Erfahrungsbericht von ZordanBodiak
Wie tötet man etwas, das bereits tot ist?
Pro:
Verdammt spannend... Relativ eigenständige Story... Sehr gute Hauptdarsteller... Eines der besten Remakes, die mir spontan einfallen... Und als Bonus kommt auch noch eine Kettensäge zum Einsatz...
Kontra:
Für viele wohl zu blutig – aber das sollte man bei einem derartigen Film auch nicht anders erwarten... Die Gesellschaftskritik des Originals wurde vergessen – so dass das Remake „nur“ ein purster Unterhaltungsfilm ist...
Empfehlung:
Ja
And I heard a voice in the midst of the four beasts,
And I looked and behold: a pale horse.
And his name, that sat on him, was Death.
And Hell follwed with him
[---Johnny Cash – The man comes around---]
Scheinbar herrscht in den Drehbuchetagen Hollywoods eine schlimme Seuche. Alle „Angestellten“ verfahren nach dem gleichen System, kopieren hirntot die Ideen ihrer „Vorfahren“. Und nachdem vor wenigen Monaten schon dem kettensägeschwingenden Leatherface [„Texas chainsaw massacre“] ein Remake gewidmet worden ist, soll nun ein weiterer Horror-Klassiker in neuer Optik einer jüngeren Generation von Teenagern das Fürchten lernen: „Dawn of the dead“ kommt mit bekannten Namen und einem monströsen 28 Millionen Dollar Budget in seiner Neuauflage äußerst bombastisch daher. Ob er aber das Original von George A. Romero – das seit seinem Erscheinen (wieso auch immer) den deutschen Jungschützern Kopfzerbrechen bereitet – hinter sich lassen kann? Vertraut man den bisherigen Stimmen aus den USA, gelingt Regisseur Zack Snyder zumindest ein äußerst ansehnlicher Film, der einer knapp einhundertminütigen Achterbahnfahrt gleicht...
Der Inhalt - When there's no more room in hell...
Bis zum Sonnenuntergang schien die Welt noch gänzlich im Gleichgewicht – doch nach dem Sonnenaufgang ist nichts mehr so wie es einmal war: Die Toten sind aus ihren Gräben auferstanden und lechzen nach menschlichem Fleisch. Wie eine Seuche breiten sich diese aus. Jeder der von ihnen gebissen wird, verwandelt sich – früher oder später – in einen der Zombies. Scheinbar kann sich nur eine fünfköpfige Gruppe Menschen in ein riesiges Einkaufszentrum retten...
Doch schon nach den ersten Streifzügen durch das verlassene Einkaufsparadies stoßen die Überlebenden auf drei sich verschanzende Security-Männer, die nicht sonderlich erpicht darauf sind ihre Festung zu teilen...
Die Inszenierung - ...the dead will walk the earth!
Eines vorweg: Zack Snyder vermeidet es – wie man schon am Inhaltsanriss erkennen kann – ein eins zu eins Remake auf die Leinwand zu bannen. Das wird wohl einigen missfallen –realistisch betrachtet ist es jedoch ein grandioser Schachzug! Für was auch die gleiche Thematik noch mal punktgenau verwurschteln? So weiß man zwar von der äußerst hungrigen Zombiemeute und dass sich eine Gruppe Überlebender in einem Kaufhaus verschanzen wird – wie sich diese missliche Lage aber auflösen wird, das kann man sich nur selber zusammenreimen. Klar, man kann versuchen die bekannten Gesichter von den unbekannten zu trennen – und so eine seichte Prognose für ein Überleben abgeben. Ob aber ein muskelbepackter Klotz wie Ving „Marsellus Wallace“ Rhames wirklich das Finale zu Gesicht bekommen wird? Der lässige Mekhi Phifer [u.a. „8 mile“] hingegen hat auch schon nicht die End-Credits von „I still know what you did last summer“ zu Gesicht bekommen. Da dürfte doch nur der hübsche Independenten-Star Sarah Polley [u.a. „Go“ und „the sweet hereafter / das süße Jenseits“] in Betracht kommen...
