Alanya Testbericht

Alanya
ab 8,52
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Erfahrungsbericht von aragorn2000

Sommer, Sonne, Strand und Meer

Pro:

schönes Wetter, günstig

Kontra:

viele Touristen

Empfehlung:

Ja

Obwohl mich bereits im Vorfeld der lange Bustransfer nach Alanya und die dort im Rudel anzutrefenden deutschen Touristen etwas abschreckten entschieden wir uns trotzdem für Alanya als Reiseziel, weil drei gute Gründe dafür sprachen.

1. Meine Freundin schwärmt von Alanya.
2. Der Flug dorthin dauert von München aus nur drei Stunden.
3. Alanya ist im Vergleich zu anderen Reisezielen, wo es im November noch warm ist, sehr günstig.

Anreise

Alanya liegt etwa 120 Kilometer östlich vom Flughafen in Antalya. Die Straße dorthin ist inzwischen glücklicherweise gut ausgebaut und der Transfer mit dem Bus dauert etwa eineinhalb bis zweieinhalb Stunden, je nachdem, wie viele Hotels unterwegs angefahren werden und wie stark der Verkehr ist. Als wir dann Sonntags in der Nacht ankamen legten wir uns gleich schlafen, da wir von der Reise doch etwas erschöpft waren.

Strand

Am nächsten Morgen wurden wir dann etwas ungewohnt von einem Muezzin, dessen Stimme über einen Lautsprecher bis in unser Zimmer vordrang geweckt. Der Himmel war vollkommen wolkenlos und bei Temperaturen um 25°C wohl bemerkt am 4. November machten wir uns gleich mal auf zum Stand um die Sonne zu geniesen und das triste wolkenverhangene Wetter aus Deutschland ganz weit hinter uns zu lassen. Westlich von der Burg befindet sich der Kleopatra-Strand, welcher dem östlichen Strand auf jeden Fall zu bevorzugen ist.

Der Strand an sich verläuft sehr flach und besteht aus grobkörnigem Sand, auf welchem es sich aber auch barfuss sehr bequem gehen lässt, wobei der Sand für meinen Geschmack noch etwas feiner sein könnte. Zum Meer hin wird der Strand dann etwas steiler und besteht hier dann auch aus Kieselsteinen, was etwas unangenehm ist. Im Meer fällt der Untergrund dann schnell ab, was für Nichtschwimmer ein Nachteil ist, daher würde ich Familien mit Kleinkindern eher den Strand bei Side empfehlen.

Selbst im November konnten wir bei Wassertemperaturen um etwa 24°C noch sehr gut baden, das Wasser ist um diese Jahreszeit glasklar, weil der Grund nicht so stark aufgewirbelt wird. Allerdings kann im November die Brandung schon etwas stärker sein, als im Sommer. Für die Wasserqualität spricht auch, dass Alanya die Blaue Flagge für seine Küste erhalten hat.

Den Strand kann man im November so etwa von 10:00 bis 15:00 geniesen, davor und danach weht dann doch eine recht frische Brise und zumindest in der Badehose wird es etwas zu kühl.

Hamam

Nachdem wir auch den zweiten Tag noch am Strand genossen hatten zogen am Mittwoch leider Wolken auf und es begann zu regnen, daher entschieden wir uns für einen Besuch in einem der Zahlreichen Hamams. Der Eintritt inklusive Massagen kostet 20€, was für türkische Verhältnisse zwar recht teuer erscheint, aber in Deutschland fallen hier 100 bis 200 € an. Während der Saison sind diese Hamams recht gut gefüllt, was dann einer Massenabfertigung gleich kommen kann, aber im November kann man die Besucher an einer Hand abzählen.

Nachdem wir uns umgezogen hatten wurden wir zunächst zur Dusche begleitet und konnten dann eine viertel Stunde lang die Sauna geniesen, welche hier etwa 60C hatte. Nach der anschliessenden kalten Dusche konnten wir es uns auf den warmen Steinen gemütlich machen, wo wir danach mit einer Seifenmassage verwöhnt wurden. Dabei wird zunächst mit einem aufgerauhten Handschuh die Haut abgeschruppt, so dass sich die abgestorbenen Zellen ablösen um danach kräftig eingeseift und massiert zu werden, was eine reine Wohltat war.

