Erfahrungsbericht von DJMoench
\"Überfall\" von den Massiven
Pro:
Die Lieder sind gut.
Kontra:
Skits, Interludes etc. nerven!
Empfehlung:
Ja
Die Massiven Töne - Überfall
Generelle Informationen:
„Überfall“ ist die zweite der bisher drei LPs der Stuttgarter „Massiven Töne“ (Ju, Schowi, damals noch Wasi, und DJ 5ter Ton; alias J. C. dos Santos, J.-C. Ritter, W. Ntuanoglu und DJ 5ter Ton), mit Abstand die beste (sonst: „Kopfnicker“ und „MT3“) und erschienen 1999 auf Kopfnicker Records in Kooperation mit „Kolchose“, „0711 Büro“, „eastwest“, „Schlachterei Eckhardt“ und „Schulzritter“. Als Internet-Info-Adresse ist übrigens www.0711-hiphop-de angegeben, also schaut dort mal rein.
Exekutiver Produzent des Albums sind die Massiven selbst, als Features findet man die französische Crew I AM, die Arsonists und Blahzay Blahzay aus den USA, Celistial Souljahz (Shabazz the Disciple und Freestyle), Afrob und Max (heute besser als „Max Herre“ bekannt).
Gemastert wurde „Überfall“ in den Stuttgarter „Nosé Studios“ von Tom Krüger, aufgenommen größtenteils im „the roof studio“ in Stuttgart vonTommy Wittinger.
Das Album umfasst 18 Tracks, davon zwei Skits, drei Interludes, das Intro und das Outro, die Länge beträgt 56 Minuten und 13 Sekunden, der Preis liegt beim üblichen CD-Preis, variiert von Sonderangeboten (8-10 Euro), heruntergesetzten Preisen (12-13 Euro) bis hin zum „Neupreis“ (16-18 Euro).
SUBJEKTIV HIERZU: Wem es gelingt, die CD irgendwo zu einem Sonderpreis zu erstehen, der sollte dies auf jeden Fall tun; ansonsten ist die Scheibe für ihr Alter (5 Jahre) doch oft noch ein wenig teuer. Die Features alleine machen schon Neugierig auf die Musik und versprechen einiges an Qualität, ebenso die Produktions-Liste.
Cover-Design:
Das Front-Cover ist in schwarz gehalten, wird geziert von den Gesichtern der Vier (von Links nach Rechts: Schowi, Ju, Wasi, DJ 5ter Ton), darunter der Schriftzug „MASSIVE TÖNE“ in weißen, rot unterlegten Buchstaben (ein wenig „wissenschaftlich“ aufgemacht) und unter diesem in Weiß „ÜBERFALL“ in simplen, handgeschrieben ausschauenden Lettern.
Die Rückseite zeigt ganz oben die beiden Schriftzüge (der „MASSIVE TÖNE“-Schriftzug nur in weiß, leicht verändert), zentral zwei Photos (aufgenommen von Maya Müller). Auf dem Linken sieht man wieder die vier Musiker der Gruppe (von Links nach Rechts: Ju, DJ 5ter Ton, Wasi, Schowi), Ju stehend, die anderen drei sitzend, vor einem dunklen Hintergrund, das rechte zeigt sie auch, Ju (in der Mitte) jedoch verschwommen, stehend, rechts davon Schowi, sitzend, und Wasi, stehend, links von ihm ein Teil ihres DJs. Unter den Bildern sind die Titel aufgezählt, mit Angabe der Features und der Track-Längen, was mir persönlich beim Hören immer sehr weiterhilft.
Das Inlay ist ausführlich mit Bildern und Lieder-Informationen (Produktion, Text, Aufnahme, etc.) bestückt und optisch gefällig.
SUBJEKTIV HIERZU: Das Gesamt-Design ist gefällig, simpel und fällt weder negativ noch durch übermäßige Schönheit auf. Da ich die Farbe Schwarz gerne mag, für mich eines der eher besseren Cover. Das Artwork trägt die für „Schlachterei Eckhardt“ übliche Handschrift (hier: Elmar Jäger) und wurde demnach mit viel Liebe und ohne auffällige Fehler vorgenommen.
Klangqulität:
Der Klang ist durchgehend klasse, gut verständlich und weist weder Knacken und Knistern noch sonstige störende Geräusche auf. Die Bässe, Höhen, Tiefen, Mitten, etc. sind gut ausgesteuert und lassen dem Hörer viel Spielraum, die Lieder besonders basslastig, soft oder einfach normal abzuspielen.
SUBJEKTIV HIERZU: Ermöglicht es mir, mich alleine auf die Musik zu konzentrieren und ist mir daher positiv aufgefallen. Vielen Dank dafür an die „Nosé Studios“, „the roof studio“ und „Kolchose“ (und natürlich „Kopfnicker Records“).
Texte und Musik:
Die Texte bewegen sich im üblichen „Massive Töne“-Rahmen, das heißt sind sowohl Battle-Texte als auch eher tiefsinnige, Liebes-Texte und Party-taugliche. Sie sind flüssig und gut betont vorgetragen (bei Wasi teilweise ein wenig holperig, bei Ju teilweise sehr „prollig“, dadurch jedoch sehr individuell)
Die Musik, will sagen Beats von DJ 5ter Ton, DJ Thomilla, Akhenaton, DJ Emilio, Tommy Wittinger und P. F. Cuttin sind größtenteils überzeugend.
Hier eine genauere Besprechung der einzelnen Tracks:
1) „Überfall (Intro)“ [2:17 Minuten]: Sirenen, eine erst bedrohliche (Bass), dann „süße“ (Flöten) Melodie beginnt, „Was geht ab“ von Ju, verzerrte Stimme wie durch ein Funkgerät, danach weiteres Funk-Gerede („Massive Töne am Platz“, „Wer rollt mit, hä?“...), die Melodie läuft aus, eine neue beginnt, wird einmal gespielt, dann die Drum-Percussions und die Melodie wird etwa alle zwei Takte durch einen Tusch unterstützt: Ein sehr geiler Beat! Nun lässt DJ 5ter Ton die Finger fliegen und legt diverse geniale Cuts und Scratches hören, spielt so Zitate, zu einem großen Teil von den Massiven selbst, ein (z.B.: „das ist die Bombe für alle!“, „Massive Töne!“, „Weltpremiere!“,...)
Bewertung: definitiv klasse, da allerdings ohne Rap „nur“ GUT!
