Schottland Testbericht
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Erfahrungsbericht von LosGatos
Schottland - Tipps & Tricks
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Wer mich (LosGatos) kennt, und sei es auch nur virtuell, weiß, dass ich mich eher als mediterranen Menschen sehe, als einen bekennenden Anhänger der Lebensweise der Südeuropäer. Das beginnt mit meiner Liebe zu Sonne, Strand und Meer. Denn ich weiß die Mentalität der Südeuropäer sehr zu schätzen, spreche lieber spanisch oder französisch (wenn auch um vieles schlechter) als englisch. Und nicht zuletzt komme ich kulinarisch in diesen Ländern immer auf meine Kosten.
Nichtsdestotrotz kam ich dieses Jahr, als das Thema Urlaubsplanung mal wieder anstand, auf die Idee, meiner Freundin vorzuschlagen, mal eine kleine Schottlandreise zu unternehmen. Sie hatte nichts dagegen, zumal sie ebenso wie ich, diesen Teil Großbritanniens noch nie bereist hat.
Also gingen wir die Sache an, lasen schon einmal ein paar Berichte in Internet-Meinungsforen und kauften einen Reiseführer.
Unsere Reise fand im August / September 2002 statt und dauerte insgesamt zweieinhalb Wochen. Über meine Erfahrungen werde ich, nun hier beginnend, in einigen Beiträgen berichten. Neben diesem Bericht mit grundlegenden Erkenntnissen und Empfehlungen sind noch folgende Beiträge geplant:
- Autofahren in Schottland (Großbritannien): „Thank you for driving carefully“
- Edinburgh: “Das Athen des Nordens”
- Highlands: „Tagebuch einer Schottlandrundreise“
- Mietwagen von Europcar: „Mein Zweitwagen“ – diesen bereits vorhandenen etwas älteren Bericht werde ich demnächst hinsichtlich meiner Erfahrungen in Schottland aktualisieren
Wer noch nie in Schottland war, dem fallen wahrscheinlich dennoch auf Anhieb ein paar Begriffe ein, die er mit Schottland in Verbindung bringt. Da ist der Dudelsack und der Schottenrock (Kilt), der in Schottland bekanntlich auch von Männern getragen wird, verbunden mit der banalen Frage, was der Schotte darunter trägt. Ferner denkt man womöglich an schlechtes Wetter und noch schlechteres Essen. Dafür gibt es aber genügend Sorten von Scotch Whisky, womit man sich darüber hinwegtrösten kann. Fußballfans fallen sofort die Glasgow’er Vereine Celtic und Rangers sowie ein (auch dort) glückloser „McBerti“ Vogts ein. Und nicht zuletzt gelten die Schotten ja als übertrieben geizig...
Ob letzteres zutrifft, habe ich nicht wirklich ergründen können. Eines ist jedoch sicher: Wer umgekehrt sehr kostengünstig Urlaub machen möchte, wird sich in Schottland besonders schwer tun. Denn Schottland (wie wohl Großbritannien im allgemeinen und Städte wie London oder Edinburgh im speziellen) ist als Reiseland für Urlauber aus Euroland ausgesprochen teuer, was sich vor allem bei Restaurantbesuchen und Besichtigungen auswirkt.
REISEPLANUNG UND ANREISE
Wer mehr als nur einen Städtetrip nach Edinburgh oder Glasgow unternehmen möchte – und dazu rate ich unbedingt, auch wenn Edinburgh allein auch eine Kurzreise wert ist – der wird die Lowlands und die Highlands oder vielleicht auch die eine oder andere Insel besuchen wollen.
Dazu kann man sich natürlich per Reisebus durchs Land kutschieren lassen, was immerhin den Vorteil hat, dass es sehr bequem ist. Derartige Pauschalreisen kann man in Deutschland bei vielen Reiseveranstaltern in Reisebüros oder direkt übers Internet buchen. Solche Pauschalreisen haben obendrein den Vorteil, dass die Kosten von vornherein besser überschaubar sind, weil Übernachtungs-, Verpflegungs- und Eintrittspreise meist inbegriffen sind. Mir allerdings sind solche Touristenbusse eher ein Dorn im Auge, und sitzen möchte ich darin schon gar nicht.
Somit bleibt die Anreise mit eigenem PKW oder eine Rundreise per Mietwagen. Rundreisen per Mietwagen kann man ebenfalls bei Reiseveranstaltern buchen und sich sogar individuell vorausplanen lassen. Das hat wiederum den Vorteil, dass man sich um die Quartiersuche nicht selbst kümmern muss. Ich rate jedoch dringend davon ab. Denn es ist überhaupt kein Problem, in Schottland auch ohne Voranmeldung halbwegs günstige Übernachtungsmöglichkeiten zu finden (s.u.). Damit erhält man sich den unschätzbaren Vorteil, seine Tour flexibel zu gestalten und täglich neu planen zu können, was dann angebracht ist, wenn es einem in einer bestimmten Gegend besonders gut gefällt oder wenn das Wetter nicht mitspielt. Wir jedenfalls haben so verfahren und es jederzeit genossen.
Somit bestand unsere Reiseplanung im wesentlichen zunächst damit, Hin- und Rückflug von München über Frankfurt nach Edinburgh mit Lufthansa und einen Mietwagen bei Europcar im Voraus zu buchen. Da wir die ersten Tage in Edinburgh verbringen wollten und zu der Zeit gerade das alljährliche Edinburgh Festival stattfand, hatten wir unser Quartier für die ersten Tage auch über das Internet vorreserviert, was für den genannten Zeitraum jedoch nicht so einfach war (s.u.)
Außerdem lasen wir vorab im Reiseführer über Schottland. Neben dem Herausfinden interessanter Ziele ist es bei einem geschichtsträchtigen Land wie Schottland ratsam, sich etwas über die Geschichte zu informieren, um z.B. bei Besichtigungen von Burgen und Schlössern die Zusammenhänge besser zu verstehen. Dabei spielt natürlich der Name Maria Stuart und die Beziehung die England eine herausragende Rolle. Einen Überblick über die geschichtliche Vergangenheit liefern in der Regel Reiseführer (s.u.).
Gesundheitliche Vorkehrungen wie Impfungen sind nicht notwendig. Da Großbritannien nicht zum „Schengener Abkommen“ gehört, ist bei Ein- und Ausreise ein gültiger Reisepass oder Personalausweis vorzuzeigen. Ein Visum ist für EU-Angehörige dagegen nicht notwendig. Ebensowenig bedarf es zum Führen eines Kraftfahrzeuges eines Internationalen Führerscheins.
Wer mehr Zeit hat und / oder sich die teuren Flüge und Mietwagen sparen möchte, kann natürlich mit dem eigenen Wagen anreisen und vom europäischen Festland per Autofähre oder über den Eurotunnel per Eisenbahn nach UK übersetzen. Fährverbindungen nach Nordengland (Newcastle oder Hull) gibt es z.B. ab Holland, Belgien oder Hamburg. Diese sollte man natürlich auch rechtzeitig vorausbuchen.
Weitere Informationen über Schottland findet man im Internet z.B. unter http://www.scotland.com/
FÜR WEN KANN SCHOTTLAND EINE REISE WERT SEIN ?
Schottland ist nicht gerade das klassische Reiseland für den Sonnenanbeter. Nicht, dass hier nie die Sonne schiene – im Sommer tut sie das aufgrund der geographischen Lage ähnlich wie in Skandinavien sogar ungewöhnlich lange -, aber aufgrund der niedrigen Wassertemperaturen ist es natürlich kein Badeland, obwohl es auch genügend Strände gibt. Immerhin habe ich einmal dort jemanden in der Nordsee baden sehen.
Das hat den Vorteil, dass dort kein Massentourismus wie in Italien, Spanien oder Griechenland vorherrscht. In Schottland gibt es jedoch ungewöhnlich viel zu sehen und zu erleben. So kommt sowohl der Kulturfreund in zahlreichen Schlössern, Burgen und Museen als auch der Naturfreund aufgrund der unglaublich schönen Landschaft voll auf seine Kosten. Schottland ist aufgrund seiner Berge und Täler ein Paradies für Wanderer und Radsportler und wegen seiner vielen Gewässer (Meer, Seen, Flüsse) ein Dorado für Angler und Bootfahrer. Der Whiskytrinker kann nicht nur zwischen Hunderten von Sorten wählen, sondern auch die Orte der Herstellung in unzähligen Destillen aufsuchen.
REISEZEIT UND WETTER
Schottland verfügt über sehr ausgeglichenes Klima, d.h. die Winter sind wegen des Golfstromes nicht übermäßig kalt und die Sommer nicht übermäßig warm. Auch die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht fallen nicht sehr groß aus. Hohe Niederschläge gibt es zu allen Jahreszeiten, besonders in den Höhenlagen (im Winter auch als Schnee) und an der Westseite der Gebirge. In Edinburgh z.B. liegt die mittlere Temperatur im Winter meist über dem Gefrierpunkt und im Sommer kaum über 20 °C (als wir Ende August 2002 da waren, war es jedoch deutlich wärmer).
Wegen der sehr kurzen Tage bietet sich der Winter jedoch nicht als Reisezeit an. Dafür geht im Juni die Sonne im Extremfall nachts nur eine halbe Stunde unter. Wegen der Blütezeiten sind neben den Sommermonaten besonders Mai und September (Heidelandschaften) als Reisezeit zu empfehlen.
Das kulturelle Edinburgh-Festival findet alljährlich in den letzten 3 Augustwochen statt, was jedoch insbesondere die Zimmerpreise in die Höhe treibt.
Wir hatten übrigens mit dem Wetter ziemliches Glück, von 18 Tagen waren 3-4 verregnet, was für Schottland ein guter Schnitt ist. Nach der ersten Woche war ich bereits leicht sonnengebräunt. Zum Schluss wurde es tendenziell etwas feuchter, aber einen passionierten Wanderer wird das nicht übermäßig stören.
GEOGRAPHISCHER ÜBERBLICK
Mit den Southern Uplands (einem Gemisch aus Hoch und Tief) grenzt Schottland im Süden an England. Die Grenzlinie verläuft zwischen dem Solway Firth im Westen und dem Fluss Tweed im Osten. Firth ist das schottische Wort für Fjord und ist meist nach dem dort einmündenden Fluss benannt, z.B. Firth of Forth, an dem Edinburgh liegt. Ein bekannter Ort an der Grenze zu England ist das einstige Heiratsparadies Gretna Green. Die größten Städte wie Glasgow und die Hauptstadt Edinburgh liegen in den tiefen Central Lowlands, wo viele Ortschaften konzentriert sind. Nördlich davon liegen die bergigen Highlands, die ca. 2 Drittel der Fläche des Landes ausmachen und zu denen auch die Inselwelten der Hebriden, Orkney und Shetland Islands gehören.
AUTOFAHREN IN SCHOTTLAND
Hierzu gibt es (demnächst) einen eigenen Bericht von mir mit dem Titel „Thank you for driving carefully“.
WÄHRUNG
Da Großbritannien zwar der EU angehört, aber nicht dem „Euro-Land“ beigetreten ist, gilt in Schottland wie auch in England, Wales und Nord-Irland nach wie vor das Englische Pfund. Der Wechselkurs liegt bei 1 Pfund = 1,6 Euro oder für Nostalgiker bei 1 Pfund = 3,1 DM. Wenn man also als Faustregel alle Preise mal 3 nimmt und damit auf anschauliche DM-Preise kommt, merkt man leider sehr schnell, wie teuer Schottland ist. Die Bank of Scotland gibt jedoch eigene Banknoten heraus, die den gleichen Wert haben wie das englische Pfund. Englische Banknoten mit dem Antlitz von Themse-Liesel haben auch in Schottland Gültigkeit. Laut Reiseführer soll man, wenn man Banknoten in Deutschland zurücktauschen möchte, sie vorher in englische Scheine tauschen, da die angeblich in Deutschland einen besseren Devisen-Kurs haben. Das kann gut sein, weil die englischen Scheine ja gebräuchlicher sind, ich habe das aber nicht überprüft, weil ich kein Bargeld mehr übrig hatte. Die Münzen (von 1 Penny bis zu 2 Pfund) sind in ganz UK einheitlich.
Die Mitnahme von Reiseschecks ist nicht notwendig, sofern man über EC- und/oder Kreditkarte verfügt, womit man an Automaten, die auch in kleineren Orten ausreichend vorhanden sind, Bargeld abheben kann. Kreditkarten (vornehmlich Visa, Master und Amex) werden fast überall akzeptiert, auch in Supermärkten, was bei uns eher unüblich ist. Lediglich in Privatunterkünften muss man meist bar bezahlen.
UNTERKÜNFTE
Die meistgenutzte Übernachtungsmöglichkeit in ganz UK ist das sogenannte Bed & Breakfast (Übernachtung mit Frühstück), was von Hotels, Gästehäusern und Privatunterkünften überall angeboten wird, zu erkennen an Schildern vor der Tür oder im Fenster mit den Aufschriften „Bed& Breakfast“, „B&B“ oder „Vacancies“. Die Preise im Hotel oder Gästehaus sind natürlich höher als im Privatquartier. Die Übernachtung im Privatquartier kann ich dabei uneingeschränkt empfehlen. Solche sind oft gerade in kleineren Ortschaften in jedem zweiten Haus vorhanden, weil sie eine gute Einnahmequelle darstellen, und leicht zu finden. Eine Reservierung ist nicht notwendig. So habe ich stets irgendwo bei einem B&B geklingelt, wenn nicht gerade ein Schild mit „No Vacancies“ sichtbar war, was bedeutet, dass nichts mehr frei ist. Da hat dann meist eine freundliche ältere Dame geöffnet, der ich stets mit „Good afternoon, I’m looking for a double room“ begegnete. Sehr selten bekam ich „Sorry, we are full“ zu hören, dann hat es halt beim Nachbarn (nicht MIT dem Nachbarn) geklappt. Man wird herein gebeten, das Zimmer wird einem gezeigt, meist ist es „en suite“ (das heißt, dass das Badzugang vom Zimmer und nicht über den Gang erfolgt). Wenn die Besitzerin nicht von sich aus sagt, was es kostet, fragt man „How much is it?“ Der Preis bezieht sich dabei immer auf eine Person mit Frühstück, nicht aufs Zimmer. Das Preisniveau ist in der Regel saison- und ortsabhängig. In Edinburgh ist zu Festival-Zeiten kaum ein Zimmer unter 40 Pfund zu bekommen, ich hatte an die 20 Vermieter angemailt. Wir haben dort 37 Pfund pro Person und Nacht bezahlt (also umgerechnet über 100DM), weil wir mehr als eine Nacht geblieben sind. Auf dem Lande bekommt man jedoch meist Zimmer für unter 20 Pfund, oft 15 Pfund pro Person. Das sind dann bei 2 Personen also umgerechnet um die 90 DM für das Zimmer, was ich für das Gebotene angemessen finde. Denn die Zimmer sind immer sehr gepflegt und geschmackvoll eingerichtet, verfügen neben ein oder mehreren Betten und dem Bad (evtl. mit einem anderen Zimmer zu teilen, wenn nicht en-suite) auch über die Möglichkeit, sich einen Kaffee oder Tee zu bereiten. Manchmal wird man noch von der Lady zu einem kleinen Plausch gebeten, bei einigen muss man ein Anmeldeformular ausfüllen, bei anderen wieder nicht. Dann wird man noch gefragt, wann und was man zum Frühstück möchte. Normal ist englisches Frühstück, also Cerealien, Toast und Eier / Speck / Würstchen zwischen 8 und 9 Uhr. Manchmal gibt es auch Baked Beans, Black Pudding (s.u.), Pilze oder Tomaten, zusätzlich Joghurt. Auf jeden Fall immer sehr reichhaltig. Ich stehe eigentlich nicht so sehr auf ausgiebiges Frühstück und schon gar nicht auf das schwere englische. Aber ich habe mich daran gewöhnt. Das hat den Vorteil, dass ich dann bis zum Abend nichts mehr zu essen brauchte, was auch eine Einsparmöglichkeit darstellte. Beim Frühstück sitzt man oft mit anderen Gästen an einem Tisch, wo sich bereits Gelegenheit zu Small Talk und einem morgendlichen Erfahrungsaustausch bietet. Die Check-Out-Time ist meistens 10am, also wie die Frühstückszeiten nichts für Langschläfer. Bezahlt wird in der Regel bar (nur etwas größere Häuser mit mehr als 5 Zimmern akzeptieren Kreditkarten) bei Abreise.
