Bild Zeitung Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Informationsgehalt:  gut
  • Qualität der Artikel & Reportagen:  gut
  • Qualität der Bilder und Fotos:  gut
  • Unterhaltungswert:  gut

Erfahrungsbericht von Fhrink

Die Zeitung des Grauens

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Nein, das war kein schöner Anblick. Ich habe sie mir einmal
vorgenommen, durch gearbeitet, \"überstanden\".
Die Rede ist von der \"BILD-Zeitung\". Seit über 50 Jahren aus
dem Alltag vieler Deutscher nicht mehr weg zu denken, ob-
wohl selbst die größten Fans dieser Publikation ironisch
von der \"BILDung\" sprechen, ihr schon mal Flunkerei, Wahr-
heitsverdreherei unterstellen und sie selbst nicht so ganz
ernst nehmen.
Genau darin liegt der Fehler. Man sollte diese Zeitung,
einst vom 1985 verstorbenen Axel Springer ins Leben geru-
fene Blatt, sehr ernst nehmen. Sie ist eine der größten
politischen Mächte des Landes. Sie prägt, entschuldigt,
forciert Meinungen, Handlungen, Entscheidungen in allen
Bereichen des täglichen Lebens. Dabei ist zu befürchten,
dass die Verdummung der Leser wesentlich wirkungsvoller zum Tragen kommt, als eine etwaiige Auf- oder Erklärung
von Sachverhalten.

Am Beispiel der \"BILD\" vom 13.9.2002 notiere ich meine
folgenden Eindrücke.

Auf Seite 1 geht es schon los mit lästigen Schlagzeilen,
für die kein Mensch nur einen Moment seiner Zeit verschwen-
den sollte. Die ersten Liebesbriefe des vom Tennisgenie
zum Volkstrottel mutierten Boris Becker erhalten 20% des
Platzes und im Sportteil ist dieses Thema den Sport-Klatsch-Reportern noch einmal eine 3/4 Seite wert.
In mir kommt das Verlangen auf, den Verzapfer des Becker-
Berichtes ordentlich zu vertrimmen.

Darunter eine politische Schlagzeile. \"Flut-Wut\". Schon
immer waren \"BILD-Zeitungs\"-Schreiberlinge höchst erfin-
derisch, manchmal sogar wirklich originell im Kreieren von
publikumswirksamen Schlagzeilen. Nur kommt im Bericht bei
der \"BILD\" immer zuerst die Emotion, dann die Information.
Das werden viele der \"BILD\" nicht ankreiden, für mich ist
es jedoch schlicht billig und journalistisch uninteressant
so etwas zu lesen.

Auf Seite 1 darf in aller Regel der Blickfang nicht fehlen.
Der richtet sich natürlich an die männlichen Leser und
besteht aus einer \"FKK-Jüngerin\". Ich weiß nicht, ob man
so eine Frau, die sich für Geld ohne Klamotten auf der
\"BILD\"-Titelseite zeigt, bedauern sollte. Vielleicht nicht,
gäbe es nicht noch einen Text zum Foto. Dieser Text ent-
larvt seinen Autor als strunzdumm und ich muss dass dann
auch der Dame unterstellen, die sich für so einen Text
hergibt. Die Männer, die an solcher \"Erotik\" Gefallen fin-
den, sind ebenso allenfalls zu bedauern.

Seite 1 komplettiert ein kurzer Nachrichten-Überblick und
eine \"Gewinner/Verlierer\"-Spalte, deren Nutzen gleich null
ist.

Seite 2 gehört der Politik und Wirtschaft. Diese Themen
sind bei der \"BILD\" in aller Regel traditionell rechts-
lastig gehalten. Gerne bedient man sich an Beispielen,
wie die aktuelle Politik von den Leuten auf der Straße
aufgenommen wird. Man ist an \"Volkes Stimme\" interessiert.
Allerdings schätze ich die \"BILD\" derart ein, dass sie das
Volk nur insofern interessiert, in welchen Stückzahlen es
die \"BILD\" kauft. Deshalb muss man Berichte, in denen sich
\"BILD\" für Schwächere stark macht, als eindeutig unglaub-
würdig goutieren. Trotzdem kann es natürlich im einen oder
anderen Falle tatsächlich zu nützlichen Hilfen kommen.

Ähnlich verhält es sich mit den Kommentaren auf Seite 2.
Der offizielle \"BILD\"-Kommentar wird von unterschiedlichen
Kommentatoren (auch Gast-Kommentatoren) verzapft und unter-
scheidet sich je nach Kommentator und Thema qualitativ.
Eine regelmäßige Rubrik hat jedoch Franz Josef Wagner.
Sein Zeug zu lesen ist ziemlich ärgerlich. Er ist ein
moralinsaurer Bastard und zudem ein stinkendes Stück Dreck
und völlig unglaubwürdig.

Es folgt eine regionale Seite, die sich durch \"Sex&Crime\"-
Berichterstattung \"auszeichnet\" und dann noch eine Handvoll
Kurzmeldungen beinhaltet.

Seite 4 gehört dem TV-Programm und mehr oder weniger be-
kannten Promis, die sich durch irgend welche Dummheiten
hervor getan haben. In diesem Fall ist es einmal mehr der
unerträgliche Dieter Bohlen, der eine von der \"BILD\"-Zei-
tung vergeblich gepushte Luftpumpen-Sängerin namens Isabel
dahin versetzt hat wo sie hin gehört: auf die Straße.
Warum schließt sich Bohlen die nicht gleich an ?
Dazu streckt eine untalentierte Schlager-Plärrerin ihren
Arsch aus dem Wasser. \"BILD\" glaubt, es sei schade, dass
ICH nicht mit dieser geistigen Flachtreterin plantschen
dürfte. Ich verzichte freiwillig.

