Aids / Erfahrungsberichte Testbericht

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Erfahrungsbericht von Ich2609

Patient ZERO

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Thomas Ramos lag auf der Intensievstation des V.A. Medical Center in New York. Mit einer Infusionslösung strömten schmerzlindernde Mittel in sein Blut - aber kein Medikament gegen die Ursache seines Leidens. Ramos war unheilbar krank. Er hatte Aids. \'\'In zwei Jahren ist der Impdstoff da!\'\' Mit diesem Versprechen hatte die amerikanische Gesundheitsministerin 1984 Tausenden AIds - Kranken Hoffnung auf baldige Heilung gemacht. Doch seither waren drei Jahre vergangen.
Die Erkrankung begann gewöhnlich mit bleierner Müdigkeit und geschwollenen Lymphknoten. Einige Infizierte bemerkten wenig später rätselhafte violette Knötchen auf der Haut. Der Artz teilte ihnen mit, es handle sich um das \'\'Kaposi - Sarkom\'\', einem bösartigen Tumor. Hatte ein Test nicht schon früher den Befund \'\'HIV - positiv\'\' ergeben, so erfuhr der betroffende jetzt, was ihm in den nächsten Monaten oder Jahren bevorstand: Bis zu 30 verschiedene Krankheiten erwarten einen Patienten mit der Diagnose \'\'Aids\'\'. Während der Krebs wuchert, Entzündungen Lunge und Spreiseröhre zerstören, stellen sich Fieber und unaufhörliche Schmerzen ein.
Dann antwortet der verhungernde Körper auf jede Mahlzeit mit Durchfall und Erbrechen. Jeder \'\'Positive\'\' hat seine eigene \'\'Aids Biographie\'\', in der das explositionsartige gedeihende Virus den Organismus früher oder später besiegt.
1980 waren die bedrohlichen Sympthome in Amerika zum ersten Mal gehäuft aufgetreten. In New York und Kalifornien mehrten sich plötzlich Fälle eines bis dahin seltenen Hautkrebses. Zahlreiche Menschen in Los Angeles erkrankten schwer an einer vormals harmlosen Lungenentzündung. Die Ärzte waren ratlos. Alles deutete darauf hin, dass sie es mit einer neuen Krankheit zu tun hatten, deren Kennzeichen ein stark geschwächtes Immunsystem, damit verbundene Infektionen und verschiedene Krebsleiden waren. Betroffen waren vor allem homosexuelle junge Männer.
Was aber war die Ursache der Krankheit und wie wurde sie übertragen? 1981 verzeichneten die Mediziner fast in jeder Woche eine neuen Fall. Beunruhigt machte sich die Seuchenkontrollbehörde in Atlanta auf die Suche nach dem Infektionsweg. Lebensgewohnheiten, Reisen, Sexualkontakte - der Epidemiologe Bill Darrow ging jedem Hinweis der Patienten nach: \'\'Drei Männer in Los Angeles, die sich nicht kannten, erzählten uns von einem jungen Steward der Air Canada, mit dem sie Sex gehabt hatten.\'\' Der Forscher nannte den Unbekannten \'\'Patient Zero\'\' - Patient Null. Wenig später wurde seine Identität gelüftet: Gaetan Dugas war einer der ersten Erkrankten in Amerika. Auf seinen Flügen war er häufig zwischen New York und Kalifornien unterwegs und spielte eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung der Seuche. Darrow wertete die Daten der ersten 248 Aids - Opfer aus. Mindestens vierzig von ihnen hatten Kontakt zu dem Kanadier oder einem seiner PArtner gehabt. Ein Diagramm machte unmissverständlich deutlich: Sex hatte die Krankheit übertragen.