Nach einer weiteren Dusche und einer kurzen Pause geht es mit der Massage weiter, von den Fussspitzen bis zur Kopfhaut wird alles einmal kräftig durchgeknetet und mit einem leicht nach Zitronen duftenden Öl einbalsamiert. Einfach herrlich und für jeden empfehlenswert, ich hatte das Gefühl neu geboren zu sein und nach verlassen des Hamam schien dann auch die Sonne wieder.

Bootsfahrt

Für unseren vierten Urlaubstag hatten wir bei Omar am Abend zuvor eine Bootsfahrt gebucht. Bei einem Glas Tee konnten wir uns sein Gästebuch anschauen, wo er von jeder seiner Ausflüge einige Fotos mit einem kurzen Gästebucheinträgen hatte. Morgens um halb zehn ging es dann los, wir trafen uns mit ein paar anderen Gästen vor seinem Laden um dann mit seinem Bus zum Hafen zu fahren. Da wir die erste Fuhre waren hatten wir noch freie Platzwahl und konnten uns die besten Plätze an Deck aussuchen. Bis zur Abfahrt dauerte es dann noch etwas, weil er sich mit einem Freund, auf den wir dann warten mussten das Boot teilte.

Die Tour ging dann einmal rund um den Burgberg, wo wir mehrere Badepausen einlegten um die dort befindlichen Höhlen und Grotten zu erkunden. Beim Schwimmen an den Klippen sollte man recht vorsichtig sein, weil die Steine dort sehr scharf sein können und einige Gäste kehrten dann auch mit leichten Schürfwunden auf das Boot zurück, aber nichts ernsthaftes und die Fahrt konnte weiter gehen entlang des Strandes, welcher von dem Boot aus ein herrliches Panorama bat. Auch hier kann man wieder erkennen, wie klar und sauber das Wasser ist, getrübt wurde dies nur durch ein anderes Schiff, welches seinen Unrat kurz zuvor über das Meer entsorgt hatte.

Weil der Wellengang doch etwas zu stark war mussten wir zur Mittagspause in einen künstlich angelegten Hafen fahren, denn wer es nicht gewohnt ist tut sich recht schwer bei starkem Wellengang seine Nahrung aufzunehmen. Dann ging es noch ein Stück die Küste entlang, in einem großen Bogen aufs offene Meer hinaus und letztendlich wieder zurück zur Burg. Im Sommer fehlt die Fahrt noch wesentlich weiter, aber da im November die Tage nicht mehr so lang sind musste leider die kurze Variante genügen.

Diese Fahrt sollte sich jeder gönnen, gekostet hat uns die Tour bei Omar inklusive Mittagessen und Getränken gerade einmal 17€ pro Person. Diese Fahrten werden auch von den Reiseveranstaltern angeboten, sind dann aber wesentlich teurer und auch nicht besser. Also besser direkt buchen, denn die Anbieter solcher Touren findet man überall entlang der Haupt- oder Strandstraße. Und ganz besonders empfehlenswert: Omar Serif, anzufinden an der Strandstraße in seinem Laden \"Von A bis Z\". Er bietet auch noch andere Ausflüge an, welche sich aber mehr für die Hauptsaison oder bei einem längeren Aufenthalt in Alanya eignen und ist auch für eine nette Unterhaltung immer zu haben.

Markt/Bazar

Da das Wetter am Freitag dann nicht ganz so toll war entschieden wir uns für einen Besuch auf dem Markt, welcher jeden Freitag statt findet, es gibt einen Neuen Markt, der sich etwa zwei Kilometer nordwestlich vom Hafen befindet und einen der auf dem Bazar anzutreffen ist. Der Bazar besteht einfach aus einer Ansammlung von einzelnen Läden, welche diverse Textilien aller möglichen Marken, Rucksäcke und natürlich Lederwaren anbieten. Auf dem Markt kann man dann auch diverse Gemüsehändler antreffen und was ich sehr interessant finde sind die Gewürze, welche hier zu einem Bruchteil der in Deutschland üblichen Preise zu bekommen sind. Vor allem sind aber auch die Früchte hier frisch und haben nicht bereits einige tausend Kilometer Transport hinter sich.

