Schottland Testbericht

Schottland
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Erfahrungsbericht von bjlghs

Single Malt Whisky - Ein gutes Stück Schottland

Pro:

schmeckt meistens gut,immer etwas Besonderes

Kontra:

meisten teuer

Empfehlung:

Ja

Schottischer Single Malt Whisky

Jeder, der gern und mehr als einmal im Monat Whisky „inhaliert“, hält sich gern auch für einen Whisky-Kenner. Da mag etwas dran sein, wenn er (oder sie) in einem Jahr mehr als zwei (gute) Sorten Whisky probiert. Macht doch mal die Probe: drei verschiedene Whiskys (1xBourbon / 1xIrischen Whisky / 1 x Schottischen Malt) in drei Gläser „einnässen“, diese ohne Kennzeichnung dem selbsternannten Whisky-Kenner vorsetzen und probieren lassen. Vielleicht errät er ja die Richtung. Aber ich glaube nicht, dass auch gute Whisky-Kenner die Marke erkennen werden. Eine Whisky-Richtung wird er aber wahrscheinlich herausprobieren können, nämlich den Malt Whisky, denn der hat einen sehr charakteristischen Nachgeschmack, viele würden sagen, er ist rau oder rauchig.

Zur Geschichte des Whiskys

In den Unterlagen einer Steuerbehörde im 15. Jahrhundert wurde erstmals erwähnt, dass Zutaten (u.a. Malz) für ein Getränk von einem Mönch aus dem nordschottischen Dunfermline gekauft worden waren, die für die Herstellung von Usquebaugh\" (keltisch für \"Wasser des Lebens\") gebraucht wurden. Mit dem genannten Jahr 1494 ist also erstmals von einem „\"acquavitae\" (lat. für Lebenswasser) die Rede, das dann von den Engländern als Whisky in ihren Sprachgebrauch übernommen wurde.

In früher Entwicklungszeit wurde der schottische Whisky wie bekannterweise bei der Herstellung von Gin mit Kräutern und Gewürzen „verfeinert“. Etwa ab dem 18. Jahrhundert wurde dann zwischen aromatisierten und naturbelassenen Destillaten unterschieden. Die heutigen Scotch Whiskys werden ohne jegliche zusätzlichen Geschmacksstoffe produziert.

Aus den vielen kleinen, oft illegalen Schwarzbrennereien, die in den einsamen Regionen Schottlands verteilt waren, wurden im Laufe der Jahrhunderte entweder selbständige Betriebe, die durch den Staat legalisiert wurden oder es schlossen sich mehrere der kleinen und kleinsten Distillerien zusammen, um dann als neues, legales Unternehmen anerkannt zu werden.

Im vergangenen Jahrhundert sind viele Brennereien aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt worden. Doch mittlerweile ist das Sterben der Brennereien gestoppt und einige der alten Destillerien sind wieder eröffnet worden, wie zum Beispiel Bruichladdich auf Islay. Übrigens steht heute die größte Whisky-Brennerei keineswegs in Schottland, auch nicht in den USA, sondern in Japan, in der Riesenstadt Osaka! Die älteste noch betriebene Brennerei in Schottland liegt im Norden des Landes. Gegründet wurde Strathisla im Jahr 1786 als Milltown Distillery.

Schottischer Whisky

Der „Normal-Trinker“, der sich nur sehr selten Whisky \"einflößt\" und sich nur in den Marken seines selten gutsortierten Supermarktes tummelt, wird die Namen Jack Daniels, Jim Beam, Dimple, Tullamore Dew, Johnny Walker, Ballantines, J&B, Chivas Regal und wenn der Markt besser sortiert ist, vielleicht auch einen Highland Park finden. Begrenzt man diese Namen auf Scotch Whisky, dann sind noch deutlich weniger Namen dabei. Ich meine jetzt nicht die vielen Billigmarken, die in einigen Supermarkt-Ketten angeboten werden. Richtige Whisky-Trinker würden solche „Gesöffe“ nicht einmal im Feuerzeug verbrennen.

In Schottland gibt es vier Regionen, aus denen Whisky, Single Malt oder verschnittener (blended) herkommen können. Islay, Lowland, Highland und die Inseln. In ganz Schottland gibt es mehr als 100 Destillerien, aus denen die in aller Welt mehr oder weniger bekannten Whiskysorten herkommen. Es gibt feste Vorgaben, die ein Whisky erfüllen muß, wenn er sich Scotch Whisky nennen will. So muß ein Whisky mindestens drei Jahre in einem Fass in Schottland gelagert sein und er muß mindestens 40 Prozent Alkohol enthalten.

