Männer Testbericht

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Erfahrungsbericht von willibald-1

Tom

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Gestern hatte er wieder eine Fahne, die mit Sicherheit zum Himmel stank.

Tom (der Name ist frei gewählt, die Person echt) kenne ich jetzt seit ein paar Jahren. Unser gemeinsames Hobby ist das Singen.

Zuerst traf ich ihn im Theater. Viel haben wir in der ersten Zeit nicht miteinander gesprochen. Aber im Laufe der Zeit ergab sich immer mal ein Gespräch - schließlich sind hinter der Bühne die Pausen oft lang.

Er ist chronisch krank - kaputte Leber, angeblich aufgrund eines Virus. Aber so ganz verstanden habe ich diese Virus-Geschichte nie - und richtig glauben kann ich sie inzwischen auch nicht mehr.

Aufgrund seiner Krankheit ist Tom Frührentner. Mit Mitte 40 hat ihn sein Rentnerdasein natürlich nicht ausgefüllt. So kam er wohl zum Theater - bezahltes Hobby, in das man viel Zeit stecken kann.

Außerdem singt er auch noch in vielen anderen Chören mit. Seit einiger Zeit hat er auch einen Posten im Vorstand einer Vereinigung von Chören. Ich kenne mich damit nicht so aus, da mich die Organisation nicht so interessiert; Hauptsache, ich kann singen.

Es ist sicherlich gut, daß Tom diese verantwortungsvollen Posten hat. Er hat damit eine Aufgabe, die ihn ausfüllt, die ihm Spaß macht. Ein Frührentnerdasein auf der Couch vor dem Fernseher - das wäre sicherlich nicht nur für Tom nichts.

Ach ja - eine Ehefrau gibt es auch noch. Gesehen habe ich die allerdings noch nie. An seinem Hobby scheint sie wenig Anteil zu nehmen.

Tom sagt einmal im Jahr in allen Chören für vier Wochen (manchmal auch länger) sämtliche Proben ab: dann fährt er zur Kur. Das muß wohl wegen seiner \"mysteriösen\" chronischen Erkrankung notwendig sein. Aber bei mir festigt sich der Eindruck, daß es sich in Wirklichkeit (auch) um eine Entziehungskur handelt.

Tom trinkt Alkohol, meistens Bier.

Wenn andere in der Kantine einen Kaffee, eine Cola, auch alkoholfreies Bier trinken, dann hat Tom eine Bierflasche da stehen. Ich habe es noch nie anders gesehen.

Na gut, ein Bier am Abend - das wäre noch nicht so dramatisch. Aber in letzter Zeit gewinnt man immer öfter den Eindruck, daß das Bier in der Pause nicht sein erstes Bier am Tag ist. Schon bei der Begrüßung kann man deutlich seine Fahne riechen.

Tom ist dabei noch nicht sehr verändert: er spricht ganz normal, er benimmt sich auch nicht außergewöhnlich. Auffällig ist er zunächst nicht. Sicherlich, die Fahne ist unangenehm, vor allem, da wir uns auf der Bühne zeitweise auch recht nahe kommen. Da mag niemand so gerne neben Tom stehen. In letzter Zeit fällt allerdings auch auf, daß es mit dem Singen nicht so recht klappen will. Unsicher war Tom immer schon, wenn er seine Stimme alleine singen mußte. Aber jetzt trifft er auch die Töne nicht, wenn die anderen Bässe um ihn herum stehen.

Aus Mitleid könnte man ihn in dieser Situation noch mit durchziehen. Aber wer jemals Theater gesehen hat (und erst recht, wer schon mal auf der Bühne gestanden hat), weiß, daß das keine ganz ungefährliche Tätigkeit ist. All zu leicht kann man ins Stolpern geraten, muß aufpassen, daß man nicht irgendwo runterfällt...

Toms Alkoholkonsum wird zum Sicherheitsrisiko - nicht nur für ihn selbst. Das wird ihn über kurz oder lang seinen Platz am Theater kosten. Alle Warnungen der anderen scheint er zu ignorieren - oder er kann nicht mehr anders.

Hinzu kommt, daß Tom - so lange ich ihn kenne - immer auch Auto gefahren ist, wenn er schon eine Bierfahne hatte. Bisher ist noch nie was passiert. Aber was, wenn...

Gestern abend haben wir auf dem Weg zum Parkplatz über ihn gesprochen. Frank machte sich genau so Sorgen um Tom wie ich. - Tom folgte uns in einigem Abstand. Ich weiß nicht, ob er von unserem Gespräch etwas mitbekommen hat. Als wir ins Auto stiegen, sahen wir noch, wie er sich suchend umschaute. Frank überlegte, ob Tom wohl sein Auto suchte. Wir spekulierten, ob er wohl in seinem Rausch vergessen hätte, wo er es abgestellt hat.

Als wir losfuhren, sahen wir, wie Tom mit dem Handy telefonierte. Ich weiß nicht, wohin er gegangen ist. Vielleicht ist er gestern wirklich nicht mehr selbst gefahren. Vielleicht hat er ein Taxi gerufen. Vielleicht auch seine Frau - falls die ihn nicht längst fallen gelassen hat.

Tom tut mir leid. Aber wer von uns kann ihm wohl wirklich helfen?

10 Bewertungen, 1 Kommentar

  • hjid55

    17.01.2007, 19:00 Uhr von hjid55
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & lg Sarah