Gangs of New York (VHS) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
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Erfahrungsbericht von JerryMaguire
The Hands That Built New York
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Hexenkessel (1973), Taxi Driver (1976), Wie ein wilder Stier (1980), Die letzte Versuchung Christi (1988), Goodfellas (1990), Kap der Angst (1991), Zeit der Unschuld (1993), Casino (1995)...
Martin Scorsese ist eine lebende Regie-Legende und hat dem modernen Kino Hollywoods seinen Stempel aufgedrückt. Mit seinem neuesten Werk Gangs Of New York wagt sich Scorsese an ein bisher eher selten oder nebenbei behandeltes Thema der amerikanischen Geschichte und versucht seine großartige Abfolge filmischer Meisterwerke fortzusetzen.
Die Handlung spielt in New York, Mitte des 19. Jahrhunderts, hauptsächlich zur Zeit der amerikanischen Bürgerkriege und der großen europäischen Immigrationsbewegungen.
Das Bild dieser Stadt ist weit entfernt von dem, was sich inzwischen längst in unseren Köpfen manifestiert hat. New York ist schmutzig, unzivilisiert, geradezu hässlich und dazu hin- und hergerissen zwischen rivalisierenden Banden, die ihre jeweilige Kontrolle über die Stadt erweitern wollen. Einwanderer, überwiegend irischer Herkunft, kämpfen gegen die sich selbst als „Natives“ bezeichnenden Bürgergruppen, die bereits in Amerika geboren wurden. In einer finalen Schlacht wird der Anführer des Einwanderer-Clans („dead rabbits“), Priest Vallon (Liam Neeson), vor den Augen seines Sohnes Amsterdam, durch William „Bill the Butcher“ Cutting (Daniel Day-Lewis) getötet und dadurch die Machtverteilung in den Stadtbezirken (Five points) geregelt. Amsterdam schwört sich den Tod seines Vaters zu rächen und dessen Vorhaben, die Unterdrückung der Einwanderer aufzuheben, fortzuführen. 16 Jahre vergehen in denen der zum Mann gereifte Rächer (dargestellt von Leonardo Di Caprio), unweit des Stadtkerns, eine kirchliche Erziehung erfährt und dennoch von dem Gedanken der Vergeltung getrieben zurückkehrt, um sein Ansinnen in die Tat umzusetzen.
Schnell findet er, ohne Nennung seiner Herkunft und seiner wahren Identität, Anschluss in der Gang von William Cutting zu dem er mit der Zeit eine fast väterliche Beziehung aufbaut. Ungeachtet dessen plant Amsterdam seine Rache sorgfältig und lernt, während er zum respektierten Bandenmitglied aufsteigt, zum einen die Gesetze der Straße und zum anderen die Trickdiebin Jenny Everdeane (Cameron Diaz) kennen, die ebenfalls (wie fast jeder) für Cutting arbeitet.
Als die Gelegenheit zur endgültigen Rache günstig erscheint, fliegt zwar im letzten Moment die Tarnung des jungen Vallon auf, doch die folgenden Ereignisse sind ohnehin nicht mehr aufzuhalten. Wöchentlich strömen Tausende irischer Einwanderer in die Stadt und die finale Eskalation der sozialen Konflikte ist unausweichlich. Unter Führung von Amsterdam Vallon mobilisieren sich die Einwanderer und es kommt zur entscheidenden Schlacht mit „The Butcher“...
Gangs Of New York berichtet von einer Zeit der amerikanischen Geschichte, die uns im Kino bisher überwiegend durch Western oder Schlachtengemälde der Bürgerkriege begegnet ist. Über die Problematik der Einwanderung seitens Europa an der Ostküste und die zunehmende Verschärfung der sozialen Differenzen ist wenig bekannt.
Während vor allem im Zuge der Goldgräber-Zeit eine Bewegung gen Westen festzustellen war, landen die Einwandererströme zunächst an den Häfen der Ostküste Amerikas. Veranlasst durch politische Verfolgung oder akute Hungersnöte (besonders in Irland; wer kennt sie nicht die „potato famine“?), trieben die Immigranten dazu, ihr Glück in Amerika zu suchen. Das sie dabei nicht ausschließlich mit offenen Armen empfangen wurden macht dieser Film auf sehr drastische Art deutlich.
Der „American Dream“ wird zum Albtraum, zum verzweifelten Versuch ein neues Leben in einem neuen Kulturkreis aufzubauen. Das dieser Versuch nicht nur durch einen frommen Wunsch und ohne den erneuten Kampf um die eigene Existenz möglich ist zeigt Gangs Of New York.
