Gibt es Wege aus der Arbeitslosigkeit? Testbericht

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Erfahrungsbericht von werwoelfin666

Mit der Zeit schwindet jegliche Motivation

Pro:

Ich kann kein Für finden!

Kontra:

An der Arbeitsmarktlage muß sich unbedingt etwas ändern und zwar nicht nur leere Wahlkampfversprechungen!

Empfehlung:

Nein

Eigentlich kämpfe ich mit kurzen Unterbrechungen bereits seit 1999 mit der Arbeitslosigkeit.
Kurz etwas zu meiner Person: Ich bin 31 Jahre alt, verheiratet und lebe in Sachsen. Ich habe Einzelhandelskauffrau gelernt und aber gleich nach der Wende eine 2jährige Ausbildung zur Industriekauffrau mit IHK-Abschluß absolviert. Nach Abschluß dieser Umschulung wurde ich sofort von meinem damaligen Praktikumsbetrieb, einer kleinen Raumausstattung, übernommen.
Ich war dort hauptsächlich im Bürobereich aber auch im Verkauf + Kundenberatung tätig. Die Arbeit machte mir riesigen Spaß, besonders weil wir ein gutes Team waren und mein Chef in mich so viel Vertrauen setzte, daß ich immer selbständiger arbeiten durfte.
Da wir als Subunternehmer für eine große Baufirma aus der Region tätig waren, die Insolvenz anmelden mußte, stand meine Firma selbst kurz vor dem Ruin und mein Chef wollte mich nach 5jähriger Tätigkeit auf 2 Std-Kurzarbeit setzen. Nun kann man aber vom Kurzarbeiter-Geld sehr schlecht leben und sich als junger Mensch in heutigen Zeiten kaum einen Wunsch erfüllen. Also bat ich meinen Chef, mir die Kündigung und ein gutes Arbeitszeugnis zu schreiben, da ich dachte, in meinem Alter und mit meinen Kenntnissen noch sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben.
Da ich anschließend sofort eine Urlaubs- und Krankheitsvertretung in einem kleinen Busreisebüro übernehmen konnte, machte ich mir erst einmal kaum Sorgen. Auch dieser Job machte mir übrigens sehr viel Spaß, aber es war halt nur eine Vertretung und ich bin leider keine ausgebildete Reiseverkehrskauffrau als die ich mir bei einem anderen Reisebüro gute Chancen bei der Bewerbung ausrechnen könnte.
Der nächste kleine Job war Inventurhilfe in einem Büromöbelmarkt in den Monaten November 1999 – Januar 2000. Das die dort tätige Chefsekretärin sich um ihren Arbeitsplatz sorgte und deshalb ständig gegen mich mobbte, war sicher der Hauptgrund, warum die Befristung nicht verlängert wurde.
Egal! Die nächsten Bewerbungen wurden geschrieben und so landete ich im April bei der Fa. Sternebäck als Backwarenverkäuferin. Die knapp 3monatigen Erfahrungen, die ich bei diesem Unternehmen gesammelt habe, waren einfach haarsträubend!
„Wir können Sie nur für 6 Std. einstellen, mehr Arbeit gibt es nicht!“, bekam ich zu hören. Komisch, warum mußte ich dann jeden Tag 9 Std. arbeiten und bekam nur 6 bezahlt!? Wie kann es angehen, daß eine Verkäuferin allein in einer Filiale des schwäbischen Bäckers gleichzeitig backen und verkaufen muß? Stellt Euch einfach mal vor was z.B. im Hochsommer so los ist, wo locker pro Person 20 Brötchen für die Grillparty gekauft werden!
Wie kann es sein, daß man seine Pause auf einem Hocker umgeben von Brotkisten verbringen muß und wenn man ein dringendes Bedürfnis verspürt, erst Berge von Leergut, was die Toilettentür blockiert, bei Seite räumen muß?
Auf jeden Fall waren die Arbeitsbedingungen unter aller Kanone und die sprichwörtliche schwäbische „Sparsamkeit“ hat sich mir bei der Fa. Sternebäck bewiesen.
Was macht man aber als Arbeitnehmer um ohne eine Sperrfrist zu riskieren von einer Firma wegzukommen, die einen nur ausnutzt?
Meine Rückenprobleme und ein damit verbundener Krankenschein halfen mir in den letzten Wochen der Probezeit weiter. Lieber „Herr Sternebäck“, für diese Kündigung bin ich Ihnen ewig dankbar!
Mit einem Nebenjob als Eisverkäuferin hielt ich mich den Rest des Sommers über Wasser.
Im Oktober kam dann die Chance: ein Hausmeister-Service suchte eine Sekretärin; noch dazu ohne Probezeit und mit unbefristetem Arbeitsvertrag!
Natürlich muß man heutzutage bei der Jobsuche bestimmte Kompromisse eingehen: So besteht unser „Recht auf freie Wahl der Krankenkasse“ bei manchen für manche Firmeninhaber nur auf dem Papier. Um diesen Job zu bekommen, war ein Wechsel von der IKK zur DAK Grundvoraussetzung. Ja, und im Arbeitsvertrag stand statt „Sekretärin“ Vorarbeiterin, denn man will schließlich die Fördermittel vom Arbeitsamt einstreichen.
Meine eigentliche Aufgabe im Hausmeister-Service bestand allerdings darin, den gesamten Winter über treppauf und treppab zu laufen und Heizkörper abzulesen. Im Sommer war es sogar noch schöner, denn da warteten hochinteressante und anspruchsvolle Archivierungsarbeiten auf mich, die jede Schülerin oder Praktikantin genauso gut hätte ausführen können.
Das Grundübel aber: Ich sage Euch, nichts ist schlimmer als eine frustrierte Chefin in den Wechseljahren, die seit 5 Jahren keinen Mann mehr hatte. Launiger geht’s nicht mehr!

