Schottland Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von elch33
Dieses Land ist immer eine Reise wert
Pro:
schön, wild, rau, natürlich, Castles, Lochs, Küsten, Meer, Single Track Roads, Leuchttürme, Edinburgh, Glasgow
Kontra:
da gibt es überhaupt nichts...
Empfehlung:
Ja
An dieser Stelle möchte ich mal wieder über ein Land schreiben, welches mir besonders am Herzen liegt – SCHOTTLAND. Zu Beginn etwas Statistik: cirka 5,1 Millionen Menschen leben in diesem 78.765 qkm großem Land. Das macht nach Adam und Riese etwa 65 Einwohner pro qkm. Als Vergleich: in Deutschland leben über 220, Österreich um 100 und der Schweiz über 160 Einwohner pro qkm.
Die Bewohner haben jede Menge Nationalgefühl, was seinen Ursprung vor allem in der Geschichte des Landes hat. Schottland wird auf drei Seiten vom Meer umgeben. Der Atlantik im Westen und Norden, sowie die Nordsee im Osten schließen die Insel ein. Es gibt keinen Punkt im Land, der mehr als 120 km vom Meer entfernt liegt! Schottland wird in drei Gebiete aufgeteilt: die Lowlands, die Central Lowlands sowie die Highlands mitsamt allen Inseln.
Als Lowlands wird das Gebiet nördlich der Grenze zu England (The Borders und Dumfries + Galloway), bis hin zu den beiden großen Städten Glasgow und Edinburgh, die allerdings selber schon zu den Central Lowlands (Strathclyde, Lothian, Fife, Central und Tayside) gehören, bezeichnet. Logischerweise ist dort vor allem die Industrie angesiedelt und auch die Bevölkerungsdichte ist hier erheblich größer. Der Rest wird den Highlands und den Inseln (Hebriden + Skye, Orkneys und Shetlands) zugeordnet. Zur besseren Unterscheidung wird dieses große Gebiet in Grampian (nördlich von Edinburgh bis nach Aberdeen), Northern (nördlich von Inverness) und Southern Highlands (nordwestlich von Glasgow) unterteilt. Im letzteren Gebiet liegt außerdem Großbritanniens höchster Berg, der Ben Nevis, immerhin 1344 Meter hoch (nahe Fort Williams). Seit 1997 hat Schottland wieder ein eigenes Länderparlament mit Sitz in Edinburgh. 2004 wurde dort zudem das neue Parlamentsgebäude eröffnet.
Die Menschen:
Der Schotte an sich erweist sich oft als rauher aber auch äußerst herzlicher Zeitgenosse. Hier trifft der Satz: rauhe Schale, weicher Kern recht häufig zu. Gerade in den ländlicheren Regionen des Landes gibt es viele Menschen, die einem gerne weiterhelfen, Tips geben oder wenn es sein muß, auch mal die eigene Scheune als Übernachtungsmöglichkeit anbieten. So etwas kann ich mir bei uns nicht vorstellen. Glaubt Ihr nicht? Als Beispiel möchte ich eine kleine Begebenheit erzählen, die mir bei meinem ersten Besuch in Glasgow widerfahren ist! Ich stand dort in einer Straße und suchte auf einer Karte nach dem Weg zu meinem nächsten Ziel. Es dauerte nicht lange und zwei nacheinander zufällig vorbei kommende Passanten fragten mich, ob sie mir denn nicht bei der Suche helfen könnten! SO etwas kann ich mir hier in Deutschland beim besten Willen nicht vorstellen…
Mit der Sprache hatte ich bisher im großen und ganzen weniger Probleme als erwartet. Wenn ich etwas nicht sofort verstanden hatte, wurde es mir geduldig erklärt, bis bei mir irgendwann der Groschen fiel. Das hat manchmal wirklich etwas länger gedauert… Je nach Region hat das nicht mehr viel mit Englisch zu tun was da gesprochen wird. Ein gutes Beispiel dafür ist Glasgow - der dort gesprochene Dialekt ist nur recht schwer zu verstehen. Vor allem in den nördlicheren Teilen des Landes und auf den Hebriden Inseln ist die gälische Sprache noch verbreitet. Cirka 60.000 – 80.000 Menschen sprechen eine für den Außenstehenden vollkommen unverständliche Sprache. Trotz „intensiver“ Bemühungen mit Runrig Liedtexten ist dies für mich lediglich eine Aneinanderreihung von Buchstaben…
Die Flora:
Bekannt ist Schottland sicherlich durch den Torf, der dort gerne als Brennstoff verwendet wurde. Früher wurden damit auch die Whiskydestillen betrieben – bis auf sehr wenige Anbieter ist man davon aber komplett abgekommen. Große Waldstücke gibt es eigentlich keine im Land. Sie wurden von den mächtigen Landlords gerodet um ja noch ein paar Pfund verdienen zu können. Mittlerweile findet hier ein Umdenken statt, es werden wieder neue Lärchen und Tannen angepflanzt, die in Zukunft zusammen mit Birken und Eichen das Waldbild Schottlands bestimmen sollen.
Erika so weit das Auge reicht – gerade in den Highlands hatte ich so manches Mal den Eindruck, es gäbe in Schottland keine anderen Pflanzen. Doch weit gefehlt, es gibt verschiedene Orchideenarten, Sonnentau, Stiefmütterchen, Glockenblumen, Ginsterbüsche und sage und schreibe über 900 verschiedene Rhododendrenarten! Ich habe auf meinen Touren sehr schöne Gartenanlagen gesehen (Dunrobin Castle, Culzean Castle, Crathes Gardens) – um nur mal die größten und bekanntesten zu nennen – manchmal fehlen einem da schier die Worte…
Dazu kommt noch die einzigartige Pflanzenwelt der Isle of Skye, die durch das milde Golfstromklima aktiv beeinflußt wird – hier gibt es sogar Pflanzen, die sonst nur in den Tropen wachsen. Oder die riesigen, wunderschönen Rasenanlagen. Manchmal hatte ich das Gefühl, die Schotten hätten nichts anderes zu tun, als den ganzen Tag Rasen zu mähen. Und das Ganze in einer Perfektion, die es in sich hat.
Die Fauna:
Die Tierwelt dagegen scheint dagegen, auf dem ersten Blick nur aus Schafen zu bestehen. Schafe, Schafe und nochmals Schafe. Die meisten davon leben wild in den schier endlosen Highlands. Deshalb heißt es aufgepaßt, wenn Ihr dort mit dem Wagen unterwegs seid. Es kann sehr schnell geschehen, das eine ganze Herde Euch dort den Weg versperrt. Auf der anderen Seite lassen sich dabei aber auch wundervolle Fotos machen…
Bekannt sind natürlich die sogenannten Highland – Cattles. Durch ihr zotteliges Fell und ihre geschwungenen Hörner, sehen sie zwar ziemlich gefährlich aus, sollen aber ansonsten sehr scheu sein. Das habe ich mir allerdings sagen lassen und bisher NICHT selber ausprobiert!!!
Gerade auf den Inseln gibt es viele Vogelschutzreservate, wo recht seltene Vogelarten beobachtet werden können (z.B. Adler – der Steinadler ist übrigens ein schottisches Wahrzeichen). Außerdem besteht die fast einmalige Möglichkeit, in den stillen, abgelegenen Buchten entlang der Küsten, Robben, Wale und sogar Delphine in freier Natur zu erleben! Eine der wenigen Plätze in Europa, wo so etwas möglich ist.
Von Clans, Dudelsack, Kilts und Tartans:
Die Clans entstanden während der Unabhängigkeitskriege zwischen 1296 und 1314. Die führenden Familien bezeichneten als Clan nicht nur mehr den engsten Familienkreis, sondern auch die Bevölkerung konnte teilweise den Namen ihres Clanchefs annehmen. Der Clanchief war gleichzeitig der unbestrittene Herrscher, Richter und Anführer in der Schlacht. Der Zusatz Mac heißt eigentlich soviel wie „Sohn von“ wurde oft vor den eigentlichen Namen gesetzt.
Einem Clan anzugehören hieß zwar damals, daß der Mann - wenn nötig, mit in den Krieg ziehen mußte. Darüber hinaus gab es aber noch die soziale Komponente. Im Alter oder bei Krankheiten wurden die Menschen und deren Angehörige entsprechend gepflegt. Wer einem solchen Clan angehörte, durfte dann die Clanfarben tragen – die Tartans – als Zeichen der Zusammengehörigkeit.
Tartans ist der Stoff, aus dem die Kilts gemacht werden. Es gibt über 1200 verschiedene davon, die natürlich von einem eigenen Verwalter auf ihre Echtheit überwacht werden müssen. Noch heute wird der Kilt vor allem von den Hochlandregimentern zu offiziellen, genauso wie zu privaten Anlässen getragen.
