Ägypten Testbericht

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  • Preis-Leistungs-Verhältnis:  gut
  • Empfehlenswert:  ja

Erfahrungsbericht von ulli1301

Quad Safari in ein \"Beduinendorf\"

Pro:

Faszinierende Landschaft

Kontra:

Viele Touristen, alles Fake

Empfehlung:

Ja

Im Folgenden könnt Ihr die Einzelheiten eines Ausfluges in ein \"Beduinendorf\" lesen, den wir von Hurghada aus gebucht haben. Ich habe ihn während meines Ägyptenurlaubes im August 2003 zusammen mit meinem Freund Chrischi, meiner Schwester Bini und ihrem Freund Jörg gemacht.

Am frühen Nachmittag sind wir zum Papas II (eine Kneipe in Hurghada) gegangen, um uns mit dem Typen zutreffen, bei dem wir am Vortag den Ausflug gebucht hatten und den restlichen Preis zu bezahlen. Er wurde uns von einem Freund vermittelt. Insgesamt zahlten wir 30 Euro pro Person, im Gegensatz zu 45 Euro, die es im Hotel gekostet hätte. Der Typ hat uns dann zu einem Shop gebracht, wo wir uns “Arafat-Tücher“ kaufen sollten gegen den Staub in der Wüste. Wie sich später rausstellte, eine gute Maßnahme. Der Verkäufer wollte 10 Euro pro Tuch haben. Ich hab mich fast totgelacht. Letztendlich haben wir sie für 3 Euro bekommen. Warum muss das denn alles immer so kompliziert sein.

Nach der kleinen Shoppingtour sind wir in einen Minibus gestiegen, der uns zu einem Hotel in Sekalla bringen sollte, wo wir ein weiteres deutsches Pärchen erwarteten. Wir sind dann eine Weile gefahren. Sobald man aus Hurghada raus war, konnte man die Wüste schon erahnen. An einem flachen viereckigen Bau mitten in der Wüste standen die Quads schon bereit. Es schienen ziemlich alte Kisten zu sein. Unser Bus war der erste dort. Die Ägypter dort haben uns die Tücher umgebunden. Das sah wirklich originell aus und war auch gar nicht schwer nachzumachen. Die Luft dort war tierisch heiß. Wir haben im Schatten noch etwas auf die anderen Busse gewartet und dann gings im Quad-Konvoi los.

Hinten drauf war es ziemlich eng, die Teile waren wohl eher für Alleinfahrer ausgelegt. Aus dem Motor begann heißes Öl an unsere Beine zu spritzen. Dachte erst es wären spitze Steine vom Wüstenboden. Wie gesagt, die Kisten waren nicht die neuesten. Aber es war auszuhalten. Es staubte ohne Ende und wir waren froh, die Tücher und Sonnenbrille im Gesicht zu haben. Wir mussten in einer Linie fahren, dicht an dicht und wehe es traute sich jemand auszuscheren. Ganz vorn auf dem Quad saß jemand und versuchte, das ganze zu kontrollieren, indem er ständig brüllte und wilde Handzeichen gab, die aber nicht weiter als bis zum fünften Quad zu sehen waren. Bini und Jörg fuhren anfangs noch hinter uns, sind dann aber weiter nach hinten gefallen. Begleitet wurden wir von einem Motorrad. Wir fuhren in Richtung der Berge, die sich am Horizont abzeichneten und um uns herum war nur Schotter. Auch die Straße war aus Schotter und hatte ab und an ein paar Bodenwellen. Ich wurde ganz schön durchgeschüttelt hinten drauf. Eigentlich hätte ich eher mit einer Sandwüste gerechnet. Die Landschaft war trotzdem faszinierend in ihrer Kargheit. Kein Baum, kein Strauch.

Nach einiger Zeit kamen wir dann am “Beduinendorf“ an. Schon von weitem war zu erkennen, dass es künstlich angelegt war. Ich hatte aber auch nichts anderes erwartet. Jörg schien etwas enttäuscht zu sein. Wir hielten etwa 200 m vom Dorf entfernt. Der erste Weg führte uns zu einem angeblich echten Beduinenbrunnen. Insbesondere die Russen, von denen sehr viele dabei waren, waren brennend interessiert. Wir haben ihn uns nicht weiter angeschaut, sondern lieber den Ausblick in die Berge genossen und einige Fotos geschossen. Schon von hier aus waren riesige Schlangen von Quads zu erkennen. Das Dorf war also eine richtige Touristenattraktion.

Wir sind dann zu Fuß weiter zum Eingang des Dorfes gegangen, dass von einer kleinen Mauer umgeben war. In einem großen viereckigen Schilfzelt haben wir uns dann auf schmuddeligen bunten Kissen niedergelassen. Im Zelt neben uns, gesellte sich schon die nächste Gruppe dazu. Es gab süßen schwarzen Tee zu trinken aus einer kleinen schmuddeligen Emailletasse. Wir haben ihn in einen Plastikbecher umgekippt und ihn dann getrunken. Schmeckte gut. Unser Reiseführer, der leider kein Deutsch sprach, hat uns dann etwas über die Beduinen erzählt. Es gäbe noch einige auf dem Sinai, aber das hier seien keine echten. Na wenigstens sagte er die Wahrheit.

