Dawn of the Dead (DVD) Testbericht

ab 10,53
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 04/2011

Erfahrungsbericht von wildheart

Furchtbar fürchterlich, aber auch komisch

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

George Romeros Klassiker des Horrorfilms „Dawn of the Dead” (1978) setzte Maßstäbe für das Genre. Darüber hinaus enthielt die Geschichte um die Zombies eine mehr oder weniger starke unterschwellige Kritik an einer überkommenen Gesellschaft. Auch wenn Romero sicherlich nicht davon ausging, dass die Vereinigten Staaten in absehbarer Zeit dem Untergang geweiht wären, kulminierte die Kritik an der „modernen” Gesellschaft doch darin, dass sie zwar weiter existieren werde, aber das, was sie als solches darstelle, letztendlich schon „tot” sei. Die Darstellung der verwaisten, verwüsteten Städte, der menschenleeren Landstriche und der Reste des Konsums, der Konsumgesellschaft, manifestiert in dem Kaufhaus, in dem sich ein paar Überlebende verschanzten, vermittelte ein Bild, bei dem es nicht mehr darauf ankam, ob dort noch Menschen existierten oder nicht. Die Untoten sind letztlich in dem Rest dessen, was in ihrer Erinnerung übrig geblieben ist, nichts anderes als das Substrat einer vermassten, nur noch auf Konsum orientierten Gesellschaft, die nichts anderes mehr kennt. Die Untoten „vegetieren” zu einem einzigen Zweck: sich selbst über den ganzen Erdball auszudehnen. Der Biss in die überlebenden Menschen symbolisiert dabei sozusagen den Konsumtrieb in seiner primitivsten Form.

Kaum jemand wird an die Vorstellung glauben, dass sich eine Gesellschaft selbst sozusagen „an die Wand fahren” kann. Romero hat dieser Vorstellung in „Dawn of the Dead” ein erschreckendes Bild gegeben.

Aber Romeros apokalyptische Vision geht über ein solches Untergangsszenario hinaus, wenn er nämlich am Schluss zwei Personen überleben lässt: einen Mann und eine Frau, also die Grundvoraussetzung für eine neue Gesellschaft und ihre Reproduktion. Die Zivilisation wird auf ihre Ursprünge zurückgeworfen – und zwar zunächst einmal durch die Untoten, die Reste der Erinnerung an die Konsumgesellschaft, die durch ihr „primitives” Verhalten ganz unbewusst, ja geradezu in dem letzten Rest Dumpfheit, der ihnen geblieben ist, deutlich machen, dass ein Leben in einer solchen Gesellschaft wertlos geworden ist. Sie beißen sich an den letzten Menschen fest, als ob sie sagen wollten: Vergesst es. Es gibt kein Zurück. Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder ihr werdet wie wir oder es gelingt euch, zu entkommen und von vorne anzufangen. Der ganze Tand, den ihr angehäuft habt, ist wertlos angesichts des Todes.

Das Paar, das am Schluss bleibt, ist die letzte Hoffnung. Romero muss natürlich offen lassen, was die beiden jetzt anfangen. Doch klar ist: Sie können nicht da anfangen, wo sie aufgehört haben.

______


Irgendwann musste es kommen – das Remake dieses Films. Und Zack Snyder, ein Werbe- und Videoclipfilmer, unternahm 2004 den Versuch, indem er – in den Eckpunkten der Handlung Romero weitgehend folgend – die Geschichte neu erzählte. Dabei macht bereits die Anfangsszene deutlich, dass die Fahrt in eine doch etwas andere Richtung gehen soll – sowohl erzählerisch, als auch erzähltechnisch, als auch stilistisch, als auch in der Darstellung der Untoten selbst.

