Bestrafungen Testbericht

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Erfahrungsbericht von LeaofRafiki

Strafe muß sein...

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

„Strafe muß sein!\" Das sage ausgerechnet ich, eine ehemals glühende Verfechterin der antiautoritären Erziehung? Ja, denn Strafe ist nicht gleich Strafe.
Das Problem bei den meisten Strafen ist nämlich, daß sie unangemessen sind, meist zu spät erfolgen und in der Regel nichts mit dem Vergehen zu tun haben.

Warum ich das als Problem ansehe, möchte ich kurz erläutern:
Unangemessen halte ich eine Strafe für dann, wenn sie in keinem angemessenen Verhältnis zur Tat, zum Vergehen oder gar zum Verbrechen steht. Auf eine Banalität, wie z.B. ein unaufgeräumtes Zimmer, eine verpatzte Klassenarbeit oder ähnliches mit wochenlangem Taschengeldentzug oder Stubenarrest zu reagieren, wie ich es als Kind erlebt habe, führt höchstens dazu, die die Strafe ersteilende Person zu hassen, nicht aber unbedingt zu der gewünschten Verhaltensänderung...

Wenn eine Strafe zu spät erfolgt, und dieses „zu spät\" ist abhängig vom Alter des Kindes, so daß sie nicht mehr mit dem Strafauslöser in Verbindung gebracht werden kann, wird sie eher als Schikane empfunden denn daß sie zu der ersehenten Verhaltensänderung führt. Hier gilt, je jünger das Kind, desto geringer die Zeitspanne, die zwischen „Tat\" und „Bestrafung\" liegen darf.

Das Dritte ist wahrscheinlich nicht jedem einleuchtend. Warum zum Teufel soll eine Strafe etwas mit dem sie auslösenden Geschehen zu tun haben?
Ganz einfach, wenn ich voraussetze, daß eine Strafe ein Erziehungsmittel sein soll, um eine unerwünschte Verhaltensweise zu sanktionieren, und dies gilt nun nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene, statt nur der Rach- und Vergeltungslust des Mächtigeren zu genügen, sollten immer, und hier sage ich bewußt „sollte\", denn es wird nicht immer zu 100 % möglich sein, auch die der „Tat\" zugrundeliegenden Gefühle und/oder Gedanken miteinbezogen werden.
Beispielsweise, wenn ein Kind ein anderes ärgert, oder schlägt, oder ihm etwas wegnimmt, ist immer auch zu hinterfragen, WARUM es das getan hat. War es eifersüchtig? Hat es sich zurückgesetzt gefühlt? Wurde es provoziert? Wollte es Aufmerksamkeit erregen? Usw.
Hiermit meine ich nun allerdings nicht das bei Jugendlichen (und Erwachsenen) beliebte Herumwühlen in der Psyche oder Vergangenheit, wo man immer etwas finden würde, womit die Tat wenn nicht zu entschuldigen, so doch zu erklären wäre, die sogenannten „mildernden Umstände\", sondern zu einem echten Verständnis des Delinquenten zu kommen - wenn dieses dem zu Bestrafenden entgegengebracht wird, ist die Strafe selber meist nicht mehr Strafe, sondern kann auch ein Hilfsmittel sein, das eigene Verhalten zu überdenken und zu ändern.

Ich erinnere mich noch gut an meine Schulzeit, die ich teils in einem Internat verbracht habe, wo wir natürlich (!?) unseren Lehrern/Erziehern diverse Streiche gespielt haben... So z.B. auch einmal einem schon sehr alten Lehrer, der von allen als sehr streng und teilweise auch ungerecht gefürchtet war. Dieser hatte aber, statt das der Zeit (60iger Jahre) und dem Stil des Internates entsprechende Mittel des Lien als auf die Finger oder stundenlangem Nachsitzen eine andere Form der Strafe gewählt: die ganze Gruppe mußte sich bei ihm zuhause einfinden! Statt der meist gebrüllten Gardinenpredigt erwartete und Tee und Kuchen, und ein Nachmittag, an dem er uns von seiner Kindheit und seinen Streichen erzählte...
Was passierte da?
Na ja, zuallererst gingen wir natürlich trotzig, verstockt und bang dorthin - und wurden überrascht, daß sich dieser Mensch uns wirklich als Mensch mit Vergangenheit, der selber einmal Kind gewesen war, zeigte. Dadurch, daß er diese Größe an den Tag legte, den Sprung aus seinem sonstigen (Rollen)Verhalten wagte und sich als Mensch zeigte, wurde er in unseren Augen zu einer echten Respektsperson - und nicht wenige von uns waren noch lange Zeit danach recht nachdenklich, was das Aushecken von Streichen anging...

