Irland Testbericht



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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von Gaeltacht
Eire mó chroí (Irland, mein Herz)
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Ich weiss nicht wirklich, wann es passiert ist, wann mich diese kleine Insel am Rande von Europa in ihren Bann gezogen hat. War es am Beginn oder am Ende jener Abiturfahrt,die mich vor zehn Jahren zum ersten Mal auf die "Emerald Isle" brachte, oder vielleicht doch erst beim nächsten Urlaub knapp 18 Monate später, als ich mir das Land nochmal in Ruhe und ohne Hektik ansehen wollte.
Wahrscheinlich war es doch schon der Moment, als Gaeltacht als junger Abiturient den Bus zum ersten Besichtigungstermin in Irland verließ und sich sofort von der Umgebung gefangennehmen ließ. In einem engen, bewaldten Tal der Wicklow Mountains besichtigten wir Glendalough, eine der ältesten "Klosteruniversitäten" Europas und irgendwie verstand ich den heiligen Kevin, warum er ausgerechnet hier sein Kloster erbaut hatte. Direkt an einem wunderschönen See gelegen, weit ab von jeder menschlichen Behausung und bewaldete Berge ringsumher - ein Ort, an dem man die Ruhe spüren kann und zu sich selbst finden kann..
Zu sich selber finden - Zeit für sich selber nehmen ist etwas, das mir in Irland wesentlich leichter fällt als hier in good ole Germany. "Als Gott die Zeit gemacht hat, hat er genug davon gemacht" ist ein beliebtes Sprichwort der Iren. Termine sind wohlgemeinte Richtwerte, die aber ohnehin kaum einer einhält. Und so kann man sich viel leichter einmal dazu überwinden, sich mal für ein Stündchen auf eine Bank zu setzen und einfach seinen Gedanken nachzuhängen oder sich mit dem Banknachbarn am Wetter und an einem netten Plausch erfreuen. In der Regel fühlt man sich nach so einer kurzen "Entüllungspause" wieder viel ausgeglichener und ruhiger - vielleicht ein Grund, warum man dort viel weniger mürrische Menschen trifft, als in unseren Breiten. Wann habe ich mir in Deutschland zuletzt die Zeit genommen, einen Sonnenuntergang zu beobachten?
Die Menschen im Lande sind etwas besonderes. Nicht dass Irland ein Hort des Friedens und der ewigen Glückseligkeit wäre – dagegen spricht das, was jahrelang im Norden der Insel passierte. Aber eines schätze ich an diesem Volk sehr: Man könnte fast sagen, die Menschen tragen ihr Herz auf der Zunge. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass insgesamt zwar deutlich impulsiver und temperamentvoller dafür aber auch wesentlich ehrlicher und offener miteinander umgegangen wird, was das ganze Zusammenleben deutlich entspannt.
Als Fremder hat man in Irland ohnehin gewonnen; Grund dafür mögen die uralten Gebote der Gastfreundschaft sein, die es sogar verboten einen Feind bei Gefahr für Leib und Leben im Freien übernachten zu lassen. Auch war es selbst in schlimmster Not selbstverständlich, einem Besucher etwas anzubieten, der aber andererseits wieder, im Wissen um die Not ablehnte. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit eine recht liebenswerte Marotte, ja fast schon eine feste Konvention der Iren, die man vor allem bei älteren Leuten auch heute noch sehr leicht beobachten kann: Wer etwas anbieten will, wird zunächst einmal ein „No thanks, I’m fine!“ zu hören bekommen. Natürlich fragt man nach „Are you sure?“ und der Gegenüber wird antworten „No, no, I’m really fine!“ Der Trick liegt in der dritten Frage! „Are you really sure?“ „Oh well, why not have a cup of tea?“
Die Ruhe und Gelassenheit der Iren macht sich auch auf einem Gebiet bemekbar, in dem Deutschland wohl immer ein Entwicklungsland bleiben wird – Der Strassenverkehr! Ein überholmanöver führt hier nicht zu halsbrecherischen Beschleunigungsrennen, an Kreuzungen wird nicht prinzipiell auf seinem Recht beharrt und wer hier als Rüpel am Steuer auffällt, hat nicht selten einen eindeutig identifizierbaren Mietwagen unter dem Hintern.