Die Anfangsszenerie ist gespenstisch und vermittelt schnell und unbarmherzig das Bild einer immens gefährdeten, zur Selbstverteidigung fast unfähigen Gesellschaft. Aus hübsch-hässlichen Vorgärten und Reihenhäusern, sauberen Straßen und ebenso sauberen Menschen wird in Minuten ein Bild der Verwüstung, des Todes und des Horrors gegenüber etwas, was die Überlebenden nicht begreifen können. Eine Krankenschwester namens Ana (Sarah Polley) kommt von der Schicht nach Hause zu ihrem Mann. Und in Sekunden verwandelt er sich durch ein ins Haus eingedrungenes Nachbarskind am nächsten Morgen zu einem aggressiven, fratzenhaften Monster, das nur noch eines kennt: alle beißen, die noch nicht zu den Zombies gehören. Die Kamera zeigt aus der Luft eine Vorstadt, die aussieht, als wenn ein Terroranschlag über sie gekommen ist. Ana bleibt nur noch die Flucht im eigenen Pkw, vorbei an Nachbarn und anderen, die zu Untoten mutiert sind, und wenigen Menschen, die in Angst und Schrecken um ihr Leben kämpfen und vergeblich um Hilfe schreien.

Wohin fliehen? Die Gedanken konzentrieren sich nur auf diese Frage: wohin, um dem Schrecken zu entkommen, für den niemand, auch die klugen Leute nicht, die über die verbliebenden Fernsehsender ihre Spekulationen preisgeben, eine Erklärung parat hat. Ana trifft auf Michael (Jake Weber), den Cop Kenneth (Ving Rhames), den jungen Andre (Mekhi Pfeifer) und dessen schwangere Frau Luda (Inna Korobkina), und da kein anderer Fluchtweg greifbar scheint, flieht man in den nahe gelegenen, von Menschen längst verlassenen Konsumtempel, in dem nur noch die Waren und die Kaufhausmusik daran erinnern, was hier einmal war.

Dort scheint man relativ sicher, da das Kaufhaus mit Sicherheitsglas abgesichert ist. Doch andere Probleme tauchen auf, als die fünf auf drei bewaffnete Security-Männer treffen. Und deren Anführer CJ (Michael Kelly) verlangt, das die vier ihre Waffen abgeben, wenn sie bleiben wollen. Es kommt zu Spannungen zwischen beiden Gruppen.

Auch wenn später noch andere überlebende Menschen mit einem Lkw dort eintreffen, ist doch klar, wie der Hase jetzt läuft: Einer nach dem anderen wird Opfer der Untoten – bis schließlich eine rettende Idee den verbleibenden Menschen die lebenserhaltende Flucht zu garantieren scheint ...

______


Zweifellos nimmt Snyder seine Sache nicht bierernst. Nach einer der zahlreichen Zerfleischungsszenen lässt er beispielsweise einen Song spielen, der mit den Worten beginnt „Oh, shit”. Überhaupt trägt die rasante Musik des Films dazu bei, die Gefahrensituationen stets aufs Neue aufzulockern. Vieles, wenn auch nicht alles, löst Snyder in Komik auf. Aber trotz alldem und trotz der modernen Technik, die es ihm ermöglicht, Zombiemassenszenen ebenso beeindruckend, ja manchmal geradezu überwältigend ins Bild zu setzen, wie den Kampf der Überlebenden gegen die tödliche Gefahr oder einzelne Zombies, geht die Fahrt in eine deutlich andere Richtung als bei Romero. Auch bei Snyder sind die Vorgärten und Einfamilienhäuser zerstört, die Gegend ist menschenleer und von Untoten übervölkert. Und doch ähnelt die ganze Szenerie eher einer Situation, in der ein außerirdischer oder auch irdischer, überdimensionaler Terrorangriff die USA heimgesucht hätte. Nicht dass Snyder dies unbedingt beabsichtigt hätte. Aber die gesellschaftskritische Komponente von Romeros „Dawn of the Dead” ist in Snyders Inszenierung des Stoffs kaum vorhanden.

