Erfahrungsbericht von jaxxon
Drogenaufklärung
Pro:
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Kontra:
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Empfehlung:
Nein
Nach dem ersten Weltkrieg wurde - besonders in Amerika und im Mittelmeerraum (Ägypten) - Heroin zur regelrechten Volksseuche. Es verdränge sogar Morphin und Kokain. Um 1925 zahlten viele ägyptische Unternehmer ihren Arbeitern den Wochenlohn in Form von Heroin aus.
In Nordamerika nach dem Bürgerkrieg (1861-1865) haben vier bis fünf Prozent der Bevölkerung Opiummissbrauch getrieben! Das ist (trotz Bevölkerungswachstum) die Zehnfache Zahl der heutigen Heroinsüchtigen in den USA.
Heutzutage ist der Morphium-Missbrauch beim Personal der Krankenpflege (Ärzte, Krankenschwestern, Apotheker) außerordentlich verbreitet. Man schätzt, dass in Deutschland bis zu 1.000 Betroffene zu zählen sind.
Die Zahl der heroinsüchtigen Personen ist schwer zu schätzen. Für das Jahr 1980 schwankten die Schätzungen zwischen 40.000 und 150.000. Von daher sollte man nicht voreilig irgendwelchen Zahlen Glauben schenken.
Bei häufigerem Gebrauch kommt es, wie bei jeder Droge, zu zunehmender psychischer Gewöhnung (Flucht vor der Wirklichkeit des Alltags), der beim Opium allerdings eine körperliche Gewöhnung parallel läuft: Wird das Opium vorenthalten, so treten typische Entzugserscheinungen auf, die denen eines Morphinisten ähneln, aber schwächer sind.
Bereits eine vier- oder fünfmalige Wiederholung des fix (der Injektion) ruft in der Regel starke Suchtsymptome hervor. Der Körper gewöhnt sich rasch an das Gift, so dass - wie auch bei Morphium - der Süchtige bald Dosen mehr als einem Gramm benötigt, die einen normalen Menschen umbrächten.
Am Ende des Trips gilt: Sobald der Morphinspiegel im Blut und Gewebe absinkt, wird der Süchtige reizbar, verstimmt und depressiv. Anfangs kann neuerliche Alkaloidzufuhr diesen Zustand für kurze Zeit korrigieren; nach einigen Wochen fortdauernden Spitzens wird er jedoch zum Dauergefühl. Den psychischen Störungen gesellt sich der körperliche Abbau hinzu.
Intellektuelle können trotz jahrelangem Missbrauch von Opiaten noch bedeutende wissenschaftliche und künstlerische Leistungen vollbringen. Aber die fortlaufende Untergrabung der Konzentrationskraft, Gedächtnisstörungen und schließlich psychotische Zustandsbildungen greifen auch in diesem Bereich nach einiger Zeit so massiv ein, dass eine sekundäre Verdummung häufig unvermeidlich ist.
Der Entzug
De Ropp (1964) schildert eine solche Prozedur:
Etwa zwölf Stunden nach der letzten Dosis Morphium oder Heroin beginnt der Süchtige, unruhig zu werden. Ein Schwächegefühl überkommt ihn, er gähnt, erschaudert und schwitzt gleichzeitig, während ihm eine wässrige Flüssigkeit aus den Augen und durch die Nase rinnt, was ihm vorkommt, als 'liefe heißes Wasser' in den Mund empor. Für ein paar Stunden fällt er, sich ruhelos wälzend, in einen abnormen Schlaf, den die Süchtigen als 'Gierschlaf' bezeichnen. Beim Erwachen, 18 bis 24 Stunden nach Einnehmen der letzten Dosis, betritt er die tieferen Regionen seiner 'persönlichen Hölle'. Das Gähnen kann so heftig werden, dass er sich die Keifer verrenkt. Aus der Nase fließt ein dünner Schleim, die Augen tränen stark. Die Pupillen sind sehr erweitert, die Haare auf der Brust sträuben sich, die Haut selbst ist kalt. Sie wird zu einer extremen Gänsehaut, welche die Süchtigen Nordamerikas treffend als cold turkey (wörtlich kalter Truthahn - wegen der eigenartigen Oberfläche des Kammes dieser Tiere) bezeichnen; der Jargon-Ausdruck wird auch für die Entzeihung selbst gebraucht, wenn man sie abrupt und nicht durch allmähliche Reduzierung der Dosis durchgeführt wird.
Der Zustand des Kranken verschlimmert sich zusehends, denn seine Därme beginnen mit unerhörter Gewalt zu arbeiten. Die Magenwände zeihen sich ruckweise stark zusammen, und verursachen explosives Erbrechen, wobei oft auch Blut mit austritt. So gewaltig sind die Kontraktionen der Eingeweide, dass der Leib außen ganz geriffelt und knotig aussieht, als seien unter der Haut Schlangen in einen Kampf verwickelt. Die starken Leibschmerzen steigern sich rapid. Der Darm wird immerfort entleert, so dass es bis zu 60 wässrigen Stuhlgängen am Tag kommen kann.