Aber vielleicht sollte man dem spekulierenden Betrachter eine kleine Hilfestellung geben: Zack Snyder hat zwar die Geschichte rundum erneuert, von der Boshaftigkeit des Originals hingegen hat er nichts abgelegt. Über die Klinge müssen seine Figuren springen – und da nützt einem nichts das bekannte Gesicht. Einzig in der verbleibenden Zeit auf der Leinwand können diese „Stars“ ihr schauspielerisches Talent besser beweisen. Und das gelingt vor allem Sarah Polley äußerst gut. Verdammt sympathisch kommt sie herüber, gibt ihrem (ziemlich) bodenständigen Charakter eine äußerst glaubhafte Fassade. Man merkt förmlich, dass sie eigentlich nicht in derartig blutigen Gefilden beheimatet ist.
Dass dann auch noch Ving Rhames mit seiner Oberarmmuskelmasse [der muss noch einiges zugelegt haben, ansonsten hätte ihn Bruce Willis in „Pulp Fiction“ wohl nicht annähernd so vermöbeln können!] verdammt imposant rüberkommt und zusätzlich seine darstellerischen Qualitäten ausspielt – dann sind das Pluspunkte, die nur wenige Splatterfilme sammeln können.
Klar, nicht alle können dieses Niveau halten. Zwar ist Michael Kelly (als CJ) als Anführer der Security-Truppe noch herrlich widerwärtig und faszinierend. Aber schon die gore-erfahrenen Kevin Zegers und Lindy Booth [beide in “Wrong turn“] wirken mimisch beschränkt oder zu überspitzt. Und letztlich muss sich Mekhi Phifer auch noch mit einer verhältnisgemäß kleinen Rolle abgeben – kann so nicht wirklich glänzen. Doch wen stört das schon? Schließlich führt man sich einen Horrorfilm zu Gemüte. Und da ist man über zwei schauspielerische Lichtblicke – und den faszinierenden Widerling – äußerst erfreut!
Ob die (überwiegend) guten Schauspieler jedoch ausreichen sollen, um einen sehenswerten Film fertig zu stellen? Gerade wenn man erkennen muss, dass Drehbuchautor James Gunn zuvor für die Troma-Studios und die „Scooby Doo“-Filme zuständig war, möchte man berechtigte Zweifel anbringen. Der trashige Charakter eines „Tromeo and Juliets“ würde dem bitterbösen „Dawn of the dead“ nicht annähernd gerecht werden. Und solch’ penetranten Flatulenzen wie bei dem geisterjagenden Hund? Man möchte nicht einmal daran denken!
Ohne aber auch nur annähernd zu übertreiben: Die vorherigen Anstellungen Gunns merkt man der erzählten Geschichte nicht (wirklich) an. Zwar sind die Charaktere weitestgehend flach gezeichnet und passen in die gängigen Horror-Klischees – doch das stört nicht. Selbst über die (kleineren) logischen Lücken kann man getrost hinwegsehen. Denn „dawn of the dead“ kann auf ein verdammt spannendes Drehbuch zurückgreifen – und genau deswegen sucht man schließlich das abgedunkelte Kino auf. Schon das erste Auftauchen eines Zombies wird derartig stimmig inszeniert, dass man verkrampft in die Popcorn-Tüte greift. Ein kleines untotes Mädchen greift die gerade aufgewachte Ana [Sarah Polley] und deren Freund an. Wieselflink bewegt sich das Monster. Beißt sich in den Hals des Freundes. Ein grandios inszenierter Schockmoment, der die spätere Marschroute des Filmes festlegt: Weg von den lahmarschigen Zombies – her mit der rennenden und äußerst blutrünstigen Meute.