Ich habe in meinem bisherigen Leben folgende Erfahrungen gemacht:

1.Ich gehe gern arbeiten, aber: Ich arbeite um zu leben und lebe nicht
nur um zu arbeiten. Es macht keinen Spaß sich für 11,50 DM die Stunde den Hintern aufzureisen.
2.Um ein Produkt gut zu verkaufen und um meine Firma gut zu vertreten, muß ich hinter dem Produkt und hinter der Firma stehen und davon überzeugt sein.
3.Es ist zwar schön, wenn die Kohle stimmt, noch wichtiger aber ist das Arbeitsklima. Wenn ich jeden Morgen mit einem langen Gesicht aufstehe, weil mir die Arbeit nicht gefällt, wirkt sich dieser Frust früher oder später auf mein Familienleben und meine Gesundheit negativ aus.

Vielleicht bin ich auch durch meine Tätigkeit für die Raumausstattung zu anspruchsvoll geworden, da ich seither weiß, daß es auch anders geht.

Letztes Jahr im Sommer erlitt ich dann leider eine Flugthrombose, unter deren Folgen ich auch jetzt noch leide. Aber davon in einem anderen Bericht mehr.
Als meine Chefin hörte, daß ich nach meiner 3monatigen Krankheitsdauer noch eine Kur antreten mußte, bekam ich „zum Glück“ auch hier die Kündigung.
Nach meiner Kur war ich 3 Monate arbeitslos und bekam bei den regelmäßigen Gängen zum Arbeitsamt immer wieder die gleiche Antwort: „Was sind Sie? Verkäuferin und Sekretärin? Da waren heute bereits 10 junge Frauen da. Wir können Ihnen leider nicht helfen!“
Jetzt werdet Ihr mir sicher wieder die alte Standardfrage stellen, die ich schon langsam nicht mehr hören kann: Warum suchst Du Dir keine Arbeit in den alten Bundesländern?

Hier meine Antworten:
Mein Mann arbeitet seit über 10 Jahren in einer Zwickauer Tischlerei, und ihm macht seine Arbeit sehr viel Freude.
Für eine Wochenendbeziehung sind wir beide nicht geschaffen.
Wir haben Kinderwunsch.
Wir bauen gerade unser Haus um, was wir voriges Jahr vom Großvater geschenkt bekamen.

