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Erfahrungsbericht von LoMei
CLL 2 - Chronische Leukämie. Krankheitsverlauf
Pro:
Persönliche Herausforderung
Kontra:
Geduld und Kraft erforderlich
Empfehlung:
Nein
Diese Darstellung ist die Fortsetzung des am 10.6.2002 geposteten Berichtes „Sie haben eine Chronische Leukämie“ und gibt Auskunft über den Krankheitsverlauf bis zum Beginn der Chemotherapie.
INHALT
1. Was ist eine chronische lymphathische Leukämie (CLL)
2. Langsames Anschwellen aller Lymphknoten
3. Veränderung des Blutbildes
4. Erkältungen, Krampfartiger Husten
5. Mit Mittelohrentzündung ins Krankenhaus
6. Weitere ambulante Untersuchungen.
7. Fazit
1. WAS IST EINE CHRONISCHE LYMPHATISCHE LEUKÄMIE (CLL) ?
Eine chronische lymphatische Leukämie (CLL) tritt im Allgemeinen im höheren Lebensalter auf und verläuft langsam und schleichend . Sie braucht im Gegensatz zur akuten Leukämie nicht sofort behandelt zu werden. Es kann sogar sein, daß über eine lange Zeit gar nicht behandelt werden muß.
Bei der CLL kommt es zu einer krankhaften Vermehrung unreifer Lymphozyten (Bestandteile der weißen Blutkörperchen). Sie verdrängen die normale Blutbildung im Knochenmark, was einen Mangel an roten und weißen Blutkörperchen und Blutplättchen nach sich zieht.
Die auftretenden Symptome der CLL sind vor allem eine Folge des Mangels an funktionstüchtigen Blutzellen. Die Vermehrung der Lymphozyten führt dazu, daß sie irgendwann aus dem Knochenmark in die Blutbahn und weiter in die Leber, die Milz und in die im ganzen Körper angeordneten Lymphknoten wandern. Das führt zu einer Vergrößerung dieser Organe. Häufig werden dadurch andere benachbarte Organe (Nieren, Harnleiter) „abgedrückt“. Die Abwehrkräfte des Körpers werden durch das nicht mehr ganz intakte Immunsystem schwächer.
2. LANGSAMES ANSCHWELLEN DER LYMPHKNOTEN
Über den Hausarzt und die hämatologische onkologische Ambulanz des Städtischen Klinikums Karlsruhe wurde mein Blutbild regelmäßig untersucht und der Halsbereich, sowie die Achsel- und Leistengegend auf fühl- und sichtbare Knoten untersucht. Zusätzlich wurde die Lymphknoten de Bauchbereiches mit Hilfe von Ultraschallaufnahmen kontrolliert.
Ich bemerkte zuerst, daß sich seitlich am Hals harte Knoten fühlen ließen. Später weitere unter dem Kinn dazu. Dort war nach einigen Monaten alles dick geschwollen. Ich hatte keine Schmerzen und fühlte mich eigentlich ganz wohl.
Die US-Auswertung im Juni 2002 zeigte, daß die Lymphknoten im ganzen Bauchraum zwar auch geschwollen waren, aber ihre Größe noch in einem tolerierbaren Bereich lag.
Eine Behandlung wurde vorerst noch nicht für erforderlich gehalten.
3. VERÄNDERUNG DES BLUTBILDES
Es folgen einige wichtige Werte des Blutbildes, deren Betrachtung für die weitere Behandlung als wichtig angesehen wurde. Die Dimension der Analysenwerte liegt jeweils im Mikrobereich und wurde bewußt weggelassen. Wer nicht gerne Zahlen liest, zu denen er keine Beziehung hat, kann diesen Abschnitt getrost überspringen.
