Industriekaufmann/frau Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Schwierigkeitsgrad der Ausbildung:  leicht
  • Einstellungschancen:  sehr gut
  • Aufstiegschancen:  sehr gut
  • Verdienstmöglichkeiten:  gut
  • Sozialleistungen:  gut
  • Eigenverantwortliches Arbeiten:  stark gefördert

Erfahrungsbericht von Backe013

Ausbildung zum Industriekaufmann

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Im September 2000 begann ich meine dreijährige Ausbildung zum Industriekaufmann in einem großen deutschen Stahlunternehmen. Folgender Bericht soll ein wenig über die Art der Ausbildung informieren sowie den alltäglichen Ablauf eines Ausbildenden in diesem Unternehmen aufzeigen.

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Der Einstellungstest:
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Anfang 2000 wurde ich von dem Betrieb zu einem Einstellungstest eingeladen. Da das Unternehmen eine große Vielzahl an unterschiedlichen Ausbildungsplätzen besitzt (unter anderem Industriemechaniker, Industrieelektroniker usw.) hätte man vermuten können, dass ein spezieller Test für jede Ausbildungsart durchgeführt werden würde. Diese Vermutung bestätigte sich jedoch nicht. Ein allgemeiner Test wurde in einem großen Versammlungssaal durchgeführt, welcher auf den Wunschberuf bezogen dann später ausgewertet wurde. Der Test bestand aus vielen kleinen Prüfungen, die in einer bestimmten Zeit bearbeitet werden mussten. Das waren unter anderem:

- Einen Draht nach einem Muster biegen
- Rechtschreibkenntnisse
- Mathematische Aufgaben, Knobelaufgaben
- Physikalische Kenntnisse
Usw.

Viele dieser Eignungskontrollen waren für den Beruf des Industriekaufmanns nicht relevant, welche aber dann für einen Elektroniker wieder sehr wichtig waren.

Der Test dauerte ca. 1 - 1 1/2 Stunden. Man versprach uns über den Ausgang nach Auswertung zu benachrichtigen.

Ich hatte Glück und erhielt dann irgendwann eine Benachrichtigung zum Einstellungsgespräch.


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Das Einstellungsgespräch:
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Ein bisschen nervös ging ich dann eines Morgens zu meinem Einstellungsgespräch. Vier weitere Mädels waren neben mir Knaben ebenfalls eingeladen. Mehrere Angestellte (darunter der Ausbildungsleiter, einer vom Betriebsrat, einer aus der Personalabteilung, ein Jugendvertreter usw.) begrüßten uns dann und baten uns Platz zu nehmen.

Das Gespräch erfolgt immer abwechselnd. Zunächst wurde eine Person befragt, darauf dann die nächste usw.

Zunächst begann eine Vorstellrunde. Die Verspannungen lösten sich zum Glück ein wenig. Es wurden Fragen gestellt, die uns allgemein betrafen, wie z. B. Schule, Wehr- oder Zivildienst, aber auch Fragen, die auf den Beruf ausgerichtet waren, wie z. B. Beweggründe für die Berufswahl.

Das Gespräch verlief für alle Anwesenden recht gut. Im Anschluss wurde einstimmig beschlossen, uns allen einen Ausbildungsvertrag anzubieten. Wir erhielten noch einige Anweisungen und Information über Dauer der Ausbildung, Ausbildungsvergütung, Berufsschule usw.

Wir unterschrieben die Verträge und freuten uns, im September mit der Ausbildung beginnen zu können.


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Berufsschule:
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Das erste Lehrjahr schrieb uns vor, 1 ½ Tage die Woche Berufsschule zu haben. Montags mussten wir nicht in den Betrieb, da wir 8 Schulstunden Unterricht hatten. Donnertags hatten wir zunächst 7 Unterrichtsstunden. Als diese dann auf 5 Stunden verkürzt wurden, waren wir doch dazu verpflichtet, für den Rest des Tages in den Betrieb zu gehen. Die Verkürzung ist auf den Mangel an (Englisch)lehrern zurückzuführen, obwohl englisch im ersten Jahr Pflicht war.

Die früher bekannten Fächer BWL und AWL gibt es nicht mehr. Diese Fächer wurden zusammengewürfelt und in 15 Lerngebiete aufgeteilt, welche in zwei Fächern unterrichtet werden sollen: 1. BUs (Berufsspezifischer Unterricht - Spezielle Betriebswirtschaftslehre) 2. BUa (Berufsspezifischer Unterricht - Allgemeine Betriebswirtschaftslehre). Neben diesen Fächern hatten wir noch Rechnungswesen, Politik, Religion (wofür brauchen wir denn das?!) und deutsch.

Die Berufsschule war im ersten Lehrjahr eine gute Abwechslung zum Berufsalltag. In den Fächern wurden zwischen 4-6 Arbeiten im Jahr schrieben.