Und gerade diese Schnelligkeit der Untoten – wie sie auch schon in „28 days later“ eingeführt worden ist (obgleich dies eigentlich keine Zombies waren) – versorgt den Film mit zusätzlichen Spannungsmomenten. Jedes Stolpern kann tödlich sein, man kann sich nicht mehr derartig leicht durch die Massen quetschen oder die wandelnden Leichen mit billigen Taschenspielertricks ausspielen, um sich letzten Endes in einem sicheren Treppenhaus zu verschanzen. Jetzt muss man einiges an Schnelligkeit und Geschicklichkeit aufbringen, um nicht der Horde der Untoten in die fleischeshungrigen Finger zu fallen. Dass letztlich einige (alle?) Figuren nicht die notwendige Schnelligkeit aufbringen können und so am eigenen Leibe die „Verwandlung“ in einen Zombie erfahren müssen, dürfte wohl selbstverständlich sein.
Einziger Nachteil bei diesen zahlreichen Story-Neuerungen ist, dass das gesellschaftskritische Potential des Originals – in Bezug auf die konsumgeile Menschheit – gänzlich ausgemerzt wird. Vermutlich wäre aber auch der Versuch diese anspruchsvollen Züge von Romeros Werk zu übernehmen äußerst lächerlich dahergekommen. Es hätte dem Film einen nicht schmackhaften Plagiat-Stempel aufgedrückt – kopierte satirische Elemente verlieren immerzu ihren Biss! Demnach also doch ein Nachteil, der sich ins Gegenteil verkehrt. Zwar hätte man das Geschehen mit anderen kritischen Momenten würzen können [so wird schon von einigen krampfhaft versucht eine übelst amerikanisierte weltpolitische Lagebeschreibung in den Film hineinzuinterpretieren – was man aber bei dem offensichtlichen „Unterhaltungscharakter“ nur schwerlich vertreten kann!], doch einfache Unterhaltung ist schließlich nicht immer verkehrt und kann – wie sich zeigt – einen äußerst gelungenen Filmabend hervorbringen.
Um nun aber nicht als simpelste Schocker-Hatz zu verkommen, würzt Gunn sein Drehbuch mit einer handvoll magischer Momente, die man dergestalt nicht in einem Splatterfilm vermuten würde: Wenn Kenneth [Ving Rhames] sich mit einem „meilenweit“ entfernten Überlebenden – der sich auf seinem Dach verschanzt hat – anfreundet und mittels weißen Tafeln und Fernrohr kommuniziert, dann sind das Momente größter Menschlichkeit: Der äußerlich grobschlächtige Cop spielt mit seinem Freund Schach oder eine äußerst sarkastische Version von Prominentenraten (die hier nicht verraten wird!). Szenen, die sich positiv ins Gedächtnis einbrennen. Szenen, die leider den meisten Splatterfilmen fehlen. Momente, die kurzzeitig die Hoffnungslosigkeit der Geschichte auflockern und dem Zuschauer die Möglichkeit des Luftholens eröffnen.
Und so verbleibt trotz der apokalyptischen Atmosphäre auch nicht der (Insider-)Humor bei „dawn of the dead“ zu kurz. Wenn in einem Fahrstuhl des Kaufhauses Bobby McFerrins „don’t worry, be happy“ geträllert wird, wenn die Überlebenden von ihrem Dach aus die Zombies mit Golfbällen abschießen oder wenn ein einzelner Überlebender durch die langen Gänge des Kaufhauses geht und aus der Konserve „All by myself“ erklingt – dann kann man sich nur schwerlich das Lachen verkneifen. Und dabei sind dies noch nicht einmal die amüsantesten Fälle! Alleine die zahlreichen Ehrerbietungen an das Original zaubern den Kennern ein Lächeln ins Gesicht: Da ist Make-Up-Gott Tom Savini [Sex Machine in „from dusk till dawn“ / der Anführer der Rockerbande im Original „dawn of the dead“] kurz zu sehen und Ken Foree darf ein weiteres Mal die Tagline [„when there’s no room in hell, the dead will walk the earth!“] von sich geben! Schlichtweg herrlich!
