Bild Zeitung Testbericht
ab 18,61 €
Billiger bei eBay?
Bei Amazon bestellen
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
Summe aller Bewertungen
- Informationsgehalt:
- Qualität der Artikel & Reportagen:
- Qualität der Bilder und Fotos:
- Unterhaltungswert:
Erfahrungsbericht von airblade
B.....wie BILD, belügen und bescheißen
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Bevor ihr vorschnell ein \"geht so\" vergebt, weil dieser Bericht eurer Meinung nach in eine eigene Kategorie passt, solltet ihr euch den Bericht zu Ende durchlesen, denn ihr werdet mehr über die Bild-Zeitung erfahren, als es manchen lieb sein wird. Es geht hier um Günther Wallraffs Buch über die BILD-Zeitung \"Der Aufmacher\". Der eingefleischte Bildleser wird nach diesem Bericht und Wallraffs Buch “Der Aufmacher“ seine Morgenlektüre mit anderen Augen betrachten. Warum? Dazu jetzt mehr.
VORGESCHICHTE
Vorweg will ich anmerken, dass ich kein Leser der BILD-Zeitung bin, da ich ihr eher kritisch gegenüber stehe. Nun wird die BILD-Zeitung jedoch 50 Jahre und mich interessierten die Hintergründe dieser Zeitung. Was macht dieses Blatt bei über 12 Millionen Leser so beliebt und löst zugleich bei mir schon alleine beim Anblick der Titelseite am Kiosk verständnisloses Kopfschütteln aus? Wallraffs Buch erschien 1977. Glücklich ist wer heute noch eine fast unzensierte Augabe besitzt (Bereits in der Erstausgabe wurde an drei Stellen auf gerichtlichen Einspruch der BILD-Zeitung zensiert). Dank meiner Mutter, die damals die Erstausgabe erwarb, konnte ich die fast unzensierte Ausgabe genießen. Die juristische Macht des Springer-Konzerns hat das Buch nach und nach in seine Einzelteile aufgelöst, so dass in einer heutigen Ausgabe der Lesespaß nur noch getrübt sein dürfte.
INHALT
„überparteilich“ so steht es auf der Titelseite in dicken Lettern unter Deutschlands vier bekanntesten Buchstaben der Zeitungsbranche. Eine klare Verblendung der Leser. Das wusste der links-politische Günter Wallraff auch damals schon. Die BILD-Zeitung ist allenfalls ein unabhängiges Parteiblatt der CDU/CSU. Doch was sind die Hintergründe hierfür? Genau dieser Frage wollte Wallraff im März 1977 auf den Grund gehen. Der Punkt an dem „Der Aufmacher“ beginnt.
Mit Hilfe eines Freundes und Ex-Bildreporters gelingt es Günter Wallraff unter der fiktiven Identität des Hans Essers eine Anstellung in der hanoveraner Redaktion der BILD-Zeitung zu erhalten. Der Gedanke die Machenschaften des Revolverblattes zu veröffentlichen begleitet ihn von anfang an uns so schreibt er Redaktionsgespräche mit oder schreibt sie in abendlichen Tagebucheinträgen nieder. Dem Leser wird als die Gelegenheit geboten alles in wörtlicher Rede nacherzählt zu bekommen.
Behauptungen aufzustellen ist einfach, sie mit Beweisen zu belegen schwer. Wallraff schildert deshalb detailgenau seine Recherchen, wie der Chefreporter danach seinen Artikel kürz, abändert und verdreht (20% bleiben übrig 80% werden hinzugedichtet). Aus Zierfischausstellungen werden gefährliche Piranha-Messen nur weil sich unter Tausenden von Zierfischen ein Glas mit 7 Piranhas befindet und einem Museumsleiter vor 8 Jahren bei der Umsetzung solcher Fische ein Stück aus dem Finger gebissen wurde. Aktualisieren nennt man das in der BILD Sprache, wenn man in einem Artikel den längst vergangenen Zeitpunkt eines Ereingnisses verschweigt und eine Horrormassaker daraus macht.