Datum:11. September 2002
1. Leukozyten (weiße Blutkörperchen) = 29,4 (Normalwert: 4,0 – 10,0)
2. Erythrozyten (rote Blutkörperchen) = 5,2 (Normalwert: 4,2 – 6,0)
3. Hämoglobin, Hb-Wert (roter Blutfarbstoff) = 14,4 (Normalwert: 14 – 18)
4. Thrombozyten (Blutplättchen) = 188 000 (Normalwert: 150 000 – 400 000)
5. Lymphozyten (Teil der weißen Blutkörperchen) = 44 (Normalwert: 19 – 48)
Datum 10. Dezember 2002
1. Leukozyten = 92,7
2. Erythrozyten = 4,7
3. Hb-Wert = 13,1
4. Thrombozyten = 162 000
5. Lymphozyten = 52
4. ERKÄLTUNGEN, KRAMPFARTIGER HUSTEN UND STARKES SCHWITZEN
Während des Sommers und im Herbst 2002 hatte ich öfter eine Erkältung und besonders nachts einen unangenehmen sehr anstrengenden und kräftezehrenden krampfartigen Husten. Über Weihnachten 2002 war es besonders arg. Die vom Hausarzt verordneten Mittel halfen nicht. Auch schwitzte ich nachts sehr stark und mußte oft mehrmals den Schlafanzug wechseln. Das Schwitzen verstärkte ich im Verlauf der Monate. In der onkologischen Ambulanz erfuhr ich, daß es ein Teil des Krankheitsbildes war.
5. MIT MITTELOHRENTZÜNDUNG INS KRANKENHAUS
Weggetreten: Am Neujahrstag (1.1.03) ging ich mit starken Schmerzen im linken Ohr zu meinem Hausarzt. Er diagnostizierte eine Mittelohrentzündung und gab mir sofort Antibiotika. Am nächsten Vormittag sollte ich wiederkommen. Dazu kam es aber nicht mehr. Nachts fing ich an zu frieren. Ich holte mir zwei zusätzliche Bettdecken. Scheinbar hatte ich Fieber. Als mir langsam etwas wärmer geworden war, schob ich die Decken beiseite.
Was dann weiter passierte, weiß ich nur aus den Erzählungen meiner Frau. Als sie morgens (2.1.03) mit mir reden wollte, zeigte ich keinerlei Reaktion. Sehr erschrocken rief sie den Hausarzt an. Der war sofort zur Stelle. Als er sah, daß ich „weggetreten“ war, untersuchte er mich, stellte hohes Fieber fest und vermutete, daß ich völlig ausgetrocknet sei. Er rief sofort einen Krankenwagen, telefonierte mit dem Städtischen Klinikum Karlruhe und teilte den Ärzten seine Diagnose mit. Die sehr schnell eintreffenden Sanitäter brachten mich auf einer Bahre in den Krankenwagen. Ich merkte davon nichts und zeigte keinerlei Reaktion. Im Fahrzeug wurden routinemäßig Erstversorgungsmaßnahmen durchgeführt und das Krankenhaus nochmals telefonisch über mein Kommen vorinformiert. Ich landete auf der selben Station, auf der im März 2002 meine chronische Leukämie festgestellt worden war.
Am Nachmittag kamen meine Frau und einer unserer Söhne. Es gab bei mir am Bett eine Art Visite, in deren Verlauf ich zu aktuellen Dingen befragt wurde. Das hatten Ärzte und Schwestern vorher immer wieder getan, aber nie eine Antwort erhalten. Sie waren fast ein wenig ratlos. Ich begann zu begreifen, wo ich war und wunderte mich, daß ich das völlig normal fand. Nachdem ich die Oberärztin wiedererkannte und ihren Namen nennen konnte, ging ein Aufatmen durch die Reihe der Anwesenden.
Ab diesem Zeitpunkt war ich wieder ansprechbar und zeigte langsam normale Reaktionen. Ich merkte, daß man mir einen Blasenkatheder gelegt hatte und daß über eine Infusionsnadel aus mehreren Flaschen verschiedene Flüssigkeiten in meine Vene tropften.
Langsam begriff ich, daß ich etwa 8 Stunden „ausgeschaltet“ gewesen war und daß mein „Ausfall“ besonders für die Familie doch recht dramatische Formen angenommen haben mußte.
Die Diagnose unseres Hausarztes wurde auf der Station bestätigt. Ich hatte eine Mittelohrentzündung mit starkem Fieber (>40°) und Austrocknungserscheinungen.