2) „Unterschied“ [5:11 Minuten]: Eines der bekanntesten Lieder der LP. Der Beat wird angespielt, dazu „Yeah, was geht ab?, Junge was?...“, dann beginnt der erste Rappart, flüssig gerappt. Der Text ist üblicher Battle.Kram („Wir sind higher/ als der Himalaya“, „schickens raus wie Sputniks/ damit du checkst/ dass es dir gut geht/ wenn du dir Kopfnicker-Sound zulegst“, usw.). Der Refrain ist typisch für die Massiven Töne („Da liegt der Unterschied/ man wundert sich/ das ist unser Shit/ und es geschieht/ im ganzen Bundesgebiet/ und wenn wir mal da oben sind gibt’s keinen der uns da runter kriegt...“) und national bekannt. Insgesamt besteht das Lied aus drei Strophen, die zwischen den drei Rappern aufgeteilt sind, danach immer der Refrain, zwei Mal hintereinander.
Nach dem letzten Refrain noch einmal vom DJ gescratcht „It’s the real soldiers at this HipHop culture“, ein wenig undeutlich und nicht wirklich spektakulär gescratch.
Bewertung: ein eingeklammertes (sehr) vor dem für den leider ein wenig monotonen Beat und die fast schon lausigen Scratches nur als solches verliehenen GUT!
3) “P. F. Cuttin & Outloud [Skit]“ [0.39]: Ein Skit, indem P. F. Cuttin seinem Kumpel Outloud erzählt, wie es zu dem folgenden Track und zu der Verbindung zu der deutschen HipHop-Crew gekommen ist.
Bewertung: ZUM Glück kurz, allerdings dennoch langweilig und NICHTSSAGEND!
4) „Rapgame (U.N.)“ [5:02 Minuten], featuring Blahzay Blahzay: Eines der besten deutschen Lieder, die ich je gehört habe: einige wenige einleitende Klänge, dann setzt der Beat unerwartet pumpend und mit einer fast schon genialen, gesampleten Melodie ein, die während des Refrains noch durch eine ähnliche unterstützt wird, ein typisches „Ja ja!“ von Ju, der Beat wird noch ein wenig weiter laufen gelassen, dann setzt Schowis Rappart mit dem Satz „Wir hängen an HipHop wie an Kletten,...“ ein, und dem Hörer wird erst so richtig bewusst, welch musikalische Meisterleistung seine Ohren da grade beschallt, und wahrscheinlich wird er einen anerkennenden Jauchzer, ein „Ooohweee!“ zum Beispiel, ausstoßen, wenn er einen guten Geschmack und einen derben Style hat. Vor dem Refrain dann noch ein eher kurzer englischsprachiger Part von Blahzay Blahzay, dann die ebenfalls auf Englisch gerappte Hook und es geht ziemlich lange auf Deutsch weiter, bis der letzte, abschließende Part wieder von dem Amerikaner gerappt, allerdings mit dem Wort „Arschloch“ beendet wird. Der Beat läuft aus, anfangs noch mit Refrain, dann nur instrumental und immer leiser werdend.
Textlich behandelt das Lied kein besonderes Thema (das „Rapgame“), ist eigentlich rein von den Lyrics her ein althergebrachter Battle-Track.
Das Ding wurde produziert und abgemischt von P. F. Cuttin (Blahzay Blahzay) und in New York (Soundtrack Studios) aufgenommen. Auch die Scratches gehen auf die Kappe von P. F. Cuttin.
Bewertung: mehr als nur SEHR GUT!
5) „Radio [Interlude]“ [1:07]: Ein sehr abwechslungsreicher, allerdings trotzdem ungewohnt klingender, nicht wirklich harmonischer Beat beginnt, Schowi sagt: „Massive Töne“ und der Beat läuft eine Minute weiter.
Bewertung: hier nicht im Sinne von schlecht, sondern vielmehr im wahrsten Sinne des Wortes ein NICHTSSAGEND!
6) „Hände hoch“ [3:31]: Wer kennt diesen Track nicht? Es beginnt mit dem sehr hart pumpenden Beat, der zwar genial ausgesteuert, aber dennoch basslastig ist, bis die besten Party-Boxen platzen. Und Party ist genau das richtige Stichwort, denn dies sind auch das Thema des Textes („Hey, DJ, wie gehtst denn du ab?“, „Gedränge in den Gängen!“, „Hier sind mehr Arme in der Luft als in Sankt Tropez!“, „Es ist happy hour; einer geht noch!“, „Hier geht das beste Fest!“, und so weiter, es ließe sich endlos zitieren!) und die Stimmung, die das Lied verbreitet. Textlich beginnt der Track mit der Hook, die zweimal hintereinander gegrölt wird, dann die erste Strophe, erneute Hook, Jus „Ja ja“, der Beat wird herausgezögert, bis die Spannung ihren Höhepunkt erreicht, dann platzt er fast schon noch pumpender als zuvor zurück, in Verbindung mit der zweiten Strophe, während der er sich leider einmal für etwa fünf bis zehn Sekunden verändert – zum schlechten. Wieder der Refrain, ausleitende Sätze, der Beat läuft aus und hinterlässt Leere.
Der geradezu gebrüllte Refrain („Hände hoch, das ist ein Überfall, Kopfnicker rockt, ohne Ende überall, alle Hände hoch, die massiven sind da, extra-extra-large, beweg deinen Arsch!“) verbreitet die zum Beat und zu den Strophen passende Party-Stimmung.
Es verwundert nur ein wenig, dass dieser Track in den „Studios de la Seine“ in Paris abgemischt wurde.
Bewertung: Party pur, zum Mitgrölen perfekt geeignet, ein einprägsamer Text, durchgehend guter Flow, daher einfach nur SEHR GUT!
7) „Nie ohne sie“ [3:31]: Ein weiterer Klassiker. Die Massiven Töne selbst sagten einst, dieses Liebeslieb richte sich sowohl an Frauen als auch im platonischen Sinne an ihre Freunde; der Text lässt es klar werden, der Beat leider eher weniger. Er ist ziemlich monoton, bis auf eine der drei (oder vier) konfus vermischten Melodien wenig harmonisch und wirkt abgehackt. Der Text ist zwar gut, allerdings nicht so „balladenhaft“, schön, gefühlvoll, wie der Titel und das Thema versprechen.
Doch dies alles klingt wahrscheinlich negativer, als es gemeint ist. Der Refrain passt sich ausgezeichnet dem Beat und den drei Strophen an, rundet daher das Lied sehr ab und verbessert meinen Gesamteindruck.