Unterkünfte kann mit über das Internet, z.B. auf http://www.aboutscotland.com/ , oder über in Reisebüros erhältlichen Verzeichnissen finden, was aber in der Regel nicht notwendig ist, denn außer bei bestimmten Ereignissen findet man aufs Geratewohl immer etwas auf Anhieb. Wir hatten zu einer Reisezeit, die noch zur Hauptsaison zu zählen war, niemals Probleme (außer Edinburgh, aber das hatten wir ja im Voraus erledigt).
Schottische Haushalte verfügen oft über einen oder mehrere Hunde. Selbst die größten Tiere waren sehr friedliebend, weil das ständige Kommen und Gehen gewohnt.
Viele Ortschaften verfügen auch über Jugendherbergen, wo man mit entsprechendem Ausweis kostengünstig übernachten kann.
ESSEN IN SCHOTTLAND
Ein Reiseführer behauptete, die schottische Küche sei fast so gut wie die französische. Nun, ich halte diese Behauptung doch für sehr gewagt und höchstens dann für zutreffend, wenn man einen schottischen mit einem französischen McDonald’s vergleicht.
Landestypische Speisen findet man eher wenig. Eine verbreitete Spezialität ist Haggis, ungepresstes Hackfleisch aus Innereien von Schafen, vom Aussehen an die norddeutsche Brägenwurst erinnernd (schmeckt mir aber besser). Ein Gericht, was sicher nicht jedermanns Sache ist. Es sei besser, nicht zu wissen, was drin ist, sagen die Schotten. Ich habe es oft (meist als Vorspeise) gegessen und es hat mir (und auch LosGatos’ Freundin) immer geschmeckt. Trotz der Meeresnähe bekommt man selten fangfrischen Fisch. Lediglich Salmon (Lachs) und Haddock (Schellfisch) sind verbreitet, letzterer immer „fried“ und mit Pommes Frites, also Fish&Chips. Überall gibt es natürlich Varationen von Chicken, Steak und Lamm. Meine kulinarische Neugier wurde auch einige Male bestraft. So wollte ich doch unbedingt wissen, was ein Steak Pie ist, in etwa: Schweinegulasch mit Blätterteig-Beilage. Hat grausam geschmeckt. Ebenso „Venison“, ein Wild-Gulasch. LosGatos’ Freundin wird jetzt noch schlecht, wenn sie das Wort hört. Wer Black Pudding ordert, sollte sich nicht auf eine Süßspeise einstellen. Es handelt sich vielmehr um eine Scheibe Blutwurst, die aber durchaus gut schmeckt und oft Teil des Frühstücks ist.
Der Reiseführer empfiehlt auch, nicht am Essen zu sparen und billige Restaurants aufzusuchen, weil die Qualität dort schlecht sei. Leicht gesagt bei den Preisen. Auch aus einem mäßigen Restaurant geht man bei 2 Personen mit je 2 Gängen und Getränken selten unter 30 Pfund hinaus. Also an die 100 Mark und das jeden Abend, da bleibt für Exklusivitäten nicht viel Raum, wenn man nicht gerade Berti Vogts oder Claudia Schiffer heißt. In Edinburgh haben wir selbst in einem Pizza-Hut schon umgerechnet 70 DM bezahlt.
Als gute Überlebensmöglichkeit in UK sehe ich in indischen Restaurants, die es in fast jedem kleinerem Ort gibt. Aber einmal pro Woche reicht mir der Inder auch und billiger sind die auch nicht.
Zu den hohen Essenspreisen kommt noch hinzu, dass der Service nicht wie bei uns bereits im Preis inbegriffen ist. Ähnlich wie in den USA soll man noch mindestens 10% „Tip“ geben. Gerade Inder und Chinesen weisen darauf auf der Rechnung noch gerne hin.
In Bars herrscht in der Regel Selbstbedienung. Man holt sich seinen Drink an der Bar und zahlt sofort. Trinkgeld ist dann nicht üblich. Auch in Bars kann man meist Kleinigkeiten (oft Tageskarte) essen, sogenannte „Bar Meals“.
BESICHTIGUNGEN
Schottland bietet jede Menge Möglichkeiten für Besichtigungen: Schlösser, Burgen, Museen, Destillen....in Hülle und Fülle. Leider ist fast nie etwas kostenlos. Selbst für die kleinste Ruine muss Eintritt gezahlt werden. Und die Eintrittspreise liegen je nach Attraktivität zwischen 3 und 8 Pfund pro Person, selten darunter, unter 2 Pfund nie. Der Kulturinteressierte wird hier also schwer zur Kasse gebeten.
Eine Möglichkeit, wenigstens etwas billiger weg zu kommen, ist der Erwerb des Great British Heritage Passes (gilt für ganz UK) oder des Explorer Tickets von Historic Scotland, das eine Unterkategorie des Heritage Passes darstellt. Mit dem Explorer Ticket hat man kostenfreien Eintritt in über 60 Schlössern, Burgen, Abteien oder der Dallas Dhu Destillery. Das Ticket selbst hat eine Gültigkeit für 3 Tage, 1 Woche oder 2 Wochen. Wir haben es für 2 Wochen-Gültigkeit für 23 Pfund pro Person erworben. Es ist überall dort erhältlich, wo es Gültigkeit hat, angezeigt durch das Zeichen „Historic Scotland“. Allein der Eintritt im Edinburgh Castle hätte 8 Pfund pro Person gekostet. D.h. bei ca. 3-5 Besuchen historischer Stätten innerhalb von 2 Wochen rentiert es sich bereits. Wir haben einige mehr besucht, so an die 10. Allerdings gilt es nicht bei Schlössern, die sich in Privatbesitz oder königlichem Besitz befinden. Dort muss extra gezahlt werde, z.B. im Blair Castle.
Immerhin ist die Benutzung Öffentlicher Toiletten kostenlos.
REISEFÜHRER
Als Reiseführer haben wir den Baedeker Schottland ( ISBN 3-89525-126.-7) und den Marco Polo Schottland ( ISBN 3-8297-0173-X) benutzt, die eine gute Kombination darstellen.
Der Baedeker ist natürlich wesentlich ausführlicher, hat als Beigabe auch eine große Landkarte und ist als Nachschlagewerk von A-Z geeignet. Er enthält jedoch keine Routenvorschläge.
Einen guten Überblick erhält man mit dem Marco Polo, der einige Highlights für ganz Schottland auflistet und auch einige grobe Routenvorschläge enthält.
LAND UND LEUTE
Das Übernachten in Privatunterkünften (B&B) bietet schon beste Möglichkeiten, mit der einheimischen Bevölkerung in Kontakt zutreten. Verständigungsprobleme bestehen da kaum, obwohl der Dialekt einiger Schotten etwas gewöhnungsbedürftig ist. Aber auch da kann man sich einhören und mit etwas Phantasie versteht man alles. Ich bin überall auf freundliche und sehr herzliche Menschen gestoßen, die einem noch manch nützlichen Tipp für das Tagesprogramm mit auf den Weg geben können. Auch die zahlreich vorhandenen Hunde sind oft für ein kleines Spielchen dankbar. Einen unserer Vermieter habe ich mal gefragt, was es mit der sprichwörtlichen schottischen Sparsamkeit auf sich hat. Es war nicht näher zu ergründen, es kann sein, dass es so ist, war die Antwort. In der Tat glaube ich (LosGatos) nicht, dass ein Schotte knickeriger ist als ein Chinese, Jude oder Schwabe. Manchmal kamen sie mir dagegen etwas stur vor. Z.B. als wir einmal auf einer Burg eine Ecke betraten, wo ein Schild vorher zu „No passage“ gemahnt hatte. Aus dem Nichts war plötzlich eine Frau da, die uns belehrte, dass mindestens 4 Schilder vorhanden wären, die uns dort das Herumgehen untersagt hätten. Schlimmer als deutsche Oberlehrer, dachte ich mir. An Bushaltestellen stellen sich Briten ja bekanntlich in einer Schlange an, wie man spätestens seit Franz Beckenbauers letztem Werbespot weiß. Die Schlangenbildung erfolgt dabei eher unauffällig bereits im Wartehäuschen. In Edinburgh hatten wir das nicht gleich bemerkt und wollten, wie in Deutschland üblich, in „lockerer Gruppe“ den Bus besteigen, als sich ein älterer Herr mit ausgebreiteten Armen vor LosGatos’ Freundin aufstellte und ihr mit dem Hinweis „This is a queue“ ihr den vorzeitigen Einstieg versperrte und damit erfolgreich britisches Brauchtum gegenüber Touristen verteidigte.
Bei einem Vermieter hatte es geheißen, der Zimmerpreis betrüge 18 Pfund pro Nacht und Person. Da hatten wir uns noch nicht entschlossen, länger zu bleiben. Bei der Abreise wollte ich somit 108 Pfund für 3 Nächte zahlen. Nein, es koste nur 90, da der Preis auf 15 hinunter ginge, wenn man mehr als eine Nacht bliebe, was uns vorher niemand gesagt hatte. Das waren umgerechnet über 50 DM, die wir gespart hatten. Hätte der Vermieter ja auch einstecken können, hat er aber nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob so etwas auf der Welt häufig passiert.
SICHERHEIT
Schottland gehört wohl eher zu den sicheren Reiseländern, was die Kriminalitätsrate angeht. Wie in allen großen Städten gibt es natürlich auch in Edinburgh oder Glasgow Gegenden, die man nachts nicht unbedingt zu Fuß durchstreifen sollte.
Auf dem Lande stellt sich dieses Problem wohl kaum. In einem unserer Quartiere sagte uns unsere Vermieterin, dass die Haustür immer unverschlossen sei, auch nachts oder wenn sie mal für ein paar Stunden außer Haus wäre.
Zu denken gab uns allerdings, dass ausgerechnet in dem gleichen Ort auf Schildern vor Diebesbanden gewarnt wurde, die Autos auf Ausflugsparkplätzen knacken würden.
SOUVENIRS
Touristen-Shops gibt es überall. Und Schottenröcke für Männlein und Weiblein sind ein häufig angebotenes Produkt: Tartans (schottischer Ausdruck für Karos, von denen es in Schottland mindestens so viele gibt wie Whiskysorten) und Tartsche (das Gehänge unterhalb der Gürtellinie). Natürlich habe ich mir so etwas nicht gekauft. Nicht mal zu einer karierten Schirmmütze konnte ich mich aufraffen (jetzt wird hier mindestens einer enttäuscht sein). Auch einen Schal mit Tartan-Muster habe ich nicht erworben. In Schottland ist man natürlich geneigt, Whisky zu kaufen. Aber selbst in Destillen bekommt man ihn nicht kostengünstig. Im Gegenteil: In der Dallas Dhu Destillery verlangte man für einen 30jährigen um die 50 Pfund! Unter 10 Pfund ist Whisky nicht zu bekommen, eher kostet er an die 20. Viel angeboten wird auch Gebäck, Fudge (Zuckermasse) und Marmelade aller Geschmacksrichtungen. Und natürlich Kostproben schottischer Folklore oder Dudelsack-Musik. Gemein ist allem, dass es sehr teuer ist. Wer will schon umgerechnet 10 DM für ein Glas Honig bezahlen?
FAZIT
Schottland ist für mich ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Natur und Kultur pur. Es hat mir auf Anhieb sehr gut gefallen. Das Auge kommt überall voll auf seine Kosten. Auch wenn ich in diesem Bericht die Landschaften und Gegenden noch nicht näher beschrieben habe, was demnächst folgt, lässt sich sagen, es lohnt sich. Auch die Menschen sind sehr sympathisch. Vielleicht fahre ich mal wieder hin. Aber vorher muss ich erst etwas sparen...
Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 12.9.2002
Veröffentlicht bei Ciao, Dooyoo, Yopi und vielleicht eComments und Talk-On.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-21 17:05:21 mit dem Titel Autofahren in Schottland - Thank you for driving carefully...
.....so liest man stets, wenn man in Schottland das Ende kleinerer Ortschaften erreicht. Schließlich wurde man beim Einfahrt in die Ortschaft gebeten, entsprechend vorsichtig zu fahren. Ob’s was nützt bei der Fahrweise der Schotten..?! Nun ja, dazu weiter unten mehr.
Wenn man über Autofahren in Schottland schreibt, ist klar, dass man mit dem wichtigsten beginnt, dem für Mitteleuropäer ungewohnten Linksverkehr. Für viele hierzulande ein Hinderungsgrund, das Autofahren auf der Insel überhaupt zu probieren. Oder zumindest löst der Gedanke daran etwas Unbehagen aus. Ich kann beruhigen, es ist längst nicht so schlimm und man gewöhnt sich relativ schnell daran. Lediglich am ersten Tag sollte die Aufmerksamkeit besonders hoch sein. Anfangs wurde ich einige Male vom Gegenverkehr angeblinkt. Wahrscheinlich hatte ich leichten Rechtsdrall und fuhr zu weit nahe der Mittellinie.
Um die Umstellung zu erleichtern, empfehle ich denjenigen, die nicht mit dem eigenen Auto anreisen, sondern sich einen Mietwagen nehmen, und wie ich Rechtshänder sind, das Anmieten eines Wagens mit automatischem Getriebe. Das hat nicht nur den Vorteil, dass man sich besser auf den Verkehr konzentrieren kann, sondern vor allem, dass es dem Rechtshänder erspart bleibt, mit der linken Hand schalten zu müssen. Ein Wagen mit automatischem Getriebe ist aber nicht so leicht zu bekommen und oft nicht in den niedrigsten Preiskategorien erhältlich. Man sollte deshalb schon bei der Reservierung darauf achten.
Dann kann es losgehen. Man fährt also auf der linken Spur und sitzt (in einem lokal angemieteten Auto) auf der rechten Seite. Alles ist seitenverkehrt. Das wirkt sich auch auf die Vorfahrtsregelungen aus. Auf der britischen Insel ist halt das Linksabbiegen „einfacher“ so wie bei uns das Rechtsabbiegen. In Schottland hat man beim Linksabbiegen nur auf Radfahrer zu achten, wenn man sich auf einer Vorfahrtsstraße befindet. Beim Rechtsabbiegen muss man zusätzlich auf den Gegenverkehr achten. Wenn nicht mit Ampeln ist die Vorfahrt in Schottland sehr häufig (wie auch zunehmend bei uns) über Kreisel geregelt (gleiches Verkehrszeichen). Das sich im Kreisel befindliche Fahrzeug hat Vorfahrt, das einfahrende muss warten. Die Fahrtrichtung erfolgt dabei im Uhrzeigersinn, also links herum. Damit gilt im Kreisel im Prinzip rechts vor links, beim Einfahren muss man also nach rechts schauen. Etwas verwirrend dabei ist bei größeren Kreiseln, dass es manchmal mehrere Spuren gibt, von denen die rechte manchmal mit einem Rechtsabbiegerpfeil gekennzeichnet ist. Schotten blinken dabei dann beim Einfahren rechts, wenn sie die rechte Spur benutzen. Bei uns ist es dagegen üblich, beim Verlassen des Kreisels zu blinken. Sehr häufig sind auch kleinere Kreuzungen, an denen gar kein Kreisel gebaut wurde, mit dem Kreisverkehrsymbol gekennzeichnet, was im Prinzip rechts vor links bedeutet.