Der Flüssigkeitsspiegel meines Körpers wurde durch Infusion besonderer Lösungen angehoben. Ich mußte viel trinken. Der Ablaufschlauch des Blasenkatheders setzte sich zu. Das war sehr schmerzhaft. Als er auf meinen Wunsch endlich gezogen wurde, war das eine große Erleichterung.
Fieber, Husten, Schwitzen: Im Verlauf der nächsten Tage wurde mein Fieber (39-40°) mit Antibiotika-Infusionen gesenkt.
Tagelang das gleiche Spiel: Fieber, Husten, Infusionen, Schwitzen, Frieren, und kein Ende.
Dazu kam Herpes an Lippe und Zunge. Draußen war eine Winterlandschaft entstanden, die nur am Rande wahrnahm.
Röntgen- und CT-Aufnahmen: In den ersten Januartagen wurden Röntgenaufnahmen von Kopf und Nasennebenhöhlen und eine Stirnhöhlen-CT gemacht. Von der Stationsärztin erfuhr ich, daß die Röntgenaufnahme der Lunge ohne Befund war, aber Stirn- und Nebenhöhlen weitgehend zu waren. Dazu sollte die HNO-Klinik Stellung nehmen.
HNO-Untersuchungen
Das Fieber kam tagelang nicht herunter. Als es bei 38-39° lag, fühlte ich mich besser. Nun wurden Ohren und Nase mehrfach in der HNO-Klinik untersucht und ein Hörtest gemacht.
Die Röntgenbildern der Stirn-CT wurden nochmals in der HNO-Klinik ausgewertet. Es deutete nichts auf einen Entzündungsherd im Bereich Ohren-Kopf- Nase hin. Ein operativer Handlungsbedarf lag nicht vor. Auf dem linken Ohr konnte ich aber nicht besonders gut hören.
Nadeleinstichstellen: Die Unterarme wurden mit der Zeit ein Problem. Das Fieber wurde mit Antibiotika über Infusionen in die Venen des Unterarmes gedrückt. Meine Haut vertrug das nicht besonders gut. Die Nadeleinstichstellen begannen zu schmerzen. Sie waren geschwollen und wurden deshalb mit Salbe eingeschmiert und bandagiert.
Nach zwei Wochen war das Fieber morgens meist auf Werte um 37,5 zurückgegangen, lag aber abends wieder bei 38,4°. Manchmal tat das linke Ohr weh.
Nochmalige HNO-Untersuchungen: Die HNO-Klinik guckte noch einmal in Ohren und Nase. Der Hörtest wurde wiederholt. Es wurde nun doch eine OP erwogen, da nicht ausgeschlossen werden konnte, daß sich ein Entzündungsherd als Grund für das Fieber in den Ohren befand. Der zuständige HNO-Oberarzt meinte, eine OP käme in 10 Tagen in Betracht. Bei der folgenden Chefvisite zeigt sich aber der Professor von einer OP nicht begeistert. Er meinte, darüber müsse noch gesprochen werden. Einige Tage später wurde bei der Chef-Visite mitgeteilt, daß es keine OP geben werde.
Am 21. Krankenhaustag wurde in der HNO-Klinik optisch eine Verbesserung des linken Ohres festgestellt. Der Hörtest bestätigte das. Kopf- und Ohrkurve waren zusammengerückt.
Kein Fieber mehr: Am 16. Krankenhaustag wurden die Antibiotika (Tabletten und Infusionen) abgesetzt, um den Fieberverlauf ohne temperatursenkende Medikamente beobachten zu können.
Die nächsten 5 Tage hielt die Temperatur sich zwischen 37 und 38°C.
Daraufhin wurde die Entlassung abgesegnet.
6. WEITERE UNTESUCHUNGEN DURCH HAUSARZT UND AMBULANZ
Kernspintomographie von Hals und Nasennebenhöhlen: Wenige Tage nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wurde in einer Facharztpraxis in Durlach eine Kernspinuntersuchung durchgeführt. Dazu wurde ich in eine sogenannte Röhre geschoben und Hals und Kopf etwa 20 Minuten lang scheibchenweise geröntgt. Dabei wurde unter anderem festgestellt, daß die in den Nebenhöhlen vorhandenen Lymphknoten einen Durchmesser von 4 x 1.5 bzw. 3 x 1,5 cm hatten. Die Eustachsche Röhre, die auch die Sauerstoffversorgung des Mittelohres sicherstellt, war (durch Abdrücken) verengt. Auf Befragen wurde mir erklärt, daß dieser Tatbestand auch der Grund für meine Mittelohrentzündung gewesen sein konnte.
