Der Sommermörder (gebundene Ausgabe) / Nicci French Testbericht

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ab 10,32
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Erfahrungsbericht von catmother

Ich liebe dich - und morgen bist du tot!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Nach einigen vielversprechenden Berichten auf einer anderen Meinungsplattform über die Romane von Nicci French habe ich mir für den Urlaub mal einen Thriller von ihr mitgenommen und bin wirklich zufrieden mit dieser Wahl.


** Die Story **
Es ist Sommer in London, und der Sommer ist sehr, sehr heiß. Obwohl man sich einen schönen Sommer gewünscht hat, nun stöhnen die Menschen unter der Hitze. Drei Frauen können den Sommer nicht genießen, denn sie werden Opfer eines perversen Mannes.

Chloë Haratounian, eine etwas kindlich-naive, junge Lehrerin, die aber erstaunliche Courage in Notsituationen entwickelt, bekommt plötzlich anonyme Briefe, in denen ihr jemand seine Bewunderung und Liebe gesteht und ihr den baldigen Tod verkündet. Den ersten Brief nimmt die junge Frau nicht ernst, beim zweiten wird ihr schon mulmiger. Zumal sie das untrügliche Gefühl hat, jemand wäre in ihrer Wohnung gewesen. Eigentlich nicht weiter verwunderlich, denn mehrmals in der Woche kommen die verrücktesten Typen in Chloës Wohnung, seit sie über den Makler Clyde verkauft werden soll. Und doch, schließlich wächst ihre Angst und sie alarmiert die Polizei. Die nimmt solche Drohungen ja zunächst nicht ernst, denn solange kein Verbrechen geschieht, unternimmt keine Polizeibehörde etwas. Bei Chloë machen sie eine Ausnahme, weil sie für die Beamten quasi eine Heldin ist, seit sie kürzlich mit einer Wassermelone einen Handtaschendieb zur Strecke gebracht hat. Immer wieder kommen diese Briefe, wird ihre Arbeit in der Schule terrorisiert und ihre kleinen Schüler einbezogen - mit immer perfideren Methoden des Psychoterrors
Von ihrem Freund Fred und seinen verrückten Freunden bekommt sie überhaupt keine Hilfe, deswegen trennt sie sich schließlich von ihm. Kurze Zeit später ist sie tot.

Der erste Brief trifft die toughe Hausfrau und Mutter Jenny Hintlesham im ungünstigsten Moment. Sie beaufsichtigt gerade die umfangreichen Bauarbeiten in ihrem stattlichen Haus. Die unverhohlene Morddrohung hält sie für einen schlechten Scherz, ruft aber trotzdem die Polizei. Die ist im Gegensatz zu Chloë sofort alarmiert und veranstaltet ein unglaubliches Überwachungsmanöver, womit sie der vielbeschäftigten und gestreßten Frau erst recht auf die Nerven geht. Vor allem verschweigen sie ihr, warum diese Sicherungsmaßnahmen überhaupt notwendig sind, nämlich den vorhergehenden Fall von Chloë Haratounian. Von ihrem Mann, einem fremdgehenden Anwalt, kann sie auch keine Hilfe erwarten, schlimmer noch, er wird nach einigen Recherchen der Polizei unter Mordverdacht verhaftet. Bald danach stirbt auch Jenny auf grausame Weise.

In Nadja Blakes Leben herrscht rechtes Chaos - gerade vom Freund getrennt, bringt sie einiges nicht mehr auf die Reihe, vor allem ihre Korrespondenz. Deshalb findet sie den ersten Drohbrief ziemlich spät. Auch sie ruft die Polizei, die sofort reagiert, aber wiederum kein einziges Wort über die reale Gefahr verliert, in der das Mädchen schwebt.


** Was mir gut gefiel **
Wieder einmal habe ich bis spät in die Nacht gelesen, weil ich das Buch ab einer bestimmten Stelle nicht mehr aus der Hand legen konnte.
Vom Aufbau des Thriller her erinnert er mich sehr an den Roman “Toyer” von Gardner McKay, den ich im Sommer diesen Jahres gelesen habe. Was das Buch aber besonders macht, ist die Tatsache, daß die Porträts und letzten Tage der drei Frauen, die einzelnen Schicksale der Opfer wie aus erster Hand, nämlich vollkommen aus ihrer Sicht erzählt werden. Das ist ungewöhnlich, denn bisher war die Ich-Perspektive eher den Kommissaren oder mitunter auch den Tätern vorbehalten. Aber gerade die Erzählung der Geschichte mit ihren eigenen Augen macht das Geschehen so hautnah. Es ist für den Leser, als könnte man die Entstehung und das schleichende Fortschreiten der Angst buchstäblich fühlen; sie kriecht wie Kälte unter die Haut, wie eine Lähmung, die sich ausbreitet. Und doch muß man hilflos mit ansehen, wie es die Frauen doch erwischt.

Zentrales Thema des Thrillers ist einfach Angst, Angst vor Verlust der Intimsphäre, Angst vor dem Eindringen eines Fremden in die eigenen, sicher geglaubten vier Wände, vor Terror und dem Gefühl, sich nicht wehren können und sich auf ewig verkriechen zu müssen. Aber noch schlimmer: die Angst, keine Hilfe von den Menschen, die man liebt und von denen man geliebt und unterstützt werden müßte. Das hat mich persönlich eigentlich am meisten berührt.

Der Sprachstil ist sehr leserfreundlich, kurzweilig und angenehm. Behutsam und auch einfühlsam wird die Psyche der Frauen vermittelt, ihre Schwächen und ihre Stärken, ihr Glück und dann natürlich ihre Ängste.

Zum Ende hin wird es, wie gesagt, so spannend, daß man den Roman überhaupt nicht mehr aus der Hand legen kann. Zwar ist zu diesem Zeitpunkt schon klar, wer der Täter ist, aber mit dem letzten Opfer hat er sich eine Frau herausgesucht, die sich der Angst nicht hilflos überlassen will. Und das ist absolut aufregend.


** Schwächen? **
Gibt es in meinen Augen eigentlich keine. Das einzige Manko wäre höchstens, daß speziell dieser Roman (in Ermangelung der Kenntnis anderer Thriller von Nicci French) für meine Begriffe her mehr was für Frauen ist. Hier werden Porträts von Frauen gemalt, stark und schwach - und das würde, ähnlich wie bei den Fielding-Krimis, wohl Männer eher nicht interessieren. Ich kann mich natürlich irren, aber so sehe ich es.


** Meine Meinung **
Mit seiner guten Mischung aus Joy Fielding und Gardner McKay bietet der Thriller Emotionales und Spannung bis zum Schluß, Nervenkrieg und Mitgefühl für die Opfer. Ein ganz ausgezeichneter Roman und garantiert nicht der letzte, den ich von dieser Autorin gelesen habe.


** Daten **
Bertelsmann Verlag
gebunden: 411Seiten
Preis: 22 €
ISBN 3570003043

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