Grünkohl Testbericht
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- Geschmack:
- Gesundheitsfaktor:
Erfahrungsbericht von zuleyka
Tradition mit Schnaps und Pinkel
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Denn es ist mal wieder soweit. Die Bäume verlieren ihre Blätter, der erste Bodenfrost setzt ein, Nebel liegt auf den Felder. Und in Bremen beginnt in dieser Zeit neben dem Bremer Freimarkt auch die allseits beliebte Kohlzeit. Der unbefleckte Butenbremer begegnet am Wochenende immer wieder ganzen Scharen von Menschen, die mit einem kohlgeschmückten Bollerwagen - voll mit Schnaps, Bier und auch schon mal Glühwein - durch die Wallachei ziehen. Die Kohlfahrten gehen los.
Vorzugsweise in Gruppe brechen dann Kegelclubs, Freiwillige Feuerwehren, Nachbargemeinschaften und Kollegen auf, um über einen meisten viel zu langen Weg (der hier ma wichtigsten ist, denn es gibt ja was zu trinken ;-)) zu einem viel zu abgelegenen Lokal zu kommen und um dort in viel zu kleinen und zu lauten Räumen kalten Kohl zu schlechter Musik und zu einem überteuerten Preis zu genießen.
Bevor es dazu kommt, hat das Kohlkönigpaar aus dem Vorjahr die Ehre, die neue Lokalität auszusuchen, zu buchen und auch sonst alles zu organisieren. Der König und die Königin werden beim Kohlessen gewählt, mehr dazu später. Zudem muß ein Weg ausgekundschaftet werden. Nach Möglichkeit nicht zu lang, es könnte ja zu kalt werden. Aber auch nicht zu kurz, denn man will ja auch büschen was trinken. Außerdem muß der Preis für das Essen und das drumherum (sprich Musik und Getränke) stimmen. Ihr seht, es ist gar nicht so einfach ;-)
Sodann trifft man sich an dem besagten Tag zum Vorglühen am vereinbarten Treffpunkt. Vornehmlich nachmittags, da es ja teilweise schon früh dunkel wird. Nebenbei wird Wegzehrung verteilt, schließlich soll man nicht auf leeren Magen trinken. Dies kann in Form von Bretzeln, Bifis oder sonstigen Fressalien um den Hals gehängt werden. Nachdem dann ausgeknobelt wurde wer den schweren Bollerwagen zieht, geht's endlich los.
Maximal nach hundert Meter Wegstrecke wird ein neuer Grund gefunden, um aus dem mit Geschenkbank befestigten, um den Hals baumelnden Eierbecher (das Schnapsglas mit dem Henkel von Mutti ist letztes Jahr kaputtgegangen) einen eiskalten Sauren, Roten oder Klaren zu sich zu nehmen: Hach, die Blätter sind hier so bunt.... die Tanne ist so grün... der Weg ist noch so weit... der Bollerwagen ist so schwer... Norbert muß schon wieder pinkeln....
Fortschrittliche Kohlgänger lassen sich durch Musik aus dem Ghettoblaster berieseln. Gerne werden unterwegs kleine Spielchen gespielt. Entweder mit einem Würfel, einer Latte mit befestigten Schnapsgläsern aus denen mehrere Personen gleichzeitig trinken müssen oder - das wird in friesischen Gefilden häufig gespielt - Boßeln.
Dann endlich, nach einigen Kilometern und genauso vielen Schnäpsen, ist das Lokal in Sicht. Meisten brechen die Damen der Kohlgesellschaft als ersten dort herein, da unterwegs das "Pipi machen" ja etwas beschwerlich ist. Die Herren suchen derweil im Gewühl der weiteren Gäste nach den für ihren Klub reservierten Tischen. Man sitzt - endlich, sehr schön. Nun kommt es drauf an, welche Art Versorgung gebucht wurde. Alle Getränke inklusive? Nur zum Essen? Nur bestimmte Getränke? Hier zeigt sich die Qualität des Kohlkönigspaares und ob es sich lohnt, diese Herrschaften irgendwann mal wieder zu wählen.