Auch „Nie ohne sie“ ist in Paris abgemischt worden, sodass die Qualität des Klangs wieder einmal phantastisch ist.
Bewertung: insgesamt gerade noch, vielleicht nur, da es ein derartig bekannter Klassiker mit hier nicht angebrachtem Mitgröhl-Potential ist, GUT!
8) „Kids [Skit]“ [0:13]: Die Stimmen kleiner Jungs beschimpfen sich gegenseitig und schwärmen danach von den Massiven Tönen.
Bewertung: was soll ich damit? Daher wirklich NICHTTSAGEND!
9) „Center of attention“ featuring Arsonists [3:55]: Ein Piepen und unverständliche Stimmen, dann die Drum-Percussions, dann die Melodie und ein bisschen Rumgegröle, es folgt der Refrain. Dann zuerst ein englischer Part, danach Ju auf Deutsch, hiernach immer abwechselnd einer der Massiven beziehungsweise einer der Arsonists, unterbrochen vom Refrain.
Die Rap-Parts sind eine wahre Freude: Man merkt wirklich, dass die Arsonists Spaß am Rappen haben, und das die Massiven Töne ihr Handwerk verstehen. Den größtenteils englischen Refrain („...or do I have to mention/ Massive Töne, Arsonists“ und nun entweder „...the center of attention“ oder „...du kennst die Konsequenzen“) singt die monotone Frauenstimme von „Pat“, zweimal hintereinander, mit Variation (siehe die Klammer oben).
Text: Battle. Beat: eine Melodie aus Piependen-Tönen, die etwa die Hälfte eines Taktes füllt; sehr simpel, jedoch auch auf fast vier Minuten nicht langweilig.
Bewertung: der Refrain vermiest mir das Lied sehr, die Parts pushen es allerdings hoch zu einem ordentlichen GUT!
10) „Chartbreaker (Einmal Star und zurück)“ [3:49 Minuten]: Simple Melodie, ausreichend viele Variationen im Beat, cooler Text! So könnte man diesen Klassiker, der übrigens selber ein Chartbreaker war, kurz und treffend Beschreiben. Er erzählt die Geschichte eines Mädchens vom Lande, das Ruhm im Musik-Geschäft sucht, durch eine Casting-Show findet (siehe der Refrain: „sie hat jeden gefickt“ oder „jeder hat sie gefickt“), jedoch wieder verliert, als die „zweite Scheibe scheitert“. Die Massiven Töne überlegen sich nun: „war’s Pech- war’s Glück?“.Gerade in den Zeiten von DSDS und Popstars ist dieses Lied, das übrigens vor den meisten dieser Shows herausgekommen ist, erfrischend kritisch, außerdem perfekt gerappt und mit einem umwerfenden Beat von DJ Thomilla (Gitarren-Melodie, im Hintergrund Glöckchen, ab und zu ganz kurz Hall, etc.).
Aufnahme: „Benztown Studios“ in der Benztown Stuttgart. Abgemischt: „Tucan Studio“ in Kornwestheim, wo auch immer das liegen mag ;-).
Bewertung: als Hasser von DSDS & Co. und als Bewunderer von guter Musik gebe ich „Chartbreaker“ ein ganz deutliches SEHR GUT!
11) „Zeit“ featuring I AM [5:50 Minuten]: Das sehr dröhnende und übermäßig bombastische „Zeit“ mit einem Feature der französischen Crew I AM und einem extrem fetten Beat, der besonders an jenen Stellen, an denen er einen Refrain ersetzt - hier kommt noch eine gepfiffene Melodie zu der eigentlichen, während die „Drums“ aussetzen, dazu nur „Die Zeit läuft und läuft und läuft!“ von den massiven Stuttgartern, die sich mit dem „...und läuft...“ abwechseln - geradezu göttlich wirkt.
Der Text behandelt, wie der Titel, als Rahmen Zeit und was diese mit einem machen kann, besonders im Musik-Geschäft, mit anderen Worten: Veränderungen. Sowohl die Massiven Töne als auch die Jungs von I AM rappen klasse.
Aufgenommen wurde der Track im „Studio Cactus“ in Paris, abgemischt im „Studio Mega“, ebenfalls in der französischen Hauptstadt.
Bewertung: ein simples SEHR GUT!
12) „Benz Bouncer [Interlude]“ [1:02]: Eine Melodie, dann Drum-Percussions… was könnte das anderes sein, als ein weiteres Interlude, mit dem man eigentlich nichts wirklich anfangen kann (nicht einmal im Benz dazu bouncen, dafür ist der Beat zu langsam und pumpt nicht genug!).
Bewertung: mal wieder leider nichts sagend als NICHTSSAGEND!
13) „Paff Paff Putos“ featuring Afrob [4:01]: Und schon wieder ein Lied, das jeder kennt. Der Beat ist mal wieder Party, der Text Battle, der Afrob Part im Vergleich zu den Massive-Töne-Parts sowohl textlich als auch vom Flow her bestenfalls Mittelmaß, auch wenn Ju wieder einmal vordergründig schreit, das aber mit sehr sehr viel Style (danke dafür an ihn).
Der Refrain ist absolut party-tauglich („Paff Paff Putos, wir sind so high/ wir kommen vorbei/ wo auch immer ihr seid!“). Das „Paff Paff Putos“ singt (ruft) Maha, die Scratches
Bewertung: ohne Afrob wäre es sicherlich mehr, so ist es „nur“ GUT!
14) „Die Geister scheiden sich“ [3:48]: Es beginnt alles mit einer wunderschönen Gitarrenmelodie, zu der eine weitere hinzu kommt, bis dann die Drum-Percussions einsetzen und ab und zu ein Klavier-Akkord einstimmt (am Ende jedes Takts). Die Parts sind eher Nachdenklich, ebenso der von Max gesungene/ gerappte Kreuzreim-Refrain („Wenn die Vernunft leise spricht, wenn man nur eine Chance hat/ sucht man Gleichgewicht und es ist ein Balance-Akt/ die Geister scheiden sich, viele verfallen der Ohnmacht/ und man begreift es nicht, solang man sich was vormacht!“) und behandelt die Probleme des Alltags, die einem das Leben.
Der Beat ist erfrischend komplex, der Text erfrischend nachdenklich, das Lied erfrischend schön, das Feature von Max Herre erfrischend... einfach Max Herre halt.