Vorfahrtsschilder (die einem die Vorfahrt gewähren) wie bei uns wird man in Schottland äußerst selten finden, also das auf der Spitze stehende innen gelbe Karo und das Dreieck mit dickem Geradeauspfeil und schmalem Querbalken. Der Vorfahrthabende sieht also nicht direkt, dass er Vorfahrt hat. Derjenige, der Vorfahrt gewähren muss, sieht dagegen ein Halt- oder Stopschild oder auch nur eine doppelte Linie, wo er warten muss. Hier ist wichtig: Erst nach rechts, dann nach links schauen. An roten Ampeln sind auch Linksabbieger in jedem Fall wartepflichtig.
Entfernungen sind in Schottland immer in Meilen und Geschwindigkeiten in Meilen pro Stunde (mph) angegeben. Eine Meile entspricht etwa 1,6km. Die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten betragen, wenn nicht anders angegeben, in Ortschaften 30mph (48km/h), auf Landstraßen 60mph (96km/h) und auf Autobahnen 70mph (112km/h), also, abgesehen vom Tempolimit auf den wenigen Autobahnen (nur in den Central Lowlands), ähnlich wie in Deutschland. Die Nutzung von Autobahnen ist gebührenfrei. Auf Autobahnen gilt: links fahren, rechts überholen. Schotten neigen allerdings dazu, die Limits besonders auf Landstraßen nicht so genau zu nehmen. Ich bin auf Landstraßen selten schneller als 50mph gefahren, weil ich das für eine angenehme Reisegeschwindigkeit für entspanntes Fahren halte, wo man von der Umgebung noch ein bisschen was mitkriegen kann. Dabei wurde ich meist von jedem Lastwagen überholt. Schottische Straßen sind meist kurvig und unübersichtlich, so dass beim Überholen erhöhte Vorsicht geboten ist. Vielfach hat man es auch mit Kuppen (Blind Summits) zu tun, die ein entgegenkommendes Auto unsichtbar werden lassen. Letzten Endes muss jeder selbst entscheiden, wie schnell und stressfrei er fahren möchte. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern bedeutet ein Hinweisschild, auf dem einen Kamera abgebildet ist, nicht, dass auf den nächsten 100 Metern ein besonders schönes Panorama zu sehen ist, sondern dass man damit rechnen muss, dass freundliche Polizisten Aufnahmen von Temposündern machen.
Wegweiser sind nicht immer übersichtlich aufgestellt und oft ist die Richtung, in die sie zeigen, nicht eindeutig erkennbar.
Im großen und ganzen sind die Straßen in Schottland jedoch in sehr gutem Zustand. Das Straßennetz ist überall ausreichend. Autobahnen sind mit M und einer Ziffer gekennzeichnet, Landstraßen mit A und je nach Größe mit 1 bis 3 Ziffern. Auf Nebenstrecken kann es vorkommen, dass es nur eine Fahrspur (Single File Traffic) mit Ausweichbuchten in angemessenen Abständen (ca. alle 100m) gibt. Die Straße sieht dann aus der Vogelperspektive aus wie eine Schlange, die viele Mäuse verschlungen hat. Hier gilt, das Auto, das als erstes eine Ausweichbucht erreichen kann, bleibt dort stehen und lässt das entgegenkommende passieren. Liegt die Bucht links der Fahrbahn, fährt man selbst ein, liegt sie rechts der Fahrbahn, bleibt man einfach in Höhe der Ausweichbucht auf der Fahrbahn stehen, so dass der entgegenkommende dort einfahren kann. Das klappt im allgemeinen recht gut und als Zeichen des Dankes winkt man sich freundlich zu (d.h. ich bin immer gefahren und LosGatos’ Freundin durfte winken, ins kalte Wasser schicke ich sie jedoch nicht, wie ‚denali’ gemutmaßt hat *g*). Solche Buchten dienen übrigens nicht nur dazu, sich mit dem Gegenverkehr zu arrangieren, sondern auch dazu, nachfolgenden Verkehr überholen zu lassen. Dazu ist man in Schottland sogar verpflichtet. Also drängeln erlaubt. Es ist klar, dass man auf solchen Straßen nicht gerade mit Bleifuß fahren sollte. Jedenfalls ist es mir klar, aber wohl nicht allen Schotten.
Ja, ja, das „Thank you for driving carefully“ kann man in Schottland nicht oft genug wiederholen. Vielleicht nützt es irgendwann mal etwas. Viele Schotten „geizen“ übrigens mit dem Einschalten des Lichtes und neigen dazu, auch bei größtem Sauwetter, wenn man dunkle Fahrzeuge kaum sieht, ohne Licht zu fahren. Darüber habe ich doch einige Male geflucht.
Tankstellen gibt es in Schottland in ausreichender Anzahl. Trotzdem sollte man in ländlichen Gegenden nicht den letzten Tropfen ausreizen. Ein Reiseführer schrieb, dass Tankstellen auf dem Lande ab Sonnabend Nachmittag geschlossen seien und erst am Montag wieder aufmachen würden, was ich (LosGatos) jedoch nicht feststellen konnte. Sprit (meistens tankt man bleifrei – unleaded) ist mit ca. 75p pro Liter (ca 1,2 Euro) ähnlich teuer wie bei uns, eher noch etwas teurer. An Tankstellen kann man stets mit Kreditkarte bezahlen.
Parken ist meist gebührenpflichtig. Man löst einen Parkschein, der das Ende der Parkdauer anzeigt, am Automaten und legt ihn hinter die Windschutzscheibe (Pay and Display). In der Autovermietung sagte man mir, dass man in Schottland sehr streng sei mit Parksündern (30 Pfund Strafe). Ich habe jedoch nirgends die von den Beatles besungenen Lovely Rita Meter Maids beobachtet und auch selbst keine negativen Erfahrungen gemacht. Das Parken am Straßenrand ist übrigens bei doppelter gelber Linie grundsätzlich verboten. Bei einfacher gelber Linie ist das Parkverbot zwischen 18 und 8 Uhr und sonntags am ganzen Tag aufgehoben. Man riskiert Abgeschlepptwerden oder Kralle und ein kräftiges Bußgeld.
Zum Führen eines Kraftfahrzeugs reicht der nationale Führerschein, ein Internationaler Führerschein ist also nicht notwendig.
Die Promillegrenze liegt in Schottland bei 0,8 Promille. Ab diesem Wert darf man sich nicht mehr ans Steuer setzen.
FAZIT
Wenn man sich daran gewöhnt hat, was bei mir schnell der Fall war, fällt das Autofahren in Schottland nicht schwerer als woanders. Als Fußgänger habe ich immer mehr Schwierigkeiten, mich darauf einzustellen. Also keine Angst vor dem Linksverkehr. Denn wer Schottland erleben will, kann das meiner Meinung nach nur, wenn er ein eigenes Auto hat, um herumzukommen. Es sei denn, man ist ein eiserner Wanderer, der auch größere Stecken zu Fuß zurücklegt, was in der Tat nicht wenige tun.
Als ich nach dem Rückflug am Münchner Flughafen wieder in meinen Wagen stieg, merkte ich schnell, dass deutsche Autofahrer ihre schottischen Kollegen doch klar in den Schatten stellen, was Raserei und Drängelei angeht.
Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 14.9.2002
Veröffentlicht bei Ciao, Dooyoo, Yopi und vielleicht bei eComments und Talk-On
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-26 17:50:47 mit dem Titel Tagebuch einer Schottlandreise
Den folgenden Reisebericht schreibe ich in Tagebuchform. Das Tagebuch ist aber nicht während der Reise entstanden, sondern ich erstelle es, nur wenige Wochen nach Abschluss der Reise, aus meiner Erinnerung heraus. Ich wähle deshalb diese Form, um denjenigen, die vielleicht eine ähnliche Reise planen, die Möglichkeit zu geben, besser abschätzen zu können, was innerhalb eines Tagesablaufs möglich ist. Generell gilt, dass wir meist zwischen 9 und 10 Uhr morgens weitergefahren sind und selten später als 17 Uhr nach einer neuen Bleibe Ausschau gehalten haben.
Über Schottland hatte ich in letzter Zeit folgende Berichte geschrieben:
Schottland – Tipps & Tricks
Autofahren in Schottland „Thank you for driving carefully“
Edinburgh – Das Athen des Nordens
28.8.2002
Drei Tage und vier Nächte Edinburgh liegen hinter uns. Ich habe gerade den Mietwagen bei Europcar abgeholt. Auschecken und Gepäck einladen, dann kann es los gehen. Wir verlassen die Stadt in östlicher Richtung und begeben uns dann auf die A7. Denn bevor es endlich in die Highlands geht, wollen wir noch einen kurzen Abstecher nach Süden unternehmen.
Nach gut einer Autostunde erreichen wir das Abbotsford House. Hier hat der berühmte Schriftsteller Sir Walter Scott (1771-1832) gelebt und die meisten seiner 40 Romane geschrieben. Nicht gerade ein kleines Häuschen, eher ein kleines Schloss. Nicht nur sein Arbeitszimmer ist voll mit Büchern, er hat eine riesige Bibliothek. Er soll zum Schreiben verurteilt gewesen sein, denn durch Geldgeschäfte mit unseriösen Beratern (die Nachfahren waren später am Neuen Markt aktiv *g*) hatte er hohe Schulden. Nur wenige Meter entfernt liegt der Fluss Tweed, der zum Teil die Grenze zwischen England und Schottland bildet. Diesen Fluss hat Scott sehr geliebt. Er ließ sein Sterbebett so aufstellen, dass er den Fluss bis zum Schluss im Blickfeld hatte.
Ganz in der Nähe liegt Melrose Abbey, die stattliche Ruine eines Klosters aus dem 12. Jahrhundert (Historic Scotland Explorer Ticket ist hier gültig). Von einem Turm hat man eine schöne Aussicht.
Etwas weiter östlich liegt das beschauliche Städtchen Kelso, wo wir uns eine Bleibe suchen (Duncan House). Der Hauswirt ist verreist, eine ältere Dame hütet das Haus. Wir unternehmen einen kleinen Ortsbummel und gehen um 18 Uhr in einem Wirtshaus zum Essen. Das erste Guinness hier! Auch wenn es nicht schottisch ist, sondern irisch, dieses Bier, frisch gezapft, ist einfach zu gut und so populär, dass man es auch in UK in jedem Wirtshaus bekommt. Ansonsten bin ich kein passionierter Biertrinker, aber bei Guinness sind zwei Pints (1 Pint = gut ein halber Liter) schnell weg. Hier esse ich auch zum ersten Mal die schottische Spezialität Haggis. Das Wirtshaus ist kein vornehmes Restaurant, eher ein Barlokal, wo ich mich gleich sehr wohl fühle. So kann’s weiter gehen (aber es kamen noch genug Enttäuschungen).
29.8.2002
Am nächsten Morgen besichtigen wir als erstes das Floors Castle, das vor den Toren Kelsos liegt. Es ist das größte bewohnte Schloss Schottlands. Dieses Märchenschloss wurde 1721 erbaut. Hier leben jeweils die Dukes of Roxburghe. Auch von hier hat man Blick auf den Tweed.
Weitergehen soll es Richtung Norden. Um nicht den gleichen Weg zurückzufahren, nehmen wir in östlicher Richtung die A698 zur Ostküste. Dabei begeben wir uns, ohne es zu merken, für ein paar Meilen auf englisches Gebiet. Bewusst wird uns das erst, als es plötzlich wieder heißt „Welcome to Scotland“. Jedenfalls fahren wir dann die Küste entlang Richtung Edinburgh, verlassen aber östlich von Edinburgh die Hauptstraße und verzweigen auf eine kleine Küstenstraße, die uns über eine kleine Halbinsel führt.
Das Tantallon Castle (Historic Scotland Explorer Ticket ist hier gültig) ist eine Besichtigung wert. Diese rote Sandsteinruine liegt direkt am Meer. Demzufolge weht auf dem Turm eine kräftige Brise. Von hier hat man aber ein herrlichen Ausblick auf die gesamte Umgebung und den 2km vor der Küste (sieht viel näher aus) liegenden Bass Rock, einen über 100m hohen Felsen, auf dem man das Scottish Seabird Centre eingerichtet hat, da die Insel Brutplatz für viel Seevögel ist.
Schließlich passieren wir Edinburgh über die Umgehungsstraße, überqueren den Firth of Forth über die riesige an die Golden Gate Bridge erinnernde gebührenpflichtige Forth Bridge.
Am Nordufer des Firth of Forth angekommen, fahren wir diesen in westlicher Richtung entlang und besuchen dort das historische Städtchen Culross. Restaurierte Häuser aus der Zeit zwischen 1600 und 1800 zeugen von bürgerlichem Lebensstil. Wir unternehmen einen Rundgang, der jedoch wegen des eisigen Windes relativ kurz ausfällt.
Dann überqueren wir den Firth of Forth zum zweiten mal über Kincardine Bridge und fahren nach Stirling, wo wir übernachten. Am nächsten Morgen wollen wir als erstes das dortige Castle besichtigen. Hier essen wir bei einem Pseudo-Mexicaner, der auch scheußliches mexikanisches Bier anbietet (nix mit Guinness heute). Beim abendlichen Whisky fällt LosGatos’ Freundin plötzlich ein, dass sie eine Handtasche vermisst. Wir finden sie im Auto nicht, möglicherweise haben wir sie in Edinburgh in der Pension in einer Schublade zurückgelassen. Ich rufe dort gleich an, doch sie hätten dort keine Handtasche gefunden. Ich erklärte dem Wirt, dass sie möglicherweise in einer Schublade stecke. Er versprach nachzusehen, ich solle in 5 Minuten noch mal anrufen. Bevor ich das tun konnte, klingelte schon mein Handy. Tasche gefunden, er schickt sie uns, wenn wir ihm die Anschrift sagen. Der Wirt dachte halt, wir wären schon wieder in Deutschland. Nein, wir würden sie am nächsten Tag abholen. Schließlich waren wir nur eine Autostunde von Schottland entfernt.
30.8.2002
Am nächsten Morgen goss es erstmals in Strömen. Da wir ja erst die Tasche holen wollten, störte uns das erst relativ wenig. Über die Autobahn fuhren wir zurück nach Edinburgh, dann fanden wir den Weg zu unserer Pension nicht so schnell. Nachdem wir etwas umhergeirrt waren, konnte LosGatos’ Freundin ihre Tasche wieder in Empfang nehmen. Es war noch alles drin, vor allem ein Stoffhund, den sie am ersten Abend bei Pizza Hut unterm Tisch gefunden hatte. Er hatte sich also auf Anhieb als Glücksbringer bewährt.