Doch wie soll es auch anders sein – es sind nicht nur die Menschen, die den Zauber dieses Landes ausmachen. Die Geschichte, die sich in den zahlreichen Ruinen und Sehenswürdigkeiten widerspiegelt, ist uns zugleich fremd und vertraut. Was Irland nie erfahren hat, ist der Einfluß der römischen Eroberung; das Christentum verbreitete sich friedlich über die alten keltischen Königreiche und bis ins 12. Jahrhundert bestand das alte keltische Clansystem. Von dieser Zeit an bis 1921 war Irland jedoch nichts anderes als ein von England besetztes Land, unterdrückt und ausgebeutet. Die Folgen spürt man heute noch, wenn man die verbitterten Berichte über die „Famine Walls“ in Connemara hört, die zerstörten Klosteranlagen sieht, oder die Schauplätze des „Easter Rising“ besucht.
Was den meisten Menschen von Irland im Gedächtnis bleibt sind die vielfältigen Landschaften. Wildromantische Halbinseln im Südwesten, sanfte grüne Hügel im Landesinneren, Die Mondlandschaft des Burren, über die Oliver Cromwell einmal bemerkt haben soll: „Nicht genug Wasser um einen Iren zu ersäufen, nicht genug Bäume, um ihn aufzuknüpfen, und nicht genug Erde um ihn darin zu begraben!“. Einen besonderen Reiz strahlt Connemara aus, jene wilde Landschaft westlich von Galway mit den braunen Torfwiesen, den vielen tiefblauen Seen und den zerklüfteten Bergen. Kein Wunder, dass sich der heilige Patrick hierher zum Fasten zurückgezogen haben soll. Noch einsamer aber landschaftlich ähnlich ist es im Norden, im County Donegal. Hier gibt es keine Touristen, lediglich alle paar Kilometer mal ein Haus. Rund herum um die Insel wechseln sich einsame Strände und spektakuläre Klippen ab und laden dazu ein, verträumt aufs Meer hinaus zu starren, den Wellen zu lauschen oder einfach die umliegende Landschaft einzuatmen und zu geniessen.
Neun Monate habe ich in Galway an der Westküste gelebt, bin mit Iren in die Kneipe gegangen, habe mit Iren studiert und ich bin mir in all der Zeit neimals als Fremdkörper vorgekommen. Ja selbst, als ich ein Wochenende in der Gaeltacht, jenen rein irischsprachigen Regionen des Landes, verbrachte und mich nur radebrechend verständigen konnte, schlug mir nur Freundlichkeit entgegen, schließlich zeigte ich Interesse an der alten Sprache der Einheimischen. Man stelle sich hier nur einmal vor, welch misstrauische Gesichtsausdrücke ein Italiener ernten würde, der an der Nordeeküste versuchen wollte, sich auf Plattdütsch zu verständigen!
Ich war selten so niedergeschlagen, wie am Tag meiner Abreise aus Galway. Auch die Tatsache, dass mich sehr liebe Freunde mit dem Auto abholten, wollte mich so überhaupt nicht aufheitern. Noch einmal durchquerten wir das Land von Ost nach West, vorbei an den historischen Stätten von Clonmacnoise, vorbei an Dublin und Glendalough in den Süden zum Fährhafen Rosslare.
Als wir dann auf der Fähre und wir langsam den Hafen verließen war es um meine Fassung endgültig geschehen: Ich ließ die grüne Insel langsam im Abendnebel hinter mir und – ich schäme mich nicht es zu sagen – während ich der verschwindenden Küste nachblickte wurde die Irische See um den einen oder anderen Tropfen Salzwasser reicher.
Slan leat, Eire mo chroi!
