Gangs of New York (VHS) Testbericht
Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
Erfahrungsbericht von Bluebirdunfa
Geschichtliches Meisterwerk
Pro:
Kulissen, Kostüme, Geschichtliche erläuterungen, Darsteller
Kontra:
nichts
Empfehlung:
Ja
Überall sind Gangs. Als ich Kind war, war der Begriff „GANG“ eigentlich kaum relevant in der DDR.
Ein Grund sich nun einmal über Gangs zu informieren. Was lag da näher als sich am Wochenende einmal das Monumentalwerk: „Gangs of New York“ gleich zweimal Reinzuziehen. Zumal der Regisseur Scorsese rund 30 Jahr Anlauf brauchte für diesen Film.
Kurze Inhaltsangabe
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Der Junge Amsterdam muss um 1846 zuschauen, wie sein Vater in einem blutigen Bandenkrieg vom Anführer der Gegenpartei Bill Cutting im Kampf ermordet wird. In den Armen des ca. 10 jährigen stirbt der Vater Priest Vallon, nachdem er den letzten Gnadenstoss von Cutting bekommen hat. Anlass dieser Straßenschlacht war der Kampf, der in Amerika geborenen Amerikaner gegen die neuen Einwanderer. Beide Gruppen bildeten die Gangs: Death Rabbits (Einwanderer) und die Natives. Der Kampf findet im Armenviertel Five Points statt. Eine Gegend in der 5 Stadtbezirke aufeinander treffen. Und damit auch verschiedene Völker (Chinesen, Farbige, Europäer, Irische Einwanderer) Der Priester Vallon war der Anführer der Irischen Einwanderer.
16 Jahre später kehrt der junge Amsterdam aus der Besserungsanstalt zurück in seine Heimat. Er buddelt das Messer aus, mit dem sein Vater erstochen wurde. Er selber hatte es damals noch geschafft, dieses in seinem Zuhause zu verstecken. Ein alter Freund aus Kindertagen schafft es, Amsterdam unerkannt in die Gang von Bill Cutting einzuschleusen. Natürlich möchte Amsterdam Rache üben, für seinen Vater. Aber das wird nicht leicht. Lernt er doch den „Butcher“ wie Bill Cutting auch genannt wird, nun genauer kennen. Er rettet ihm sogar das Leben. Als er am Jahrestag des Todes seines Vaters, den Butcher ermorden will, wird sein Plan durch Verrat vereitelt. Der Butcher entstellt ihm, um ihn als lebenden Beweis, des einzigen Mannes den er je am Leben ließ, laufen zu lassen. Butcher Ziehtochter Jenny, die Amsterdam liebt, pflegt diesen wieder gesund.
Aber der Kampf Mann gegen Mann ist nur aufgeschoben und nicht aufgehoben worden. Allerdings stellt ein noch größeres Gemetzel diesen Kampf am Ende des Filmes ziemlich in den Schatten.
Schauspieler
°°°°°°°°°°°°°°
Leonardo di Caprio ………..als Amsterdam
Cameron Diaz ….................als Jenny
Liam Neeson ……………….als Priest Vallon
Daniel Day-Lewis ………….als Bill Cutting
Henry Thomas ………………als Jonny
Der wirkliche Hauptdarsteller ist hier Daniel Day Lewis, finde ich. Er spielt den brutalen Butcher so überzeugend, dass man Alpträume bekommt. Dagegen ist Leonardo eher der süße Junge, der die Frauen in den Film ziehen soll. Aber auch er macht die Sache sehr gut.
Allerdings hat es der smarte Junge doch recht schwer, gegen den recht harten und überzeugenden Daniel Day Lewis anzukämpfen. So erscheint Leonardo für die Zeit in der er lebt, doch recht weich gezeichnet. Da hilft auch nicht sein barsches auftreten, gegenüber seinen Zeitgenossen.
Was mich dann am meisten etwas verärgerte war die harte Szene in der er vom Butcher entstellt wird. Denn die Entstellung ist nach der Genesung eigentlich nicht mehr zu sehen. Dafür das in der Entstellungsszene soviel Blut floss, schon erstaunlich. Oder wollte man das Gesicht von Leonardo hier nicht für den Zuschauer unansehnlich machen? Keine Ahnung. Es hätte aber mehr zum Film gepasst, wenn hier am Ende mehr zu sehen gewesen wäre, als eine rote Wunde auf der Wange, die am Ende auch verschwand.
Anstelle von Cameron Diaz, finde ich, hätte man jede andere schöne Schauspielerin nehmen können. Eigentlich überzeugt der Film eher durch die vielen Nebendarsteller, die Kulissen und die Kostüme. Liam Neeson ist ein Top Schauspieler, aber in den 10 Anfangsminuten des Filmes kann er das kaum unter Beweis stellen. Denn er wird ja gleich ermordet.
Daten zum Film
°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Originaltitel: Gangs of New York
USA 2002
Produktionsfirma: Initial Entertainment Group (IEG) / Miramax
Lauflänge: 168 min.
