Gangs of New York (DVD) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 05/2011
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Erfahrungsbericht von Prisca
Grausame Realität vermischt mit ein wenig Fiktion
Pro:
bildgewaltig - gute Schauspieler
Kontra:
in der ersten Hälfte manchmal etwas langatmig, inder zweiten dafür stellenweise zu gehetzt
Empfehlung:
Ja
Ich hatte es euch ja schon angekündigt, ich habe Urlaub und damit ein wenig Zeit zum lesen und Filme gucken. Neulich Abend habe ich mich endlich an einen Film getraut, den ich eigentlich schon im Kino sehen wollte. Aber dann hagelte es schlechte Kritiken und ich bin davon abgekommen. Aus demselben Grund habe ich mir auch die DVD nicht zugelegt, immerhin eine Neuerscheinung kostet um die 20,-- Euro und wenn der Film dann noch nicht mal was taugt?!
Letzte Woche habe ich ihn allerdings als Special Edition (2 DVD´s ) für nur 9,99 Euro entdeckt und da habe ich dann doch zugeschlagen. So bin ich also endlich in den Genuss von
** GANGS OF NEW YORK **
gekommen. Bevor ich euch verrate, wie mir dieser Film gefallen hat, möchte ich euch aber erst mal ein wenig über den
** INHALT **
verraten, ist ja möglich, das nicht jeder damit vertraut ist.
Der Film beginnt im Jahre 1846. Zwei rivalisierende Straßengangs stehen sich gegenüber. Beide wollen die Macht in \"Five Points\"(ein Viertel New Yorks in dem zu der damaligen Zeit Gewalt und Kriminalität herrschte) . Priest Vallon hat seinen kleinen Sohn mit zur \"Schlacht\" gebracht - und entsetzt muss der Junge mit ansehen, wie die Freunde seiner Vaters in einem blutigen Kampf geschlagen werden - zum Schluss ersticht Billy the Butcher seinen ärgsten Feind, Priest Vallon.
Sein kleiner Sohn kommt in eine Erziehungsanstalt - weil er aber voller Hassgefühl ist lehnt er sich immer wieder auf, wird hart bestraft und erst nach Jahren erlangt er wieder die Freiheit. Ihn beherrscht nur ein Gedanke: zurück in die Five Points - Billy the Butcher finden und den Mord an seinem Vater rächen ....
In den Five Points hat sich in den Jahren manches geändert, aber vieles ist auch gleich geblieben. Nach wie vor leben hier die Ärmsten der Armen mehr schlecht als recht - die Menschen sind in verschiedenen Banden organisiert - die Politiker sind korrupt und denken nur an ihr Geld - illegale Einwanderer aus Irland überschwemmen die Stadt, in der Hoffnung, hier wenigstens genug zum Leben zu finden, schüren aber eher die Unruhe in der Bevölkerung, denn sie brauchen Platz zum Leben, Nahrungsmittel und Arbeit - lauter Dinge, die sowieso schon mehr als knapp bemessen sind.
Amsterdam (wie sich der Sohn von Priest Vallon jetzt nennt) findet sich hier schnell zurecht, hat er doch sein Leben lang nichts anderes als Armut und Gewalt gekannt. Und er findet Billy the Butcher - er ist der \"Herrscher\" über die Five Points geworden - er hat die Banden im Griff und die Politiker auf seiner Seite. Er bestimmt das Leben in den Five Points.
Amsterdam gelingt es, sich seine Anerkennung zu erarbeiten - wird eine Art Berater und \"Freund\" von Billy the Butcher ... immer mit dem Hintergedanken, eine passende Gelegenheit zu finden, den endlich zu töten. Die Tag scheint da zu sein, als Billy the Butcher mal wieder den Jahrestag seines Sieges über Priest Vallon feiern will (der Tag, an dem seine Herrschaft über die Five Points richtig begann) - ein richtiges Fest veranstaltet er und im Laufe dieses Fests will Amsterdam sich ihm offenbaren und anschließend erstechen, mit dem Messer, mit dem einst sein Vater erstochen wurde.
Doch Amsterdam wird verraten ....
Tcha, mehr werde ich jetzt aber über den Inhalt des Films nicht schreiben. Erstens ist es sowieso sehr schwer, einen Film, der über 160 Minuten lang ist mit ein paar Sätzen wiederzugeben und außerdem sollt ihr ihn euch ja noch angucken - das wäre ja langweilig, wenn ihr schon alles wisst, was geschieht.
Aber ich werde euch jetzt noch einige meiner
** GEDANKEN UND GEFÜHLE **
verraten, die mich beim Ansehen des Films beschäftigt haben - wenn ihr also weiterlest, könnt ihr sicher noch das eine oder andere aus dem Film erfahren.
