Erfahrungsbericht von ClaudiaRetzmann
Ab in die Ecke mit dir!
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Bestrafungen – je nachdem, auf welcher Seite (ob nun Bestrafer oder Bestrafter) man nun steht, ein diskussionswürdiges und vor allem –reiches (zumal wenn die Kinder älter werden und nicht mehr alles still über sich ergehen lassen *gg*) Thema. Da es in der Kategorie Kind & Eltern steht, werde ich mich auch nur hierauf beziehen und all die „Bestrafungen“ die man eben auch im Erwachsenenalter erfahren kann, außer Acht lassen.
Ganz im Sinne meiner Überschrift war die erste Bestrafung, an die ich mich heute noch so richtig erinnern kann (sicher wird es zuvor welche gegeben haben, aber entweder waren die nicht so schwerwiegend oder mein Erinnerungsvermögen hat sie schlichtweg aus dem Gedächtnis gestrichen). Damals war ich knapp 4 ½ Jahre alt und durfte nachmittags eine Art Kindergarten besuchen. Zur damaligen Zeit gab es weitaus weniger freie Kindergartenplätze in unserer Großstadt und manche Eltern (so leider auch die meinigen) waren froh, wenn die Kinder wenigstens nachmittags mal für zwei Stunden dorthin durften. Ich weiß heute gar nicht mehr genau, was ich so schlimmes angestellt hatte, doch die Stimme der dortigen Erzieherin werde ich nie vergessen. Mit einem peitschenden scharfen Ton, wurde ich in die Ecke geschickt. Dort durfte ich 15 Minuten mit dem Gesicht zur Wand stehen bleiben und mich nicht vom Fleck rühren, während sich die anderen Kinder darüber köstlich amüsierten. Für mich zartes Seelchen war das in dem Alter die reinste Hölle, ich fand es so schlimm, dass ich mich fortan strikt weigerte diesen „blöden“ Kindergarten weiter zu besuchen, so dass meine Eltern irgendwann entnervt aufgaben – war für sie ja auch nicht angenehm, wenn ich kurz vor der Eingangstür so ein Theater aufführte, als würden sie mich zum Schafott führen.
Aber auch meine Kindheit bei meinen Eltern verlief (bis zu meinem 18. Geburtstag) nicht straffrei;-). Je nach Schwere des Deliktes, welches ich verbrochen hatte, fielen die Strafen unterschiedlich aus. Angefangen vom Hausarrest (sehr zur Freude meiner Mutter *lach*), über Fernsehverbot, kleine verhaßte Hausarbeiten erledigen bis hin zum „Nun setzt du dich in dein Zimmer und kommst erst wieder raus, wenn du über die Sache nachgedacht hast und dich bei uns entschuldigst“ verlief bei uns die Reihe der Bestrafungen. Ein einziges Mal habe ich eine richtige Tracht Prügel bezogen. Naja, ich glaub an dem Tag hatte ich den Bogen aber auch reichlich überspannt. Nachdem ich (mit damals zarten und unschuldigen 6 Jahren) meine technische Versiertheit an den Mann gebracht hatte (ich unterzog unserer Waschmaschine diverse Härtetests, mit dem Ergebnis, dass ich feststellen mußte, dass es sich um ein Schrottmodell handelte – die Waschmaschine war nach meinem Test leider kaputt), fand ich es überaus wichtig, unserem linoleumverzierten Fußboden mittels eines brennenden Streichholzes einem Feuerfestigkeitstest zu unterziehen. Der Boden versagte und ihn zierte ein ziemlich großes Brandloch. Doch mein Tatendrang an diesem Tag war trotz eines drohenden Nervenzusammenbruchs meiner Mutter bei weitem