Bewertung: sei es der Abwechslung im Vergleich zu den meisten anderen Liedern auf der CD, sei es nur der Qualität wegen, so oder so SEHR GUT!
15) „Nachtaktion [Interlude]” [1:11]: Mal wieder ein Interlude, dachte ich mir enttäuscht, als ich die CD zum ersten Mal hörte. Doch, oh Wunder, dieser Beat ist toll. Eine Melodie, am Ende des Taktes ein kurzes Summen, gute Drum-Percussions, perfekte Länge.
Bewertung: endlich mal kriegt auch ein Interlude ein GUT!
16) „Bleib in Bewegung“ featuring Max [4:37]: Vielen Dank an die Massiven Töne: dieses Lied ist die perfekte Mischung aus Party und Liebeslied; eigentlich ist es ein Anmach-Track. Max überzeugt auch hier, sowohl mit dem Refrain („Es ist angenehm/ dich anzusehen/ lass uns tanzen gehen/ bleib in Bewegung, bleib in Bewegung!“ Das ganze zwei Mal), als auch mit seinem sehr ruhig vorgetragenen Part. Der Schowi-Part nach dem von Max fängt zwar enttäuschend an („Sie pafft wie Daddy“), wird dann aber schnell wieder Überfall-niveauvoll („Will sie nur den eeeeinen/ zwischen meinen Beinen?“). Der Beat von DJ Emilio pumpt zwar nicht auf hundertprozentiger Party-Leistung und besteht eigentlich nur aus einer ganz oft wiederholten Melodie, überzeugt allerdings trotzdem.
Bewertung: ich kann mich nicht wirklich entscheiden, ob das „sehr“ stehen bleiben soll, lasse es aber erst einmal an seiner Stelle, sodass ich nur sagen kann: SEHR GUT!
17) „Notify the president“ featuring Celistial Souljahz (Shabazz the Disciple und Freestyle) [5:09]: Eine Sirene leitet den Beat ein, die dann mit den Drums unterlegt wird. Wann genau die Melodie einsetzt und wie sie klingt, ist schwer zu sagen, da sie nur wenige scheinbar willkürlich wiederholte Töne beinhaltet. Soviel zum Nachteil. Die Vorteile sind jedoch deutlich offensichtlicher: die Texte sind systemkritisch, der Refrain ist harmonisch, wenn auch teilweise ein wenig undeutlich gesungen (danach noch ein gesprochener Text von Mathias Bach), die Flows sind übergeil, speziell der von Shabazz the disciple, der von Freestyle ist ebenfalls phantastisch, beide englischsprachig.
„Babylon muss fallen und brennen/ wie die Mauern aller Städte, die wir kennen“, erklingt von Mathias Bach und Ju, während der Beat ausläuft und bevor er dann kurz aussetzt, instrumental zurückkehrt und nun lange und langsam auslaufen gelassen wird.
Bewertung: ein simples, absolut berechtigtes, aber auch ein wenig nachdenkliches (ach nein, das Lied hat mich nachdenklich gemacht ;-)) SEHR GUT!
18) „Testlauf [Outro]“ [0:21]: „Ey, wie gehst denn du ab?“, fragt Ju und ein relativ lausiger Beat von DJ 5ter Ton erklingt für knapp zwanzig Sekunden. Die CD ist vorbei. Dieses erschreckende Outro droht, meinen guten Gesamteindruck zu vernichten. Schade!
Bewertung: ein angesichts seiner Position als Track schockierendes NICHTSSAGEND!
Gesamteindruck:
1. „Überfall (Intro)“ GUT!
2. „Unterschied“ GUT!
3. “P. F. Cuttin & Outloud [Skit]“ NICHTSSAGEND!
4. „Rapgame (U.N.)“ SEHR GUT!
5. „Radio [Interlude]“ NICHTSSAGEND!
6. „Hände hoch“ SEHR GUT!
7. „Nie ohne sie“ GUT!
8. „Kids [Skit]“ NICHTTSAGEND!
9. „Center of attention“ GUT!
10. „Chartbreaker“ SEHR GUT!
11. „Zeit“ SEHR GUT!
12. „Benz Bouncer [Interlude]“ NICHTSSAGEND!
13. „Paff Paff Putos“ GUT!
14. „Die Geister scheiden sich“ SEHR GUT!
15. „Nachtaktion [Interlude]” GUT!
16. „Bleib in Bewegung“ SEHR GUT!
17. „Notify the president“ SEHR GUT!
18. „Testlauf [Outro]“ NICHTSSAGEND!
GESAMT: GUT!
Es stören die Interludes, Skits und das Outro, rein trackmäßig ist das Album durchgehend gut, keines der Lieder ist nur „mittelmäßig“. Für DJs kann ich das Album (natürlich auch auf Platte erhältlich) besonders empfehlen, zumal es diverse Party-Tracks enthält, gleichzeitig ist es jedoch auch zum Nachdenken, Ausruhen oder Neben-Bei-Hören geeignet, demnach also sehr vielseitig.
Persönliche Verbindungen:
„Überfall“ war eines der ersten deutschen HipHop-Alben, die ich besaß, inzwischen habe ich es mir sogar auf Platte gekauft. Viele der Lieder sind für mich inzwischen absolute Klassiker geworden, tausend Mal gehört, sodass ich die Texte oft mitrappen und die Refrains alle mitsingen oder mitgrölen kann. Jedes Mal, wenn ich einen der Tracks auf einer Party hören durfte, was nicht selten geschah, begrüßte ich diesen mit lauten Jubelschreien. Meine Stereoanlage hat oft wochenlang nichts anderes gespielt!
Fazit:
„Überfall“ ist ein im groben sehr gut gelungenes Album, das erst beim genauen Hinschauen diverse Schwachpunkte, als da wären die Skits, Interludes und das Outro, der Afrob-Part, einige zu monotone Beats und die an einigen wenigen Stellen zu flachen Texte, enthält.
Den Kauf würde ich jedem HipHop-Fan und Party-Besucher ans Herz legen, da das Album durchaus zum Dauergast in euren CD-Playern werden könnte.
Besonders im Vergleich zu den neuen Liedern der Stuttgarter, die nach diesem Album übrigens ihr Mitglied Wasi einbüßen mussten, ist „Überfall“ erfrischend und hat Klassiker-Qualitäten, falls es nicht sowieso schon ein solcher sein sollte.