Kostüme: Sandy Powell
Musik: Howard Shore
Kamera: Michael Ballhaus
Ausf. Produzenten: Michael Ovitz, Bob Weinstein, Rick Yorn, Michael Hausman, Maurizio Grimaldi
Produktion: Alberto Grimaldi, Harvey Weinstein
Story: Jay Cocks
Drehbuch: Jay Cocks, Kenneth Lonergan, Steve Zaillain
Regie: Martin Scorsese
FSK: 16. Das ist gerecht, sind die Szenen manchmal doch recht brutal. Wobei ich gestehe auch schon schlimmeres gesehen zu haben. Die Kampfszenen ähnelnd in ihrer Grausamkeit den Filmen: „The Patriot (Mel Gibson). Allerdings finde ich, das sie nicht an die Szenen: aus „Der Soldat James Ryan“ herankommen. Zumal man eigentlich nur sieht, wie Messer und Hackebeile in die Körper sausen. Ab und an lassen ein paar Pistolenkugeln, das Blut aus den Körpern spritzen. Aber das war es eigentlich schon. Keine überzogene Grausamkeit, wie man es aus Horrorfilmen kennt. Oder die Szenen fielen der Schere zum Opfer. Schließlich wurde der Film ja gewaltig gekürzt.
Der Film kostete über 100 Millionen Dollar. Wobei man hier auch sieht, wo das Geld geblieben ist. Anfänglich dauerte er 4 Stunden, wurde aber auf 2,5 Stunden zurechtgeschnitten. Eigentlich etwas schade, wie ich finde.
Nominiert wurde der Film für 10 Oscars. Bekam aber leider keinen einzigen davon. Etwas was ich schade finde. Denn die Kulissen, Kostüme und Massenszenen sind einen Oscar wert.
Effekte und Sound
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Was für ein Film. Ein regelrechter Kostümfilm. Ich gebe es zu, der Trailer vor rund 3 Jahren hatte meine Augen regelrecht in Richtung Kino gezogen. Aber am Ende habe ich den Film dort doch leider verpasst. Ich denke auf einer Leinwand wirkt das ganze noch prächtiger.
Wer eine Geschichtslektion haben will, über die Lebensumstände der New Yorker um 1860 herum, muss diesen Film einfach sehne. Die Kulissen sind grandios nachgebaut. Auch an Statisten mangelt es hier nicht. Und so bekommen wir hier eine Menge Gesichter zu sehen, die manchmal recht skurril wirken, aber den Film sehr realistisch erscheinen lassen. Die Schlachten erinnern mich gewaltig an das Epos: „Vom Winde verweht“. Die Effekte berufen sich allerdings eher auf alle möglichen Arten zu sterben oder zu töten. Der Sound ist gewaltig und wirklich super.
Meine Meinung
°°°°°°°°°°°°°°°°°
Der Trailer ist es, der den Film schon sehr interessant erscheinen lässt. Eigentlich geht es kaum um die simple Geschichte zwischen Amsterdam und dem Butcher habe ich das Gefühl. Eher geht es hier Politik. Das Recht des Stärkeren, auf dem Amerika beruht. Während die Gangs ihren täglichen Kleinkrieg haben. Korruption überall zu sehen ist, ziehen in Wirklichkeit andere an den Fäden.
Als erstes aber bekommen wir eine wirklichkeitsnahe Geschichtsstunde über das Leben in den Armenviertel von New York zu sehen. Düstere braune Farbe und Kerzenschein zeigt uns das Leben der Menschen dort. Wir sehen, wie Wetten abgeschlossen werden, wie viel Ratten ein Terrier in 1 Minute totbeißt. Wir sehen die tägliche Armut. Tote auf den Straßen New Yorks um die sich keiner kümmert. Szenen die man heute noch aus Indien kennt. Tägliche Gewalt, Morde und Diebstähle. Hier überlebt nur, wer kämpfen kann. Psychologen hätten hier keine lebenden Kunden. Die Männer brüsten sich mit ihren Opfern. So schnitzt man die Anzahl der Erschlagenen in seine Keule. Oder man trägt die Weste eines ermordeten Attentäters.
Gewalt ist allgegenwärtig und man kann ihr nicht entfliehen. Was für ein Gegensatz zur Serie: “Unsere kleine Farm“, die im ähnlichen Zeitrahmen zu spielen scheint.
Den Mörder Butcher, der Menschen mit Schweinen vergleicht (was biologisch auch Sinn macht) lernt man näher kennen. Und plötzlich ist er eigentlich kein Monster mehr, sondern ein Opfer seiner Zeit. Einer grausamen Zeit. Es hätte bei dem Kampf vor 16 Jahren auch ihn treffen können. Ehrenvoll ist auch, wie er deshalb seinen Toten Kontrahenten behandelt. Dieser wird im Gegensatz zu den anderen Toten nicht verstümmelt.
