaut. Am Eingang bekommt man einen kleinen Empfänger mit Kopfhörern. Wenn man nun die einzelnen „Stationen“ erreicht, startet per Funk eine Erzählung zu der Erklärung, den Hintergründen und der heutigen Bedeutung der dargestellten Dinge. Man sollte sich das auf jeden Fall aufmerksam anhören, denn der Text ist von Mario Adorf gesprochen – einer der besten „Geschichtenerzähler“. Der Text und die Stimme sind sehr eindrucksstark, interessant und regten durch Bezüge auf Interpretationen anderer (z.B. durch Hitler) wirklich zum Nachdenken an.
Man passiert begleitet von den Kopfhörern z.B. Stationen wie
Einzene Bildschirme, die Ausschnitte aus der ersten Stummfilm-Verfilmung von 1928 zeigen
Grafiken über die Stadtentwicklung
Originale Handschriften des Nibelungenliedes
Eine virtuelle Schatzkammer, die ein unglaubliches Erlebnis der Sinne ist.
Leider kann ich zum Eintrittspreis nichts sagen, da ich im August aufgrund des 10jährigen Jubiläums umsonst rein kam.
d) Um das Nibelungen-Event so richtig abzurunden haben wir im „Nibelungen-Hotel“ residiert. Ein wirklich schönes kleines Hotel, dass gekonnt altes und neues Design verbindet. Die Wände im Speisesaal tragen viele unglaublich große Ölbilder, die Szenen aus dem Nibelungenlied darstellen. Der Service ist super, das Essen wirklich gut (was will man mehr).
***Sehenswürdigkeiten für Nicht-Nibelungen-Fans
Synagoge und jüdisches Viertel
Judenfriedhof (unglaublich beeindruckend! Wird seit dem 11.Jhd. genutzt und sieht entsprechend mythisch aus)
Alte Stadtmauer
Eine Rheinbrücke, auf der ein imposantes Gebäude steht. Die Autos fahren wir durch einen Tunnel unter dem Gebäude her (leider fällt mir der Name nicht mehr ein).
Liebfrauenkirche, an die Luther seine Thesen geschlagen hat.
Diverse Luther-Denkmäler
Zahlreiche Winzer in der Umgebung (Worms liegt zwischen zahlreichen Weinbergen. Hier gibt es wirklich guten Wein und so ein Besuch beim Winzer zur Weinprobe ist ja auch nicht zu verachten ;o))
Das Wormser Hagenbräu (an der Rhein-Promenade in der Nähe des Hagendenkmals). Hier wird das echte Wormser Bier gebraut. Im Hagenbräu kann man es gemütlich trinken und die Brauerei besichtigen.
Der Tiergarten. Herrlich zum spazieren gehen, eine wunderschöne Anlage.
***Veranstaltungen:
a) Das Backfischfest gegen Ende August. Das ist ein traditionelles Fest mit vielen alten Bräuchen.
b) Jazzfestival im Sommer
c) Seit 2002 gibt es die Nibelungenfestspiele. Die Aufführung der Nibelungensage ist stets Open Air vor dem Dom (eine sehr beeindruckende Kulisse). In 2004 war im Domgarten eine Art Sektempfäng mit Band organisiert. Der garten und die alten Gebäude waren mit verschiedenen warmen Lichtern wirklich beeindruckend in Szene gesetzte. Toll! Die Festspiele sind hoch professionell, mit Intendanten und Schauspielern, die zwar jedes Jahr wechseln, aber große Namen tragen. Z.B. Mario Adorf in 2002). Die Karten sind soweit ich weiß recht teuer und immer schon Monate vorher ausverkauft. Aber wer die Möglichkeit hat, und sich für das Thema interessiert, sollte das auf alle Fälle einmal besuchen. Wirklich beeindruckend.
***Mein Fazit
Worms hat wirklich eine Menge zu bieten. Allerdings muss ich dazu sagen, dass Worms eine recht kleine Stadt ist. Ein Kurzurlaub über 3-4 Tage reicht völlig. Es gibt keine wirklich guten Gelegenheiten zum Shoppen o.ä. Der Stadtkern ist zwar sehr schön und gemütlich, bietet aber nicht viel mehr als das Nötigste, was Geschäfte betrifft. Wenn man wirklich auf Sight-Seeing-Tour geht, hat man die ganze Stadt relativ schnell umrundet. Wie gesagt: Worms ist ein kleines bescheidenes Städtchen, das aber eine Menge sehenswertes in sich hat. Das macht für mich gerade den großen Charme von Worms aus. So viel geschichtliches, sehenswertes und so viele kleine Ecken, die man entdecken kann (z.B. urige Kneipen), habe ich selten so geballt auf einem Fleck gesehen. Am besten, man kauft sich einen Stadtplan (in jedem Buchladen oder im Hotel), denn alle Sehenswürdigen Dinge kann ich natürlich nicht aufschreiben.
Ich würde sicherlich nicht dort wohnen wollen, aber sobald ich die Gelegenheit finde, werde ich sicher wieder für ein paar Tage dorthin fahren und nächstes Mal die Umgebung erkunden (die übrigens auch viele Nibelungen-Sehenswürdigkeiten zu bieten haben soll, wie das Grab von Sigfried o.ä.). Davon aber nächstes Mal.
Unter www.worms.de könnt ihr eine sehr nette Internetseite sehen, die u.a. viele Links zu Wormser Hotels und Sehenswürdigkeiten bietet unter denen Ihr z.B. die Museums- und Hotelpreise erfahren könnt.. Wer sich für Worms interessiert, sollte dort einmal vorbei schauen.
Ich hoffe, ich konnte euch einen Eindruck von dieser niedlichen Stadt vermitteln und vielleicht einigen von euch Lust auf einen Kurz-Trip machen. Falls ja, viel Spaß dabei! weiterlesen schließen
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