BMW Z8 Testbericht

Bmw-z8
Abbildung beispielhaft
ab 24,72
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Summe aller Bewertungen
  • Fahreigenschaften:  sehr gut
  • Fahrkomfort:  sehr gut
  • Platzangebot:  durchschnittlich
  • Zuverlässigkeit:  sehr gut

Erfahrungsbericht von romeo61

BMW Z8

Pro:

Überragende Fahrleistungen, einmalige geglücktes Zusammenspiel zwischen Antrieb und Fahrwerk, erstklassiger Verarbeitung, begeisternde Motoreigenschaften, Fahrwerk mit hohen Sicherheitsreserven, liebevolle Detailverarbeitung, Klasse Design

Kontra:

konzeptbedingt knapp geschnittener Innenraum, wenig Platz für Gepäck

Empfehlung:

Ja

Hi!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Nein, dies ist kein Prosastück über einen schwer erfüllbaren Traum, sondern nur ein Bericht über 150 Km, die ihre Spuren hinterlassen haben ;-)

Wie es dazu kam...

Juni 2002, Präsentationstermin in Frankfurt...mit Chef dabei. Nach zwei Stunden war alles geregelt, Klient lächelte, Chef grinste, Zerni war wieder entspannter. Während ich den Folienordner wieder einsackte Frage vom Chef:
„Wie sind Sie denn zum Flughafen gekommen ? Mit Ihrem Wagen ?“
„Nee, meine E-Klasse ist in der kaiserlichen Werft...“ –
„Hää ?“
„Inspektion...“ –
„Ach so...dann nehmen sie meinen BMW vom Flughafen München zurück ins Büro, hier ist der Schlüssel.“

Alles klar dachte ich im stillen ohne auf den Schlüssel zu gucken, die Sommerhitze hinterlässt ihre Spuren.
Fährt der Alte nicht S-Klasse ? Naja, wurscht, ins Taxi zum Flughafen, ein paar Telefonate während der Fahrt, wenig später eingecheckt und in der Lounge aus reiner Neugier noch mal den Schlüssel hervorgeholt...tatsächlich, BMW. Habe ich da was versäumt ?

Kurz an der Cola genippt, und dann fiel es mir wie Schuppen vor die Augen. Plötzlich erinnerte ich mich an den einen Morgen im April, wo in der Tiefgarage auf dem Chef-Parkplatz nicht wie üblich sein Schwaben-Dickschiff parkte, sondern ein silbergraues Projektil bayerischer Provenienz im Retro-Design...das erste Mal sah ich live den Z 8 vor mir und war schon ziemlich angetan...nicht ahnend, dass ich dieses Kunstwerk einmal selber fahren würde.

Flieger geentert, nach einer Stunde touchdown in München...die Lufthansa hatte es eilig, will sagen, sie war direkt mal wieder pünktlich. Runter ins Parkhaus P 1 und alsbald das gute Stück gefunden. Sooo groß ist der ja gar nicht... Kofferraum geöffnet und Aktenkoffer eingefädelt (160 Liter sind nicht eben viel Platz).
Die Karosserielinien nehmen perfekt das Thema des legendären BMW 507 aus den 50er Jahren auf. Sei es die breitgeklopfte „Niere“ als Kühlergrill, der Rahmen der Windschutzscheibe oder die seitlichen Lufteinlässe in den vorderen Kotflügeln. Die Motorhaube scheint kein Ende nehmen zu wollen. Das Heck schließt kurz und knackig ab, aus der Heckschürze ragen als Unterarmverstecke taugliche, verchromte Abgasschächte hervor.

Dann die erste Ernüchterung: bei geschlossenem Verdeck hat man als Zweimetermensch leichte Mühe, das knapp geschnittene Cockpit zu entern. Zündung ein und erst mal mit leisem sirren das elektrische Verdeck geöffnet. So...! Nun ging´s schon viel besser. Bei geschlossenem Dach hat man schon das Gefühl in einer Höhle zu sitzen.