Wallraff schildert unzählige solcher Recherchen und liefert in seinem Buch den zugehörigen Zeitungsartikel. So kann man sich eins zu eins ein Bild machen was wirklich abgedruckt wurde. Die Palette reicht von “gekauften“ Politessen, die angeben ihren eigenen Mann schon mal aufgechrieben zu haben, über mieses Regenwetter in Mallorca zu dem bei 24-30 Grad braungebrannte Touristen befragt werden, deren Aussage danach verdreht und verbogen wird bis sie zum vorher vormulierten Aufmacher passen („Stocksauer und enttäuscht- Urlauber die aus der Kälte kamen“) und gipfelt im angeblich berühmten Höhlenforscher, der aber eigentlich noch nie eine Höhle gesehen hat. Passend dazu wird dann ein Foto in BILD abgedruckt, dass diesen Mann nicht einmal zeigt.
Auch Wallraff lies sich von der „BILD-Art“ anstecken und griff immer wieder auf die BILD-Recherchemethoden zurück um dem Erfolgsdruck innerhalb der Redaktion standzuhalten und nicht aufzufallen. Diese Entwicklung verstrickt ihn nach 4 Monaten immer mehr in Selbstzweifeln, was ihn letzten Endes dazu veranlasst, sich Vertrauenspersonen über sein Einschleichen beim Springer-Blatt zu öffnen. Die Folge ist abzusehen und so muss Wallraff alias Hans Esser am 22. Juli bei BILD seine Koffer packen, da ein Magazin ihn entarnt hatte.
SCHREIBSTIL
Wallraffs Schreibstil ist durchschnittlich anspruchsvoll jedoch sehr ansprechend und mitreißend. Wie bereits oben geschildert sind Teile des Buchs in wörtlicher Rede gehalten um Redaktionsgespräche wieder zu geben. Desweiteren ist das Buch gespickt mit hauseigenen Springeranalysen um zu zeigen wie der eigene Verlag sein Machwerk sieht. Illustriert wird das Buch mit zahlreichen BILD-Artikeln und Fotos, welche Wallraff bei Recherchen und in der Redaktion zeigen.
FAZIT
“Der Aufmacher“ ist ein Buch, das einem die Augen öffnet und einen Einblick in die Macht und Machenschafften des Springer-Konzerns gewinnen lässt. Zu keinem Zeitpunkt haben mich die Ausführungen gelangweilt, so dass ich das 224 seitige Buch an einem Tag verschlungen habe. Was bleibt übrig? Die Erkenntnis, dass sich 12 Millionen BILD-Leser entweder in einer BILD-Welt befinden oder nur nach Unterhaltung und nicht nach Informtionen sehnen.
Herr Keuner begegnet Herrn Wirr,
dem Kämpfer gegen die Zeitungen.
\"Ich bin ein großer Gegner der
Zeitungen\" sagt Herr Wirr,
\"ich will keine Zeitungen\".
Herr Keuner sagte:\"Ich bin ein
größerer Gegner der Zeitungen:
Ich will andere Zeitungen\".
Bert Brecht
VORGESCHICHTE
Vorweg will ich anmerken, dass ich kein Leser der BILD-Zeitung bin, da ich ihr eher kritisch gegenüber stehe. Nun wird die BILD-Zeitung jedoch 50 Jahre und mich interessierten die Hintergründe dieser Zeitung. Was macht dieses Blatt bei über 12 Millionen Leser so beliebt und löst zugleich bei mir schon alleine beim Anblick der Titelseite am Kiosk verständnisloses Kopfschütteln aus? Wallraffs Buch erschien 1977. Glücklich ist wer heute noch eine fast unzensierte Augabe besitzt (Bereits in der Erstausgabe wurde an drei Stellen auf gerichtlichen Einspruch der BILD-Zeitung zensiert). Dank meiner Mutter, die damals die Erstausgabe erwarb, konnte ich die fast unzensierte Ausgabe genießen. Die juristische Macht des Springer-Konzerns hat das Buch nach und nach in seine Einzelteile aufgelöst, so dass in einer heutigen Ausgabe der Lesespaß nur noch getrübt sein dürfte.
INHALT
„überparteilich“ so steht es auf der Titelseite in dicken Lettern unter Deutschlands vier bekanntesten Buchstaben der Zeitungsbranche. Eine klare Verblendung der Leser. Das wusste der links-politische Günter Wallraff auch damals schon. Die BILD-Zeitung ist allenfalls ein unabhängiges Parteiblatt der CDU/CSU. Doch was sind die Hintergründe hierfür? Genau dieser Frage wollte Wallraff im März 1977 auf den Grund gehen. Der Punkt an dem „Der Aufmacher“ beginnt.