Der Dudelsack gehört ebenso wie der Kilt zu einem echten Highlander dazu. Beim traurigen Spiel eines Dudelsacks zu den Klängen von „Scotland the Brave“ verstand selbst ich ein wenig vom Nationalstolz der Schotten. In Glasgow gibt es sogar ein Museum, das von der Entwicklung des schottischen Nationalinstruments handelt. Noch imponierender hört sich das Ganze beim alljährlichen Military Tattoo Festival Anfang August in Edinburgh an. Es ist vielleicht nicht jedermanns Geschmack, weil recht laut - es läßt sich allerdings ganz gut aus einigen Metern Entfernung zuhören. Als Alternative kann ich Euch allerdings vorschlagen, mal einem Dudelsackspieler innerhalb von geschlossenen Räumen zuzuhören. DAS ist laut!
Anreise:
Es gibt mehrere Möglichkeiten, um nach Schottland zu kommen. Eine von den meistgenutzten Arten ist die Anreise per Flugzeug. Von vielen deutschen, österreichischen und schweizerischen Flugplätzen gehen direkte Flüge nach Glasgow, Glasgow - Prestwick bzw. Edinburgh. Ich selber bin bisher immer vom Flughafen Frankfurt - Hahn aus, mit der irischen Fluggesellschaft Ryanair nach Glasgow – Prestwick geflogen und war damit mehr als zufrieden. Dieser Flugplatz wiederum ist in der Nähe von Ayr, cirka 50km südwestlich von Glasgow entfernt.
Die Bahnanbindung nach Edinburgh, Glasgow oder in den Norden ist ok. Dabei solltet Ihr beachten, das hier in Zusammenarbeit mit Ryanair öfters diverse Aktionen durchgeführt wurden und werden. In einem Jahr erhielt ich ein kostenloses Ticket für die Fahrt nach Edinburgh. In diesem Jahr erhielt ich immerhin noch eine 50% Ermäßigung für die Fahrt vom Airport Prestwick zu meinem Reiseziel und wieder zurück. Achtung: Diesen Nachlaß gibt es nur am „Reisetag“! Eine einzelne Bahnfahrkarte vom Flughafen nach Glasgow kostet normal immerhin cirka 8 Euro, von Glasgow nach Edinburgh cirka 13 Euro! Hier läßt sich definitiv Geld sparen!
Bei meinem ersten Schottlandbesuch habe ich cirka 125 Euro incl. aller Steuern und Gebühren für den Flug bezahlt - durchaus schon ein akzeptabler Preis. In einem anderen Jahr hingegen habe ich sehr kurzfristig bei Ryanair gebucht und brauchte auf einmal nur noch 85 Euro zu zahlen! Die Krönung folgte in diesem Jahr. Zum ersten Male konnte ich auf der Strecke Hahn – Prestwick ein 99 Cent Ticket nutzen. Incl. aller Steuern und Gebühren habe ich gerade mal 56 Euronen bezahlt! Darüber läßt sich bestimmt nicht meckern – für diesen Preis kann ich nicht nach Hamburg oder München und zurück fahren! Achtet also darauf, wann Ihr fliegen wollt. Als Vergleich ist ein normaler Linienflug nach Glasgow nicht unter 250 bis 300 Euro zu haben.
Eine zweite Möglichkeit wäre die Anreise mit dem eigenen Auto. Von Frankreich, Belgien und Holland aus fahren jeden Tag Fähren unter anderem nach Dover, Portsmouth oder Newcastle. Oder Ihr nutzt den Eurotunnel zwischen Calais und Folkstone. So habt Ihr auch schon die Möglichkeit, Euch an den Linksverkehr zu gewöhnen, bzw. Euch ein wenig die englische Landschaft anzusehen.
Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, per Bahn oder Bus nach Schottland zu reisen. Wer mit dem Bus fahren möchte, wählt zwar eine relative günstige Gelegenheit, muß dafür aber jede Menge Sitzfleisch haben. Mit der Bahn anzureisen ist wohl die bequemste Art, dafür aber leider nicht ganz billig, es sei denn, Ihr seid in Besitz eines sogenannten Interrailtickets. Dies gilt meines Wissens nach aber nur bis zum 26. Geburtstag. Es gibt zwar noch eine Variante für die „älteren“ Inhaber, dies wird dann allerdings entsprechend teurer…
Mietwagen:
Bis auf dieses Jahr habe ich mir jedesmal einen Wagen gemietet. Dazu bin ich in ein Reisebüro gegangen und habe mich dort informiert. Ich würde nicht „blind“ über das Internet buchen, sondern ruhig mal nach günstigen Angeboten fragen. Ich selber buche dann immer die kleinste verfügbare Klasse. Die Preise hierfür fangen zwischen 25 + 30 Euro an und sind nach oben hin offen. Wichtig ist dabei darauf zu achten, das es keine Kilometerbeschränkung gibt – sonst zahlt Ihr später noch einmal drauf. Vor Ort zeigt sich dann die Realität. Offensichtlich geht wohl jeder nach eben dieser Methode vor – ich habe bisher noch nie DIE Klasse bekommen, die ich vorher gebucht hatte! Statt dessen gab es immer kostenlose Upgrades auf die nächst höheren Fahrzeugklassen, so hatte ich zweimal einen Fiat Punto, einmal einen Toyota Celica und zuletzt einen Ford Focus (den sogar als TDI). Wir vermieten in unserer Firma ebenfalls Autos – für einen solchen Preis wäre das undenkbar.
Aber Achtung: dafür ist der Treibstoff zumindest in Schottland recht teuer. Preise um 1,50 Euro für Normalbenzin und Diesel sind durchaus als normal anzusehen. Versucht bitte nach Möglichkeit in den größeren Städten zu tanken. Hier ist das Benzin meist zwischen zehn und zwanzig Cent günstiger als auf dem Land. Vor allem gibt es dort aber viel weniger Tankstellen, also solltet Ihr nicht mit dem letzten Tropfen Benzin im Tank fahren.
Um ein Auto in Schottland mieten zu können, müßt Ihr mindestens einundzwanzig Jahre alt und natürlich einen gültigen Führerschein besitzen. Manche Vermieter verlangen einen Aufpreis, wenn der „Hauptfahrer“ noch keine 25 Jahre alt ist. So etwas solltet Ihr genau hinterfragen und vorher klären! Als Sicherheit muß meist ein Betrag von 200 Euro in bar oder die Nummer Eurer Kreditkarte hinterlegt werden. Generell finde ich es besser, einen Wagen im Land zu mieten, als mit dem eigenen zu fahren. Es ist auf diese Art meiner Meinung nach wesentlich einfacher ist, sich an den Linksverkehr zu gewöhnen. Diese Entscheidung muß allerdings jeder für sich selber treffen => Linksverkehr
Wenn Ihr also mit dem Auto fahren wollt, solltet Ihr Euch unbedingt eine gute Landkarte zulegen. Auf einem solchen Plan sollten auch die kleineren Ortschaften eingezeichnet sein, in denen es etwas zu sehen gibt. Kombiniert mit einem guten Reiseführer sollte Euch dann eigentlich nichts mehr entgehen.
Essen und Trinken:
Eines habe ich natürlich auf jeden Fall nicht entgehen lassen. Ich bin normalerweise nicht unbedingt ein Fischesser, aber Fish & Chips – das muß einfach sein. Vor allem an der Küste von Fife gibt es mehrere kleine aber feine Lokale, in denen es mehr als leckere Varianten davon gibt. Ich persönlich habe mir angewöhnt, beim „Scottish Breakfast“ kräftig zuzuschlagen. Müsli und andere Ceralien, Apfel oder Orangensaft, Brötchen, Crossaints, Toast, Bacon & Eier, Pilze, gegrillte Tomaten, Marmelade, Obst und andere leckeren Sachen sorgen schon dafür, das man satt wird! Auf gebackene Bohnen und Würstchen habe ich dagegen weitestgehend verzichtet. Insgesamt ist dies aber eine gute Grundlage um den Tag zu überstehen. Abends reicht dann oft ein Apfel oder Banane vollkommen aus. Wer in Schottland essen gehen möchte, sollte schon einen etwas größeren Geldbeutel mitnehmen. Selbst wenn Ihr vielleicht nur eine Pizza wollt, solltet Ihr mal mindestens 10 Euro einplanen. Ehrlich gesagt habe ich allerdings für soviel Geld, schon wesentlich besser gegessen.....
Darüber hinaus verfügt Schottland über ein sehr reichhaltiges Käsesortiment, dem ich leider nichts abgewinnen konnte. Da ich keinen mag, habe ich ihn erst gar nicht probiert… Wer möchte, kann aber auch gerne das schottische Nationalgericht probieren: Haggis. Hierbei handelt es sich um gewürzte Schafsinnereien, die mit Hafermehl vermischt werden. Auf den Genuß dieser Spezialität habe ich bisher noch freiwillig verzichtet….