Vor dem Start erst einmal den liebevoll und in erstklassiger Qualität gestalteten Innenraum bewundert. Keine Großserienteile weit und breit, jeder Schalter speziell und nur für den Z 8 geschnitzt. Rotes Leder und Hochglanzlack schmeicheln den Augen, gleichermaßen wie der aus Aluminium gefräste Schaltknüppel und die Chromeinfassungen der Instrumente. Auch das Lenkrad mit seinen Chromspeichen ist eine gelungene Reminiszenz an den Urahn BMW 507, wie auch der gesamte Retrolook perfekt gelungen ist. Gewöhnungsbedürftig die mittig positionierten, bildschönen Rundinstrumente. Allerdings...bei entsprechender Fortbewegungsweise hat man eh´ kaum Zeit für einen Blick auf Tacho und Drehzahlmesser...hierzu später gleich mehr...

Alles in allem sitzt der Wagen wie ein italienischer Maßanzug, will sagen: kein Quadratzentimeter Stoff zuviel verarbeitet, für einen kleinen schmächtigen Nordfriesen wie mich mit Anzuggröße 118 vielleicht etwas knapp geschnitten. Die axial und vertikal elektrisch verstellbare Lenksäule war jedenfalls eine Beigabe, die ich sehr begrüßt habe ;-)

Also denn...Zündung an und...nichts passiert. Zerni...DEN STARTERKNOPF...richtig, da war doch der kleine Gimmick als Gruß an die 50er Jahre. Daumen auf den Starterknopf, zwei Anlasserumdrehungen und mit dumpfen Grollen erwachte der 5,4 Liter V 8er...die 400 PS Dreingabe aus dem M 5, der schon in der 1,7 Tonnen Limousine dem Asphalt den Krieg erklärt.

Der Sound...unwiderstehlich, und deswegen will ich nicht allzu viele Worte verlieren. Vom tiefen, leicht unruhigen Bass im Leerlauf über ein kräftiges Hämmern bei der Beschleunigung bis hin zum kernigen Grollen bei hohen Drehzahlen sind alle Tonlagen vertreten, die jeden Sebring-Endtopf zur Karnevalströte degradieren.

Parkkarte eingeschoben, Schranke hoch und raus in die bayerische Sommersonne. Egal welcher Gang eingelegt ist: Schub ist in allen Lebenslagen vorhanden, und die bloßen Fahrwerte geben nur ungenügend das Schauspiel wieder, das einem in Natura blüht. 4,7 Sekunden bis 100, etwas mehr als 10 Sekunden später ist die 200 Km/h-Marke erreicht. Subjektiv gleicht die Fahrt einem Ritt auf der Kanonenkugel...“offener“ als der Z 8-Roadster ist kaum ein anderes Fahrzeug. Mit verantwortlich ist die niedrige und relativ steile Frontscheibe, die unverfälschten Roadstergenuss ermöglicht.

Und dementsprechend will der Z 8 verstanden werden: Er ist eine Fahrmaschine und kein komfortabler Gleiter wie der zugegebenermaßen schon beängstigend perfekte SL (R 230) von Mercedes. Giftig zupackende Bremsen, eine schweinisch direkte Lenkung, ein Sechsganggetriebe mit kurzen, knackigen Schaltwegen und der unvergleichliche Vierventil-Achtzylinder haben das Zeug zur Droge.

Nach Erreichen der Betriebstemperatur entschied ich mich für eine andere Route nach München...lieber einen kleinen Umweg fahren als im Stau festzuhängen...

Zweiter Gang, Beschleunigungsstreifen, die 7.000 U/min-Marke ist im Handumdrehen erreicht; dritter, vierter, fünfter Gang, und der Schub scheint nicht nachlassen zu wollen. Der Motor brüllt auf, dass beim Durchfahren des Allacher-Tunnels die Schallwellen fast die Kacheln von den Wänden holen. Oh Shit, Du willst nie wieder ein anderes Auto fahren. Jede Gaspedalbewegung wird sofort in brachiale Beschleunigung umgesetzt. Die acht für jeden Zylinder separaten Drosselklappen verfehlen ihre Wirkung nicht. Klar ermöglichen die 5,4 Liter Hubraum und ein Drehmoment nahe der 600 Nm auch eine schaltfaule Fahrweise...doch dieses Auto animiert dazu, permanent im Getriebe zu rühren. „Freude am Fahren“...mein Gott, ja... es ist eine Sucht, die mit jedem Kilometer steigt !