Es folgen noch ein paar regionale Seiten im bekannten Stil,
dazu eine ganze Seite mit durchaus brauchbaren Veranstal-
tungshinweisen. Ein kleiner Stellenmarkt, meist geschaltet
von Zeitarbeitsfirmen. Werbung für Arbeitsstellen, die man
als humanere Form von Sklaverei bezeichnen kann (o.k., das
ist etwas übertrieben). Abgerundet wird\'s durch ein Kreuz-
worträtsel.

Überhaupt durchzieht eine ordentliche Portion Werbung das
Blatt. Manche Firmen platzieren halbseitige Anzeigen. Eine
Wertschätzung der Verkaufskraft der \"BILD\".

Auf Seite 11 gibt es eine weitere Kopfschüttel-Aktion.
Einige not- und geldgeile Promis suchen Lebenspartner über
die \"BILD\". Tatsächlich melden sich anscheinend sogar
einige Leute, in der höchst wahrscheinlich irrigen Hoff-
nung, es könnte etwas Vernünftiges dabei raus kommen.
Im befürchte, im besten Fall gibt es irgendwann einen gut
bezahlten Bericht von der \"BILD\" über einen Verflossenen
im Stil: \"So hat mich Ruth Moschner mit den Füßen getre-
ten\", oder sie berichtet eines Tages: \"Er war nur scharf auf mein Geld.\"

Weiter geht es mit einer ganzen Seite Automarkt. Nie ge-
braucht, nie benutzt von mir, keine Ahnung, welche Leute
dort aufzufinden sind.

Eine pädagogische \"Meisterleistung\" gelingt \"BILD\" auf Seite 13, auf der sie die unterschiedlichen Taschengelder
einer Schulklasse auflistet. Man kann sich die Diskussionen
und Neidereien in der Klasse in den folgenden Tagen lebhaft
vorstellen. Als Alibi wird in einem kleinen Kästchen eine
Richtlinie der Stiftung Warentest(!) notiert, was denn
wohl richtig sei.

Nicht fehlen dürfen Leserbriefe, deren Inhalt so ge-
schrumpft wird, dass man sie geflissentlich außer Acht
lassen kann.

Dann wirbt \"BILD-Frankfurt\" für die Bewerbung der Olym-
pischen Spiele 2012. Da bin ich mit \"BILD\" einer Meinung,
auch wenn ich davon ausgehe, dass \"BILD\" lediglich ein
weiteres großes Geschäft wittert.

Überhaupt die Abteilung Sport. Sie nimmt 40% der ganzen
Zeitung ein. Im marktschreierischen Stil, aber nicht desto
Trotz gut informiert, wird hier nicht selten entschieden,
welcher Coach demnächst fliegt.
Eine leicht überdurchschnittliche Vorstellung eines Sport-
lers wird schnell schon mal als \"Weltklasse\" apostrophiert,
ein normaler Tag eines Sportlers kann dazu führen, dass
\"BILD\" ihn aus der Mannschaft schreibt.
So ist z. B. der glanzvolle Aufsteiger Hannover 96 nach nur
4 Niederlagen bei 34 angesetzten Spieltagen bereits für
\"BILD\" eine \"Gurkentruppe\".
Fußball ist generell, verständlich im Lande eines 7maligen
WM-Finalisten, Thema Nr.1. Andere Sportarten haben es
schwer, hier Beachtung zu finden, abgesehen von der For-
mel 1 (die ich persönlich nicht als Sport bezeichne, was
aber ein anderes Thema ist).
Will ein Sportler etwas über seinen Marktwert erfahren,
dann braucht er nur diese Zeitung aufzuschlagen.

Eine ganze Seite bleibt so genannten \"Kontaktanzeigen\"
vorbehalten. Zeigt, dass die Leserschaft der \"BILD\" über-
wiegend wohl männlich ist, denn nach den Inhalten der An-
zeigen zu schließen, suchen hier Nutten und entsprechende
Einrichtungen nach Kundschaft. Muss ich in einer Tages-
zeitung wirklich nicht haben.

Die letzte Seite gehört nochmal dem Boulevard.
Hier werden (vermeintliche) Verfehlungen von Leuten aus
Film, Musik, Sport regelmäßig unerträglich aufgebauscht.
Die Kleiderwahl solcher Leute ist ein (warum auch immer),
speziell bei Autorinnen , Hauptthema, auch werden gerne
Fotos (die die Welt nicht braucht) von Paparazzis ver-
öffentlicht.
Abgerundet wird das Ganze von Typen die eine nutzlose
\"In/Out\"-Liste hojanen.
Zurück geholt in den Alltag wird man durch eine ausführ-
liche Wetter-Prognose.

Es ist bitter, sich mit der \"BILD\" zu beschäftigen.
Das Problem ist, man kann ihr kaum entgehen. Die Schlag-
zeilen springen schon am Kiosk unfreiwillig ins Auge.
Ihre Präsenz ist eminent. Kollegen am Arbeitsplatz lesen
sie massenweise. In der Bahn wird man schon mal \"gezwun-
gen\" mitzulesen, wenn der Gegenüber das riesige Blatt
ausbreitet und sie hat sogar \"Kinder\" gekriegt.
Sport-, Auto-, Computerbild, Bild der Frau, ein gewaltiger
Erfolg für eine Zeitung, doch ich wünschte, es gelänge,
diesem Masenblatt baldigst den Zahn zu ziehen.
Doch das kann man nur, indem man sich die tägliche Ausgabe
von diesen 0,45 € spart.

s

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