Kommen wir nun zum schöneren Teil: dem Trinken. Der Schotte an sich trinkt sehr viel, vor allem Bier. Das gibt es dort in mehreren Variationen: Da wäre zu einem das heavy draught, ein dunkles Faßbier, welches einen etwas bitteren Geschmack hat. Ich persönlich ziehe das Tennenth Lager vor, ein helles Bier, das unserem Pils eigentlich am nächsten kommt. Ein sehr gerne getrunkenes Bier ist das Stout Bier, ein Starkbier, das Richtung Guinness geht. Ein Pint Bier = 0,57 Liter kostet nicht überall dasselbe. Während man in Glasgow und auf dem Land cirka 2,30 – 2,50 Euro für das Pint bezahlt, kann man in Edinburgh schon mal bis zu 4 Euro einplanen. Darüber hinaus gibt es in vielen Lokalen eine gute Auswahl an verschiedensten Whiskys. Das Wasser des Lebens kostet umgerechnet zwischen 1,50 und 4,00 Euro pro Glas da kommt es halt auch darauf an, was man nun denn genau trinken möchte. Der einfache „Blend“ wird gerne zum mixen mit irgendwelchen Limonaden genutzt, während die Single Malts selbstredend von mir immer pur und ohne Beigaben wie Eis oder Wasser getrunken werden. Seltsamerweise werden diese aber recht oft von den Schotten genutzt… Tagsüber habe ich mich immer mit normalen Mineralwasser aus dem Supermarkt begnügt – die Preise liegen ebenfalls auf hiesigem Niveau.
Pubs:
Es gibt sie überall und ist das Dorf noch so klein. Vor allem in den ganz kleinen Orten bilden sie meist den Mittelpunkt des öffentlichen Lebens. Wenn Ihr nach etwas sucht, geht dorthin fragen – Euch wird meistens weitergeholfen. Auch wenn Ihr vielleicht nur etwas trinken wollt, sind die anderen Gäste meist recht freundlich und fragen Euch schon nach kurzer Zeit, wo Ihr denn herkommt und was Ihr vorhabt. Ich habe die Erfahrung gemacht, das einige Schotten gerne von ihren Deutschkenntnissen Gebrauch machen und von ihren Erlebnissen hier erzählen.
Veranstaltungen:
Davon gibt es eigentlich mehr als genug. An vielen Orten des Landes finden Ende August/ Anfang September die sogenannten Highland Games statt. Die bekannteste Veranstaltung ist sicherlich das Braemar Gathering (erstes September Wochenende) – hier sind recht häufig Mitglieder der englischen Königsfamilie (einschließlich Queen) anwesend. Highland Games ist eine Mischung aus Gewichte werfen, Baumstamm schleudern, Pfeil und Bogen schießen und Hammerwerfen. Die Akteure treten dann in ihren Kilts an, also durchaus sehenswert für unsere Userinnen. Wenn Ihr die Möglichkeit habt, Euch so etwas mal anzuschauen, solltet Ihr sie auf jeden Fall wahrnehmen.
Darüber hinaus gibt es jede Menge Arten von Festivals, die sich über das ganze Jahr hinaus verteilen. Als Beispiele möchte ich hier das Military Tattoo, das Fringe und das Edinburgh Festival (alles im August und in der Hauptstadt) oder das Glasgower Jazz Festival (Juli) nennen.
Vor allem im Sommer gibt es gerade auf dem Lande jedes Wochenende irgendwo eine Veranstaltung. Seit einigen Jahren ist das Edinburgher Hogmanay bekannter geworden – die angeblich größte Neujahrsfeier der Welt, welche zwischen Ende Dezember und Anfang Januar stattfindet. Hier gibt es an mehreren Tagen Veranstaltungen im Theater und jede Menge Konzerte. Den Höhepunkt bildet dann eine riesige Straßenparty am Silvestertag. Das ist wirklich nur eine ganz kleine Auswahl von Veranstaltungen – es ist eigentlich immer etwas irgendwo los.
Burgen und Ruinen:
Wer wie ich, gerne alte Gebäude, Burgen oder Ruinen besichtigt, wird sich in Schottland auf jedenfalls nicht beklagen können. Es sind oft Bauwerke, die schon seit einigen Jahrhunderten, Wind und Wetter trotzen. Sie sind im Laufe der Zeit zerstört worden, teilweise wurden sie wieder aufgebaut. Heutzutage hat sich der National Trust of Historic Scotland zur Aufgabe gemacht, diese alte Bauten zu erhalten. Ich finde diese Idee sehr gut, es wäre schade, wenn alles zerfallen würde. Cirka 80 Schlösser, Ruinen und Burgen können so besichtigt werden. Die Erlöse aus den Einnahmen werden für neue und bestehende Projekte verwendet.
Eine Schattenseite gibt es hier allerdings doch: die Eintrittspreise sind teilweise ganz schön gesalzen. Unter fünf Euro geht im Regelfall gar nicht – nach oben sind scheinbar keinerlei Grenzen gesetzt – Stirling und Edinburgh Castle kosten jeweils cirka 16 Euro!!! Zum Trost gibt es das sogenannte Explorerticket, das drei, sieben oder vierzehn Tage gültig ist. Hier können die Castles oder Schlösser die zum Historic Scotland gehören, zu einem im Verhältnis relativ günstigen Preis besichtigt werden.
In den Grampian Highlands gibt es übrigens einen speziellen Castle Trail. Auf über 240 km Länge können insgesamt über 70 Schlösser und Burgen besichtigt werden.
Landschaft:
Ich habe bisher noch nie eine solch abwechslungsreiche Gegend gesehen. Mir haben es dabei vor allem die nördlicheren Highlands angetan. Es gibt dort Sandstrände mit richtigem blauem Wasser! So etwas kennt man ja normalerweise nur von südlicheren Gefilden… Ich persönlich genieße es am Ufer entlang zu laufen, den Wellen zuzuschauen, mir die Luft um die Ohren pusten zu lassen, dem Rauschen der Wälder und dem Geschnatter der vielen Vögel zuzuhören. Da kann ich dann die Seele baumeln lassen, die Aussichten genießen und wieder Kraft für den beruflichen Alltag tanken. Dazu gibt es noch zahlreiche kleinere Anhöhen, von denen man schöne Ausblicke auf die Umgebung genießen kann...
Linksverkehr:
Ich hatte am Anfang schon etwas Bammel wegen dem Lenkrad, das nun auf der falschen Seite des Autos montiert war. Aber es ging alles wesentlich einfacher, als ich es mir vorgestellt hatte. Schon nach einer halben Stunde hatte ich mich schon ganz gut daran gewöhnt. Das eine oder andere Probleme hatte ich allerdings beim Abbiegen, denn das funktioniert ja genau andersherum wie bei uns. Am meisten Spaß machten mir die sogenannten Single Track Roads. Die sind meist gerade mal vier bis fünf Meter breit, alle Kilometer gibt es kleine Haltebuchten, um den Gegenverkehr oder überholende Autos vorbeilassen zu können. Hier kann jeder sein fahrerisches „Können“ unter Beweis stellen. Oder auch nicht. Das ist sicherlich nicht jedermanns Sache.
Geld:
Auch in Zeiten des Euro haben die Schotten ihr schottisches Pfund behalten. Kein Wunder gehören sie doch nach wie vor zu Großbritannien. Banken und Geldautomaten gibt es zuhauf in den größeren Städten und bilden eigentlich kein Problem. Ich würde Euch aber trotzdem eins raten: bevor Ihr irgendwo in die einsameren Gebiete des Landes fahrt, deckt Euch bitte mit genügend Bargeld ein, denn dort gibt es nicht überall eine Geldmaschine. Aufpassen müßt Ihr allerdings, wenn Ihr mit dem schottischen Pfund in England bezahlen wollt, bzw. umgekehrt. Hierbei kann es durchaus zu Problemen kommen. Nach Möglichkeit würde ich an Eurer Stelle . keine schottischen Pfundnoten mit nach Deutschland zurückbringen. Die meisten Banken hier tauschen dieses Geld NICHT um!!!
Die Preise liegen allgemein auf einem noch etwas höheren Niveau als hier bei uns. Einfach nur günstig Urlaub machen, so einfach geht es nicht. Ein Pfund ist cirka 1,60 Euro wert. Als Faustregel kann man ungefähr sagen: das meiste, was bei uns ein Euro kostet, kostet in Schottland ein Pfund. Ein großer Geldbeutel ist also durchaus angebracht.
Übernachtungen:
Es gibt genügend Möglichkeiten in Schottland sein Haupt zur Ruhe zu betten. Da sind zum einen die organisierten Jugendherbergen (ca. 80 Stück), zum anderen noch viele unabhängige Backpacker Hostels . Voraussetzung das Ihr in den organisierten JH übernachten dürft ist natürlich, das Ihr Mitglied in einem JH-Verband seid. Kosten pro Nacht mit Frühstück ab 15 Euro (das gilt vor allem für abgelegeneren JHs). Wenn Ihr im Sommer während des Festivals nach Edinburgh möchtet, solltet Ihr auf jeden Fall frühzeitig genug reservieren. Meines Wissens nach könnt Ihr diese Mitgliedschaft vor Ort erwerben – was erheblich günstiger als hier in Deutschland ist! Ab jeweils sechs Übernachtungen gab es damals eine siebente Übernachtung gratis dazu. Darüber hat sich mein Geldbeutel selbstredend gefreut.
