Pro:
Man bekommt Hilfe...
Kontra:
...aber es dauert und ist teuer!
Empfehlung:
Ja
Vor einigen Monaten machte mein PC merkwürdige Geräusche - er wurde immer lauter. Das ging schleichend vonstatten, sodass ich mir nicht wirklich Sorgen machte. Meist wurde er auch nach kurzer Zeit wieder leiser.
Schlimm wurde es erst, als exakt 3 Minuten nach dem Start der Rechner von selbst runterfuhr, ohne dass ich auch nur die Spur einer Ahnung hatte, weshalb. Ich vermutete einen Virus, ließ alle möglichen Virenschutzprogramme durchlaufen, soweit das in den 3 Minuten Zeit möglich war, die mir bei jedem Rechnerstart blieben.
Ich verzweifelte.
Dabei fiel mir gar nicht auf, dass der Rechner ja wieder "normal" leise war, dieses komische brummende Geräusch sozusagen aufgegeben hatte.
Ich frage alle möglichen Leute, die Ahnung hatten, was denn bloß los sein könnte. Niemand hatte eine Idee. Vermutungen von Festplattenschaden über Virenbefall bis hin zum kaputten Lüfter wurden geäußert. Mein Herzallerliebster gab mir den Tipp, mal mit dem Staubsauger eventuell vorhandenen Staub rauszusaugen, was ich auch probierte. Manchmal lief der Rechner dann auch etwas länger als 3 Minuten, aber immer häufiger schaltete er einfach ohne Vorwarnung nach exakt 3 Minuten ab.
Nun war die Verzweiflung groß. Ich musste Zeugnisse schreiben und das Teil war noch nicht so alt!!! Ich kramte in den Unterlagen und fand eine Telefonnummer vom "Medion-Support": 01805/633 466.
Es handelt sich bei dem Rechner um einen Aldi-Rechner, der zum damaligen Zeitpunkt etwa 2 Jahre alt war. Die Supportnummer versprach gute Servicezeiten, sogar am Wochenende, sozusagen rund um die Uhr. Unter der Woche von 6.00 Uhr morgens bis 23.00 Uhr abends, am Wochenende immerhin von 10.00 Uhr morgens bis 18.00 abends.
Als einzigen Nachteil dieser Hotline konnte ich ausmachen, dass sie kostenpflichtig war - 12 Cent pro Minute. Nun ja, wenn man dafür umsonst Ersatzteil bekommt, wie in den unterlagen versprochen war, nahm ich das in Kauf.
Medion verspricht in den Servicebedingungen, dass man auf Ersatzteile am PC 3 Jahre Garantie hat. Man muss nur diese Hotline anrufen, das Problem schildern, und wenn die Menschen dort grünes Licht geben, schicken Sie das passende Ersatzteil in den nächsten Tagen zu. Man selbst muss nur noch das defekte Teil ausbauen und an Medion zurück senden. Kostenlos versteht sich. Stellt sich bei Medion dann heraus, dass das eingesandte Teil tatsächlich defekt war und es sich um einen Fehler ihrerseits - Materialfehler sozusagen - handelt, bleibt die erhaltene Lieferung kostenlos. Wurde z.B. ein mutwillig zerstörtes Teil eingeschickt, würde Medion eine Rechnung über die Ersatzlieferung zusenden.
Das klang gut. Ich biss also in den sauren Apfel und rief die Hotline an.
Nach zweimaligem Klingeln nahm auch ein Tonband ab: Ich sei verbunden mit der Medion Hotline, leider seien alle Plätze besetzt, ich möge mich in Geduld üben. "Für Elise" erklang um mich zu besänftigen. Diese herrliche Melodie durfte ich mir nun einige Minuten lang anhören - Minuten, die mich jeweils 12 Cent kosteten. Nun, das nahm ich in Kauf, ich rechnete ja mit einem kostenlosen Reparaturservice.
Nach etwa 10 Minuten bekam ich tatsächlich eine menschlich Stimme zu hören, die mich freundlich fragte, was mein Problem sei. Ich schilderte ihm mein Problem mit meinem ständig selbst ausgehenden Rechner. Der Mensch wollte dann noch das Modell und eine Nummer von mir wissen, weswegen ich einmal unter meinen Schreibtisch kroch. Auch kein Problem, denn ich rechnete ja mit einem kostenlosen Reparaturservice! Er notierte sich dann auch gleich noch meine Adresse und alles, was dazu gehört, um mir dann freundlich mitzuteilen, dass ich nun mit einem Techniker verbunden würde.