Die von Cutting angeführten „Natives“ (anmaßend sich selbst als Ur-Einwohner zu bezeichnen; doch dies zeigt bereits ihre Arroganz gegenüber anderer ethnischer Gruppen) beispielsweise sind intolerant und können keine Akzeptanz für die Situation der Einwanderer aufbringen.
Rassismus und Intoleranz.
Themen, die bereits im New York des 19. Jahrhunderts akute Probleme darstellen und bis heute Auswirkungen haben. Die Problematik der „melting pot“-Theorie, des Schmelztiegels unterschiedlicher Kulturen, behandelt Scorsese in seinem Film sehr eindringlich und zeigt auf wie die Konflikte entstanden sind und warum sie zum Teil bis heute bestehen.
Gangs Of New York, porträtiert ein Kapitel der Metropole das in der Reihe der Scorsese-Filme am Anfang steht. Immer wieder ist der Big Apple Schauplatz seiner Geschichten und immer wieder spielt die Atmosphäre und der Charakter der Stadt für den Grundton seiner Werke eine entscheidende Rolle.
Scorsese hat New York niemals glorifiziert, sondern eher in ein dunkles Licht gestellt, die Stadt als eine Art „Hölle auf Erden“ präsentiert (vergl. Taxi Driver, Bringing Out The Dead) und seiner Handlung dadurch meist symbolischen Charakter verliehen.
Die Geschichte des Films an sich gerät leider nur schwerlich in Gang. Nach einer durchaus spannenden und verheißungsvollen Anfangsphase dümpelt der Film vor sich hin und zeigt hauptsächlich das geregelte oder vielmehr durch Chaos geregelte Leben New Yorks. Dies wäre nicht weiter schlimm wenn Scorsese nicht den eigentlichen Verlauf der Geschichte mehr und mehr außer Acht ließe, um mittendrin einen Teil amerikanischer Historie einfließen zu lassen, der so nicht recht ins Gesamtbild passen will. Der Handlung, um Rachsucht und Ehre tut dies nicht wirklich gut.
Dies ist auch der Grund warum der Film, gerade wenn er auf das große Finale zuläuft immer konfuser und anstrengender wird. Nach einem eher ruhigen Spannungsaufbau überflutet Scorsese sein Publikum in der letzten halben Stunde mit Informationen über amerikanische Bürgerkriegsbewegungen und geschichtliche Hintergründe.
Betrachtet man den Film von seinen handwerklichen Aspekten wird einem schnell wieder deutlich was für ein herausragender Regisseur hier gearbeitet hat. Fantastische Kameraperspektiven und -fahrten machen wirklich Spaß. Kameramann Michael Ballhaus ist ein wahrer Meister seines Fachs und setzt vor allem die Kämpfe hervorragend in Szene. Besonders beeindruckend auch die gelegentlichen Ausflüge in Kneipen und Theater, die von der Ausstattung und der Detailtreue her keine Wünsche offen lassen.
Von allen Darstellern hat Daniel Day-Lewis eindeutig die stärkste Leinwandpräsenz. Als William Cutting kaum wiederzuerkennen liefert er hier eine absolut einmalige Leistung ab und ist für mich ganz klar das magische Element, das jeder gute Film haben sollte. Nicht nur das er seine Rolle überzeugend spielt wird er auch immer wieder hervorragend in Szene gesetzt und war mir persönlich als Gangboss mit Ehre fast sympathisch. Aber auch nur fast.
Di Caprios Darstellung ist ebenfalls ansprechend, allerdings fehlen ihm die großen Momente in denen er sein ohne Zweifel vorhandenes Talent voll zur Entfaltung bringen könnte. Die übrige Besetzung ist bis auf Cameron Diaz sehr überzeugend und echt. Meiner Meinung nach ist sie auf den ersten Blick die beste Besetzung für die Rolle der Trickdiebin Jenny, aber ihre Leinwandliebe zu Di Caprio überzeugt mich beim besten Willen nicht. Diaz ist gut in der Rolle der selbstbewussten, starken Frau, die ihr Leben selbst in der Hand hat, kann aber in den Szenen in denen sie Schwäche und Verletzlichkeit zeigen muss kaum bestehen.
10 mal für den Academy Award nominiert wird Gangs Of New York sicherlich die ein oder andere Trophäe einheimsen, da die handwerklichen Aspekte der Geschichte brillant umgesetzt sind. Es ist jedoch nicht das ganz große Meisterwerk, das viele erwarteten, dafür ist der Film mit 170 Minuten etwas zu lang und die Handlung zu dünn.
