Erfahrungsbericht von Herzwig
Jugendkriminalität
Pro:
Jugendkriminalität gab es schon immer!
Kontra:
Sie waren noch nie so skrupellos wie heute
Empfehlung:
Nein
Es ist doch wohl klar, niemand wird als Verbrecher geboren und jeder ist ein Produkt seiner Erziehung!
Ich arbeite viel mit Jugendlichen und Kindern, bin hauptberuflich als Jugendpfleger einer Stadt tätig. Streetwork gehört genauso zu meinen Aufgaben wie die Betreuung eines offenen Jugendzentrums. ( Das mal so vorweg )
In meiner Arbeit kristalisiert sich ganz klar heraus, dass die Jugendkriminalität nur unwesentlich gestiegen ist. Was jedoch unabstreitbar ist, ist die Schwere der Delikte, diese hat sich stark verändert in den letzten Jahren. Es gibt viele Versuche die Hintergründe zu analysieren, befriedigend geglückt jedoch ist es nicht. Oft wird Perspektivlosigkeit als Argument herangezogen, dieses halte ich für falsch. Vielmehr erlebe ich Kreativlosigkeit und Konsumverhalten als Auslöser für Gewalt und Kriminalität. Häufig stehen Jugendliche da und fordern Unterhaltung und Programm ein, weil sie es so gewohnt sind. Komunen und Vereine sind überfordert ständig neue und interessante Angebote zu machen, sie kongurieren sogar! Keine Gemeinde oder Stadt will sich nachsagen lassen nichts für die Jugend zu tun. Vereine und Verbände kämpfen mit Nachwuchssorgen und umwerben die Jugendlichen. Kaum ist noch Eigeninitiative nötig oder gefragt, alles ist schon da. Es braucht nur noch das Angebot genutzt, bzw konsumiert werden! So ist denn Jugendlichen in diesem Überangebot fast schon langweilig. Nervenkitzel gibt`s bei Straftaten mehr, als im Töpferkurs oder anderen Angeboten. Nicht umsonst boomen Sportarten und irrwitzige Rummelbahnen die sich am Rande des aushaltbaren bewegen. Nur wenige Jugendliche sind noch bereit sich voll und ganz einem Ideal zu widmen und dafür zu kämpfen, wobei auch ich beide Extreme als kritisch ansehe.
Ich erlebe bei vielen Jugendlichen zwei primäre Themen: Wo gibt`s die neuesten Klingeltöne für mein Handy und wer hat wem `ne SMS geschickt.
Klamotten und andere Konsumartikel beherrschen einen großen Teil der täglichen sozialen Komunikation.
Viele Eltern transponieren ihre Erziehungsprobleme auf Lehrer und Jugendarbeiter. ( Wie sagte neulich ein hoher Beamter der Stadt zu mir: Meine Tochter geht auch in`s Jugendzentrum, die ist zu Hause so frech und vorlaut, der sollten sie mal richtig den Marsch blasen!)
Wenn Eltern, mit einem Betreuungsschlüssel 2 zu 1 ( Zwei Eltern erziehen ein Kind) mit ihren Kindern nicht klar kommen, wie sollte ich das schaffen bei einem Betreuungsschlüssel von 1 zu 120 ????? ( Oder Lehrer 1 zu 25 ??)
So traurig es ist, ich stelle fest, dass Jugendliche feste, klare Strukturen und Regeln sowie Massregeln benötigen und die können ihnen Eltern sehr wohl mit auf den Weg geben, auch wenn das sehr autokratisch anmutet. Nur so können wir der Lage etwas Entspannung verschaffen. Wenn es so weitergeht werden bald die Kinder- und Jugendpsychatrien dem Ansturm der verhaltenauffälligen Kindern nicht mehr gewachsen sein.
Auch niederschwellige Angebote für Straßenkinder, wie z.b. Übernachtungsprojekte, sehe ich mitlerweile etwas kritischer. Einige der obdachlosen Kids fühlen sich regelrecht wohl auf der Straße, weil ein Leidensdruck nicht so recht aufkommen will. Ein 14 jähriges Mädchen sagte mir vor kurzem in Hannover:\" Warum sollte ich zurück in`s Heim gehen?Da muß ich nur jeden Tag in die Penne und hab Stress! Mir geht`s astrein! Beim Roten Kreuz kriege ich Mittagessen und bei bed by night Frühstück, Kaffee und Kuchen und alle zwei Tage kann ich Klamotten zum Waschen geben. Auf der Strasse schnorre ich täglich so an die 20.-€ für Zigarretten und Dope. Wir sind hier eine Familie, wenn einer mal nix hat, gibt der andere was ab. So möcht ich alt werden!\"
Da kommt man in`s grübeln!!!
