IBM ViaVoice Testbericht

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Erfahrungsbericht von Clara12

Ich spreche mit meinem PC. Bin ich wunderlich?

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Noch komme ich mir ein wenig merkwürdig vor, wenn ich hier so sitze, die Hände auf dem Schoß habe, spreche und dennoch sehe, dass sich auf dem Bildschirm etwas tut. Aber auch wenn noch nicht alles 100-prozentig klappt, so bin ich doch bereits jetzt hoch zufrieden. Das Geheimnis, den PC dazu zu bringen, das aufzuschreiben, was ich sage, liegt in der Sprachsoftware. Schon häufiger hatte ich Berichte darüber gelesen, gesehen oder gehört. Nun wollte ich auch eine solche Software, die mir das Arbeiten am PC leichter macht. Ich sitze viel und gerne vor dem PC, doch wenn ich nach einem Tag am Computer im Büro auch noch zu Hause schreiben möchte, dann werden mir oft die Arme lahm. Es musste also etwas Bequemes her!

Intensiv habe ich mich quer durch das Internet gelesen und habe dabei festgestellt, dass es einige recht große Unterschiede in der Qualität, dem Preis und dem Leistungsumfang dieser Programme gibt. Bekommt man ein günstiges Programm schon ab € 30, so gibt es nach oben hin kaum eine Grenze. Für sehr wenig Geld habe ich dann im Internet ein Programm ersteigert, das leider auf meinem PC nicht läuft. Witziger Weise habe ich am selben Tag ein Programm geschenkt bekommen, mit dem ich jetzt sehr gut zurecht komme, und von dem ich euch berichten möchte.

Vorab möchte ich sagen, dass ich, was die technische Komponente anbelangt, nicht großartig ins Detail gehen werde. Hardwareanforderungen und Systemvoraussetzungen werde ich nur stichpunktartig am Ende des Berichtes nennen, da der Interessierte diese Anforderungen auf der Homepage unter http://www-3.ibm.com/software/speech/de/win/pro.html oder auf dem Produkt selber findet.

Es handelt sich um das IBM-Programm ViaVoice Pro Release 8.0 inklusive dem Update. Wer es nicht so gut hat, wie ich und es geschenkt bekommt, der muss dafür richtig viel Geld bezahlen. Bereits ohne die Update-Version kostet das Programm € 169,99 (bei Amazon.de). Diese kostet dann noch einmal € 85,99 extra.

Die Installation ist denkbar einfach. In gewohnter Weise wird die CD eingelegt und der Vorgang gestartet. Hier wird auch dem Laien anschaulich erklärt, wie man das Mikrofon richtig installiert. Bei meiner Version war das original Head-Set nicht mehr vorhanden. Ich habe dann einfach ein älteres Modell, das ich noch hatte, genommen, und es funktioniert genau so gut.

Im Anschluss an die Installation stehen dem Benutzer vier Texte zur Auswahl, die er dem System vorlesen kann. Je mehr dieser Texte er liest, umso besser kann sich die Software auf die ganz eigene Art zu sprechen einstellen und so das individuelle Sprachmuster des Benutzers kennen lernen. Faszinierend ist, dass kleine Sprachunebenheiten, Dialekte und so weiter vom Programm erkannt und in der Schriftform richtig wiedergegeben werden. Aus diesem Grund muss man ViaVoice für jeden einzelnen Benutzer individuell konfiguriert. Ich empfinde es als ratsam, alle vier Texte durch zu sprechen (insgesamte Dauer: ca. 1 Stunde), denn je mehr man übt, umso besser klappt die Spracherkennung dann im Anschluss.