Wahrscheinlich war es doch schon der Moment, als Gaeltacht als junger Abiturient den Bus zum ersten Besichtigungstermin in Irland verließ und sich sofort von der Umgebung gefangennehmen ließ. In einem engen, bewaldten Tal der Wicklow Mountains besichtigten wir Glendalough, eine der ältesten "Klosteruniversitäten" Europas und irgendwie verstand ich den heiligen Kevin, warum er ausgerechnet hier sein Kloster erbaut hatte. Direkt an einem wunderschönen See gelegen, weit ab von jeder menschlichen Behausung und bewaldete Berge ringsumher - ein Ort, an dem man die Ruhe spüren kann und zu sich selbst finden kann..
Zu sich selber finden - Zeit für sich selber nehmen ist etwas, das mir in Irland wesentlich leichter fällt als hier in good ole Germany. "Als Gott die Zeit gemacht hat, hat er genug davon gemacht" ist ein beliebtes Sprichwort der Iren. Termine sind wohlgemeinte Richtwerte, die aber ohnehin kaum einer einhält. Und so kann man sich viel leichter einmal dazu überwinden, sich mal für ein Stündchen auf eine Bank zu setzen und einfach seinen Gedanken nachzuhängen oder sich mit dem Banknachbarn am Wetter und an einem netten Plausch erfreuen. In der Regel fühlt man sich nach so einer kurzen "Entüllungspause" wieder viel ausgeglichener und ruhiger - vielleicht ein Grund, warum man dort viel weniger mürrische Menschen trifft, als in unseren Breiten. Wann habe ich mir in Deutschland zuletzt die Zeit genommen, einen Sonnenuntergang zu beobachten?
Die Menschen im Lande sind etwas besonderes. Nicht dass Irland ein Hort des Friedens und der ewigen Glückseligkeit wäre – dagegen spricht das, was jahrelang im Norden der Insel passierte. Aber eines schätze ich an diesem Volk sehr: Man könnte fast sagen, die Menschen tragen ihr Herz auf der Zunge. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass insgesamt zwar deutlich impulsiver und temperamentvoller dafür aber auch wesentlich ehrlicher und offener miteinander umgegangen wird, was das ganze Zusammenleben deutlich entspannt.
Als Fremder hat man in Irland ohnehin gewonnen; Grund dafür mögen die uralten Gebote der Gastfreundschaft sein, die es sogar verboten einen Feind bei Gefahr für Leib und Leben im Freien übernachten zu lassen. Auch war es selbst in schlimmster Not selbstverständlich, einem Besucher etwas anzubieten, der aber andererseits wieder, im Wissen um die Not ablehnte. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit eine recht liebenswerte Marotte, ja fast schon eine feste Konvention der Iren, die man vor allem bei älteren Leuten auch heute noch sehr leicht beobachten kann: Wer etwas anbieten will, wird zunächst einmal ein „No thanks, I’m fine!“ zu hören bekommen. Natürlich fragt man nach „Are you sure?“ und der Gegenüber wird antworten „No, no, I’m really fine!“ Der Trick liegt in der dritten Frage! „Are you really sure?“ „Oh well, why not have a cup of tea?“
Die Ruhe und Gelassenheit der Iren macht sich auch auf einem Gebiet bemekbar, in dem Deutschland wohl immer ein Entwicklungsland bleiben wird – Der Strassenverkehr! Ein überholmanöver führt hier nicht zu halsbrecherischen Beschleunigungsrennen, an Kreuzungen wird nicht prinzipiell auf seinem Recht beharrt und wer hier als Rüpel am Steuer auffällt, hat nicht selten einen eindeutig identifizierbaren Mietwagen unter dem Hintern.
Doch wie soll es auch anders sein – es sind nicht nur die Menschen, die den Zauber dieses Landes ausmachen. Die Geschichte, die sich in den zahlreichen Ruinen und Sehenswürdigkeiten widerspiegelt, ist uns zugleich fremd und vertraut. Was Irland nie erfahren hat, ist der Einfluß der römischen Eroberung; das Christentum verbreitete sich friedlich über die alten keltischen Königreiche und bis ins 12. Jahrhundert bestand das alte keltische Clansystem. Von dieser Zeit an bis 1921 war Irland jedoch nichts anderes als ein von England besetztes Land, unterdrückt und ausgebeutet. Die Folgen spürt man heute noch, wenn man die verbitterten Berichte über die „Famine Walls“ in Connemara hört, die zerstörten Klosteranlagen sieht, oder die Schauplätze des „Easter Rising“ besucht.
