4630 Bochum - Herbert Grönemeyer Testbericht

ab 10,10
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
5 Sterne
(3)
4 Sterne
(1)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)
Summe aller Bewertungen
  • Cover-Design:  sehr gut
  • Klangqualität:  sehr gut

Erfahrungsbericht von alteSchwedin

Was singt der da?

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

... Das fragten sich 1984 die Radiostationen und auch so mancher Hörer. Doch ich finde, dass Herbert Grönemeyer schon schlechter als auf „Bochum 4630“ zu verstehen war...

Ich muss mich mal wieder an eine Überarbeitung machen. Es ist schon eine Bürde, wenn man so viele schlechte Berichte geschrieben hat und dann auch noch den Ehrgeiz besitzt, die alle verbessern zu wollen. Nur leider bin ich mit beidem geschlagen und so ergebe ich mich ein weiteres Mal in mein Schicksal. Doch es ist schon ein Lichtblick, dass ich mit diesem Bericht zu „Bochum 4630“ von Herbert Grönemeyer alle meine Berichte zu besagtem Interpreten auf ein annehmbares Niveau gebracht habe. Zunächst möchte ich euch ein wenig zum Herbert Grönemeyer, dann etwas zum Album „Bochum 4630“ allgemein und schließlich zu den einzelnen Songs, von denen ich einige auswählen werde, erzählen.

Herbert Grönemeyer wurde 1956 in Göttingen geboren, verbachte seine Kindheit und Jugend jedoch in Bochum, was ihn sehr prägte. Während des Abiturs und des Studiums arbeitete er als Theatermusiker und später, nach dem Abbruch des Studiums, auch als Schauspieler. Vor allem durch seine Rolle in „Das Boot“ wurde er bekannt. Schon zu dieser Zeit schrieb er eigene Songs und veröffentlichte auch Platten, doch erst 1984 mit „Bochum 4630“, um die es heute gehen soll, kam der Erfolg, der ihm bis heute treu geblieben ist. Es folgten noch mehrere Alben bis 1998, als Herberts Frau und sein Bruder innerhalb einer Woche an Krebs starben. Im Sommer 2002 meldete er sich dann jedoch eindrucksvoll mit „Mensch“ zurück und erhielt schon diverse Auszeichnungen für diese absolut geniale Platte.

Doch heute soll es ja um „Bochum 4630“ gehen. (Die „4630“ war übrigens die ehemalige Postleitzahl dieser Stadt.) Als die CD 1984 erschien, wollten die Radiostationen seine Songs einfach nicht spielen. Sie verstanden nichts, was er da sang und weigerten sich deshalb, Songs wie „Männer“ und „Bochum“ zu spielen. Doch langsam aber sicher wurde das Album erfolgreich und dann waren auch die Radiostationen nicht mehr abgeneigt, seine Songs in Programm aufzunehmen. Und seitdem sind Herberts Lieder fester Bestandteil fast jeden Radioprogramms!
Das Cover und das Songbook von „Bochum 4630“ ist sehr schlicht und sparsam gehalten. Auf dem Cover steht nur auf schwarzem Hintergrund wie mit Kreide auf eine Tafel geschrieben der Name des Interpreten und der Titel der CD. In der selben Art und Weise ist die Tracklist gestaltet. Im Songbook finden sich alle Songtexte und Producerinfos. Alles ist sehr schlicht, nur einfach schwarz auf weiß gedruckt. Es ist auch nur ein Bild von Herbert Grönemeyer zu finden, auf dem er leicht weiblich wirkt.
Doch nun möchte ich endlich zu den Songs kommen, wobei ich einige nicht beschreiben möchte, weil es mir bei Herbert Grönemeyer mächtig schwer fällt, mich kurz zu fassen. Doch ich werde versuchen, euch einen guten Querschnitt durch die zehn Songs der CD zu übermitteln!