Wer mal in einer etwas anderen JH übernachten möchte, sollte mindestens eine Nacht im Carbisdale Castle verbringen. Das liegt in der Nähe von Culrain (nördlich von Inverness) und ist ein ehemaliges Schloß. Ich habe keine Ahnung, wie oft ich mich darin verlaufen habe – ich kam überall heraus, nur nicht da wo ich wollte… Eine ähnliche Möglichkeit bildet sich z. B am Loch Lomond. Nahezu alle Jugendherbergen haben zudem noch eine Kochgelegenheit, in der Ihr Euch Eure Mahlzeiten selber zubereiten könnt.
Sehr beliebt sind die Anbieter von B & B – Unterkünften – diese sind teilweise schon ab 25 Euro pro Person aufwärts zu bekommen. Zumindest auf dem Lande vermieten viele Schotten Zimmer und hoffen so auf eine zusätzliche Einnahmequelle. Zu einem ordentlichen Frühstück gehört wie schon an anderer Stelle gesagt, Kaffee, Toast, Eier und Speck dazu. Je nach Vermieter bekommt Ihr manchmal auch „Black Pudding“ dazu. Dazu verfügen viele Zimmer über einen eigenen Wasserkocher um sich selber eine Tasse Kaffee, Tee oder Cappuccino zu bereiten. Dies halte ich für eine sehr nachahmenswerte Idee.
Für die Freunde des Campings sei gesagt, das es in Schottland jede Menge Campingplätze gibt. Diese sind allerdings im Sommer sehr gefragt und daher auch schnell belegt. Deshalb gilt zumindest in den Regionen größerer Städte vorher buchen. Irgendwo wild zu campen, würde ich eigentlich nicht unbedingt empfehlen, sondern nach Möglichkeit jemanden vorher fragen, ob es dort erlaubt ist. In den allermeisten Fällen wird es Euch sicherlich erlaubt werden. Die meisten Bauern haben es eben ganz gerne, wenn sie vorher um Erlaubnis gefragt werden. Dies kann ich allerdings gut verstehen.
Reisezeit:
Eine ideale Reisezeit gibt es für mich eigentlich nicht. Das Land hat zu jeder Zeit seine Vorzüge. Bis Mitte Juni hält sich der Touristenstrom noch in Grenzen, dann gibt es eigentlich auch keine Probleme mit Unterkünften usw. Im Sommer würde ich auf jeden Fall in Glasgow oder Edinburgh vorbuchen, weil dann meist alles belegt ist. Dies gilt besonders für die Festivalzeiten. Im Norden des Landes kann man im Sommer, die extrem langen Abenden genießen. Meist ist es schon weit nach Mitternacht, bis es richtig dunkel ist. Drei oder vier Stunden später wird es schon langsam wieder hell. Das ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, mir hat es jedoch sehr gefallen, nach 23.00 Uhr meine Zeitung im Freien lesen zu können.
Tips:
Für einen vierzehntägigen Aufenthalt würde ich folgendes empfehlen:
3 Tage Edinburgh
2 Tage Glasgow
2 Tage Isle of Skye
2 Tage Highlands
1 Tag Speyside Region
1 Tag Glencoe
1 Tag Orkney Inseln
2 Tage Borders + Dumfries + Galloway
Wer möchte, kann sich auch die Region um Loch Ness, das Kingdom of Fife, die Trossachs und Inverness anschauen, einen zusätzlichen Tag auf einer der zahlreichen Inseln verbringen, oder im Südwesten die Region um Oban bis runter nach Campbeltown abklappern. Es gibt überall etwas zu sehen…
Wandern:
Ich glaube, es gibt kaum ein Land, in dem so viel gewandert und umher gelaufen wird wie in Schottland. Dementsprechend solltet Ihr auf jeden Fall das passende, also vor allem festes Schuhwerk mitnehmen. Euere Füße werden es Euch danken. Es gibt sogar ganze Wandertouren wie z.b. dem West Highland Way – nördlich von Glasgow Richtung Fort William (ca. 140 km), den Wilderness Walks – von Gairloch/ Kinlochewe nach Ullapool – im Westen des Landes, oder den Southern Upland Way – von Portpatrick im Südwesten nach Cockburnpath im Nordosten geht dieser Weg durch die Lowlands. (ca. 340 km)! Das war natürlich nur eine ganz kleine Auswahl, denn Wanderwege gibt es in Schottland satt und genug.
Wetter:
Bei meinem ersten Schottlandaufenthalt hatte ich innerhalb von zwei Wochen lediglich zwei Tage Regen – ansonsten Sonnenschein pur. Dafür gab es in anderen Jahren einen recht interessanten Mix aus Sonne, Wind und Regen. Gerade durch den stetigen Wind, wechselt das Wetter doch sehr oft und es kann sich schon mal innerhalb von Minuten ändern. Je nach Jahreszeit solltet Ihr allerdings doch genügend warme Klamotten mitnehmen.
Der eine oder andere lange Pullover kann auch im Sommer manchmal von Vorteil sein. Wenn Ihr z.B. am Strand der Isle of Skye herumspaziert, kann es dort schon mal sehr ungemütlich werden. Wer nach Schottland in Erwartung eines Badeurlaubes fährt, wird sicherlich bitter enttäuscht. Ein wasserdichter Regenmantel sollte ebenfalls zur Eurer Ausstattung gehören.
Ehrlich gesagt, habe ich mit den sogenannten „Midges“, den Mücken bisher weniger Probleme gehabt. Wenn ich mir andere Berichte anschaue, ist es anderen Usern doch ganz anders ergangen…
Whisky:
„Das Wasser des Lebens“ ist eines der bekanntesten Produkte des Landes. Es gibt viele Möglichkeiten sich über die Herstellung, Lagerung und Abfüllung des Whiskys zu informieren. Bei meinem ersten Besuch im Jahre 2000 verlangten die Destillen noch eine Gebühr für die Führung mit einem anschließenden Probe – dafür gab es später eine Vergünstigung für einen eventuellen Kauf vor Ort. Mittlerweile haben sich mehrere Brennereien ein Vorbild an Glenfiddich genommen und bieten diese Führungen jetzt kostenlos an. Zudem gibt es anschließend eine kleine Verköstigung, wobei Glen Grant oder The Glenlivet sogar zwei Proben zur Auswahl anboten. Als kleine „Whiskynase“ ist für mich ein Besuch einer Destille pro Urlaub mindestens Pflicht. In den Pubs habe ich die Erfahrung gemacht, daß der Whisky recht großzügig eingeschränkt wird – cirka 0,035 Ltr pro Glas. Für die Freunde des Whiskys gibt es übrigens wiederum den sogenannten Malt Whisky Trail. Dies ist ein cirka 110 km langer Rundkurs und befindet sich in der Speyside Region. Stellvertretend für die sechs Whiskyregionen Schottlands steht das „Classic Malts of Scotland“ Angebot der UDV (unabhängige Anbieter).
Fazit:
Wie Ihr seht, gibt es jede Menge Möglichkeiten, wie Ihr Euren Schottlandurlaub selber gestalten könnt. Auf jeden Fall würde ich mindestens zwei am besten drei Tage für Edinburgh und mindestens ein eher zwei Tage für die Isle of Skye einplanen. Ein kurzer Besuch von Glasgow sollte ebenfalls auf der Liste stehen.
Generell solltet Ihr ziemlich flexibel sein. Ich selber entscheide am liebsten Tag für Tag neu, was ich mache und wohin ich fahre. Gefällt mir ein Ort, bleibe ich gerne etwas länger da, gefällt er mir nicht so, setze ich mich halt ins Auto und fahre woanders hin. Dabei habe ich zwar einen gewissen Rahmen meiner Reiseroute vorher festgelegt, kann aber doch innerhalb von wenigen Minuten diese noch einmal komplett ändern.
Allein bei der großen Zahl von Schlössern, Burgen, Museen und tollen Gärten braucht man als Besucher schon genügend Zeit um sich alles anzusehen. Die tollen Berge, die weiten Täler und die vielen Lochs (Seen) haben mich total fasziniert. Zur Grundausstattung eines jeden Schottlandurlaubers sollte ein einigermaßen guter Fotoapparat gehören. Darüber hinaus solltet Ihr Euch von zu Hause genügend Filme mitbringen, denn die sind in Schottland relativ teuer. Wer eine Digicam sein eigen nennt, sollte genügend Batterien bzw. Speicherplatz mitnehmen..
Eines kann ich Euch jedenfalls versprechen: Ihr werdet niemals enttäuscht zurückkehren. Wenn diese Möglichkeit doch eintreten sollte, habt Ihr sicherlich etwas komplett verkehrt gemacht.....