Ja, die Wahl des Kohlkönigs ist auch so eine Sache. Hier gibt es unterschiedliche Arten, wie ich festgestellt habe. Normalerweise wird der Hofstaat in Männlein und Weiblein geteilt. Wer von denen am meisten isst, wird Kohlkönig und -königin. Es hat sich leider gezeigt, dass sich hier keiner mehr so leicht über's Ohr hauen lässt und sich gleich gar nicht so viel auf den Teller schaufelt. Daher greifen aufmerksame Essensaufseher (meistens der Kohlkönig) bei der Auswahl zu anderen Listigkeiten. ERSTENS: man bestimmt schon gleich von vornherein zwei Personen zum Kohlpaar. ZWEITENS: man versteckt - bevor alle an ihren Platz im Saal dürfen - kleine Zettelchen unter den Tellern. Oder DRITTENS: Man hängt einfach irgendjemanden von den Neuen in der Gruppe den verdammten Kohlorden um. Bei diesen drei Alternativen kann man wenigstens Diskussionen aus dem Wege gehen.
Bei der Art des Kohlordens wurden übrigens schon so einige Kuriositäten gesichtet. Mal als Salzteiggesicht, dann ein Pappteller, ein Stück Schiffsplanke, ein Unterkiefer vom Rindviech.... ein Schweinderl aus Messing mit Namens-Gravur hat sich bei uns im Klub durchgesetzt. Mittlerweile musste aufgrund der Fülle der Kohlfahrten am Schwein "angebaut" werden.
Zum Essen: Wer es von der Kohlgesellschaft noch nüchtern erlebt, der kann sich hier eine gute Grundlage für den Rest des Abends zulegen. Im Normalfall wird in drei Gängen serviert. Als erstes kommt die Suppe. In den meisten Lokalen gibt es die obligatorische Hochzeitssuppe. Viel Dünnes mit wenig drin. Dann endlich der Hauptgang und das, weswegen wir den beschwerlichen Weg auf uns genommen haben: Der Kohl! In einigen Gegenden Grünkohl, in anderen Braunkohl genannt. Möglichst schön fettig, nicht so fein geschnitten wie Spinat und nicht so viele Strunken drin. Sonst gibt's Mecker! Im allgemeinen muß der Kohl mindestens einmal richtig Frost bekommen haben. Ob das nun gut ist, damit das Ungeziefer abfällt oder der Kohl dadurch seinen Geschmack erhält.... keiner weiß es so genau, aber jeder weiß es besser. Zum Kohl dazu gibt es: Mettenden (kurze Mettwürstchen), Bauchspeck *schwabbelschwabbel*, Scheiben vom Kasslerbraten und PINKEL! Bei der Pinkel handelt es sich um eine Grützwurst mit viel Grütze und wenig Wurst. Dafür um so mehr Speck und Fett. Bei uns unterscheidet man zudem noch die Oldenburger (fett) von der Bremer Pinkel (noch fettiger) sowie zwischen einer Pinkel im Natur- oder im Kunstdarm. Irgendwas hab ich noch vergessen? Ah ja, die Salzkartoffeln. Aber die sind nur so dabei *g*
Als Nachtisch wird in den meisten Fällen Rote Grütze oder Rote Grütze gereicht. Oder halt Rote Grütze. Manchmal auch Rote Grütze. Vorzugsweise mit flüssiger Sahne, fester Sahne oder - wenn's was besonderes sein soll - mit Eis oder Klötenkööm (Eierlikör). Nach diesem üppigen Mahl sollte man auch etwas trinken. (Obwohl sich mancheiner zu Recht fragt: haben wir das nicht schon ausreichend?) Einen Aufräumer sozusagen, man will ja für den Rest des Abends in Form bleiben. Was eignet sich da besser als ein Aquavit? Oder einfach nur ein Korn? Ganz findige Geschäftsleute haben in Bremen extra einen Grünkohlschluck erfunden.