BOCHUM
Ziemlich sphärisch beginnt die CD mit dem Song, welcher ihr auch den Titel lieferte. Das Keyboard schafft einen Klangteppich, aus dem sich ziemlich zurückhaltend die Drums erheben. „Du bist keine Schönheit, vor Arbeit ganz grau, liebst dich ohne Schminke...“ Und genauso schmucklos ist hier auch die Instrumentierung. Herberts Stimme ist sehr gut zu hören und auch der Text ist meiner Ansicht nach gut zu verstehen. Er singt über Bochum, seine Heimatstadt, obwohl er nicht dort geboren ist. Vorzüge und Nachteile seiner Stadt zählt er auf, wobei auch die Nachteile irgendwie immer positiv klingen: „Du bist keine Weltstadt, auf deiner Königsallee finden keine Modenschaun statt, hier wo das Herz noch zählt, nicht das große Geld, wer wohnt schon in Düsseldorf?“ Die Strophen sind ruhig begleitet, um den Text hervorzuheben. Herbert scheint teilweise sogar zu sprechen und nicht zu singen. Doch irgendwie passt diese leichte Nüchternheit sehr gut zum Lied!
In gewohnter Art und Weise wechselt Herbert zwischen Chorus und Strophe. Im Chorus wird alles ein wenig kräftiger und man muss Herberts Wort einfach glauben: „Bochum, ich komm aus dir, Bochum, ich häng an dir, Bochum.“ An den zweiten Chorus schließt sich ein tolles Saxophonsolo von Charly Mariano an, das Abwechslung in den Song bringt.
Dieser Song ist einer der bekanntesten von Herbert Grönemeyer und eine Hymne auf seine Heimatstadt Bochum. Ich mag diesen Song und in seiner Ehrlichkeit ist er typisch für Herbert. Zudem ist dieses Lied eines seiner bekanntesten und auch seiner besten. Er ist teilweise ruhig, aber auch aufgelockert und einfach richtig gut, was auch durch seinen ganz eigenen Charme bestimmt wird!

MÄNNER
Und gleicht folgt noch eine Hymne... diesmal jedoch dreht es sich um Männer. Da ja Herbert selbst einer ist, sollte man annehmen, dass er sein Geschlecht auch wirklich kennt. So singt er hier auch mehr oder weniger ironisch über die Eigenheiten der Männer.
Los geht es gleich mit diesem so charakteristischen, leicht beschwingten Rhythmus, der von den Drums angegeben wird. Gitarren bilden die Hintergrundmusik, während obenauf das Keyboard lagert, das die vielen von euch bekannte, schon leicht ironisch angehauchte Melodie spielt. So setzt sich der Song auch fort und Herbert singt über das vermeintlich starke Geschlecht. Seine Stimme klingt dabei immer irgendwie aufmüpfig und auch leicht amüsiert. So wird noch einmal die Atmosphäre des Songs unterstützt.
Der Text setzt sich aus wahren und überspitzten Passagen zusammen, wobei am Ende ein sehr umfassendes Bild vom Mann im Allgemeinen, wobei natürlich auch Klischees zu finden sind. So zum Beispiel sind Männer: Sie sind verletzlich und unersetzlich. Sie sind schon als Baby blau und furchtbar schlau. Der Chorus bietet dann auch eine Essenz aus dem gesamten Text: „Männer haben’s schwer, nehmen’s leicht, außen hart und innen ganz weich, werden als Kind schon auf Mann geeicht. Wann ist der Mann ein Mann?“ Tja, welch gute Frage, die sicherlich nicht in einem Satz beantwortet werden kann. Denn „Männer sind auch Menschen...“
Auf „Bochum 4630“ sind viele der bekanntesten Songs Herbert Grönemeyers zu finden. „Männer“ kann man auf jeden Fall dazu zählen. Er geht schnell ins Ohr, ist herrlich ironisch und einfach nur absolut genial!

FLUGZEUGE IM BAUCH
Nun folgt ein eher trauriges Lied, das vor allem durch die sparsame Instrumentierung und die Eigenheiten in Herberts Stimme hervorsticht. Leise und sphärisch, nur mit ganz ruhigen Keyboard- und Gitarrentönen beginnt dieser Song. Ganz zu Anfang klingt Herbert leicht aggressiv, doch dann wandelt sich sein Tonfall in Verzweiflung. Er singt von den Qualen, die er wegen ihr erleiden muss und das hört man ihm auch an. Er fordert sie auf: „Gib mir mein Herz zurück, du brauchst meine Liebe nicht, gib mir mein Herz zurück, bevor’s auseinander bricht, je eher du gehst, umso leichter wird’s für mich...“ Gegen Ende des Songs ist auch noch ein Gitarrensolo eingefügt, was alles nur noch verzweifelter klingen lässt.
Herrlich besingt Herbert hier die Qualen nach einer Trennung, er liebt sie noch, will sich aber unbedingt von ihr lösen. Mehrere Coverversionen musste dieser Song schon überstehen, doch ich bin froh, sagen zu können, dass das Original immer noch das Beste ist. Und nicht nur nach solchen Vergewaltigungen des Songs wie von Oli P. (Diese Version wurde von Herbert Grönemeyer als „grenzwertig“ bezeichnet!) ist es einfach eine Wohltat das Original zu hören! Noch ein Highlight!