Dass aber das hohe Budget nicht nur für die Verpflichtung der Schauspieler und ein gutes Drehbuch verpulvert worden ist, kann man unzweifelhaft an der großartigen Masken- und Prothesenarbeit erkennen. Dave Snyder (Maske) und Shaun Smith (Leiter der Prothesenkreierung) zauberen übelst zugerichtete Gesichter auf die Leinwand, lassen das Blut voller Freude über die Darsteller spritzen – bis diese zum Schluss in einem einheitlichen Rot kaum zu unterscheiden sind. Ebenso herausragend die Splatter-Effekte: Frei von der Leber wird munter darauf losgemetzelt. Da werden Körperteile abgemetzelt, voller Freude eine Kettensäge eingesetzt oder ähnliche Appetitlichkeiten verwendet, um den Magen des Zuschauers gehörig aufzuwirbeln.
Um aber die Schlachtorgie noch ansehnlicher zu machen, greifen die Produzenten mit Niven Howie auf einen Cutter zurück, der schon mehrfach durch seine videoclip-ästhetischen Bildkompositionen [u.a. in „Lock, stock and two smokin’ barrels / Bube, Dame, König, GrAs“] aufgefallen ist. Gnadenlos montiert er die von Matthew F. Leonetti gefilmten Bilder zusammen. Erzeugt durch seine hektische Arbeit eine noch größere Unruhe beim Betrachter. Langsam zoomt Leonettis Kamera auf die unheilvollen Geräusche, Howie wechselt mit schnellen Schnitten die Perspektiven. Eröffnet kurzzeitig Blicke auf die ängstlichen Gesichter der Protagonisten. Springt wieder zu den Geräuschen zurück. Der Schweiß auf der Stirn steigt mit jedem der zahlreichen Schnitte. Vielleicht mag das dem ein oder anderen zu neumodisch vorkommen. Zu „über-styled“. Doch man kann durchaus mit der visuellen Mode gehen – vor allem wenn sie so grandios zur Horror-Atmosphäre passt.
Letztlich MUSS nur noch der famose Vorspann erwähnt werden, der schnell aus wackeligen Nachrichtenbildern zusammengeschnitten worden ist und mit Johnny Cashs „the man comes around“ unterlegt worden ist! Grandios wie der apokalyptische Song mit den Bildern harmoniert – und mit seiner country-esken Melodie und dem gebrechlichen Gesang gänzlich im Widerspruch zu der eigentlich hektischen Videoclip-Ästhetik steht. Schon ab diesem Moment muss man eigentlich „dawn of the dead“ genießen...
Fazit - 36 billion people have died since the reign of humanity. For the new Dawn, there's a reunion...
Remakes haben immer einen schweren Stand. Sie klammern sich zumeist aufgrund zu großer Ehrfurcht pedantisch an ihre großen Vorbilder – und verlieren so jegliche Vergleiche. Doch Zack Snyders High-Budget-Neuauflage von Romeros blutiger Gesellschaftssatire beschränkt sich auf das Aufgreifen der Grundthematik und zimmert um dieses Gerüst einen Horror-Schocker, der sich nicht zu verstecken braucht! Langsam wird die Spannungsschraube angezogen, immer mehr werden die Nerven des Zuschauers unter Druck gesetzt. Gepaart mit bitterbösestem Humor und einer äußerst ansprechenden Bebilderung ergibt das einen Film, der sich trotz der kleineren logischen Lücken schnell an die Spitze der blutigen Splatterorgien der letzten Jahre katapultieren kann.
Dass „dawn of the dead“ letztlich nicht unblutig daherkommt und sein „keine Jugendfreigabe“-Siegel gänzlich zu recht trägt, sollte bei einem derartigen Titel nicht verwundern. Wer aber seinem Magen zahlreiche Kopfschüsse und andere Appetitlichkeiten zumuten möchte und das jugendliche Alter bereits hinter sich gelassen hat, wird unter Garantie seinen Spaß mit der „Nacht der Zombies“ [toller deutscher Untertitel – und dabei wird im Remake noch nicht einmal das Wort „Zombie“ verwendet!] haben. Einziges Ärgernis ist, dass der Verleih auch in Deutschland nur eine vom Verleih gekürzte Fassung in den Kinos präsentiert. Aber wieso sollte es uns auch besser ergehen als den Amis?
Und so ist „dawn of the dead“ unter dem Strich der beste (und vielleicht erste) Beweis, dass das Wiederkäuen von altem Filmmaterial manchmal äußerst zufriedenstellend sein kann...