Die im Hals- und Leistenbereich fühl- und sichtbaren Lymphknoten hatten sich weiter leicht vergrößert.
Neue Blutwerte vom 27. Januar 2002:
Leukozyten = 114,65 (Normal: 4 – 10)
Erythrozyten = 4,18 (4,2 – 6)
Hb-Wert = 12,0 (14 – 18)
Thrombozyten = 162 000 (150 000 – 400 000)
Lymphozyten = 69 (19 – 48)
Chemotherapie:
Die Entscheidung über den Beginn einer Chemotherapie sollte nun nicht länger hinausgeschoben werden.
Am 12. Februar 2003 fand ein vorbereitendes Gespräch statt. Es waren neben dem zuständigen Chef zwei weitere Ärzte anwesend. Der Therapieverlauf wurde erklärt. Ich sollte fünfmal an jeweils zwei aufeinander folgen den Tagen eine Dosis des Präparates Bendamustin 120 mg/cm² erhalten. Das sei nicht zu stark dosiert und erfahrungsgemäß gut verträglich. Der Beginn wurde auf den 19. und 20 Februar 2003 festgelegt.
Meine Frau und ich hatten Gelegenheit weitere Fragen zu stellen. Nach dem Gespräch gingen wir ziemlich gelassen heim.
7. FAZIT
Es ist schwierig hier etwas passendes zu schreiben. Es wird demnächst ein Fortsetzungsbericht „Chemotherapie und die Folgen“ kommen. Erst dann kann ein sinnvolles Fazit gezogen werden.
Wer sich über diese Krankheit genauer informieren möchte, kann das über die Deutsche Krebshilfe Bonn tun.
Unter www. krebshilfe.de gibt es dort weitere Informationen. Man kann sich auch unentgeltlich die folgende Broschüre schicken lassen:
„Chronische lymphatische Leukämie
Ein Ratgeber für Patienten und ihre Angehörigen“.
Autoren Anne Roth und Axel Glasmacher.
INHALT
1. Was ist eine chronische lymphathische Leukämie (CLL)
2. Langsames Anschwellen aller Lymphknoten
3. Veränderung des Blutbildes
4. Erkältungen, Krampfartiger Husten
5. Mit Mittelohrentzündung ins Krankenhaus
6. Weitere ambulante Untersuchungen.
7. Fazit
1. WAS IST EINE CHRONISCHE LYMPHATISCHE LEUKÄMIE (CLL) ?
Eine chronische lymphatische Leukämie (CLL) tritt im Allgemeinen im höheren Lebensalter auf und verläuft langsam und schleichend . Sie braucht im Gegensatz zur akuten Leukämie nicht sofort behandelt zu werden. Es kann sogar sein, daß über eine lange Zeit gar nicht behandelt werden muß.
Bei der CLL kommt es zu einer krankhaften Vermehrung unreifer Lymphozyten (Bestandteile der weißen Blutkörperchen). Sie verdrängen die normale Blutbildung im Knochenmark, was einen Mangel an roten und weißen Blutkörperchen und Blutplättchen nach sich zieht.
Die auftretenden Symptome der CLL sind vor allem eine Folge des Mangels an funktionstüchtigen Blutzellen. Die Vermehrung der Lymphozyten führt dazu, daß sie irgendwann aus dem Knochenmark in die Blutbahn und weiter in die Leber, die Milz und in die im ganzen Körper angeordneten Lymphknoten wandern. Das führt zu einer Vergrößerung dieser Organe. Häufig werden dadurch andere benachbarte Organe (Nieren, Harnleiter) „abgedrückt“. Die Abwehrkräfte des Körpers werden durch das nicht mehr ganz intakte Immunsystem schwächer.