Zunächst einmal muss ich eines sagen: der Film spielt in einer grausamen, rücksichtslosen und gefühlskalten Zeit - und genau so kommt er auch rüber. Er ist wirklich nichts mir zartbesaitete Gemüter, die gern eine romantische Liebesgeschichte ansehen - dazu ist er zu realistisch, zu grausam, ziemlich blutig und ziemlich direkt. Er deutet die Kampfszenen nicht an, er zeigt sie! Er lässt den Zuschauer abtauchen in diese kalte Welt voller Armut und Brutalität in der für Gefühle nur ganz am Rande Platz ist. Es ist ein Film, der einem mehr als einmal schlucken lässt.
Der Film erzählt die Geschichte von Amsterdam - von seinem Wunsch nach Rache ... und er erzählt sie doch wieder nicht. Diese Geschichte ist ein Teil des Ganzen, aber sie macht den Film nicht aus. Natürlich steht Amsterdam neben Billy the Butcher im Mittelpunkt des Geschehens - schließlich will der Zuschauer Hauptpersonen haben, mit denen er sich identifizieren kann, mit denen er sich freut (in diesem Fall gibt es aber wenig Grund zur Freude) und mit denen er leidet. Trotzdem ist seine Geschichte so eng mit der Geschichte New Yorks verbunden, mit den Gangs auf der Strasse das in diesem Film eigentlich ein ganzer Zeitabschnitt auf die Leinwand gebracht wird - das Schicksal der Five Points und der Menschen, die damals dort gelebt haben (wenn man diese Existenz überhaupt Leben nennen will).
Das Bild der Five Points, das mir in diesem Film aufgezeigt wird ist überwältigend. Es wirkt alles so lebendig und real - die Kulissen so echt, das man das Gefühl hat, hinfahren zu können um diese Welt einmal am eigenen Leib kennen zu lernen - obwohl ich nicht weiß, ob das wünschenswert ist. Denn was die Menschen dort mitgemacht haben (und was Scorese auf die Leinwand bringt) das ist mehr als erschreckend.
Und doch hat mich der Lebensmut dieser Menschen fasziniert, den sie im Film ausstrahlen. Trotz all des Elends, gibt es immer noch ein wenig Farbe und Leben in dem Film. Die Menschen singen, tanzen, geben sich ihren Vergnügungen hin - wenn auch alles geprägt ist von der Armut und der Brutalität. Boxkämpfe bis aufs Blut, Rattenjagden durch Hunde ... das sind die Vergnügungen zu dieser Zeit - und all das wird von dem Film gezeigt. Ziemlich schonungslos, ziemlich realistisch, ziemlich erschütternd ... und trotzdem fesselnd. Es ist eine ganz andere Welt die uns da gezeigt wird.
Die Geschichte von Amsterdam geht in dieser Bilderflut fast ein wenig unter - was ich aber nicht unbedingt als negativ empfunden habe, denn Amsterdam ist eben nur ein Teil des Ganzen! Fesselnd ist der ganze Film, wenn ich auch zugeben muss, das ich in der ersten Hälfte durchaus ein paar Längen festgestellt habe. Dafür wirkt die zweite Hälfte, in der wesentlich mehr passiert, manchmal ein wenig zu gehetzt. Was man vielleicht nicht einmal Martin Scorese als Regisseur vorwerfen kann - sein Gangs of New York war noch eine gute Stunde länger als die endgültige Fassung des Films. Mag sein, das einiges aus der zweiten Hälfte den Kürzungen zum Opfer gefallen ist.
Das soll es jetzt aber von meinem Eindruck zum Film gewesen sein, ein paar Worte möchte ich aber schon noch zu den
** DARSTELLERN **
verlieren.
An erster Stelle ist da sicher Billy the Butcher zu nennen, der von Daniel Day Lewis mehr als überzeugend dargestellt wird. Er haucht dieser vielschichtigen Gestalt echtes Leben ein. Hart, grausam, immer ein wenig zynisch herrscht er über sein Imperium. Innerhalb der Armut der Five Points besitzt er nicht nur Ansehen sondern auch einen gewissen Reichtum. Aber als Zuschauer spürt man, das er weiß, das seine Ära zu Ende geht und das er mit ihr untergehen wird, denn ein anderes Leben gibt es nicht für ihn.