Was den meisten Menschen von Irland im Gedächtnis bleibt sind die vielfältigen Landschaften. Wildromantische Halbinseln im Südwesten, sanfte grüne Hügel im Landesinneren, Die Mondlandschaft des Burren, über die Oliver Cromwell einmal bemerkt haben soll: „Nicht genug Wasser um einen Iren zu ersäufen, nicht genug Bäume, um ihn aufzuknüpfen, und nicht genug Erde um ihn darin zu begraben!“. Einen besonderen Reiz strahlt Connemara aus, jene wilde Landschaft westlich von Galway mit den braunen Torfwiesen, den vielen tiefblauen Seen und den zerklüfteten Bergen. Kein Wunder, dass sich der heilige Patrick hierher zum Fasten zurückgezogen haben soll. Noch einsamer aber landschaftlich ähnlich ist es im Norden, im County Donegal. Hier gibt es keine Touristen, lediglich alle paar Kilometer mal ein Haus. Rund herum um die Insel wechseln sich einsame Strände und spektakuläre Klippen ab und laden dazu ein, verträumt aufs Meer hinaus zu starren, den Wellen zu lauschen oder einfach die umliegende Landschaft einzuatmen und zu geniessen.
Neun Monate habe ich in Galway an der Westküste gelebt, bin mit Iren in die Kneipe gegangen, habe mit Iren studiert und ich bin mir in all der Zeit neimals als Fremdkörper vorgekommen. Ja selbst, als ich ein Wochenende in der Gaeltacht, jenen rein irischsprachigen Regionen des Landes, verbrachte und mich nur radebrechend verständigen konnte, schlug mir nur Freundlichkeit entgegen, schließlich zeigte ich Interesse an der alten Sprache der Einheimischen. Man stelle sich hier nur einmal vor, welch misstrauische Gesichtsausdrücke ein Italiener ernten würde, der an der Nordeeküste versuchen wollte, sich auf Plattdütsch zu verständigen!
Ich war selten so niedergeschlagen, wie am Tag meiner Abreise aus Galway. Auch die Tatsache, dass mich sehr liebe Freunde mit dem Auto abholten, wollte mich so überhaupt nicht aufheitern. Noch einmal durchquerten wir das Land von Ost nach West, vorbei an den historischen Stätten von Clonmacnoise, vorbei an Dublin und Glendalough in den Süden zum Fährhafen Rosslare.
Als wir dann auf der Fähre und wir langsam den Hafen verließen war es um meine Fassung endgültig geschehen: Ich ließ die grüne Insel langsam im Abendnebel hinter mir und – ich schäme mich nicht es zu sagen – während ich der verschwindenden Küste nachblickte wurde die Irische See um den einen oder anderen Tropfen Salzwasser reicher.
Slan leat, Eire mo chroi!
14 Bewertungen, 4 Kommentare
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04.09.2002, 16:22 Uhr von diewicca
Bewertung: sehr hilfreichwirklich ausführlich und super schön beschrieben.
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27.02.2002, 02:35 Uhr von Anuminas
Bewertung: sehr hilfreichIs maith an scéalaí an aimsir. - Die Zeit erzählt die besten Geschichten.
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23.02.2002, 20:37 Uhr von Flansi
Bewertung: sehr hilfreichOoooh, schön beschrieben!!!! Ich bin schon kräftig am Sparen, damit ich dort wenigstens mal für einige Zeit dort Urlaub machen kann!!!! Sei ganz lieb gegrüßt von Franzi :)
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19.02.2002, 11:28 Uhr von Xalexa
Bewertung: sehr hilfreichNeid!. Ich will da auch mal hin !!!
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