Insel Rügen Testbericht

Insel-ruegen
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Erfahrungsbericht von Diescher

Rund Rügen - Von Langeweile zu Riesenspaß

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

In der ersten Augustwoche diesen Jahres waren wir Segeln, an der Ostsee, genauer rund um Rügen. Das heißt, es sollte rund Rügen gehen, doch warum das nicht geklappt hat, erfahrt ihr unten.

Ausgangsort war Greifswald. Neben Flensburg und Heiligenhafen ist Greifswald einer der zentralen Anlaufpunkte an der deutschen Ostseeküste, um ein Boot zu chartern.


// Die Anreise //

Da in Deutschland immer noch Ferien waren und die Ostseeküste ein beliebtes Reiseziel ist, haben wir uns frühzeitig auf die Socken gemacht. Mit 2 bis zum Rand gefüllten Autos (6 Personen, der Rest Klamotten und Verpflegung für die ersten Tage). Laut Vertrag konnten wir das Boot am Samstagmorgen ab 9 Uhr in der Frühe übernehmen. Wir waren gegen 21 Uhr in Erfurt losgefahren und sind gegen 4 Uhr morgens in Greifswald angekommen. So konnten wir noch ein paar Stunden im Auto verbringen. Ich schreibe bewußt „verbringen“, denn schlafen konnten wir nicht.

Die von uns gewählte Route war nicht die beste, leider. Jeder hatte einen anderen Reisevorschlag aus dem Internet gezogen. Unsere Wahl fiel letztlich auf den südlichen und östlichen Berliner Ring bis zum Dreieck Schwanebeck, dann die A 11 bis Prenzlau, die A bis Pasewalk und das letzte Stück Lanstraße auf der B 109. Das größte Stück der A 11 war EINSPURIG und noch dazu war die Geschwindigkeit begrenzt auf 60 bis 80 km/h. Zeitlich hat es uns nichts ausgemacht, davon hatten wir genug, aber die Autobahn stammte noch aus tiefsten Friedenszeiten. Wer jemals auf einer DDR-Autobahn gefahren ist, kann sich ungefähr vorstellen, was ich meine.

Auf der Rückfahrt wählten wir die Strecke über Neubrandenburg (B 96) und den westlichen Berliner Ring. Da von Greifswald bis zum Berliner Ring Landstraße das Straßenbild dominierte, kamen wir auch nicht viel schneller voran.

Bis die Ostseeautobahn endlich fertig gestellt ist, wird man entweder riesige Umwege (über die A 24 und A 19) oder längere Fahrzeiten auf Landstraßen in Kauf nehmen müssen.

Die Anfahrt zum Hafen in Greifswald ist in der ganzen Stadt ausgeschildert. Einmal am Hafengelände angelangt, muss man nur grünen Schildern folgen, die die Hanse-Werft ausschlidert. Sobald man von der Hauptverkehrsstraße abbiegt, befindet man sich auf dem Hafengelände. Das bedeutet, dass ab hier fürs Parken Gebühren erhoben werden. Diese kann man entrichten, wenn man das Boot in Empfang nimmt. Es stehen eine Halle für maximal 15 PkW und ein normaler Parkplatz zur Verfügung. Die Kosten für eine Woche Parken auf dem Freigelände liegen bei 15 EUR.


// Unser Boot //

Unser Skipper hatte eine Hanse 341 gechartet. Die Genesis, der gleiche Schriftzug wie die gleichnamige Musikgruppe. Die war so gut wie niegelnagelneu. Der Stapellauf war unseres Wissens erst im März. Entsprechend gut sah alles aus. 10,35 Länge, 19 PS Motor, 3 Kabinen, 1,75 m Tiefgang, 34,2 m2 Großsegel und 27,3 m2 Selbstwendefock.

Rumpf und Deck sind in weiß gehalten, mit blauen Zierstreifen. Auf unserem Rundgang durch den Hafen haben wir Hanseyachten mit blauem Rumpf und Teakdeck gesehen. Die sahen noch um einiges edler aus, dürften aber auch den Geldbeutel stärker belasten. Unser Bötchen hatte nur auf den Sitzflächen Teakholz, alles andere war aus Plastik und in weiß.

Uns wurde mehrfach versichert, dass das Schiff nicht kentern kann, weil es in der Sandvichbauweise, mit einem Gusseisenkiel und ansonsten aus Fieberglas gebaut wurde. Nachdem wir mehrere Schieflagen überstanden haben, hab ich meine Scheu überwunden und daran geglaubt. Glaube kann ja manchmal auch Berge versetzen.