Aber auch Leonardo de Caprio darf in der Rolle als Amsterdam Vallon zeigen, was er wirklich kann. Das er nicht nur ein Schönling ist, sondern auch eine Persönlichkeit darstellen kann. Vielleicht nicht ganz so überzeugend wie sein Gegenpart Daniel Day Lewis - aber trotzdem sehr gut. Man nimmt auch ihm die Rolle ab. Amsterdam ist innerlich eine sehr zerrissene Persönlichkeit. Schon als Kind hat er nichts anderes als Armut und Gewalt kennen gelernt - das er schließlich den Mord an seinen geliebten Vater hilflos mit ansehen muss, gibt ihm den Rest. Er überlebt die harten Jahre in der Erziehungsanstalt nur, weil ihn der Gedanke an Rache beherrscht. Und dann ist es soweit, es tritt dem Butcher gegenüber - wird sein Gehilfe - lebt mit ihm - feiert mit ihm. Sein Wunsch nach Rache bleibt bestehen. Sein Leben erscheint einem irgendwie so hoffnungslos. Er will auch gar kein Glück an sich heranlassen. Als er sich in Jenny verliebt, eine kleine Taschendiebin aus den Five Points, dann ist auch diese Liebe nicht von Glücklichsein geprägt sondern mehr von Verzweifelung. Diese zweigespaltene Persönlichkeit bringt Leonardo de Caprio wirklich gut auf die Leinwand.
Um mal aufzuzeigen, wie sehr sich die Schauspieler mit ihren Rollen identifiziert haben, möchte ich euch mal eine kleine Anekdote von den Dreharbeiten berichten. Eine Szene zwischen Leonardo de Caprio und Daniel Day Lewis. Beide sind in eine Schlägerei verwicklt und Leonardo de Caprio schlägt versehendlich so fest zu, das er Daniel Day Lewis die Nase bricht. Beide drehen die Szene zu Ende und hinterher stellt Lewis nur fest, das er diese Szene bsonders mag, weil sie so realistisch wirkt....
Bei den Schauspielern sollte man auf jeden Fall noch Camaron Diaz erwähnen, die sehr überzeugend die Rolle der Jenny übernimmt. Sie spielt gut, sie ist für den Zuschauer ein Lichtblick in all der Grausamkeit dieses Films, obwohl auch ihr Leben eher von Traurigkeit geprägt wird. Trotzdem denke ich, die Rolle der Jenny wurde nur in den Film geschrieben, um die Geschichte ein wenig aufzulockern, um wenigstens ein paar positive, hoffungsvolle Aspekte hineinzubringen.
Aber auch die kleineren Rollen sind durchaus überzeugend besetzt, ich könnte jetzt keinen Schauspieler nennen, der mir wirklich negativ aufgefallen wäre. Rundherum eine gelungene Besetzung!
Erwähnen möchte ich noch die
**MUSIK **
zu dem Film. Geschrieben wurde sie von Howard Shore (Herr der Ringe) und auch hier hat er sein bestes gegeben. Schon der Titelsong von U 2 \"Hands that build Amerika\" ist sehr gut gelungen. Aber auch die Mischung der Musik die den ganzen Film begleitet hat mir sehr gut gefallen. Es ist die Musik aus dem Amerika der damaligen Zeit, es ist aber auch viel irische Musik. Die Musik ist eigentlich ständig gegenwärtig und trotzdem überlagert sie die Handlung nie sondern unterstreicht sie noch.
In vielen Filmen läuft die Musik einfach so an mir vorbei - hier habe ich zwar hinterher keine bestimmten Melodien mehr im Ohr, es ist nichts zum Mitbrummen, nichts, was sich einprägt - aber in den einzelnen Szenen nimmt die Musik trotzdem sehr bewusst wahr.
Jetzt will ich langsam, ganz langsam zum Ende meines Berichts kommen, aber vorher gibt es noch die
** FAKTEN **
zu Film und DVD.
Beginnen möchte ich mit dem Film.
Der Film läuft 160 Minuten (das ist ganz schön lang - und trotzdem bedauere ich, das man hier den Regisseur so starke Kürzungen aufgezwungen hat - ursprünglich war der Film mit fast vier Stunden angelegt und ich glaube, das hätte zumindest der zweiten Hälfte des Films sehr gut getan!).
Die FSK beträgt 16 Jahre - ja, auf jeden Fall. Ich sehe die FSK eines Films eigentlich immer recht großzügig, weil ich denke, es kommt in erster Linie gar nicht so sehr auf das Alter an, sondern mehr auf die Reife eines Kindes. Natürlich gilt das auch hier - aber dieser Film ist wirklich sehr grausam und sehr blutig. Es war die Zeit damals, die so grausam und brutal war und die Martin Scorese hier sehr realistisch auf die Leinwand gebracht hat ... aber jüngeren Kindern würde ich diesen Film wirklich nicht zumuten!