In den Ladengeschäften kann man T-Shirts, Pullis, Hosen aller möglichen Marken anprobieren und zu recht günstigen Preisen erwerben. Natürlich handelt es sich dabei nicht um Originalware, sondern um kopierte Waren, so ist zum Beispiel eine identische Hose ein mal mit Etikett von \"Hugo Boss\" und ein mal von \"Gucci\" zu bekommen, die Qualität ist aber sehr gut. Lediglich auf die Größen sollte man sich nicht verlassen und unbedingt vorher anprobieren was man kauft, denn ein Umtausch ist nur mit dem guten Willen des Verkäufers möglich. Zu welchem Preis man den gewünschten Artikel dann erhält hängt vom jeweiligen Verhandlungsgeschick ab, denn Festpreise sind hier sehr selten. Übertreiben sollte man es dann aber auf keinen Fall und immer freundlich bleiben, denn auch andere deutsche Touristen wollen hier vielleicht noch einkaufen. Vor allem sollte man keinen Rückzieher machen, wenn der Händler auf den gewünschten Preis eingeht, denn für ihn ist das kein Spiel und wirft ein sehr schlechtes Image auf Touristen.

Gerade zum Ende der Saison kann man hier einige Schnäppchen bekommen, denn die Händler wollen ihre Waren noch verkaufen und lassen sich dann eher auf einen niedrigen Preis ein als in der Hochsaison wo es genügend Touristen gibt, die gar nicht erst versuchen zu handeln.

Etwas nervig finde ich nur, dass einige Händler versuchen, einen regelrecht in ihre Geschäft hinein zu ziehen und gleich den halben Laden auf zu schwatzen. Interessiert man sich nicht für ihre Waren können sie dann auch schon mal pampig werden, was sie wohl von den deutschen Touristen abgeschaut haben.

Burg

Am Samstag stand dann die Ruine der 2500 Jahre alten Burg auf dem Programm, auch hier gibt es wieder die Reiseveranstalter, welche mit überhöhten Preisen versuchen den Touristen das Geld aus der Tasche zu ziehen, wesentlich billiger kommt man mit einem der zahlreichen Taxen hoch zur Burg oder natürlich per Pedes, was aber nicht bei hochsommerlichen Temperaturen empfehlenswert ist, denn der Anstieg hat es ganz schön in sich. Das Taxi zur Burg kostet 5€, sollte ein Fahrer mehr verlangen kann man auch noch etwas mit ihm handeln.

Die Burgruine unterteilt sich in zwei Teile, wobei jeweils 5.000.000 Lira (ca. 3€) Eintritt pro Person anfallen. Auf der rechten Seite befindet sich der Burghof, wo die Reiseveranstalter die ganzen Touristen hoch karren. Wesentlich interessanter finde ich aber die linke Seite, wo man die Überreste der Burg begehen kann. Ganz ungefährlich ist dieser Weg allerdings nicht und man sollte auf jeden Fall festes Schuhwerk bei sich führen. Der Ausblick von hier oben ist einfach unbeschreiblich, man kann ganz Alanya überblicken, den kilometerlangen Strand, den alten Hafen und die Gebirge im Hintergrund ergeben ein sehr malerisches Bild, was den Aufstieg in jedem Fall gerechtfertigt.

Was mich an der Burg dann aber etwas gestört hat war der Unrat, der teilweise dort oben liegt, zwar dürften da im wesentlichen die Touristen für verantwortlich sein, aber wenn denn schon Eintritt verlangt wird sollte dieser wenigstens in die Instandhaltung und Pflege investiert werden.

Was mir nicht so gefiel

Wie bereits zum Anfang bemerkt hatte ich im Vorfeld der Reise bereits befürchtet hier auf Massen von deutschen Touristen zu treffen, leider lässt sich dieses Phänomen fast nirgends ganz vermeiden, aber so stark konzentriert finde ich es schon etwas störend. Vor allem, weil viele Touristen scheinbar ihre guten Manieren, falls sie diese denn überhaupt besitzen am Heimatflughafen abzugeben scheinen.