Seit 1990 gibt es die soganannte Scotch Whisky Order. Danach darf sich nur der Whisky auch Scotch Whisky nennen, wenn er:

- in einer Brennerei in Schottland aus Wasser und gemälzter Gerste), welche in dieser Brennerei zu Maische verarbeitet wurden, nur durch endogene (was immer das ist) Enzymsysteme in ein gärbares Substrat übergeführt wurden, und nur durch die Zugabe von Hefe gegärt wurde. Andere Getreidesorten dürfen nur als ganze Körner zugegeben werden.
- der Whisky auf einen Alkoholgehalt von weniger als 94,8 Vol-% destilliert wurde, so dass das Destillat den bei der Produktion verwendeten Ausgangsstoffen Aroma und Geschmack entzieht.
- der Whisky in besteuerten Lagerhäusern in Schottland in Eichenfässern mit einer Höchstkapazität von 700 Litern je Fass gereift wurde.
- die Reifungsdauer drei Jahre nicht unterschreitet. Farbe, Aroma und Geschmack von den in der Produktion und Reifung verwendeten Ausgangsmaterialen bezieht.
- nur die Substanzen Wasser und Zuckercouleur (E 150) beigefügt wurden
(www.whisky-guide.com)

Damit sind auch die Single Malt Whiskys Schottland abgegrenzt gegen diejenigen aus den USA, Japan und Irland.

Single Malt

Im 18. Und 19. Jahrhundert hatten die Whiskys der im Lande verstreuten Destillerien (meist kleine Brennereien, die örtliche Läden belieferten) noch keine Namen, es gab keine festen Geschmacksorientierungen. Die den meist schwarz gebrannten Whisky verkaufenden Ladenbesitzer begannen als erste, die aus verschiedenen Brennereien angelieferten Whiskysorten miteinander zu vermischen, um die Geschmacksrichtungen zu vereinheitlichen. Unter diesen ersten Mixern waren Ladenbesitzer wie Johnny Walker, George Ballantines und die gebrüder Chivas. Solche Whisky wurden als blended wkiskys bezeichnet. Sie waren also „zu deutsch“ verschnitten, eine Methode, die ja auch bei der Herstellung von guten Cognacs und Brandys angewandt wurde und wird. (siehe mein Bericht zum Cardinal Mendoza)

Der Single Malt Whisky dagegen darf nur aus e i n e r Destillerie kommen, wenn er mit diesem Zusatz angeboten werden soll. Das heißt aber nicht, dass der Single Malt auch seine ganze Lagerzeit in ei n e m Fass verbringt. Um die geschmackliche Ausrichtung einzelner Single Malts zu variieren, werden diese im Laufe ihrer Lagerzeit immer wieder einmal umgefüllt in Fässer, die auf Grund ihrer vorherigen Verwendung bestimmte Geschmacksrichtungen mitbringen, z.B. alte Sherry-Fässer oder andere Eichenholzfässer. Es wird aber in aller Regel nur immer ein Teil des Inhaltes eines Fasses umgefüllt und der Rest dann wieder aufgefüllt, um auch langfristig eine möglichst einheitliche Geschmacksausrichtung anbieten zu können.

Die Ausnahme unter den Single Malts ist der Single Cask Whisky, der tatsächlich ausschließlich in ei n e m Fass durchgehend bis zur Abfüllung gelagert wird. Diese Art der Single Malt Whiskys ist in der Tat höchst selten zu bekommen (nur in Spezi-Läden) und dann zu ziemlich gepfefferten Preisen.

Regionen und bekannte Sorten :

Highlands

Die schottischen Highlands sind die Heimat der größten und wichtigsten Destillerien Schottlands. „So klangvolle und unter Whisky-Liebhabern durchaus bekannte Namen wie Glen Grant und The Macallan finden sich im bergigen Teil Schottlands, der den größten Teil des Landes einnimmt“. Es gibt in den Highlands mittlerweile auch ein paar Destillerien, die von Japanern aufgekauft wurden (Ben Nevis Destillery / Tomatin Destillery). In Japan ist Whisky mittlerweile ein sehr begehrtes Getränk.