Jetzt habe ich noch ein paar interessante Surftips für Euch:
www.ryaniar.com (Fluggesellschaft)
www.syha.org.com (schottischer Jugendherbergsverband)
www.eae.co.uk (What´s on guide Edinburgh)
www.scotland.com
www.schottland.de
www.flughafen-hahn.de
Die Bewohner haben jede Menge Nationalgefühl, was seinen Ursprung vor allem in der Geschichte des Landes hat. Schottland wird auf drei Seiten vom Meer umgeben. Der Atlantik im Westen und Norden, sowie die Nordsee im Osten schließen die Insel ein. Es gibt keinen Punkt im Land, der mehr als 120 km vom Meer entfernt liegt! Schottland wird in drei Gebiete aufgeteilt: die Lowlands, die Central Lowlands sowie die Highlands mitsamt allen Inseln.
Als Lowlands wird das Gebiet nördlich der Grenze zu England (The Borders und Dumfries + Galloway), bis hin zu den beiden großen Städten Glasgow und Edinburgh, die allerdings selber schon zu den Central Lowlands (Strathclyde, Lothian, Fife, Central und Tayside) gehören, bezeichnet. Logischerweise ist dort vor allem die Industrie angesiedelt und auch die Bevölkerungsdichte ist hier erheblich größer. Der Rest wird den Highlands und den Inseln (Hebriden + Skye, Orkneys und Shetlands) zugeordnet. Zur besseren Unterscheidung wird dieses große Gebiet in Grampian (nördlich von Edinburgh bis nach Aberdeen), Northern (nördlich von Inverness) und Southern Highlands (nordwestlich von Glasgow) unterteilt. Im letzteren Gebiet liegt außerdem Großbritanniens höchster Berg, der Ben Nevis, immerhin 1344 Meter hoch (nahe Fort Williams). Seit 1997 hat Schottland wieder ein eigenes Länderparlament mit Sitz in Edinburgh. 2004 wurde dort zudem das neue Parlamentsgebäude eröffnet.
Die Menschen:
Der Schotte an sich erweist sich oft als rauher aber auch äußerst herzlicher Zeitgenosse. Hier trifft der Satz: rauhe Schale, weicher Kern recht häufig zu. Gerade in den ländlicheren Regionen des Landes gibt es viele Menschen, die einem gerne weiterhelfen, Tips geben oder wenn es sein muß, auch mal die eigene Scheune als Übernachtungsmöglichkeit anbieten. So etwas kann ich mir bei uns nicht vorstellen. Glaubt Ihr nicht? Als Beispiel möchte ich eine kleine Begebenheit erzählen, die mir bei meinem ersten Besuch in Glasgow widerfahren ist! Ich stand dort in einer Straße und suchte auf einer Karte nach dem Weg zu meinem nächsten Ziel. Es dauerte nicht lange und zwei nacheinander zufällig vorbei kommende Passanten fragten mich, ob sie mir denn nicht bei der Suche helfen könnten! SO etwas kann ich mir hier in Deutschland beim besten Willen nicht vorstellen…
Mit der Sprache hatte ich bisher im großen und ganzen weniger Probleme als erwartet. Wenn ich etwas nicht sofort verstanden hatte, wurde es mir geduldig erklärt, bis bei mir irgendwann der Groschen fiel. Das hat manchmal wirklich etwas länger gedauert… Je nach Region hat das nicht mehr viel mit Englisch zu tun was da gesprochen wird. Ein gutes Beispiel dafür ist Glasgow - der dort gesprochene Dialekt ist nur recht schwer zu verstehen. Vor allem in den nördlicheren Teilen des Landes und auf den Hebriden Inseln ist die gälische Sprache noch verbreitet. Cirka 60.000 – 80.000 Menschen sprechen eine für den Außenstehenden vollkommen unverständliche Sprache. Trotz „intensiver“ Bemühungen mit Runrig Liedtexten ist dies für mich lediglich eine Aneinanderreihung von Buchstaben…
Die Flora:
Bekannt ist Schottland sicherlich durch den Torf, der dort gerne als Brennstoff verwendet wurde. Früher wurden damit auch die Whiskydestillen betrieben – bis auf sehr wenige Anbieter ist man davon aber komplett abgekommen. Große Waldstücke gibt es eigentlich keine im Land. Sie wurden von den mächtigen Landlords gerodet um ja noch ein paar Pfund verdienen zu können. Mittlerweile findet hier ein Umdenken statt, es werden wieder neue Lärchen und Tannen angepflanzt, die in Zukunft zusammen mit Birken und Eichen das Waldbild Schottlands bestimmen sollen.
Erika so weit das Auge reicht – gerade in den Highlands hatte ich so manches Mal den Eindruck, es gäbe in Schottland keine anderen Pflanzen. Doch weit gefehlt, es gibt verschiedene Orchideenarten, Sonnentau, Stiefmütterchen, Glockenblumen, Ginsterbüsche und sage und schreibe über 900 verschiedene Rhododendrenarten! Ich habe auf meinen Touren sehr schöne Gartenanlagen gesehen (Dunrobin Castle, Culzean Castle, Crathes Gardens) – um nur mal die größten und bekanntesten zu nennen – manchmal fehlen einem da schier die Worte…
Dazu kommt noch die einzigartige Pflanzenwelt der Isle of Skye, die durch das milde Golfstromklima aktiv beeinflußt wird – hier gibt es sogar Pflanzen, die sonst nur in den Tropen wachsen. Oder die riesigen, wunderschönen Rasenanlagen. Manchmal hatte ich das Gefühl, die Schotten hätten nichts anderes zu tun, als den ganzen Tag Rasen zu mähen. Und das Ganze in einer Perfektion, die es in sich hat.
Die Fauna:
Die Tierwelt dagegen scheint dagegen, auf dem ersten Blick nur aus Schafen zu bestehen. Schafe, Schafe und nochmals Schafe. Die meisten davon leben wild in den schier endlosen Highlands. Deshalb heißt es aufgepaßt, wenn Ihr dort mit dem Wagen unterwegs seid. Es kann sehr schnell geschehen, das eine ganze Herde Euch dort den Weg versperrt. Auf der anderen Seite lassen sich dabei aber auch wundervolle Fotos machen…
Bekannt sind natürlich die sogenannten Highland – Cattles. Durch ihr zotteliges Fell und ihre geschwungenen Hörner, sehen sie zwar ziemlich gefährlich aus, sollen aber ansonsten sehr scheu sein. Das habe ich mir allerdings sagen lassen und bisher NICHT selber ausprobiert!!!
Gerade auf den Inseln gibt es viele Vogelschutzreservate, wo recht seltene Vogelarten beobachtet werden können (z.B. Adler – der Steinadler ist übrigens ein schottisches Wahrzeichen). Außerdem besteht die fast einmalige Möglichkeit, in den stillen, abgelegenen Buchten entlang der Küsten, Robben, Wale und sogar Delphine in freier Natur zu erleben! Eine der wenigen Plätze in Europa, wo so etwas möglich ist.
Von Clans, Dudelsack, Kilts und Tartans:
Die Clans entstanden während der Unabhängigkeitskriege zwischen 1296 und 1314. Die führenden Familien bezeichneten als Clan nicht nur mehr den engsten Familienkreis, sondern auch die Bevölkerung konnte teilweise den Namen ihres Clanchefs annehmen. Der Clanchief war gleichzeitig der unbestrittene Herrscher, Richter und Anführer in der Schlacht. Der Zusatz Mac heißt eigentlich soviel wie „Sohn von“ wurde oft vor den eigentlichen Namen gesetzt.
Einem Clan anzugehören hieß zwar damals, daß der Mann - wenn nötig, mit in den Krieg ziehen mußte. Darüber hinaus gab es aber noch die soziale Komponente. Im Alter oder bei Krankheiten wurden die Menschen und deren Angehörige entsprechend gepflegt. Wer einem solchen Clan angehörte, durfte dann die Clanfarben tragen – die Tartans – als Zeichen der Zusammengehörigkeit.
Tartans ist der Stoff, aus dem die Kilts gemacht werden. Es gibt über 1200 verschiedene davon, die natürlich von einem eigenen Verwalter auf ihre Echtheit überwacht werden müssen. Noch heute wird der Kilt vor allem von den Hochlandregimentern zu offiziellen, genauso wie zu privaten Anlässen getragen.
Der Dudelsack gehört ebenso wie der Kilt zu einem echten Highlander dazu. Beim traurigen Spiel eines Dudelsacks zu den Klängen von „Scotland the Brave“ verstand selbst ich ein wenig vom Nationalstolz der Schotten. In Glasgow gibt es sogar ein Museum, das von der Entwicklung des schottischen Nationalinstruments handelt. Noch imponierender hört sich das Ganze beim alljährlichen Military Tattoo Festival Anfang August in Edinburgh an. Es ist vielleicht nicht jedermanns Geschmack, weil recht laut - es läßt sich allerdings ganz gut aus einigen Metern Entfernung zuhören. Als Alternative kann ich Euch allerdings vorschlagen, mal einem Dudelsackspieler innerhalb von geschlossenen Räumen zuzuhören. DAS ist laut!
