Die Stunde der Wahrheit Testbericht

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Erfahrungsbericht von magnifico

Ambivalente Familienshow

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Die Show "Die Stunde der Wahrheit" ist in meinen Augen ein ausgesprochen zweischneidiges und durchaus gefährliches TV-Angebot.

Zum Inhalt: Für eine Show werden mehrere Familien ausgewählt, bei denen Vater oder Mutter eine Woche lang Zeit haben, irgendwelche, für den normalen Menschen schier unerlernbare oder für unmöglich gehaltene Kunststücke einzuüben, um sie dann in der Live-Show vorzuführen. So z.B. acht Melonen-Hüte auf einen vier Meter entfernten Hutständer nebeneinander innerhalb von zwei Minuten zu werfen. Nimmt die Familie bzw. der Auserwählte die Herausforderung an, darf sich jedes Familienmitglied, Kinder wie Eltern, einen Sachgewinn wünschen, wobei die Show-Veranstalter dabei durchaus großzügig sind, Autos, Computeranlagen etc. sind ohne weiteres drin. Gelingt es schließlich dem Kandidaten, die geforderte Leistung vor Publikum und laufender Kamera zu erbringen, herzlichen Glückwunsch, die Wünsche werden erfüllt - Familie ist happy, Papa oder Mama eben die Größten.

Das Problem, daß weder Studio-Publikum noch Kamera erfassen und, geschieht es einmal doch schon während der Sendung, geschickt überspielen, sind die Tragödien, die bei einem Mißlingen der Herausforderung entstehen. Denn gelingt es dem Kandidaten nicht, so erhält die Familie nichts - kein Wunsch wird erfüllt.
Und genau hier beginnen anschließend die Probleme und Vorwürfe, die nicht selten, so eine Befragung der bisher "erwählten" Familien, auch bis zur Scheidung führen können. Der Grund ist einfach und banal - tiefe Enttäuschung bei den Familienmitgliedern, die nicht selbst der eigentliche Kandidat waren und somit wenig von dem Übungsstreß und der Zerreißprobe im Studio selbst miterlebt haben. Weiterhin, und das ist gerade bei kleineren Kindern, so die Befragten, oftmals der Fall: der Gedanke, Papa oder Mama hätten sie, da ihr Wunschtraum ja deretwegen nicht erfüllt wurde, nicht mehr lieb oder hätten einfach versagt. Sehr schnell beginnen Streitigkeiten, bei denen auch Worte wie "Versager", "Null" oder "Rabenvater/-mutter" keine Seltenheit sein sollen.

Alles in allem mag es zwar für den Zuschauer zu Hause ganz nett und spannend sein, ob Herr K. aus T bei W es schafft, zehn Fünfmarkstücke in zehn Gläser zu schnauben, für die Betroffenen kann es durchaus das Ende eines langjährigen Familienglücks sein, wenn etwas danebengeht.

Ich bin nicht zwangsläufig für eine totale Einstellung der Show, finde jedoch, daß bei der Auswahl der Familien etwas mehr auch die Entwicklungsstufe der Kinder berücksichtigt werden sollte, denn ein 13-Jährigen wird wesentlich eher verstehen, was "Sache ist", als ein 5-Jähriger, der fest an seinen Vater/seine Mutter glaubt und eventuell bitter enttäuscht wird - wofür der Betroffene angesichts der gestellten Aufgaben nach meiner Erfahrung nie etwas kann.

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