Ab dem 2. Lehrjahr hatten wir nur noch ein mal die Woche Berufsschule. Dafür 9 Stunden, da wir jetzt doch englisch hinzu bekamen. Super, dachten wir uns.

Insgesamt ist das Niveau nicht übermäßig hoch, so dass man als Gymnasiast eigentlich keine großen Probleme haben dürfte, aber auch als Realschüler es schaffen müsste, einigermaßen gute Noten zu erreichen.

Einziger Schwerpunkt könnte das Fach Rechnungswesen sein. Hierbei muss man von vornherein besonders aufpassen, da einem sonst der Zusammenhang fehlen würde. Dies kann dann rasend schnell dazu führen, dass man gar nichts mehr kapiert.


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Lernstudioblöcke:
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In dem Betrieb gab es sogenannte Lernstudioblöcke. Dieser Blockunterricht fand mit allen Auszubildenden der Bereiche Industriekaufmann und Kaufmann für Bürokommunikation statt. Insgesamt waren das knapp 10 Personen. Ein solcher Block fand mehrmals im Jahr statt und vollzog sich meist über 2, manchmal aber auch über 3 Wochen. In diesen Blöcken bekamen wir meist ein bestimmtes Thema, welches wir in Kleingruppen bearbeiten und anschließend vortragen mussten. Dabei galt es natürlich etwas über das Thema zu lernen, aber auch die Arbeit im Team, das freie Vortragen und den Einsatz moderner Medien zu üben bzw. zu verwenden. Themen waren z. B. Bürokommunikation, Personalwirtschaft, Computergrundlagen, Absatzwirtschaft usw.

Durch die Einführung solcher Lernstudioblöcke wurde die Ausbildung recht abwechslungsreich gestalltet. Dazu trugen auch die Einsätze in vielen unterschiedlichen Abteilungen bei.


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Die Abteilungen:
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Während der Ausbildung wird man in die unterschiedlichsten Abteilungen eingesetzt. Von anderen Industriekaufleuten kenne ich es, dass sie so ziemlich alle Abteilungen durchwandern. So kommt es vor, dass sie manchmal nur für einen Monat in einem bestimmten Bereich tätig sind. Dieses jedoch meist kleinere Betriebe. In dem Unternehmen in dem ich tätig bin, wurden wir immer für ca. 6 Monate in einer Abteilung eingesetzt. Der Hauptgrund für diese längere Zeit liegt vor allem darin, dass man so eine bessere Möglichkeit hat, um aktiv mitzuarbeiten. Ein kürzerer Zeitraum wäre deshalb nicht sinnvoll, da man dann gerade einmal richtig eingearbeitet ist, um schließlich schon wieder die Abteilung zu wechseln. Die 6 Monate werden natürlich durch oben genannte Blöcke, Berufsschule und Urlaub unterbrochen.

Meine erste Abteilung war ein Betriebsbüro. Es befand sich mitten im Werk. Die Stimmung war dort sehr locker und man hatte sehr viel Kontakt zu Mitarbeitern, da hier unter anderem die Aufgabe der Stammdatenpflege bestand, d. h. unter anderem auch die Urlaubsplanung. Des weiteren wurde Büromaterial bestellt, Inventur- bzw. Bestandsaufnahmen von Material im Werk gemacht usw.

Als zweites folgte dann der Einkauf in der Hauptverwaltung. Jener war das krasse Gegenteil zum Betriebsbüro. Jeder, aber auch wirklich jeder trug hier einen Anzug. Es war alles recht angespannt. Hinzu kam, dass ich einen Ausbilder hatte, der gerade auf die Rente zuging und es sich nicht leisten konnte, dass seine Image schlecht werden würde. So wollte er aus einem mit einer unangenehm strengen Art das Ziel durchsetzen, einen guten Auszubildenden zu erschaffen. Ich muss sagen, dass ich hier viel gelernt habe über die Funktionen des Einkaufs, aber Spaß gemacht hat es nicht. Man hatte eher ein ungutes Gefühl, wenn man tagtäglich hierher musste.

Der erfreulichste Teil war meine dritte Abteilung. Die sogenannte Lerninsel war ein Versuchsobjekt. Man hatte hier zwar eine Ausbilderin, die Tatkräftig zur Seite stand, aber das Büro wurde alleine und völlig selbstständig von drei Auszubildenden geführt, die ihre Nachfolger auch selbst eingearbeitet haben. Die Stimmung und Atmosphäre war erstklassig. Ich war mittlerweile der Einzige Auszubildende für den Lerninselbereich, da ein anderer Azubi andersartige Arbeiten zu verrichten hatte und ein Azubi noch hier saß, obwohl er ausgelernt hatte. An manchen Tagen hatte ich sehr viel zu tun, aber das eigenständige Arbeiten und Einteilen der Zeiten hat meiner Meinung nach sehr viel gebracht und mir sehr viel Freude bereitet. Da die anderen beiden in etwa im gleichen Alter wie ich waren, hatten wir auch viel Spaß. Zu meinen Aufgaben zählten Verwaltung von Büromaterial, Bearbeitung Bewerbungsunterlagen, administrative Tätigkeiten usw.