Danke für’s Lesen,
viel Spaß beim Kaufen und Hören,
Euer/ Ihr,
DJMoench
Generelle Informationen:
„Überfall“ ist die zweite der bisher drei LPs der Stuttgarter „Massiven Töne“ (Ju, Schowi, damals noch Wasi, und DJ 5ter Ton; alias J. C. dos Santos, J.-C. Ritter, W. Ntuanoglu und DJ 5ter Ton), mit Abstand die beste (sonst: „Kopfnicker“ und „MT3“) und erschienen 1999 auf Kopfnicker Records in Kooperation mit „Kolchose“, „0711 Büro“, „eastwest“, „Schlachterei Eckhardt“ und „Schulzritter“. Als Internet-Info-Adresse ist übrigens www.0711-hiphop-de angegeben, also schaut dort mal rein.
Exekutiver Produzent des Albums sind die Massiven selbst, als Features findet man die französische Crew I AM, die Arsonists und Blahzay Blahzay aus den USA, Celistial Souljahz (Shabazz the Disciple und Freestyle), Afrob und Max (heute besser als „Max Herre“ bekannt).
Gemastert wurde „Überfall“ in den Stuttgarter „Nosé Studios“ von Tom Krüger, aufgenommen größtenteils im „the roof studio“ in Stuttgart vonTommy Wittinger.
Das Album umfasst 18 Tracks, davon zwei Skits, drei Interludes, das Intro und das Outro, die Länge beträgt 56 Minuten und 13 Sekunden, der Preis liegt beim üblichen CD-Preis, variiert von Sonderangeboten (8-10 Euro), heruntergesetzten Preisen (12-13 Euro) bis hin zum „Neupreis“ (16-18 Euro).
SUBJEKTIV HIERZU: Wem es gelingt, die CD irgendwo zu einem Sonderpreis zu erstehen, der sollte dies auf jeden Fall tun; ansonsten ist die Scheibe für ihr Alter (5 Jahre) doch oft noch ein wenig teuer. Die Features alleine machen schon Neugierig auf die Musik und versprechen einiges an Qualität, ebenso die Produktions-Liste.
Cover-Design:
Das Front-Cover ist in schwarz gehalten, wird geziert von den Gesichtern der Vier (von Links nach Rechts: Schowi, Ju, Wasi, DJ 5ter Ton), darunter der Schriftzug „MASSIVE TÖNE“ in weißen, rot unterlegten Buchstaben (ein wenig „wissenschaftlich“ aufgemacht) und unter diesem in Weiß „ÜBERFALL“ in simplen, handgeschrieben ausschauenden Lettern.
Die Rückseite zeigt ganz oben die beiden Schriftzüge (der „MASSIVE TÖNE“-Schriftzug nur in weiß, leicht verändert), zentral zwei Photos (aufgenommen von Maya Müller). Auf dem Linken sieht man wieder die vier Musiker der Gruppe (von Links nach Rechts: Ju, DJ 5ter Ton, Wasi, Schowi), Ju stehend, die anderen drei sitzend, vor einem dunklen Hintergrund, das rechte zeigt sie auch, Ju (in der Mitte) jedoch verschwommen, stehend, rechts davon Schowi, sitzend, und Wasi, stehend, links von ihm ein Teil ihres DJs. Unter den Bildern sind die Titel aufgezählt, mit Angabe der Features und der Track-Längen, was mir persönlich beim Hören immer sehr weiterhilft.
Das Inlay ist ausführlich mit Bildern und Lieder-Informationen (Produktion, Text, Aufnahme, etc.) bestückt und optisch gefällig.
SUBJEKTIV HIERZU: Das Gesamt-Design ist gefällig, simpel und fällt weder negativ noch durch übermäßige Schönheit auf. Da ich die Farbe Schwarz gerne mag, für mich eines der eher besseren Cover. Das Artwork trägt die für „Schlachterei Eckhardt“ übliche Handschrift (hier: Elmar Jäger) und wurde demnach mit viel Liebe und ohne auffällige Fehler vorgenommen.
Klangqulität:
Der Klang ist durchgehend klasse, gut verständlich und weist weder Knacken und Knistern noch sonstige störende Geräusche auf. Die Bässe, Höhen, Tiefen, Mitten, etc. sind gut ausgesteuert und lassen dem Hörer viel Spielraum, die Lieder besonders basslastig, soft oder einfach normal abzuspielen.
SUBJEKTIV HIERZU: Ermöglicht es mir, mich alleine auf die Musik zu konzentrieren und ist mir daher positiv aufgefallen. Vielen Dank dafür an die „Nosé Studios“, „the roof studio“ und „Kolchose“ (und natürlich „Kopfnicker Records“).
Texte und Musik:
Die Texte bewegen sich im üblichen „Massive Töne“-Rahmen, das heißt sind sowohl Battle-Texte als auch eher tiefsinnige, Liebes-Texte und Party-taugliche. Sie sind flüssig und gut betont vorgetragen (bei Wasi teilweise ein wenig holperig, bei Ju teilweise sehr „prollig“, dadurch jedoch sehr individuell)
Die Musik, will sagen Beats von DJ 5ter Ton, DJ Thomilla, Akhenaton, DJ Emilio, Tommy Wittinger und P. F. Cuttin sind größtenteils überzeugend.
Hier eine genauere Besprechung der einzelnen Tracks:
1) „Überfall (Intro)“ [2:17 Minuten]: Sirenen, eine erst bedrohliche (Bass), dann „süße“ (Flöten) Melodie beginnt, „Was geht ab“ von Ju, verzerrte Stimme wie durch ein Funkgerät, danach weiteres Funk-Gerede („Massive Töne am Platz“, „Wer rollt mit, hä?“...), die Melodie läuft aus, eine neue beginnt, wird einmal gespielt, dann die Drum-Percussions und die Melodie wird etwa alle zwei Takte durch einen Tusch unterstützt: Ein sehr geiler Beat! Nun lässt DJ 5ter Ton die Finger fliegen und legt diverse geniale Cuts und Scratches hören, spielt so Zitate, zu einem großen Teil von den Massiven selbst, ein (z.B.: „das ist die Bombe für alle!“, „Massive Töne!“, „Weltpremiere!“,...)
Bewertung: definitiv klasse, da allerdings ohne Rap „nur“ GUT!