Wertung: 9 untote Punkte auf meiner 10er-Skala
Internet: http://movies.uip.de/dawnofthedead/
Trailer: http://www.apple.com/trailers/universal/dawnofthedead/ (sehr lustbereitend!)
And I looked and behold: a pale horse.
And his name, that sat on him, was Death.
And Hell follwed with him
[---Johnny Cash – The man comes around---]
Scheinbar herrscht in den Drehbuchetagen Hollywoods eine schlimme Seuche. Alle „Angestellten“ verfahren nach dem gleichen System, kopieren hirntot die Ideen ihrer „Vorfahren“. Und nachdem vor wenigen Monaten schon dem kettensägeschwingenden Leatherface [„Texas chainsaw massacre“] ein Remake gewidmet worden ist, soll nun ein weiterer Horror-Klassiker in neuer Optik einer jüngeren Generation von Teenagern das Fürchten lernen: „Dawn of the dead“ kommt mit bekannten Namen und einem monströsen 28 Millionen Dollar Budget in seiner Neuauflage äußerst bombastisch daher. Ob er aber das Original von George A. Romero – das seit seinem Erscheinen (wieso auch immer) den deutschen Jungschützern Kopfzerbrechen bereitet – hinter sich lassen kann? Vertraut man den bisherigen Stimmen aus den USA, gelingt Regisseur Zack Snyder zumindest ein äußerst ansehnlicher Film, der einer knapp einhundertminütigen Achterbahnfahrt gleicht...
Der Inhalt - When there's no more room in hell...
Bis zum Sonnenuntergang schien die Welt noch gänzlich im Gleichgewicht – doch nach dem Sonnenaufgang ist nichts mehr so wie es einmal war: Die Toten sind aus ihren Gräben auferstanden und lechzen nach menschlichem Fleisch. Wie eine Seuche breiten sich diese aus. Jeder der von ihnen gebissen wird, verwandelt sich – früher oder später – in einen der Zombies. Scheinbar kann sich nur eine fünfköpfige Gruppe Menschen in ein riesiges Einkaufszentrum retten...
Doch schon nach den ersten Streifzügen durch das verlassene Einkaufsparadies stoßen die Überlebenden auf drei sich verschanzende Security-Männer, die nicht sonderlich erpicht darauf sind ihre Festung zu teilen...
Die Inszenierung - ...the dead will walk the earth!
Eines vorweg: Zack Snyder vermeidet es – wie man schon am Inhaltsanriss erkennen kann – ein eins zu eins Remake auf die Leinwand zu bannen. Das wird wohl einigen missfallen –realistisch betrachtet ist es jedoch ein grandioser Schachzug! Für was auch die gleiche Thematik noch mal punktgenau verwurschteln? So weiß man zwar von der äußerst hungrigen Zombiemeute und dass sich eine Gruppe Überlebender in einem Kaufhaus verschanzen wird – wie sich diese missliche Lage aber auflösen wird, das kann man sich nur selber zusammenreimen. Klar, man kann versuchen die bekannten Gesichter von den unbekannten zu trennen – und so eine seichte Prognose für ein Überleben abgeben. Ob aber ein muskelbepackter Klotz wie Ving „Marsellus Wallace“ Rhames wirklich das Finale zu Gesicht bekommen wird? Der lässige Mekhi Phifer [u.a. „8 mile“] hingegen hat auch schon nicht die End-Credits von „I still know what you did last summer“ zu Gesicht bekommen. Da dürfte doch nur der hübsche Independenten-Star Sarah Polley [u.a. „Go“ und „the sweet hereafter / das süße Jenseits“] in Betracht kommen...