Auch die Innenausstattung ist recht ansprechend. Der knappe Platz wurde sehr effektiv verbaut. Wichtig ist auch, dass auch die Größten der Crew mit 1,92 m Länge im Salon stehen konnten. Salon klingt so nobel, ist aber einfach nur der Allzweck-Raum.

Die Kajüte vorn, sprich im Bug, war am größten, im Achterdeck (Heck = Hinten) waren zwei gleichgroße. Mehr als schlafen konnte man darin allerdings nicht. Nach ein paar Tagen hab ich mich auf ein richtiges Bett gefreut... Auf 3 Koffer sollte man verzichten. Gerade wir Frauen haben die Angewohnheit, mehr als nötig in en Urlaub mitzunehmen. Beim Segeln sollte man sich wirklich auf das Wesentliche beschränken.

Wer sich ein genaueres Bild von diesem Schiffchen machen möchte, kann bei www.hanseyacht.de vorbeischauen (Achtung, die Seite ist optimiert für den Microsoft Internet Explorer) oder bei www.lueder-meyer.de

Eine Woche kostete übrigens um die 1600 EUR. Geteilt durch 6 ist das erschwinglich.


// Segeln an sich //

ist einfach, wenn man einmal den Dreh raushat. Ich muss aber dazu sagen, dass ich das erste Mal gesegelt bin und der Kelch mit schwierigen Anlege- oder Auslaufmanövern an mir vorbeigegangen ist. Die dürften wohl doch nicht so einfach sein.

Unsere alten Hasen an Bord waren jedoch begeistert von der Einfachheit, mit der sich das Boot segeln läßt. Vor allem durch die Selbstwendefock. Man muss hier nur noch das Ruder umlegen braucht also nicht an Schoten (sprich „Seile mit bestimmter Funktion“) ziehen und schon ist die Wende vollzogen.

Zu Anfang mussten wir neuen natürlich erstmal alle wichtigen Begriffe lernen. So zum Beispiel, dass
Steuerbord „rechts“ ist,
backbord = links,
fieren = Seil geben,
Seil dicht bzw. ran holen = am Schot ziehen, was das Zeug hält,
Tampen sind Seile, denen keine bestimmte Funktion vorgeben ist, die man aber zum Beispiel zum Festmachen braucht,
und die ganzen Begriffe, die mit dem Wind zusammenhängen: anluven, abfallen, hart am Wind, raumer Wind und einige mehr.

Eine weitere Lektion waren die Knoten. Ich kann nach meinem ersten Törn wahrlich nicht alle. Aber damit ich sie nicht wieder vergesse, hab ich mir in Sassnitz zwei Postkarten gekauft, auf denen die wichtigsten aufgeführt sind. Immerhin kann ich schon die mit den tollen Namen (die man sich auch alle erst merken und dann noch richtig zuordnen muss). Mit einem Palstek macht man zum Beispiel eine Schlaufe (ein „Auge“), um mit einem Seil, Entschuldigung, TAMPEN, eine Klampe belegen zu können, bzw. um eine Schlaufe zu bekommen, die sich nicht von selbst zuzieht. Klampen sind die Holz- oder Metallteile, die sich auf dem Boot und an Land befinden und an denen das Boot befestigt werden kann.
Mit einem Webelein werden die Fender an der Reeling befestigt. Wenn man den auch noch auf Slip legt, kann man ihn viel leichter wieder lösen.

Das alles sind für euch böhmische Dörfer? Waren es für mich in den ersten Tagen auch. Um nicht noch mehr Verwirrung zu stiften, hör ich an dieser Stelle mal auf.

Die ersten Tage empfand ich eher als langweilig. Doch ich kann euch versichern, dass man eine Menge Spaß hat, sobald man begriffen hat, wie was funktioniert und was in welcher Situation zu tun ist. Ich bin zum Beispiel sehr stolz auf mich, dass ich das Großsegel auf Anhieb ganz allein richtig gehisst habe. Ich gebe zu, ich hab an den Tagen vorher bei den anderen zugesehen. Doch wenn man selbst mitmachen kann und sich nicht nur auf dem Deck ausruht, ist es ein wunderbares Erlebnis.