noch nicht befriedigt. Auf unserem Balkon standen noch einige Eimer Farbe (mein Vater hatte zuvor das Wohnzimmer neu gestrichen) und ich war der Meinung, dem Balkon könnte ein neuer Anstrich auch nicht schaden... Zur Entschuldigung für meine Mutter, dass sie nicht richtig auf mich aufpaßte sei gesagt, dass ich immer die Gunst der Minuten (mehr brauchte ich nicht *gg*) nutzte, wenn sie sich um meinen damals 3jährigen Bruder kümmern mußte. Nun denn, nach einem riesigen Donnerwetter meiner Mutter, machte ich mich sicherheitshalber freiwillig sehr früh auf, in mein Bettchen zu kriechen. Leider half es diesmal nichts, mein Vater holte mich – nachdem er von der Arbeit kam – aus dortigem heraus, legte mich im wahrsten Sinne des Wortes übers Knie und mein kleiner Allerwertester bekam eine Tracht Prügel, die sich wirklich gewaschen hatte. Das war aber auch das einzige Mal (bis auf eine Ohrfeige, die ich mit 15 bekam), dass mein Vater Hand anlegte und im Nachhinein muß ich sagen, dass ich es a) sogar verstehen kann und b) es mir in keinster Weise geschadet hat. Die schlimmste Strafe für mich war damals (und auch heute) jedoch der Liebesentzug meines Vaters und der hat mir sehr wohl geschadet. Je nachdem, was ich angestellt hatte, bestrafte mich mein Vater mit wochenlanger Nichtbeachtung – kein Gutenachtkuß, kein Streicheln über den Kopf und kein Schmusen, ganz zu schweigen von allgemeiner Unterhaltung. Sicher als Teenager war mir das später völlig schnuppe, aber als kleines Kind hat mir das unendlich weh getan. Da wäre es mir doch lieber gewesen, er hätte mir mal ein paar auf den Hintern gegeben. Ich weiß nicht mehr, was mir damals als Kind alles durch den Kopf ging, wenn es mal wieder soweit war, doch habe ich heute noch große Probleme damit, wenn sich meine bessere Hälfte und ich mal streiten und er sich ein paar Tage von mir zurückzieht. Man sieht also – manche Strafen können sehr negative Auswirkungen haben und man sollte sich schon überlegen, was man als Elternteil nun anwendet.
Mittlerweile bin ich selber Mutter von drei Kindern, alle drei mit unterschiedlichem Wesen. Und meine Worte in der Jugend, dass ich meine Kinder später NIEMALS bestrafen werde, sind in Vergessenheit geraten;-).
Sicher sieht jeder das Thema Bestrafung anders und ich gebe hier auch nur meine Meinung und meine Tipps & Tricks bekannt – schließendlich muß jeder selbst entscheiden, ob und welche Bestrafungen man bei seinen Kindern anwendet.
Zunächst sollte man sich erst einmal darüber bewußt werden, warum wir überhaupt bestrafen wollen und dies sollte man meiner Meinung auch den Kindern klar machen. Nämlich das wir nicht aus reiner Willkür handeln, einfach nur, um die Kinder zu ärgern, sondern dass es sehr wohl einen Grund hat, dass das Kind z.B. Hausarrest bekommt. Das ist natürlich altersabhängig, doch kann man hier ruhig sehr früh mit dem Erklären des Warum beginnen. Es gibt nun mal für uns alle gewisse Regeln, die wir einhalten müssen – egal, ob wir dies wollen oder nicht. Und auch Kinder sollten meiner Meinung nach gewisse Regeln einhalten, wird dies nicht getan und auch nach Erklären nicht beherzigt, dann greift man meist zu einer Bestrafung.