Im Alter von 18 Jahren und ungebunden hätte ich sicher solch einen Schritt getan. Dann hätte ich mir aber sicher auch von niemandem aufdiktieren lassen, nach Bayern zu gehen, sondern hätte meinen Wohnsitz außerhalb Deutschlands verlegt. In meinem Traumland Griechenland lebt man zwar ärmer, aber dafür weniger bürokratisch und stressig und deshalb auch zufriedener und gesünder ohne den bei uns schon programmierten Herzinfarkt vor Ärger!
Aber wir sind nun einmal hier in Deutschland und hier kann es irgenwie ja auch nicht sein, daß der ganze Osten nach dem Westen abwandert. Irgendwann macht der Letzte hier das Licht aus!

Aber noch ein Problem stellte sich. Dank meiner Krankheit darf ich als Sekretärin weder lange sitzen ohne mein Bein hoch zu legen, noch als Verkäuferin lange stehen. Was nun???
Das Arbeitsamt befahl mir ein Gutachten. Dauer: mindestens ½ Jahr. Nein, danke!!!
Also kümmerte ich mich um eine Weiterbildung. Da mich nun der PC und das Internet schon von jeher faszinieren und ich darin die Zukunft sehe, war ein Computer-Bildungszentrum meine Anlaufstelle.
Ich würde mich gern selbständig machen. Mir fehlen aber noch die richtige Geschäftsidee und sicher auch noch einige Kenntnisse. Abhilfe versprach man mir mit diesem Kurs, der sich da „Marketing und Vertrieb“ nennt. In ihm verbringe ich seit Februar und noch bis November meine Wochentage.
Das hat einige Vorteile:
Man lernt im Leben nie aus.
Man lernt viele Leute kennen.
Man sitzt nicht depressiv zu Hause rum.
Und er hat viele Nachteile:
Wir bekamen ein schönes dickes Lehrbuch „Marketing“, behandelten aber hieraus in den schon vergangenen 4 Monaten kein einziges Thema.
Statt dessen hatten wir Buchhaltung und Rechnungswesen. Das hatte ich ja auch noch nicht in meiner Umschulung..........
Die Computer werden hier nicht, wie versprochen, genutzt um zu lernen wie man eine Homepage baut, sondern um zu chatten , Bildschirmschoner von Kevin Costner downzuloaden etc.
Kurz gesagt: Der Lehrgang artet zur Beschäftigungstherapie aus!

Wann hört man endlich auf mit solchen Sachen die Arbeitslosenquote zu verfälschen?
Zählt man alle ABM´s und Bildungsmaßnahmen dazu, stehen wir nicht bei einer Zahl von 4 Millionen Arbeitslosen sondern mindestens bei 10 Millionen.
Wann kommen endlich richtige Gesetze her, die nicht nur ein Preis- sondern auch ein Lohndumping verhindern?
Es kann einfach nicht sein, daß die Unternehmensführer hier im Osten die
Lage am Arbeitsmarkt schamlos ausnutzen, um entweder Billiglöhne oder überhaupt nicht zu zahlen. Das ist für mich Ausbeutung der allerschlimmsten Sorte!
Hier hat der Staat ganz eindeutig versagt!

Mir bleibt nur noch eins: Die Hoffnung nie aufzugeben, denn diese stirbt ja
bekanntlich zuletzt und weiterhin auf die blühenden Landschaften zu warten,
die uns Herr Kohl vor über 10 Jahren versprochen hat!

18 Bewertungen, 3 Kommentare

  • Indigo

    13.06.2002, 16:06 Uhr von Indigo
    Bewertung: sehr hilfreich

    Die Prinzipien lauten Bildung, Konkurrenz und Mobilität. Danach werden die flexiblen Kapazitäten am 1. Arbeitsmarkt verteilt.

  • Archmage

    07.06.2002, 15:29 Uhr von Archmage
    Bewertung: sehr hilfreich

    In Berlin ist die Lage auch nicht besser... Neuster Streich vom Arbeitsamt, ich sollte mich ein zweites Mal bei einer Firma bewerben (auf das gleiche Angebot), obwohl ich bereits eine Absage erhalten hatte... Wenn die Rechte nicht weiss was die Linke macht

  • Andreas68

    30.05.2002, 01:34 Uhr von Andreas68
    Bewertung: sehr hilfreich

    Eben! Arbeit ist kein Selbstzweck, sondern Verdienstmöglichkeit, außer vielleicht bei Musikern, Sozialpädagogen, Autoren u.s.w.