Glenfiddich
Der Glenfiddich ist ein Single Malt Whiskey, den es in verschiedenen Geschmacksrichtungen und mit differenten Reifezeiten gibt. Die verschiedenen Sorten sind vor allem geschmacklich zu unterscheiden. Der heutige Malt Master David Stewart sprich von einer Aromenvielfalt, die die Produkte der Destillerie von William Grant aus dem Jahre 1886 kennzeichnen sollen.

William Grant stammte aus dem kleinen schottischen Städtchen Dufftown am Fluss Fiddich. Dort erbaute er 1886 die heute weltweit bekannteste Destillerie eines Single Malt Whiskys. Allerdings gehört der wohl bekannteste Malt Whisky der Welt keineswegs zu den geschmacklich besten. Er ist auf dieser unserer Luxuswelt nur am besten vermarktet worden.

Glennfiddichs gibt es in sechs Sorten: den 12 Jahre alten Special Reserve, den 12 Jahre alten Coaran Reserve, den 15 Jahre alten Solera Reserve, den 18 Jahre alten Ancient Reserve, den 21 Jahre alten Havanna Reserve und den einfach nur Glenfiddich genannten 30ig Jährigen. Der normale 12 Jahre alte Special Reserve wird üblicherweise um die 22-26 Euro angeboten.

The Macallan
Die Macallan Destillerie liegt nordöstlich von Aberdeen und produziert einen Whisky, der unter Whisky-Freunde immer wieder an erster Stelle genannt wird. Und in der Tat ist The Macallan ein ganz besonderer Whisky. Der bei uns wirklich nur in guten „Sprit-Shops“ zu kriegende und meist preislich völlig überzogene 25 Jahre alte Whisky gilt wohl zurecht als der \"Rollce Royce\" unter den Malt Whiskys.

In der Macallan Destillerie werden eine ganze Reihe von hervorragenden Abfüllungen produziert. Das eigene Sherry-Gut, von dem die Oloroso-Fässer stammen, in denen The Macallan reift, ist Garant für anerkannt hohe Qualität, die weltweite Bestätigung erfahren hat. Ein The Macallan ist einfach eine Klasse für sich, kostet aber auch je nach Anbieter um die 40-45 Euro, eben ein exklusives Vergnügen.

Noch zu nennen sind Oban und Longmorn, beide auch nur in Spezi-Shops zu bekommen und meist nur auf Bestellung und dann zu bekannt hohen Preisen. Der Oban sehr wahrscheinlich unter 50 Euro, der etwas bessere und seltenere Longmorn in aller Regel über 50 Euro. Und natürlich nicht zu vergessen der auch bei uns durchaus bekannte Glenfarclas, der ebenfalls zu den ganz exzellenten Sorten zählt und meist nicht unter 40 Euro die Flasche zu erstehen ist.

Inseln

Hier sind nur wenige Brennereien zuhause, von denen ich hier nur den mir bekannten Highland Park nennen möchte. Highland Park kommt aus Orkney, einer Insel nördlich der Highlands und ist gekennzeichnet durch einen rauen Seearoma-Geschmack, der in der Tat nicht jedermanns Sache ist. Gut so, sonst würde ihn ja jeder trinken. Er gehört zu meinen Lieblings-Malts. Auch dieser exzellente Malt wird mit 40 und mehr Euro gehandelt.

Weitere Brennereien auf den Inseln sind Scapa, Isle of Arran, Talisker, Jura und Tobermory. Ach ja und nicht zu vergessen Blackwood, eine ganz neue Brennerei, die erst 2006 den ersten dreijährigen Whiskey herausgeben wird. Sie liegt 300 Meilen nördlich von Edinburgh und nur 180 Meilen westlich vor Bergen (Norwegen) im Atlantik.

Islay

Islay liegt vor der Westküste Schottlands und gehört zu der sogenannten Inselgruppe der Inneren Hebriden. Hier gibt es 7 noch aktive Destillerien, die einen sehr rauchigen Whisky produzieren, der geschmacklich als rau einzustufen ist. Mir ist nur der Lagavulin bekannt und der ist zwar „sauteuer“, aber eben auch nicht ganz mein Geschmack, weil einfach zu rau, man kann auch sagen zu hart.

Weitere Brennereien sind Bowmore, Ardbeg, Bruichladdich, Bunnahabhain, Lagavulin und Coal IIa.

Lowlands

Man sagt, die Brennereien der Lowlands würden langsam aussterben. Nur noch die Destillerien Auchentoshahn, Glenkinchie und Bladnoch sind noch in Betrieb. Insgesamt ging die Bedeutung der Lowlands in der Welt der schottischen Whiskys zurück.