Als die Wissenschaftler ihre Kenntnisse publizierten, reagierten große Teile der US- Gesellschafft mit kaum verholender Schadenfreude. Vom \'\'Schwulenkrebs\'\', der die \'\'passende Strafe\'\' für den \'\' unmoralischen Lebenswandel\'\' der Homosexuellen sei, war in den Zeitungen zu lesen. Doch in den folgenden Monaten registrierten die Ärzte weitere \'\'Risikogruppen\'\'. Sie fanden die gleichen Symptome bei Drogenabhängigen, wenig später bei Blutkranken, bei Empfängern von Bluttransfusionen und sogar babys. Nach Genitalflüssigkeit wurde nun auch Blut als Übertragungsflüssigkeit erkannt. Im Juli 1982 gab die amerikanische Gesundheitsbehörde der gefährlichen Krankheit den Namen AIDS - Acquired Immune Deficiency Syndrome - auf deutsch: erworbene Immunschwäche.
Für die Forscher stand fest: \'\'Jeder ... war bedroht, denn jeder konnte Empfänger einer Blutkonserve werden.\'\'
Doch die Lobbyisten der Blutindustrie bestritten die Gefahr, auch Behörden und Regierung sahen keinen Handlungsbedarf. Die Virologen waren verzweifelt: \'\'Es gab keine Unterstützung aus Washington, kein Geld, nicts. Und die ersten Schwulen starben bereits an Aids, schnell, ohne Chance.\'\' Jetzt häuften sich auch die Fälle, in denen die Immunschwäche durch heterosexuelle Sexualkontakte übertragen worden war. Es wurde Zeit die Bevölkerung mit stichhaltigen Forschungsresultaten über die Epedemie aufzuklären.
Unterdessen entdeckten auch die Medien das Thema. \'\'Blosser Kontakt überträgt möglicherweise Aids\'\', titelte die New York Times im Sommer 1983 - und löste eine Panik aus.
In San Francisco wurde die Polizeit mit Schutzanzügen augestattet - für den Fall, dass sie mit Homosexuellen in Berührung käme. Angestellte mit Aids wurden entlassen, Hausbesitzer setzten kranke Mieter auf die Strasse. Kliniken weigerten sich infizierte Patienten zu pflegen, und Bestattungsunternehmen wollten an der Immunschwäche verstorbene Menschen nicht beerdigen. Die Folge war, dass viele Aids -Kranke ihr Leiden lieber verschwiegen, als sich den Ängsten, den Vorurteilen und dem Hass ihrer Mitmenschen schutzlos auszusetzten.
Auch der Schuaspieler Rock Hudsen hatte die tödliche Diagnose länger als ein Jahr geheimgehalten. Als er am 25. Juli 1985 öffentlich erklärte, er habe Aids, stürzte sich die Boulevardpresse auf die Sensation: der \'\'Frauenschwarm\'\', der \'\'Held unzähliger Liebesfilme\'\' war homosexuell! Doch mehr als das Geständnis überraschte die Reaktion der Öffentlichkeit. Binnen weniger Wochen erhielt der Star Zehntausende von Briefen und Telegrammen von der Art: \'\'Ihr Privatleben ist Ihre Sache. Wir lieben Sie und beten für Sie\'\'. Hudsens Leiden hatte der anonymen Krankheit mit einem Mal ein prominentes menschliches Gesicht verliehen. Betroffenheit und Anteilnahme am Schicksal des beliebten Hollywood Stars ebneten der Aufklärung über Aids und einem verständnisvollerem Umgang mit den Kranken den Weg. Im Todesjahr Hudsons bewilligte das amerikanische Repräsentantenhaus für die Aidsforschung 190 Millionen Dollar. 90 Prozent mehr als im Etat zuvor. 1985 wurde zu dem Jahr, in dem die Weltöffentlichkeit zum ersten Begriff, was Aids bedeutet.

Bis heute zählen Gesundheitsorganisationen weltweit 14 Millionen Aidstote. Forscher vermuten, dass das Virus von in Afrika lebenden Affenarten auf den Menschen übertragen wurde, bevor es seinen Weg in nahezu alle Länder der Erde fand. Einen Impfstoff gibt es bis dato nicht. Aids lässt sich noch immer nicht heilen. Mit einer kombinierten Therapie von etwa 30 Tabletten täglich, deren Nebenwirkungen sehr stark sind, zögern die Ärzte den Ausbruch der Sympthome hinaus. Doch der Erreher kann jederzeit gegen die Medikamente resistent werden.
Und für mehr als 20 Millionen Infizierte in der Dritten Welt - Zwei Drittel aller Betroffenen - ist die lebensverlängernde Therapie unbezahlbar. Aids ist die Geißel der Menschheit!

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