Dann kann es auch schon sofort losgehen. Nach dem Start des Programms hat man die Auswahl, ob man in das einfache Schreibprogramm SpeakPad diktiert, oder direkt in eine geöffnete Anwendung. Ich kann also E-Mails direkt ins Formular diktieren, meine Kommentare in den entsprechenden Spalten hinterlassen, in Word schreiben, in Excel und so weiter. Bereits zu Beginn ist die Treffergenauigkeit sehr hoch. Selbstverständlich arbeitet das Programm noch nicht fehlerfrei, aber es ist vollkommen problemlos, Korrekturen vorzunehmen. Dies geschieht entweder über das Korrekturfenster, in dem bis zu fünf Wortalternative angeboten werden, per Hand, mit der Maus oder mittels eines gesprochenen Befehls. Diktiert man Worte, die der PC nicht erkennt (er verfügt über einen Grundwortschatz von über einer Million Wörtern), kann man diese hinzufügen. Dafür tippt man das unbekannte Wort einfach in ein Textfeld, startet die Sprachaufnahme und schon ist das Wort im Vokabular. Sinnvoll ist dies besonders bei fremden Namen oder Begriffen, die umgangssprachlich sind. Sorgen, dass der Platz nicht reicht, muss man sich nicht machen, es sei denn, man möchte mehr als 64.000 Stichworte aufnehmen.

Je öfter man mit diesem Programm arbeitet, umso besser wird es. Ständig aktualisiert es sich, analysiert die Sprache und stellt sich so immer feiner auf den jeweiligen Benutzer ein. Faszinierend ist auch, dass ViaVoice die Dokumente, die sich auf der Festplatte befinden, nach Begriffen durchsuchen kann, die das Programm nicht kennt und die man häufig verwendet. Diese werden dann aufgenommen und beim nächsten Diktat erkannt. die Software ist sogar so clever, dass sie gleichlautende Begriffe wie "Meer" und "mehr" richtig und sinnvoll schreibt.

Man muss allerdings schon ein bisschen Geduld mitbringen, denn am Anfang funktioniert es nicht so leicht, wie man es vielleicht gerne hätte. So hatte ich zum Beispiel das Problem, dass er mein Wort "Punkt", das als Befehl für ein Satzende diktiert wird, nie erkannt hat. So saß ich da dann recht blöde vor dem PC und schleuderte ihm dieses Wort immer wieder entgegen. Es störte ihn gar nicht, denn er schrieb immer wieder das Wort "kommt". Für solche Fälle haben die Programmierer vorgesorgt. Man kann nämlich jeden Befehl, den man mittels Sprache eingibt, noch einmal in seiner eigenen Tonart aufnehmen, wenn das Programm ihn nicht erkennt. Also habe ich diesen Befehl noch einmal neu aufgenommen und seither versteht mich der PC. Komisch, ich hätte nicht gedacht, dass ich so undeutlich rede. *Grins*

Verblüffend ist, wie schnell das Programm arbeitet. Da man zu Beginn die Texte vorgelesen hat, weiß ViaVoice nicht nur, wie man redet, sondern auch, in welcher Geschwindigkeit. Ich spreche und lese sehr schnell, habe das aber zu Beginn bei meinem Diktat nicht berücksichtigt. Also habe ich langsam, laut und deutlich diktiert, als hätte ich einen alten Menschen vor mir. Das Programm hat mich nicht verstanden, da ich die Probetexte ja eine „Gangart“ schneller aufgenommen habe und mir aufgrund der langsamen Sprechweise oft aus einem Wort zwei gemacht. Irgendwann schimpfte ich dann wüst auf das Ding ein, in gewohnter Sprechgeschwindigkeit, und die Flüche erschienen fast fehlerfrei auf dem Bildschirm. Das war vielleicht lustig! Nun weiß ich also, dass ich in normalem Sprechtempo in das Mikrofon sprechen muss. Auch wenn ich sehr schnell schreibe, so ist es doch eine enorme Erleichterung, und besonders auch eine Zeitersparnis, ganz entspannt zu diktieren, denn so schnell, wie spreche, schreibe ich dann doch nicht per Hand.