Ein weiterer meiner Meinung nach wichtiger Punkt ist zum einen die Konsequenz, die auferlegte Strafe auch durchzuziehen und des weiteren, dass sich hierin auch beide Elternteile einig sind. Es nutzt überhaupt nichts, einem Kind z.B. einen dreiwöchigen Hausarrest aufzuerlegen, diesen jedoch nach einem Tag schon wieder aufzuheben, weil das Kind zu Hause so lange mit Krach und dergleichen rebelliert, dass man froh ist, wenn es wieder draußen spielt *gg*. Genauso wenig bringt es etwas, wenn Mama etwas verbietet und das Kind zu Papa rennt, der dann ganz großzügig das Strafmaß aussetzt und dem Kind die Sache erlaubt. Die Folge hiervon ist nur, dass man als Elternteil nicht mehr für voll genommen wird, so nach dem Motto „laß sie ruhig reden, sie hält sich ja doch nicht dran“ oder „sie (oder er) kann mir ja gar nichts sagen, dann geh ich eben zu Papa (oder Mama), der (oder die) erlaubt mir das schon“.
Die Bestrafungen an sich sollten in Relation zur begangenen „Straftat“ stehen. Einen z.B. dreichwöchigen Hausarrest zu verhängen, weil das Kind ein Mal zu spät nach Hause gekommen ist, halte ich persönlich für überzogen.
Auch bei der Art der Bestrafung sollte man wohlüberlegt handeln. Einem Kind, was eh so gut wie nie Fernsehen schaut, ein Fernsehverbot zu erteilen, bezweckt natürlich gar nichts. Als Elternteil weiß man ja meist, woran die Kinder besonders großen Spaß haben und ich persönlich halte es dann für sinnvoller hier anzusetzen, immer altersentsprechend natürlich. Spielt ein Kind z.B. unheimlich gern mit seiner Puppe, dann kann man – wenn denn eine Bestrafung angebracht ist – hergehen und dem Kind die Puppe für ein oder zwei Tage wegnehmen (später ist es dann vielleicht der Gameboy oder ähnliches).
Sind die Kinder etwas älter, dann kann man meiner Meinung nach auch ruhig als Strafe ein paar verhaßte Hausarbeiten verhängen – z.B. die Spülmaschine ausräumen, den Müll runterbringen, Staubsaugen o.ä., sofern dies nicht zur täglichen Hilfe der Kinder im Haushalt gehören sollte.
Generell halte ich von Schlägen als Strafmaß überhaupt nichts. Trotzdem muß ich gestehen, dass auch mir schon mal die Hand ausgerutscht ist, und ich einen Klaps auf den Po gegeben habe bzw. eine Ohrfeige verteilt habe. Ich denke, dies kann jedem passieren, man sollte sich als Elternteil jedoch immer soweit unter Gewalt haben, dass dies nicht ausartet. D.h. es sollte a) nicht zur Regel werden und b) sollte man immer bedenken, dass man stärker ist und eine Ohrfeige nicht in der Weise ausartet, dass das Kind plötzlich in der Ecke liegt. Leider gibt es sowas immer wieder, man hört oder liest davon, der ein oder andere weiß davon vielleicht sogar aus eigener Kindheit zu berichten. Schläge an sich bringen meist eh nichts, sie zeigen nur das man als Elternteil versagt, weil man mit der Situation nicht mehr fertig wird. Und man darf nie vergessen, wie sehr man seelisch ein Kind mit Schläge verletzen kann.
Liebesentzug sollte auch niemals als Bestrafung eingesetzt werden. Es ist ganz gewiß nicht tragisch, wenn man sein Kind – wenn es irgend etwas schlimmes angestellt hat oder wieder einmal besonders frech war – auf sein Zimmer schickt und es für eine halbe Stunde oder Stunde nicht beachtet. Danach sollte man jedoch auf alle Fälle zeigen, dass man sein Kind liebt (gerade bei sehr kleinen Kindern halte ich dies für sehr wichtig) und ihm erklären, warum man so gehandelt hat. Wie gesagt, für mich war der Liebesentzug meines Vaters als Strafe in der Kindheit das furchtbarste was mir passieren konnte, da wäre es mir wirklich lieber gewesen, mein Vater hätte mir eine Tracht Prügel gegeben...