Zurück zum Thema.
Dieses eine Strafe sollte thematisch mit dem Vergehen zu tun haben, ist eigentlich im besten Sinne eine Umsetzung des „wie du mir so ich dir\", allerdings OHNE Rache-Anteil, allerdings erst ab einem gewissen Alter einsetzbar. Nämlich dann, wenn die geistigen, oder kognitiven, Fähigkeiten ausreichen, das Gesamt geschehen zu erfassen.
Wer z.B. ein Tier mißhandelt hat, und zur Strafe dazu verdonnert wird, sich näher mit dieser Gattung auch praktisch zu beschäftigen, oder gar mal ein par Tage in einer Tierarztpraxis auszuhelfen, wird ein ganz anderes Verhältnis zu seiner Tat und dem Opfer seiner Handlung kommen, oder wer ein anderes Beispiel aus meiner Kindheit mag dies vielleicht auch veranschaulichen:
Wir hatte, meine Freundin und ich, in einem Keller alte Ölfarbe entdeckt... Natürlich hatte es ungeheuren Spaßgemacht, damit rumzupanschen, völlig außer Acht lassend, daß es Sonntag war und meine Freundin ihr bestes Kleidchen und Lackschühchen trug... Während sie, nachdem sie nach Hause gegangen war, eine dolle Tracht Prügel bekam, reagierten meine Eltern mit einem riesigen Lachanfall. Mein Vater schnappte sich eine Kamera, um zu photographieren, wie ich, mit Ata und Bimsstein ausgerüstet, die meine Mutter aus dem Besenschrank geholt hatte, stundenlang am Waschbecken stand und mir die Hände und Arme schrubbte, bis kaum noch Haut dran war, um die Farbe wieder loszuwerden. Wessen „Strafe\", die uns beiden, an je unterschiedlichen Körperteilen weh tat, war wohl die eindrucksvollere???

An dieser Stelle auch noch ein Wort zu körperlichen Züchtigungen:
Klar sollte man niemals ein Kind schlagen, aber...
Ja, es gibt ein Aber.
Es gibt Situationen, in denen man, wenn ein Kind etwas Verbotenes tut, blitzschnell reagieren muß, und da kann einem schon mal „die Hand ausrutschen\", z.B. wenn es sich von der Hand losreißen und auf die Straße laufen will, oder gar gelaufen ist und man es gerade eben noch von einem herannahenden Auto wegreißen kann. Ein Klaps (und nicht mehr!!!) in genau diesem Augenblick wird bestimmt weniger Narben auf der kindlichen Seele hinterlassen als ein langes Krankenlager...
Was passiert hier?
Es ist eine Schreckreaktion des Erwachsenen/Erziehungsberechtigten, die als solche sofort danach (!) auch dem Kind als solche erklärt werden kann. In so einer Gefahrensituation zu diskutieren oder so wäre völliger Schwachsinn.
Wichtig ist allerdings, diese gemeinsam erlebte (Schreck)Situation MIT dem Kind zusammen so schnell wie möglich aufzulösen, also es danach lieb in den Arm zu nehmen , zu trösten und ihm sehr, sehr deutlich zu machen, daß man es immer noch sehr, sehr lieb hat.

Eine solche „Handgreiflichkeit\" ist nun etwas ganz anderes als wutentbrannte Schläge ohne Maß, oder eine angekündigte, und dann später wahrgemachte Tracht Prügel, die nur Angst und Haß auslösen.

Zum Abschluß möchte ich noch kurz darauf hinweisen, was Strafe NICHT sein sollte:
- keine Machtdemonstration um des Machterhalts willen
- keine Vergeltung/Rache für erlittenes oder vermeintlich erlebtes Unrecht
- kein Liebesentzug

© LeaofRafiki 17.11.2002

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ACHTUNG FAKERSCHUTZ: Ich poste meine Berichte lieber selber und unter gleichem Nick regelmäßig bei Ciao, häufig bei Yopi, ab und an bei talkon, nach dem Relaunch selten Dooyoo, und noch seltener bei Ecomments, Griasdi oder gar Hitwin *grins*

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