Krankenpfleger/Krankenschwester Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Einstellungschancen:  gut
  • Aufstiegschancen:  gut
  • Verdienstmöglichkeiten:  gut
  • Sozialleistungen:  gut

Erfahrungsbericht von AdelheidvonSchaf

Der nicht so alltäggliche Alltag einer Krankenschwester

  • Einstellungschancen:  gut
  • Aufstiegschancen:  durchschnittlich
  • Verdienstmöglichkeiten:  durchschnittlich
  • Sozialleistungen:  durchschnittlich

Pro:

nicht nur der *typische* Krankenschwesternberuf, macht meistens Spaß

Kontra:

stressig, Überstunden, Unterbezahlung, Schichtdienst, Wochenenddienst...

Empfehlung:

Ja

Stellt Euch einmal vor, Ihr habt einen schlimmen Unfall. Erleidet einen Herzinfarkt oder habt irgendein schweres chronisches Leiden.
Erschreckender Gedanke, nicht wahr?

Leider gibt es aber Menschen, die in genau diese Situationen geraten. Von einer Minute auf die andere.

Einige dieser Leute trifft es dann besonders hart: sie müssen reanimiert werden, d.h. sie sind eigentlich schon tot, weil aufgrund einer Sauerstoffunterversorgung des Herzens oder des Gehirns keine Aufrechterhaltung des Lebens mehr möglich ist.Durch eine Reanimation wird dann vom Notarzt versucht, das Herz wieder zum schlagen zu bringen, entweder durch eine Herzdruckmassage kombiniert mit der Beatmung des Patienten. Im schlimmsten Falle mit Elekroschock-Behandlung.

Gelingt diese Reanimation, fallen wiederum ein Großteil dieser Patienten in das s.g. Wachkoma, medizinisch auch appalisches Syndrom genannt.

Am Besten für einen Laien läßt sich dieser Zustand als eine Art Dämmerungzustand bezeichnen. Die Patienten bekommen alles mit, was um sie herum passiert, sie können sich aber nicht äußern.
Für die Angehörigen ist das sehr schwer zu verstehen: die Patienten starren in eine Ecke, sie suchen keinen Augenkontakt, die primitivsten Funktionen, wie z. B. das Schlucken sind verloren gegangen. Sie liegen in ihrem Bett oder wünschenswerter Weise sitzen in ihrem Rollstuhl, haben Kontrakturen(Fehlstellungen der Gelenke, die aufgrund der Schädigung von Teilen des Gehirns entsteht und die oft durch nicht sachgemäße Lagerung der Gelenke und zu wenig Therpaie leider auch noch verschlimmert wird), der Speichel läuft ihnen aus dem Mund, ohne das sie was dagegen tun können.
Für die Angehörigen oder auch den Laien sieht es so aus, als würde der Patient absolut nichts mitbekommen, was in seiner Umwelt passiert.
Das stimmt aber definitiv nicht.

Genau mit solchen Patienten arbeite ich.
Ich bin Krankenschwester, damals nach der Ausbildung...das war 1999 wollte ich unbedingt etwas machen, was schon ein bißchen außergewöhnlich ist.
Und nachdem ich dann von dieser Institution hier im Saarland gehört hatte, in dem eben solche Menschen mit Zustand nach Schädel-Hirn-Trauma(Verletzungen des Gehirns aufgrund von Unfällen oder Gewalteinwirkung)oder Herzinfarkt oder sonstigen Erkrankungen behandelt werden, die ins Wachkoma gefallen sind, habe ich mich dort beworben und konnte auch anfangen, dort zu arbeiten.

Wie sieht nun ein Tagesablauf hier aus, was hat eine Krankenschwester zu tun?
Vorweg muß ich noch schicken, dass wir bei uns auf der Station absolute Intensivmedizin betreiben, da wir auch Patienten haben, die beatmet werden müssen, des weiteren Patienten, deren Vitalfunktionen erheblich bis gefährlich eingeschränkt sind. Die also an der Schwelle von Leben und Tod stehen.