2) „Unterschied“ [5:11 Minuten]: Eines der bekanntesten Lieder der LP. Der Beat wird angespielt, dazu „Yeah, was geht ab?, Junge was?...“, dann beginnt der erste Rappart, flüssig gerappt. Der Text ist üblicher Battle.Kram („Wir sind higher/ als der Himalaya“, „schickens raus wie Sputniks/ damit du checkst/ dass es dir gut geht/ wenn du dir Kopfnicker-Sound zulegst“, usw.). Der Refrain ist typisch für die Massiven Töne („Da liegt der Unterschied/ man wundert sich/ das ist unser Shit/ und es geschieht/ im ganzen Bundesgebiet/ und wenn wir mal da oben sind gibt’s keinen der uns da runter kriegt...“) und national bekannt. Insgesamt besteht das Lied aus drei Strophen, die zwischen den drei Rappern aufgeteilt sind, danach immer der Refrain, zwei Mal hintereinander.
Nach dem letzten Refrain noch einmal vom DJ gescratcht „It’s the real soldiers at this HipHop culture“, ein wenig undeutlich und nicht wirklich spektakulär gescratch.
Bewertung: ein eingeklammertes (sehr) vor dem für den leider ein wenig monotonen Beat und die fast schon lausigen Scratches nur als solches verliehenen GUT!
3) “P. F. Cuttin & Outloud [Skit]“ [0.39]: Ein Skit, indem P. F. Cuttin seinem Kumpel Outloud erzählt, wie es zu dem folgenden Track und zu der Verbindung zu der deutschen HipHop-Crew gekommen ist.
Bewertung: ZUM Glück kurz, allerdings dennoch langweilig und NICHTSSAGEND!
4) „Rapgame (U.N.)“ [5:02 Minuten], featuring Blahzay Blahzay: Eines der besten deutschen Lieder, die ich je gehört habe: einige wenige einleitende Klänge, dann setzt der Beat unerwartet pumpend und mit einer fast schon genialen, gesampleten Melodie ein, die während des Refrains noch durch eine ähnliche unterstützt wird, ein typisches „Ja ja!“ von Ju, der Beat wird noch ein wenig weiter laufen gelassen, dann setzt Schowis Rappart mit dem Satz „Wir hängen an HipHop wie an Kletten,...“ ein, und dem Hörer wird erst so richtig bewusst, welch musikalische Meisterleistung seine Ohren da grade beschallt, und wahrscheinlich wird er einen anerkennenden Jauchzer, ein „Ooohweee!“ zum Beispiel, ausstoßen, wenn er einen guten Geschmack und einen derben Style hat. Vor dem Refrain dann noch ein eher kurzer englischsprachiger Part von Blahzay Blahzay, dann die ebenfalls auf Englisch gerappte Hook und es geht ziemlich lange auf Deutsch weiter, bis der letzte, abschließende Part wieder von dem Amerikaner gerappt, allerdings mit dem Wort „Arschloch“ beendet wird. Der Beat läuft aus, anfangs noch mit Refrain, dann nur instrumental und immer leiser werdend.
Textlich behandelt das Lied kein besonderes Thema (das „Rapgame“), ist eigentlich rein von den Lyrics her ein althergebrachter Battle-Track.
Das Ding wurde produziert und abgemischt von P. F. Cuttin (Blahzay Blahzay) und in New York (Soundtrack Studios) aufgenommen. Auch die Scratches gehen auf die Kappe von P. F. Cuttin.
Bewertung: mehr als nur SEHR GUT!
5) „Radio [Interlude]“ [1:07]: Ein sehr abwechslungsreicher, allerdings trotzdem ungewohnt klingender, nicht wirklich harmonischer Beat beginnt, Schowi sagt: „Massive Töne“ und der Beat läuft eine Minute weiter.
Bewertung: hier nicht im Sinne von schlecht, sondern vielmehr im wahrsten Sinne des Wortes ein NICHTSSAGEND!
6) „Hände hoch“ [3:31]: Wer kennt diesen Track nicht? Es beginnt mit dem sehr hart pumpenden Beat, der zwar genial ausgesteuert, aber dennoch basslastig ist, bis die besten Party-Boxen platzen. Und Party ist genau das richtige Stichwort, denn dies sind auch das Thema des Textes („Hey, DJ, wie gehtst denn du ab?“, „Gedränge in den Gängen!“, „Hier sind mehr Arme in der Luft als in Sankt Tropez!“, „Es ist happy hour; einer geht noch!“, „Hier geht das beste Fest!“, und so weiter, es ließe sich endlos zitieren!) und die Stimmung, die das Lied verbreitet. Textlich beginnt der Track mit der Hook, die zweimal hintereinander gegrölt wird, dann die erste Strophe, erneute Hook, Jus „Ja ja“, der Beat wird herausgezögert, bis die Spannung ihren Höhepunkt erreicht, dann platzt er fast schon noch pumpender als zuvor zurück, in Verbindung mit der zweiten Strophe, während der er sich leider einmal für etwa fünf bis zehn Sekunden verändert – zum schlechten. Wieder der Refrain, ausleitende Sätze, der Beat läuft aus und hinterlässt Leere.
Der geradezu gebrüllte Refrain („Hände hoch, das ist ein Überfall, Kopfnicker rockt, ohne Ende überall, alle Hände hoch, die massiven sind da, extra-extra-large, beweg deinen Arsch!“) verbreitet die zum Beat und zu den Strophen passende Party-Stimmung.
Es verwundert nur ein wenig, dass dieser Track in den „Studios de la Seine“ in Paris abgemischt wurde.
Bewertung: Party pur, zum Mitgrölen perfekt geeignet, ein einprägsamer Text, durchgehend guter Flow, daher einfach nur SEHR GUT!
7) „Nie ohne sie“ [3:31]: Ein weiterer Klassiker. Die Massiven Töne selbst sagten einst, dieses Liebeslieb richte sich sowohl an Frauen als auch im platonischen Sinne an ihre Freunde; der Text lässt es klar werden, der Beat leider eher weniger. Er ist ziemlich monoton, bis auf eine der drei (oder vier) konfus vermischten Melodien wenig harmonisch und wirkt abgehackt. Der Text ist zwar gut, allerdings nicht so „balladenhaft“, schön, gefühlvoll, wie der Titel und das Thema versprechen.
Doch dies alles klingt wahrscheinlich negativer, als es gemeint ist. Der Refrain passt sich ausgezeichnet dem Beat und den drei Strophen an, rundet daher das Lied sehr ab und verbessert meinen Gesamteindruck.
Auch „Nie ohne sie“ ist in Paris abgemischt worden, sodass die Qualität des Klangs wieder einmal phantastisch ist.
