Erfahrungsbericht von LosGatos
Bahnfahren zum Mondscheintarif
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Seit vielen Jahren lebe ich berufsbedingt im Süden Deutschlands. Trotzdem zieht es mich hin und wieder in meine niedersächsische Heimat zurück, z.B. um meine Eltern zu besuchen. Da stellt sich die Frage des geeigneten Verkehrsmittels.
Prinzipiell gibt es dann für mich 3 Möglichkeiten:
1) Flug München - Hannover
Vorteile: geht am schnellsten, evtl. Bonusflug möglich im Rahmen des Lufthansa Miles&More-Programms
Nachteile: jeweils weiter Weg von und zum Flughafen (relativiert Zeitvorteil)
2) mit dem Auto
Vorteile: am günstigsten bei mehr als 1 Person, keine Gepäckbeschränkung, Tür-zu-Tür-Verbindung
Nachteile: anstrengend, erhöhtes Risiko insbesondere bei schlechtem Wetter und starkem Reiseverkehr
3) mit der Bahn
Vorteile: sehr preisgünstig mit Surf&Rail, sehr bequem
Nachteile: dauert am längsten, bei mehr als 1 Person preislich weniger interessant
Bei meinem letzten Besuch in Braunschweig anlässlich des Geburtstags meines Vaters habe ich (LosGatos) erstmalig vom Surf&Rail-Angebot der Deutschen Bahn Gebrauch gemacht, was ich deshalb hier vorstellen möchte. Während die Normaltarife der Deutschen Bahn AG bei größeren Entfernungen für den Privatreisenden eher unerschwinglich sind, ist das Surf&Rail-Angebot preislich sehr attraktiv. Es unterliegt allerdings gewissen Einschränkungen (s.u.).
BUCHUNG UND PREISE
Wie der Name des Programms Surf&Rail schon andeutet, ist eine Buchung nur über das Internet unter www.bahn.de möglich. Dort klickt man auf Surf&Rail.
Als erstes wählt man den Startbahnhof aus einer vorgegebenen Liste. Diese ist keineswegs auf Deutschland beschränkt, sondern beginnt mit Amsterdam. In meinem Fall habe ich München ausgewählt.
Dann erkennt man sofort das Preisschema, das vom Startbahnhof abhängig ist. Während bei normalen Bahntickets der Fahrpreis proportional mit der Zahl der zu fahrenden Kilometer steigt, richtet sich der Surf&Rail-Preis nach 4 Entfernungszonen, für die jeweils ein Pauschalpreis gilt. Das sieht beim Startbahnhof München wie folgt aus:
- nahegelegene Städte wie Ulm oder Nürnberg können mit diesem Tarif nicht angefahren werden
- das billigste Rail&Surf-Ticket kostet 40 EURO und berechtigt zu Fahrten z.B. nach/von Würzburg, Karlsruhe oder Stuttgart
- die nächstgrößere Zone kostet 55 EURO, womit man z.B. nach Frankfurt oder Fulda kommt
- Für 77 EURO gibt es ein Ticket nach z.B. Göttingen, Kassel, Köln oder Hannover
n Das teuerste Rail&Surf Ticket kostet 99 EURO, womit bis Braunschweig, Hamburg, Dortmund oder Berlin fahren kann
Der Preis gilt jeweils für Hin- und Rückfahrt 2. Klasse und schließt IC-Zuschläge und Sitzplatzreservierung ein. Bahncard-Inhaber sparen 5 EURO.
Für die Buchung wählt man Zielbahnhof und die Reisedaten aus. Außerdem kann man sich einen passenden Platz aussuchen. Also: Großraum oder Abteil, Gang oder Fenster, Raucher oder Nichtraucher usw., das ist hier die Frage. Bezahlt wird per Kreditkarte. Die Buchungsdaten druckt man sich online aus. Der Ausdruck dient als Ticket und Platzkarte für Hin- und Rückfahrt. Sicherheitshalber bekommt man die Buchungsdaten zusätzlich per e-mail zugeschickt, sodass man auch den e-mail-Ausdruck als Ticket verwenden kann.
Also einfacher und billiger geht es nicht. Aber auch Einfachheit und Billigkeit haben ihren Preis, sprich ihre Einschränkungen.
