Krieg gegen den Irak? Testbericht

No-product-image
ab 6,22
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003

Erfahrungsbericht von olgafrei

Schützengräben - oder warum sind Menschen inhuman?

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Es ist wieder so weit. Amerika spielt erneut Weltpolizei und eigentlich fehlen mir die Worte zu dem, was sich in der Welt gerade wieder abspielt...
Machtlos gleiten wir dahin, hin und her gerissen zwischen Auflehnung und dem ach so menschlichen Weitermachen...

Aus gegebenem Anlass will ich heute an ein Gedicht erinnern (und greifen wir nicht oft auf die Dichter zurück, wenn uns die Worte fehlen?), dass leider gerade mal wieder von beängstigender Aktualität ist ...

Es ist von Ernst Jandl, der am 01. August 1925 in Wien geboren wurde und am 09. Juni 2000 in Wien starb. Durch seine lautmalerischen und wortspielerischen Gedichte wurde ihm das Prädikat, einer der bedeutendsten deutschsprachigen Lyriker zu sein zuteil.

1943 musste er den Militärdienst antreten, 1946 wurde er aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft entlassen. Wohl eine schreckliche Inspiration für diese Gedicht.

Ein bedeutendes Zitat von Ernst Jandl ist:
„Das Sprechgedicht wird erst durch lautes Lesen wirksam.“ Und genau darum möchte ich Euch bitten: lest dieses Gedicht laut und lasst es dann auf Euch wirken! Wenn Ihr dies getan habt, bedarf es eigentlich keiner Worte mehr; ich werde sie dennoch ganz kurz folgen lassen...


schtzngrmm
schtzngrmm
t-t-t-t
t-t-t-t
grrrmmmmm
t-t-t-t
s--------c--------h
tzngrmm
tzngrmm
tzgrmm
grrmmmmm
schtzn
schtzn
t-t-t-t
t-t-t-t
schtzngrmm
schtzngrmm
tssssssssssssssssssss
grrt
grrrrrt
grrrrrrrrrt
scht
scht
t-t-t-t-t-t-t-t-t-t
scht
tzngrmm
tzngrmm
t-t-t-t-t-t.t-t-t-t
scht
scht
scht
scht
scht
grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr
t-tt


Wie die meisten Gedichte Jandls ist auch dieses grenzüberschreitend. Nachdem man das Gedicht laut gelesen hat, formt sich das absolut unbehagliche Wort Schützengraben, welches man nun regelrecht hört! Noch erschreckend klarer wird dies von der dritten bis zur sechsten Zeile

(t-t-t-t
t-t-t-t
grrrmmmmm
t-t-t-t)

in der wir die Maschinengewehrsalven nun direkt in unseren Ohren haben. Es folgt ein Schweigen (s--------c--------h), dass die logische Schlussfolgerung einer solchen Salve ist, nochmals untermauert durch das endlich folgende t-tt, dass wie tot klingt. Und „tot sein“ ist wohl das Synonym für schweigen.


Genug der erklärenden Worte, denn meine Wortlosigkeit wird um ein Vielfaches besser durch dieses Gedicht erklärt...
Erschreckend ist auch dieser Krieg. Erschreckend, dass all der Widerstand, all die Proteste nichts erreichen konnten. Wirklich erschreckend ist die Inhumanität eines Krieges und schlussendlich sind es doch die ganz normalen, kleinen Menschen, die diese Grausamkeit ertragen müssen. Es spielt keine Rolle, ob es die Schützengräben sind oder sich die Fratze des Krieges in Form von B 52, Cruise Missile oder biologischen Waffen zeigt.

Es gibt viele Gedichte zum Thema Krieg; ob sie den Krieg nun verherrlichen oder verurteilen. Aber das Gedicht von Ernst Jandl gehört zu denjenigen, die betroffen machen! Und betroffen sind wir alle, von diesem Krieg und dieser Inhumanität! In diesem Sinne bleibt mir nur zu hoffen, dass dieser menschenverachtende Krieg bald ein Ende findet...

19 Bewertungen