Krebs Testbericht

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Erfahrungsbericht von erdlicht

Sie bekam nicht den Hauch einer Chance, gegen diese Dreckskrankheit zu kämpfen

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Seit letzten Juli fingen bei meiner Mutter die gesundheitlichen Probleme an. Sie konnte nur noch unter Schmerzen gehen, sitzen, liegen. Die rechte Hüfte schmerzte so stark, das meine Mutter zuletzt, ohne das auch nur die Ahnung einer Diagnose bestand, Morphiumtabletten bekam. Sie hatte starken Husten, der einfach nicht aufhören wollte.

Von Juli bis Oktober vergangenen Jahres ging sie mehrfach zu einer Internistin und zu einem Ortophäden. Die Internistin machte von der Lunge eine Röntgenaufnahme, wegn des Hustens. Darauf erkannte diese Fachärztin, das meine Mutter mal eine Lungenentzündung gehabt haben muss. Hatte meine Mutter aber nie gehabt.

Der Ortophäde renkte meiner Mutter den Nacken ein, statt sich mal die rechte Hüfte anzusehen. Die Schmerzen wurde immer stärker, der Ortophäde schickte sie mti einem Rezept für ein stärkeres Schmerzmittel nach Hause, er könne sie so ja gar nicht behandeln. Im September brach ihr ein Masseur bei der Massage eine Rippe, nicht mal da wurde der Ortophäde aufmerksam.

Im Oktober bestanden wir darauf, das meine Mutter in die Röhre geht. Mitte November war dann auch der Termin dafür. Da meine Mutter nur noch erschwert und mit Krücken laufen konnte, holte ich einen Tag später den Bericht ab und brachte diesen zu unserem gemeinsamen Hausarzt. Da ich schon vor der Praxiszeit da stand, der Umschlag mit dem Bericht offen war, ich wissen wollte, was meiner Mutter fehlte - ich holte ihn raus, ich las nur noch Worte wie Tumor, Metastasierung, hier, da dort. Ich hab es fünf mal gelesen, aber begriffen habe ich es nicht.

Unser Hausarzt und seine Frau lasen den Bericht, und wurden kreidebleich. Der Doc pfiff mich ins Sprechzimmer, sagte, bitte, sagen sie ihrer Mutter nichts, er wollte erst mal Termine für sie machen. War das ein mieses Gefühl, ein ganzes Wochenende sollte ich nichts sagen, zumindest informierte ich meine Geschwister.

Am 2 Dezember letzten Jahres kam die niederschmeternde Diagnose des Onkologen - kleinzelliges Bronchialkarzinom, eine sehr aggressive Art von Lungenkrebs, die schon stark gestreut hat, nicht heilbar, Chemotherapie wäre nur palliativ, das heisst lebensverlängernd. Der Onkologe sagte uns und unserer Mutter, irgendwas wäre mit der rechten Hüfte nicht in Ordnung. Da am gleichen Tag im Krankenhaus die Strahlentherapie gemacht wurde, sollte da auch geröntgt werden. Das Ende vom Lied - die rechte Hüfte war komplett gebrochen, schon seit langer Zeit. Regelrecht zerfressen von den Knochenmetastasen.

Stationäre Aufnahme, große Hüft - OP, Chemo verschoben. Eine Chemo ist für den Körper schwer zu verarbeiten, wegen der Operation war meine Mutter schon körperlich angegriffen. Einen Tag nach der Hüftoperation sollte sie bereits aufstehen. Ging schlecht, aber ging. Einen weiteren Tag später sollte sie ein paar Schritte machen. Ging nicht. An zwei weiteren Tagen das gleiche Spiel, meine Mutter konnte nicht mal mehr stehen. Wieder CT, grosse Ärzteversammlung am Bett meiner Mutter, Ratlosigkeit machte sich breit bis die Bilder vom CT vor lagen - sie wüssten es angeblich nicht. Ihr Onkologe war im Urlaub, deshalb hielten sie sich zurück.

Es hat sich ein weiterer Tumor gebildet, zwischen den Brustwirbeln, der drückte angeblich auf die Nerven. Wenige Tage vor Weihnachten, viel zu spät, startete endlich die Chemo. Meine Mutter war mittlerweile auf der Palliativeinheit des Krankenhauses, wo sie wirklich super betreut wurde.

Sie bekam so an die 30 Tabletten pro Tag, gegen Übelkeit, gegen Trombose, gegen ihre Schilddrüsenunterfunktion, und, und und. Bis auf das sie nicht laufen konnte, ging es ihr relativ gut. Ihre Haut wurde immer trockener, das verstand ich nicht. Auch hierfür gab es eine Erklärung - meine Mutter hatte plötzlich Diabetes. Also bekam sie noch Insulin. Die Diätassistentin verordnete meiner Mutter eine Diät, an die sich nicht mal die Schwestern hielten, wohlweislich wissend, wie es um unsere Mutter stand.

