Gedenkstätte und Museum Auschwitz Testbericht




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Erfahrungsbericht von sunflower76
Residenz des Todes
Pro:
muss man gesehen haben, ermöglicht Distanz, wenn es notwendig ist
Kontra:
angenehm ist es nicht
Empfehlung:
Ja
„…unsere Sprache hat keine Worte um diese Schmach, dies Vernichten eines Menschen zu äußern.“
So, oder so ähnlich wird oft in die Thematik eingeleitet, die über wohl bitterste Kapitel unserer Geschichte berichtet - die Greueltaten der SS im zweiten Weltkrieg. „Wer die Geschichte vergisst, der muss sie nochmals erleben“, ist ein weiterer Satz und damit das nicht passiert, ist es mir ein dringliches Anliegen, dass meine Kinder von den unsäglichen Qualen der Menschen erfahren, die im zweiten Weltkrieg zu Tode gekommen sind. Aus diesem Grund statteten wir dem
STAATLICHEM MUSEUM AUSCHWITZ BIRKENAU
einen Besuch ab, als wir kürzlich in Polen waren.
VORBEREITUNG
Da ich nicht genau wusste, was uns in Auschwitz I und Auschwitz-Birkenau erwarten würde, habe ich im Vorfeld versucht, meine Kinder so gut wie möglich auf den Tag der Besichtigung des schlimmsten Vernichtungslagers der Menschheit vorzubereiten. Meine Töchter sind 12 und 14 Jahre alt und haben meiner Ansicht nach damit ein Alter erreicht, mit dem sie beginnen können, auf die nackte Wahrheit zu stoßen. Dass „nackt“ in diesem Zusammenhang oft - zu oft - wortwörtlich zu verstehen ist, das haben wir in der Führung dann immer wieder vor Augen gehalten bekommen.
Ich habe zusammen mit meinen Kindern auf YouTube eine Dokumentation über das Konzentrationslager, der „Residenz des Todes“, wie es das Buch betitelt, das ich mir vor Ort gekauft habe, angesehen und besprochen. Außerdem haben wir uns Bücher von der Bibliothek ausgeborgt und zusammen angesehen. Wichtig ist es vor allem, dass die Vorbereitungszeit zusammen mit den Kindern geschieht und sie sich die Bücher bzw. die Dokumentation nicht alleine ansehen. So haben sie die Gelegenheit, Aussagen, die sie nicht verstehen, erläutert zu bekommen oder einfach Fragen zu stellen. Außerdem ist es interessant, die Reaktion der Kinder in bestimmten Augenblicken zu beobachten, denn so könnt ihr gut erkennen, ob sie für einen Besuch in Auschwitz bereit sind oder eventuell noch etwas Zeit brauchen.
Auch der Film „Schindler’s Liste“ war Teil unserers Vorbereitungsprogramms, wobei dieser zumindest eine Art Hoffnungsschimmer hinterlässt, den man bei einem Besuch in Ausschwitz vergebens sucht.
ANFAHRT & LAGE
Auschwitz wird in der Landessprache Oswiecim genannt. Dies ist wichtig zu wissen, denn Hinweisschilder nach Auschwitz sucht ihr vergebens.
Oswiecim, das in Südpolen liegt, ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für den Autoverkehr uns ist verhältnismäßig gut zu erreichen, auch wenn keine Autobahn direkt in der nähe verkehrt. Die nächst gelegene Autobahn, von der ihr wohl auch kommen werdet ist die A4, die die wichtigste Ost-West Route darstellt. Weitere wichtige Straßen sind die Nr. 44, die Nr. 933 und die Nr. 948 die allesamt nach Auschwitz führen.
Meistens wird die Stadt besucht, wenn man in Krakau ist. Diese Stadt liegt 60 Kilometer entfernt und man fährt von hier aus etwa eine Stunde, da man sehr viel auf einfachen Landstraßen und durch kleinere Städte unterwegs ist. Die nächst größere Stadt in der anderen Richtung ist Katowice, das etwa 35 km entfernt liegt.