EINSCHRÄNKUNGEN
Die erste Einschränkung beginnt mit Start- und Zielbahnhof. Diese müssen in den Listen enthalten sein. Wer mit der Bahn von Hintertupfing nach Greifswald fahren möchte, wird dafür kein maßgeschneidertes Surf&Rail-Ticket finden und kann höchstens eine Hauptstrecke dafür auswählen und muss noch normale Zusatztickets für die Reststrecken kaufen.
Die weiteren Einschränkungen ähneln denen des Flieg&Spar-Taifs der Lufthansa.
So muss das Ticket mindestens eine Woche im Voraus gebucht werden. Darauf wird man sofort online hingewiesen, wenn man ein zu frühes Datum eingibt.
Weiterhin darf die Rückfahrt frühestens am dem Hinreisetag folgenden Sonntag erfolgen. Wer also bereits sonntags anreist, muss mindestens eine Woche bleiben. Die kürzeste Reise dagegen ist samstags hin und sonntags zurück. Damit wird verhindert, dass sich auch Geschäftsreisende dieses Tarifs bedienen.
Eine einmal getätigte Buchung kann nicht mehr geändert werden, auch eine Ticketrückgabe und Kaufpreiserstattung ist nicht möglich. Dieser Tarif eignet sich also nur für Reisende, die ihre Reise sicher vorausplanen können.
Das Ticket ist personengebunden und nicht übertragbar. Bei der Reise ist somit ein Ausweis mitzuführen.
An bestimmten Feiertagen wie z.B. Weihnachten gilt das Angebot nicht.
Für die kürzeste Verbindung von München nach Braunschweig braucht der ICE nur viereinhalb Stunden. Die angebotenen Züge dagegen, die bei der Surf&Rail-Buchung zur Auswahl standen, brauchen aber alle 2 Stunden länger, da der Zug in meinem Fall über Stuttgart, Mannheim und Frankfurt fuhr, bevor es weiter nach Norden ging. Offenbar sagt die Bahn, wer weniger zahlen will, muss mehr Zeit mitbringen. Das ist mir allerdings nicht verständlich, zumal der Reisende damit ja auch mehr IC-Sitzplatzkapazität belegt. Aber wenn es auf ein paar Stunden nicht ankommt und ich die Zeit mit Lesen sinnvoll nutzen kann, kann ich (LosGatos) auch damit gut leben. Außerdem ist die Streckenführung stets so, dass man nicht umsteigen muss.
UND / ODER BAHNCARD ???
Ein normales Ticket (ohne Einschränkungen) hätte mich statt 99 hingegen 235 EURO (2.Klasse) gekostet. Mit Bahncard reduziert sich der Preis um die Hälfte. Eine Bahncard ist auf allen Bundesbahnstrecken 1 Jahr lang gültig und kostet in der 2.Klasse 140 EURO. D.h. wer 2 mal im Jahr eine längere Strecke wie München-Braunschweig und zurück fährt, für den rentiert sich der Kauf einer Bahncard.
Wer jedoch seine Reisen stets so planen kann, dass man vom Surf&Rail-Angebot Gebrauch machen kann, für den dürfte sich eine zusätzliche Bahncard kaum rentieren, es sei denn, man fährt z.B. jedes Wochenende von Frankfurt nach Hamburg. Denn der Bahncard-Vorteil bei Surf&Rail beträgt nur 5 EURO.