Dann kam Weihnachten. Wir machten eine grosse Feier im Krankenzimmer, all das ist nur auf dieser Palliativeinheit möglich gewesen.

in der ganzen Zeit habe ich das Internet abgesucht, was kann man machen? Wo gibt es Hilfe? Doch ehrlich - es gab keine hilfe, es gab kein Wundermittel.

Bis in den Januar hinein plätscherten die Tage vor sich hin, bis meine Ma dann für einige Tage bis zur zweiten Chemo nach Hause konnte. Das musste ja alles geplant sein, Krankenbett musste her, eine Spezialmatratze, ein Pflegedienst beauftragt werden, meine Mutter war ja ein Pflegefall geworden.

Sie wusste ganz genau, warum wir alle, mit Ehepartnern und Kindern, an einem Sonntag zum Brunch kommen sollten. Einen Tag später kam sie wieder ins Krankenhaus - starke Unterzuckerung und eine Lungenentzündung, Chemo wieder verschoben.

Sie erholte sich sechs Tage lang sehr gut von der Lungenentzündung, doch am siebten Tag im Krankenhaus fing etwas neues an - sie war völlig verwirrt, konnte nicht mehr sehen, konnte keine kontrollierten Bewegungen mehr machen. Wieder ins CT, und ich ahnte schon was jetzt los war - Hirnmetastasen.

Zwei Tage lang hatte sie noch ab und an klare Momente, zwei weitere Tage später hatte ich den Eindruck, sie schaut in eine andere Welt. Jetzt stand auch fest, das sie vier Hirnmetastasen hatte. Am Donnerstag sprach sie nicht mehr, am Freitag setzte der Sterbeprozess ein, zwei Tage später, mit nur 62 Jahren verließ unsere Mutter für immer diese Welt. Erst danach habe ich erfahren, das meine Mutter querschnittgelähmt war.

Ich habe getobt, ich habe geweint, habe eine mordswut auf diese tollen Fachärzte. Es wird immer gepredigt, sofort zum Arzt, nehmt alle Vorsorgeuntersuchungen wahr. Okay, diese Lungenkrebsart ist unheilbar, doch hätte meine Mutter noch einige Jahre haben können, wäre es früher erkannt worden, wären die Hirnmetastasen nicht gekommen.

Krebs, das ist ein Wort mit einer unglaublich negativen Ausstrahlung, und ich wünsche niemanden, in so eine Situation zu geraten. Meine Mutter hinterlässt eine so grosse Lücke, und zu allem übel starb ihr Vater zweieinhalb Wochen nach ihr ebenfalls an Lungenkrebs.

72 Bewertungen, 32 Kommentare

  • Bayer04-Fan

    20.09.2006, 13:21 Uhr von Bayer04-Fan
    Bewertung: sehr hilfreich

    das hat mir jetzt gerade einen derben schauer über den Rücken gejagt, mein Beileid nochmal, hatte das selbe bei meiner Oma die Ärtze waren nicht fähig schnell genug den Krebs zu erkennen, traurig aber wahr...

  • absinth_girl

    01.04.2006, 15:54 Uhr von absinth_girl
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreicher bericht

  • ochsenfrosch43

    30.03.2006, 16:25 Uhr von ochsenfrosch43
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich wünsche Dir viel Kraft und Mut, um nach vorne zu schauen! Trauer ist wichtig, aber lass Dich nicht von Wut und Trauer auffressen.

  • zar1986

    27.03.2006, 17:11 Uhr von zar1986
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh!! <br/>freue mich über gegenlesungen

  • Jinxx

    26.03.2006, 23:33 Uhr von Jinxx
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh und lg =)

  • Rosen

    26.03.2006, 18:17 Uhr von Rosen
    Bewertung: sehr hilfreich

    eigentlich kann man den bericht irgendwie nicht bewerten, nur gedankenvoll da sitzen, vor allen die die erfahrubngen damit haben/hatten können mit dir fühlen, ja da fällt man wirklich in ein loch, ich dachte früher auch immer was reden die leute da aber es

  • Fluetie

    26.03.2006, 15:19 Uhr von Fluetie
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich weiß wie Du dich fühlst. <br/>LG Dirk

  • Kranich

    25.03.2006, 19:57 Uhr von Kranich
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh - *lg und danke für gute rückbewertungen* :-))

  • kakaue

    25.03.2006, 18:44 Uhr von kakaue
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh lg chris

  • jenny123

    25.03.2006, 18:32 Uhr von jenny123
    Bewertung: sehr hilfreich

    <font face=Georgia, "Times New Roman", Times> <br/><strong><u>lg, Jenny123</u></strong> <br/>

  • JoergTh

    25.03.2006, 18:24 Uhr von JoergTh
    Bewertung: sehr hilfreich

    Von mir auch ein sehr hilfreich. Es ist wirklich eine Dreckskrankheit... Liebe Grüße, Jörg

  • kati13

    25.03.2006, 16:40 Uhr von kati13
    Bewertung: sehr hilfreich

    ergreifender Bericht...