Bis vor der Reise hätte ich allerdings nicht vermutet, dass dies noch steigerungsfähig ist, nämlich von deutschen Touristen im Rentenalter. Ich möchte hier keinesfalls pauschalisieren, weil ich weiß, dass nicht alle so sind. Aber es ist schon sehr auffällig, wie manche hier ihren aufgestauten Stress mit ungerechtfertigten Äußerungen wie \"Mein Zimmer gefällt mir nicht\", \"Das Wetter ist viel zu warm\", \"Das Essen schmeckt nicht\", \"Das ist alles viel zu teuer hier\" oder der Gipfel \"Die sprechen alle so schlechtes Deutsch\" versuchen zu entladen. Mein Gott, dann bleibt doch einfach zu Hause!

Ach ja, und wo ich gerade dabei bin: WILLIS KNEIPE! Ich hab gedacht mich knutscht ein Elch, als wir auf der Strandstraße an einem Lokal mit diesem Namen vorbei gingen. Tatsächlich, ein Lokal mit deutschen Spezialitäten, oder besser Widerlichkeiten, die ich noch nicht mal in Deutschland zu mir nehmen würde. Nicht zu vergessen die deutschen Schlager, welche dort liefen und ich sag es noch mal: BLEIBT DOCH ZU HAUSE, wenn ihr auf euer Kassler mit Sauerkraut oder Westfälische Schlachtplatte nicht verzichten könnt!

Verständigung

Ist eigentlich überhaupt gar kein Problem wenn man sich nicht zu dumm anstellt, denn die meisten Türken sprechen entweder sehr gut Deutsch und/oder Englisch. Sogar mit Französisch scheint es zu klappen, denn als wir mal angesprochen wurden, weil wir in ein Lokal einkehren sollten, was wie gasagt mit der Zeit etwas nervig wird versuchte ich abzuwimmeln, indem ich auf französisch Antwortete. Danach war ich dann recht verblüfft, denn auch diese Sprache schien er zu beherrschen und somit sprechen die Leute dort mit Sicherheit mehr Fremdsprachen, als die meisten Deutschen. So viel also zum Thema \"Die sprechen alle so schlecht deutsch hier\".

Preise

Vorsichtig sein sollte man auf jeden Fall mit dem türkisschen Geld, weil man die vielen Nullen nicht gewohnt ist kann es schnell mal passieren, einen Schein von fünfhunderttausen mit fünf Millionen zu verwechseln, was für die Reisekasse sehr ärgerlich sein kann, wenn das Trinkgeld dann statt 30 Cent plötzlich 3 Euro beträgt.

Wer sich nicht von den Reiseveranstaltern über den Tisch ziehen lässt und eher auf die örtlichen Angebote zurückgreift und auf extravagantes verzichtet kann hier einen sehr günstigen Urlaub verbringen, ein Bier kostet gerade mal 1.500.000 Lira (ca. 1€), selbst im Hotel kostete ein halber Liter Bier nur 1,50 Euro. Auch das Essen ist nicht viel teurer und ein Döner bereits für einen halben Euro zu bekommen. Lediglich einige Lokale am Hafen sind etwas teurer, aber die kann man ja meiden.

Auch die Hotels sind wesentlich günstiger als in vielen anderen Urlaubsländern, wir haben für eine Woche Halbpension 322€ bezahlt, wobei der größte Teil für den Flug anfällt, wer einen längeren Aufenthalt plant kann fünf Wochen in einem vier Sterne Hotel für 500 - 600€ bekommen, was bereits durch die Heizkosten in Deutschland fast wieder kompensiert wird.

Fazit

Mal von den vielen Touristen abgesehen hat mir der Urlaub in Alanya aber sehr gut gefallen und ich werde gerne wieder mal hier her zurückkehren, alleine schon um bei Omar vor seinem Laden zu sitzen, ein Glas Tee zu trinken und zu lauschen, was er neues über seine Oma zu berichten hat.

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