Das hieß wieder warten für 12 Cent die Minute.
Und "für Elise" hören"...
Meine Geduld und mein Geldbeutel wurden hier auf eine harte Probe gestellt, ich musste tatsächlich 14 Minuten warten, bis ich wieder einmal eine menschliche Stimme vernahm. Diesem Techniker schilderte ich wiederum mein Problem. Er fragte nach der Kundennummer, welche mir sein Vorgänger auch gerade frisch verpasst hatte. Wieder musste ich unter den Schreibtisch kriechen, um nochmals PC-Nummern und ähnliches durchzugeben.
Ein paar Fragen hin und her, dann kam allerdings die sehr kompetent wirkende Auskunft, meine Grafikkarte habe wahrscheinlich einen Schaden. Ich konnte es kaum glauben, denn ich hatte keine Probleme mit dem Bild gehabt. Als ich das dem Menschen vorsichtig mitteilte, zerstreute er meine Bedenken und erklärte mir "Blondine", dass diese Grafikkarte ja einen Lüfter habe, der, wenn er nicht mehr vernünftig arbeitete, Krach machen würde. Ich solle das Gerät mal aufschrauben (ich kroch mal wieder unter den Schreibtisch und tat, wie mir geheißen), und die Grafikkarte überprüfen. Da ich nicht wusste, wo ich was zu suchen hatte, gab mir der gute Mensch auch einen Tipp, wo ich denn was für ein Teil ausfindig machen musste. Tatschlich fand ich ein Teil, welches an der Unterseite so einen runden "Mixer" angebaut hatte. Der Techniker bat mich, den Rechner einzuschalten und zu überprüfen, ob sich dieser "Mixer" (fachmännisch gesprochen: "Lüfter") denn drehen würde. Um das rauszufinden musste ich allerdings meine Finger sozusagen in das Gerät schieben, denn zu sehen war nichts.
Mit einigen Bedenken, dass es gleich meine Fingerkuppen zerlegen würde, tastetet ich vorsichtig nach dem Lüfter. Dieser bewegte sich tatsächlich nicht! Der Techniker hatte Recht gehabt, die Grafikkarte hatte einen defekten Lüfter!
Ein Hoch auf die Diagnosefähigkeiten des Mannes!
Wie es nun weitergehen sollte, fragte ich ihn dann. Er erklärte mir, dass ich das Teil ausbauen und an Medion schicken sollte. Da er wohl mitbekommen hatte, dass ich technisch nicht gerade auf dem Stand eines PC-Elektronikers war, fragte er, ob ich das allein schaffen würde, denn sonst würde Medion mir auch einen Mitarbeiter schicken. Ich traute mir den Ausbau aber nun, da ich wusste, um was für ein Teil es sich handelte, selbst zu.
Der Techniker suchte derweil in seinen Unterlagen rum, um mir mitzuteilen, dass exakt "meine" Grafikkarte gar nicht mehr lieferbar sei. Medion hätte deswegen schon häufiger Reklamationen erhalten, die Leistung dieser Grafikkarte sei zu schwach gewesen, deswegen würde sie sozusagen "reihenweise durchbrennen". Ein besseres Gerät wäre aber auf Lager und könnte mir auch geschickt werden. Kostenpunkt wäre etwa 300 bis 400 Euro.
In diesem Moment musste ich schlucken, denn mir hallten noch die Worte "umsonst" und "kostenlose Ersatzleistung" im Kopf. Auf Nachfrage erklärte mir der Techniker, dass ich für eine kostenlose Lieferung nur eine Kopie des Kaufbeleges mit einsenden müsste.
Das klang gut!
Schlecht war nur, dass ich besagte Kaufquittung ein paar Tage vorher mit meinen Steuerunterlagen ans Finanzamt geschickt hatte.
SEUFZ!!!
Aber dafür konnte ja der Techniker nicht. Ich bedankte mich brav und fordert die neue Grafikkarte an. Nun war es an mir, die Quittung aus den Klauen der Finanzbehörden wieder zu bekommen.
Als ich auflegte und auf meine Minutenanzeige am Telefon schaute, zeigte diese mir eine Zeit von 46 Minuten an. Nun kann sich jeder leicht selbst ausrechnen, was mich bei einem Minutenpreis von 12 Cent dieses Gespräch gekostet hatte.
Aber was nimmt man nicht alles in Kauf, wenn man mit einem kostenlosen Service rechnet!