Was man vielleicht auch mal anwenden kann, dies jedoch erst, wenn die Kinder ein entsprechendes Alter erreicht haben, wo sie dies auch verstehen und dementsprechend handeln können, ist der Rollentausch. Sicher im ersten Augenblick mag dies nicht als Bestrafung ersichtlich sein, aber mit dem Rollentausch kann man seinem Kind vielleicht mal ein wenig näher bringen, warum man als Elternteil in gewissen Situationen mit Bestrafung handelt oder warum man mal total entnervt ist. Die Sache an sich ist ganz einfach und läßt sich sehr gut an einem Wochenende (beginnend mit Freitag nachmittag und endend am Sonntag abend) durchführen. Die Eltern schlüpfen in die Rolle der Kinder und die Kinder in die Rolle der Eltern.
Meine Eltern hatten das mal mit uns gemacht, da war ich 14 und mein mittlerer Bruder 11 Jahre alt. Wir waren plötzlich die Eltern und uns oblagen somit auch jegliche Pflichten und Rechte, die meine Eltern damals hatten. Als sie mit diesem Vorschlag ankamen, waren wir hellauf begeistert – endlich mal tun und lassen können, was wir wollten. Aber uns verging das Lachen schon nach kurzer Zeit und bereits Samstag abend bettelten wir wieder, dass der Rollentausch beendet sein möge. Während wir Kinder nunmehr die Wohnung putzen mußten (das machte meine Mutter immer am Wochenende), einkaufen mußten und für das Mittagessen sorgten, verhielten sich meine Eltern wohl so, wie wir es sonst taten. Sie nervten ohne Ende *gg*, taten grundsätzlich das Gegenteil von dem, was wir sagten, nörgelten und stampften mit den Füßen. Das hört sich witzig an, aber für uns war es damals wirklich nach kurzer Zeit alles andere als spaßig und wir verstanden unsere Eltern wenigstens für kurze Zeit (eine langanhaltende Wirkung hatte der Rollentausch jedoch nicht) und rissen uns in den nächsten Tagen am Riemen.
Ich denke, hier einige Tipps zu diesem Thema gegeben zu haben, muß aber selber eingestehen, dass ich auch an mir noch arbeiten muß, um bei der Art und Weise, wann und wie ich meine Kinder bestrafe, gerecht vorzugehen. Manchmal ist es für mich ziemlich schwierig, zumal dann, wenn Junior ein paar Nächte Krawall gemacht hat und meine Nerven eh schon überstrapaziert sind. Dann stelle ich bei mir fest, dass ich eher eine Strafe verhänge für etwas, worüber ich sonst hinweg sehen kann. Ab und zu greif ich mir dann meine beiden größeren (Junior ist dafür ja noch zu klein) und versuche mit ihnen zu reden. Zum einen frag ich sie dann, warum sie denn dauernd so viel Mist fabrizieren, mich provozieren und dazu bringen, dass ich mal ordentlich rumbrülle oder sie anderweitig bestrafe, zum anderen erkläre ich ihnen dann auch meine Handlungsweise. Eben warum ich manchmal schneller bestrafe und dass ich es eben auch nicht immer leicht habe und meine Nerven manchmal überstrapaziert sind. Auch hier habe ich nicht Riesenerfolg, als dass meine Kinder keinen Unfug mehr treiben. Aber für ein paar Tage herrscht bei uns Ruhe und ich habe das Gefühl, dass sie mich dann wenigstens ein bißchen verstanden haben. So wie auch ich sie ab und an verstehe – schließlich war auch ich mal Kind;-).
Bei dem Thema Bestrafung sollte man eines aber niemals vergessen – egal wie gereizt man ist und egal was die Kinder verbrochen haben. Schon im Grundgesetz heißt es „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ und auch unsere Kinder haben eine Würde, die wir Erwachsenen niemals verletzen dürfen. Wir dürfen mit unseren Bestrafungen niemals so weit gehen, die Seele eines Kindes zu zerstören, um uns die Kinder wie kleine Roboter gefügig zu machen. Und auch wir Erwachsenen sollten uns nicht zu fein dazu zu sein, uns bei unseren Kindern einmal zu entschuldigen, wenn wir sie mal ungerechterweise bestraft haben, nur weil wir einfach zu gestreßt waren.