Gut gestärkt geht's dann auf die Tanzfläche. Die einzelnen Gruppenmitglieder sind nach dem Essen völlig auf sich alleine gestellt, eine Animation vom Kohlpaar erfolgt hier nicht mehr... Hat denn bis hier Kohlpaar gut gearbeitet? Gibt's einen DJ der gute Musik spielt? Vielleicht sogar eine ganze Band? Oder gibt es Fahrstuhlmusik von Omas Grammophon? Egal, jetzt in "Dans op de deel" , als erstes kommt das neue Kohlpaar, um eine Ehrenrunde aufgrund der neuen Verantwortung zu drehen. Sie werden meistens vom Musikmacher aufgefordert. Und verstecken auf dem Klo gilt nicht! ;-) Hier auf der Tanzfläche wird dann so manche Promille und Grünkohlnachschläge abgetanzt, um sich dann mit der ständig wechselnden Tanzpartnerin an der Sektbar wieder aufzufüllen. Man vergisst die Zeit, trink hier und dort noch einen und die, die den Abend noch halbwegs nüchtern erleben sitzen dann nachts im bestellten Bus oder Taxi nach Hause und denken warscheinlich: zum Glück bin ich dieses Jahr nicht Kohlkönig geworden.....
Soweit meine Impressionen einer Kohlfahrt. Ich hoffe ihr habt am Lesen Spaß gehabt. Falls ihr niemanden findet, der mit euch auch eine machen möchte, dann kocht doch einfach mein schnelles Rezept für Grünkohl nach und feiert einfach zu Hause. Ist eh billiger *g*
Grünkohl, für 2 Personen
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Zutaten
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ein Glas Grünkohl von Kühne, Oldenburger Art
eine Zwiebel
Butterschmalz
drei große dicke Scheiben Kassler
Bauchspeck
drei Pinkel, Bremer Art
drei Mettenden
Salz, Pfeffer
Zubereitung
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Die Zwiebel glasig dünsten, den Grünkohl dazugeben (mit Flüssigkeit). Eine Pinkel aufschneiden und unterrühren. Ebenso ein Mettende und eine Scheibe Kassler und eine Scheibe Bauchspeck kleinschneiden und im Kohl verrühren. Stark erhitzen und mehrmals umrühren. Ggf. mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Zwischenzeitlich in einem separaten Topf (der Kohl wird mir sonst zu salzig. Er möchte, kann das Fleisch auch im Kohl mit erhitzen) die Mettenden, den Speck, das Kassler und die Pinkel erhitzen.
Sobald alles erhitzt ist, zusammen servieren. Dazu schmecken Salzkartoffel, Bratkartoffeln oder Röstkartoffeln.
15 Bewertungen, 6 Kommentare
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24.11.2005, 14:35 Uhr von mswmsw
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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24.11.2005, 14:30 Uhr von alteSchwedin
Bewertung: sehr hilfreichDa könntest du mich mit jagen... In unserem Garten wächst zwar Grünkohl, aber das auch nur, weil die Enten den so gerne fressen...
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24.11.2005, 14:23 Uhr von waltraud.d
Bewertung: sehr hilfreichsh, waltraud
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24.11.2005, 14:05 Uhr von NancyNoack
Bewertung: sehr hilfreichArg, damit kann man mich jagen
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24.11.2005, 13:37 Uhr von animaldream
Bewertung: sehr hilfreichmir läuft das Wasser im Mund zusammen! Lecker! LG animaldream
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24.11.2005, 13:17 Uhr von sindimindi
Bewertung: sehr hilfreichsh! - eine echte Kalorienbombe, aber schmecken tut es natürlich...:-) <br/>LG, Roland
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