Oben habe es bereits erwähnt, die Software erkennt Satzzeichen. Darüber hinaus gibt es eine sehr umfangreiche Liste von Befehlen, die man auch per Sprache eingeben kann. Dazu gehört nicht nur die Korrektur von Worten, Formatierungen und so weiter, sondern auch der Import und Export von Daten in verschiedene Programme.
Man muss diese Befehle nicht alle auswendig lernen, sondern kann sich entweder die Anleitung auf den Bildschirm holen oder das mitgelieferte Benutzerheft lesen. Dieses ist gut verständlich und logisch aufgebaut. Oft aber sind die Befehle relativ lang, sodass ich dann doch schneller bin, wenn ich immer eine Hand auf der Maus habe, Korrekturen sofort ausführe und nicht erst nach dem Befehl kramen muss. Die gängigsten Befehle, wie das Schalten in eine neue Zeile, das Steuern der Cursorposition innerhalb des Textes und die Korrektur von einzelnen Wörtern und Begriffen hat man sowieso nach einer Weile schnell intus.

Aber ViaVoice 8. 0 Pro kann noch viel mehr. Mit der Stimme kann man auch durch Webseiten surfen und Formulare ausfüllen. Die Software arbeitet mit dem Netscape Navigator, dem Internet Explorer und auch mit AOL zusammen. Kann jemand schlecht sehen, oder möchte sich aus anderen Gründen den Text vorlesen lassen, so ist das kein Problem. ViaVoice liest Texte vor, egal, ob es sich um Internetseiten, E-Mails oder andere Schriftstücke handelt. Dieses vorlesen lassen ist manchmal eine praktische – wenn auch nicht wirklich notwendige - Kontrolle für mich, wenn ich den Text geschrieben haben und einfach noch mal hören möchte, was ich in denn GENAU geschrieben habe. Hier hört man dann nämlich sofort, ob sich im Text noch kleinere oder größere Fehler befinden. Faulheit siegt.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ViaVoice die besten Ergebnis in punkto Korrektheit erzielt, wenn ich in das einfache Schreibprogramm SpeakPad diktiere. Komischer Weise habe ich nämlich das Problem, dass das Diktieren in Word irgendwie zäher funktioniert. Da mache ich es steht so, dass ich in SpeakPad diktiere und danach den gesamten Text in Word übertrage, dort eine Rechtschreibprüfung durchlaufen lasse und gegebenenfalls noch etwas nachformatiere.

Speichert man den Text, den man gerade schreibt, hat man die Wahl zwischen drei Möglichkeiten. Einmal kann man ihn als *.doc abspeichern, dann wird die gesamte Aufnahme, also die Stimmaufzeichnung, mit gespeichert. Das hat den Vorteil, dass man sich hinterher den Text vorlesen lassen kann, und ihn so bequem korrigieren kann. Allerdings wird dafür unheimlich viel Speicher benötigt, daher wähle ich stets die zweite Möglichkeit und speichere nur den Text inklusive Formatierungen als Dokument im Notepad. Wenn man es jahrelang gewöhnt ist, seinen Text nur aufgrund des Geschriebenen zu korrigieren, braucht man den Ton nicht unbedingt. Die dritte Speichermöglichkeit speichert nur den Text, also nicht mal die Formatierungen.

Das Schöne an diesem Programm ist, das es wirklich das hält, was versprochen wird. Selbstverständlich hat es seine kleineren Mängel, aber man darf auch nie vergessen, dass es sich um eine Maschine handelt. Und dafür arbeitet sie wirklich perfekt. Sprache ist etwa so Komplexes, dass es für mich schon an ein Wunder grenzt, dass die Software überhaupt so präzise arbeitet. Ich arbeite jetzt seit Samstag täglich mindestens 2 h mit dem Programm und sehe klare Erfolge. Nicht nur weiß ich nun, wie ich mit dem Programm umgehen muss, sondern habe es auch schon sehr gut an meine Bedürfnisse angepasst. Schon jetzt möchte es nicht mehr missen.