Dennoch empfehle ich euch : Geht ins Kino wenn ihr einen handwerklich guten Film sehen wollt, außerdem ist Daniel Day-Lewis’ Leistung das Eintrittsgeld alleine schon wert.
JerryMaguire für
www.ciao.com
www.yopi.de
Martin Scorsese ist eine lebende Regie-Legende und hat dem modernen Kino Hollywoods seinen Stempel aufgedrückt. Mit seinem neuesten Werk Gangs Of New York wagt sich Scorsese an ein bisher eher selten oder nebenbei behandeltes Thema der amerikanischen Geschichte und versucht seine großartige Abfolge filmischer Meisterwerke fortzusetzen.
Die Handlung spielt in New York, Mitte des 19. Jahrhunderts, hauptsächlich zur Zeit der amerikanischen Bürgerkriege und der großen europäischen Immigrationsbewegungen.
Das Bild dieser Stadt ist weit entfernt von dem, was sich inzwischen längst in unseren Köpfen manifestiert hat. New York ist schmutzig, unzivilisiert, geradezu hässlich und dazu hin- und hergerissen zwischen rivalisierenden Banden, die ihre jeweilige Kontrolle über die Stadt erweitern wollen. Einwanderer, überwiegend irischer Herkunft, kämpfen gegen die sich selbst als „Natives“ bezeichnenden Bürgergruppen, die bereits in Amerika geboren wurden. In einer finalen Schlacht wird der Anführer des Einwanderer-Clans („dead rabbits“), Priest Vallon (Liam Neeson), vor den Augen seines Sohnes Amsterdam, durch William „Bill the Butcher“ Cutting (Daniel Day-Lewis) getötet und dadurch die Machtverteilung in den Stadtbezirken (Five points) geregelt. Amsterdam schwört sich den Tod seines Vaters zu rächen und dessen Vorhaben, die Unterdrückung der Einwanderer aufzuheben, fortzuführen. 16 Jahre vergehen in denen der zum Mann gereifte Rächer (dargestellt von Leonardo Di Caprio), unweit des Stadtkerns, eine kirchliche Erziehung erfährt und dennoch von dem Gedanken der Vergeltung getrieben zurückkehrt, um sein Ansinnen in die Tat umzusetzen.
Schnell findet er, ohne Nennung seiner Herkunft und seiner wahren Identität, Anschluss in der Gang von William Cutting zu dem er mit der Zeit eine fast väterliche Beziehung aufbaut. Ungeachtet dessen plant Amsterdam seine Rache sorgfältig und lernt, während er zum respektierten Bandenmitglied aufsteigt, zum einen die Gesetze der Straße und zum anderen die Trickdiebin Jenny Everdeane (Cameron Diaz) kennen, die ebenfalls (wie fast jeder) für Cutting arbeitet.
Als die Gelegenheit zur endgültigen Rache günstig erscheint, fliegt zwar im letzten Moment die Tarnung des jungen Vallon auf, doch die folgenden Ereignisse sind ohnehin nicht mehr aufzuhalten. Wöchentlich strömen Tausende irischer Einwanderer in die Stadt und die finale Eskalation der sozialen Konflikte ist unausweichlich. Unter Führung von Amsterdam Vallon mobilisieren sich die Einwanderer und es kommt zur entscheidenden Schlacht mit „The Butcher“...
Gangs Of New York berichtet von einer Zeit der amerikanischen Geschichte, die uns im Kino bisher überwiegend durch Western oder Schlachtengemälde der Bürgerkriege begegnet ist. Über die Problematik der Einwanderung seitens Europa an der Ostküste und die zunehmende Verschärfung der sozialen Differenzen ist wenig bekannt.
Während vor allem im Zuge der Goldgräber-Zeit eine Bewegung gen Westen festzustellen war, landen die Einwandererströme zunächst an den Häfen der Ostküste Amerikas. Veranlasst durch politische Verfolgung oder akute Hungersnöte (besonders in Irland; wer kennt sie nicht die „potato famine“?), trieben die Immigranten dazu, ihr Glück in Amerika zu suchen. Das sie dabei nicht ausschließlich mit offenen Armen empfangen wurden macht dieser Film auf sehr drastische Art deutlich.
Der „American Dream“ wird zum Albtraum, zum verzweifelten Versuch ein neues Leben in einem neuen Kulturkreis aufzubauen. Das dieser Versuch nicht nur durch einen frommen Wunsch und ohne den erneuten Kampf um die eigene Existenz möglich ist zeigt Gangs Of New York.
Die von Cutting angeführten „Natives“ (anmaßend sich selbst als Ur-Einwohner zu bezeichnen; doch dies zeigt bereits ihre Arroganz gegenüber anderer ethnischer Gruppen) beispielsweise sind intolerant und können keine Akzeptanz für die Situation der Einwanderer aufbringen.