Bewertung: insgesamt gerade noch, vielleicht nur, da es ein derartig bekannter Klassiker mit hier nicht angebrachtem Mitgröhl-Potential ist, GUT!
8) „Kids [Skit]“ [0:13]: Die Stimmen kleiner Jungs beschimpfen sich gegenseitig und schwärmen danach von den Massiven Tönen.
Bewertung: was soll ich damit? Daher wirklich NICHTTSAGEND!
9) „Center of attention“ featuring Arsonists [3:55]: Ein Piepen und unverständliche Stimmen, dann die Drum-Percussions, dann die Melodie und ein bisschen Rumgegröle, es folgt der Refrain. Dann zuerst ein englischer Part, danach Ju auf Deutsch, hiernach immer abwechselnd einer der Massiven beziehungsweise einer der Arsonists, unterbrochen vom Refrain.
Die Rap-Parts sind eine wahre Freude: Man merkt wirklich, dass die Arsonists Spaß am Rappen haben, und das die Massiven Töne ihr Handwerk verstehen. Den größtenteils englischen Refrain („...or do I have to mention/ Massive Töne, Arsonists“ und nun entweder „...the center of attention“ oder „...du kennst die Konsequenzen“) singt die monotone Frauenstimme von „Pat“, zweimal hintereinander, mit Variation (siehe die Klammer oben).
Text: Battle. Beat: eine Melodie aus Piependen-Tönen, die etwa die Hälfte eines Taktes füllt; sehr simpel, jedoch auch auf fast vier Minuten nicht langweilig.
Bewertung: der Refrain vermiest mir das Lied sehr, die Parts pushen es allerdings hoch zu einem ordentlichen GUT!
10) „Chartbreaker (Einmal Star und zurück)“ [3:49 Minuten]: Simple Melodie, ausreichend viele Variationen im Beat, cooler Text! So könnte man diesen Klassiker, der übrigens selber ein Chartbreaker war, kurz und treffend Beschreiben. Er erzählt die Geschichte eines Mädchens vom Lande, das Ruhm im Musik-Geschäft sucht, durch eine Casting-Show findet (siehe der Refrain: „sie hat jeden gefickt“ oder „jeder hat sie gefickt“), jedoch wieder verliert, als die „zweite Scheibe scheitert“. Die Massiven Töne überlegen sich nun: „war’s Pech- war’s Glück?“.Gerade in den Zeiten von DSDS und Popstars ist dieses Lied, das übrigens vor den meisten dieser Shows herausgekommen ist, erfrischend kritisch, außerdem perfekt gerappt und mit einem umwerfenden Beat von DJ Thomilla (Gitarren-Melodie, im Hintergrund Glöckchen, ab und zu ganz kurz Hall, etc.).
Aufnahme: „Benztown Studios“ in der Benztown Stuttgart. Abgemischt: „Tucan Studio“ in Kornwestheim, wo auch immer das liegen mag ;-).
Bewertung: als Hasser von DSDS & Co. und als Bewunderer von guter Musik gebe ich „Chartbreaker“ ein ganz deutliches SEHR GUT!
11) „Zeit“ featuring I AM [5:50 Minuten]: Das sehr dröhnende und übermäßig bombastische „Zeit“ mit einem Feature der französischen Crew I AM und einem extrem fetten Beat, der besonders an jenen Stellen, an denen er einen Refrain ersetzt - hier kommt noch eine gepfiffene Melodie zu der eigentlichen, während die „Drums“ aussetzen, dazu nur „Die Zeit läuft und läuft und läuft!“ von den massiven Stuttgartern, die sich mit dem „...und läuft...“ abwechseln - geradezu göttlich wirkt.
Der Text behandelt, wie der Titel, als Rahmen Zeit und was diese mit einem machen kann, besonders im Musik-Geschäft, mit anderen Worten: Veränderungen. Sowohl die Massiven Töne als auch die Jungs von I AM rappen klasse.
Aufgenommen wurde der Track im „Studio Cactus“ in Paris, abgemischt im „Studio Mega“, ebenfalls in der französischen Hauptstadt.
Bewertung: ein simples SEHR GUT!
12) „Benz Bouncer [Interlude]“ [1:02]: Eine Melodie, dann Drum-Percussions… was könnte das anderes sein, als ein weiteres Interlude, mit dem man eigentlich nichts wirklich anfangen kann (nicht einmal im Benz dazu bouncen, dafür ist der Beat zu langsam und pumpt nicht genug!).
Bewertung: mal wieder leider nichts sagend als NICHTSSAGEND!
13) „Paff Paff Putos“ featuring Afrob [4:01]: Und schon wieder ein Lied, das jeder kennt. Der Beat ist mal wieder Party, der Text Battle, der Afrob Part im Vergleich zu den Massive-Töne-Parts sowohl textlich als auch vom Flow her bestenfalls Mittelmaß, auch wenn Ju wieder einmal vordergründig schreit, das aber mit sehr sehr viel Style (danke dafür an ihn).
Der Refrain ist absolut party-tauglich („Paff Paff Putos, wir sind so high/ wir kommen vorbei/ wo auch immer ihr seid!“). Das „Paff Paff Putos“ singt (ruft) Maha, die Scratches
Bewertung: ohne Afrob wäre es sicherlich mehr, so ist es „nur“ GUT!
14) „Die Geister scheiden sich“ [3:48]: Es beginnt alles mit einer wunderschönen Gitarrenmelodie, zu der eine weitere hinzu kommt, bis dann die Drum-Percussions einsetzen und ab und zu ein Klavier-Akkord einstimmt (am Ende jedes Takts). Die Parts sind eher Nachdenklich, ebenso der von Max gesungene/ gerappte Kreuzreim-Refrain („Wenn die Vernunft leise spricht, wenn man nur eine Chance hat/ sucht man Gleichgewicht und es ist ein Balance-Akt/ die Geister scheiden sich, viele verfallen der Ohnmacht/ und man begreift es nicht, solang man sich was vormacht!“) und behandelt die Probleme des Alltags, die einem das Leben.
Der Beat ist erfrischend komplex, der Text erfrischend nachdenklich, das Lied erfrischend schön, das Feature von Max Herre erfrischend... einfach Max Herre halt.
Bewertung: sei es der Abwechslung im Vergleich zu den meisten anderen Liedern auf der CD, sei es nur der Qualität wegen, so oder so SEHR GUT!
