Gangs of New York (DVD) Testbericht

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Gangs-of-new-york-dvd-historienfilm
ab 21,58
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Erfahrungsbericht von Gemeinwesen

Sehenswerter Bandenkriegsfilm in kaufenswerter Luxusausgabe

Pro:

Guter Film in guter Ausstattung zu mittlerweile sehr günstigem Preis

Kontra:

nichts

Empfehlung:

Ja

Martin Scorseses „Gangs of New York“ ist bei Publikum und Kritik nicht gut weggekommen – zumindest nicht so gut, wie man das angesichts des Renommees des Regisseurs hätte erwarten können. Trotzdem ist „Gangs of New York“ ein überdurchschnittlich guter Film, und zumindest die Doppel-DVD wird dieser Tatsache auch gerecht.


Zu langatmig, zu grausam sei ihm sein über zweieinhalbstündiges Sittengemälde geraten. Dass „Gangs of New York“ starker Tobak ist, ist nicht wegzudiskutieren. Dass man den Film in Form eines DVD-Beiklebers auf dem Titel einer Programmzeitschrift verramscht, hat er nicht verdient.

Als bekennender Scorsese-Fan habe ich mir „Gangs of New York“ ziemlich schnell nach Erscheinen des Films zugelegt, und zwar in Form der Special Edition mit zwei DVDs. Die bietet gegenüber der abgespeckten Version mit nur einer DVD genügend handfesten Mehrwert, der sie in meinen Augen zur einzig richtigen Wahl für Filminteressierte macht. Ehrensache, dass die den Hauptfilm nicht nur in der deutschen Synchronfassung bietet, sondern auch im Originalton (im Gegensatz zur billigsten Einzel-DVD-Variante „Zeitschriften-Beikleber“); und natürlich fehlen auch das obligate Duo aus „Teasertrailer“ und „Trailer“ nicht.



Wie Scorsese „Scorsese“ ausspricht

Zur unumstritten besten Wahl wird diese Ausgabe des Films für mich aber natürlich durch Ausstattungsmerkmale, die gewissermaßen die Kür sind. Der Audiokommentar, für mich so etwas wie die Königsdisziplin im Bonusmaterial-Marathon, stammt hier vom Regisseur persönlich und ist durchgängig interessant und hörenswert. Und ganz nebenbei dient er mir inzwischen als Referenz, wenn mal wieder wer die leidige Frage diskutieren möchte, wie sich denn nun der Nachname des Regisseurs ausspreche. “Score-sassy“, nicht “Score-see-zee“, hatte ich immer behauptet und finde es schön, dass Scorsese meine Vermutung bereits in seiner Vorstellung (“Hi, this is Martin Scoresese“) bestätigt.


Der Gang übers Set ist virtuell – das Set nicht

Im Unterschied zu gewissen seiner Zunftkollegen scheint Scorsese kein Regisseur zu sein, der in computergenerierten Spezialeffekten ein Allheilmittel sieht. Deshalb stammt das Gros dessen, was wir in „Gangs of New York“ sehen, nicht aus dem Rechner, sondern ist tatsächlich das Werk von Zimmerleuten. Die Kulissen von „Gangs of New York“ sind wirklich Staunen erregend – da ist es nur recht und billig, wenn das auch im Bonusmaterial seinen Niederschlag findet, das neben einem filmischen Gang übers Set auch eine „virtuelle 360°-Tour“ bietet – eine nette Spielerei, deren sittlicher Mehrwert als filmhistorisches Anschauungsmaterial sicher in dem Maße steigen wird, in dem andere Regisseure ihre Kulissen durch digitale Gemälde ersetzen.


Interessante Dokus zum geschichtlichen Hintergrund

Gut gefallen haben mir auch die begleitenden Filme über den Ort der Handlung „Five Points“ und über „Die wahren Gangs von New York“. Den Stil, in dem US-Dokumentarfilme gemeinhin daherkommen, schätze ich zwar nicht sonderlich (dafür sind mir die Schnitte meist zu hektisch, die Interviews zu oft mit „muzak“ unterlegt und die offensichtlichen Zäsuren für Werbeblock-Unterbrechungen zu zahlreich), aber diese beiden hier habe ich mir trotzdem gern angeschaut. Und obwohl das schon eine Weile her ist, ist mindestens eines hängengeblieben: Ich weiß jetzt endlich, wo der Ursprung des Slangwortes „Cop“ liegt. Das ist so die Art von Infotainment, für das ich das Zusatzmaterial bestimmter DVDs sehr schätze und das ich gerade vom Bonusmaterial rund um einen Film mit Historien-Thema im Grunde auch erwarte.