Kommt ihr von Katowice, ann reist ihr über die E75 und die E44 an, kommt ihr wie wir von Bielsko-Biola, dann nehmt ihr die Landstraße Nr. 1, um nach Ausschwitz zu kommen.
START DER FÜHRUNG
Ich habe mich bei der Vorbereitung auf unseren Besuch geärgert, weil nirgends - schon gar nicht auf der Homepage - zu finden ist, welches Lager nun der eigentliche Ausgangspunkt der Führung ist. In Ausschitz angekommen, sind wir dann vor allem den vielen Bussen hinterher gefahren und die führten uns nach Auschwitz 1, das dann auch tatsächlich der Start der Bührung war.
Im Internet war zu lesen, dass bis zum 31.3.2012 die fremdsprachigen Führungen, also auch Deutsch, um 12.30 Uhr stattfinden. Wie das ab dem 1.4.2012 sein wird, davon stand nichts auf der Homepage, aber ich dachte, dass es wohl um die gleiche Zeit stattfinden würde. Das war leider ein Fehler, denn als wir kurz vor 12.00 Uhr dort ankamen, sahen wir, dass die einzige deutsche Führung bereits um 12.00 Uhr beginnen sollte. Die Schlange am Tickethäuschen war aber ellenlang und wir konnten den Schalter erst um 12.08 Uhr erreichen. Der unhöfliche Ticketverkäufer meinte, ich hätte Pech gehabt und könnte die deutsche Führung nicht mehr erreichen. Daher nahmen wir die englische Führung für 12.30 Uhr, aber niemand war davon begeistert. Wir bezahlten das Ticket und bekamen einen hellblauen Sticker.
Nun mussten wir uns einen Kopfhörer holen, um den englischsprachigen Führer besser zu verstehen und dort sah ich auf die deutschsprachige Führerin, die für ihre Gruppe die Kopfhörer holte. Augenscheinlich war sie doch noch erreichbar. So überredete ich die Dame am Kopfhörerschalter, mir doch die Kopfhörer für die deutsche Führung zu geben. Das war nicht ganz einfach, aber als ich ihr erklärte, dass weder meine Oma, noch meine Kinder, noch mein Mann Englisch verstehen würden, hat sie sich erweichen lassen (kurze Zeit später bemerkte ich, dass man nur die Frequenz hat verdrehen müssen, das Empfanggerät blieb das gleiche).
Mit dem Empfänger und dem Kopfhörer in der Hand kamen wir nun zum Einlass - den man uns auch nicht gewähren wollte, weil wir ja hellblaube Sticker hatten und die englische Führung erst um 12.30 Uhr beginnt. Der Dame dort erklärte ich, dass man uns erlaubt hat, dem deutschen Tourguide hinterherzulaufen - natürlich stimmte das nicht, aber ich war sehr überzeugend und sie ließ uns durch. Draußen sah ich die deutsche Führerin und erklärt ihr unser Problem und unseren Wunsch, sich ihr anzuschließen und von da an klappte alles wunderbar. Jeder war zufrieden und wir machten uns auf um in insgesamt 4 Stunden das KZ Auschwitz näher kennenzulernen.
AUSSCHWITZ I
Nun standen wir also da, am Eingang mit der verlogenen Überschrift „Arbeit macht frei“. Diese nationalsozialistische Inschrift wurde in vielen Konzentrationslagern als Toraufschrift verwendet. Es stammt von einem Buchtitel eines nazionalsozialistischen Romans von Lorenz Diefenbach aus dem Jahr 1873. In Auschwitz ist bemerkenswert, dass der Buchstabe „B“ auf dem Kopf steht. Angeblich war das ein heimlicher Protest eines Häftlings, der als Kunstschlosser für die Nazis tätig war.
Die Sonne strahlte und passte so gar nicht zu der düsteren Stimmung, die sich in meinem Inneren breitmachte, als ich durch das Tor ging. Im besetzten Europa richteten die Nazis viel Arten von Lagern ein, das berüchtigste jedoch wurde Auschwitz. Dies ist auf mehrere Gründe zurückzuführen, zum Einen aufgrund der hohen Opferzahl, zum Zweiten aber auch auf die Ausdehnen, die hier im Auschwitz 1 noch gar nicht wirklich erfassbar ist.
