Geburt Allgemein Testbericht

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Erfahrungsbericht von awassa

Die Geburt unseres Sohnes (5 Wochen zu früh in der 35+3ssw)

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Der bericht ist sehr lang geworden :-)
Und nun viel Spaß beim Lesen!!!

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Ich hatte in der 36. Woche einen vorzeitigen Blasensprung.
Es war Sonntag Abend. Unser Schwager kam gegen 22h an - er wohnt in Halle und kam zu uns nach Berlin um uns beim Umzug zu helfen, in 2 Tagen sollten wir schon unseren Schlüssel bekommen, was ich kaum abwarten konnte!

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Ich mach schnell das Essen für meinen Schwager warm.
Wir unterhalten uns und er will mein Bauch streicheln, seinem Neffen "hallo" sagen.
Irgendwie hab ich schon den ganzen Tag so einen komischen Druck da unten, muß ständig pinkeln, aber dann kommt doch nix raus

So gegen 23:30h hab ich wieder so ein ungewohntes Gefühl: Oh oh, ich glaub ich hab grad in die Hose gepinkelt, wie peinlich!

Ich geh schnell zur Toilette, um das Mallheur zu beseitigen und meine Blase zu erleichtern.
Als ich mich dan hinsetze läuft es und läuft und läuft...
Ich kann es gar nicht steuern.
Es fühlt sich auch so ungewohnt warm an! Ist das normal?
Ich stehe auf, um zu gucken ob es nicht Blut oder sonstwas ist, nein das ist ganz klares Wasser.
Doch was ist das?
Es läuft weiter und weiter an meinen Beinen entlang, das ist gar kein Urin das muß Fruchtwasser sein!!!
Ich schreie nach meinem Mann, der muß in dem Moment bestimmt denken, daß ich schon das Kind habe, aber ich bin gschockt, verwirrt,...

kann man das denn nicht stoppen, das kann doch nicht sein, es ist noch viel zu früh, was mach ich jetzt bloß?
Mein Mann kommt endlich und er sieht es auch nur noch laufen.
Ich suche schnell die Telefonnummer von meiner Wunschklinik, und rufe im Kraissaal an.
Die meinen, ich solle mir keine Sorgen machen, den Hebammenwagen rufen und mich flach hinlegen.
Die Minuten bis der Wagen kommt, kommen mir wie Stunden vor.
Ich habe eine Riesenangst!
Wie komm ich jetzt bloß die 4 Etagen runter?
Die Hebamme ist endlich da, sie nimmt ein tragbares CTG, die Herztöne sind OK, Wehentätigkeit ist nicht vorhanden.
Dann zieht sie sich ein Handschuh an, um zu überprüfen, ob sich die Nabelschnur nicht eingeklemmt hat.
Das tut so weh, daß ich die Frau dafür erschlagen könnte!
Zum Glück dauert das nur ein paar Sekunden und ich hab's überstanden.
Die 4 Etagen darf ich laufen, das Köpfchen ist schon fest im Becken und ein Nabelschnurvorfall brauchen wir nicht mehr zu befürchten.

Dann erfahr ich, daß ich nicht in "meine" Klinik gefahren werde, da ich 4! Tage zu früh dran bin *heul*
Die nehmen dort nämlich erst ab der 37. Woche auf, da es dort keine Frühchenstation gibt.

In der Klinik angekommen, merken wir erst, daß wir keine Papiere mithaben außer dem Mutterpaß.
Na toll, jetzt muß mein Mann wieder nach Hause, die AOK-Karte und mein Ausweis holen.
ZUm Glück dauert es nur 20 min.
Wir wohnen nicht weit weg und er nimmt sich extra ein Taxi.
In der Zwischenzeit wird ein Ultraschall gemacht.
Alles OK.
Jetzt ist es schon halb 2h in der Nacht.
Keine Wehentätigkeit, tröpfchenweise Fruchtwasser.
Ich bekomme Einlagen und komme auf ein Zimmer.
Mein Mann muß leider wieder nach Hause, da in dem Zimmer schon eine andere Patientin liegt.
Die ganze Nacht kann ich nicht schlafen.

Am Morgen wird wieder ein CTG gemacht.
Der Arzt teilt mir mit, daß mit dem Fruchtwasser alles i.O. ist, wenn aber die Wehen morgen noch nicht beginnen, wird die Geburt eingeleitet, da es sonst gefährlich fürs Baby werden kann.
Ich mach mir totale Sorgen, 36. Woche!
Es wird bestimmt ganz winzig sein, vielleicht muß es sogar auf die Frühchenstation...
Ich werde trotzdem immer entspannter und hoffe darauf, daß die Geburt von selbst beginnt, da mir meine Freundin Angst gemacht hat, bei ihr wurde eingeleitet und sie hatte höllische Schmerzen.
Ich spreche zu meinem Baby: Komm doch bitte von alleine!
Ich will dich allein kriegen, ohne Nachhelfen!