Im Vordergrund steht die grässliche Angstsituation ca. eines Dutzend von Überlebenden im Kaufhaus – also eine Panic-Room-Atmosphäre. Verstärkt wird diese Grundstimmung noch durch die deutlich andere Darstellung der Untoten. Während die Zombies bei Romero eher verhalten, langsam und wesentlich weniger aggressiv daherkamen, zeichnet sie Snyder als extrem aggressionslüsterne, auch in ihrem Äußeren wesentlich blutrünstigere Gestalten, die noch dazu in erheblich höheren „Stückzahlen” auftreten. In einer Szene sieht man vor dem Konsumtempel kurz vor der Flucht der Menschen gar Tausende von eng zusammengedrängten Zombies – gleichsam eine Massendemonstration des Weltuntergangs.

In dieser Hinsicht hat Snyders Film eher Gemeinsamkeiten mit Filmen, in denen Riesenspinnen Menschen den Garaus machen wollen, denn mit Romeros Original.

Was die Schauspieler angeht, kann man getrost schlussfolgern, dass sie ihre Sache ernst genommen haben. Die Charaktere sind durchaus glaubwürdig, ihre Mentalitäten durchaus unterschiedlich, was nicht zuletzt auch wesentlich zur immer vorhandenen Spannung des Films beiträgt.

Nach dem Ende des Films geht Snyder dazu über, durch zwischen den Abspann einmontierte Sekundenbilder mit der Handkamera, die in ihrer Art sehr stark an „Blair Witch Project” erinnern, die Frage völlig offen zu lassen, was mit den Überlebenden wohl passieren wird.

Insgesamt fehlt dem Film zwar die kritische Komponente des Originals. Aber dennoch ist Snyder ein durchaus spannender, stilistisch und technisch exzellent inszenierter Streifen gelungen, den es sich lohnt, auch mehrmals anzusehen. Es macht einfach Spaß.

D V D
Die von Universal Pictures editierte DVD enthält neben einem Audiokommentar von Regisseur Snyder und Produzent Newman sowie einem Trailer zu „Shaun of the Dead” einiges an Zusatzmaterial:

„Die verlorene Aufnahme. Andys letzte schreckliche Tage werden enthüllt” (16 Minuten)
Es handelt sich um eine nachgestellte Szene über einen Überlebenden, der in seinem Waffenladen gegenüber dem Kaufhaus von Ana und den anderen entdeckt wurde. Während im Film Andy nur von weitem zu sehen ist, zeigt dieses mit der Handkamera gedrehtes Featurette Andy in seinem Laden – bis zu dem Zeitpunkt, als er auch von einem Zombie gebissen wird. Das ganze ist eher humorvoll zu verstehen, besonders wenn Andy über sein „neues Leben” nach Auftauchen der Untoten philosophiert.

„Sondernachricht. Wir unterbrechen das Programm” (21 Minuten)
Auch hier handelt es sich um eine humorige Ergänzung zum Film. Das Featurette simuliert eine Nachrichtensendung von „3News”. Ein David Barrows leitet die Sendung über einen Zeitraum von etlichen Tagen, in denen die Zombies nach und nach das gesamte Land überziehen: Interviews im Krankenhaus, Spekulationen von Fachleuten über die Ursachen der Katastrophe, Erklärungen des Weißen Hauses, ein Amateurvideo über Untote usw. werden gezeigt. Ein Psychologe sinniert, die aufgestaute Wut vieler Menschen habe sie zu Zombies mutieren lassen. Ein Pathologe erzählt einer Reporterin, er habe einem Zombie Eingeweide und Herz herausgenommen, aber der bewege sich immer noch. In einem Bericht zeigen Uniformierte, wie man einen Untoten richtig tötet. Barrows wird von Sendung zu Sendung immer nervöser, blasser und ängstlicher. Eine schöne und komische, ja sarkastische Ergänzung zum Film, in dem nur ab und an kurz Nachrichtensendungen eingeblendet werden.

„Untoten-Szenen mit Kommentaren von Snyder und Newman” (11 Minuten)
Snyder und Newman zeigen nicht verwendete Szenen und Szenen, die dann anders gedreht wurden, und erklären, warum diese Szenen nicht verwendet wurden.

„Das Auferwecken der Toten” (7 Minuten)
Das Featurette erklärt die „Herstellung” der Zombies, d.h. der Masken.