Wir haben uns dann die Moschee des Dorfes angeschaut, die schön hellgrün angepinselt war. Das ganze war ein ziemlicher Witz. Danach haben wir uns zwei verhüllte Beduinenfrauen beim Backen von Fladenbrot angeschaut. Für das Feuer verwendeten sie getrocknete Kamelkacke. Der Fladen hat recht gut geschmeckt. Das kleine Baby einer der Frauen wurde unter den Russen herum gereicht. Die fanden das ganz toll und ließen sich damit fotografieren. Ich fands arm.

Wir sind anschließend einen kleinen Hügel hochgeklettert und haben einen Teil der Wüste gesehen. Ein kleiner Junge, der auch zum Dorf gehörte, lief uns ständig hinterher. Ich schenkte ihm einen Kugelschreiber, worüber er sich riesig freute. Vielleicht kann er ja damit was anfangen (wahrscheinlich alles außer Schreiben).

Dann ist die ganze Truppe weiter zum Kamelreiten. Jörg ist auf eines gestiegen und hat eine kleine Runde um einen Berg gedreht. Wir hatten keine Lust darauf. Zumal diese Viecher auch schrecklich gestunken hatten und gewiss kein schönes Leben in dem Dorf führten. In unmittelbarer Nähe befanden sich in einem Gatter komisch deformierte Ziegen, die auch einen eigenartigen Geruch an sich hatten.

Weiter ging es zu einem kleinen Shop (ja auch so etwas gab es dort), wo wir uns gesetzt haben. Hineingegangen sind wir nicht. Die anderen aus unserer Gruppe haben sich noch eine Beduinenapotheke angeschaut, wo man natürlich auch etwas kaufen konnte. Das mussten wir uns nicht auch noch antun.
Langsam verschwand die Sonne hinter den Bergen, die dadurch in einem schönen Licht erschienen. Wir sind alle Mann auf einem Schotterweg, der etwas gefährlich war, einen Berg hochgeklettert, um den Sonnenuntergang zu bestaunen. Der Aufstieg war sehr anstrengend, aber dafür wurde man oben belohnt. Die Aussicht war herrlich. Überall Wüste, Felsen und Berge, erstrahlt im Licht der untergehenden Sonne. Wir haben uns oben etwas ausgeruht, während die anderen wieder nach unten gegangen sind.

Wieder unten haben wir uns wieder in so ein Schilfzelt gesetzt und alle versammelt Wasserpfeife geraucht. Dann ging es wieder rüber in das Zelt, in dem wir eingangs saßen. Es war ein Buffettisch aufgebaut mit Reis, Salaten, scharfen Hähnchenflügeln, Kamelhackfleischwürstchen und Melone mit Eiswürfeln. Wir haben uns nur an Reis, Flügel und Würstchen getraut, die waren auch ok. Man wollte uns Cola aus dreckigen Plastikbechern anbieten, die höchstwahrscheinlich noch von der vorherigen Gruppe waren und nicht gesäubert wurden. Wir haben darauf verzichtet und uns die Flasche genommen, von der wir wussten, dass sie neu war. Die Russen haben natürlich ganz sorglos alles genommen, was zu kriegen war.

Es wurde dunkel und nach dem Essen haben sich alle vor dem Zelt versammelt. Ein paar Ansässige haben Folkloremusik angestimmt und getanzt. Rings herum wurden Kerzen aufgestellt. Jetzt waren deutlich die Massen von Touristen zu sehen, die sich im Dorf befanden. Wir haben uns abseits gesetzt und den Sternenhimmel betrachtet. Sogar die Milchstraße war sehr deutlich zu sehen, da es weit und breit keine anderen Lichteinflüsse gab.

So haben wir eine Weile gesessen, gelauscht und geschaut, bevor es wieder auf die Quads und im Dunkeln durch die Wüste zurück nach Hurghada ging. Leider hatten wir mit unserem Gefährt wieder Pech. Der Motor wurde mächtig heiß an den Beinen. Am Ende der Fahrt fuhren uns noch zwei Russen hinten drauf. Ich hatte mich ganz schön erschrocken. Zum Glück hatte ich mich gerade bei Chrischi und nicht am Gepäckträger hinten festgehalten, so blieben die Finger dran. Nun die schienen das dann irgendwie auch noch witzig zu finden. Da wurde Chrischi ganz schön böse! Eigenartigen Humor haben die.

Nach langem Warten im Bus sind wir mit dem Minibus zurück zum Hotel gefahren. Wir waren von oben bis unten mit Staub bedeckt und sind so wie wir waren in den Pool gesprungen. Ansonsten hätten wir wahrscheinlich das ganze Bad unter Wasser gestellt.

Fazit:

Ich würde nicht sagen, dass der Ausflug ein Reinfall war. Nun ja das Beduinendorf ist an Lächerlichkeit eigentlich kaum zu überbieten, aber schon allein für den Anblick der einzigartigen Landschaft hat sich der Ausflug gelohnt. Als Pauschaltourist hat man ja sonst keine andere Möglichkeit in die Wüste zu kommen. Ich würds wieder machen!

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