Ich war überrascht von der Art und Weise der einzelnen Blocks. Hier handelte es sich um massive Häuser auf zwei Stockwerken mit einem Gang und teilweise richtigen Stockbetten. Ich war bereits zweimal in Mauthausen und war auf etwas anderes vorbereitet. Dass hier im Männerlager sowohl die Häuser als auch die sanitären Anlagen eher „schön“ waren, war eine Überraschung, die sich aber bald - vor allem dann in Birkenau - in blankes Entsetzen verwandeln sollte.
Im ersten Haus, das wir besichtigten gab es den ersten geschichtlichen Hintergrund. Nach dem deutschen Angriff auf Polen am 1. September 1939 und dem sowjetischen zwei Wochen später, wurde Polen geteilt und ein Teil wurde dem Dritten Reich einverleibt. Hier erfuhren wir anhand einer Schautafel, dass Auswitz genau das war, was ich bereits vorher wusste, ein Ort, an dem grausame Exekutionen, frevelhafte medizinische Experimente und die gnadenlose Ausplünderung der Gefangenen erfolgten. Auf der Schautafel war zu erkennen, dass die Nazis mindestens 1.100.000 Menschen, meistens Juden, aus den verschiedensten Ländern Europas verschleppten, sogar Griechen und Norweger waren darunter.
Ziel dieser Verschleppung und der darauffolgenden Ermordung war es „eine Gesellschaft zu gründen, aus der man all jene eliminiert, die der Definition des reinblütigen Deutschen nicht entsprechen.“ Im Buch „Residenz des Todes“, einem Bildband über Auschwitz, ist ein Auspruch Hitlers zu lesen: „Ich habe den Befehl gegeben und ich lasse jeden füsilieren, der auch nur ein Wort der Kritik äußert, dass das Kriegsziel nicht im Erreichen von bestimmten Linien, sonder in der physischen Vernichtung des Gegners besteht. So habe ich, einstweilen nur im Osten, meine Totenkopfverbände bereitgestellt mit dem Befehl, unbarmherzig und mitleidslos Mann, Web und Kind polnischer Abstammung und Sprache in den Tod zu schicken. Polen wird entvölkert…“ Diese Rede, nur ein paar Tage nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war der Anfang der „Endlösung der Judenfrage“, die hier in Auschwitz ihren traurigen Höhepunkt erreichte. In der Wannsee-Konferenz wurde eine genaue Liste erstellt, wie viele Juden, Roma, Zigeuner und Sinti zu ermorden wären. Insgesamt beschloss man die Zahl mit 11 Millionen. 10 % davon also fanden in Auschwitz den Tod.
Mit dem oben genannten Vorhaben wurde im Frühling 1940 also Auschwitz 1 erbaut. Der unmittelbare Grund dafür waren die Massenfestnahmen in Polen, die zur Überfüllung der bestehenden Gefängnisse führten. Am 14. Juni 1940 schickte die Gestapo den ersten Transport von 728 politischen Gefangenen nach Auschwitz. Das Lager befand sich außerhalb der Stadt und so konnte es leicht von der Außenwelt verborgen werden.
In diesem ersten Block befinden sich vor allem Schautafeln, auf denen neben hochsensiblen Dokumenten auch die ersten Bilder von Gefangenen zu sehen waren. Da Auschwitz erst 1942 zum Massenvernichtungslager umfunktioniert wurde, waren die ersten Menschen, die hierher kamen noch als Arbeitssklaven gekennzeichnet.