Mit Hilfe eines Freundes und Ex-Bildreporters gelingt es Günter Wallraff unter der fiktiven Identität des Hans Essers eine Anstellung in der hanoveraner Redaktion der BILD-Zeitung zu erhalten. Der Gedanke die Machenschaften des Revolverblattes zu veröffentlichen begleitet ihn von anfang an uns so schreibt er Redaktionsgespräche mit oder schreibt sie in abendlichen Tagebucheinträgen nieder. Dem Leser wird als die Gelegenheit geboten alles in wörtlicher Rede nacherzählt zu bekommen.
Behauptungen aufzustellen ist einfach, sie mit Beweisen zu belegen schwer. Wallraff schildert deshalb detailgenau seine Recherchen, wie der Chefreporter danach seinen Artikel kürz, abändert und verdreht (20% bleiben übrig 80% werden hinzugedichtet). Aus Zierfischausstellungen werden gefährliche Piranha-Messen nur weil sich unter Tausenden von Zierfischen ein Glas mit 7 Piranhas befindet und einem Museumsleiter vor 8 Jahren bei der Umsetzung solcher Fische ein Stück aus dem Finger gebissen wurde. Aktualisieren nennt man das in der BILD Sprache, wenn man in einem Artikel den längst vergangenen Zeitpunkt eines Ereingnisses verschweigt und eine Horrormassaker daraus macht.
Wallraff schildert unzählige solcher Recherchen und liefert in seinem Buch den zugehörigen Zeitungsartikel. So kann man sich eins zu eins ein Bild machen was wirklich abgedruckt wurde. Die Palette reicht von “gekauften“ Politessen, die angeben ihren eigenen Mann schon mal aufgechrieben zu haben, über mieses Regenwetter in Mallorca zu dem bei 24-30 Grad braungebrannte Touristen befragt werden, deren Aussage danach verdreht und verbogen wird bis sie zum vorher vormulierten Aufmacher passen („Stocksauer und enttäuscht- Urlauber die aus der Kälte kamen“) und gipfelt im angeblich berühmten Höhlenforscher, der aber eigentlich noch nie eine Höhle gesehen hat. Passend dazu wird dann ein Foto in BILD abgedruckt, dass diesen Mann nicht einmal zeigt.
Auch Wallraff lies sich von der „BILD-Art“ anstecken und griff immer wieder auf die BILD-Recherchemethoden zurück um dem Erfolgsdruck innerhalb der Redaktion standzuhalten und nicht aufzufallen. Diese Entwicklung verstrickt ihn nach 4 Monaten immer mehr in Selbstzweifeln, was ihn letzten Endes dazu veranlasst, sich Vertrauenspersonen über sein Einschleichen beim Springer-Blatt zu öffnen. Die Folge ist abzusehen und so muss Wallraff alias Hans Esser am 22. Juli bei BILD seine Koffer packen, da ein Magazin ihn entarnt hatte.
SCHREIBSTIL
Wallraffs Schreibstil ist durchschnittlich anspruchsvoll jedoch sehr ansprechend und mitreißend. Wie bereits oben geschildert sind Teile des Buchs in wörtlicher Rede gehalten um Redaktionsgespräche wieder zu geben. Desweiteren ist das Buch gespickt mit hauseigenen Springeranalysen um zu zeigen wie der eigene Verlag sein Machwerk sieht. Illustriert wird das Buch mit zahlreichen BILD-Artikeln und Fotos, welche Wallraff bei Recherchen und in der Redaktion zeigen.
FAZIT
“Der Aufmacher“ ist ein Buch, das einem die Augen öffnet und einen Einblick in die Macht und Machenschafften des Springer-Konzerns gewinnen lässt. Zu keinem Zeitpunkt haben mich die Ausführungen gelangweilt, so dass ich das 224 seitige Buch an einem Tag verschlungen habe. Was bleibt übrig? Die Erkenntnis, dass sich 12 Millionen BILD-Leser entweder in einer BILD-Welt befinden oder nur nach Unterhaltung und nicht nach Informtionen sehnen.
Herr Keuner begegnet Herrn Wirr,
dem Kämpfer gegen die Zeitungen.
\"Ich bin ein großer Gegner der
Zeitungen\" sagt Herr Wirr,
\"ich will keine Zeitungen\".
Herr Keuner sagte:\"Ich bin ein
größerer Gegner der Zeitungen:
Ich will andere Zeitungen\".
Bert Brecht
Bewerten / Kommentar schreiben