Und jetzt die DVD.
zunächst Bild und Ton. Das Bildformat beträgt 16 : 9. Der Ton ist in dolby digital vorhanden, in deutsch ist auch dts möglich. Beides entspricht dem Standart einer modernen DVD.
Das Bild ist klar und flimmerfrei, manchmal vielleicht ein wenig dunkel, aber das ist so gewollt und liegt nicht an der DVD. Aussetzer konnte ich keine feststellen.
Der Ton ist klar und gut verständlich. Kein Rauschen, kein Knistern - und auch die Musik hält sich immer dezent im Hintergrund, überlagert das Gesprochene nie. Den Sound richtig ausnutzen kann ich mit meinem Uraltfernseher leider nicht - trotzdem war ich vollauf zufrieden.
Mit Sprachen und Untertiteln wird ein wenig gegeizt: es gibt nur deutschen und englischen Ton - und es gibt nur deutsche und englische Untertitel, zusätzlich deutsche Untertitel für Hörgeschädigte. Na gut, für mich ist das völlig ausreichend - ich kann sowieso nicht recht verstehen, warum eine DVD unbedingt hebräische Untertitel haben muss.
Das Interessanteste an einer DVD sind natürlich immer die Extras und die haben es hier wirklich in sich!
Auf der ersten DVD befindet sich nur der Hauptfilm, ferner ein Audiokommentar von Martin Scorese, der auch mit deutschen Untertiteln angehört werden kann.
Weitere Extras befinden sich auf einer zweiten DVD (aber das nur bei der Special Edition die ich besitze und von der ich hier schreibe!!! Es gibt auch noch eine Einzel DVD die mit wesentlich weniger Extras aufwartet ).
Zunächst einmal findet man hier 08/15 Extras wie Kinotrailer und eine DVD Vorschau auf weitere DVD Filme. Dann folgt das Musikvideo von U2. Das kann man, muss man sich aber nicht unbedingt antun. Es vervollständigt die Extras, ist aber nicht übermäßig interessant.
Interessante Punkte gibt es aber trotzdem noch genug:
1. Informationen des Produktions- Designers über die Kulissen
2. Martin Scorese führt den Zuschauer durch die Original Kulissen von GoNY - dieses Feature kann auch im 360 Grad Modus angesehen werden!
3. nähere Informationen zu den Kostümen
4. die reale Geschichte der Five Points
5. die Geschichte der \"wahren\" Gangs of New York
Sämtliche Punkte können in Originalsprache (englisch) angehört werden, es kann aber auch eine deutsche Tonspur darüber gelegt werden. Zwei Daumen hoch dafür, das erlebt man bei den Extras wirklich nur sehr selten - und es gibt doch genug Leute, die die englische Sprache eben nicht so perfekt beherrschen, um alles zu verstehen.
Was bei diesen Extras wirklich schade wäre. Ich bin kein großer Freund von Extras - aber diese habe ich mir tatsächlich alle angesehen. Die Führung durch die Originalkulissen war sehr interessant anzusehen. Meine Favoriten sind aber ganz klar die wahre Geschichte der Five Points und die Geschichte der echten Gangs in New York. Erst dadurch macht man sich so richtig bewusst, das Scorese hier zwar eine Geschichte erzählt - aber eine Geschichte, die in vielen Punkten der Wahrheit entspricht. Es ist ein dunkles Kapitel Amerikas das er hier verfilmt hat - ein Kapitel, das den meisten so gar nicht bekannt sein dürfte. Das sich Scorese storymäßig einige Freiheiten herausgenommen hat spielt dabei gar keine Rolle. Ich denke die Grundstimmung hat er sehr gut eingefangen.
Alles in allem laufen diese Extras bestimmt noch mal ca. 90 Minuten (legt mich nicht ganz genau fest, ich habe die Zeit nicht gestoppt!)
Die Doppel DVD (Special Edition) ist zur Zeit fast überall für 9,99 Euro zu bekommen - ein Preis den diese DVD auf jeden Fall wert ist.
Wer sich weiterhin zu diesem Thema informieren will, den möchte ich das Buch Die Gangs von New York von Herbert Asbury empfehlen. Es ist kein Roman, hat aber die Grundlage zu diesem Film gebildet!
** MEIN FAZIT **
Muss ich jetzt dazu wirklich noch etwas sagen? Mich hat diese DVD rundherum überzeugt. Der Film ist gelungen (wenn er auch teilweise etwas gehetzt rüberkommt - ich hoffe einfach mal, das sich vielleicht doch noch mal jemand erbarmt und die ursprüngliche 4 Stunden Fassung von Scorese herausbringt) - die Extras auf der DVD sind erste Sahne. Das Tüpfelchen auf dem I bildet der jetzige Preis - dafür kann man einfach nichts mehr falsch machen!