AMERIKA
Dieser Song ist mal wieder einer seiner kritischen. Auf jeder CD, die ich bis jetzt von Herbert gehört habe, findet sich mindestens einer dieser Songs. Dieser Hier dreht sich eindeutig um Amerika und die Überheblichkeit dieses Landes in der Weltpolitik. Herbert schnitt dieses Lied auf den kalten Krieg zu, doch auf die heutige Situation passt es genauso.
„Ich habe Angst vor deiner Phantasie, vor deinem Ehrgeiz, Amerika [...] lad Russland endlich zu dir ein, einigt, entrüstet euch, Amerika. Oder schießt euch gemeinsam auf den Mond, schlagt euch dort oben. Der ist unbewohnt!“
Musikalisch ist der Song eher schlicht, ohne dabei jedoch zu einfach zu wirken. Großer Schnickschnack wäre dem Text auch nur abträglich und so greift Herbert auch nur auf Drums, Gitarren und leichtes Keyboardspiel zurück.
Ich mag diesen Song sehr gern und der begründeten Kritik an Amerika stimme ich voll und ganz zu. Dass es auch auf die heutige Situation im Irak-Konflikt passt, zeigt, dass sich Amerika gegenüber dem Kalten Krieg um nicht ein bisschen verändert oder gar verbessert hat. Schon allein wegen seiner wohlgewählten Worte der Kritik und der Wahrheit, die in ihnen steckt, ist dieser Song absolut hörenswert. Zudem ist er einfach nur genial.

FANGFRAGEN
So, jetzt werde ich mich aber etwas kürzer fassen. Eifersucht ist hier das Thema. Herbert singt in diesem sehr rhythmusbetonten Lied davon, dass sie sich mit einem anderen trifft und er ihr deshalb nachspioniert. Dieser Song wird vom Rhythmus dominiert und ist dadurch recht beschwingt und bringt meine Füße zum Zucken. Insgesamt ist dieser Song einer, der mich zwar anspricht, jedoch nicht so gut ist, nicht so gut sein kann, wie andere auf diesem Album. Auch ist er leicht gewöhnungsbedürftig, was ihn nicht ganz so leicht zu hören ist. Und er soll im meinem Bericht stellvertretend für die weniger bekannten und weniger eingängigen, dadurch aber nicht wirklich schlechten Songs diesen Albums. Dass sie jedoch hinter den Highlights zurücktreten müssen, ist verständlich. „Fangfragen“ ist gut zu hören, reicht jedoch an so manch anderen Song des Albums nicht heran.

MAMBO
Kommen wir nun zum letzten Song des Albums und auch zum letzten, den ich euch ein wenig beschreiben will. Leicht südländisch ist dieser Song hier, Mambo eben. Rhythmus und Melodie gehen sofort ins Blut. Dabei geht es bloß um die Parkplatzsuche. Doch Percussions und Trompeten sind so geschickt eingesetzt, dass der Song eine ganz eigene Dramatik erhält. Es geht darum, dass Herbert einfach keinen Parkplatz findet und deshalb nicht zu seiner Liebsten kommen kann.
„Ich drehe schon seit Stunden, hier so meine Runden, es trommeln die Motoren, es dröhnt in meinen Ohren...“
Wunderbar anders ist dieser Song, sehr beschwingt und rhythmisch ist er und geht dabei sofort ins Ohr. Herbert schuf hier ein Stück, das ein absolut würdiger Abschluss einer grandiosen CD ist.


Abschließend möchte ich noch sagen, dass „Bochum 4630“ der Klassiker von Herbert Grönemeyer ist. Es ist sein erstes wirklich erfolgreiches Album gewesen und gehört einfach in das CD-Regal jedes Fans. Doch auch alle anderen sollte in dieses grandiose Album einmal reingehört haben. Es bietet viele Highlights, ruhige, aber auch rockigere Stücke und ist alles in allem eine gelungene Mischung. Wie alle älteren CDs Herbert Grönemeyers kostet sie jedoch normalerweise 17,99 €, während das neue Album „Mensch“ für 13,99 € zu haben ist. Doch „Bochum 4630“ gehört zu den besten Alben Grönemeyers und ist ein Hören allemal wert!

31 Bewertungen