© by Claudia Südkamp-Retzmann 2003
Ganz im Sinne meiner Überschrift war die erste Bestrafung, an die ich mich heute noch so richtig erinnern kann (sicher wird es zuvor welche gegeben haben, aber entweder waren die nicht so schwerwiegend oder mein Erinnerungsvermögen hat sie schlichtweg aus dem Gedächtnis gestrichen). Damals war ich knapp 4 ½ Jahre alt und durfte nachmittags eine Art Kindergarten besuchen. Zur damaligen Zeit gab es weitaus weniger freie Kindergartenplätze in unserer Großstadt und manche Eltern (so leider auch die meinigen) waren froh, wenn die Kinder wenigstens nachmittags mal für zwei Stunden dorthin durften. Ich weiß heute gar nicht mehr genau, was ich so schlimmes angestellt hatte, doch die Stimme der dortigen Erzieherin werde ich nie vergessen. Mit einem peitschenden scharfen Ton, wurde ich in die Ecke geschickt. Dort durfte ich 15 Minuten mit dem Gesicht zur Wand stehen bleiben und mich nicht vom Fleck rühren, während sich die anderen Kinder darüber köstlich amüsierten. Für mich zartes Seelchen war das in dem Alter die reinste Hölle, ich fand es so schlimm, dass ich mich fortan strikt weigerte diesen „blöden“ Kindergarten weiter zu besuchen, so dass meine Eltern irgendwann entnervt aufgaben – war für sie ja auch nicht angenehm, wenn ich kurz vor der Eingangstür so ein Theater aufführte, als würden sie mich zum Schafott führen.
Aber auch meine Kindheit bei meinen Eltern verlief (bis zu meinem 18. Geburtstag) nicht straffrei;-). Je nach Schwere des Deliktes, welches ich verbrochen hatte, fielen die Strafen unterschiedlich aus. Angefangen vom Hausarrest (sehr zur Freude meiner Mutter *lach*), über Fernsehverbot, kleine verhaßte Hausarbeiten erledigen bis hin zum „Nun setzt du dich in dein Zimmer und kommst erst wieder raus, wenn du über die Sache nachgedacht hast und dich bei uns entschuldigst“ verlief bei uns die Reihe der Bestrafungen. Ein einziges Mal habe ich eine richtige Tracht Prügel bezogen. Naja, ich glaub an dem Tag hatte ich den Bogen aber auch reichlich überspannt. Nachdem ich (mit damals zarten und unschuldigen 6 Jahren) meine technische Versiertheit an den Mann gebracht hatte (ich unterzog unserer Waschmaschine diverse Härtetests, mit dem Ergebnis, dass ich feststellen mußte, dass es sich um ein Schrottmodell handelte – die Waschmaschine war nach meinem Test leider kaputt), fand ich es überaus wichtig, unserem linoleumverzierten Fußboden mittels eines brennenden Streichholzes einem Feuerfestigkeitstest zu unterziehen. Der Boden versagte und ihn zierte ein ziemlich großes Brandloch. Doch mein Tatendrang an diesem Tag war trotz eines drohenden Nervenzusammenbruchs meiner Mutter bei weitem noch nicht befriedigt. Auf unserem Balkon standen noch einige Eimer Farbe (mein Vater hatte zuvor das Wohnzimmer neu gestrichen) und ich war der Meinung, dem Balkon könnte ein neuer Anstrich auch nicht schaden... Zur Entschuldigung für meine Mutter, dass sie nicht richtig auf mich aufpaßte sei gesagt, dass ich immer die Gunst der Minuten (mehr brauchte ich nicht *gg*) nutzte, wenn sie sich um meinen damals 3jährigen Bruder kümmern mußte. Nun denn, nach einem riesigen Donnerwetter meiner Mutter, machte ich mich sicherheitshalber freiwillig sehr früh auf, in mein Bettchen zu kriechen. Leider half es diesmal nichts, mein Vater holte mich – nachdem er von der Arbeit kam – aus dortigem heraus, legte