„Angriff der lebenden Toten” (7 Minuten)
Dieser Beitrag zeigt, wie einzelne Zombies, die im Film Einzelszenen haben, auf ihre Rollen vorbereitet und wie die Szenen mit ihnen gedreht wurden.

„Zerreissende Kopfschmerzen: Anatomie explodierender Schädel” (5 Minuten)
Im Film wird sehr oft auf die Köpfe der Untoten geschossen – die einzige Möglichkeit, sie unschädlich zu machen. Das Featurette zeigt, wie dies tricktechnisch gemacht wurde.

Insgesamt gesehen eine durchaus passable, interessante und den Film selbst gut ergänzende DVD-Edition, die Freunde des Films sicherlich erfreuen wird.

Wertung Film: 10 von 10 Punkten.
Wertung DVD: 10 von 10 Punkten.

© Bilder: Universal Pictures.
Screenshots von der DVD.

Dawn of the Dead
(Dawn of the Dead)
USA 2004, 109 Minuten (Director’s Cut)
Regie: Zack Snyder

Drehbuch: James Gunn, George A. Romero
Musik: Tree Adams, Tylor Bates
Director of Photography: Matthew F. Leonetti
Montage: Niven Howie
Produktionsdesign: Andrew Neskoromny

Darsteller: Sarah Polley (Ana, Krankenschwester), Ving Rhames (Kenneth, Cop), Jake Weber (Michael, Verkäufer), Mekhi Phifer (Andre), Ty Burrell (Steve), Michael Kelly (CJ, Security-Anführer), Kevin Zegers (Terry), Michael Barry (Bart), Lindy Booth (Nicole), Jayne Eastwood (Norma), Boyd Banks (Tucker), Inna Korobkina (Luda, Andres schwangere Frau), R.D. Reid (Glen), Kim Poirier (Monica), Matt Frewer (Frank), Justin Louis (Luis), Hannah Lochner (Vivian), Bruce Bohne (Andy)

Internet Movie Database:
http://german.imdb.com/title/tt0363547


© Ulrich Behrens 2006
zuerst publiziert bei: www.follow-me-now.de

46 Bewertungen, 14 Kommentare

  • XXLALF

    27.01.2010, 21:54 Uhr von XXLALF
    Bewertung: besonders wertvoll

    ganz schön gruselig-schaurig und rein gar nicht mein film, jedoch ein super filmbericht, bw und ganz liebe grüße

  • Iris1979

    19.01.2009, 15:44 Uhr von Iris1979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super Bericht. LG Iris

  • Jerry525

    19.11.2008, 08:52 Uhr von Jerry525
    Bewertung: sehr hilfreich

    Einen lieben Gruß vom Jerry

  • Baby1

    27.07.2007, 21:10 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Anita

  • panico

    18.03.2007, 20:19 Uhr von panico
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg panico:-)

  • campimo

    14.01.2007, 17:25 Uhr von campimo
    Bewertung: sehr hilfreich

    (¯`•.¸* SH & LG *¸.•´¯)

  • krullinchen

    08.01.2007, 11:42 Uhr von krullinchen
    Bewertung: sehr hilfreich

    (¯`•.¸*sh*¸.•´¯)

  • LittleSparko

    09.11.2006, 17:46 Uhr von LittleSparko
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg, daniela

  • anonym

    07.10.2006, 18:06 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    wie immer schöner Bericht,LG Bernd

  • anonym

    06.10.2006, 01:09 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    .. - Lieben Gruss, Manuela :o)

  • anonym

    01.10.2006, 01:21 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Lieben Gruß :-)) Marianne

  • anonym

    27.09.2006, 18:48 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh :o)

  • Sayenna

    22.09.2006, 23:57 Uhr von Sayenna
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh :-) LG Ela

  • Tweety30

    21.09.2006, 12:56 Uhr von Tweety30
    Bewertung: sehr hilfreich

    >Sehr hilfreich< …und es grüßt Tweety30! ♥