// Unsere Route //

Rügen ist sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene Segler ein Tummelplatz. Erlernen läßt sich der Sport in zahlreichen Segelschulen, die in fast jedem Hafen zu finden sind. Die Windverhältnisse sind recht gut. Wir waren, wie gesagt, in der ersten Augustwoche dort und hatten durchschnittliche Winde von 3 bis 4. Mal mehr, mal weniger. Während der 7 Tage haben wir es gerade mal auf 5 Motorstunden gebracht. Die Liegegebühren bewegen sich um die 15 EUR, hinzu kommen die Kosten fürs Duschen.

Vorgeschlagen wurde vom Vercharterer eine Route Rund Usedom und eine Rund Rügen. Wir entschlossen uns einstimmig für Rügen. Laut Tip sollte es von Greifswald nach Lauterbach (ca. 15 sm), Sassnitz (ca. 25 sm), Vitte auf Hiddensee (ca. 31 sm), Stralsund (ca. 20 sm) und zurück nach Greifswald (ca. 15 sm) gehen, bzw. andersherum. Doch uns machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung.

Wir schafften es bis Sassnitz. Als dann Windstärken 7 bis 8 und Wellen in 1,50 Meter Höhe gemeldet wurden, beschloss unser Skipper, mit dem Wind im Rücken zurück zu segeln. Ich hätte mir gern die Kreidefelsen angesehen. Dafür ist Rügen eben berühmt. Dann mach ich das halt beim nächsten Mal.


°Rügen allgemein°
Rügen ist die größte Insel Deutschlands und durch den ca. 1 km langen Rügendamm bei Strahlsund mit dem Festland verbunden. Den Rügendamm muß man sich ähnlich wie den Hindenburgdamm bei Sylt vorstellen.
Sumpfige Moore, Steilküste und flache Badestrände wechseln sich ab. Die Insel besteht wiederum aus mehreren Halbinseln, die über den Großen und kleinen Jasmunder Bodden miteinander verbunden sind. Dadurch kann die Insel mehrere 100 km Küste bieten.


°Sehenswerte Ziel auf Rügen°
Ich beschreib euch die Punkte so, wie wir sie gesehen haben, werde auch etwas zu den Stationen schreiben, die wir zwar nicht besegelt haben, die ich aber aus meiner Kindheit kenne.

PUTBUS
mit einem riesigen Schloßpark und zahlreichen klassizistischen Gebäuden ist von dem kleinen Yachthafen in Lauterbach notfalls auch zu Fuß zu erreichen. Direkt neben dem Hafen befindet sich ürbigens die End- bzw. Ausgangsstation des Rasenden Rolands. Das ist nicht ein kleiner Junge namens Roland, der dem Kleinen Muck die Schuhe geklaut hat, sondern eine alte Dampflokomotive, deren Pfeifen und Schnaufen man auf der südöstlichen Insel hören kann. Die Eisenbahn verkehrt zwischen Lauterbach, Göhren, Binz, Sellin und Baabe.

Der Hafen Lauterbach ist recht klein. Aber ein freies Plätzchen haben wir auf Hin- und Rückfahrt immer gefunden. Der Weg zu den sanitären Anlagen ist je nach Liegeplatz (wie in allen Häfen) länger oder kürzer, aber nicht aus der Welt. Generell gilt, dass Segeln noch immer ein von Männern dominierter Sport ist. Das heißt, die Männer müssen zur Abwechselung mal mit Schlangen bei den Duschen rechnen und die Frauen finden immer eine freie Zelle.

MÖNCHGUT
ist ein beliebtes Badegebiet im Südosten der Insel. Bekannt sind vor allem die Orte SELLIN UND BAABE. Vom Wasser aus gesehen, kann man zahlreiche langgezogene Badestrände erkennen. In Sellin reicht eine riesige Treppe an der Steilküste herunter und geht über in eine ewiglange Seebrücke. In der Nähe gibt es außerdem eine Seehundbank zu sehen. Aus unserer Entfernung konnte man mit dem Fernglas leider nur ein paar dunkle Flecke erkennen. Ob das nun Steine bzw. Felsen waren oder Seehunde, werden wir wohl nie erfahren.

BINZ
ist der größte und attraktivste Badeort an der Küste Rügens. Viele Häuschen in der typischen Ostseebadarchitektur säumen die Straßen. Ganz in der Nähe liegt auf einem Berg das Jagdschloß Granitz, dass schon von weitem zu erkennen ist.