mich im wahrsten Sinne des Wortes übers Knie und mein kleiner Allerwertester bekam eine Tracht Prügel, die sich wirklich gewaschen hatte. Das war aber auch das einzige Mal (bis auf eine Ohrfeige, die ich mit 15 bekam), dass mein Vater Hand anlegte und im Nachhinein muß ich sagen, dass ich es a) sogar verstehen kann und b) es mir in keinster Weise geschadet hat. Die schlimmste Strafe für mich war damals (und auch heute) jedoch der Liebesentzug meines Vaters und der hat mir sehr wohl geschadet. Je nachdem, was ich angestellt hatte, bestrafte mich mein Vater mit wochenlanger Nichtbeachtung – kein Gutenachtkuß, kein Streicheln über den Kopf und kein Schmusen, ganz zu schweigen von allgemeiner Unterhaltung. Sicher als Teenager war mir das später völlig schnuppe, aber als kleines Kind hat mir das unendlich weh getan. Da wäre es mir doch lieber gewesen, er hätte mir mal ein paar auf den Hintern gegeben. Ich weiß nicht mehr, was mir damals als Kind alles durch den Kopf ging, wenn es mal wieder soweit war, doch habe ich heute noch große Probleme damit, wenn sich meine bessere Hälfte und ich mal streiten und er sich ein paar Tage von mir zurückzieht. Man sieht also – manche Strafen können sehr negative Auswirkungen haben und man sollte sich schon überlegen, was man als Elternteil nun anwendet.
Mittlerweile bin ich selber Mutter von drei Kindern, alle drei mit unterschiedlichem Wesen. Und meine Worte in der Jugend, dass ich meine Kinder später NIEMALS bestrafen werde, sind in Vergessenheit geraten;-).
Sicher sieht jeder das Thema Bestrafung anders und ich gebe hier auch nur meine Meinung und meine Tipps & Tricks bekannt – schließendlich muß jeder selbst entscheiden, ob und welche Bestrafungen man bei seinen Kindern anwendet.
Zunächst sollte man sich erst einmal darüber bewußt werden, warum wir überhaupt bestrafen wollen und dies sollte man meiner Meinung auch den Kindern klar machen. Nämlich das wir nicht aus reiner Willkür handeln, einfach nur, um die Kinder zu ärgern, sondern dass es sehr wohl einen Grund hat, dass das Kind z.B. Hausarrest bekommt. Das ist natürlich altersabhängig, doch kann man hier ruhig sehr früh mit dem Erklären des Warum beginnen. Es gibt nun mal für uns alle gewisse Regeln, die wir einhalten müssen – egal, ob wir dies wollen oder nicht. Und auch Kinder sollten meiner Meinung nach gewisse Regeln einhalten, wird dies nicht getan und auch nach Erklären nicht beherzigt, dann greift man meist zu einer Bestrafung.
Ein weiterer meiner Meinung nach wichtiger Punkt ist zum einen die Konsequenz, die auferlegte Strafe auch durchzuziehen und des weiteren, dass sich hierin auch beide Elternteile einig sind. Es nutzt überhaupt nichts, einem Kind z.B. einen dreiwöchigen Hausarrest aufzuerlegen, diesen jedoch nach einem Tag schon wieder aufzuheben, weil das Kind zu Hause so lange mit Krach und dergleichen rebelliert, dass man froh ist, wenn es wieder draußen spielt *gg*. Genauso wenig bringt es etwas, wenn Mama etwas verbietet und das Kind zu Papa rennt, der dann ganz großzügig das Strafmaß aussetzt und dem Kind die Sache erlaubt. Die Folge hiervon ist nur, dass man als Elternteil nicht mehr für voll genommen wird, so nach dem Motto „laß sie ruhig reden, sie hält sich ja doch nicht dran“ oder „sie (oder er) kann mir ja gar nichts sagen, dann geh ich eben zu Papa (oder Mama), der (oder die) erlaubt mir das schon“.