Rassismus und Intoleranz.
Themen, die bereits im New York des 19. Jahrhunderts akute Probleme darstellen und bis heute Auswirkungen haben. Die Problematik der „melting pot“-Theorie, des Schmelztiegels unterschiedlicher Kulturen, behandelt Scorsese in seinem Film sehr eindringlich und zeigt auf wie die Konflikte entstanden sind und warum sie zum Teil bis heute bestehen.
Gangs Of New York, porträtiert ein Kapitel der Metropole das in der Reihe der Scorsese-Filme am Anfang steht. Immer wieder ist der Big Apple Schauplatz seiner Geschichten und immer wieder spielt die Atmosphäre und der Charakter der Stadt für den Grundton seiner Werke eine entscheidende Rolle.
Scorsese hat New York niemals glorifiziert, sondern eher in ein dunkles Licht gestellt, die Stadt als eine Art „Hölle auf Erden“ präsentiert (vergl. Taxi Driver, Bringing Out The Dead) und seiner Handlung dadurch meist symbolischen Charakter verliehen.
Die Geschichte des Films an sich gerät leider nur schwerlich in Gang. Nach einer durchaus spannenden und verheißungsvollen Anfangsphase dümpelt der Film vor sich hin und zeigt hauptsächlich das geregelte oder vielmehr durch Chaos geregelte Leben New Yorks. Dies wäre nicht weiter schlimm wenn Scorsese nicht den eigentlichen Verlauf der Geschichte mehr und mehr außer Acht ließe, um mittendrin einen Teil amerikanischer Historie einfließen zu lassen, der so nicht recht ins Gesamtbild passen will. Der Handlung, um Rachsucht und Ehre tut dies nicht wirklich gut.
Dies ist auch der Grund warum der Film, gerade wenn er auf das große Finale zuläuft immer konfuser und anstrengender wird. Nach einem eher ruhigen Spannungsaufbau überflutet Scorsese sein Publikum in der letzten halben Stunde mit Informationen über amerikanische Bürgerkriegsbewegungen und geschichtliche Hintergründe.
Betrachtet man den Film von seinen handwerklichen Aspekten wird einem schnell wieder deutlich was für ein herausragender Regisseur hier gearbeitet hat. Fantastische Kameraperspektiven und -fahrten machen wirklich Spaß. Kameramann Michael Ballhaus ist ein wahrer Meister seines Fachs und setzt vor allem die Kämpfe hervorragend in Szene. Besonders beeindruckend auch die gelegentlichen Ausflüge in Kneipen und Theater, die von der Ausstattung und der Detailtreue her keine Wünsche offen lassen.
Von allen Darstellern hat Daniel Day-Lewis eindeutig die stärkste Leinwandpräsenz. Als William Cutting kaum wiederzuerkennen liefert er hier eine absolut einmalige Leistung ab und ist für mich ganz klar das magische Element, das jeder gute Film haben sollte. Nicht nur das er seine Rolle überzeugend spielt wird er auch immer wieder hervorragend in Szene gesetzt und war mir persönlich als Gangboss mit Ehre fast sympathisch. Aber auch nur fast.
Di Caprios Darstellung ist ebenfalls ansprechend, allerdings fehlen ihm die großen Momente in denen er sein ohne Zweifel vorhandenes Talent voll zur Entfaltung bringen könnte. Die übrige Besetzung ist bis auf Cameron Diaz sehr überzeugend und echt. Meiner Meinung nach ist sie auf den ersten Blick die beste Besetzung für die Rolle der Trickdiebin Jenny, aber ihre Leinwandliebe zu Di Caprio überzeugt mich beim besten Willen nicht. Diaz ist gut in der Rolle der selbstbewussten, starken Frau, die ihr Leben selbst in der Hand hat, kann aber in den Szenen in denen sie Schwäche und Verletzlichkeit zeigen muss kaum bestehen.
10 mal für den Academy Award nominiert wird Gangs Of New York sicherlich die ein oder andere Trophäe einheimsen, da die handwerklichen Aspekte der Geschichte brillant umgesetzt sind. Es ist jedoch nicht das ganz große Meisterwerk, das viele erwarteten, dafür ist der Film mit 170 Minuten etwas zu lang und die Handlung zu dünn.
Dennoch empfehle ich euch : Geht ins Kino wenn ihr einen handwerklich guten Film sehen wollt, außerdem ist Daniel Day-Lewis’ Leistung das Eintrittsgeld alleine schon wert.
JerryMaguire für
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