Dann ging es auf gleichem Weg zurück wieder nach Stirling, wo es gleich auf die Burg (Historic Scotland Explorer Ticket ist auch hier gültig) ging. Von weitem sah man schwach das Wallace-Denkmal (Braveheart !), das auch in Stirling befindlich ist. Schließlich hatte dieser mal das Castle zurückerobert. Aber die Sicht war aufgrund des Wetters miserabel. Somit sahen wir uns mehr die Räumlichkeiten an. Maria Stuart hatte hier ihre Kindheit verbracht. Somit ist das Stirling Castle zusammen mit dem Edinburgh Castle das geschichtsträchtigste in Schottland.
Wir verließen Stirling in nördlicher Richtung und fuhren über die A873 zum Loch Katrine, einer der schönsten Seen Schottlands. Heute war hier jedoch aufgrund des Wetters nicht viel los. Das Ausflugsschiff verkehrte mangels Passagieren nicht. So nahmen wir im Café einen kleinen Imbiss, fuhren am Loch Venachan entlang und übernachteten in dem winzigen Örtchen Strathyre an der A84 bei einer älteren Dame, die 2 Gästezimmer hatte. 2 Häuser weiter gingen wir essen. Wieder ein typisches Barrestaurant, wo es akzeptables Essen und gutes Guinness gab. Da ist doch jeder Tag gerettet. Ich habe jetzt beim Schreiben das Problem, dass mir bei dem Gedanken an Guinness das Wasser im Munde zusammenläuft.
31.8.2002
Es hatte aufgehört zu regnen, für das Wochenende war der Wetterbericht gut gewesen und auch unsere Wirtin sagte uns einen schönen Tag voraus. Wir beschlossen, noch einmal zum Loch Katrine zurückzukehren, nicht nur wegen des Sees, sondern auch wegen der schönen Strecke durch die Trossachs, die wir am Vortag nicht so recht genießen konnten. Nun machten wir auch eine Ausflugsfahrt über den Loch Katrine (ca. 1,5 Stunden). An Deck hielt sich zumindest bei der Hinfahrt kaum jemand auf, zu eisig war der Gegenwind. Beliebt sind auch Fahrradtouren um den See oder in Kombination mit der Schiffsfahrt. Deshalb gibt es am Ablegesteg auch einen Fahrradverleih. Wassersportlern ist das Treiben am Loch Katrine untersagt, da er zur Trinkwasserversorgung der Stadt Glasgow dient. Dann fuhren wir wieder in aller Ruhe langsam (schon wegen der engen Straße) über Strathyre nach Norden. Unser nächster Halt war der Ort Killin mit den flachen, aber sehr schönen Wasserfällen des Flusses Dochart. Das Wasser schimmert teils kupferfarben. Auf der A9 übernachten wir kurz vor dem Blair Castle. Gary, unser Wirt, empfiehlt uns, das schöne Wetter auszunutzen und noch zu Queen’s View zu fahren, wo man heute eine selten gute Aussicht über den Loch Tummel bis zur Westküste hin hätte, die gut 100km entfernt sein dürfte. Dankbar befolgen wir seinen Rat und sind nach 20-30 Minuten dort. Wir genießen die Aussicht wie einst Queen Victoria, die hier besonders gerne hergekommen war.
Unser Abendessen genießen wir dagegen nicht. Wir essen bei McDonald’s, nicht zu verwechseln mit einer bekannten Fast Food-Kette. Bei letzterer hätte es uns wahrscheinlich besser geschmeckt. In einem ungemütlichen Lokal, wo wir um halb 7 die letzten Gäste sind, wage ich mich, wie in einem anderen Bericht beschrieben, an Steak Pie, ein gängiges britisches Gericht. Schnell vergessen und auf Besserung hoffen.
1.9.2002
Heute steht als erstes das Blair Castle auf dem Programm. Hier residieren die Dukes of Atholl und nicht etwa der britische Regierungschef. Auf dem Weg dorthin stecken wir im Verkehrsstau, weil eine 5köpfige Entenfamilie mit angemessener Marschformation die Straße überquert. Da wartet man natürlich gerne. Das Schloss ist stark frequentiert, den Rundgang durch die Räumlichkeiten machen wir gleich zweimal, weil wir zwischendurch den Auftritt einer Dudelsackbläserin nicht verpassen wollten. Dass sie u.a. „muss i denn zum Städtele hinaus“ spielte, fanden wir weniger originell. Zum Schloss gehört ein großer Park mit Wildgehege.
Danach erwerbe ich in einem Dorfgeschäft – an einem Sonntag – noch ein Sonderangebot eines Single Malt für 9.99 Pfund, in der Tat für schottische Verhältnisse sehr günstig. Unser Schlaftrunk für die nächsten Tage ist damit gesichert.
Plötzlich heißt es auf einem Schild an der Straße „Welcome to the Highlands“. Wo immer man die Grenze auch ziehen möge, für mich ist alles, was nördlich von Glasgow, Stirling und Edinburgh liegt, „Highlands“.
Empfohlen vom Marco Polo wird der „Highland Wildlife Park“. Man fährt wie in einem Safari Park mit dem Auto hinein und darf es zunächst nicht verlassen, weil sich dort einige Tiere in freier Wildbahn bewegen, wie z.B. Hochlandrinder. Diese gelten zwar nicht als übermäßig aggressiv, charakteristisch für sie sind ihre großen spitzen Hörner. Also wenn die mal zustechen, gibt’s Schaschlik. Außerdem begegnet man auf der Autoschleife Büffeln. Am Eingang erhält man übrigens eine Audio-Kassette, die man begleitend zur Rundfahrt abspielen kann. Der Tierpark beherbergt ausschließlich Tiere, die in den Highlands vorkommen (können). Zum Schluss stellt man dann sein Auto ab und kann, wie in einem normalen Zoo, diejenigen Tiere besuchen, die nicht ganz frei, sondern in großzügig bemessenen Gehegen gehalten werden. Dazu gehören u.a. ein Rudel Wölfe und Adler. Gar nicht begeistert von unserem Besuch war ein schottisches Moorhuhn (Grouse). Mit wütenden, sehr ungewöhnlichen, aber zur Belustigung beitragenden Lauten zeigte es, was es von uns hielt.
Wir beendeten den Tag in Grantown-on-Spey. Highlight in unserer Unterkunft war, dass LosGatos und seine Freundin dort erstmals in einem Himmelbett ( four-poster) schlafen durften (nähere Informationen zum weiteren Verlauf des Abends werden nicht erteilt).
2.9.2002
Grantown-on-Spey kann als Ausgangspunkt des Malt Whisky Trail dienen. Denn hier liegt eine der bedeutendsten Whisky-Gegenden Schottland, die sogenannte Speyside. In fast jedem Ort gibt es hier eine Whiskybrennerei, die alle besichtigt werden können und deren bekannteste die Glenfiddich Destillery ist, was wir aber für etwas übertrieben hielten. Schließlich wollten wir uns nicht dauernd den Mund wässrig machen lassen. Jedenfalls fuhren wir ostwärts in aller Ruhe in der schönen Landschaft am Nordufer des Spey Rivers entlang. Statt einer Destille besuchten wir zunächst eine Böttcherei (engl.: Cooperage, Gary Cooper heißt somit auch nur Böttcher) in Craiggellachie, wo wir bei der Herstellung von Eichenfässern zuschauen konnten. Letztenendes werden die Fässer zur Whiskylagerung benutzt, wo der edle Tropfen bis zu 50 Jahre drin reift. Ist er einmal in Flaschen abgefüllt, reift er im Gegensatz zu Wein nicht mehr. Hier lernten wir, dass für Scotch Whisky niemals neue Fässer hergenommen werden, sondern solche, die schon zur Lagerung von Bourbon Whiskey (nur in Schottland heißt es Whisky, in USA, Kanada und Irland kommt das ‚e’ dazu) oder spanischem Sherry benutzt worden waren. Auch durch das, was vorher mal drin war, wird der Whiskygeschmack beeinflusst.
Nun fuhren wir über A941 wieder in nördlicher Richtung nach Elgin, wo wir eine Kathedrale und etwas außerhalb den Spynie Palace (hoher Turm mit Meerblick) besichtigten (in beiden Ruinen erhält man mit dem Explorer Ticket freien Einlass).
Um doch noch etwas Einblick in die Kunst der Whiskyherstellung zu bekommen, ging es dann weiter zur historischen Dallas Dhu Destillery. Sie liegt jedoch nicht direkt in dem Örtchen Dallas (nicht da, wo J.R wohnt), sondern mindestens 10km davon entfernt. Auch hier wirkte das Explorer Ticket als Sesam-öffne-dich. Erläuterungen erhielten wir über ein handyähnliches Funkgerät, wie wir es schon vom Besuch der Britannia in Edinburgh kannten.
Whiskyherstellung im Schnelldurchgang: Grundbestandteil ist Gerste. Aus dieser wird zunächst Malz hergestellt, indem man die Gerste in Wasser einweicht und keimen lässt. Mit Hilfe von Kohlefeuer wird das Getreide dann getrocknete, der Kohle wird dabei mehr oder weniger Torf zugemischt, was auf den späteren Geschmack Einfluss nimmt. Danach wird das ganze gemahlen. Dann kommt das ganze ins heiße Wasser. Unter ständigem Rühren bildet sich Zucker. Unter Zusatz von Hefe entsteht eine bierähnliche Flüssigkeit mit ca. 6% Alkoholgehalt. Dann wird mehrfach destilliert, dabei nimmt der Alkoholgehalt zu. Zum Schluss kommt der Whisky in Eichenfässer, wo er über Jahre reift. Obwohl Whisky wenige Zutaten hat, hängt der Endgeschmack von unzähligen Parametern ab, die beim Herstellungsprozess akribisch berücksichtigt werden. U.a. ist auch Größe und Form der Destilliergefäße von Bedeutung.
Das Ergebnis ist ein Single Malt Whisky. Ein Blended Whisky ist dagegen ein Gemisch aus bis zu 50 verschiedenen Single Malts. Neben der Speyside zählen Highlands, Lowlands und die Insel Islay zu den bedeutendsten Whiskyregionen Schottlands.
Der Tag endete für uns in dem Städtchen Nairn, wo wir Quartier bezogen. Eine sehr verspielte junge Hündin (Westhighland Terrier, siehe Black& White Whisky) beanspruchte dort unsere ganze Aufmerksamkeit.
3.9.2002
Am nächsten Morgen fuhren wir in Nairn zum Hafen mit anliegendem Strand. Endlich Meer in greifbarer Nähe. Der Duft des Meeres, genauer gesagt der Nordsee, und unzählige Möwen am fast menschenleeren Strand (lediglich ein paar Hunde wurden hier Gassi geführt) versetzten mich in beste Stimmung. Auf der anderen Seite der Mole lag ein noch viel längerer Strand. Und aus der Ferne sah ich tatsächlich jemanden baden. Wenn nicht im Spätsommer, wann dann? Aber ich ließ mich nicht verleiten. Bei eiskaltem Wasser bin ich doch etwas empfindlich.
Nicht weit von Nairn auf einer Landzunge liegt Fort George, eine riesige militärische Festung direkt am Meer, die heute noch als Kaserne dient. Trotzdem ist Besuchern der Eintritt gestattet (auch hier hilft das Explorer Ticket). Man hat herrliche Sicht auf den Moray Firth, mit etwas Glück kann man Delfine beobachten (wir haben keine gesehen).
Dann passierten wir Inverness, die Hauptstadt der Highlands, ohne dort Halt zu machen und fuhren stracks zum berühmten Loch Ness. Zur Begrüßung ragt eine Monster-Atrappe aus dem Wasser. Der Loch Ness ist nicht der schönste und auch nicht der flächenmäßig größte See Schottlands, aber er ist an die 40km lang und 230m tief. Damit fasst er mehr Liter Wasser als alle englischen (nicht schottischen) Binnengewässer zusammen. Ein riesiges Volumen, das natürlich einem Monster genügend Platz zum Verstecken bietet.
Das Monster Centre besuchen wir heute nicht (aber wir kommen in ein paar Tagen hier noch einmal vorbei, um das nachzuholen), sondern machen Halt am Urquart Castle.
Das Urquart Castle (sehr historisch, deshalb wieder Explorer Ticker hervorholen!) war einst eine der größten Burgen Schottlands. Es wurde im 12. Jahrhundert erbaut. 1692 wollten die Jakobiter es erobern, dabei wurden Teile gesprengt, nach dem Motto „euch ist es nicht vergönnt“. Deshalb auch heute nur noch als Ruine vorhanden.
Danach ging es weiter über die A82, A887 und A87 in die Western Highlands durch karge, jedoch schöne Landschaften bis hin zum malerischen Eilean Donan Castle. Da wollten wir unbedingt hin, weil wir davon immerhin schon 2 Postkarten verschickt hatten und nicht als Erfahrungsfaker gelten wollten. Es ist mindestens so schön wie auf der Postkarte. Dennoch gehen wir nicht hinein, weil wir erstens dafür bezahlen müssten (nix mit Explorer Ticket) und weil zweitens Unmengen von Touri-Bussen dort rumstehen. Außerdem kann man nicht alles haben. Stattdessen sagen wir uns, dass wir reif für die Insel sind und fahren weiter nach Skye.
Diese erreicht man über eine Brücke bei Kyle of Lochalsh. Die Überfahrt über die relativ neue Brücke kostet an die 6 Pfund einfach. Das wird möglicherweise gleich wieder die Diskussion auslösen, ob die Bezeichnung Insel überhaupt noch gerechtfertigt ist, aber dann vergesst auch gleich die Inseln Sylt und Fehmarn. Diese sehr schöne Insel lebt stark vom Tourismus. Dennoch waren die Insulaner über den Brückenbau nicht so glücklich. Wahrscheinlich, weil sie dann unter Nichtbrückeninsulanern (davon gibt es in Schottland unzählige) nicht mehr als Insulaner zählen. Insulanerstolz halt. Jedenfalls fahren wir über die Brücke und dann weiter in die Inselhauptstadt Portree, wo wir uns eine Bleibe suchen (LosGatos’ Freundin: „Ich will in das rote Haus“). Wir bekommen gleich einen Tipp von der Vermieterin hinsichtlich eines lokalen Folkloreabends. Vorher wollen wir aber noch Seafood essen gehen. Wo, wenn nicht hier? Endlich mal was gescheites: Muscheln, Garnelen, Austern, Lachs. Letzterer, habe ich im Nachhinein dank eines Community-Mitglieds gelernt, ist auch Seafood. Wenn auch der Lachs an sich ein Flussfisch ist, wird er, damit er ein Wildlachs werde, zum Krabbenfressen ins Meer ausgesetzt. Neben uns sitzt ein amerikanisches Ehepaar aus Fresno/ California. Wie Amerikaner so sind, sie knüpfen schnell Kontakt und sind für jede Information / Unterhaltung dankbar. Es stellt sich heraus, dass sie Schottland per Wanderung zurücklegen. LosGatos’ Freundin fragt, warum sie das tun würden. Die Ehefrau seufzt „weil mein Mann das so möchte..“ (ihr Husband ist in die gleiche Meeresfrüchteplatte wie ich vertieft und lässt sich nicht stören). Aufgrund der netten Plauderei erreichen wir unseren Folkloreabend etwas verspätet (vorher waren wir im Restaurant noch 70 Pfund losgeworden – aber das Preis/Leistungsverhältnis war für schottische Verhältnisse OK). Dieser findet in einem Gemeindehaus statt. Dort treten nacheinander verschiedene Interpreten (auch Kinder und Jugendliche) auf, die je 1-2 Stücke zum besten geben. Instrumente wie Dudelsack, Harfe oder Gitarre sind dabei vertreten. Irgendwann kommt mein schottisches Lieblingslied, die ganze Zeit hatte ich schon darauf gehofft „...will ye go lassie go...“. Später erfahre ich, dass dieser schottische Klassiker „Wild Mountain Thyme“ heißt (keine wilde Zeit, sondern Thymian).