  • KatharinaB

    25.03.2006, 14:04 Uhr von KatharinaB
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wahnsinn, dass du darüber hier schreibst. Es geht da schließlich nicht um Zahnpaste! Ich denke, es ist gut, wenn du darüber redest/schreibst... Ich wünsche dir und deiner Familie, dass ihr darüber hinwegkommt, dass ihr zusammenhaltet und stark seid. Mein B

  • LittleSparko

    25.03.2006, 04:50 Uhr von LittleSparko
    Bewertung: sehr hilfreich

    Leukämie, Hautkrebs, Darmkrebs, von Gen Erkrankungen ausgelöste Methastasen, Lungenkrebs, Tumore.....in den letzten paar Jahren sah ich soviele durch diese Dinge um mich herum gehen. <br/>Ohnmacht und Tränen ist oft das einzige, was einem bleibt. Wünsche

  • Animagus17

    24.03.2006, 18:58 Uhr von Animagus17
    Bewertung: sehr hilfreich

    Tut mir unheimlich leid, mit das schlimmste ist diese verdammte Hilflosigkeit... Alles Liebe Dir und deiner Familie Debby

  • Cloe66

    24.03.2006, 16:18 Uhr von Cloe66
    Bewertung: sehr hilfreich

    Auch ich kann Dir und Deiner Familie nur mein Beileid aussprechen ,und Euch ganz viel Kraft wünschen das erlebte verarbeiten zu können,es brauch seine Zeit und irgendwann sprecht Ihr nur über die schönen Dinge die Ihr mit Eurer Ma erlebt habt.Ich habe

  • anonym

    24.03.2006, 16:06 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Mein Beileid und meine Hochachtung, darüber hier zu schreiben. Sicherlich tut man soetwas um nicht nur den Frust abzulassen, sondern auch, um in sich ein wenig Luft zum Atmen zu bekommen. Mein Vater kämpft schon seit Jahren gegen seine Leukämie und nach je

  • Sarah1509

    24.03.2006, 15:42 Uhr von Sarah1509
    Bewertung: sehr hilfreich

    Mein Beileid. <br/>Ich hatte vor kurzen das selbe Spiel mit meinem Opa. Und niemand wollte ihm helfen... <br/>LG Sarah

  • Naffy

    24.03.2006, 13:55 Uhr von Naffy
    Bewertung: sehr hilfreich

    <b><u><i>Gruß Naffy</i></b></u>

  • Ringwraith

    24.03.2006, 13:49 Uhr von Ringwraith
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich schliesse mich Ina und Ochsi an und möchte auch mein Beileid aussprechen, ich denke mal man nimmt das Leben als selbstverständlich hin, was es aber nicht ist und im Grunde genommen wird es in vielen Fällen viel zu früh beendet und es enteht ein großes

  • bigmama

    24.03.2006, 13:45 Uhr von bigmama
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh, LG Anett

  • Django006

    24.03.2006, 13:30 Uhr von Django006
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & *lg* Alan :o))))

  • Venezianerin_2005

    24.03.2006, 13:12 Uhr von Venezianerin_2005
    Bewertung: sehr hilfreich

    Das tut mir sehr leid für dich und deine Familie. <br/>Gruss Ina

  • morla

    24.03.2006, 13:11 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich ,meine Schwiegermutter starb mit 57 jahren <br/>an Lungenkrebs die ganze Chemo hat nichts genutzt. L.G.Petra <br/>

  • iii

    24.03.2006, 13:07 Uhr von iii
    Bewertung: sehr hilfreich

    freue mich über Gegenlesungen-anna

  • Sommergirl

    24.03.2006, 13:05 Uhr von Sommergirl
    Bewertung: sehr hilfreich

    Das tut mir echt leid, sieh es so, Deine Ma ist jetzt an einem sehr viel schöneren Ort, kannst mir glauben!

  • Mieze83

    24.03.2006, 13:04 Uhr von Mieze83
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gegenlesungen werden belohnt ***lg***

  • TheLick

    24.03.2006, 13:04 Uhr von TheLick
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich weiß gar nicht was ich sagen soll... <br/>

  • Towelie

    24.03.2006, 13:02 Uhr von Towelie
    Bewertung: sehr hilfreich

    Es tut mir sehr leid für dich :-( Ich habe meine Mutter auch fast verloren durch einen Schlaganfall, natürlich weiß ich nicht wie es ist sie wirklich zu verlieren. Du hast mein mitgefühl.

  • PoisonAngel

    24.03.2006, 13:00 Uhr von PoisonAngel
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht. Lg und schönes Wochenende. Nicole

  • angeltearz82

    24.03.2006, 12:59 Uhr von angeltearz82
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh und liebe Grüße, Angel

  • lemsi

    24.03.2006, 12:57 Uhr von lemsi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Dein Bericht ist sehr gut gegliedert und sehr ausführlich, ich gebe dir gerne dafür ein sehr hilfreich und hoffe auf eine Gegenlesung :-) In diesem Sinne einen schönen Tag. lg lemsi