Um 20h kommt dann eine Schwester ins Zimmer, mein Mann muß gehen, da die Besuchszeit zu ende ist.
Sie sagt uns noch, daß morgen früh die Geburt eingeleitet wird.
Das versetzt mich so in Panik, daß ich nicht einschlafen kann, obwohl ich doch todmüde bin und den Schlaf wirklich brauche!
Um 22h hab ich dann meine erste Wehe!
Ich bin total glücklich und gehe sofort zur Schwester.
Die legt mir ein CTG an, doch von Wehen ist nix zu sehen. Na toll!

Ich versuch dann, endlich zu schlafen, was mir halbwegs gelingt.
Doch plötzlich wache ich mit einem höllischen Schmerz auf.
Kaum hab ich es begriffen, hörts schon wieder auf.
Ich schau auf die Uhr:
Genau 0:10h
Dann 5 min. später wieder eine Wehe,...
Es ist 1h die Wehen kommen regelmäßig alle 5 Minuten.
Ich will meinen Mann anrufen, doch die Schwester sagt, ich soll ihn ruhig schlafen lassen, das sei erst der Anfang, und wird sich bestimmt bis um 10h hinziehen. Erst dann wird es wahrscheinlich losgehen.
Haha, die hat gut reden, ich habe Schmerzen, und nicht sie.
Ich will spazieren gehen, doch ich trau mich nicht mitten in der Nacht allein auf dem Krankenhausgelände rumzuirren.

Um 2h wird wieder das CTG angelegt, jetzt kommen die Wehen schon alle 2-3 Minuten.
Der MuMu ist aber erst 1cm geöffntet und ziemlich hart, die Hebamme schätzt, das das Baby erst am Nachmittag zur Welt kommt.
Doch ich habe starke Wehen, das CTG zeigt aber nur leichte an, komisch!

Endlich um 3h, als ich so starke Schmerzen hab, das ich nicht mehr liegen kann, darf ich meinen Mann anrufen.
Ich muß 3 Mal unsre Nr. wählen, bis er endlich rangeht, da er so fest schläft.
Ich sag ihm, er solle sich beeilen, es geht jetzt los.
Die Schwester neben mir lacht noch, er solle sich ruhig Zeit lassen...
er nimmt sich ein Taxi und ist nach 25 min da.
Die Hebamme bringt uns in ein Vorwehenzimmer, wo auch eine Badewanne ist.
Ich wollte ja eigentlich eine Wassergeburt, dadurch daß mein Kleiner Spinner aber früher kommen will, geht es nicht, außerdem hat diese Klinik gar keine Geburtswanne.
Ich bin irgendwie enttäuscht.

Der MuMu ist erst 2cm eröffnet, immerhin ist er jetzt etwas weicher.
Ich steige in die Wanne und fühle
mich gleich viel besser.
Es ist jetzt 4:30h.

Die Wehen kommen alle 2min. und fühlen sich an, wie starke Regelschmerzen oder so als ob mir jemand den Bauch von innen zerquetscht, aber es ist auszuhalten.
Zwischen den Wehen quatsche ich noch mit meinem Mann wir lachen, reden nochmal über den Namen des Kleinen, ob er wirklich diesen kriegen soll, oder ob uns spontan noch ein besserer einfällt...

nur während der Wehen werde ich ganz ruhig und konzentriere mich voll darauf, versuche die Wehe wegzuatmen.
Zum Glück habe ich beim Geburtsvorbereitungskurs teilgenommen.
Dort wurde uns gesagt, man solle sich bei jeder Wehe vorstellen:
Jede Wehe bringt mir mein Baby näher, je mehr starke Wehen, desto schneller ist das Baby da.
Also stellte ich mir das ständig vor.
Und es hilft tatsächlich :-)
Um 5:30h hab ich schon so starke Wehen, daß ich aus der Wanne rausmuß.
Kaum kommt die Hebamme herein,um nach uns zu sehen, sage ich ihr, ich müsse jetzt sofort in den Kreißsaal, die Geburt beginnt jetzt und ich muß jetzt pressen.
Sie lacht noch, doch als sie nach dem MuMu schaut, ist er vollständig eröffnet, und das CTG schlägt aus vor lauter Wehen!
Sie meint, sowas hat sie selten erlebt.
Also daß der Muttermund sich so schnell eröffnet (es heißt ja bei Erstgäberenden, man solle mit 1cm pro Stunde rechnen...)
Wir also ab in den Kreißsaal.
Unterwegs höre ich eine Frau so schrecklich schreien, daß mich die Panik packt.
Ich stellte mir die schlimmsten Schmerzen vor, ich dachte ich überlebe das nicht (ihr hättet sie schreien hören müssen, es war entsetzlich!!!)