@ Prisca - Juli 2004 - ich schreibe für Ciao und Yopi, manchmal auch für Dooyoo
Letzte Woche habe ich ihn allerdings als Special Edition (2 DVD´s ) für nur 9,99 Euro entdeckt und da habe ich dann doch zugeschlagen. So bin ich also endlich in den Genuss von
** GANGS OF NEW YORK **
gekommen. Bevor ich euch verrate, wie mir dieser Film gefallen hat, möchte ich euch aber erst mal ein wenig über den
** INHALT **
verraten, ist ja möglich, das nicht jeder damit vertraut ist.
Der Film beginnt im Jahre 1846. Zwei rivalisierende Straßengangs stehen sich gegenüber. Beide wollen die Macht in \"Five Points\"(ein Viertel New Yorks in dem zu der damaligen Zeit Gewalt und Kriminalität herrschte) . Priest Vallon hat seinen kleinen Sohn mit zur \"Schlacht\" gebracht - und entsetzt muss der Junge mit ansehen, wie die Freunde seiner Vaters in einem blutigen Kampf geschlagen werden - zum Schluss ersticht Billy the Butcher seinen ärgsten Feind, Priest Vallon.
Sein kleiner Sohn kommt in eine Erziehungsanstalt - weil er aber voller Hassgefühl ist lehnt er sich immer wieder auf, wird hart bestraft und erst nach Jahren erlangt er wieder die Freiheit. Ihn beherrscht nur ein Gedanke: zurück in die Five Points - Billy the Butcher finden und den Mord an seinem Vater rächen ....
In den Five Points hat sich in den Jahren manches geändert, aber vieles ist auch gleich geblieben. Nach wie vor leben hier die Ärmsten der Armen mehr schlecht als recht - die Menschen sind in verschiedenen Banden organisiert - die Politiker sind korrupt und denken nur an ihr Geld - illegale Einwanderer aus Irland überschwemmen die Stadt, in der Hoffnung, hier wenigstens genug zum Leben zu finden, schüren aber eher die Unruhe in der Bevölkerung, denn sie brauchen Platz zum Leben, Nahrungsmittel und Arbeit - lauter Dinge, die sowieso schon mehr als knapp bemessen sind.
Amsterdam (wie sich der Sohn von Priest Vallon jetzt nennt) findet sich hier schnell zurecht, hat er doch sein Leben lang nichts anderes als Armut und Gewalt gekannt. Und er findet Billy the Butcher - er ist der \"Herrscher\" über die Five Points geworden - er hat die Banden im Griff und die Politiker auf seiner Seite. Er bestimmt das Leben in den Five Points.
Amsterdam gelingt es, sich seine Anerkennung zu erarbeiten - wird eine Art Berater und \"Freund\" von Billy the Butcher ... immer mit dem Hintergedanken, eine passende Gelegenheit zu finden, den endlich zu töten. Die Tag scheint da zu sein, als Billy the Butcher mal wieder den Jahrestag seines Sieges über Priest Vallon feiern will (der Tag, an dem seine Herrschaft über die Five Points richtig begann) - ein richtiges Fest veranstaltet er und im Laufe dieses Fests will Amsterdam sich ihm offenbaren und anschließend erstechen, mit dem Messer, mit dem einst sein Vater erstochen wurde.
Doch Amsterdam wird verraten ....
Tcha, mehr werde ich jetzt aber über den Inhalt des Films nicht schreiben. Erstens ist es sowieso sehr schwer, einen Film, der über 160 Minuten lang ist mit ein paar Sätzen wiederzugeben und außerdem sollt ihr ihn euch ja noch angucken - das wäre ja langweilig, wenn ihr schon alles wisst, was geschieht.
Aber ich werde euch jetzt noch einige meiner
** GEDANKEN UND GEFÜHLE **
verraten, die mich beim Ansehen des Films beschäftigt haben - wenn ihr also weiterlest, könnt ihr sicher noch das eine oder andere aus dem Film erfahren.
Zunächst einmal muss ich eines sagen: der Film spielt in einer grausamen, rücksichtslosen und gefühlskalten Zeit - und genau so kommt er auch rüber. Er ist wirklich nichts mir zartbesaitete Gemüter, die gern eine romantische Liebesgeschichte ansehen - dazu ist er zu realistisch, zu grausam, ziemlich blutig und ziemlich direkt. Er deutet die Kampfszenen nicht an, er zeigt sie! Er lässt den Zuschauer abtauchen in diese kalte Welt voller Armut und Brutalität in der für Gefühle nur ganz am Rande Platz ist. Es ist ein Film, der einem mehr als einmal schlucken lässt.