Und was ist mit dem eigentlichen Star der Doppel-DVD, dem Hauptfilm?

Wer mit der Doppel-DVD liebäugelt, wird das wahrscheinlich tun, weil er den Film kennt. Wer mit dem Gedanken spielt, sich die Special Edition auf Verdacht hin zuzulegen, könnte sich sehr viel schlechtere Objekte der DVD-Begierde aussuchen. Ja, „Gangs of New York“ ist lang, und er ist nicht frei von Längen. Ja, „Gangs of New York“ ist ein gewalttätiger Film. Das liegt in der Natur der Sache bzw. im Sujet des Films. Hier geht’s um Faustrecht, um Macht, um Gebietsansprüche und Bandenkriege.

Nein, ein Film für Zartbesaitete ist „Gangs of New York“ wohl nicht. Dafür aber einer mit sehenswerten Kulissen, einem wie üblich überragenden Daniel Day-Lewis, der für Kameramann Michael Ballhaus typischen tollen Bildgestaltung, mit sensibel ausgewählter musikalischer Untermalung (zu der auch die passend ausgewählte “source music“ zählt) und einem Schauspieler-Ensemble, das überzeugt. Ob es eine weise Wahl war, tragende Rollen mit Cameron Diaz und Leonardo DiCaprio zu besetzen, weiß ich nicht. Ich bin weder ein ausgesprochener Fan der einen noch des anderen; trotzdem finde ich, dass sie ihre Sache gut machen. Wer die beiden partout nicht leiden kann, wird das aber wahrscheinlich beharrlich bestreiten und, wie viele der Kritiker des Films, kein gutes Haar an ihren Leistungen lassen. Ich selbst stimme den Unkenrufern allenfalls insoweit zu, als der wirkliche Star in der Darsteller-Riege wirklich Daniel Day-Lewis ist. Sein „Bill the Butcher“ ist eine überlebensgroße Figur, in dessen Schatten jede der restlichen Figuren vergleichsweise farblos wirkt; das schmälert aber nicht die Verdienste der restlichen Ensemble-Mitglieder.


R e s ü m e e

Ein sehenswerter Film – trotz aller Gegenstimmen und trotz aller berechtigten wie unberechtigten Kritik. Die Ausstattung der Special Edition liegt über dem Durchschnitt vergleichbarer Veröffentlichungen und bietet nicht nur interessante Einblicke in die Entstehung des Films, sondern dankenswerterweise auch Beiträge zum geschichtlichen Hintergrund – anders gesagt: Diese 2DVDs bieten den richtigen Mix aus Unterhaltung und Information. Wer den schätzt, kommt hier auf seine Kosten.


* Audiokommentar von Martin Scorsese
* Set-Design mit Dante Ferretti (Production Designer) und Martin Scorsese: Führung durch die Original-Kulissen mit Kommentaren über das Design und die Entstehung der Kulissen aus erster Hand; Trailer & Teasertrailer
*360 Grad Virtual-Set-Tour durch die Original-Kulissen; Musik-Video U2 'The Hands That Built America'
* Kostüme-Design: Schauspieler und Filmcrew über die Entstehung und die Bedeutung der Kostüme; Biografien & Filmografien der Hauptdarsteller
* „Die Geschichte der Five Points: Informationen über das legendäre Viertel New Yorks“; Discovery Channel Show: „Die wahren Gangs of New York“

15 Bewertungen, 6 Kommentare

  • morla

    28.09.2006, 23:10 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich

  • 78sunny

    28.09.2006, 23:03 Uhr von 78sunny
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich fand den Film auch gut! LG Sunny

  • anonym

    28.09.2006, 21:46 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh, LG Birgit :-)

  • superlativ

    28.09.2006, 19:27 Uhr von superlativ
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe grüße und einen schönen donnerstag!!!

  • marina71

    28.09.2006, 18:40 Uhr von marina71
    Bewertung: sehr hilfreich

    Man kann sich nicht immer auf die Kritiken verlassen..

  • anonym

    28.09.2006, 16:13 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh :o)