Ich denke, aus meinem Text geht hervor, wie unheimlich praktisch dieses Programm ist. Die Frage, ob der enorme hohe Preis gerechtfertigt ist, kann ich als Laie nicht beurteilen. In Anbetracht der Tatsache aber, wie wunderbar es arbeitet, und dass man für viele Berufe (Rechtsanwälte, Ärzte, und so weiter) noch spezielles Vokabular als Extra-Software hinzufügen kann, denke ich doch, dass dem so ist.

Gibt es etwas, was mich ärgert? Ja, das schon. So habe ich zum Beispiel das Problem, dass ich meinen Nachnamen schon mehrmals aufgenommen habe, das Programm ihn aber dennoch nicht erkennt. Na gut, dann eben nicht. Weiterhin habe ich festgestellt, dass das Programm einen neuen Satz mit einem Kleinbuchstaben beginnt, wenn man den Punkt manuell eingibt. Von diesen Kleinigkeiten gibt es noch ein paar weitere, die allerdings keine wirklichen Nachteile darstellen. Man muss beim Diktieren nur darauf achten, flüssig zu sprechen, denn jedes Stocken, jedes Zögern und jedes ääää wird geschrieben. Deshalb habe ich es mir angewöhnt, immer von Komma zu Komma zu sprechen.

Es ist gar nicht leicht, einen Schlussstrich unter den Bericht zu ziehen, denn das, was ich erwähnt habe, ist noch lange nicht alles, was ViaVoice zu bieten hat. Zu sehr ins Detail gehen möchte ich aber auch nicht, denn das, was derjenige wissen muss, der mit der Überlegung spielt, sich das Programm zu kaufen, das weiß er nun. Aus meiner Sicht kann ich das Programm nur empfehlen, ich habe mich bereit schon so daran gewöhnt, dass ich aufpassen muss, im täglichen Sprachgebrauch nicht auch die Satzzeichen mit zu diktieren. *Grins*

Von nun an werde ich also meine Berichte immer auf diese Art und Weise "zu Papier" bringen, denn es geht schneller, ist einfacher und so bequem.

Sollte jemand von euch noch Fragen haben, die über das, was im Bericht steht hinausgehen, dann schreibt mir einfach einen Kommentar. Gerne will ich versuchen, euch zu antworten und das Programm schmackhaft zu machen.


Einsatz für:
Pentium II-, Pentium III-, AMD K6- und 3D NOW-Prozessoren zugeschnitten. Microsoft® Windows 95, Windows 98 oder Microsoft Windows NT 4.0 Service Pack 5 (SP5), Windows ME oder 2000 Intel® Pentium® 300 MHz mit MMX ® (oder gleichwertiger Prozessor) und 256 K L2 Cache (einschließlich AMD K6 mit 256 K L2 Cache), Intel® Pentium® 600 MHz für Windows ME 64 MB RAM für Windows 95/98, Windows NT 4.0 SP5, Windows ME; 96 MB Ram für Windows 2000.
500 MB freier Festplattenspeicher Windows 95/98/ME/2000- bzw. NT 4.0-kompatible 16-Bit- Audiokarte mit Eingangsbuchse für Mikrofon und guter Aufnahmeleistung. 4-fach-CD-ROM-Laufwerk oder schneller.

18 Bewertungen, 3 Kommentare

  • Andreas68

    07.05.2002, 00:26 Uhr von Andreas68
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich hatte gar nicht gewusst, dass es wirklich schon funktionierende Programme zur Sprachverschriftlichung gibt! Na denn, die nächste Welle der Arbeitslosigkeit dürfte vorprogrammiert sein.

  • Andreas1501

    05.05.2002, 17:36 Uhr von Andreas1501
    Bewertung: sehr hilfreich

    Der Kauf hat sich für mich schon sehr gelohnt. Da ich immer noch nicht richtig schnell tippen kann, erleichtert ViaVoice umfangreiche Eingaben sehr. Gruß Andreas

  • MatthiasHuehr

    04.05.2002, 12:02 Uhr von MatthiasHuehr
    Bewertung: sehr hilfreich

    bei mir funktioniert solch Technik nich :-(