Anreise:
Es gibt mehrere Möglichkeiten, um nach Schottland zu kommen. Eine von den meistgenutzten Arten ist die Anreise per Flugzeug. Von vielen deutschen, österreichischen und schweizerischen Flugplätzen gehen direkte Flüge nach Glasgow, Glasgow - Prestwick bzw. Edinburgh. Ich selber bin bisher immer vom Flughafen Frankfurt - Hahn aus, mit der irischen Fluggesellschaft Ryanair nach Glasgow – Prestwick geflogen und war damit mehr als zufrieden. Dieser Flugplatz wiederum ist in der Nähe von Ayr, cirka 50km südwestlich von Glasgow entfernt.
Die Bahnanbindung nach Edinburgh, Glasgow oder in den Norden ist ok. Dabei solltet Ihr beachten, das hier in Zusammenarbeit mit Ryanair öfters diverse Aktionen durchgeführt wurden und werden. In einem Jahr erhielt ich ein kostenloses Ticket für die Fahrt nach Edinburgh. In diesem Jahr erhielt ich immerhin noch eine 50% Ermäßigung für die Fahrt vom Airport Prestwick zu meinem Reiseziel und wieder zurück. Achtung: Diesen Nachlaß gibt es nur am „Reisetag“! Eine einzelne Bahnfahrkarte vom Flughafen nach Glasgow kostet normal immerhin cirka 8 Euro, von Glasgow nach Edinburgh cirka 13 Euro! Hier läßt sich definitiv Geld sparen!
Bei meinem ersten Schottlandbesuch habe ich cirka 125 Euro incl. aller Steuern und Gebühren für den Flug bezahlt - durchaus schon ein akzeptabler Preis. In einem anderen Jahr hingegen habe ich sehr kurzfristig bei Ryanair gebucht und brauchte auf einmal nur noch 85 Euro zu zahlen! Die Krönung folgte in diesem Jahr. Zum ersten Male konnte ich auf der Strecke Hahn – Prestwick ein 99 Cent Ticket nutzen. Incl. aller Steuern und Gebühren habe ich gerade mal 56 Euronen bezahlt! Darüber läßt sich bestimmt nicht meckern – für diesen Preis kann ich nicht nach Hamburg oder München und zurück fahren! Achtet also darauf, wann Ihr fliegen wollt. Als Vergleich ist ein normaler Linienflug nach Glasgow nicht unter 250 bis 300 Euro zu haben.
Eine zweite Möglichkeit wäre die Anreise mit dem eigenen Auto. Von Frankreich, Belgien und Holland aus fahren jeden Tag Fähren unter anderem nach Dover, Portsmouth oder Newcastle. Oder Ihr nutzt den Eurotunnel zwischen Calais und Folkstone. So habt Ihr auch schon die Möglichkeit, Euch an den Linksverkehr zu gewöhnen, bzw. Euch ein wenig die englische Landschaft anzusehen.
Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, per Bahn oder Bus nach Schottland zu reisen. Wer mit dem Bus fahren möchte, wählt zwar eine relative günstige Gelegenheit, muß dafür aber jede Menge Sitzfleisch haben. Mit der Bahn anzureisen ist wohl die bequemste Art, dafür aber leider nicht ganz billig, es sei denn, Ihr seid in Besitz eines sogenannten Interrailtickets. Dies gilt meines Wissens nach aber nur bis zum 26. Geburtstag. Es gibt zwar noch eine Variante für die „älteren“ Inhaber, dies wird dann allerdings entsprechend teurer…
Mietwagen:
Bis auf dieses Jahr habe ich mir jedesmal einen Wagen gemietet. Dazu bin ich in ein Reisebüro gegangen und habe mich dort informiert. Ich würde nicht „blind“ über das Internet buchen, sondern ruhig mal nach günstigen Angeboten fragen. Ich selber buche dann immer die kleinste verfügbare Klasse. Die Preise hierfür fangen zwischen 25 + 30 Euro an und sind nach oben hin offen. Wichtig ist dabei darauf zu achten, das es keine Kilometerbeschränkung gibt – sonst zahlt Ihr später noch einmal drauf. Vor Ort zeigt sich dann die Realität. Offensichtlich geht wohl jeder nach eben dieser Methode vor – ich habe bisher noch nie DIE Klasse bekommen, die ich vorher gebucht hatte! Statt dessen gab es immer kostenlose Upgrades auf die nächst höheren Fahrzeugklassen, so hatte ich zweimal einen Fiat Punto, einmal einen Toyota Celica und zuletzt einen Ford Focus (den sogar als TDI). Wir vermieten in unserer Firma ebenfalls Autos – für einen solchen Preis wäre das undenkbar.
Aber Achtung: dafür ist der Treibstoff zumindest in Schottland recht teuer. Preise um 1,50 Euro für Normalbenzin und Diesel sind durchaus als normal anzusehen. Versucht bitte nach Möglichkeit in den größeren Städten zu tanken. Hier ist das Benzin meist zwischen zehn und zwanzig Cent günstiger als auf dem Land. Vor allem gibt es dort aber viel weniger Tankstellen, also solltet Ihr nicht mit dem letzten Tropfen Benzin im Tank fahren.
Um ein Auto in Schottland mieten zu können, müßt Ihr mindestens einundzwanzig Jahre alt und natürlich einen gültigen Führerschein besitzen. Manche Vermieter verlangen einen Aufpreis, wenn der „Hauptfahrer“ noch keine 25 Jahre alt ist. So etwas solltet Ihr genau hinterfragen und vorher klären! Als Sicherheit muß meist ein Betrag von 200 Euro in bar oder die Nummer Eurer Kreditkarte hinterlegt werden. Generell finde ich es besser, einen Wagen im Land zu mieten, als mit dem eigenen zu fahren. Es ist auf diese Art meiner Meinung nach wesentlich einfacher ist, sich an den Linksverkehr zu gewöhnen. Diese Entscheidung muß allerdings jeder für sich selber treffen => Linksverkehr
Wenn Ihr also mit dem Auto fahren wollt, solltet Ihr Euch unbedingt eine gute Landkarte zulegen. Auf einem solchen Plan sollten auch die kleineren Ortschaften eingezeichnet sein, in denen es etwas zu sehen gibt. Kombiniert mit einem guten Reiseführer sollte Euch dann eigentlich nichts mehr entgehen.
Essen und Trinken:
Eines habe ich natürlich auf jeden Fall nicht entgehen lassen. Ich bin normalerweise nicht unbedingt ein Fischesser, aber Fish & Chips – das muß einfach sein. Vor allem an der Küste von Fife gibt es mehrere kleine aber feine Lokale, in denen es mehr als leckere Varianten davon gibt. Ich persönlich habe mir angewöhnt, beim „Scottish Breakfast“ kräftig zuzuschlagen. Müsli und andere Ceralien, Apfel oder Orangensaft, Brötchen, Crossaints, Toast, Bacon & Eier, Pilze, gegrillte Tomaten, Marmelade, Obst und andere leckeren Sachen sorgen schon dafür, das man satt wird! Auf gebackene Bohnen und Würstchen habe ich dagegen weitestgehend verzichtet. Insgesamt ist dies aber eine gute Grundlage um den Tag zu überstehen. Abends reicht dann oft ein Apfel oder Banane vollkommen aus. Wer in Schottland essen gehen möchte, sollte schon einen etwas größeren Geldbeutel mitnehmen. Selbst wenn Ihr vielleicht nur eine Pizza wollt, solltet Ihr mal mindestens 10 Euro einplanen. Ehrlich gesagt habe ich allerdings für soviel Geld, schon wesentlich besser gegessen.....
Darüber hinaus verfügt Schottland über ein sehr reichhaltiges Käsesortiment, dem ich leider nichts abgewinnen konnte. Da ich keinen mag, habe ich ihn erst gar nicht probiert… Wer möchte, kann aber auch gerne das schottische Nationalgericht probieren: Haggis. Hierbei handelt es sich um gewürzte Schafsinnereien, die mit Hafermehl vermischt werden. Auf den Genuß dieser Spezialität habe ich bisher noch freiwillig verzichtet….