Butcher, der glaubt alles in seinem Viertel zu beherrschen, ist am Ende des Filmes kein Herrscher mehr. Denn das Ende des Filmes zeigt uns, wer das Sagen hat. Das Geld der Herrschenden Klasse. Und so geht diese am Ende des Filmes auf die New Yorker Einwohner los. 2000 Menschen ließen bei diesem tatsächlichen Konflikt ihr Leben. So habe ich in der letzten Filmstunde die Gewissheit, dass Scorsese uns hier eine Geschichtslektion erteilen möchte. Es geht eigentlich kaum um den Butcher und Amsterdam. Nein es geht um die Macht.
Anlass der Aufstände war um 1860 die Einberufung der Einwanderer zum Bürgerkrieg. Diese wurden gleich nach ihrer Ankunft im gelobten Land in eine Uniform gepresst und auf ein Schiff gesteckt um in den Bürgerkrieg zu ziehen. Den so gelobten Bürgerkrieg, der den Schwarzen ihre Freiheit bringen sollte. Kein Wunder das der Hass auf die Farbigen da groß war. Zumal das gleiche Schiff das einen in den Krieg brachte, auch die unzähligen Toten aus dem Krieg wieder zurückbrachte. Jeder der in den Krieg zog, war eigentlich schon so gut wie tot. Denn es gab über 25000 Tote.
Jeder, der 300 Dollar hatte, konnte ich von dieser Rekrutierung freikaufen. Aber welcher Einwanderer hatte diese. Man hätte ebenso auch 3 Millionen verlangen können, wie Amsterdam es treffend im Film sagt.
Und so brodelt es im Hexenkessel der Armenviertel von New York. Keiner will in diesen Krieg, der nicht sein eigener ist. Als die Bewohner ihren Unmut über die Zwangsrekrutierung Luft machen und es zu Aufständen kommt, wie wir es gerade in Paris gesehen haben, schießt die Regierung auf ihre Wähler. Dabei gibt es über 2000 Tote Männer und Frauen.
Hier in diesem Kampf zeigt uns Scorsese die Unterschiede zwischen Arm und Reich. Die wohlhabenden Wohngebiete sehen eher aus, wie wir es aus den USA Schnulzen von früher kennen. Keiner hat aber, so schonungslos, die Elendsquartiere gezeigt. Scorsese zeigt es und hier liegt die Stärke des Filmes. Und so erinnert er mich an den alten Zille, der auch die armen Berliner malte und ihnen damit ein Denkmal setzte.
Schauen wir genauer in den Film. Scorsese wollte damit seiner Heimat ein Denkmal setzen und ihrer Geschichte. Klar, eine kleine Geschichte gehört damit hinein. Die bekommen wir auch.
Und wir bekommen eine Lektion in Geschichte. Während sich die Gangs auf der Straße untereinander bekriegen, fängt die Regierung an, in die aufbegehrende Bevölkerung zu schießen. Was sagt uns das? Eigentlich ist es sinnlos in Gangs zu kämpfen. Vielleicht sollten wir uns alle an einen Tisch setzen und miteinander besprechen, wie gegen die ungerechte Vorherrschaft des Kapitals vorzugehen ist. Und vielleicht ist das auch der Grund, warum der Film keinen Oscar bekommen hat. Wer weiß das schon.
Kurzes Fazit
°°°°°°°°°°°°°
Für die viele Arbeit kann man nur die Höchstnote vergeben. Trotz der recht schwachen Handlung, die in meinen Augen eher Beiwerk ist, ist das ein grandioses Filmwerk, das in meinen Augen einen Oscar verdient hat. Die Stärke des Filmes liegt in den Kulissen und den Kostümen, sowie der Geschichtslektion.
Vielen Dank für Euer Lesen, Kommentieren und Bewerten.
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Berlin, 21.11.2005
Es grüßt alle Leser: Bluebirdunfa
Copyright by Bluebirdunfa
39 Bewertungen, 6 Kommentare
-
23.11.2005, 00:43 Uhr von feldhase
Bewertung: sehr hilfreichhab ihn auch gesehen! sh - LG vom Feldhasen
-
22.11.2005, 13:09 Uhr von topfmops
Bewertung: sehr hilfreichalso ich weiß es nicht . . . was ich zu dem film sagen soll, der bericht ist hervorragend
-
22.11.2005, 04:40 Uhr von animaldream
Bewertung: sehr hilfreichschöner Bericht! LG animaldream
-
21.11.2005, 22:55 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichDer kam gestern :) Hab ich gesehn :)
-
21.11.2005, 22:40 Uhr von follio
Bewertung: sehr hilfreichAchtung: _########### ___############### _ ################## ##### FLATSCH ###### _ ################## ___############### Erwischt!!!!!! Du wurdest gerade von einem Cyber-Schneeball getroffen. Der Erste in diesem Winter! Die Schneeballschlacht Saison &quo
-
21.11.2005, 21:07 Uhr von mauseli
Bewertung: sehr hilfreichkam ja gestern... *g <br/> <br/>sh
Bewerten / Kommentar schreiben