Der Film erzählt die Geschichte von Amsterdam - von seinem Wunsch nach Rache ... und er erzählt sie doch wieder nicht. Diese Geschichte ist ein Teil des Ganzen, aber sie macht den Film nicht aus. Natürlich steht Amsterdam neben Billy the Butcher im Mittelpunkt des Geschehens - schließlich will der Zuschauer Hauptpersonen haben, mit denen er sich identifizieren kann, mit denen er sich freut (in diesem Fall gibt es aber wenig Grund zur Freude) und mit denen er leidet. Trotzdem ist seine Geschichte so eng mit der Geschichte New Yorks verbunden, mit den Gangs auf der Strasse das in diesem Film eigentlich ein ganzer Zeitabschnitt auf die Leinwand gebracht wird - das Schicksal der Five Points und der Menschen, die damals dort gelebt haben (wenn man diese Existenz überhaupt Leben nennen will).
Das Bild der Five Points, das mir in diesem Film aufgezeigt wird ist überwältigend. Es wirkt alles so lebendig und real - die Kulissen so echt, das man das Gefühl hat, hinfahren zu können um diese Welt einmal am eigenen Leib kennen zu lernen - obwohl ich nicht weiß, ob das wünschenswert ist. Denn was die Menschen dort mitgemacht haben (und was Scorese auf die Leinwand bringt) das ist mehr als erschreckend.
Und doch hat mich der Lebensmut dieser Menschen fasziniert, den sie im Film ausstrahlen. Trotz all des Elends, gibt es immer noch ein wenig Farbe und Leben in dem Film. Die Menschen singen, tanzen, geben sich ihren Vergnügungen hin - wenn auch alles geprägt ist von der Armut und der Brutalität. Boxkämpfe bis aufs Blut, Rattenjagden durch Hunde ... das sind die Vergnügungen zu dieser Zeit - und all das wird von dem Film gezeigt. Ziemlich schonungslos, ziemlich realistisch, ziemlich erschütternd ... und trotzdem fesselnd. Es ist eine ganz andere Welt die uns da gezeigt wird.
Die Geschichte von Amsterdam geht in dieser Bilderflut fast ein wenig unter - was ich aber nicht unbedingt als negativ empfunden habe, denn Amsterdam ist eben nur ein Teil des Ganzen! Fesselnd ist der ganze Film, wenn ich auch zugeben muss, das ich in der ersten Hälfte durchaus ein paar Längen festgestellt habe. Dafür wirkt die zweite Hälfte, in der wesentlich mehr passiert, manchmal ein wenig zu gehetzt. Was man vielleicht nicht einmal Martin Scorese als Regisseur vorwerfen kann - sein Gangs of New York war noch eine gute Stunde länger als die endgültige Fassung des Films. Mag sein, das einiges aus der zweiten Hälfte den Kürzungen zum Opfer gefallen ist.
Das soll es jetzt aber von meinem Eindruck zum Film gewesen sein, ein paar Worte möchte ich aber schon noch zu den
** DARSTELLERN **
verlieren.
An erster Stelle ist da sicher Billy the Butcher zu nennen, der von Daniel Day Lewis mehr als überzeugend dargestellt wird. Er haucht dieser vielschichtigen Gestalt echtes Leben ein. Hart, grausam, immer ein wenig zynisch herrscht er über sein Imperium. Innerhalb der Armut der Five Points besitzt er nicht nur Ansehen sondern auch einen gewissen Reichtum. Aber als Zuschauer spürt man, das er weiß, das seine Ära zu Ende geht und das er mit ihr untergehen wird, denn ein anderes Leben gibt es nicht für ihn.
Aber auch Leonardo de Caprio darf in der Rolle als Amsterdam Vallon zeigen, was er wirklich kann. Das er nicht nur ein Schönling ist, sondern auch eine Persönlichkeit darstellen kann. Vielleicht nicht ganz so überzeugend wie sein Gegenpart Daniel Day Lewis - aber trotzdem sehr gut. Man nimmt auch ihm die Rolle ab. Amsterdam ist innerlich eine sehr zerrissene Persönlichkeit. Schon als Kind hat er nichts anderes als Armut und Gewalt kennen gelernt - das er schließlich den Mord an seinen geliebten Vater hilflos mit ansehen muss, gibt ihm den Rest. Er überlebt die harten Jahre in der Erziehungsanstalt nur, weil ihn der Gedanke an Rache beherrscht. Und dann ist es soweit, es tritt dem Butcher gegenüber - wird sein Gehilfe - lebt mit ihm - feiert mit ihm. Sein Wunsch nach Rache bleibt bestehen. Sein Leben erscheint einem irgendwie so hoffnungslos. Er will auch gar kein Glück an sich heranlassen. Als er sich in Jenny verliebt, eine kleine Taschendiebin aus den Five Points, dann ist auch diese Liebe nicht von Glücklichsein geprägt sondern mehr von Verzweifelung. Diese zweigespaltene Persönlichkeit bringt Leonardo de Caprio wirklich gut auf die Leinwand.
