Die Brüder Löwenherz (gebundene Ausgabe) / Lindgren Astrid Testbericht
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Erfahrungsbericht von Gemeinwesen
Kinderweltliteratur: Pippis untote Brüder
Pro:
- siehe Text -
Kontra:
nüscht
Empfehlung:
Ja
Astrid Lindgren ist vor allem bekannt als die geistige Mutter der weltberühmten Pippi Langstrumpf. Auch in der Geschichte, die sie in diesem Buch erzählt, stehen Kinder im Mittelpunkt. Allerdings lässt sie die gleich zu Beginn des Romans sterben.
Wie bitte, es geht ums Sterben? Um Kindstode allzumal?
Jawoll, denn Lindgren nimmt sich hier eines durchaus ernsten Themas an. Eines Themas, das man reflexartig geneigt ist „erwachsen“ zu nennen, obwohl das natürlich Blödsinn ist, denn der Zusammenhang, den wir gern zwischen den Themen „Tod“ und „Lebensalter“ konstruieren, besteht ja nun leider eher in unserer Vorstellung von den Dingen da draußen in der Wirklichkeit als in den Dingen selbst.
Lindgren verliert keine Zeit, mit vermeintlichen Selbstverständlichkeiten aufzuräumen. Eigentlich, das erfahren wir schon auf den ersten Seiten, hatte ja jeder gedacht, der kleinere der Brüder sei als erster mit dem Sterben an der Reihe. Denn der Junge, den alle nur „Krümel“ nennen, ist unheilbar krank. Sein großer Bruder, der dem Bettlägerigen in seiner kleinen Dachkammer vom Leben da draußen erzählt, ist so umschwärmt, stark und gesund wie der Kleinere unscheinbar und kränklich ist.
Als in dem Haus, in dem die beiden wohnen, ein Feuer ausbricht, zögert der Große keine Sekunde lang, sich für den kleinen Bruder zu opfern: Als beide von den Flammen eingeschlossen sind, bleibt nur der Sprung aus dem Fenster. Jonathan kommt dabei ums Leben. Der kleine Krümel, den er huckepack genommen hat, kommt mit dem Schrecken davon – und weiß nun nicht einmal, ob bzw. wie er um den toten Bruder trauern soll: Hat Jonathan ihm nicht oft genug von einem jenseitigen Land namens Nagijala erzählt – und davon, wie unbeschwert und sorglos jenes andere Leben sei, das man dort führe … ? Oder war Nagijala doch nur eine Erfindung, mit der Bruder ihm die Angst vor dem Tod nehmen wollte?
Kurze Zeit später stirbt auch Krümel, und tatsächlich gibt es für die beiden Brüder ein Wiedersehen: Nicht nur das sagenhafte Land Nagijala gibt es, sondern auch all das, was der große Bruder in seinen Erzählungen versprochen hat, scheint Wahrheit zu werden: Krümel ist plötzlich nicht mehr verkrüppelt, im Stall des kleinen Gehöfts, das die beiden fürderhin bewohnen werden, steht der versprochene Apfelschimmel – und auf einmal kann Krümel herumtollen, laufen und schwimmen wie andere Kinder seines Alters. Es hat also ganz den Anschein, als sei Nangijala wirklich das Land der Sagen und der Märchen, das Jonathan versprochen hatte und in dem die Menschen noch so leben wie im Zeitalter der Ritter.
Allein, auch in diesem Garten Eden gibt es eine Schlange, und die heißt Tengil. Unter dessen Knute leiden die Bewohner des benachbarten Kirschblütentals, und weil die Grausamkeit und Gier Tengils keine Grenzen kennen, wird Tengil mit seinen Bewaffneten früher oder später auch im Heckenrosental einmarschieren. Eine unbequeme Wahrheit, die Krümel sehr viel schneller einholt, als ihm lieb ist. Eines Tages erhält Bruder Jonathan die Nachricht von der Gefangennahme des Spions, der per Brieftaube geheime Nachrichten ins Apfeltal absetzt. Und das bedeutet zweierlei: Jonathan wird sich aufmachen, den Gefangenen zu befreien – und als ob die Vorstellung davon, dass der große Bruder hinter den Linien des Feindes operieren soll, nicht schon genug Schrecken erregte, ist dann auch noch die Rede von einem Drachenmonster namens Katla, das nur Tengil gehorcht und dessen feuriger Atem schleichenden Tod bedeutet …
„Die Brüder Löwenherz“ ist zunächst einmal eines: eine toll erzählte, mitreißende, spannende Geschichte. Mit starken Bildern und großen Themen: Verrat, Heldentum, Bruderliebe, Opferbereitschaft, das Verhältnis von Individual- und Gemeinwohl, Tod und Sterben – Astrid Lindgren ist nicht bange davor, die Sujets für jugendliche Leser aufzubereiten und zu einer Geschichte zu verweben, die erkennbar in der Sagenwelt wurzelt. Das Ergebnis ist äußerst gelungen und kann bedenkenlos jener Art von Lackmustest unterzogen werden, mit Hilfe dessen sich all die wirklich guten Kinderbücher identifizieren lassen: „Die Brüder Löwenherz“ ist ein Buch, das sich für Kinder eignet, lässt aber Erwachsene nicht außen vor. Grundvoraussetzung dafür ist natürlich die klare, bildhafte Sprache, die das Rüstzeug jedes guten Geschichtenerzählers ist und die viel eher der kleinste gemeinsame Nenner von Literaturen für ein „erwachsenes“ Publikum und eines aus Kinder ist, als es die behandelten Themen sind. Erfreulicherweise ist um „Die Brüder Löwenherz“ nie jener Marketingrummel gewesen, der einem Bücher wie „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende oder „Sofies Welt“ von Jostein Gaarder gründlich vergällen kann (vom sträflich überbewerteten Buchhandel-Hätschelkind „Harry Potter“ mal ganz zu schweigen).