Meine vierte Abteilung, in der ich mich jetzt im Moment noch befinde ist der Verkauf. Meine Befürchtungen gingen schon soweit, dass es dem Einkauf extrem gleichen würde. Zum Glück war dies nicht der Fall! Zwar trug auch jeder einen Anzug, aber die Leute waren deutlich entspannter und man konnte sich auch gut mit ihnen unterhalten. Ich durfte hier unter anderem auch selbstständig die Hauptaufgaben erledigen, wie z. B. das Eingeben von Aufträgen. Auch in dieser Abteilung hatte ich sehr viel Spaß.

Als nächstes folgen dann bei mir die Geschäftsbuchhaltung und die Verkaufsabrechnung, bis ich dann im Mai 2003 meine Abschlussprüfung bestreiten werde.

Zuvor habe ich ja bereits im März 2002 meine Zwischenprüfung erfolgreich absolviert.


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Die Zwischenprüfung
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An der Zwischenprüfung musste man teilnehmen. Das Ergebnis zählt nicht. Es besteht nur eine Teilnahmepflicht, um zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden. Diese Regelung gilt allerdings nur noch für den aktuellen Jahrgang. Die Azubis, die nächstes Jahr Zwischenprüfung haben, müssen gute Leistungen vorweisen, das mit in die Hauptnote einfließt (ich glaube zu 1/3, bin mir diesbezüglich aber nicht ganz sicher).

Die Zwischenprüfung besteht aus durchschnittlich 60 programmierten Fragen (Fragen bei denen 5 Antworten vorgegeben sind und die richtige angekreuzt werden muss), zum Teil auch Rechenaufgaben. Man hat hierzu 90 Minuten Zeit. Die Prüfung findet in der Berufsschule statt. Die Themen ergeben sich aus einem Großteil der Themen aus dem berufsspezifischen Unterricht.


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Fazit:
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Die Ausbildung als Industriekaufmann ist sicherlich interessant. Allerdings ist sie auch nicht jedermanns Sache. Wer nicht gerne einen Computer bedient, sollte sich gleich nach einem anderen Beruf umschauen. Ebenso diejenigen, die Büroarbeit verabscheuen. Der Einsatzbereich von Industriekaufleuten ist relativ groß. Er kann nach abgeschlossener Prüfung nahezu überall eingesetzt werden.

Die Fortbildungsmöglichkeiten sind auch nicht zu verachten. Lehramt (Berufsschullehrer) oder Betriebswirt sind nur einige Alternativen.

Mir jedenfalls macht die Ausbildung im Großen und Ganzen Spaß. Ich hoffe, dass ich einigen wenigstens einen kleinen Einblick geben konnte. Man hätte zu diesem Thema sicherlich noch ewig weiterschreiben können.


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Fragen & Antworten
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Hier einmal noch ein paar Fragen und Antworten in der Kurzform zur besseren Übersicht:

1. Wie lange dauert die Ausbildung im allgemeinen?
- 3 Jahre

2. Kann man die Ausbildung verkürzen?
- Ja, es besteht im allgemeinen die Ausbildung auf 2 1/2 Jahre zu verkürzen, jedoch kommt es hierbei auf den Notendurchschnitt in der Berufsschule an und auf den jeweiligen Betrieb.

3. Wieviel Urlaub steht einem Auszubildenden zu?
- Auch hierbei bestehen verschieden Möglichkeit, aber man kann glaube ich sagen, dass man durchschnittlich 30 Tage im Jahr hat (nur eine Schätzung aus dem Bekanntenkreis).

4. Wieviel Euro beträgt die Auszubildendenvergütung?
- Es gibt auch hier keine festen zahlen, da die (Tarif-)Verträge varieren. Bei mir waren es zunächst netto ca. 350 Euro, die dann jährlich um ca. 25 Euro aufgestockt wurden.

5. Wie sieht der einzelne Ablauf eines Azubis aus in Bezug auf die Berufsschule?
- Ein Azubi hat im ersten Lehrjahr 1 1/2 Berufsschultage, ab dem 2. Lehrjahr 1 Berufsschultag.

6. Gibt es wichtige Informationen in Bezug auf die Zwischenprüfung?
- Ab dem Frühjahr 2003 geht die Zwischenprüfung mit in die Gesamtnote ein. Zuvor bestand nur eine Teilnahmepflicht an der Prüfung.


Ich hoffe, ich konnte einigen von Euch weiterhelfen. Viel Spaß weiterhin beim Lesen und beim Schreiben, Euer Backe.

16 Bewertungen, 1 Kommentar

  • campimo

    09.03.2007, 10:02 Uhr von campimo
    Bewertung: sehr hilfreich

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