2. LANGSAMES ANSCHWELLEN DER LYMPHKNOTEN
Über den Hausarzt und die hämatologische onkologische Ambulanz des Städtischen Klinikums Karlsruhe wurde mein Blutbild regelmäßig untersucht und der Halsbereich, sowie die Achsel- und Leistengegend auf fühl- und sichtbare Knoten untersucht. Zusätzlich wurde die Lymphknoten de Bauchbereiches mit Hilfe von Ultraschallaufnahmen kontrolliert.
Ich bemerkte zuerst, daß sich seitlich am Hals harte Knoten fühlen ließen. Später weitere unter dem Kinn dazu. Dort war nach einigen Monaten alles dick geschwollen. Ich hatte keine Schmerzen und fühlte mich eigentlich ganz wohl.
Die US-Auswertung im Juni 2002 zeigte, daß die Lymphknoten im ganzen Bauchraum zwar auch geschwollen waren, aber ihre Größe noch in einem tolerierbaren Bereich lag.
Eine Behandlung wurde vorerst noch nicht für erforderlich gehalten.
3. VERÄNDERUNG DES BLUTBILDES
Es folgen einige wichtige Werte des Blutbildes, deren Betrachtung für die weitere Behandlung als wichtig angesehen wurde. Die Dimension der Analysenwerte liegt jeweils im Mikrobereich und wurde bewußt weggelassen. Wer nicht gerne Zahlen liest, zu denen er keine Beziehung hat, kann diesen Abschnitt getrost überspringen.
Datum:11. September 2002
1. Leukozyten (weiße Blutkörperchen) = 29,4 (Normalwert: 4,0 – 10,0)
2. Erythrozyten (rote Blutkörperchen) = 5,2 (Normalwert: 4,2 – 6,0)
3. Hämoglobin, Hb-Wert (roter Blutfarbstoff) = 14,4 (Normalwert: 14 – 18)
4. Thrombozyten (Blutplättchen) = 188 000 (Normalwert: 150 000 – 400 000)
5. Lymphozyten (Teil der weißen Blutkörperchen) = 44 (Normalwert: 19 – 48)
Datum 10. Dezember 2002
1. Leukozyten = 92,7
2. Erythrozyten = 4,7
3. Hb-Wert = 13,1
4. Thrombozyten = 162 000
5. Lymphozyten = 52
4. ERKÄLTUNGEN, KRAMPFARTIGER HUSTEN UND STARKES SCHWITZEN
Während des Sommers und im Herbst 2002 hatte ich öfter eine Erkältung und besonders nachts einen unangenehmen sehr anstrengenden und kräftezehrenden krampfartigen Husten. Über Weihnachten 2002 war es besonders arg. Die vom Hausarzt verordneten Mittel halfen nicht. Auch schwitzte ich nachts sehr stark und mußte oft mehrmals den Schlafanzug wechseln. Das Schwitzen verstärkte ich im Verlauf der Monate. In der onkologischen Ambulanz erfuhr ich, daß es ein Teil des Krankheitsbildes war.
5. MIT MITTELOHRENTZÜNDUNG INS KRANKENHAUS
Weggetreten: Am Neujahrstag (1.1.03) ging ich mit starken Schmerzen im linken Ohr zu meinem Hausarzt. Er diagnostizierte eine Mittelohrentzündung und gab mir sofort Antibiotika. Am nächsten Vormittag sollte ich wiederkommen. Dazu kam es aber nicht mehr. Nachts fing ich an zu frieren. Ich holte mir zwei zusätzliche Bettdecken. Scheinbar hatte ich Fieber. Als mir langsam etwas wärmer geworden war, schob ich die Decken beiseite.
Was dann weiter passierte, weiß ich nur aus den Erzählungen meiner Frau. Als sie morgens (2.1.03) mit mir reden wollte, zeigte ich keinerlei Reaktion. Sehr erschrocken rief sie den Hausarzt an. Der war sofort zur Stelle. Als er sah, daß ich „weggetreten“ war, untersuchte er mich, stellte hohes Fieber fest und vermutete, daß ich völlig ausgetrocknet sei. Er rief sofort einen Krankenwagen, telefonierte mit dem Städtischen Klinikum Karlruhe und teilte den Ärzten seine Diagnose mit. Die sehr schnell eintreffenden Sanitäter brachten mich auf einer Bahre in den Krankenwagen. Ich merkte davon nichts und zeigte keinerlei Reaktion. Im Fahrzeug wurden routinemäßig Erstversorgungsmaßnahmen durchgeführt und das Krankenhaus nochmals telefonisch über mein Kommen vorinformiert. Ich landete auf der selben Station, auf der im März 2002 meine chronische Leukämie festgestellt worden war.