Zum Schluss gibt es noch einen Diavortrag über Skye, die „geflügelte“ Insel, sehr gekonnt vorgetragen von Mr. McKinnan, einem Mitglied einer der wichtigsten Clans von Skye neben den McDonalds. Dieser Vortrag macht Stimmung, macht Lust auf mehr. Noch nie habe ich jemals vorher erlebt, dass jemand so überzeugend Werbung für seine Heimat macht. Denn Skye lebt vom Tourismus und vermutlich nicht schlecht. Kam mir vor wie ein schottisches Sylt. Spät kamen wir ins Bett, die Melodie von „Wild Mountain Thyme“ ging mir die nächsten Tage nicht mehr aus dem Kopf.
4.9.2002
Der ganze Tag gehörte der Insel Skye. Wir fuhren 2 Schleifen und machten immer wieder halt an steilen Klippen. Dann fuhren wir an einer Pferderanch vorbei. Wir setzten uns ohne Vorkenntnisse aufs Pferd und durften in einer Gruppe uns eine Stunde lang durch die Landschaft tragen lassen. Da war es wieder, mein geliebtes „Winnetou-Feeling“.
Gen Abend kehrten wir aufs Festland zurück und übernachteten direkt am Brückenkopf in Kyle of Lochalsh bei einer reizenden Lady. Etwas vornehm, aber ungekünstelt nett. Beim Herumschlendern im Ort, beobachtete LosGatos’ Freundin einen seltsamen Typen, der gerade ein Paddelboot mit Einkäufen bepackte und in See stich. LosGatos’ Freundin wusste, das wäre der „Tiger Man“, über den auch bei uns schon das Fernsehen berichtet hätte. Ein Einsiedler und ehemaliger Lehrer, der angeblich das ganze Jahr über nackt wie ein Tier auf einer Insel hausen würde und ca. einmal im Monat sich anziehen würde, um in der zivilisierten Welt Lebensmittel einzukaufen. Er sei am ganzen Körper wie ein Tiger tätowiert.
5.9.2002
Unsere Lady (mit Namen Margaret Sinclair) gibt uns beim Abschied noch den Rat, immer schön vorsichtig zu fahren, denn sie verstehe es überhaupt nicht, dass Autofahrer es immer so furchtbar eilig haben müssen. Zum Abschied umarmt sie uns beide.
Leider ist das Wetter heute zunächst nicht so gut. Aber gegen Mittag hört es auf zu regnen. Das ist auch gut so, denn heute steht eine Fahrt durch die nordwestlichen Highlands auf dem Plan. Das heißt, wir fahren über A896 und A832 durch schroffe Küstengegenden. Irgendwann machen wir bei Ebbe und steifer Seebrise einen ausgiebigen Strandspaziergang. Wir fahren heute eine relativ große Strecke, aber das Auge bekommt auch sehr viel geboten. Wir beenden den Tag in der Nähe von Inverness im Städtchen Beauly.
6.9.2002
Es geht nochmals über die A82 am Loch Ness vorbei. Dieses Mal besuchen wir das Monster Centre. Zuerst wollte ich nicht hinein, weil ich das für touristischen Humbug hielt. Aber ich wurde eines besseren gelehrt. Es beginnt mit den historischen Aufzeichnungen, als Augenzeugen erstmals 1933 der Meinung waren, ein Monster gesehen zu haben. Diese Augenzeugen galten als glaubwürdig, doch hielt man es für möglich, dass sie optischen Täuschungen erlegen waren. Danach wird von wissenschaftlichen Untersuchungen berichtet, die alle erfolglos waren, bis hin zu theoretischen Überlegungen, die es als fast unmöglich erscheinen lassen, dass ein riesiges Lebewesen im Loch Ness leben kann.
Bald fängt es an zu regnen, und dieses Mal hört es sobald nicht auf, sondern regnet sich richtig ein. Wir passieren Fort Williams und nehmen Kurs auf das bei den Schotten beliebte Tal Glen Coe. Hier suchen wir uns bald eine Bleibe. Da wir in den nächsten Tagen nicht vorhaben, noch übermäßig viel zu fahren, beschließen wir hier, für 3 Tage zu bleiben. „Hausherr“ ist mal wieder ein Hund, ein junger Labrador namens Max, von uns aufgrund seines Temperaments bald „Mad Max“ genannt.
Am Nachmittag fahren wir noch einmal nach Fort Williams. Im Grunde gibt es dort nicht allzu viel zu sehen. Wir gehen früh zum Essen und fahren heim.
7.9.2002
Heute machen wir zunächst eine Wanderung in unserem Wohnort in einem Wäldchen um einen kleinen See. Die Wasseroberfläche ermöglicht außergewöhnlich schöne Spiegelbilder. Nachmittags wollen wir noch einmal aufbrechen, aber es gießt in Strömen. Im Nachbarort entdecken wir den West Highland Trail, eine beliebte 150 km lange Wanderstrecke, die von Glasgow bis Fort Williams führt. Wir befinden uns mittendrin. Wir beschließen, auf besseres Wetter zu hoffen und es am nächsten Tag noch einmal zu probieren.
Das Tal von Glen Coe ist bei Schotten sehr beliebt. „We prefer it when it’s misty“. Auch ein Hitchcock-Film wurde da schon gedreht.
8.9.2002
Heute ist es zwar noch nicht ganz trocken, aber schon wesentlich besser als am Tag vorher. Wir unternehmen die Wanderung, indem wir einen Teil des West Highland Trails zunächst bergauf gehen. In der Tat begegnen uns viele Wanderer mit vollem Gepäck, die den ganzen Trail wandern. Wir gehen bis auf einen Gipfel und kehren dann um. Insgesamt sind wir dann vielleicht 7-8km gelaufen.
9.9.2002
Am Morgen sitzen bei uns 2 junge Holländer am Früstückstisch. Sie sind auch wegen des West Highland Trails hier und sind dafür ca. 1 Woche unterwegs.
Wir fahren weiter zum Loch Lomond, der im Großraum Glasgow liegt und als einer der schönsten Seen Schottlands gilt. In die Großstadt Glasgow zieht es uns jedoch nicht. Am Loch Lomond fahren wir über die A811 zunächst ostwärts, im Örtchen Drymen zweigen wir jedoch ab, um zum östlichen Ufer des Loch Lomond zurückzukehren. Hier machen wir eine längere Wanderung und stellen fest, dass wir wieder eine andere Stelle des West Highland Trails erwischt haben. Dementsprechend begegnen uns wieder viele bepackte Wanderer. Bei unserem Spaziergang sehen wir noch einmal einige schöne Exemplare von Hochlandrindern aus nächster Nähe.
Wir wollen noch einmal nach Stirling, um das Wallace Denkmal zu besichtigen, dass wir ca. 10 Tage vorher wegen des schlechten Wetters am 30.8. nicht besucht hatten. Kurz vor Stirling fängt es wieder an zu regnen und macht nicht den Eindruck, dass es bald aufhören würde. Wir fahren dennoch zum Wallace-Denkmal, das jenem Freiheitskämpfer gewidmet ist, dessen Story mit Mel Gibson als Braveheart verfilmt wurde. Ein stattlichen Denkmal, das auf einer Anhöhe steht, die man zu Fuß über steilen Weg erreichen kann.
Wir übernachten in unmittelbarer Nähe.
10.9.2002
Unser letzter Tag in Schottland. Wir fahren zunächst nach Falkirk, wo wir das Falkirk Wheel besichtigen. Eine riesige Konstruktion, die u.a. nach dem archimedischen Prinzip arbeitet und eine Schleuse ersetzt, die zwei Kanäle miteinander verbindet. Wer das am eigenen Leibe erfahren möchte und sich per Boot mit Hilfe des riesigen Rades rauf und –runtertransportieren lassen möchte, muss dafür zahlen. Zuschauer zahlen ansonsten nur Parkgebühren.
Wir suchen uns ein Quartier im Örtchen Dalmeny, das direkt am Firth of Forth und unweit vom Edinburgher Flughafen liegt. Von hier hat man einen herrlichen Blick auf die beiden Forth Bridges, die alte Eisenbahnbrücke und die neue Autobrücke.
11.9.2002
Wir müssen um 9 Uhr 30 am Flughafen sein, um unseren Mietwagen zurückzugeben. Ein bisschen mulmiges Gefühl befällt uns schon, als wir uns ausgerechnet am 11. September in ein Flugzeug setzen. Die Sicherheitskontrollen waren etwas gründlicher als sonst, aber der Flieger war dennoch voll. Über Frankfurt fliegen wir heim und kommen pünktlich an.
Damit ist meine Schottland-Reihe beendet. Ausklingen lasse ich es mit einem Lied. Auch wenn „Amazing Grace“ sicher das bekannteste schottische Lied ist, mein Lieblingslied, das auch schon von vielen Musikern interpretiert wurde ist....
„The Wild Mountain Thyme”
Oh, the summertime is coming
And the trees are sweetly blooming
And the wild mountain thyme
Grows around the blooming heather
Chorus:
Will ye go, lassie go?
And we\'ll all go together
To pluck wild mountain thyme
All around the blooming heather
Will ye go, lassie go
I will build my love a tower
By yon clear crystal fountain
And on it I will pile
All the flowers of the mountain
Chorus,
If my true love she were gone
I will surely find another
To pluck wild mountain thyme
All around the blooming heather
Chorus.
Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 20.9.2002
Veröffentlicht bei Ciao, Dooyoo, Yopi und vielleicht eComments und Talk-On
Nichtsdestotrotz kam ich dieses Jahr, als das Thema Urlaubsplanung mal wieder anstand, auf die Idee, meiner Freundin vorzuschlagen, mal eine kleine Schottlandreise zu unternehmen. Sie hatte nichts dagegen, zumal sie ebenso wie ich, diesen Teil Großbritanniens noch nie bereist hat.
Also gingen wir die Sache an, lasen schon einmal ein paar Berichte in Internet-Meinungsforen und kauften einen Reiseführer.
Unsere Reise fand im August / September 2002 statt und dauerte insgesamt zweieinhalb Wochen. Über meine Erfahrungen werde ich, nun hier beginnend, in einigen Beiträgen berichten. Neben diesem Bericht mit grundlegenden Erkenntnissen und Empfehlungen sind noch folgende Beiträge geplant:
- Autofahren in Schottland (Großbritannien): „Thank you for driving carefully“
- Edinburgh: “Das Athen des Nordens”
- Highlands: „Tagebuch einer Schottlandrundreise“
- Mietwagen von Europcar: „Mein Zweitwagen“ – diesen bereits vorhandenen etwas älteren Bericht werde ich demnächst hinsichtlich meiner Erfahrungen in Schottland aktualisieren
Wer noch nie in Schottland war, dem fallen wahrscheinlich dennoch auf Anhieb ein paar Begriffe ein, die er mit Schottland in Verbindung bringt. Da ist der Dudelsack und der Schottenrock (Kilt), der in Schottland bekanntlich auch von Männern getragen wird, verbunden mit der banalen Frage, was der Schotte darunter trägt. Ferner denkt man womöglich an schlechtes Wetter und noch schlechteres Essen. Dafür gibt es aber genügend Sorten von Scotch Whisky, womit man sich darüber hinwegtrösten kann. Fußballfans fallen sofort die Glasgow’er Vereine Celtic und Rangers sowie ein (auch dort) glückloser „McBerti“ Vogts ein. Und nicht zuletzt gelten die Schotten ja als übertrieben geizig...
Ob letzteres zutrifft, habe ich nicht wirklich ergründen können. Eines ist jedoch sicher: Wer umgekehrt sehr kostengünstig Urlaub machen möchte, wird sich in Schottland besonders schwer tun. Denn Schottland (wie wohl Großbritannien im allgemeinen und Städte wie London oder Edinburgh im speziellen) ist als Reiseland für Urlauber aus Euroland ausgesprochen teuer, was sich vor allem bei Restaurantbesuchen und Besichtigungen auswirkt.
REISEPLANUNG UND ANREISE
Wer mehr als nur einen Städtetrip nach Edinburgh oder Glasgow unternehmen möchte – und dazu rate ich unbedingt, auch wenn Edinburgh allein auch eine Kurzreise wert ist – der wird die Lowlands und die Highlands oder vielleicht auch die eine oder andere Insel besuchen wollen.
Dazu kann man sich natürlich per Reisebus durchs Land kutschieren lassen, was immerhin den Vorteil hat, dass es sehr bequem ist. Derartige Pauschalreisen kann man in Deutschland bei vielen Reiseveranstaltern in Reisebüros oder direkt übers Internet buchen. Solche Pauschalreisen haben obendrein den Vorteil, dass die Kosten von vornherein besser überschaubar sind, weil Übernachtungs-, Verpflegungs- und Eintrittspreise meist inbegriffen sind. Mir allerdings sind solche Touristenbusse eher ein Dorn im Auge, und sitzen möchte ich darin schon gar nicht.
Somit bleibt die Anreise mit eigenem PKW oder eine Rundreise per Mietwagen. Rundreisen per Mietwagen kann man ebenfalls bei Reiseveranstaltern buchen und sich sogar individuell vorausplanen lassen. Das hat wiederum den Vorteil, dass man sich um die Quartiersuche nicht selbst kümmern muss. Ich rate jedoch dringend davon ab. Denn es ist überhaupt kein Problem, in Schottland auch ohne Voranmeldung halbwegs günstige Übernachtungsmöglichkeiten zu finden (s.u.). Damit erhält man sich den unschätzbaren Vorteil, seine Tour flexibel zu gestalten und täglich neu planen zu können, was dann angebracht ist, wenn es einem in einer bestimmten Gegend besonders gut gefällt oder wenn das Wetter nicht mitspielt. Wir jedenfalls haben so verfahren und es jederzeit genossen.
Somit bestand unsere Reiseplanung im wesentlichen zunächst damit, Hin- und Rückflug von München über Frankfurt nach Edinburgh mit Lufthansa und einen Mietwagen bei Europcar im Voraus zu buchen. Da wir die ersten Tage in Edinburgh verbringen wollten und zu der Zeit gerade das alljährliche Edinburgh Festival stattfand, hatten wir unser Quartier für die ersten Tage auch über das Internet vorreserviert, was für den genannten Zeitraum jedoch nicht so einfach war (s.u.)
Außerdem lasen wir vorab im Reiseführer über Schottland. Neben dem Herausfinden interessanter Ziele ist es bei einem geschichtsträchtigen Land wie Schottland ratsam, sich etwas über die Geschichte zu informieren, um z.B. bei Besichtigungen von Burgen und Schlössern die Zusammenhänge besser zu verstehen. Dabei spielt natürlich der Name Maria Stuart und die Beziehung die England eine herausragende Rolle. Einen Überblick über die geschichtliche Vergangenheit liefern in der Regel Reiseführer (s.u.).
Gesundheitliche Vorkehrungen wie Impfungen sind nicht notwendig. Da Großbritannien nicht zum „Schengener Abkommen“ gehört, ist bei Ein- und Ausreise ein gültiger Reisepass oder Personalausweis vorzuzeigen. Ein Visum ist für EU-Angehörige dagegen nicht notwendig. Ebensowenig bedarf es zum Führen eines Kraftfahrzeuges eines Internationalen Führerscheins.