Aber vielleicht sollte man dem spekulierenden Betrachter eine kleine Hilfestellung geben: Zack Snyder hat zwar die Geschichte rundum erneuert, von der Boshaftigkeit des Originals hingegen hat er nichts abgelegt. Über die Klinge müssen seine Figuren springen – und da nützt einem nichts das bekannte Gesicht. Einzig in der verbleibenden Zeit auf der Leinwand können diese „Stars“ ihr schauspielerisches Talent besser beweisen. Und das gelingt vor allem Sarah Polley äußerst gut. Verdammt sympathisch kommt sie herüber, gibt ihrem (ziemlich) bodenständigen Charakter eine äußerst glaubhafte Fassade. Man merkt förmlich, dass sie eigentlich nicht in derartig blutigen Gefilden beheimatet ist.
Dass dann auch noch Ving Rhames mit seiner Oberarmmuskelmasse [der muss noch einiges zugelegt haben, ansonsten hätte ihn Bruce Willis in „Pulp Fiction“ wohl nicht annähernd so vermöbeln können!] verdammt imposant rüberkommt und zusätzlich seine darstellerischen Qualitäten ausspielt – dann sind das Pluspunkte, die nur wenige Splatterfilme sammeln können.
Klar, nicht alle können dieses Niveau halten. Zwar ist Michael Kelly (als CJ) als Anführer der Security-Truppe noch herrlich widerwärtig und faszinierend. Aber schon die gore-erfahrenen Kevin Zegers und Lindy Booth [beide in “Wrong turn“] wirken mimisch beschränkt oder zu überspitzt. Und letztlich muss sich Mekhi Phifer auch noch mit einer verhältnisgemäß kleinen Rolle abgeben – kann so nicht wirklich glänzen. Doch wen stört das schon? Schließlich führt man sich einen Horrorfilm zu Gemüte. Und da ist man über zwei schauspielerische Lichtblicke – und den faszinierenden Widerling – äußerst erfreut!
Ob die (überwiegend) guten Schauspieler jedoch ausreichen sollen, um einen sehenswerten Film fertig zu stellen? Gerade wenn man erkennen muss, dass Drehbuchautor James Gunn zuvor für die Troma-Studios und die „Scooby Doo“-Filme zuständig war, möchte man berechtigte Zweifel anbringen. Der trashige Charakter eines „Tromeo and Juliets“ würde dem bitterbösen „Dawn of the dead“ nicht annähernd gerecht werden. Und solch’ penetranten Flatulenzen wie bei dem geisterjagenden Hund? Man möchte nicht einmal daran denken!
Ohne aber auch nur annähernd zu übertreiben: Die vorherigen Anstellungen Gunns merkt man der erzählten Geschichte nicht (wirklich) an. Zwar sind die Charaktere weitestgehend flach gezeichnet und passen in die gängigen Horror-Klischees – doch das stört nicht. Selbst über die (kleineren) logischen Lücken kann man getrost hinwegsehen. Denn „dawn of the dead“ kann auf ein verdammt spannendes Drehbuch zurückgreifen – und genau deswegen sucht man schließlich das abgedunkelte Kino auf. Schon das erste Auftauchen eines Zombies wird derartig stimmig inszeniert, dass man verkrampft in die Popcorn-Tüte greift. Ein kleines untotes Mädchen greift die gerade aufgewachte Ana [Sarah Polley] und deren Freund an. Wieselflink bewegt sich das Monster. Beißt sich in den Hals des Freundes. Ein grandios inszenierter Schockmoment, der die spätere Marschroute des Filmes festlegt: Weg von den lahmarschigen Zombies – her mit der rennenden und äußerst blutrünstigen Meute.
Und gerade diese Schnelligkeit der Untoten – wie sie auch schon in „28 days later“ eingeführt worden ist (obgleich dies eigentlich keine Zombies waren) – versorgt den Film mit zusätzlichen Spannungsmomenten. Jedes Stolpern kann tödlich sein, man kann sich nicht mehr derartig leicht durch die Massen quetschen oder die wandelnden Leichen mit billigen Taschenspielertricks ausspielen, um sich letzten Endes in einem sicheren Treppenhaus zu verschanzen. Jetzt muss man einiges an Schnelligkeit und Geschicklichkeit aufbringen, um nicht der Horde der Untoten in die fleischeshungrigen Finger zu fallen. Dass letztlich einige (alle?) Figuren nicht die notwendige Schnelligkeit aufbringen können und so am eigenen Leibe die „Verwandlung“ in einen Zombie erfahren müssen, dürfte wohl selbstverständlich sein.