Im ersten Stock des nächsten Blockes war dann eine Nachbildung der Gaskammern in Auschwitz Birkenau zu sehen. Die Juden, die als arbeitsunfähig angesehen wruden, wurden zum Tod in die Gaskammern geführt. Um Panik und Widerstand zu vermeiden, betrogen die Nazis ihre Opfer. Sie versprachen ihnen ein Bad und danach das Wiedersehen mit ihren Familien. Vor der Gaskammer gab es den sogenannten „Entkleideraum“, was das „nackt“, das ich eingangs beschrieb, meinte. Den Menschen wurde sogar in der Stunde ihres Todes jede Würde genommen. Die erschöpften Menschen, denen man oft noch Seife und Handtuch mit gab, waren meist ruhig und gingen ohne Furch in die Gaskammern. Die Führerin erzählt, dass, sollte sich Unruhe verbreiten, der Unruhestifter sofort aus der Masse genommen wurde und hinterm Haus mit einem Kleinkalibergewehr getötet wurde. Waren die Gaskammern voll, so wurde die Türen hermetisch abgeriegelt und Zyklon B durch spezielle Öffnungen in das Innere geleitet. Das austretende Gas tötete die Menschen nach einiger Zeit. Die Leichen wurden dann aus den Gaskammern gezerrt, ihnen wurden die Haare abgeschnitten, Goldzähle entfernt und danach in den Krematorien verbrannt. Wenn es zu viele waren, dann fand die Verbrennung oft auch im Freien statt.
Gegenüber des Modells der Gaskammern waren auch geöffnete Dosen des hochgiftigen Zyklon B ausgestellt sowie Lieferscheine und Rechnungen dafür. All das wurde nach der Befreiung des Lagers gefunden.
Im nächsten Raum befanden sich dann 2 Tonnen abgeschnittene Haare der Menschen. Die Nazis hatten sogar dafür eine Verwendung. Die Haare wurden verkauft und mit ihnen wurden Stoffe und Filze hergestellt. Es war ein beklemmendes Gefühl, diesen Berg an Haaren zu sehen und das Gefühl wurde auch nicht besser, je weiter wir gingen. Wir bekamen nun einen Bruchteil dessen zu sehen, was den Juden abgenommen wurde. In der Regel versprachen die Nazis den Menschen neue Siedlungsmöglichkeiten und Arbeit. Den Anleitungen entsprechend wurde ihnen erlaubt, Gepäck bis zu 50 kg mitzunehmen. Daher brachten die Juden Kleidung, Nährung, Gebrauchsgegenstände und Haushaltsgeräte ebenso Werkzeug und medizinische Ausstattung mit. Den deportiertenh Juden wurde es verboten, Wertgegenstände und größere Geldsummen mitzunhmen, doch viele Personen versuchten, das Vermögen zu schmuggeln. Nach der Ankunft mit dem Zug mussten die Leute ihr Gepäck am Bahnhof zurücklassen. Sämtliche Gegenstände kamen nach „Kanada“, was nichts mit dem Land zu tun hatte sondern mit der Tatsache, dass der Ausdruck damals mit „Reichtum“ gleichgesetzt wurde.
So wurden wir durch Räume geführt, wo folgendes ausgestellt war: Hand- und Fußprotesten, Brillen, Kochtöpfe, Geschirr, ca. 80.000 Paar Schuhe, unzählige Koffer, versehen mit Namen, Geburtsdatum und Adresse, Babykleidung, Rasierpinsel und vieles mehr. All das gehörte den Menschen, die großteils genau hier ihr Leben lassen mussten.
Im nächsten Block fanden sich dann Reihen von Fotografien. Rechter Hand die von Männern, links die der Frauen. Die Bilder wurden erst vor kurzem neu entwickelt, weil viele Negative noch vorhanden waren. Die Nazis fotografierten jeden einzelnen Häftling - allerdings nur die, die auch registriert wurden - drei Mal. Einmal von der Seite, einmal von vorne und einmal mit der lagereigenen Kopfbedeckung. Auf den Bildern hier waren Name, Lagernummer (sie wurde hier - und nur hier - jedem einzelnen eintätowiert) Geburtsdatum, Beruf, Ankunftsdatum und Sterbedatum vermerkt. Beklemmend.