Kommen wir nun zum schöneren Teil: dem Trinken. Der Schotte an sich trinkt sehr viel, vor allem Bier. Das gibt es dort in mehreren Variationen: Da wäre zu einem das heavy draught, ein dunkles Faßbier, welches einen etwas bitteren Geschmack hat. Ich persönlich ziehe das Tennenth Lager vor, ein helles Bier, das unserem Pils eigentlich am nächsten kommt. Ein sehr gerne getrunkenes Bier ist das Stout Bier, ein Starkbier, das Richtung Guinness geht. Ein Pint Bier = 0,57 Liter kostet nicht überall dasselbe. Während man in Glasgow und auf dem Land cirka 2,30 – 2,50 Euro für das Pint bezahlt, kann man in Edinburgh schon mal bis zu 4 Euro einplanen. Darüber hinaus gibt es in vielen Lokalen eine gute Auswahl an verschiedensten Whiskys. Das Wasser des Lebens kostet umgerechnet zwischen 1,50 und 4,00 Euro pro Glas da kommt es halt auch darauf an, was man nun denn genau trinken möchte. Der einfache „Blend“ wird gerne zum mixen mit irgendwelchen Limonaden genutzt, während die Single Malts selbstredend von mir immer pur und ohne Beigaben wie Eis oder Wasser getrunken werden. Seltsamerweise werden diese aber recht oft von den Schotten genutzt… Tagsüber habe ich mich immer mit normalen Mineralwasser aus dem Supermarkt begnügt – die Preise liegen ebenfalls auf hiesigem Niveau.
Pubs:
Es gibt sie überall und ist das Dorf noch so klein. Vor allem in den ganz kleinen Orten bilden sie meist den Mittelpunkt des öffentlichen Lebens. Wenn Ihr nach etwas sucht, geht dorthin fragen – Euch wird meistens weitergeholfen. Auch wenn Ihr vielleicht nur etwas trinken wollt, sind die anderen Gäste meist recht freundlich und fragen Euch schon nach kurzer Zeit, wo Ihr denn herkommt und was Ihr vorhabt. Ich habe die Erfahrung gemacht, das einige Schotten gerne von ihren Deutschkenntnissen Gebrauch machen und von ihren Erlebnissen hier erzählen.
Veranstaltungen:
Davon gibt es eigentlich mehr als genug. An vielen Orten des Landes finden Ende August/ Anfang September die sogenannten Highland Games statt. Die bekannteste Veranstaltung ist sicherlich das Braemar Gathering (erstes September Wochenende) – hier sind recht häufig Mitglieder der englischen Königsfamilie (einschließlich Queen) anwesend. Highland Games ist eine Mischung aus Gewichte werfen, Baumstamm schleudern, Pfeil und Bogen schießen und Hammerwerfen. Die Akteure treten dann in ihren Kilts an, also durchaus sehenswert für unsere Userinnen. Wenn Ihr die Möglichkeit habt, Euch so etwas mal anzuschauen, solltet Ihr sie auf jeden Fall wahrnehmen.
Darüber hinaus gibt es jede Menge Arten von Festivals, die sich über das ganze Jahr hinaus verteilen. Als Beispiele möchte ich hier das Military Tattoo, das Fringe und das Edinburgh Festival (alles im August und in der Hauptstadt) oder das Glasgower Jazz Festival (Juli) nennen.
Vor allem im Sommer gibt es gerade auf dem Lande jedes Wochenende irgendwo eine Veranstaltung. Seit einigen Jahren ist das Edinburgher Hogmanay bekannter geworden – die angeblich größte Neujahrsfeier der Welt, welche zwischen Ende Dezember und Anfang Januar stattfindet. Hier gibt es an mehreren Tagen Veranstaltungen im Theater und jede Menge Konzerte. Den Höhepunkt bildet dann eine riesige Straßenparty am Silvestertag. Das ist wirklich nur eine ganz kleine Auswahl von Veranstaltungen – es ist eigentlich immer etwas irgendwo los.
Burgen und Ruinen:
Wer wie ich, gerne alte Gebäude, Burgen oder Ruinen besichtigt, wird sich in Schottland auf jedenfalls nicht beklagen können. Es sind oft Bauwerke, die schon seit einigen Jahrhunderten, Wind und Wetter trotzen. Sie sind im Laufe der Zeit zerstört worden, teilweise wurden sie wieder aufgebaut. Heutzutage hat sich der National Trust of Historic Scotland zur Aufgabe gemacht, diese alte Bauten zu erhalten. Ich finde diese Idee sehr gut, es wäre schade, wenn alles zerfallen würde. Cirka 80 Schlösser, Ruinen und Burgen können so besichtigt werden. Die Erlöse aus den Einnahmen werden für neue und bestehende Projekte verwendet.
Eine Schattenseite gibt es hier allerdings doch: die Eintrittspreise sind teilweise ganz schön gesalzen. Unter fünf Euro geht im Regelfall gar nicht – nach oben sind scheinbar keinerlei Grenzen gesetzt – Stirling und Edinburgh Castle kosten jeweils cirka 16 Euro!!! Zum Trost gibt es das sogenannte Explorerticket, das drei, sieben oder vierzehn Tage gültig ist. Hier können die Castles oder Schlösser die zum Historic Scotland gehören, zu einem im Verhältnis relativ günstigen Preis besichtigt werden.
In den Grampian Highlands gibt es übrigens einen speziellen Castle Trail. Auf über 240 km Länge können insgesamt über 70 Schlösser und Burgen besichtigt werden.
Landschaft:
Ich habe bisher noch nie eine solch abwechslungsreiche Gegend gesehen. Mir haben es dabei vor allem die nördlicheren Highlands angetan. Es gibt dort Sandstrände mit richtigem blauem Wasser! So etwas kennt man ja normalerweise nur von südlicheren Gefilden… Ich persönlich genieße es am Ufer entlang zu laufen, den Wellen zuzuschauen, mir die Luft um die Ohren pusten zu lassen, dem Rauschen der Wälder und dem Geschnatter der vielen Vögel zuzuhören. Da kann ich dann die Seele baumeln lassen, die Aussichten genießen und wieder Kraft für den beruflichen Alltag tanken. Dazu gibt es noch zahlreiche kleinere Anhöhen, von denen man schöne Ausblicke auf die Umgebung genießen kann...
Linksverkehr:
Ich hatte am Anfang schon etwas Bammel wegen dem Lenkrad, das nun auf der falschen Seite des Autos montiert war. Aber es ging alles wesentlich einfacher, als ich es mir vorgestellt hatte. Schon nach einer halben Stunde hatte ich mich schon ganz gut daran gewöhnt. Das eine oder andere Probleme hatte ich allerdings beim Abbiegen, denn das funktioniert ja genau andersherum wie bei uns. Am meisten Spaß machten mir die sogenannten Single Track Roads. Die sind meist gerade mal vier bis fünf Meter breit, alle Kilometer gibt es kleine Haltebuchten, um den Gegenverkehr oder überholende Autos vorbeilassen zu können. Hier kann jeder sein fahrerisches „Können“ unter Beweis stellen. Oder auch nicht. Das ist sicherlich nicht jedermanns Sache.
Geld:
Auch in Zeiten des Euro haben die Schotten ihr schottisches Pfund behalten. Kein Wunder gehören sie doch nach wie vor zu Großbritannien. Banken und Geldautomaten gibt es zuhauf in den größeren Städten und bilden eigentlich kein Problem. Ich würde Euch aber trotzdem eins raten: bevor Ihr irgendwo in die einsameren Gebiete des Landes fahrt, deckt Euch bitte mit genügend Bargeld ein, denn dort gibt es nicht überall eine Geldmaschine. Aufpassen müßt Ihr allerdings, wenn Ihr mit dem schottischen Pfund in England bezahlen wollt, bzw. umgekehrt. Hierbei kann es durchaus zu Problemen kommen. Nach Möglichkeit würde ich an Eurer Stelle . keine schottischen Pfundnoten mit nach Deutschland zurückbringen. Die meisten Banken hier tauschen dieses Geld NICHT um!!!
Die Preise liegen allgemein auf einem noch etwas höheren Niveau als hier bei uns. Einfach nur günstig Urlaub machen, so einfach geht es nicht. Ein Pfund ist cirka 1,60 Euro wert. Als Faustregel kann man ungefähr sagen: das meiste, was bei uns ein Euro kostet, kostet in Schottland ein Pfund. Ein großer Geldbeutel ist also durchaus angebracht.
Übernachtungen:
Es gibt genügend Möglichkeiten in Schottland sein Haupt zur Ruhe zu betten. Da sind zum einen die organisierten Jugendherbergen (ca. 80 Stück), zum anderen noch viele unabhängige Backpacker Hostels . Voraussetzung das Ihr in den organisierten JH übernachten dürft ist natürlich, das Ihr Mitglied in einem JH-Verband seid. Kosten pro Nacht mit Frühstück ab 15 Euro (das gilt vor allem für abgelegeneren JHs). Wenn Ihr im Sommer während des Festivals nach Edinburgh möchtet, solltet Ihr auf jeden Fall frühzeitig genug reservieren. Meines Wissens nach könnt Ihr diese Mitgliedschaft vor Ort erwerben – was erheblich günstiger als hier in Deutschland ist! Ab jeweils sechs Übernachtungen gab es damals eine siebente Übernachtung gratis dazu. Darüber hat sich mein Geldbeutel selbstredend gefreut.