Am Nachmittag kamen meine Frau und einer unserer Söhne. Es gab bei mir am Bett eine Art Visite, in deren Verlauf ich zu aktuellen Dingen befragt wurde. Das hatten Ärzte und Schwestern vorher immer wieder getan, aber nie eine Antwort erhalten. Sie waren fast ein wenig ratlos. Ich begann zu begreifen, wo ich war und wunderte mich, daß ich das völlig normal fand. Nachdem ich die Oberärztin wiedererkannte und ihren Namen nennen konnte, ging ein Aufatmen durch die Reihe der Anwesenden.
Ab diesem Zeitpunkt war ich wieder ansprechbar und zeigte langsam normale Reaktionen. Ich merkte, daß man mir einen Blasenkatheder gelegt hatte und daß über eine Infusionsnadel aus mehreren Flaschen verschiedene Flüssigkeiten in meine Vene tropften.
Langsam begriff ich, daß ich etwa 8 Stunden „ausgeschaltet“ gewesen war und daß mein „Ausfall“ besonders für die Familie doch recht dramatische Formen angenommen haben mußte.
Die Diagnose unseres Hausarztes wurde auf der Station bestätigt. Ich hatte eine Mittelohrentzündung mit starkem Fieber (>40°) und Austrocknungserscheinungen.
Der Flüssigkeitsspiegel meines Körpers wurde durch Infusion besonderer Lösungen angehoben. Ich mußte viel trinken. Der Ablaufschlauch des Blasenkatheders setzte sich zu. Das war sehr schmerzhaft. Als er auf meinen Wunsch endlich gezogen wurde, war das eine große Erleichterung.
Fieber, Husten, Schwitzen: Im Verlauf der nächsten Tage wurde mein Fieber (39-40°) mit Antibiotika-Infusionen gesenkt.
Tagelang das gleiche Spiel: Fieber, Husten, Infusionen, Schwitzen, Frieren, und kein Ende.
Dazu kam Herpes an Lippe und Zunge. Draußen war eine Winterlandschaft entstanden, die nur am Rande wahrnahm.
Röntgen- und CT-Aufnahmen: In den ersten Januartagen wurden Röntgenaufnahmen von Kopf und Nasennebenhöhlen und eine Stirnhöhlen-CT gemacht. Von der Stationsärztin erfuhr ich, daß die Röntgenaufnahme der Lunge ohne Befund war, aber Stirn- und Nebenhöhlen weitgehend zu waren. Dazu sollte die HNO-Klinik Stellung nehmen.
HNO-Untersuchungen
Das Fieber kam tagelang nicht herunter. Als es bei 38-39° lag, fühlte ich mich besser. Nun wurden Ohren und Nase mehrfach in der HNO-Klinik untersucht und ein Hörtest gemacht.
Die Röntgenbildern der Stirn-CT wurden nochmals in der HNO-Klinik ausgewertet. Es deutete nichts auf einen Entzündungsherd im Bereich Ohren-Kopf- Nase hin. Ein operativer Handlungsbedarf lag nicht vor. Auf dem linken Ohr konnte ich aber nicht besonders gut hören.
Nadeleinstichstellen: Die Unterarme wurden mit der Zeit ein Problem. Das Fieber wurde mit Antibiotika über Infusionen in die Venen des Unterarmes gedrückt. Meine Haut vertrug das nicht besonders gut. Die Nadeleinstichstellen begannen zu schmerzen. Sie waren geschwollen und wurden deshalb mit Salbe eingeschmiert und bandagiert.
Nach zwei Wochen war das Fieber morgens meist auf Werte um 37,5 zurückgegangen, lag aber abends wieder bei 38,4°. Manchmal tat das linke Ohr weh.