Wer mehr Zeit hat und / oder sich die teuren Flüge und Mietwagen sparen möchte, kann natürlich mit dem eigenen Wagen anreisen und vom europäischen Festland per Autofähre oder über den Eurotunnel per Eisenbahn nach UK übersetzen. Fährverbindungen nach Nordengland (Newcastle oder Hull) gibt es z.B. ab Holland, Belgien oder Hamburg. Diese sollte man natürlich auch rechtzeitig vorausbuchen.
Weitere Informationen über Schottland findet man im Internet z.B. unter http://www.scotland.com/
FÜR WEN KANN SCHOTTLAND EINE REISE WERT SEIN ?
Schottland ist nicht gerade das klassische Reiseland für den Sonnenanbeter. Nicht, dass hier nie die Sonne schiene – im Sommer tut sie das aufgrund der geographischen Lage ähnlich wie in Skandinavien sogar ungewöhnlich lange -, aber aufgrund der niedrigen Wassertemperaturen ist es natürlich kein Badeland, obwohl es auch genügend Strände gibt. Immerhin habe ich einmal dort jemanden in der Nordsee baden sehen.
Das hat den Vorteil, dass dort kein Massentourismus wie in Italien, Spanien oder Griechenland vorherrscht. In Schottland gibt es jedoch ungewöhnlich viel zu sehen und zu erleben. So kommt sowohl der Kulturfreund in zahlreichen Schlössern, Burgen und Museen als auch der Naturfreund aufgrund der unglaublich schönen Landschaft voll auf seine Kosten. Schottland ist aufgrund seiner Berge und Täler ein Paradies für Wanderer und Radsportler und wegen seiner vielen Gewässer (Meer, Seen, Flüsse) ein Dorado für Angler und Bootfahrer. Der Whiskytrinker kann nicht nur zwischen Hunderten von Sorten wählen, sondern auch die Orte der Herstellung in unzähligen Destillen aufsuchen.
REISEZEIT UND WETTER
Schottland verfügt über sehr ausgeglichenes Klima, d.h. die Winter sind wegen des Golfstromes nicht übermäßig kalt und die Sommer nicht übermäßig warm. Auch die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht fallen nicht sehr groß aus. Hohe Niederschläge gibt es zu allen Jahreszeiten, besonders in den Höhenlagen (im Winter auch als Schnee) und an der Westseite der Gebirge. In Edinburgh z.B. liegt die mittlere Temperatur im Winter meist über dem Gefrierpunkt und im Sommer kaum über 20 °C (als wir Ende August 2002 da waren, war es jedoch deutlich wärmer).
Wegen der sehr kurzen Tage bietet sich der Winter jedoch nicht als Reisezeit an. Dafür geht im Juni die Sonne im Extremfall nachts nur eine halbe Stunde unter. Wegen der Blütezeiten sind neben den Sommermonaten besonders Mai und September (Heidelandschaften) als Reisezeit zu empfehlen.
Das kulturelle Edinburgh-Festival findet alljährlich in den letzten 3 Augustwochen statt, was jedoch insbesondere die Zimmerpreise in die Höhe treibt.
Wir hatten übrigens mit dem Wetter ziemliches Glück, von 18 Tagen waren 3-4 verregnet, was für Schottland ein guter Schnitt ist. Nach der ersten Woche war ich bereits leicht sonnengebräunt. Zum Schluss wurde es tendenziell etwas feuchter, aber einen passionierten Wanderer wird das nicht übermäßig stören.
GEOGRAPHISCHER ÜBERBLICK
Mit den Southern Uplands (einem Gemisch aus Hoch und Tief) grenzt Schottland im Süden an England. Die Grenzlinie verläuft zwischen dem Solway Firth im Westen und dem Fluss Tweed im Osten. Firth ist das schottische Wort für Fjord und ist meist nach dem dort einmündenden Fluss benannt, z.B. Firth of Forth, an dem Edinburgh liegt. Ein bekannter Ort an der Grenze zu England ist das einstige Heiratsparadies Gretna Green. Die größten Städte wie Glasgow und die Hauptstadt Edinburgh liegen in den tiefen Central Lowlands, wo viele Ortschaften konzentriert sind. Nördlich davon liegen die bergigen Highlands, die ca. 2 Drittel der Fläche des Landes ausmachen und zu denen auch die Inselwelten der Hebriden, Orkney und Shetland Islands gehören.
AUTOFAHREN IN SCHOTTLAND
Hierzu gibt es (demnächst) einen eigenen Bericht von mir mit dem Titel „Thank you for driving carefully“.
WÄHRUNG
Da Großbritannien zwar der EU angehört, aber nicht dem „Euro-Land“ beigetreten ist, gilt in Schottland wie auch in England, Wales und Nord-Irland nach wie vor das Englische Pfund. Der Wechselkurs liegt bei 1 Pfund = 1,6 Euro oder für Nostalgiker bei 1 Pfund = 3,1 DM. Wenn man also als Faustregel alle Preise mal 3 nimmt und damit auf anschauliche DM-Preise kommt, merkt man leider sehr schnell, wie teuer Schottland ist. Die Bank of Scotland gibt jedoch eigene Banknoten heraus, die den gleichen Wert haben wie das englische Pfund. Englische Banknoten mit dem Antlitz von Themse-Liesel haben auch in Schottland Gültigkeit. Laut Reiseführer soll man, wenn man Banknoten in Deutschland zurücktauschen möchte, sie vorher in englische Scheine tauschen, da die angeblich in Deutschland einen besseren Devisen-Kurs haben. Das kann gut sein, weil die englischen Scheine ja gebräuchlicher sind, ich habe das aber nicht überprüft, weil ich kein Bargeld mehr übrig hatte. Die Münzen (von 1 Penny bis zu 2 Pfund) sind in ganz UK einheitlich.
Die Mitnahme von Reiseschecks ist nicht notwendig, sofern man über EC- und/oder Kreditkarte verfügt, womit man an Automaten, die auch in kleineren Orten ausreichend vorhanden sind, Bargeld abheben kann. Kreditkarten (vornehmlich Visa, Master und Amex) werden fast überall akzeptiert, auch in Supermärkten, was bei uns eher unüblich ist. Lediglich in Privatunterkünften muss man meist bar bezahlen.
UNTERKÜNFTE
Die meistgenutzte Übernachtungsmöglichkeit in ganz UK ist das sogenannte Bed & Breakfast (Übernachtung mit Frühstück), was von Hotels, Gästehäusern und Privatunterkünften überall angeboten wird, zu erkennen an Schildern vor der Tür oder im Fenster mit den Aufschriften „Bed& Breakfast“, „B&B“ oder „Vacancies“. Die Preise im Hotel oder Gästehaus sind natürlich höher als im Privatquartier. Die Übernachtung im Privatquartier kann ich dabei uneingeschränkt empfehlen. Solche sind oft gerade in kleineren Ortschaften in jedem zweiten Haus vorhanden, weil sie eine gute Einnahmequelle darstellen, und leicht zu finden. Eine Reservierung ist nicht notwendig. So habe ich stets irgendwo bei einem B&B geklingelt, wenn nicht gerade ein Schild mit „No Vacancies“ sichtbar war, was bedeutet, dass nichts mehr frei ist. Da hat dann meist eine freundliche ältere Dame geöffnet, der ich stets mit „Good afternoon, I’m looking for a double room“ begegnete. Sehr selten bekam ich „Sorry, we are full“ zu hören, dann hat es halt beim Nachbarn (nicht MIT dem Nachbarn) geklappt. Man wird herein gebeten, das Zimmer wird einem gezeigt, meist ist es „en suite“ (das heißt, dass das Badzugang vom Zimmer und nicht über den Gang erfolgt). Wenn die Besitzerin nicht von sich aus sagt, was es kostet, fragt man „How much is it?“ Der Preis bezieht sich dabei immer auf eine Person mit Frühstück, nicht aufs Zimmer. Das Preisniveau ist in der Regel saison- und ortsabhängig. In Edinburgh ist zu Festival-Zeiten kaum ein Zimmer unter 40 Pfund zu bekommen, ich hatte an die 20 Vermieter angemailt. Wir haben dort 37 Pfund pro Person und Nacht bezahlt (also umgerechnet über 100DM), weil wir mehr als eine Nacht geblieben sind. Auf dem Lande bekommt man jedoch meist Zimmer für unter 20 Pfund, oft 15 Pfund pro Person. Das sind dann bei 2 Personen also umgerechnet um die 90 DM für das Zimmer, was ich für das Gebotene angemessen finde. Denn die Zimmer sind immer sehr gepflegt und geschmackvoll eingerichtet, verfügen neben ein oder mehreren Betten und dem Bad (evtl. mit einem anderen Zimmer zu teilen, wenn nicht en-suite) auch über die Möglichkeit, sich einen Kaffee oder Tee zu bereiten. Manchmal wird man noch von der Lady zu einem kleinen Plausch gebeten, bei einigen muss man ein Anmeldeformular ausfüllen, bei anderen wieder nicht. Dann wird man noch gefragt, wann und was man zum Frühstück möchte. Normal ist englisches Frühstück, also Cerealien, Toast und Eier / Speck / Würstchen zwischen 8 und 9 Uhr. Manchmal gibt es auch Baked Beans, Black Pudding (s.u.), Pilze oder Tomaten, zusätzlich Joghurt. Auf jeden Fall immer sehr reichhaltig. Ich stehe eigentlich nicht so sehr auf ausgiebiges Frühstück und schon gar nicht auf das schwere englische. Aber ich habe mich daran gewöhnt. Das hat den Vorteil, dass ich dann bis zum Abend nichts mehr zu essen brauchte, was auch eine Einsparmöglichkeit darstellte. Beim Frühstück sitzt man oft mit anderen Gästen an einem Tisch, wo sich bereits Gelegenheit zu Small Talk und einem morgendlichen Erfahrungsaustausch bietet. Die Check-Out-Time ist meistens 10am, also wie die Frühstückszeiten nichts für Langschläfer. Bezahlt wird in der Regel bar (nur etwas größere Häuser mit mehr als 5 Zimmern akzeptieren Kreditkarten) bei Abreise.
Unterkünfte kann mit über das Internet, z.B. auf http://www.aboutscotland.com/ , oder über in Reisebüros erhältlichen Verzeichnissen finden, was aber in der Regel nicht notwendig ist, denn außer bei bestimmten Ereignissen findet man aufs Geratewohl immer etwas auf Anhieb. Wir hatten zu einer Reisezeit, die noch zur Hauptsaison zu zählen war, niemals Probleme (außer Edinburgh, aber das hatten wir ja im Voraus erledigt).
Schottische Haushalte verfügen oft über einen oder mehrere Hunde. Selbst die größten Tiere waren sehr friedliebend, weil das ständige Kommen und Gehen gewohnt.
Viele Ortschaften verfügen auch über Jugendherbergen, wo man mit entsprechendem Ausweis kostengünstig übernachten kann.
ESSEN IN SCHOTTLAND
Ein Reiseführer behauptete, die schottische Küche sei fast so gut wie die französische. Nun, ich halte diese Behauptung doch für sehr gewagt und höchstens dann für zutreffend, wenn man einen schottischen mit einem französischen McDonald’s vergleicht.
Landestypische Speisen findet man eher wenig. Eine verbreitete Spezialität ist Haggis, ungepresstes Hackfleisch aus Innereien von Schafen, vom Aussehen an die norddeutsche Brägenwurst erinnernd (schmeckt mir aber besser). Ein Gericht, was sicher nicht jedermanns Sache ist. Es sei besser, nicht zu wissen, was drin ist, sagen die Schotten. Ich habe es oft (meist als Vorspeise) gegessen und es hat mir (und auch LosGatos’ Freundin) immer geschmeckt. Trotz der Meeresnähe bekommt man selten fangfrischen Fisch. Lediglich Salmon (Lachs) und Haddock (Schellfisch) sind verbreitet, letzterer immer „fried“ und mit Pommes Frites, also Fish&Chips. Überall gibt es natürlich Varationen von Chicken, Steak und Lamm. Meine kulinarische Neugier wurde auch einige Male bestraft. So wollte ich doch unbedingt wissen, was ein Steak Pie ist, in etwa: Schweinegulasch mit Blätterteig-Beilage. Hat grausam geschmeckt. Ebenso „Venison“, ein Wild-Gulasch. LosGatos’ Freundin wird jetzt noch schlecht, wenn sie das Wort hört. Wer Black Pudding ordert, sollte sich nicht auf eine Süßspeise einstellen. Es handelt sich vielmehr um eine Scheibe Blutwurst, die aber durchaus gut schmeckt und oft Teil des Frühstücks ist.
Der Reiseführer empfiehlt auch, nicht am Essen zu sparen und billige Restaurants aufzusuchen, weil die Qualität dort schlecht sei. Leicht gesagt bei den Preisen. Auch aus einem mäßigen Restaurant geht man bei 2 Personen mit je 2 Gängen und Getränken selten unter 30 Pfund hinaus. Also an die 100 Mark und das jeden Abend, da bleibt für Exklusivitäten nicht viel Raum, wenn man nicht gerade Berti Vogts oder Claudia Schiffer heißt. In Edinburgh haben wir selbst in einem Pizza-Hut schon umgerechnet 70 DM bezahlt.
Als gute Überlebensmöglichkeit in UK sehe ich in indischen Restaurants, die es in fast jedem kleinerem Ort gibt. Aber einmal pro Woche reicht mir der Inder auch und billiger sind die auch nicht.
Zu den hohen Essenspreisen kommt noch hinzu, dass der Service nicht wie bei uns bereits im Preis inbegriffen ist. Ähnlich wie in den USA soll man noch mindestens 10% „Tip“ geben. Gerade Inder und Chinesen weisen darauf auf der Rechnung noch gerne hin.
In Bars herrscht in der Regel Selbstbedienung. Man holt sich seinen Drink an der Bar und zahlt sofort. Trinkgeld ist dann nicht üblich. Auch in Bars kann man meist Kleinigkeiten (oft Tageskarte) essen, sogenannte „Bar Meals“.
BESICHTIGUNGEN
Schottland bietet jede Menge Möglichkeiten für Besichtigungen: Schlösser, Burgen, Museen, Destillen....in Hülle und Fülle. Leider ist fast nie etwas kostenlos. Selbst für die kleinste Ruine muss Eintritt gezahlt werden. Und die Eintrittspreise liegen je nach Attraktivität zwischen 3 und 8 Pfund pro Person, selten darunter, unter 2 Pfund nie. Der Kulturinteressierte wird hier also schwer zur Kasse gebeten.
Eine Möglichkeit, wenigstens etwas billiger weg zu kommen, ist der Erwerb des Great British Heritage Passes (gilt für ganz UK) oder des Explorer Tickets von Historic Scotland, das eine Unterkategorie des Heritage Passes darstellt. Mit dem Explorer Ticket hat man kostenfreien Eintritt in über 60 Schlössern, Burgen, Abteien oder der Dallas Dhu Destillery. Das Ticket selbst hat eine Gültigkeit für 3 Tage, 1 Woche oder 2 Wochen. Wir haben es für 2 Wochen-Gültigkeit für 23 Pfund pro Person erworben. Es ist überall dort erhältlich, wo es Gültigkeit hat, angezeigt durch das Zeichen „Historic Scotland“. Allein der Eintritt im Edinburgh Castle hätte 8 Pfund pro Person gekostet. D.h. bei ca. 3-5 Besuchen historischer Stätten innerhalb von 2 Wochen rentiert es sich bereits. Wir haben einige mehr besucht, so an die 10. Allerdings gilt es nicht bei Schlössern, die sich in Privatbesitz oder königlichem Besitz befinden. Dort muss extra gezahlt werde, z.B. im Blair Castle.