Morgens um 6:00 beginnt der Dienst für die Frühschicht. Erstmal werden Medikamente gegeben, die Vitalzeichen, daß heißt Puls, Blutdruck, die Sauerstoffsättigung(das ist die Sättigung des Blutes mit Sauerstoff) und die Temperatur werden gemessen. Bei einigen Patienten kommen noch spezielle Überwachungen hinzu, wie die Messung des zentralen Venendrucks (ein spezieller Parameter, der bei Patienten im kritischen Zustand sehr wichtig ist, er gibt den Blutdruck praktisch im rechten Herzvorhof an)
Dann werden die Patienten gewaschen. Wir führen Bereichspflege durch, dass heißt, jede Schwester/jeder Pfleger ist für bestimmte Patienten zuständige, macht alles an ihnen.
Was aber natürlich nicht bedeutet, dass wir uns nicht gegenseitig helfen, klar.

Weiter geht es mit der Verabreichung von Nahrung. Wenige Patienten sind in ihrer Therapie so weit fortgeschritten, dass sie wieder schlucken können, diese werden gefüttert, entweder mit breiiger Kost oder schon mit etwas festerer Nahrung, je nachdem, wie gut sie schlucken können.
Die meisten aber haben einen Schlauch im Magen und werden mit flüssiger Sondenkost ernährt.
Diese ist auf die jeweiligen Patienten abgestimmt: Diabetiker müssen natürlich eine ganz andere Ernährung erhalten als Nicht-Diabetiker usw.

Im Laufe des Morgens finden dann die Therpien statt. In unserem Haus haben wir Ergotherapie, Krankengymnastik und Logopädie. Dazu müssen die Patienten, bei denen es möglich ist, im Rollstuhl mobilisiert werden.
Die Therapeuten fahren dann mit ihnen in den Therapieraum, oder sie gehen mit ihnen draußen spazieren.
Es gibt natürlich auch Patienten, bei denen dass nicht möglich ist, hier findet die Therapie im Bett statt.
Aber grundsätzlich wird bei uns jeder mobilisiert, bei dem es irgendwie möglich ist.

Wer nun aber glaubt, dass jetzt die ruhigere Zeit bei den Schwestern/Pflegern eintritt, der irrt sich. Es sind Beatmungsparameter abzulesen, Beatmungen zu überwachen, viele Patienten müssen mehrfach in der Schicht gewaschen werden, es kommt häufig zu Notfällen, in denen dann schnell und adäquat reagiert werden muss.
Infusionen müssen gerichtet werden, es muß die Bestellung für Medikamente, Verbandstoffe oder ähnliches gemacht werden.
Verbände müssen gewechselt werden, bettlägerige Patienten werden alle 2-3 Stunden gewendet, damit sie sich nicht wundliegen.

Mittags siehts ähnlich aus wie morgens, nur kommt dann noch die Angehörigenbetreuung hinzu. Das kann sehr stressig sein, denn viele Angehörige können nicht gut mit der neuen Situation umgehen. Es entstehen viele Ängste, viele Fragen müssen beantwortet werden.
Was bekommt mein Angehöriger überhaupt mit? Merkt er eigentlich,dass ich da bin? Wie lange wird der Zustand andauern? Wird er jemals wieder so werden wie er mal war?
Das sind nur einige von vielen Fragen, die immer wieder gestellt werden.

Alles in allem ist meine Arbeit sehr interessant und macht auch Spaß. Aber sie ist anstrengend. Die Patienten können sich zum größten Teil nicht bewegen und können folglich auch übehaupt nicht mithelfen.
Die Erfolge stellen sich nur sehr, sehr langsam ein, auf einen Fortschritt folgen oft 2 Rückfälle. Das ist manchmal schon etwas frustrierend.
Die Fluktuation der Patienten ist bei uns im Vergleich zu einem normalen Krankenhaus sehr gering. Wir haben oft monatelange die gleichen Patienten, manchmal auch jahrelang.
Da baut man natürlich auch ein ganz anderes Verhältnis zum Patienten auf, als in einer \'normalen\' Klinik.

Wenn aber wieder einmal ein Patient aus dem Wachkoma aufwacht, was doch recht selten ist und sehr lange dauert, ist das auch für uns
Schwestern und Pfleger ein Zeichen, dass wir gute Arbeit leisten und es bestätigt unsere Mühen.

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