Um mal aufzuzeigen, wie sehr sich die Schauspieler mit ihren Rollen identifiziert haben, möchte ich euch mal eine kleine Anekdote von den Dreharbeiten berichten. Eine Szene zwischen Leonardo de Caprio und Daniel Day Lewis. Beide sind in eine Schlägerei verwicklt und Leonardo de Caprio schlägt versehendlich so fest zu, das er Daniel Day Lewis die Nase bricht. Beide drehen die Szene zu Ende und hinterher stellt Lewis nur fest, das er diese Szene bsonders mag, weil sie so realistisch wirkt....
Bei den Schauspielern sollte man auf jeden Fall noch Camaron Diaz erwähnen, die sehr überzeugend die Rolle der Jenny übernimmt. Sie spielt gut, sie ist für den Zuschauer ein Lichtblick in all der Grausamkeit dieses Films, obwohl auch ihr Leben eher von Traurigkeit geprägt wird. Trotzdem denke ich, die Rolle der Jenny wurde nur in den Film geschrieben, um die Geschichte ein wenig aufzulockern, um wenigstens ein paar positive, hoffungsvolle Aspekte hineinzubringen.
Aber auch die kleineren Rollen sind durchaus überzeugend besetzt, ich könnte jetzt keinen Schauspieler nennen, der mir wirklich negativ aufgefallen wäre. Rundherum eine gelungene Besetzung!
Erwähnen möchte ich noch die
**MUSIK **
zu dem Film. Geschrieben wurde sie von Howard Shore (Herr der Ringe) und auch hier hat er sein bestes gegeben. Schon der Titelsong von U 2 \"Hands that build Amerika\" ist sehr gut gelungen. Aber auch die Mischung der Musik die den ganzen Film begleitet hat mir sehr gut gefallen. Es ist die Musik aus dem Amerika der damaligen Zeit, es ist aber auch viel irische Musik. Die Musik ist eigentlich ständig gegenwärtig und trotzdem überlagert sie die Handlung nie sondern unterstreicht sie noch.
In vielen Filmen läuft die Musik einfach so an mir vorbei - hier habe ich zwar hinterher keine bestimmten Melodien mehr im Ohr, es ist nichts zum Mitbrummen, nichts, was sich einprägt - aber in den einzelnen Szenen nimmt die Musik trotzdem sehr bewusst wahr.
Jetzt will ich langsam, ganz langsam zum Ende meines Berichts kommen, aber vorher gibt es noch die
** FAKTEN **
zu Film und DVD.
Beginnen möchte ich mit dem Film.
Der Film läuft 160 Minuten (das ist ganz schön lang - und trotzdem bedauere ich, das man hier den Regisseur so starke Kürzungen aufgezwungen hat - ursprünglich war der Film mit fast vier Stunden angelegt und ich glaube, das hätte zumindest der zweiten Hälfte des Films sehr gut getan!).
Die FSK beträgt 16 Jahre - ja, auf jeden Fall. Ich sehe die FSK eines Films eigentlich immer recht großzügig, weil ich denke, es kommt in erster Linie gar nicht so sehr auf das Alter an, sondern mehr auf die Reife eines Kindes. Natürlich gilt das auch hier - aber dieser Film ist wirklich sehr grausam und sehr blutig. Es war die Zeit damals, die so grausam und brutal war und die Martin Scorese hier sehr realistisch auf die Leinwand gebracht hat ... aber jüngeren Kindern würde ich diesen Film wirklich nicht zumuten!
Und jetzt die DVD.
zunächst Bild und Ton. Das Bildformat beträgt 16 : 9. Der Ton ist in dolby digital vorhanden, in deutsch ist auch dts möglich. Beides entspricht dem Standart einer modernen DVD.
Das Bild ist klar und flimmerfrei, manchmal vielleicht ein wenig dunkel, aber das ist so gewollt und liegt nicht an der DVD. Aussetzer konnte ich keine feststellen.
Der Ton ist klar und gut verständlich. Kein Rauschen, kein Knistern - und auch die Musik hält sich immer dezent im Hintergrund, überlagert das Gesprochene nie. Den Sound richtig ausnutzen kann ich mit meinem Uraltfernseher leider nicht - trotzdem war ich vollauf zufrieden.