36 Stunden nach seiner letzten Dosis ist der Süchtige völlig am Ende. In verzweifelten Versuchen, die Kälteschauer, die seinen Körper quälen, zu mildern, legt er sich sämtliche Decken über, die er finden kann. Der ganze Körper wird von Zuckungen geschüttelt, und seine Füße machen unfreiwillig tretende Bewegungen, für die die Süchtigen den makaberen, aber höchst anschaulichen Ausdruck kicking the habit (wörtlich: "Die Gewohnheit wegtreten") geprägt haben.
An Schlaf oder Ruhe ist während der Entziehung nicht zu denken. Schmerzhafte Krämpfe der gesamten Körpermuskulatur werfen den Sterbenskranken unaufhörlich umher. Nicht selten fängt er entsetzlich zu brüllen an. Am Ende dieses Stadiums passiert es nicht selten, dass er sich in seinem eigenen Erbrochenen und seinen eigenen Exkrementen wälzt und völlig vertiert wirkt.
Es darf deshalb nicht verwundern, wenn selbst erfahrene Ärzte (geschweige denn befreundete Helfer) gelegentlich schwach werden, weil sie - nicht zu Unrecht - um das Leben ihres Patienten fürchten. Schon die kleinste Dosis Morphium oder Heroin schaltet die die scheußlichen Symptome aus. Es ist ein dramatisches Erlebnis zu beobachten, wie ein jammervoller, elender Mensch, sobald ihm etwas Morphin intravenös eingespritzt wurde, eine halbe Stunde später rasiert, sauber, lachend und scherzend vor einem steht.
Heutzutage wendet man diese radikale Kur - zumindest in Deutschland - kaum noch an. Vor allem wenn hohe Dosen gespritzt wurden, baut man die Dosis behutsam ab. Bleiben die Helfer standhaft, so klingen die Symptome nach einer Woche von alleine ab. Die Angst vor einer offiziellen Entziehung an einer normalen Klinik lohnt sich nicht - es ist weniger schrecklich, diese Prozedur in einer Klinik und von Fachkräften betreut (die vor allem nicht im entscheidenden Stadium schwach werden) über sich ergehen zu lassen. Allerdings sind, vor allem bei älteren Süchtigen, die Heilerfolge auch unter günstigen Voraussetzungen zur Zeit noch minimal. Nach Angaben der Berliner Psychotherapeutin Lilian Barth ist "die Erfolgsziffer gleich Null".
Man schätzt, dass 1997 rund 20.000 Opiatabhängige Methadon als Ersatzdroge nehmen und 30.000 als Substitut Kodein, das sich inzwischen ebenfalls etablieren konnte). Zwar befreit das Methadon nicht von der Sucht, aber der Rausch und der Katzenjammer werden wesentlich abgeschwächt. Somit können die Abhängigen beispielsweise einer geregelten Arbeit nachkommen und damit versuchen in das normale soziale Niveau zurückzustoßen.
[Anmerkung: Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es Stimmen gibt, die den Entzug als wesentlich harmloser darstellen. {2,30ff} Hier wird beschrieben, dass der Entzug einer mittelmäßig starken Grippe entspricht, die nach zwei Tagen abgeklungen ist. Inwiefern das stimmt, kann ich nicht entscheiden.]
Heroin - das lohnende Geschäft
Für den Rauschgifthandel ist Heroin neben Kokain das lohnendste Objekt geworden. Zehn Kilogramm Rohopium, die im Vorderen Orient etwa 70 Mark kosten, wurden in geheimen Laboratorien zu einem Kilogramm Morphium im Wert von 3.000 bis 3.500 Mark verarbeitet. Wenn diese Menge - inzwischen zu Heroin weiterverarbeitet - das Abnehmerland erreichte, kostet das Kilogramm bereits 80.000 bis 100.000 Mark. Man schätzt den Gesamtumsatz an Heroin 1970 allein in den USA auf umgerechnet 1,2 Milliarden Mark.
Inzwischen hat der organisierte Handel eine kräftige Konkurrenz bekommen: Den Ameisenhandel. Heute pumpen unzählige Kleinlieferanten die Szene voll Heroin, teilweise zu ausgesprochen niedrigen Dumping-Preisen.
9 Bewertungen, 6 Kommentare
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13.07.2006, 00:56 Uhr von mami_online
Bewertung: sehr hilfreichhast du wirklich so viel Kontakt mit Drogen(-abhängigen), dass du darüber so direkt schreiben kannst? Woher kommst du, würde mich interessieren. Großstadt oder dörfliche Gegend? Ich hoffe, hier ist es nicht auch schon zum "Brauch" geworden.. LG,
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11.05.2006, 17:53 Uhr von jockel2001
Bewertung: sehr hilfreichWirklich sehr hilfreich :) Jo
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09.05.2006, 14:12 Uhr von Mogry1987
Bewertung: sehr hilfreichWer Drogen nimmt, ist echt hohl o_O
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09.05.2006, 12:36 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichsehr interessant
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09.05.2006, 10:55 Uhr von blackangel63
Bewertung: sehr hilfreich....(´`-´´-/´).___..--´´´`-._ <br/>..... `6_.6. ...`-...(.... .`-.__.`) <br/>.....(_Y_ ´..._.. ..`._.`..``-..-´ <br/>..._..`--´_..-_/../--´_.´.,´ <br/>..(il), -´´..(li),´..((!.- LG Anja
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09.05.2006, 10:22 Uhr von Sommergirl
Bewertung: sehr hilfreichinteressant, woher weisst Du soviel darüber?
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