Immerhin ist die Benutzung Öffentlicher Toiletten kostenlos.
REISEFÜHRER
Als Reiseführer haben wir den Baedeker Schottland ( ISBN 3-89525-126.-7) und den Marco Polo Schottland ( ISBN 3-8297-0173-X) benutzt, die eine gute Kombination darstellen.
Der Baedeker ist natürlich wesentlich ausführlicher, hat als Beigabe auch eine große Landkarte und ist als Nachschlagewerk von A-Z geeignet. Er enthält jedoch keine Routenvorschläge.
Einen guten Überblick erhält man mit dem Marco Polo, der einige Highlights für ganz Schottland auflistet und auch einige grobe Routenvorschläge enthält.
LAND UND LEUTE
Das Übernachten in Privatunterkünften (B&B) bietet schon beste Möglichkeiten, mit der einheimischen Bevölkerung in Kontakt zutreten. Verständigungsprobleme bestehen da kaum, obwohl der Dialekt einiger Schotten etwas gewöhnungsbedürftig ist. Aber auch da kann man sich einhören und mit etwas Phantasie versteht man alles. Ich bin überall auf freundliche und sehr herzliche Menschen gestoßen, die einem noch manch nützlichen Tipp für das Tagesprogramm mit auf den Weg geben können. Auch die zahlreich vorhandenen Hunde sind oft für ein kleines Spielchen dankbar. Einen unserer Vermieter habe ich mal gefragt, was es mit der sprichwörtlichen schottischen Sparsamkeit auf sich hat. Es war nicht näher zu ergründen, es kann sein, dass es so ist, war die Antwort. In der Tat glaube ich (LosGatos) nicht, dass ein Schotte knickeriger ist als ein Chinese, Jude oder Schwabe. Manchmal kamen sie mir dagegen etwas stur vor. Z.B. als wir einmal auf einer Burg eine Ecke betraten, wo ein Schild vorher zu „No passage“ gemahnt hatte. Aus dem Nichts war plötzlich eine Frau da, die uns belehrte, dass mindestens 4 Schilder vorhanden wären, die uns dort das Herumgehen untersagt hätten. Schlimmer als deutsche Oberlehrer, dachte ich mir. An Bushaltestellen stellen sich Briten ja bekanntlich in einer Schlange an, wie man spätestens seit Franz Beckenbauers letztem Werbespot weiß. Die Schlangenbildung erfolgt dabei eher unauffällig bereits im Wartehäuschen. In Edinburgh hatten wir das nicht gleich bemerkt und wollten, wie in Deutschland üblich, in „lockerer Gruppe“ den Bus besteigen, als sich ein älterer Herr mit ausgebreiteten Armen vor LosGatos’ Freundin aufstellte und ihr mit dem Hinweis „This is a queue“ ihr den vorzeitigen Einstieg versperrte und damit erfolgreich britisches Brauchtum gegenüber Touristen verteidigte.
Bei einem Vermieter hatte es geheißen, der Zimmerpreis betrüge 18 Pfund pro Nacht und Person. Da hatten wir uns noch nicht entschlossen, länger zu bleiben. Bei der Abreise wollte ich somit 108 Pfund für 3 Nächte zahlen. Nein, es koste nur 90, da der Preis auf 15 hinunter ginge, wenn man mehr als eine Nacht bliebe, was uns vorher niemand gesagt hatte. Das waren umgerechnet über 50 DM, die wir gespart hatten. Hätte der Vermieter ja auch einstecken können, hat er aber nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob so etwas auf der Welt häufig passiert.
SICHERHEIT
Schottland gehört wohl eher zu den sicheren Reiseländern, was die Kriminalitätsrate angeht. Wie in allen großen Städten gibt es natürlich auch in Edinburgh oder Glasgow Gegenden, die man nachts nicht unbedingt zu Fuß durchstreifen sollte.
Auf dem Lande stellt sich dieses Problem wohl kaum. In einem unserer Quartiere sagte uns unsere Vermieterin, dass die Haustür immer unverschlossen sei, auch nachts oder wenn sie mal für ein paar Stunden außer Haus wäre.
Zu denken gab uns allerdings, dass ausgerechnet in dem gleichen Ort auf Schildern vor Diebesbanden gewarnt wurde, die Autos auf Ausflugsparkplätzen knacken würden.
SOUVENIRS
Touristen-Shops gibt es überall. Und Schottenröcke für Männlein und Weiblein sind ein häufig angebotenes Produkt: Tartans (schottischer Ausdruck für Karos, von denen es in Schottland mindestens so viele gibt wie Whiskysorten) und Tartsche (das Gehänge unterhalb der Gürtellinie). Natürlich habe ich mir so etwas nicht gekauft. Nicht mal zu einer karierten Schirmmütze konnte ich mich aufraffen (jetzt wird hier mindestens einer enttäuscht sein). Auch einen Schal mit Tartan-Muster habe ich nicht erworben. In Schottland ist man natürlich geneigt, Whisky zu kaufen. Aber selbst in Destillen bekommt man ihn nicht kostengünstig. Im Gegenteil: In der Dallas Dhu Destillery verlangte man für einen 30jährigen um die 50 Pfund! Unter 10 Pfund ist Whisky nicht zu bekommen, eher kostet er an die 20. Viel angeboten wird auch Gebäck, Fudge (Zuckermasse) und Marmelade aller Geschmacksrichtungen. Und natürlich Kostproben schottischer Folklore oder Dudelsack-Musik. Gemein ist allem, dass es sehr teuer ist. Wer will schon umgerechnet 10 DM für ein Glas Honig bezahlen?
FAZIT
Schottland ist für mich ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Natur und Kultur pur. Es hat mir auf Anhieb sehr gut gefallen. Das Auge kommt überall voll auf seine Kosten. Auch wenn ich in diesem Bericht die Landschaften und Gegenden noch nicht näher beschrieben habe, was demnächst folgt, lässt sich sagen, es lohnt sich. Auch die Menschen sind sehr sympathisch. Vielleicht fahre ich mal wieder hin. Aber vorher muss ich erst etwas sparen...
Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 12.9.2002
Veröffentlicht bei Ciao, Dooyoo, Yopi und vielleicht eComments und Talk-On.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-21 17:05:21 mit dem Titel Autofahren in Schottland - Thank you for driving carefully...
.....so liest man stets, wenn man in Schottland das Ende kleinerer Ortschaften erreicht. Schließlich wurde man beim Einfahrt in die Ortschaft gebeten, entsprechend vorsichtig zu fahren. Ob’s was nützt bei der Fahrweise der Schotten..?! Nun ja, dazu weiter unten mehr.
Wenn man über Autofahren in Schottland schreibt, ist klar, dass man mit dem wichtigsten beginnt, dem für Mitteleuropäer ungewohnten Linksverkehr. Für viele hierzulande ein Hinderungsgrund, das Autofahren auf der Insel überhaupt zu probieren. Oder zumindest löst der Gedanke daran etwas Unbehagen aus. Ich kann beruhigen, es ist längst nicht so schlimm und man gewöhnt sich relativ schnell daran. Lediglich am ersten Tag sollte die Aufmerksamkeit besonders hoch sein. Anfangs wurde ich einige Male vom Gegenverkehr angeblinkt. Wahrscheinlich hatte ich leichten Rechtsdrall und fuhr zu weit nahe der Mittellinie.
Um die Umstellung zu erleichtern, empfehle ich denjenigen, die nicht mit dem eigenen Auto anreisen, sondern sich einen Mietwagen nehmen, und wie ich Rechtshänder sind, das Anmieten eines Wagens mit automatischem Getriebe. Das hat nicht nur den Vorteil, dass man sich besser auf den Verkehr konzentrieren kann, sondern vor allem, dass es dem Rechtshänder erspart bleibt, mit der linken Hand schalten zu müssen. Ein Wagen mit automatischem Getriebe ist aber nicht so leicht zu bekommen und oft nicht in den niedrigsten Preiskategorien erhältlich. Man sollte deshalb schon bei der Reservierung darauf achten.
Dann kann es losgehen. Man fährt also auf der linken Spur und sitzt (in einem lokal angemieteten Auto) auf der rechten Seite. Alles ist seitenverkehrt. Das wirkt sich auch auf die Vorfahrtsregelungen aus. Auf der britischen Insel ist halt das Linksabbiegen „einfacher“ so wie bei uns das Rechtsabbiegen. In Schottland hat man beim Linksabbiegen nur auf Radfahrer zu achten, wenn man sich auf einer Vorfahrtsstraße befindet. Beim Rechtsabbiegen muss man zusätzlich auf den Gegenverkehr achten. Wenn nicht mit Ampeln ist die Vorfahrt in Schottland sehr häufig (wie auch zunehmend bei uns) über Kreisel geregelt (gleiches Verkehrszeichen). Das sich im Kreisel befindliche Fahrzeug hat Vorfahrt, das einfahrende muss warten. Die Fahrtrichtung erfolgt dabei im Uhrzeigersinn, also links herum. Damit gilt im Kreisel im Prinzip rechts vor links, beim Einfahren muss man also nach rechts schauen. Etwas verwirrend dabei ist bei größeren Kreiseln, dass es manchmal mehrere Spuren gibt, von denen die rechte manchmal mit einem Rechtsabbiegerpfeil gekennzeichnet ist. Schotten blinken dabei dann beim Einfahren rechts, wenn sie die rechte Spur benutzen. Bei uns ist es dagegen üblich, beim Verlassen des Kreisels zu blinken. Sehr häufig sind auch kleinere Kreuzungen, an denen gar kein Kreisel gebaut wurde, mit dem Kreisverkehrsymbol gekennzeichnet, was im Prinzip rechts vor links bedeutet.
Vorfahrtsschilder (die einem die Vorfahrt gewähren) wie bei uns wird man in Schottland äußerst selten finden, also das auf der Spitze stehende innen gelbe Karo und das Dreieck mit dickem Geradeauspfeil und schmalem Querbalken. Der Vorfahrthabende sieht also nicht direkt, dass er Vorfahrt hat. Derjenige, der Vorfahrt gewähren muss, sieht dagegen ein Halt- oder Stopschild oder auch nur eine doppelte Linie, wo er warten muss. Hier ist wichtig: Erst nach rechts, dann nach links schauen. An roten Ampeln sind auch Linksabbieger in jedem Fall wartepflichtig.
Entfernungen sind in Schottland immer in Meilen und Geschwindigkeiten in Meilen pro Stunde (mph) angegeben. Eine Meile entspricht etwa 1,6km. Die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten betragen, wenn nicht anders angegeben, in Ortschaften 30mph (48km/h), auf Landstraßen 60mph (96km/h) und auf Autobahnen 70mph (112km/h), also, abgesehen vom Tempolimit auf den wenigen Autobahnen (nur in den Central Lowlands), ähnlich wie in Deutschland. Die Nutzung von Autobahnen ist gebührenfrei. Auf Autobahnen gilt: links fahren, rechts überholen. Schotten neigen allerdings dazu, die Limits besonders auf Landstraßen nicht so genau zu nehmen. Ich bin auf Landstraßen selten schneller als 50mph gefahren, weil ich das für eine angenehme Reisegeschwindigkeit für entspanntes Fahren halte, wo man von der Umgebung noch ein bisschen was mitkriegen kann. Dabei wurde ich meist von jedem Lastwagen überholt. Schottische Straßen sind meist kurvig und unübersichtlich, so dass beim Überholen erhöhte Vorsicht geboten ist. Vielfach hat man es auch mit Kuppen (Blind Summits) zu tun, die ein entgegenkommendes Auto unsichtbar werden lassen. Letzten Endes muss jeder selbst entscheiden, wie schnell und stressfrei er fahren möchte. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern bedeutet ein Hinweisschild, auf dem einen Kamera abgebildet ist, nicht, dass auf den nächsten 100 Metern ein besonders schönes Panorama zu sehen ist, sondern dass man damit rechnen muss, dass freundliche Polizisten Aufnahmen von Temposündern machen.
Wegweiser sind nicht immer übersichtlich aufgestellt und oft ist die Richtung, in die sie zeigen, nicht eindeutig erkennbar.
Im großen und ganzen sind die Straßen in Schottland jedoch in sehr gutem Zustand. Das Straßennetz ist überall ausreichend. Autobahnen sind mit M und einer Ziffer gekennzeichnet, Landstraßen mit A und je nach Größe mit 1 bis 3 Ziffern. Auf Nebenstrecken kann es vorkommen, dass es nur eine Fahrspur (Single File Traffic) mit Ausweichbuchten in angemessenen Abständen (ca. alle 100m) gibt. Die Straße sieht dann aus der Vogelperspektive aus wie eine Schlange, die viele Mäuse verschlungen hat. Hier gilt, das Auto, das als erstes eine Ausweichbucht erreichen kann, bleibt dort stehen und lässt das entgegenkommende passieren. Liegt die Bucht links der Fahrbahn, fährt man selbst ein, liegt sie rechts der Fahrbahn, bleibt man einfach in Höhe der Ausweichbucht auf der Fahrbahn stehen, so dass der entgegenkommende dort einfahren kann. Das klappt im allgemeinen recht gut und als Zeichen des Dankes winkt man sich freundlich zu (d.h. ich bin immer gefahren und LosGatos’ Freundin durfte winken, ins kalte Wasser schicke ich sie jedoch nicht, wie ‚denali’ gemutmaßt hat *g*). Solche Buchten dienen übrigens nicht nur dazu, sich mit dem Gegenverkehr zu arrangieren, sondern auch dazu, nachfolgenden Verkehr überholen zu lassen. Dazu ist man in Schottland sogar verpflichtet. Also drängeln erlaubt. Es ist klar, dass man auf solchen Straßen nicht gerade mit Bleifuß fahren sollte. Jedenfalls ist es mir klar, aber wohl nicht allen Schotten.
Ja, ja, das „Thank you for driving carefully“ kann man in Schottland nicht oft genug wiederholen. Vielleicht nützt es irgendwann mal etwas. Viele Schotten „geizen“ übrigens mit dem Einschalten des Lichtes und neigen dazu, auch bei größtem Sauwetter, wenn man dunkle Fahrzeuge kaum sieht, ohne Licht zu fahren. Darüber habe ich doch einige Male geflucht.
Tankstellen gibt es in Schottland in ausreichender Anzahl. Trotzdem sollte man in ländlichen Gegenden nicht den letzten Tropfen ausreizen. Ein Reiseführer schrieb, dass Tankstellen auf dem Lande ab Sonnabend Nachmittag geschlossen seien und erst am Montag wieder aufmachen würden, was ich (LosGatos) jedoch nicht feststellen konnte. Sprit (meistens tankt man bleifrei – unleaded) ist mit ca. 75p pro Liter (ca 1,2 Euro) ähnlich teuer wie bei uns, eher noch etwas teurer. An Tankstellen kann man stets mit Kreditkarte bezahlen.