Mit Sprachen und Untertiteln wird ein wenig gegeizt: es gibt nur deutschen und englischen Ton - und es gibt nur deutsche und englische Untertitel, zusätzlich deutsche Untertitel für Hörgeschädigte. Na gut, für mich ist das völlig ausreichend - ich kann sowieso nicht recht verstehen, warum eine DVD unbedingt hebräische Untertitel haben muss.
Das Interessanteste an einer DVD sind natürlich immer die Extras und die haben es hier wirklich in sich!
Auf der ersten DVD befindet sich nur der Hauptfilm, ferner ein Audiokommentar von Martin Scorese, der auch mit deutschen Untertiteln angehört werden kann.
Weitere Extras befinden sich auf einer zweiten DVD (aber das nur bei der Special Edition die ich besitze und von der ich hier schreibe!!! Es gibt auch noch eine Einzel DVD die mit wesentlich weniger Extras aufwartet ).
Zunächst einmal findet man hier 08/15 Extras wie Kinotrailer und eine DVD Vorschau auf weitere DVD Filme. Dann folgt das Musikvideo von U2. Das kann man, muss man sich aber nicht unbedingt antun. Es vervollständigt die Extras, ist aber nicht übermäßig interessant.
Interessante Punkte gibt es aber trotzdem noch genug:
1. Informationen des Produktions- Designers über die Kulissen
2. Martin Scorese führt den Zuschauer durch die Original Kulissen von GoNY - dieses Feature kann auch im 360 Grad Modus angesehen werden!
3. nähere Informationen zu den Kostümen
4. die reale Geschichte der Five Points
5. die Geschichte der \"wahren\" Gangs of New York
Sämtliche Punkte können in Originalsprache (englisch) angehört werden, es kann aber auch eine deutsche Tonspur darüber gelegt werden. Zwei Daumen hoch dafür, das erlebt man bei den Extras wirklich nur sehr selten - und es gibt doch genug Leute, die die englische Sprache eben nicht so perfekt beherrschen, um alles zu verstehen.
Was bei diesen Extras wirklich schade wäre. Ich bin kein großer Freund von Extras - aber diese habe ich mir tatsächlich alle angesehen. Die Führung durch die Originalkulissen war sehr interessant anzusehen. Meine Favoriten sind aber ganz klar die wahre Geschichte der Five Points und die Geschichte der echten Gangs in New York. Erst dadurch macht man sich so richtig bewusst, das Scorese hier zwar eine Geschichte erzählt - aber eine Geschichte, die in vielen Punkten der Wahrheit entspricht. Es ist ein dunkles Kapitel Amerikas das er hier verfilmt hat - ein Kapitel, das den meisten so gar nicht bekannt sein dürfte. Das sich Scorese storymäßig einige Freiheiten herausgenommen hat spielt dabei gar keine Rolle. Ich denke die Grundstimmung hat er sehr gut eingefangen.
Alles in allem laufen diese Extras bestimmt noch mal ca. 90 Minuten (legt mich nicht ganz genau fest, ich habe die Zeit nicht gestoppt!)
Die Doppel DVD (Special Edition) ist zur Zeit fast überall für 9,99 Euro zu bekommen - ein Preis den diese DVD auf jeden Fall wert ist.
Wer sich weiterhin zu diesem Thema informieren will, den möchte ich das Buch Die Gangs von New York von Herbert Asbury empfehlen. Es ist kein Roman, hat aber die Grundlage zu diesem Film gebildet!
** MEIN FAZIT **
Muss ich jetzt dazu wirklich noch etwas sagen? Mich hat diese DVD rundherum überzeugt. Der Film ist gelungen (wenn er auch teilweise etwas gehetzt rüberkommt - ich hoffe einfach mal, das sich vielleicht doch noch mal jemand erbarmt und die ursprüngliche 4 Stunden Fassung von Scorese herausbringt) - die Extras auf der DVD sind erste Sahne. Das Tüpfelchen auf dem I bildet der jetzige Preis - dafür kann man einfach nichts mehr falsch machen!
@ Prisca - Juli 2004 - ich schreibe für Ciao und Yopi, manchmal auch für Dooyoo
25 Bewertungen, 2 Kommentare
-
12.09.2004, 18:52 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichNanu ? Ich suche noch immer die SE-Edition, die einfache DVD ist überall erhältlich und kostet hier noch immer um die 14,95 € :( ... Ich finde den Film aber klasse, so daß ich auch endlich das zahllose Bonusmaterial und insbesondere das U2-
-
17.07.2004, 13:39 Uhr von AnnaH
Bewertung: sehr hilfreich...muß gleich mal nachschauen, bist sicherlich schon silber? Liebe Grüße Sabine
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