Die Bestrafungen an sich sollten in Relation zur begangenen „Straftat“ stehen. Einen z.B. dreichwöchigen Hausarrest zu verhängen, weil das Kind ein Mal zu spät nach Hause gekommen ist, halte ich persönlich für überzogen.
Auch bei der Art der Bestrafung sollte man wohlüberlegt handeln. Einem Kind, was eh so gut wie nie Fernsehen schaut, ein Fernsehverbot zu erteilen, bezweckt natürlich gar nichts. Als Elternteil weiß man ja meist, woran die Kinder besonders großen Spaß haben und ich persönlich halte es dann für sinnvoller hier anzusetzen, immer altersentsprechend natürlich. Spielt ein Kind z.B. unheimlich gern mit seiner Puppe, dann kann man – wenn denn eine Bestrafung angebracht ist – hergehen und dem Kind die Puppe für ein oder zwei Tage wegnehmen (später ist es dann vielleicht der Gameboy oder ähnliches).
Sind die Kinder etwas älter, dann kann man meiner Meinung nach auch ruhig als Strafe ein paar verhaßte Hausarbeiten verhängen – z.B. die Spülmaschine ausräumen, den Müll runterbringen, Staubsaugen o.ä., sofern dies nicht zur täglichen Hilfe der Kinder im Haushalt gehören sollte.
Generell halte ich von Schlägen als Strafmaß überhaupt nichts. Trotzdem muß ich gestehen, dass auch mir schon mal die Hand ausgerutscht ist, und ich einen Klaps auf den Po gegeben habe bzw. eine Ohrfeige verteilt habe. Ich denke, dies kann jedem passieren, man sollte sich als Elternteil jedoch immer soweit unter Gewalt haben, dass dies nicht ausartet. D.h. es sollte a) nicht zur Regel werden und b) sollte man immer bedenken, dass man stärker ist und eine Ohrfeige nicht in der Weise ausartet, dass das Kind plötzlich in der Ecke liegt. Leider gibt es sowas immer wieder, man hört oder liest davon, der ein oder andere weiß davon vielleicht sogar aus eigener Kindheit zu berichten. Schläge an sich bringen meist eh nichts, sie zeigen nur das man als Elternteil versagt, weil man mit der Situation nicht mehr fertig wird. Und man darf nie vergessen, wie sehr man seelisch ein Kind mit Schläge verletzen kann.
Liebesentzug sollte auch niemals als Bestrafung eingesetzt werden. Es ist ganz gewiß nicht tragisch, wenn man sein Kind – wenn es irgend etwas schlimmes angestellt hat oder wieder einmal besonders frech war – auf sein Zimmer schickt und es für eine halbe Stunde oder Stunde nicht beachtet. Danach sollte man jedoch auf alle Fälle zeigen, dass man sein Kind liebt (gerade bei sehr kleinen Kindern halte ich dies für sehr wichtig) und ihm erklären, warum man so gehandelt hat. Wie gesagt, für mich war der Liebesentzug meines Vaters als Strafe in der Kindheit das furchtbarste was mir passieren konnte, da wäre es mir wirklich lieber gewesen, mein Vater hätte mir eine Tracht Prügel gegeben...
Was man vielleicht auch mal anwenden kann, dies jedoch erst, wenn die Kinder ein entsprechendes Alter erreicht haben, wo sie dies auch verstehen und dementsprechend handeln können, ist der Rollentausch. Sicher im ersten Augenblick mag dies nicht als Bestrafung ersichtlich sein, aber mit dem Rollentausch kann man seinem Kind vielleicht mal ein wenig näher bringen, warum man als Elternteil in gewissen Situationen mit Bestrafung handelt oder warum man mal total entnervt ist. Die Sache an sich ist ganz einfach und läßt sich sehr gut an einem Wochenende (beginnend mit Freitag nachmittag und endend am Sonntag abend) durchführen. Die Eltern schlüpfen in die Rolle der Kinder und die Kinder in die Rolle der Eltern.