FAZIT
Wer seine Reisen hinreichend lange (mindestens eine Woche) ohne großes Risiko vorausplanen kann und nicht vor Sonntag zurück muss, für den ist das Surf&Rail-Angebot der Deutschen Bahn AG sehr attraktiv, vorausgesetzt, sein Wohnort und Reiseziel liegt in hinreichender Nähe der ICE-Hauptstrecken. Irgendwie Zugang zu einem Internet-Anschluss muss man natürlich auch haben. Dann muss man nur noch einsteigen, seinen reservierten Sitzplatz suchen, kann sich zurücklegen und in Ruhe lesen, wie ich es getan habe, mit dem Buch „Mondscheintarif\" von Ildikó von Kürthy....(näheres dazu in meinem Bericht „Ruf doch mal an\")
Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 17.2.2002
Veröffentlicht bei Ciao, Dooyoo, eComments, YOPI
Prinzipiell gibt es dann für mich 3 Möglichkeiten:
1) Flug München - Hannover
Vorteile: geht am schnellsten, evtl. Bonusflug möglich im Rahmen des Lufthansa Miles&More-Programms
Nachteile: jeweils weiter Weg von und zum Flughafen (relativiert Zeitvorteil)
2) mit dem Auto
Vorteile: am günstigsten bei mehr als 1 Person, keine Gepäckbeschränkung, Tür-zu-Tür-Verbindung
Nachteile: anstrengend, erhöhtes Risiko insbesondere bei schlechtem Wetter und starkem Reiseverkehr
3) mit der Bahn
Vorteile: sehr preisgünstig mit Surf&Rail, sehr bequem
Nachteile: dauert am längsten, bei mehr als 1 Person preislich weniger interessant
Bei meinem letzten Besuch in Braunschweig anlässlich des Geburtstags meines Vaters habe ich (LosGatos) erstmalig vom Surf&Rail-Angebot der Deutschen Bahn Gebrauch gemacht, was ich deshalb hier vorstellen möchte. Während die Normaltarife der Deutschen Bahn AG bei größeren Entfernungen für den Privatreisenden eher unerschwinglich sind, ist das Surf&Rail-Angebot preislich sehr attraktiv. Es unterliegt allerdings gewissen Einschränkungen (s.u.).
BUCHUNG UND PREISE
Wie der Name des Programms Surf&Rail schon andeutet, ist eine Buchung nur über das Internet unter www.bahn.de möglich. Dort klickt man auf Surf&Rail.
Als erstes wählt man den Startbahnhof aus einer vorgegebenen Liste. Diese ist keineswegs auf Deutschland beschränkt, sondern beginnt mit Amsterdam. In meinem Fall habe ich München ausgewählt.
Dann erkennt man sofort das Preisschema, das vom Startbahnhof abhängig ist. Während bei normalen Bahntickets der Fahrpreis proportional mit der Zahl der zu fahrenden Kilometer steigt, richtet sich der Surf&Rail-Preis nach 4 Entfernungszonen, für die jeweils ein Pauschalpreis gilt. Das sieht beim Startbahnhof München wie folgt aus:
- nahegelegene Städte wie Ulm oder Nürnberg können mit diesem Tarif nicht angefahren werden
- das billigste Rail&Surf-Ticket kostet 40 EURO und berechtigt zu Fahrten z.B. nach/von Würzburg, Karlsruhe oder Stuttgart
- die nächstgrößere Zone kostet 55 EURO, womit man z.B. nach Frankfurt oder Fulda kommt
- Für 77 EURO gibt es ein Ticket nach z.B. Göttingen, Kassel, Köln oder Hannover
n Das teuerste Rail&Surf Ticket kostet 99 EURO, womit bis Braunschweig, Hamburg, Dortmund oder Berlin fahren kann
Der Preis gilt jeweils für Hin- und Rückfahrt 2. Klasse und schließt IC-Zuschläge und Sitzplatzreservierung ein. Bahncard-Inhaber sparen 5 EURO.
Für die Buchung wählt man Zielbahnhof und die Reisedaten aus. Außerdem kann man sich einen passenden Platz aussuchen. Also: Großraum oder Abteil, Gang oder Fenster, Raucher oder Nichtraucher usw., das ist hier die Frage. Bezahlt wird per Kreditkarte. Die Buchungsdaten druckt man sich online aus. Der Ausdruck dient als Ticket und Platzkarte für Hin- und Rückfahrt. Sicherheitshalber bekommt man die Buchungsdaten zusätzlich per e-mail zugeschickt, sodass man auch den e-mail-Ausdruck als Ticket verwenden kann.
Also einfacher und billiger geht es nicht. Aber auch Einfachheit und Billigkeit haben ihren Preis, sprich ihre Einschränkungen.
EINSCHRÄNKUNGEN
Die erste Einschränkung beginnt mit Start- und Zielbahnhof. Diese müssen in den Listen enthalten sein. Wer mit der Bahn von Hintertupfing nach Greifswald fahren möchte, wird dafür kein maßgeschneidertes Surf&Rail-Ticket finden und kann höchstens eine Hauptstrecke dafür auswählen und muss noch normale Zusatztickets für die Reststrecken kaufen.