Wer mal in einer etwas anderen JH übernachten möchte, sollte mindestens eine Nacht im Carbisdale Castle verbringen. Das liegt in der Nähe von Culrain (nördlich von Inverness) und ist ein ehemaliges Schloß. Ich habe keine Ahnung, wie oft ich mich darin verlaufen habe – ich kam überall heraus, nur nicht da wo ich wollte… Eine ähnliche Möglichkeit bildet sich z. B am Loch Lomond. Nahezu alle Jugendherbergen haben zudem noch eine Kochgelegenheit, in der Ihr Euch Eure Mahlzeiten selber zubereiten könnt.
Sehr beliebt sind die Anbieter von B & B – Unterkünften – diese sind teilweise schon ab 25 Euro pro Person aufwärts zu bekommen. Zumindest auf dem Lande vermieten viele Schotten Zimmer und hoffen so auf eine zusätzliche Einnahmequelle. Zu einem ordentlichen Frühstück gehört wie schon an anderer Stelle gesagt, Kaffee, Toast, Eier und Speck dazu. Je nach Vermieter bekommt Ihr manchmal auch „Black Pudding“ dazu. Dazu verfügen viele Zimmer über einen eigenen Wasserkocher um sich selber eine Tasse Kaffee, Tee oder Cappuccino zu bereiten. Dies halte ich für eine sehr nachahmenswerte Idee.
Für die Freunde des Campings sei gesagt, das es in Schottland jede Menge Campingplätze gibt. Diese sind allerdings im Sommer sehr gefragt und daher auch schnell belegt. Deshalb gilt zumindest in den Regionen größerer Städte vorher buchen. Irgendwo wild zu campen, würde ich eigentlich nicht unbedingt empfehlen, sondern nach Möglichkeit jemanden vorher fragen, ob es dort erlaubt ist. In den allermeisten Fällen wird es Euch sicherlich erlaubt werden. Die meisten Bauern haben es eben ganz gerne, wenn sie vorher um Erlaubnis gefragt werden. Dies kann ich allerdings gut verstehen.
Reisezeit:
Eine ideale Reisezeit gibt es für mich eigentlich nicht. Das Land hat zu jeder Zeit seine Vorzüge. Bis Mitte Juni hält sich der Touristenstrom noch in Grenzen, dann gibt es eigentlich auch keine Probleme mit Unterkünften usw. Im Sommer würde ich auf jeden Fall in Glasgow oder Edinburgh vorbuchen, weil dann meist alles belegt ist. Dies gilt besonders für die Festivalzeiten. Im Norden des Landes kann man im Sommer, die extrem langen Abenden genießen. Meist ist es schon weit nach Mitternacht, bis es richtig dunkel ist. Drei oder vier Stunden später wird es schon langsam wieder hell. Das ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, mir hat es jedoch sehr gefallen, nach 23.00 Uhr meine Zeitung im Freien lesen zu können.
Tips:
Für einen vierzehntägigen Aufenthalt würde ich folgendes empfehlen:
3 Tage Edinburgh
2 Tage Glasgow
2 Tage Isle of Skye
2 Tage Highlands
1 Tag Speyside Region
1 Tag Glencoe
1 Tag Orkney Inseln
2 Tage Borders + Dumfries + Galloway
Wer möchte, kann sich auch die Region um Loch Ness, das Kingdom of Fife, die Trossachs und Inverness anschauen, einen zusätzlichen Tag auf einer der zahlreichen Inseln verbringen, oder im Südwesten die Region um Oban bis runter nach Campbeltown abklappern. Es gibt überall etwas zu sehen…
Wandern:
Ich glaube, es gibt kaum ein Land, in dem so viel gewandert und umher gelaufen wird wie in Schottland. Dementsprechend solltet Ihr auf jeden Fall das passende, also vor allem festes Schuhwerk mitnehmen. Euere Füße werden es Euch danken. Es gibt sogar ganze Wandertouren wie z.b. dem West Highland Way – nördlich von Glasgow Richtung Fort William (ca. 140 km), den Wilderness Walks – von Gairloch/ Kinlochewe nach Ullapool – im Westen des Landes, oder den Southern Upland Way – von Portpatrick im Südwesten nach Cockburnpath im Nordosten geht dieser Weg durch die Lowlands. (ca. 340 km)! Das war natürlich nur eine ganz kleine Auswahl, denn Wanderwege gibt es in Schottland satt und genug.
Wetter:
Bei meinem ersten Schottlandaufenthalt hatte ich innerhalb von zwei Wochen lediglich zwei Tage Regen – ansonsten Sonnenschein pur. Dafür gab es in anderen Jahren einen recht interessanten Mix aus Sonne, Wind und Regen. Gerade durch den stetigen Wind, wechselt das Wetter doch sehr oft und es kann sich schon mal innerhalb von Minuten ändern. Je nach Jahreszeit solltet Ihr allerdings doch genügend warme Klamotten mitnehmen.
Der eine oder andere lange Pullover kann auch im Sommer manchmal von Vorteil sein. Wenn Ihr z.B. am Strand der Isle of Skye herumspaziert, kann es dort schon mal sehr ungemütlich werden. Wer nach Schottland in Erwartung eines Badeurlaubes fährt, wird sicherlich bitter enttäuscht. Ein wasserdichter Regenmantel sollte ebenfalls zur Eurer Ausstattung gehören.
Ehrlich gesagt, habe ich mit den sogenannten „Midges“, den Mücken bisher weniger Probleme gehabt. Wenn ich mir andere Berichte anschaue, ist es anderen Usern doch ganz anders ergangen…
Whisky:
„Das Wasser des Lebens“ ist eines der bekanntesten Produkte des Landes. Es gibt viele Möglichkeiten sich über die Herstellung, Lagerung und Abfüllung des Whiskys zu informieren. Bei meinem ersten Besuch im Jahre 2000 verlangten die Destillen noch eine Gebühr für die Führung mit einem anschließenden Probe – dafür gab es später eine Vergünstigung für einen eventuellen Kauf vor Ort. Mittlerweile haben sich mehrere Brennereien ein Vorbild an Glenfiddich genommen und bieten diese Führungen jetzt kostenlos an. Zudem gibt es anschließend eine kleine Verköstigung, wobei Glen Grant oder The Glenlivet sogar zwei Proben zur Auswahl anboten. Als kleine „Whiskynase“ ist für mich ein Besuch einer Destille pro Urlaub mindestens Pflicht. In den Pubs habe ich die Erfahrung gemacht, daß der Whisky recht großzügig eingeschränkt wird – cirka 0,035 Ltr pro Glas. Für die Freunde des Whiskys gibt es übrigens wiederum den sogenannten Malt Whisky Trail. Dies ist ein cirka 110 km langer Rundkurs und befindet sich in der Speyside Region. Stellvertretend für die sechs Whiskyregionen Schottlands steht das „Classic Malts of Scotland“ Angebot der UDV (unabhängige Anbieter).
Fazit:
Wie Ihr seht, gibt es jede Menge Möglichkeiten, wie Ihr Euren Schottlandurlaub selber gestalten könnt. Auf jeden Fall würde ich mindestens zwei am besten drei Tage für Edinburgh und mindestens ein eher zwei Tage für die Isle of Skye einplanen. Ein kurzer Besuch von Glasgow sollte ebenfalls auf der Liste stehen.
Generell solltet Ihr ziemlich flexibel sein. Ich selber entscheide am liebsten Tag für Tag neu, was ich mache und wohin ich fahre. Gefällt mir ein Ort, bleibe ich gerne etwas länger da, gefällt er mir nicht so, setze ich mich halt ins Auto und fahre woanders hin. Dabei habe ich zwar einen gewissen Rahmen meiner Reiseroute vorher festgelegt, kann aber doch innerhalb von wenigen Minuten diese noch einmal komplett ändern.
Allein bei der großen Zahl von Schlössern, Burgen, Museen und tollen Gärten braucht man als Besucher schon genügend Zeit um sich alles anzusehen. Die tollen Berge, die weiten Täler und die vielen Lochs (Seen) haben mich total fasziniert. Zur Grundausstattung eines jeden Schottlandurlaubers sollte ein einigermaßen guter Fotoapparat gehören. Darüber hinaus solltet Ihr Euch von zu Hause genügend Filme mitbringen, denn die sind in Schottland relativ teuer. Wer eine Digicam sein eigen nennt, sollte genügend Batterien bzw. Speicherplatz mitnehmen..
Eines kann ich Euch jedenfalls versprechen: Ihr werdet niemals enttäuscht zurückkehren. Wenn diese Möglichkeit doch eintreten sollte, habt Ihr sicherlich etwas komplett verkehrt gemacht.....
Jetzt habe ich noch ein paar interessante Surftips für Euch:
www.ryaniar.com (Fluggesellschaft)
www.syha.org.com (schottischer Jugendherbergsverband)
www.eae.co.uk (What´s on guide Edinburgh)
www.scotland.com
www.schottland.de
www.flughafen-hahn.de
31 Bewertungen, 1 Kommentar
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30.07.2007, 10:58 Uhr von AnjaS911
Bewertung: sehr hilfreichDa bekomme ich richtig Reiselust...
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