Ich mache mir aber selber wieder Mut und werde wieder ruhiger...

An diesem Tag ist soviel los (Geburten), daß ich Glück habe, daß grad ein Kreißsaal frei wurde (es gab dort 6-Hochsaison).
Ich hab ständig das Bedürfnis zu pressen.
Doch man untersagt es mir, da das Kind noch nicht im Geburtskanal ist.
Die Hebamme, die ich habe, ist echt unmöglich.
Ich sage, ich müsse pressen und kann es kaum aufhalten, und die Frau schreit mich an, es würde meinem Baby schaden! Ihr Ton hat mir gar nicht gepaßt, sogar mein Mann hat sie angemeckert, was daß soll und daß sie ruhig etwa freundlicher sein könnte.

Zum Glück ist um 6h Schichtwechsel und ich bekomme eine supernette Hebamme an die Seite gestellt, die Witze erzählt, und in der kritischen Zeit auf mich einredet, sodaß mich nur ihr Stimme beruhigt.
Sie redet wirklich wie eine Hypnotiserin (Oder wie schreibt man das Wort), und ich fühle mich durch ihre sanfte Stimme wie in Trance.
Als sie bei einer Wehe plötzlich aufhört zu reden, fing ich an sie anzuschreien, was ihr einfiele, sie solle weitererzählen, egal was hauptsache sie redet.
Ich weiß nicht warum aber ich wurde während der Wehen wirklich ruhig wenn sie mit mir sprach.
Sie lachte und meinte, sie dachte sie nervt mich, deswegen hätte sie aufgehört.
Ich fand das dann total witzig und lachte auch, obwohl es doch so unangenehm war, nicht zu pressen.

Ich frage bei jeder Wehe: Darf ich jetzt? Bitte! Ich hab keine Kraft mehr!
Doch ich muße mich gedulden.

Da ist die schlimmste Phase der Geburt für mich, es macht einen total erschöpft gegen das Pressen anzuhalten.
Ich kann das nur so beschreiben.
Hattet ihr schon mal so richtig schönen flüssigen Durchfall?
Probiert mal dann, es aufzuhalten!
Das geht nicht!
Bei der Geburt muß man aber.

Ich weiß nicht wie lange ich gegen das Pressen anhalten mußte, denn man verliert jegliches Zeitgefühl...
Ich fühle mich wie auf Drogen!

Ich vergaß sogar, daß es ja auch sowas wie eine PDA gibt oder andere Betäubungsmöglichkeiten.
Aber man schafft es auch ohne.

Endlich bekomm ich den Startschuss zu pressen, was für eine Erleichterung!
Doch irgendwie haben mich meine Kräfte verlassen und ich presse nur halbherzig.

Ich hab einfach keine Kraft mehr und schlafe fast ein...
Ich höre nur weit weg von mir: pressen!...pressen!... Doch ich nehme es kaum noch wahr, ich höre nur noch den Herzschlag meines Babys (daß CTG lief die ganze Zeit mit)
Plötzlich wird der Herzschlag ganz langsam, und ich *wache* auf... ich schreie:was ist mit meinem Baby???
Ich wurde beruhigt, es sei jetzt im Geburtskanal und komme in jeder Minute, deswegen hört man den Herzschlag kaum noch.
Ich presse jetzt fleißig mit, doch ich kann nicht mehr.
Ich frage , ob sie mir helfen könnte, die Hebanmme meinte, es sind höchstens noch 2-3 Presswehen, dann ist der Kleine da.
Nach der nächsten Presswehe kann man schon das Köpfchen fühlen, die Hebamme nahm meine Hand und legte sie zwischen meine Beine, dieses unglaubliche Gefühl, das Baby da unten zu fühlen, war das schönste auf der Welt! Jetzt wollte ich mein Baby auch in den Armen halten!
Also beginne ich wie verrückt zu pressen, es gab mir wieder richtig Kraft!
Doch der Arzt muß trotzdem nachhelfen, er drückt auf meinen Bauch, damit ich es leichter hab.
Es hat unten ganz schön gezogen, aber das nimmt man kaum wahr. Man kann einfach nicht mehr den Moment erwarten, bis das Baby endlich da ist.
Dann, noch eine Wehe, kräftig pressen,...
da kommt ein warmer Körper aus mir heraus...mein Baby ist da!...
Es ist der 25. Juli 2000, Dienstag früh, 7:09h.
Die ersten Sonnenstrahlen scheinen durchs Fenster.
Mir kullern Tränen, mein Mann hält meine Hand und das einzige was ich rauskriege ist:
Mein Baby, mein Baby!
Ich glaub, ich hab das mindestens 100mal hintereinander gesagt!