Danach besuchten wir noch die Sanitäranlagen und weitere Unterkünfte bevor es in den Keller ging. Hier war das Gefängnis untergebracht. Es war für mich unvorstellbar, wie es in Ausschwitz auch noch ein Gefängnis geben soll. Hier allerdings war das Elend wohl am größten. Über die Hälfte der registrierten Häftlinge wurden aufgrund von Hungersnot, brutalem Terror, verschiedenen Strafen und Torturen, elenden Lebensbedingungen, Krankheiten und Epidemien sowie unfassbare medizinische Experimente umgebracht. Kam man ins Gefängnis, so hieß das meist „Vernichtung durch Hungerstod“ oder „Sterben durch Stehstrafe“.
Danach blieben wir vor dem Krankenlager stehen und die Führerin erzählte uns, welche unmenschlichen Versuche hier am Menschen unternommen wurden. Einer der Ärzte war der Deutsche Josef Mengele, der auch als „Todesengel von Auschwitz“ in die Geschichte einging. Neben Sterilisationsversuchen übte er vor allem Experimente an Zwillingen durch. Mengele selbst meinte, es gäbe in Auschwitz genügend „Lebendmaterial“ für seine Forschungen. Er war für die Selektion der Menschen verantwortlich und daher unmittelbar in ihrer Ermordung beteiligt. Mengele musste sich nie für seine Taten verantworten, weil er nach Südamerika flüchtete. Er starb schließlich nach einem Schlaganfall beim Schwimmen. Er wurde als „Wolfgang Gerhard“ beerdigt, Jahre später allerdings ließ man seine Leiche exhumieren und 13 DNA Spezialisten stellen seine Identität fest. Die Führerin erzählt, dass Mengele selbst sich nie einer Schuld bewusst gewesen war.
Und als ob das alles nicht schon schlimm genug wäre, ging es zum Abschluss noch dorthin, wo das Töten seinen Endpunkt hatte - in die Gaskammer, die hier in Auschwitz 1 nicht wie in Birkenau unter der Erde war, sondern genau ebenerdig angelegt wurde. Die Juden, die sofort nach ihrer Ankunft in Auschwitz in den Gaskammern getötet wurden, wurden nicht in die Evidenz des Lagers aufgenommen, also nicht registriet und nicht nummeriert. Daher weiß man nicht genau, wie viele Menschen direkt nach der Ankunft getötet wurden - es waren auf alle Fälle um jeden einzelnen zu viel. Wir gingen also in die Gaskammer, die hier nicht einmal durch Duschatrappen getarnt wurden, und danach sofort weiter in die Krematorien. Zwei der drei Öfen waren noch sehr gut erhalten. In jeden Ofen passten aber höchstens fünf Leichen, daher war das Verbrennen eine zeitaufwändige Angelegenheit.
Nun hatten wir bereits beinahe zweieinhalb Stunden Führung hinter uns und mittels Bus wurden wir dann nach
AUSCHWITZ BIRKENAU
gebracht. Die Hitleranhänger hatten im Oktober 1941 mit dem Bau von Birkenau, auch Auschwitz II genannt, begonnen. Das Baugelände liegt in Brzezinka, ca. drei Kilometer von Auschwitz entfernt. Die polnischen Dorfbewohner wurden vertrieben und die Häuser, die ihnen weggenommen wurden, abgetragen.
Wir gingen durch das Ankunftsgebäude und was wir dann sahen, das war unbegreiflich. Die Ausmaße des Lagers Birkenau waren unvorstellbar. Es wwar war nicht nur wegen der Geländegröße, der Zahl der Baracken und der Zahl der Gefangen, sondern vor allem aufgrund der ermordeten Menschen das allergrößte Konzentrationslagersystem.
Um den Prozess der Massenvernichtung von Jeden effektiver zu m achen, hatte man im Zentrum von Birkenau eine Rampe mit einem Anschlussgleich gebaut, das genau zwischen den Gaskammern und Krematorien endete. Auf dieser Rampe gingen wir nun. Wir standen dort, wo Mengele stand und mit dem Daumen nach rechts oder links zeigte, entweder ins Lager oder direkt in die Gaskammer.