15) „Nachtaktion [Interlude]” [1:11]: Mal wieder ein Interlude, dachte ich mir enttäuscht, als ich die CD zum ersten Mal hörte. Doch, oh Wunder, dieser Beat ist toll. Eine Melodie, am Ende des Taktes ein kurzes Summen, gute Drum-Percussions, perfekte Länge.
Bewertung: endlich mal kriegt auch ein Interlude ein GUT!
16) „Bleib in Bewegung“ featuring Max [4:37]: Vielen Dank an die Massiven Töne: dieses Lied ist die perfekte Mischung aus Party und Liebeslied; eigentlich ist es ein Anmach-Track. Max überzeugt auch hier, sowohl mit dem Refrain („Es ist angenehm/ dich anzusehen/ lass uns tanzen gehen/ bleib in Bewegung, bleib in Bewegung!“ Das ganze zwei Mal), als auch mit seinem sehr ruhig vorgetragenen Part. Der Schowi-Part nach dem von Max fängt zwar enttäuschend an („Sie pafft wie Daddy“), wird dann aber schnell wieder Überfall-niveauvoll („Will sie nur den eeeeinen/ zwischen meinen Beinen?“). Der Beat von DJ Emilio pumpt zwar nicht auf hundertprozentiger Party-Leistung und besteht eigentlich nur aus einer ganz oft wiederholten Melodie, überzeugt allerdings trotzdem.
Bewertung: ich kann mich nicht wirklich entscheiden, ob das „sehr“ stehen bleiben soll, lasse es aber erst einmal an seiner Stelle, sodass ich nur sagen kann: SEHR GUT!
17) „Notify the president“ featuring Celistial Souljahz (Shabazz the Disciple und Freestyle) [5:09]: Eine Sirene leitet den Beat ein, die dann mit den Drums unterlegt wird. Wann genau die Melodie einsetzt und wie sie klingt, ist schwer zu sagen, da sie nur wenige scheinbar willkürlich wiederholte Töne beinhaltet. Soviel zum Nachteil. Die Vorteile sind jedoch deutlich offensichtlicher: die Texte sind systemkritisch, der Refrain ist harmonisch, wenn auch teilweise ein wenig undeutlich gesungen (danach noch ein gesprochener Text von Mathias Bach), die Flows sind übergeil, speziell der von Shabazz the disciple, der von Freestyle ist ebenfalls phantastisch, beide englischsprachig.
„Babylon muss fallen und brennen/ wie die Mauern aller Städte, die wir kennen“, erklingt von Mathias Bach und Ju, während der Beat ausläuft und bevor er dann kurz aussetzt, instrumental zurückkehrt und nun lange und langsam auslaufen gelassen wird.
Bewertung: ein simples, absolut berechtigtes, aber auch ein wenig nachdenkliches (ach nein, das Lied hat mich nachdenklich gemacht ;-)) SEHR GUT!
18) „Testlauf [Outro]“ [0:21]: „Ey, wie gehst denn du ab?“, fragt Ju und ein relativ lausiger Beat von DJ 5ter Ton erklingt für knapp zwanzig Sekunden. Die CD ist vorbei. Dieses erschreckende Outro droht, meinen guten Gesamteindruck zu vernichten. Schade!
Bewertung: ein angesichts seiner Position als Track schockierendes NICHTSSAGEND!
Gesamteindruck:
1. „Überfall (Intro)“ GUT!
2. „Unterschied“ GUT!
3. “P. F. Cuttin & Outloud [Skit]“ NICHTSSAGEND!
4. „Rapgame (U.N.)“ SEHR GUT!
5. „Radio [Interlude]“ NICHTSSAGEND!
6. „Hände hoch“ SEHR GUT!
7. „Nie ohne sie“ GUT!
8. „Kids [Skit]“ NICHTTSAGEND!
9. „Center of attention“ GUT!
10. „Chartbreaker“ SEHR GUT!
11. „Zeit“ SEHR GUT!
12. „Benz Bouncer [Interlude]“ NICHTSSAGEND!
13. „Paff Paff Putos“ GUT!
14. „Die Geister scheiden sich“ SEHR GUT!
15. „Nachtaktion [Interlude]” GUT!
16. „Bleib in Bewegung“ SEHR GUT!
17. „Notify the president“ SEHR GUT!
18. „Testlauf [Outro]“ NICHTSSAGEND!
GESAMT: GUT!
Es stören die Interludes, Skits und das Outro, rein trackmäßig ist das Album durchgehend gut, keines der Lieder ist nur „mittelmäßig“. Für DJs kann ich das Album (natürlich auch auf Platte erhältlich) besonders empfehlen, zumal es diverse Party-Tracks enthält, gleichzeitig ist es jedoch auch zum Nachdenken, Ausruhen oder Neben-Bei-Hören geeignet, demnach also sehr vielseitig.
Persönliche Verbindungen:
„Überfall“ war eines der ersten deutschen HipHop-Alben, die ich besaß, inzwischen habe ich es mir sogar auf Platte gekauft. Viele der Lieder sind für mich inzwischen absolute Klassiker geworden, tausend Mal gehört, sodass ich die Texte oft mitrappen und die Refrains alle mitsingen oder mitgrölen kann. Jedes Mal, wenn ich einen der Tracks auf einer Party hören durfte, was nicht selten geschah, begrüßte ich diesen mit lauten Jubelschreien. Meine Stereoanlage hat oft wochenlang nichts anderes gespielt!
Fazit:
„Überfall“ ist ein im groben sehr gut gelungenes Album, das erst beim genauen Hinschauen diverse Schwachpunkte, als da wären die Skits, Interludes und das Outro, der Afrob-Part, einige zu monotone Beats und die an einigen wenigen Stellen zu flachen Texte, enthält.
Den Kauf würde ich jedem HipHop-Fan und Party-Besucher ans Herz legen, da das Album durchaus zum Dauergast in euren CD-Playern werden könnte.
Besonders im Vergleich zu den neuen Liedern der Stuttgarter, die nach diesem Album übrigens ihr Mitglied Wasi einbüßen mussten, ist „Überfall“ erfrischend und hat Klassiker-Qualitäten, falls es nicht sowieso schon ein solcher sein sollte.
Danke für’s Lesen,
viel Spaß beim Kaufen und Hören,
Euer/ Ihr,
DJMoench
9 Bewertungen, 1 Kommentar
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12.07.2004, 23:40 Uhr von redwomen
Bewertung: sehr hilfreichhier muß ich gestehen, diese Gruppe kenne ich überhaupt nicht.
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