Nochmalige HNO-Untersuchungen: Die HNO-Klinik guckte noch einmal in Ohren und Nase. Der Hörtest wurde wiederholt. Es wurde nun doch eine OP erwogen, da nicht ausgeschlossen werden konnte, daß sich ein Entzündungsherd als Grund für das Fieber in den Ohren befand. Der zuständige HNO-Oberarzt meinte, eine OP käme in 10 Tagen in Betracht. Bei der folgenden Chefvisite zeigt sich aber der Professor von einer OP nicht begeistert. Er meinte, darüber müsse noch gesprochen werden. Einige Tage später wurde bei der Chef-Visite mitgeteilt, daß es keine OP geben werde.
Am 21. Krankenhaustag wurde in der HNO-Klinik optisch eine Verbesserung des linken Ohres festgestellt. Der Hörtest bestätigte das. Kopf- und Ohrkurve waren zusammengerückt.
Kein Fieber mehr: Am 16. Krankenhaustag wurden die Antibiotika (Tabletten und Infusionen) abgesetzt, um den Fieberverlauf ohne temperatursenkende Medikamente beobachten zu können.
Die nächsten 5 Tage hielt die Temperatur sich zwischen 37 und 38°C.
Daraufhin wurde die Entlassung abgesegnet.
6. WEITERE UNTESUCHUNGEN DURCH HAUSARZT UND AMBULANZ
Kernspintomographie von Hals und Nasennebenhöhlen: Wenige Tage nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wurde in einer Facharztpraxis in Durlach eine Kernspinuntersuchung durchgeführt. Dazu wurde ich in eine sogenannte Röhre geschoben und Hals und Kopf etwa 20 Minuten lang scheibchenweise geröntgt. Dabei wurde unter anderem festgestellt, daß die in den Nebenhöhlen vorhandenen Lymphknoten einen Durchmesser von 4 x 1.5 bzw. 3 x 1,5 cm hatten. Die Eustachsche Röhre, die auch die Sauerstoffversorgung des Mittelohres sicherstellt, war (durch Abdrücken) verengt. Auf Befragen wurde mir erklärt, daß dieser Tatbestand auch der Grund für meine Mittelohrentzündung gewesen sein konnte.
Die im Hals- und Leistenbereich fühl- und sichtbaren Lymphknoten hatten sich weiter leicht vergrößert.
Neue Blutwerte vom 27. Januar 2002:
Leukozyten = 114,65 (Normal: 4 – 10)
Erythrozyten = 4,18 (4,2 – 6)
Hb-Wert = 12,0 (14 – 18)
Thrombozyten = 162 000 (150 000 – 400 000)
Lymphozyten = 69 (19 – 48)
Chemotherapie:
Die Entscheidung über den Beginn einer Chemotherapie sollte nun nicht länger hinausgeschoben werden.
Am 12. Februar 2003 fand ein vorbereitendes Gespräch statt. Es waren neben dem zuständigen Chef zwei weitere Ärzte anwesend. Der Therapieverlauf wurde erklärt. Ich sollte fünfmal an jeweils zwei aufeinander folgen den Tagen eine Dosis des Präparates Bendamustin 120 mg/cm² erhalten. Das sei nicht zu stark dosiert und erfahrungsgemäß gut verträglich. Der Beginn wurde auf den 19. und 20 Februar 2003 festgelegt.
Meine Frau und ich hatten Gelegenheit weitere Fragen zu stellen. Nach dem Gespräch gingen wir ziemlich gelassen heim.
7. FAZIT
Es ist schwierig hier etwas passendes zu schreiben. Es wird demnächst ein Fortsetzungsbericht „Chemotherapie und die Folgen“ kommen. Erst dann kann ein sinnvolles Fazit gezogen werden.
Wer sich über diese Krankheit genauer informieren möchte, kann das über die Deutsche Krebshilfe Bonn tun.
Unter www. krebshilfe.de gibt es dort weitere Informationen. Man kann sich auch unentgeltlich die folgende Broschüre schicken lassen:
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Ein Ratgeber für Patienten und ihre Angehörigen“.
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