Am Ende der Rampe stand ein Viehtransporter - ein Original. In diesem Transporter wurden unzählige Menschen nach Auschwitz deportiert - tagelang, wochenlang. Die Zustände hier liegen weit über meiner Vorstellungskraft. Nachdem die deportierten Juden die Züge verlassen hatten, führten die Ärzte direkt auf der Rampe die Selektion durch, wobei sie nur jene Ankömmlinge auswählten, die sie für arbeitsfähig und momentan nützlich für die Rüstungsindustrie des Dritten Reichs hielten. Kranke Personen, Schwangere, Kinder und andere Menschen, die sie für unnütz befanden, wurden ind er Regel direkt in die Gaskammern geführt, das wären etwa drei Viertel jedes Transportes. Oft sind gleich ganze neu angekommene Transporte ohne Selektion direkt in die Gaskammer geführt worden.
Hier blieb ich nicht lange, sondern ging schnell weiter ganz nach hinten, wo eine Gedenkstätte errichtet wurde.
Auf einer Tafel in Deutsch steht hier zu lesen: „Dieser Ort sei allezeit ein Aufschrei der Verzweiflung und Mahnung an die Menschheit. Hier ermordeten die Nazis etwa anderthalb Millionen Männer, Frauen und Kinder. Die meisten waren Juden aus verschiedenen Ländern Europas. Auschwitz - Birkenau 1940 - 1945“.
Links dieser Gedenkstätte befinden sich heute noch die Ruinen der gesprengten Krematorien, die vernichtet wurden, kurz bevor es zur Befreiung des Lagers kam.
Das Lager hier war dann das, was ich erwartet hatte. Die Baracken waren als Pferdeställe geplant. Auf gemauerten 1 x 1 Meter großen Zellen war Stroh aufgelegt, bis zu 30 Personen sollen hier pro Abtrennung gelebt haben. Unvorstellbar müssen die Szenen gewesen sein, die sich hier abgespielt haben.
Hier befindet sich auch der Block Nr. 25, der Todesblock. Die Verurteilten erlebten hier die letzte Etappe, quasi ein Warterum des Todes. Die Selektion dauerte etwa vier Tage und die eingesperrten Frauen bekamen weder zu trinken noch zu essen. Sie gingen elendig zugrunde.
Die Führung in Birkenau dauert etwa eine Stunde, es ist viel zu gehen und hier hat man keine Kopfhörer, sodass man sich in der Nähe des Tourguides aufhalten muss, um alles genau zu verstehen.
Am Schluss der Tour bringt einem der Bus wieder zurück zum Hauptmuseum, es ist aber auch möglich mit dem eigenen Auto hinzufahren, allerdings ist dann die Chance, dass man seinen Guide schnell wieder findet, eher gering.
DAS MUSEUM
Das staatliche Museum Auschwitz-Birkenau wurde am 2. Juli 1947 gegründet und ist 191 ha groß. Es wird vor allem von Jugendlichen besucht, die hier im Rahmen eines Schulausfluges einen Teil der Geschichte erleben. Auch wir waren von jungen Menschen umzingelt. Jährlich kommen mindestens eine halbe Million Menschen hierher, um die Ausstellungen in den erhaltenen Gebäuden zu besichtigen, 2007 wurde erstmals die 1 Million-Marke geknackt. Die Besucherzahlen werden genau dokumentiert und man muss beim Kauf der Karte angeben, aus welchem Land man kommt. Wir stellten also 5 Österreich zur Zahl der eher geringen Besucher unseres Landes. Der Hauptanteil der Besucher liegt bei den Polen, danach folgen die Leute aus Großbritannien. Meine polnische Freundin erklärte mir, dass das wohl vor allem auf die günstigen Flüge zwischen London und Krakau zurückzuführen sei. Daher gibt es auch sehr viele englischsprachige Führungen über den Tag hin verteilt.
Gedenkstätten sind Auschwitz I sowie die Überreste von Auschwitz-Birkenau.
Seit 1979 gehört das Museum rund um das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz zum UNESCO Weltkulturerbe.