Einziger Nachteil bei diesen zahlreichen Story-Neuerungen ist, dass das gesellschaftskritische Potential des Originals – in Bezug auf die konsumgeile Menschheit – gänzlich ausgemerzt wird. Vermutlich wäre aber auch der Versuch diese anspruchsvollen Züge von Romeros Werk zu übernehmen äußerst lächerlich dahergekommen. Es hätte dem Film einen nicht schmackhaften Plagiat-Stempel aufgedrückt – kopierte satirische Elemente verlieren immerzu ihren Biss! Demnach also doch ein Nachteil, der sich ins Gegenteil verkehrt. Zwar hätte man das Geschehen mit anderen kritischen Momenten würzen können [so wird schon von einigen krampfhaft versucht eine übelst amerikanisierte weltpolitische Lagebeschreibung in den Film hineinzuinterpretieren – was man aber bei dem offensichtlichen „Unterhaltungscharakter“ nur schwerlich vertreten kann!], doch einfache Unterhaltung ist schließlich nicht immer verkehrt und kann – wie sich zeigt – einen äußerst gelungenen Filmabend hervorbringen.
Um nun aber nicht als simpelste Schocker-Hatz zu verkommen, würzt Gunn sein Drehbuch mit einer handvoll magischer Momente, die man dergestalt nicht in einem Splatterfilm vermuten würde: Wenn Kenneth [Ving Rhames] sich mit einem „meilenweit“ entfernten Überlebenden – der sich auf seinem Dach verschanzt hat – anfreundet und mittels weißen Tafeln und Fernrohr kommuniziert, dann sind das Momente größter Menschlichkeit: Der äußerlich grobschlächtige Cop spielt mit seinem Freund Schach oder eine äußerst sarkastische Version von Prominentenraten (die hier nicht verraten wird!). Szenen, die sich positiv ins Gedächtnis einbrennen. Szenen, die leider den meisten Splatterfilmen fehlen. Momente, die kurzzeitig die Hoffnungslosigkeit der Geschichte auflockern und dem Zuschauer die Möglichkeit des Luftholens eröffnen.
Und so verbleibt trotz der apokalyptischen Atmosphäre auch nicht der (Insider-)Humor bei „dawn of the dead“ zu kurz. Wenn in einem Fahrstuhl des Kaufhauses Bobby McFerrins „don’t worry, be happy“ geträllert wird, wenn die Überlebenden von ihrem Dach aus die Zombies mit Golfbällen abschießen oder wenn ein einzelner Überlebender durch die langen Gänge des Kaufhauses geht und aus der Konserve „All by myself“ erklingt – dann kann man sich nur schwerlich das Lachen verkneifen. Und dabei sind dies noch nicht einmal die amüsantesten Fälle! Alleine die zahlreichen Ehrerbietungen an das Original zaubern den Kennern ein Lächeln ins Gesicht: Da ist Make-Up-Gott Tom Savini [Sex Machine in „from dusk till dawn“ / der Anführer der Rockerbande im Original „dawn of the dead“] kurz zu sehen und Ken Foree darf ein weiteres Mal die Tagline [„when there’s no room in hell, the dead will walk the earth!“] von sich geben! Schlichtweg herrlich!
Dass aber das hohe Budget nicht nur für die Verpflichtung der Schauspieler und ein gutes Drehbuch verpulvert worden ist, kann man unzweifelhaft an der großartigen Masken- und Prothesenarbeit erkennen. Dave Snyder (Maske) und Shaun Smith (Leiter der Prothesenkreierung) zauberen übelst zugerichtete Gesichter auf die Leinwand, lassen das Blut voller Freude über die Darsteller spritzen – bis diese zum Schluss in einem einheitlichen Rot kaum zu unterscheiden sind. Ebenso herausragend die Splatter-Effekte: Frei von der Leber wird munter darauf losgemetzelt. Da werden Körperteile abgemetzelt, voller Freude eine Kettensäge eingesetzt oder ähnliche Appetitlichkeiten verwendet, um den Magen des Zuschauers gehörig aufzuwirbeln.