Nein, „Die Brüder Löwenherz“ ist ein sehr heimlicher Bestseller geblieben, und das ist auch gut so. Andernfalls hätte das Buch womöglich das gleiche Schicksal wie Endes „Unendliche Geschichte“ ereilt und es wäre ein kitschig-buntes, effektpralles Leinwandwandspektakel daraus geworden, das vor allem darauf schielt, möglichst viele neugierige und vor allem zahlungskräftige Zuschauer ins Kino zu locken. So aber ist der Film, der noch zu Lebzeiten der Autorin aus ihrem Buch geworden ist, eine erfreulich werkgetreues bewegtes Abbild, das sich vortrefflich für die Kinder-Matinee des örtlichen Programmkinos eignet. Das aber nur am Rande, denn vor den Film haben die Schriftsteller das Buch gesetzt.
Meine Ausgabe des Buchs aus dem Oetinger Verlag hat seit Jahren, die längst zu Jahrzehnten geworden sind, einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal; und mindestens einmal habe ich das Buch auch verschenkt. Meines Wissens hat sich die Aufmachung im Laufe der Zeit nur geringfügig geändert. Was insofern schön ist, als ich auch die Zeichnungen, mit denen der Text illustriert ist, sehr mag.
R e s ü m e e
Sensibel und in klarer, einfacher Sprache erzählte Geschichte, die eine Reihe großer Themen behandelt – mitreißend, anrührend und frei von Moralinsäure und Pathos. Fazit: Gäbe es einen Kanon der Kinder-Weltliteratur, dann hätte dieses Buch von Lindgren einen Platz darin.
31 Bewertungen, 11 Kommentare
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18.11.2006, 12:09 Uhr von antjeeule
Bewertung: sehr hilfreichIch weiß zwar nicht, wie du darauf kommst, dass dieses Buch ein heimlicher Bestseller geblieben ist. Es ist nämlich verfilmt worden, allerdings mit dem großen Vorteil, dass Astrid Lindgren auch das Drehbuch dazu geschrieben hat. Drum konnte hier gewiss nic
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17.11.2006, 10:33 Uhr von Sayenna
Bewertung: sehr hilfreichsh :-)
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17.11.2006, 10:31 Uhr von phobee
Bewertung: sehr hilfreichsh & viele Grüße!
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17.11.2006, 00:11 Uhr von JFK2001
Bewertung: sehr hilfreichAllerdings, Divalein, was haben die beiden mit Pippi Langstrumpf zu tun? Wurde hier die "Mutter"-Rolle von Astrid Lindgren zu genau genommen? Und Katla ist ein Lindwurm, soweit ich weiß, sonst ein netter Bericht. sh! :-)
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17.11.2006, 00:07 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichsh, LG Biggi :-)
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16.11.2006, 22:51 Uhr von Sweeaty
Bewertung: sehr hilfreichschöner bericht! :) liebe grüße!!
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16.11.2006, 22:48 Uhr von LittleSparko
Bewertung: sehr hilfreichlg, daniela
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16.11.2006, 22:43 Uhr von Gozo-Bernie
Bewertung: sehr hilfreichGruss aus Catania - bernie
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16.11.2006, 22:29 Uhr von Düsseldorf
Bewertung: sehr hilfreichhallo..ich steh voll auf gegenlesungen...
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16.11.2006, 22:27 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichsh :o)
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16.11.2006, 22:22 Uhr von kolibri850
Bewertung: sehr hilfreichsh, Gruß Michael
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