Sieben Jahre nach dem allerersten Transport der Gefangen ins KZ wurde die erste Ausstellung in Mauthausen eröffnet. 1967 wurde das Gebiet des Museums zum „Internationalem Mahnmahl für die Opfer des Faschismus“ eingeweit, aber erst in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde das Museum immer professioneller. Einiges wurde erneuert, ausgetauscht und nachgebildet, aber im Grunde ist vieles original aus der Zeit, aus der es stammt und ich denke, das gerade dieses Wissen einen Teil der Beklemmung auslöst, die man bekommt, wenn man sich intensiver auf die Geschichte einlässt.
Allerdings muss ich auch sagen, dass es in dem Museum möglich ist, distanziert zu bleiben. Es werden im Grunde keine schlimmen Bilder gezeigt, wie dies oft in anderen Stätten dieser Art der Fall ist, und so kann man sich doch gut davor schützen, von seinen eigenen Gefühlen übermannt zu werden.
Bereits seit 1960 befinden sich Nationalausstellungen in den erhaltenen Lagerkomplexen. Sie entstanden mithilfe des jeweiligen Landes, das Staatsbürger in Auschwitz verloren hat.
18 Jahre später eröffnete mein Land Österreich ebenfalls eine Ausstellung, die schwer kritisiert wurde, weil wir uns als reine Opfer titulierten, was so natürlich nicht stimmig war. Leider konnte ich mir diese Ausstellung nicht ansehen,d a es sich zeitlich nicht mehr ausging und so kann ich euch davon nichts berichten.
ALLGEMEINE INFORMATION
Die Eintrittsgebühr liegt bei 40 Zloty für den Erwachsenen und 30 Sloty für Kinder und Jugendliche, was ich persönlich für eine 4-stündige Tour als sehr günstig empfinde.
Falls einem die Führung zu lange ist, dann kann man Birkenau entweder ganz auslassen oder auf eigene Faust erkunden. Ich persönlich würde euch das aber nicht raten.
Während der Führung gibt es keine Möglichkeit, die Toilette zu besuchen oder sich mit Getränken einzudecken, also am besten also vorher machen.
Von Oktober bis April ist das Museum von 8.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet, September und Mai bieten Öffnungszeit bis 18.00 Uhr und in den Sommermonaten kann man dem Museum bis 19.00 Uhr einen Besuch abstatten.
Der Parkplatz am Gelände kostet 8 Zloty, was etwas mehr als 2 Euro sind.
Es gibt ein Restaurant vor Ort und auch einige Snackstände. Außerdem wird mehrmals im und rund um das Gelände die Möglichkeit geboten, Bücher zu kaufen, was wir auch getan haben, wir erwarben den Bildband „Residenz des Todes“ um umgerechnet 20,-- Euro.
KONTAKT
http://en.auschwitz.org/m/ - hier gibt es auch eine genaue Auflistung, wann welche Führung in welcher Sprache ist.
Auschwitz-Birkenau State Museum
ul. Wieźniów OÅ›wiÄ™cimia 20
32-603 Oświęcim
Poland
FAZIT
Ich hoffe sehr, dass es mir gelungen ist, euch einen groben Überblick über das Museum in Auschwitz I und Auschwitz II - Birkenau zu geben. Ich habe versucht, in dem Bericht so viel Information wie möglich zu verpacken, doch natürlich ist das im Grunde nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Die Greueltaten, die vor allem den Juden, aber auch vielen anderen Bevölkerungsgruppen hier angetan wurden, sind nur schwer zu beschreiben und noch schwerer zu erfassen.
Ich selbst wollte dieses KZ schon lange besuchen und bin froh, dass wir es jetzt geschafft haben. Das Museum ist museumspädagogisch wunderbar angelegt, nur hatte ich den Eindruck, dass man am Beginn bei der Abfertigung dem Ansturm nicht gewachsen war. Zum Glück schafften wir es, die deutsche Führung zu bekommen, alles Andere wäre schwierig geworden.