Vor Anfahrt zum Büro noch einmal ein kurzes Schaulaufen über die Leopoldstraße. Nein, werter Leser, ich habe es mir verkniffen, bei grün werdender Ampel im 1. Gang voll Stoff zu geben. Selbst bei normalem Anfahren und Hochschalten bei 3.000 Touren lässt man so ungefähr alles, was Räder hat, hinter sich.


Das war´s schon wieder...ein kleiner, eindrucksvoller Ausflug ins Reich der Träume.

Reichen 150 Km für einen richtigen Erfahrungsbericht ? Ja und nein. Ja, weil ich annehme, dass die wenigsten der Ciao-Leser die Z 8-Berichte als echte Kaufberatung auffassen. Ja auch, weil es immer wieder Erfahrungsberichte gibt, die zwar eine verständliche Begeisterung für hochkarätige Boliden wiedergeben, aber eben NICHT auf Erfahrungen im eigentlichen Wortsinn beruhen. Dass ein Z 8, SL, Ferrari o. a. ein Traum auf Rädern ist, steht doch wohl außer Frage...

Nein allerdings, wenn eine dauerhaftere Nutzung mit entsprechender Laufleistung ein Kriterium für einen entsprechenden Bericht ist. Die Wächter der Qualität mit Silber- und Goldstatus mögen mir verzeihen.

Insofern ist dieser Bericht in erster Linie mal ein Eindruck, eine kleine Episode aus dem prallen Leben. Für Kaufinteressierte dennoch ein kleiner Hinweis ;-):
Der Preis ist mit mittlerweile guten 120.000 EURO schon fast prohibitiv. Auch wenn der Z 8 ein Exote ist, ist der Wertverlust dennoch beachtlich. Zwei Jahre alte Exemplare stehen schon für z. T. unter 80.000 EUR in der Zeitung.
Aber nicht nur der Wertverlust, auch die laufenden Kosten sind jenseits von Gut und Böse. Der Verbrauch von durchschnittlich 16 Litern mag angesichts der Fahrwerte noch angehen. Haftpflicht mit Vollkasko machen eine jährliche Einmalüberweisung im fünfstelligen Bereich an die Versicherung notwendig. Nun, den betuchten Kunden wird es weniger jucken.

Allerdings...angesichts der begrenzten Alltagstauglichkeit erscheinen die hohen Kosten in einem anderen Licht. Der Z 8 ist ein Sportgerät reinsten Wassers und ist weder für längere Urlaubsfahrten, noch für die tägliche Gondelei ins Büro besonders geeignet. Er spielt die Rolle eines unverfälschten Roadsters, und diese beherrscht er perfekt. Der wahre Kunstgriff von BMW spiegelt sich darin wider, dass der Z 8 eine geglückte Symbiose aus kompromissloser Fahrmaschine und disziplinierter Technik darstellt. Dank Servolenkung, ESP und ABS ist dieses 400 PS-Geschoss soweit gebändigt, dass auch der durchschnittlich begabte Fahrer halbwegs mit dem Z 8 klarkommt. Lobende Worte über das Fahrwerk zu verlieren, will ich mir hier schenken. Es wäre reine Zeitverschwendung.

Und die Konkurrenz ? Eigentlich ist der Z 8 kaum vergleichbar, weil er wie kaum ein anderer auf Roadster getrimmt wurde. Klar, der SL 55 von AMG legt mit 500 PS und über 700 Nm noch ganz anders los. Aber bevor ich hier noch den Vergleichstest aus der Auto, Motor und Sport herunterleiere...einigen wir uns einfach darauf: Shelby Cobra war gestern, heute kommt sie aus Bayern und ist unter dem Kürzel Z 8 erhältlich...

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