Herzwig
Ich arbeite viel mit Jugendlichen und Kindern, bin hauptberuflich als Jugendpfleger einer Stadt tätig. Streetwork gehört genauso zu meinen Aufgaben wie die Betreuung eines offenen Jugendzentrums. ( Das mal so vorweg )
In meiner Arbeit kristalisiert sich ganz klar heraus, dass die Jugendkriminalität nur unwesentlich gestiegen ist. Was jedoch unabstreitbar ist, ist die Schwere der Delikte, diese hat sich stark verändert in den letzten Jahren. Es gibt viele Versuche die Hintergründe zu analysieren, befriedigend geglückt jedoch ist es nicht. Oft wird Perspektivlosigkeit als Argument herangezogen, dieses halte ich für falsch. Vielmehr erlebe ich Kreativlosigkeit und Konsumverhalten als Auslöser für Gewalt und Kriminalität. Häufig stehen Jugendliche da und fordern Unterhaltung und Programm ein, weil sie es so gewohnt sind. Komunen und Vereine sind überfordert ständig neue und interessante Angebote zu machen, sie kongurieren sogar! Keine Gemeinde oder Stadt will sich nachsagen lassen nichts für die Jugend zu tun. Vereine und Verbände kämpfen mit Nachwuchssorgen und umwerben die Jugendlichen. Kaum ist noch Eigeninitiative nötig oder gefragt, alles ist schon da. Es braucht nur noch das Angebot genutzt, bzw konsumiert werden! So ist denn Jugendlichen in diesem Überangebot fast schon langweilig. Nervenkitzel gibt`s bei Straftaten mehr, als im Töpferkurs oder anderen Angeboten. Nicht umsonst boomen Sportarten und irrwitzige Rummelbahnen die sich am Rande des aushaltbaren bewegen. Nur wenige Jugendliche sind noch bereit sich voll und ganz einem Ideal zu widmen und dafür zu kämpfen, wobei auch ich beide Extreme als kritisch ansehe.
Ich erlebe bei vielen Jugendlichen zwei primäre Themen: Wo gibt`s die neuesten Klingeltöne für mein Handy und wer hat wem `ne SMS geschickt.
Klamotten und andere Konsumartikel beherrschen einen großen Teil der täglichen sozialen Komunikation.
Viele Eltern transponieren ihre Erziehungsprobleme auf Lehrer und Jugendarbeiter. ( Wie sagte neulich ein hoher Beamter der Stadt zu mir: Meine Tochter geht auch in`s Jugendzentrum, die ist zu Hause so frech und vorlaut, der sollten sie mal richtig den Marsch blasen!)
Wenn Eltern, mit einem Betreuungsschlüssel 2 zu 1 ( Zwei Eltern erziehen ein Kind) mit ihren Kindern nicht klar kommen, wie sollte ich das schaffen bei einem Betreuungsschlüssel von 1 zu 120 ????? ( Oder Lehrer 1 zu 25 ??)
So traurig es ist, ich stelle fest, dass Jugendliche feste, klare Strukturen und Regeln sowie Massregeln benötigen und die können ihnen Eltern sehr wohl mit auf den Weg geben, auch wenn das sehr autokratisch anmutet. Nur so können wir der Lage etwas Entspannung verschaffen. Wenn es so weitergeht werden bald die Kinder- und Jugendpsychatrien dem Ansturm der verhaltenauffälligen Kindern nicht mehr gewachsen sein.
Auch niederschwellige Angebote für Straßenkinder, wie z.b. Übernachtungsprojekte, sehe ich mitlerweile etwas kritischer. Einige der obdachlosen Kids fühlen sich regelrecht wohl auf der Straße, weil ein Leidensdruck nicht so recht aufkommen will. Ein 14 jähriges Mädchen sagte mir vor kurzem in Hannover:\" Warum sollte ich zurück in`s Heim gehen?Da muß ich nur jeden Tag in die Penne und hab Stress! Mir geht`s astrein! Beim Roten Kreuz kriege ich Mittagessen und bei bed by night Frühstück, Kaffee und Kuchen und alle zwei Tage kann ich Klamotten zum Waschen geben. Auf der Strasse schnorre ich täglich so an die 20.-€ für Zigarretten und Dope. Wir sind hier eine Familie, wenn einer mal nix hat, gibt der andere was ab. So möcht ich alt werden!\"
Da kommt man in`s grübeln!!!
Herzwig
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