Meine Eltern hatten das mal mit uns gemacht, da war ich 14 und mein mittlerer Bruder 11 Jahre alt. Wir waren plötzlich die Eltern und uns oblagen somit auch jegliche Pflichten und Rechte, die meine Eltern damals hatten. Als sie mit diesem Vorschlag ankamen, waren wir hellauf begeistert – endlich mal tun und lassen können, was wir wollten. Aber uns verging das Lachen schon nach kurzer Zeit und bereits Samstag abend bettelten wir wieder, dass der Rollentausch beendet sein möge. Während wir Kinder nunmehr die Wohnung putzen mußten (das machte meine Mutter immer am Wochenende), einkaufen mußten und für das Mittagessen sorgten, verhielten sich meine Eltern wohl so, wie wir es sonst taten. Sie nervten ohne Ende *gg*, taten grundsätzlich das Gegenteil von dem, was wir sagten, nörgelten und stampften mit den Füßen. Das hört sich witzig an, aber für uns war es damals wirklich nach kurzer Zeit alles andere als spaßig und wir verstanden unsere Eltern wenigstens für kurze Zeit (eine langanhaltende Wirkung hatte der Rollentausch jedoch nicht) und rissen uns in den nächsten Tagen am Riemen.
Ich denke, hier einige Tipps zu diesem Thema gegeben zu haben, muß aber selber eingestehen, dass ich auch an mir noch arbeiten muß, um bei der Art und Weise, wann und wie ich meine Kinder bestrafe, gerecht vorzugehen. Manchmal ist es für mich ziemlich schwierig, zumal dann, wenn Junior ein paar Nächte Krawall gemacht hat und meine Nerven eh schon überstrapaziert sind. Dann stelle ich bei mir fest, dass ich eher eine Strafe verhänge für etwas, worüber ich sonst hinweg sehen kann. Ab und zu greif ich mir dann meine beiden größeren (Junior ist dafür ja noch zu klein) und versuche mit ihnen zu reden. Zum einen frag ich sie dann, warum sie denn dauernd so viel Mist fabrizieren, mich provozieren und dazu bringen, dass ich mal ordentlich rumbrülle oder sie anderweitig bestrafe, zum anderen erkläre ich ihnen dann auch meine Handlungsweise. Eben warum ich manchmal schneller bestrafe und dass ich es eben auch nicht immer leicht habe und meine Nerven manchmal überstrapaziert sind. Auch hier habe ich nicht Riesenerfolg, als dass meine Kinder keinen Unfug mehr treiben. Aber für ein paar Tage herrscht bei uns Ruhe und ich habe das Gefühl, dass sie mich dann wenigstens ein bißchen verstanden haben. So wie auch ich sie ab und an verstehe – schließlich war auch ich mal Kind;-).
Bei dem Thema Bestrafung sollte man eines aber niemals vergessen – egal wie gereizt man ist und egal was die Kinder verbrochen haben. Schon im Grundgesetz heißt es „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ und auch unsere Kinder haben eine Würde, die wir Erwachsenen niemals verletzen dürfen. Wir dürfen mit unseren Bestrafungen niemals so weit gehen, die Seele eines Kindes zu zerstören, um uns die Kinder wie kleine Roboter gefügig zu machen. Und auch wir Erwachsenen sollten uns nicht zu fein dazu zu sein, uns bei unseren Kindern einmal zu entschuldigen, wenn wir sie mal ungerechterweise bestraft haben, nur weil wir einfach zu gestreßt waren.
© by Claudia Südkamp-Retzmann 2003
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