Die Kinder haben den Besuch gut verkraftet, meine Großmutter allerdings war sehr betroffen. Sie wurde 1939 geboren, hätten ihre Eltern eine „falsche“ Religion gehabt, sie wäre direkt in die Gaskammer gewandert, der dort kamen Kinder in der Regel direkt hin.
Ich habe mich schon oft gefragt, wie ich wohl in dieser Zeit reagiert hätte, wäre ich imstande gewesen, mich gegen dieses Regime aufzulehnen, hätte ich den Mut dazu gehabt? Ich weiß es nicht, aber ehrlich gesagt befürchte ich, dass ich mit der Masse mitgeschwommen wäre. Es ist unglaublich, dass dies alles passieren könnte und dass mein Heimatland eine so gewaltige und vor allem bestialische Rolle gespielt hat. Ich hoffe nur, wir lassen es niemals wieder so weit kommen, niemals wieder auch nur annähernd.
Aus diesem Grund empfehle ich euch allen, das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz zu besuchen, denn es ist ein Mahnmal an die Menschheit und gleichzeitig ein Dokument der Vergangenheit, das alle Holocaust-Leugner ein für allemal verstummen lassen sollte.
Wir können die Geschichte nicht ändern, aber wir alle können dazu beitragen, dass so etwas niemals wieder passiert. Wir dürfen unsere Menschlichkeit nie wieder so aus den Augen verlieren, denn es geht weit über meine Vorstellungskraft hinaus, dass jemand denkt, dass sein Leben weitaus mehr wert wäre als das eines anderen.
Wir alle gemeinsam können dafür sorgen, dass so etwas Fürchterliches nie wieder geschieht - und dass wir so klug und empathisch sind, darauf setze ich alle meine Hoffnung.
Herzlichen Dank fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren,
eure
Dani
46 Bewertungen, 14 Kommentare
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19.06.2012, 03:26 Uhr von Baby1
Bewertung: besonders wertvoll.•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.
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08.06.2012, 14:38 Uhr von mima007
Bewertung: besonders wertvollGanz toller Bericht, Dani! bw! Viele Gruesse, mima007
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27.05.2012, 23:32 Uhr von logo6600
Bewertung: besonders wertvollWichtiges Thema, toller Bericht
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09.04.2012, 17:27 Uhr von anonym
Bewertung: besonders wertvollEin stummer Zeitzeuge, der aufzeigt, was passieren kann, wenn das "Volk" wegschaut und sich den Tatsachen verschließt, nur weil "man" nicht persönlich betroffen ist.
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08.04.2012, 23:57 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichPflicht bw was nachgeliefert wird, ehrlicher, informativer Bericht - leider haben wir es wieder soweit kommen lassen, Ruanda 1994 1 Million Menschen wurden ermordet und die Welt - ua. Kofi Annan, Bill Clinton, sah zu
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08.04.2012, 09:59 Uhr von Lucky130
Bewertung: besonders wertvollBW nachgereicht!
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07.04.2012, 23:27 Uhr von goat
Bewertung: besonders wertvollFür diesen Bericht ist sogar noch ein bw viel zu wenig!
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07.04.2012, 20:44 Uhr von sirikit06
Bewertung: besonders wertvollWünsche Dir ein schönes Osterfest! LG
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07.04.2012, 18:38 Uhr von minasteini
Bewertung: besonders wertvollIch wünsche ein schönes Osterfest. LG Marina
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07.04.2012, 18:11 Uhr von Lale
Bewertung: besonders wertvollAllerbesten Gruß *~*
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07.04.2012, 16:47 Uhr von ansii
Bewertung: besonders wertvollSchön berichtet.. Frohes Osterfest! :)
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07.04.2012, 16:37 Uhr von katjafranke
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Ostergrüße von der Katja
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07.04.2012, 14:44 Uhr von XXLALF
Bewertung: besonders wertvoll...ganz herzliche ostergrüße und fröhliches eiersuchen wünscht rosi
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07.04.2012, 13:33 Uhr von atrachte
Bewertung: sehr hilfreichsh. lg









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