Er wird mir auf die Brust gelegt, noch ganz nackt und blutig...er ist so wunderschön, seine Lippen haben eine Herzform und er hat große Füße, das ist daß erste was mir an ihm auffält...ich zähle all seine Finger und Zehen...Ist er gesund?...Er sieht relativ groß aus für eine Frühgeburt...
Nach ein paar Minuten wird er untersucht, gemessen und gewogen...ist ja schlißlich eine Frühgeburt und es muß alles überprüft werden.
Als uns der Arzt die Maße mitteilt, haut's mich fast um:
Er wiegt ganze 3120g und mißt stolze 53cm.
Kopfumfang beträgt 33cm.
Der Arzt teilt mir mit, daß wahrscheinlich aus diesem Grund die Fruchtblase so früh platzte, sonst wäre er ein Riesenbrocken, hätte er weitere 5 Wochen gewartet.
Jetzt bekomme ich ihn angezogen und eingewickelt zurück in meine Arme.
Ich wunder mich schon, daß da eine Ärztin zwischen meinen Beinen sitzt, hab ganz die Nachgeburt vergessen!
Der Arzt drückt etwas fester auf meinen Bauch, schwups, ist sie draußen. Hat sich ja angefühlt, als hätte ich noch einen Ball geboren.
Die Ärztin sitzt trotzdem weiter da, ich merke daß sie an mir rumfummelt.
Als ich sie frage, was sie da tue, sagt sie mir, daß der Dammschnitt noch genäht werden muß.
Ich hab gar nicht gemerkt daß einer gemacht wurde!
Ich wollte auch keinen haben, aber das ist ja jetzt auch egal, mein Joshua ist jetzt endlich da!
Übrigens war mein Kleiner ein "Sterngucker" kam mit dem Kopf nach oben zur Welt, deswegen durfte ich auch so lange nicht pressen.
Die Hebamme meinte ja noch, solche Geburten dauern meist noch viel länger.
Alles in Allem dauerte meine Geburt 7 Stunden, seit der ersten richtigen Wehe.
Für das erste Kind war das relativ schnell.
Ich empfand die Geburt als das Schönste was ich je erlebt habe und bin froh, daß ich keinerlei Medikamente bekam.

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Joshua war kerngesund, das Einzige, woran man erkannte, daß er zu früh dran war, war daß er nicht kräftig trinken wollte und am 3. Tag eine starke Gelbsucht bekam, was ja oft vorkommt wenn die Kleinen etwas früh dran sind.
Deswegen mußten wir weitere 7 Tage im Krankenhaus verbringen, auf der Kinderstation.
Er bekam nämlich die Phototherapie gegen die Gelbsucht

27 Bewertungen, 8 Kommentare

  • bibi22

    03.08.2002, 05:20 Uhr von bibi22
    Bewertung: sehr hilfreich

    wau ist das ein schöner und aufregender Bericht. Gruss Bianka

  • corneliahoefig

    18.07.2002, 15:13 Uhr von corneliahoefig
    Bewertung: sehr hilfreich

    echt schöner Bericht, viel Glück mit deinem Kleinen

  • Tweety30

    02.04.2002, 17:34 Uhr von Tweety30
    Bewertung: sehr hilfreich

    Oh, hast du das schön geschrieben *heul...

  • Calistra

    27.03.2002, 12:46 Uhr von Calistra
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wie wunderschön!

  • seehuhn

    27.03.2002, 04:09 Uhr von seehuhn
    Bewertung: sehr hilfreich

    wow, da zittert man ja beim lesen richtig mit.

  • SDM-Mike

    27.03.2002, 02:44 Uhr von SDM-Mike
    Bewertung: sehr hilfreich

    Habe nur noch eine Frage durch ws kam die Gelbsucht? Würde mich mal total interessiert, guter Bericht, Gruss Mike :-)

  • merlin23

    27.03.2002, 02:09 Uhr von merlin23
    Bewertung: sehr hilfreich

    hach, schöööön-mir sind vor lauter rührung fast die tränen gekommen. und joshua ist ein wirklich schöner name!

  • Mummy

    27.03.2002, 02:06 Uhr von Mummy
    Bewertung: sehr hilfreich

    Zum Glück bin ich ein Mann :-)