Die weiteren Einschränkungen ähneln denen des Flieg&Spar-Taifs der Lufthansa.
So muss das Ticket mindestens eine Woche im Voraus gebucht werden. Darauf wird man sofort online hingewiesen, wenn man ein zu frühes Datum eingibt.
Weiterhin darf die Rückfahrt frühestens am dem Hinreisetag folgenden Sonntag erfolgen. Wer also bereits sonntags anreist, muss mindestens eine Woche bleiben. Die kürzeste Reise dagegen ist samstags hin und sonntags zurück. Damit wird verhindert, dass sich auch Geschäftsreisende dieses Tarifs bedienen.
Eine einmal getätigte Buchung kann nicht mehr geändert werden, auch eine Ticketrückgabe und Kaufpreiserstattung ist nicht möglich. Dieser Tarif eignet sich also nur für Reisende, die ihre Reise sicher vorausplanen können.
Das Ticket ist personengebunden und nicht übertragbar. Bei der Reise ist somit ein Ausweis mitzuführen.
An bestimmten Feiertagen wie z.B. Weihnachten gilt das Angebot nicht.
Für die kürzeste Verbindung von München nach Braunschweig braucht der ICE nur viereinhalb Stunden. Die angebotenen Züge dagegen, die bei der Surf&Rail-Buchung zur Auswahl standen, brauchen aber alle 2 Stunden länger, da der Zug in meinem Fall über Stuttgart, Mannheim und Frankfurt fuhr, bevor es weiter nach Norden ging. Offenbar sagt die Bahn, wer weniger zahlen will, muss mehr Zeit mitbringen. Das ist mir allerdings nicht verständlich, zumal der Reisende damit ja auch mehr IC-Sitzplatzkapazität belegt. Aber wenn es auf ein paar Stunden nicht ankommt und ich die Zeit mit Lesen sinnvoll nutzen kann, kann ich (LosGatos) auch damit gut leben. Außerdem ist die Streckenführung stets so, dass man nicht umsteigen muss.
UND / ODER BAHNCARD ???
Ein normales Ticket (ohne Einschränkungen) hätte mich statt 99 hingegen 235 EURO (2.Klasse) gekostet. Mit Bahncard reduziert sich der Preis um die Hälfte. Eine Bahncard ist auf allen Bundesbahnstrecken 1 Jahr lang gültig und kostet in der 2.Klasse 140 EURO. D.h. wer 2 mal im Jahr eine längere Strecke wie München-Braunschweig und zurück fährt, für den rentiert sich der Kauf einer Bahncard.
Wer jedoch seine Reisen stets so planen kann, dass man vom Surf&Rail-Angebot Gebrauch machen kann, für den dürfte sich eine zusätzliche Bahncard kaum rentieren, es sei denn, man fährt z.B. jedes Wochenende von Frankfurt nach Hamburg. Denn der Bahncard-Vorteil bei Surf&Rail beträgt nur 5 EURO.
FAZIT
Wer seine Reisen hinreichend lange (mindestens eine Woche) ohne großes Risiko vorausplanen kann und nicht vor Sonntag zurück muss, für den ist das Surf&Rail-Angebot der Deutschen Bahn AG sehr attraktiv, vorausgesetzt, sein Wohnort und Reiseziel liegt in hinreichender Nähe der ICE-Hauptstrecken. Irgendwie Zugang zu einem Internet-Anschluss muss man natürlich auch haben. Dann muss man nur noch einsteigen, seinen reservierten Sitzplatz suchen, kann sich zurücklegen und in Ruhe lesen, wie ich es getan habe, mit dem Buch „Mondscheintarif\" von Ildikó von Kürthy....(näheres dazu in meinem Bericht „Ruf doch mal an\")
Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 17.2.2002
Veröffentlicht bei Ciao, Dooyoo, eComments, YOPI
23 Bewertungen, 1 Kommentar
-
07.04.2002, 22:54 Uhr von Panda
Bewertung: sehr hilfreichtoll beschrieben, das Angebot kannte ich noch nicht
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