Mein nächster Anruf galt dem Finanzamt, wo ich einem irritierten Finanzbeamten mein Problem erklärte. Dieser wollte mich erst vertrösten, denn irgendwann würden mir ja meine Belege eh zurückgeschickt. Aber da man ja weiß, wie lange Behöreden brauchen, drängelte ich so lange, bis er nachgab und mir versprach, mir den Beleg zurückzusenden.
Nun saß ich auf heißen Kohlen: 1) funktionierte mein Rechner nicht und ich musste ja an die Zeugnisse ran 2) wusste ich nicht, wer schneller war: Medion oder das Finanzamt 3) hätte ich in dem Falle, dass Medion schneller gewesen wäre, ja warten müssen, bis der Finanzamtsbeleg da war, um die defekte Karte und den Beleg zu Medion zu schicken.
Ich harrte also weiter, bis ich tatsächlich nach etwa einer Woche einen Brief vom Finanzamt bekam, der meinen Beleg enthielt. Nun war ich beruhigt und konnte in aller Ruhe die Medion - Lieferung abwarten. Innerlich saß ich natürlich auf heißen Kohlen, denn mein Rechner war ja nicht einsatzbereit! Ich nervte also schon den Postboten, aber ein Medion - Paket kam und kam nicht.
Nach 2 Wochen hatte ich die Warterei satt und griff erneut zum Hörer mit der kostenpflichtigen Medion-Hotline.
Dieses Mal dauerte es schon ewig, bis ich überhaupt irgendwen an die Strippe bekam, mein Geld strömte nur so in die Hotlinekosten. Als mir dieser Mensch dann meine "Zugangsdaten" entlockt hatte und den Spruch abließ, ich würde umgehend mit einem Techniker verbunden, hatte ich ja noch die Hoffnung, es könne schnell gehen. Nach 35 Minuten gab ich aber entnervt auf, weil ich "für Elise" einfach nicht mehr hören konnte.
Ich versuchte es erneut. Dieses Mal hing ich schon anfangs 30 Minuten in der Warteschleife, ohne eine menschliche Stimme zu vernehmen. Ich schob es auf allgemeine Überlastung, kochte mir was Leckeres und versuchte es Stunden später erneut.
Das gleiche Spiel. Ewige Warterei, bis ich vertröstet würde, der Techniker käme bald an die Strippe. Dieses Mal harrte ich tatsächlich 60 Minuten aus, bis ich entnervt aufgab.
Und? Mitgerechnet? Ich schon... mein Geldbeutel war allein an diesem Tag etwa um 15,- Euro ärmer ohne dass ich auch nur irgendetwas erreicht hätte!
Ich versuchte es am folgenden Tag erneut, nachdem ich den Postmann abgefangen hatte, und der wieder kein Paket für mich hatte.
"Guten Tag, Medion - Support, was kann ich für Sie tun?"
"Verbinden Sie mich einfach SOFORT mit einem Techniker!!! Es geht um folgendes Problem... hier ist meine Kundennummer!"
...
15 Minuten später klappte es...
Hocherfreut, einen Techniker an der Strippe zu haben, schilderte ich ihm mein Problem, dass ich eben bislang nichts von Medion bekommen hätte, aber nun dringend meinen Rechner brauchen würde.
Ich bekam zur Antwort, es sei auch nichts losgeschickt worden, weil das Ersatzteil für meine Mikrowelle gar nicht lieferbar sei...
"MIKROWELLE?", brüllte ich ihn den Hörer, bis sich der Mensch tatsächlich berichtigte und merkte, dass es sich um einen PC handelte.
Warum man mir nicht mitgeteilt hätte, dass die Grafikkarte nicht lieferbar sei, wollte ich wissen. Das konnte mir der Techniker auch nicht sagen und verband mich umgehend - bevor ich das verhindern konnte - mit dem Servicemenschen.... dieses dauerte auch nur ca. 12 Minuten....
*brüüüüüüüll*
Allmählich bekam ich die Krise und meine Nerven lagen blank.
Da der Servicemensch auch nichts Genaues wusste, vertröstete er mich, dass ja in ein paar Wochen (!!!) das Ersatzteil sicher kommen würde, ich müsse halt nur Geduld haben.
Okay, ich hatte Geduld...
4 Wochen hatte ich Geduld...
Mein Rechner hatte schon Staub angesetzt, die restlichen Unterlagen vom Finanzamt waren inzwischen auch von selbst zurückgekommen und ich war mit meinen Nerven am Ende. Fast hätte ich vor lauter Verzweifelung sogar meine Zeugnisse mit der Hand geschrieben...