SASSNITZ
ist weltweit bekannt durch seine Fährverbindungen nach Skandinavien und ins Baltikum. Wenn man sich mit seinem kleinen Boot dem Hafen von Sassnitz nähert, kann man schon ein wenig eingeschüchtert werden von diesen Riesen.
Die Stadt an sich ist nicht sehr sehenswert. Sie eignet sich wohl eher als Ausgangspunkt für Wanderungen zu den Kreidefelsen.
Der Hafen ist bäh. Es gibt keinen abgeschlossenen Yachthafen, sondern man teilt sich das Fahrwasser mit Fischerbooten und Ausflugsdampfern. Da wir relativ spät ankamen, waren die Boxen schon alle belegt und wir mussten an die Mole ausweichen. Dort kann man das Boot nicht so gut verzurren und es schaukelt recht heftig, sobald ein Fischerboot vorbeirauscht (kaum einer hält sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung). Ein ganz großer Minuspunkt sind die Sanitäranlagen. Die befanden sich genau an der gegenüberliegenden Seite unseres Liegeplatzes. Okay, das hatten wir selbst verbockt. Wir mussten also pro Toilettengang bzw. zum Duschen hin und zurück 3 km laufen. Die Duschen waren völlig überteuert. Eine Duschmarke kostet 2 EUR. Die Sauberkeit ließ zu wünschen übrig und das Wasser war entweder sehr heiß oder kalt.

KREIDEFELSEN
haben wir leider nicht gesehen. Wir konnten sie lediglich erahnen, als wir in Sassnitz einliefen. Denn um die nächste Landspitze herum hätten sie begonnen. Wer kennt nicht die Werke eines Caspar David Friedrichs. Die so genannte Stubbenkammer ist DAS Wahrzeichen Rügens und von keiner Ansichtskarte wegzudenken.

Vorbei am KAP ARKONA, dem nördlichste Punkt der Insel peilt man als nächsten Hafen VITTE auf Hiddensee an. Diese kleine Insel liegt westlich Rügens und ist wie Helgoland für Autofahrer tabu. Hiddensee ist ein Traum und steht so gut wie ausschließlich unter Naturschutz. Entsprechend schöne Flora und Fauna ist hier zu finden.


°Stralsund°
Wer in Geografie aufgepasst hat, weiß, dass Stralsund auf dem Festland und nicht auf Rügen liegt.
Der Yachthafen an der Nordmole ist riesengroß und bietet Platz für 1000 Boote. Hierhin gelangt man aber aus Richtung Lauterbach oder Greifswald kommend nur, wenn man eine Brücke passiert. Diese öffnet täglich um 9:30 Uhr und 17:00 Uhr ihre Pforten. Wir waren relativ zeitig dort und mussten noch ein paar Stunden vor verschlossenen Türen warten. Unser Mast passte nunmal nicht untendurch. Mein Freund und ich sind auf die Brücke gegangen. Von dort hat man einen herrlichen Blick auf das Panorama der Stadt und die gesamte Hafenanlage.
Die Stadt selbst ist immer einen Besuch wert. Vor allem die Backsteinhäuser rund um den Alten Markt bieten so manche schöne Fotoperspektive.


°Greifswald°
Zum Schluß noch ein paar Worte zu Greifswald. Auch Greifswald liegt auf dem Festland. Aber als Ausgangspunkt unserer Reise ist es einige Worte wert. Sehenswert ist vor allem die Gegend um den Marktplatz.
Um an die Ostsee bzw. in den Greifswalder Bodden zu gelangen muss man ein kleines Stück auf dem Flüßchen Ryck bis nach Wieck tuckern. Die ganze Strecke ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Daher darf hier nicht schneller als 5 km/h und nur unter Motor gefahren werden. Wenn sich dann zu jeder vollen Stunde (außer um 13 Uhr) die Klappbrücke öffnet, können die Segel gehisst werden und das Vergnügen beginnen.


// Immer wieder gern //

Der Segelsport hat einen neuen Anhänger gefunden. Eigentlich war ein weiterer Törn für das Wochenende über den 3. Oktober geplant. Der wurde mangels Masse abgesagt. Zu zweit wird es leider zu teuer. Vielleicht ist ja unter euch Lesern jemand, der noch 2 Plätze frei hat. Wir sind pflegeleicht und wären gern dabei.


Segelnde Grüße
Diescher


PS: Gegen Übelkeit kann ich Ingwertabletten empfehlen. Eine halbe Stunde vor Abfahrt eingenommen, können sie Wunder bewirken. Außerdem sollte man sich lieber an Deck befinden und sich einen festen Punkt am Horizont suchen, auf den man sich konzentrieren kann. Sollte das nicht helfen, dann bitte über die Reeling hängen, die auf der dem Wind abgewandten Seite liegt.

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