Glenkinchie mit dem Edinburg Malt ist sicher einer der bekannteren Marken einer whisky-technisch aussterbenden Region Schottlands. Ich habe auch nur davon gehört und noch keinen Whisky aus dieser Region getrunken.

Zur Herstellung

Zutatenliste :
Wasser (schon damit beginnen geschmacklich die Unterschiede), Gerstenmalz, manchmal Rauch, mehr nicht. Bei einigen Whiskys kommt noch der durchaus umstrittene Zusatz von Zuckerkulör E 150 dazu, was zu einer süßlichen Ausrichtung führt.

Auch wenn Malt Whiskys immer nach dem gleichen Prinzip hergestellt werden, sind sie im Geschmack alle unterschiedlich. Beim auch noch heute praktizierten, traditionellen Destillationsverfahren machen sich selbst kleinste Unterschiede im letztlich abzufüllenden, fertigen Whisky bemerkbar. Aber gerade diese Einzigartigkeit macht den Single Malt Whisky aus.

Das Herstellungsverfahren ist nicht unkompliziert und sehr gut dargestellt im Internet-Programm www.whisky-guide.com. Ich möchte hier nicht weiter darauf eingehen, denn dass ist eine Wissenschaft für sich, die, um sie zu begreifen, mehr braucht, als eine Kurzzusammenfassung in einem solchen Bericht.

Spannend dabei ist insbesondere das Erzielen bestimmter Geschmacksrichtungen und die Schritte, die dahin führen. Da kann man dann über die Hölzer der verwendeten Fässer und deren Erst- und Zweitverwendung etwas lernen, über Wasserqualitäten, über den Einfluss der Luft und die Entstehung des Alkohols und und und.

Wie genießen?

Da kann man sicher sehr geteilter Meinung sein. Ich trinke meinen Whisky, egal welchen, ausschließlich pur und zimmerwarm, weil sich dann Duft, Aroma und Geschmack am besten entfalten können. Natürlich kann man auch ein wenig Eis hinein geben (möglichst wenig), um das Getränk zu kühlen und gegebenenfalls ein wenig zu verdünnen. (ist in England sehr verbreitet)

Auf alle Fälle ist jede andere Verdünnungsform oder Geschmacksveränderung zum Beispiel mit Cola aus meiner Sicht zerstörerischer Akt eines Kulturbanausen. Das die Amis ihren normalen Bourbon mit Cola verdünnen, kann ich ja durchaus verstehen. Aber das sollte dann spätestens auch da beim 12jährigen Beam oder gleichaltrigen Jack Daniels aufhören, denn die sind durchaus trinbar. Aber das ist eine andere Geschichte.

Kleiner Tipp: Vanilleeis mit Rosinen und einen Schuss Whisky, der vorher ein wenig erwärmt wurde, dass ist höchst lecker. Der Whisky sollte aber eher ein blended Scotch oder auch ein guter Bourbon sein.

Zum Thema Whisky ein paar interessante Internet-Adressen.
www.themacallan.com/
www.whiskysociety.com
www.glenmorangie.com
www.single-malt-scotch.com

Fazit
Whisky trinken, oder besser Whisky und hier insbesondere einen Single Malt geniessen, ist für mich auch ein kleines, aber feines Stück Lebensqualität, natürlich in (geringen) Massen und möglichst nur gute Sorten (und damit teure). Das kann ich mir natürlich auch nur selten leisten, was den Genuss aber eher steigert. Wer sich mit Whisky beschäftigt, wird irgendwann sicher auch nach Schottland fahren wollen, so auch ich. Meine Favoriten sind ganz eindeutig der TheMacallan, der Glenfarclas und natürlich auch der Highland Park.

Bestimmt gibt es noch viele andere Whisky-Trinker, die noch besser Sorten nennen würden, aber persönlicher Geschmack hängt ja „Gott sei dank“ nicht vom Preis ab. Zu annähernd jedem der genannten Whiskysorten gibt es übrigen in Ciao meist mehrere Erfahrungsberichte. Es gibt also ganz offensichtlich viele „Whisky-Kenner“ oder vielleicht doch eher „Whisky-Liebhaber“, so wie mich. Also............ Skol, oder besser Chers.

15 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Mundi

    21.01.2005, 21:30 Uhr von Mundi
    Bewertung: sehr hilfreich

    So trifft man sich bei einem Glas! lg mundi