Nach etwa 4 Wochen versuchte ich mein Glück wieder einmal bei der kostenpflichtigen Hotline, die ja nun schon zu meinem persönlichen Freundeskreis gehörte... "Für Elise" ist seitdem mein Lieblingsklassiker!!! An diesem Wochenende klappte gar nichts. Ich erreichte immer nur eine Bandansage, die mir mitteilte, ich würde gleich verbunden. Nach unendlichen Versuchen - sprich nach etwa 20,- € Telefonkosten - sagte mir eine genervte Dame, sie seien heute extrem überlastet, es könnte zu Wartezeiten bis zu 15 Minuten kommen. Diese Aussage entlockte mir ein müdes Lächeln. Ich nahm die erneute Wartezeit aber in Kauf, nachdem ich die Dame NACHDRÜCKLICHST darauf hingewiesen hatte, wie dringlich mein Problem sei und wie oft und wie lange ich es schon versucht habe. Es schien zu klappen. Nach "nur" 45 Minuten bekam ich einen Techniker ans Ohr, der auch ein offenes Ohr für mich hatte. Er schaute unter meiner Kundennummer nach und fragte nach meinem Begehr. Ich erklärte ihm, dass ich ja seit einigen Wochen auf meine Grafikkarte warten würde, wann die denn wohl wieder vorrätig sei, oder ob er mir nicht einfach ein anderes Modell schicken könne.
Und nun kam der Hammer.
Der Techniker erklärte mir, es sei doch gar kein Problem, mir besagtes Modell zu schicken, die wären doch im Lager vorrätig!!!
Ich biss mir in den Pullover, um ein Schreien zu unterdrücken und bat den Techniker liebenswürdig um die baldige Zusendung meiner Grafikkarte.
Zwar achtete ich in den nächsten Tagen auch auf den Postboten - aber innerlich hatte ich keine Hoffnung mehr und bereitete mich schon wieder auf ein teures Telefonat vor.
Aaaaaber...
Nach 3 oder 4 Tagen kam tatsächlich mein Medionpaket!!!
Ich konnte es kaum glauben!
Und es enthielt tatsächlich auch eine Grafikkarte und nicht vielleicht sogar einen Toaster!!!
Ich baute das Gerät ein - und mein Rechner funktionierte tadellos!!!
Natürlich witterte ich überall Verrat. Immer wieder testete ich die neue Grafikkarte - so oft habe ich an einem Tag meinen Rechner glaube ich noch nie rauf- und runtergefahren!!!
Aber das Ding funktionierte!
Ich brauchte also nur noch das defekte Teil in den Medionkarton zu stecken, ein Formular auszufüllen und das Ganze an Medion zurückzuschicken. Kostenlos übrigens. Ach ja, natürlich auch eine Kopie des Kaufbelegs dazu, ist ja klar.
Das Warten begann erneut. Insgeheim wartete ich nun auf Nachricht von Medion. Dass meine alte Grafikkarte gar nicht kaputt gewesen sei und ich die Neue zu bezahlen hätte. Bei der Sendung hatte nämlich eine Rechnung beigelegen über knapp 400,- €.
Aber ich wartete vergebens. Bis heute habe ich von Medion nichts gehört und auch keine Rechnung bekommen.
FAZIT:
Beim Medion - Support arbeiten größtenteils freundliche und kompetente Menschen, allerdings viel zu wenige, denn die Wartezeiten der gebührenpflichtigen Hotline sind eine Katastrophe! Die Lieferung kann sehr schnell erfolgen, wenn Medion versteht, was der Kunde vom Support will. Die Ersatzteile sind tadellos in Ordnung. Aber die Kosten für die Hotline, die man einfach zu häufig und zu lange in Anspruch nehmen muss, sind für Medion offensichtlich eine gute Einnahmequelle - für mich jedenfalls unter aller Kanone. Insgesamt habe ich etwa 50,- € nur an Telefonkosten gehabt - und den Verlust meiner Nerven habe ich nicht mal mitberechnet! Für den Preis hätte ich eine gebrauchte Grafikkarte locker auch bei ebay ersteigern können...
Was sollte man daraus lernen? Nimm Baldrian, bevor du Medion anrufst - und tu das am besten von einem Telefon aus, wofür du selbst nicht die Gebühren zahlen musst!
Eure Leuchttürmin für ciao und yopi weiterlesen schließen
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