Um aber die Schlachtorgie noch ansehnlicher zu machen, greifen die Produzenten mit Niven Howie auf einen Cutter zurück, der schon mehrfach durch seine videoclip-ästhetischen Bildkompositionen [u.a. in „Lock, stock and two smokin’ barrels / Bube, Dame, König, GrAs“] aufgefallen ist. Gnadenlos montiert er die von Matthew F. Leonetti gefilmten Bilder zusammen. Erzeugt durch seine hektische Arbeit eine noch größere Unruhe beim Betrachter. Langsam zoomt Leonettis Kamera auf die unheilvollen Geräusche, Howie wechselt mit schnellen Schnitten die Perspektiven. Eröffnet kurzzeitig Blicke auf die ängstlichen Gesichter der Protagonisten. Springt wieder zu den Geräuschen zurück. Der Schweiß auf der Stirn steigt mit jedem der zahlreichen Schnitte. Vielleicht mag das dem ein oder anderen zu neumodisch vorkommen. Zu „über-styled“. Doch man kann durchaus mit der visuellen Mode gehen – vor allem wenn sie so grandios zur Horror-Atmosphäre passt.
Letztlich MUSS nur noch der famose Vorspann erwähnt werden, der schnell aus wackeligen Nachrichtenbildern zusammengeschnitten worden ist und mit Johnny Cashs „the man comes around“ unterlegt worden ist! Grandios wie der apokalyptische Song mit den Bildern harmoniert – und mit seiner country-esken Melodie und dem gebrechlichen Gesang gänzlich im Widerspruch zu der eigentlich hektischen Videoclip-Ästhetik steht. Schon ab diesem Moment muss man eigentlich „dawn of the dead“ genießen...
Fazit - 36 billion people have died since the reign of humanity. For the new Dawn, there's a reunion...
Remakes haben immer einen schweren Stand. Sie klammern sich zumeist aufgrund zu großer Ehrfurcht pedantisch an ihre großen Vorbilder – und verlieren so jegliche Vergleiche. Doch Zack Snyders High-Budget-Neuauflage von Romeros blutiger Gesellschaftssatire beschränkt sich auf das Aufgreifen der Grundthematik und zimmert um dieses Gerüst einen Horror-Schocker, der sich nicht zu verstecken braucht! Langsam wird die Spannungsschraube angezogen, immer mehr werden die Nerven des Zuschauers unter Druck gesetzt. Gepaart mit bitterbösestem Humor und einer äußerst ansprechenden Bebilderung ergibt das einen Film, der sich trotz der kleineren logischen Lücken schnell an die Spitze der blutigen Splatterorgien der letzten Jahre katapultieren kann.
Dass „dawn of the dead“ letztlich nicht unblutig daherkommt und sein „keine Jugendfreigabe“-Siegel gänzlich zu recht trägt, sollte bei einem derartigen Titel nicht verwundern. Wer aber seinem Magen zahlreiche Kopfschüsse und andere Appetitlichkeiten zumuten möchte und das jugendliche Alter bereits hinter sich gelassen hat, wird unter Garantie seinen Spaß mit der „Nacht der Zombies“ [toller deutscher Untertitel – und dabei wird im Remake noch nicht einmal das Wort „Zombie“ verwendet!] haben. Einziges Ärgernis ist, dass der Verleih auch in Deutschland nur eine vom Verleih gekürzte Fassung in den Kinos präsentiert. Aber wieso sollte es uns auch besser ergehen als den Amis?
Und so ist „dawn of the dead“ unter dem Strich der beste (und vielleicht erste) Beweis, dass das Wiederkäuen von altem Filmmaterial manchmal äußerst zufriedenstellend sein kann...
Wertung: 9 untote Punkte auf meiner 10er-Skala
Internet: http://movies.uip.de/dawnofthedead/
Trailer: http://www.apple.com/trailers/universal/dawnofthedead/ (sehr lustbereitend!)




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