Parken ist meist gebührenpflichtig. Man löst einen Parkschein, der das Ende der Parkdauer anzeigt, am Automaten und legt ihn hinter die Windschutzscheibe (Pay and Display). In der Autovermietung sagte man mir, dass man in Schottland sehr streng sei mit Parksündern (30 Pfund Strafe). Ich habe jedoch nirgends die von den Beatles besungenen Lovely Rita Meter Maids beobachtet und auch selbst keine negativen Erfahrungen gemacht. Das Parken am Straßenrand ist übrigens bei doppelter gelber Linie grundsätzlich verboten. Bei einfacher gelber Linie ist das Parkverbot zwischen 18 und 8 Uhr und sonntags am ganzen Tag aufgehoben. Man riskiert Abgeschlepptwerden oder Kralle und ein kräftiges Bußgeld.
Zum Führen eines Kraftfahrzeugs reicht der nationale Führerschein, ein Internationaler Führerschein ist also nicht notwendig.
Die Promillegrenze liegt in Schottland bei 0,8 Promille. Ab diesem Wert darf man sich nicht mehr ans Steuer setzen.
FAZIT
Wenn man sich daran gewöhnt hat, was bei mir schnell der Fall war, fällt das Autofahren in Schottland nicht schwerer als woanders. Als Fußgänger habe ich immer mehr Schwierigkeiten, mich darauf einzustellen. Also keine Angst vor dem Linksverkehr. Denn wer Schottland erleben will, kann das meiner Meinung nach nur, wenn er ein eigenes Auto hat, um herumzukommen. Es sei denn, man ist ein eiserner Wanderer, der auch größere Stecken zu Fuß zurücklegt, was in der Tat nicht wenige tun.
Als ich nach dem Rückflug am Münchner Flughafen wieder in meinen Wagen stieg, merkte ich schnell, dass deutsche Autofahrer ihre schottischen Kollegen doch klar in den Schatten stellen, was Raserei und Drängelei angeht.
Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 14.9.2002
Veröffentlicht bei Ciao, Dooyoo, Yopi und vielleicht bei eComments und Talk-On
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-26 17:50:47 mit dem Titel Tagebuch einer Schottlandreise
Den folgenden Reisebericht schreibe ich in Tagebuchform. Das Tagebuch ist aber nicht während der Reise entstanden, sondern ich erstelle es, nur wenige Wochen nach Abschluss der Reise, aus meiner Erinnerung heraus. Ich wähle deshalb diese Form, um denjenigen, die vielleicht eine ähnliche Reise planen, die Möglichkeit zu geben, besser abschätzen zu können, was innerhalb eines Tagesablaufs möglich ist. Generell gilt, dass wir meist zwischen 9 und 10 Uhr morgens weitergefahren sind und selten später als 17 Uhr nach einer neuen Bleibe Ausschau gehalten haben.
Über Schottland hatte ich in letzter Zeit folgende Berichte geschrieben:
Schottland – Tipps & Tricks
Autofahren in Schottland „Thank you for driving carefully“
Edinburgh – Das Athen des Nordens
28.8.2002
Drei Tage und vier Nächte Edinburgh liegen hinter uns. Ich habe gerade den Mietwagen bei Europcar abgeholt. Auschecken und Gepäck einladen, dann kann es los gehen. Wir verlassen die Stadt in östlicher Richtung und begeben uns dann auf die A7. Denn bevor es endlich in die Highlands geht, wollen wir noch einen kurzen Abstecher nach Süden unternehmen.
Nach gut einer Autostunde erreichen wir das Abbotsford House. Hier hat der berühmte Schriftsteller Sir Walter Scott (1771-1832) gelebt und die meisten seiner 40 Romane geschrieben. Nicht gerade ein kleines Häuschen, eher ein kleines Schloss. Nicht nur sein Arbeitszimmer ist voll mit Büchern, er hat eine riesige Bibliothek. Er soll zum Schreiben verurteilt gewesen sein, denn durch Geldgeschäfte mit unseriösen Beratern (die Nachfahren waren später am Neuen Markt aktiv *g*) hatte er hohe Schulden. Nur wenige Meter entfernt liegt der Fluss Tweed, der zum Teil die Grenze zwischen England und Schottland bildet. Diesen Fluss hat Scott sehr geliebt. Er ließ sein Sterbebett so aufstellen, dass er den Fluss bis zum Schluss im Blickfeld hatte.
Ganz in der Nähe liegt Melrose Abbey, die stattliche Ruine eines Klosters aus dem 12. Jahrhundert (Historic Scotland Explorer Ticket ist hier gültig). Von einem Turm hat man eine schöne Aussicht.
Etwas weiter östlich liegt das beschauliche Städtchen Kelso, wo wir uns eine Bleibe suchen (Duncan House). Der Hauswirt ist verreist, eine ältere Dame hütet das Haus. Wir unternehmen einen kleinen Ortsbummel und gehen um 18 Uhr in einem Wirtshaus zum Essen. Das erste Guinness hier! Auch wenn es nicht schottisch ist, sondern irisch, dieses Bier, frisch gezapft, ist einfach zu gut und so populär, dass man es auch in UK in jedem Wirtshaus bekommt. Ansonsten bin ich kein passionierter Biertrinker, aber bei Guinness sind zwei Pints (1 Pint = gut ein halber Liter) schnell weg. Hier esse ich auch zum ersten Mal die schottische Spezialität Haggis. Das Wirtshaus ist kein vornehmes Restaurant, eher ein Barlokal, wo ich mich gleich sehr wohl fühle. So kann’s weiter gehen (aber es kamen noch genug Enttäuschungen).
29.8.2002
Am nächsten Morgen besichtigen wir als erstes das Floors Castle, das vor den Toren Kelsos liegt. Es ist das größte bewohnte Schloss Schottlands. Dieses Märchenschloss wurde 1721 erbaut. Hier leben jeweils die Dukes of Roxburghe. Auch von hier hat man Blick auf den Tweed.
Weitergehen soll es Richtung Norden. Um nicht den gleichen Weg zurückzufahren, nehmen wir in östlicher Richtung die A698 zur Ostküste. Dabei begeben wir uns, ohne es zu merken, für ein paar Meilen auf englisches Gebiet. Bewusst wird uns das erst, als es plötzlich wieder heißt „Welcome to Scotland“. Jedenfalls fahren wir dann die Küste entlang Richtung Edinburgh, verlassen aber östlich von Edinburgh die Hauptstraße und verzweigen auf eine kleine Küstenstraße, die uns über eine kleine Halbinsel führt.
Das Tantallon Castle (Historic Scotland Explorer Ticket ist hier gültig) ist eine Besichtigung wert. Diese rote Sandsteinruine liegt direkt am Meer. Demzufolge weht auf dem Turm eine kräftige Brise. Von hier hat man aber ein herrlichen Ausblick auf die gesamte Umgebung und den 2km vor der Küste (sieht viel näher aus) liegenden Bass Rock, einen über 100m hohen Felsen, auf dem man das Scottish Seabird Centre eingerichtet hat, da die Insel Brutplatz für viel Seevögel ist.
Schließlich passieren wir Edinburgh über die Umgehungsstraße, überqueren den Firth of Forth über die riesige an die Golden Gate Bridge erinnernde gebührenpflichtige Forth Bridge.
Am Nordufer des Firth of Forth angekommen, fahren wir diesen in westlicher Richtung entlang und besuchen dort das historische Städtchen Culross. Restaurierte Häuser aus der Zeit zwischen 1600 und 1800 zeugen von bürgerlichem Lebensstil. Wir unternehmen einen Rundgang, der jedoch wegen des eisigen Windes relativ kurz ausfällt.
Dann überqueren wir den Firth of Forth zum zweiten mal über Kincardine Bridge und fahren nach Stirling, wo wir übernachten. Am nächsten Morgen wollen wir als erstes das dortige Castle besichtigen. Hier essen wir bei einem Pseudo-Mexicaner, der auch scheußliches mexikanisches Bier anbietet (nix mit Guinness heute). Beim abendlichen Whisky fällt LosGatos’ Freundin plötzlich ein, dass sie eine Handtasche vermisst. Wir finden sie im Auto nicht, möglicherweise haben wir sie in Edinburgh in der Pension in einer Schublade zurückgelassen. Ich rufe dort gleich an, doch sie hätten dort keine Handtasche gefunden. Ich erklärte dem Wirt, dass sie möglicherweise in einer Schublade stecke. Er versprach nachzusehen, ich solle in 5 Minuten noch mal anrufen. Bevor ich das tun konnte, klingelte schon mein Handy. Tasche gefunden, er schickt sie uns, wenn wir ihm die Anschrift sagen. Der Wirt dachte halt, wir wären schon wieder in Deutschland. Nein, wir würden sie am nächsten Tag abholen. Schließlich waren wir nur eine Autostunde von Schottland entfernt.
30.8.2002
Am nächsten Morgen goss es erstmals in Strömen. Da wir ja erst die Tasche holen wollten, störte uns das erst relativ wenig. Über die Autobahn fuhren wir zurück nach Edinburgh, dann fanden wir den Weg zu unserer Pension nicht so schnell. Nachdem wir etwas umhergeirrt waren, konnte LosGatos’ Freundin ihre Tasche wieder in Empfang nehmen. Es war noch alles drin, vor allem ein Stoffhund, den sie am ersten Abend bei Pizza Hut unterm Tisch gefunden hatte. Er hatte sich also auf Anhieb als Glücksbringer bewährt.
Dann ging es auf gleichem Weg zurück wieder nach Stirling, wo es gleich auf die Burg (Historic Scotland Explorer Ticket ist auch hier gültig) ging. Von weitem sah man schwach das Wallace-Denkmal (Braveheart !), das auch in Stirling befindlich ist. Schließlich hatte dieser mal das Castle zurückerobert. Aber die Sicht war aufgrund des Wetters miserabel. Somit sahen wir uns mehr die Räumlichkeiten an. Maria Stuart hatte hier ihre Kindheit verbracht. Somit ist das Stirling Castle zusammen mit dem Edinburgh Castle das geschichtsträchtigste in Schottland.
Wir verließen Stirling in nördlicher Richtung und fuhren über die A873 zum Loch Katrine, einer der schönsten Seen Schottlands. Heute war hier jedoch aufgrund des Wetters nicht viel los. Das Ausflugsschiff verkehrte mangels Passagieren nicht. So nahmen wir im Café einen kleinen Imbiss, fuhren am Loch Venachan entlang und übernachteten in dem winzigen Örtchen Strathyre an der A84 bei einer älteren Dame, die 2 Gästezimmer hatte. 2 Häuser weiter gingen wir essen. Wieder ein typisches Barrestaurant, wo es akzeptables Essen und gutes Guinness gab. Da ist doch jeder Tag gerettet. Ich habe jetzt beim Schreiben das Problem, dass mir bei dem Gedanken an Guinness das Wasser im Munde zusammenläuft.
31.8.2002
Es hatte aufgehört zu regnen, für das Wochenende war der Wetterbericht gut gewesen und auch unsere Wirtin sagte uns einen schönen Tag voraus. Wir beschlossen, noch einmal zum Loch Katrine zurückzukehren, nicht nur wegen des Sees, sondern auch wegen der schönen Strecke durch die Trossachs, die wir am Vortag nicht so recht genießen konnten. Nun machten wir auch eine Ausflugsfahrt über den Loch Katrine (ca. 1,5 Stunden). An Deck hielt sich zumindest bei der Hinfahrt kaum jemand auf, zu eisig war der Gegenwind. Beliebt sind auch Fahrradtouren um den See oder in Kombination mit der Schiffsfahrt. Deshalb gibt es am Ablegesteg auch einen Fahrradverleih. Wassersportlern ist das Treiben am Loch Katrine untersagt, da er zur Trinkwasserversorgung der Stadt Glasgow dient. Dann fuhren wir wieder in aller Ruhe langsam (schon wegen der engen Straße) über Strathyre nach Norden. Unser nächster Halt war der Ort Killin mit den flachen, aber sehr schönen Wasserfällen des Flusses Dochart. Das Wasser schimmert teils kupferfarben. Auf der A9 übernachten wir kurz vor dem Blair Castle. Gary, unser Wirt, empfiehlt uns, das schöne Wetter auszunutzen und noch zu Queen’s View zu fahren, wo man heute eine selten gute Aussicht über den Loch Tummel bis zur Westküste hin hätte, die gut 100km entfernt sein dürfte. Dankbar befolgen wir seinen Rat und sind nach 20-30 Minuten dort. Wir genießen die Aussicht wie einst Queen Victoria, die hier besonders gerne hergekommen war.
Unser Abendessen genießen wir dagegen nicht. Wir essen bei McDonald’s, nicht zu verwechseln mit einer bekannten Fast Food-Kette. Bei letzterer hätte es uns wahrscheinlich besser geschmeckt. In einem ungemütlichen Lokal, wo wir um halb 7 die letzten Gäste sind, wage ich mich, wie in einem anderen Bericht beschrieben, an Steak Pie, ein gängiges britisches Gericht. Schnell vergessen und auf Besserung hoffen.
1.9.2002
Heute steht als erstes das Blair Castle auf dem Programm. Hier residieren die Dukes of Atholl und nicht etwa der britische Regierungschef. Auf dem Weg dorthin stecken wir im Verkehrsstau, weil eine 5köpfige Entenfamilie mit angemessener Marschformation die Straße überquert. Da wartet man natürlich gerne. Das Schloss ist stark frequentiert, den Rundgang durch die Räumlichkeiten machen wir gleich zweimal, weil wir zwischendurch den Auftritt einer Dudelsackbläserin nicht verpassen wollten. Dass sie u.a. „muss i denn zum Städtele hinaus“ spielte, fanden wir weniger originell. Zum Schloss gehört ein großer Park mit Wildgehege.
Danach erwerbe ich in einem Dorfgeschäft – an einem Sonntag – noch ein Sonderangebot eines Single Malt für 9.99 Pfund, in der Tat für schottische Verhältnisse sehr günstig. Unser Schlaftrunk für die nächsten Tage ist damit gesichert.
Plötzlich heißt es auf einem Schild an der Straße „Welcome to the Highlands“. Wo immer man die Grenze auch ziehen möge, für mich ist alles, was nördlich von Glasgow, Stirling und Edinburgh liegt, „Highlands“.
Empfohlen vom Marco Polo wird der „Highland Wildlife Park“. Man fährt wie in einem Safari Park mit dem Auto hinein und darf es zunächst nicht verlassen, weil sich dort einige Tiere in freier Wildbahn bewegen, wie z.B. Hochlandrinder. Diese gelten zwar nicht als übermäßig aggressiv, charakteristisch für sie sind ihre großen spitzen Hörner. Also wenn die mal zustechen, gibt’s Schaschlik. Außerdem begegnet man auf der Autoschleife Büffeln. Am Eingang erhält man übrigens eine Audio-Kassette, die man begleitend zur Rundfahrt abspielen kann. Der Tierpark beherbergt ausschließlich Tiere, die in den Highlands vorkommen (können). Zum Schluss stellt man dann sein Auto ab und kann, wie in einem normalen Zoo, diejenigen Tiere besuchen, die nicht ganz frei, sondern in großzügig bemessenen Gehegen gehalten werden. Dazu gehören u.a. ein Rudel Wölfe und Adler. Gar nicht begeistert von unserem Besuch war ein schottisches Moorhuhn (Grouse). Mit wütenden, sehr ungewöhnlichen, aber zur Belustigung beitragenden Lauten zeigte es, was es von uns hielt.
Wir beendeten den Tag in Grantown-on-Spey. Highlight in unserer Unterkunft war, dass LosGatos und seine Freundin dort erstmals in einem Himmelbett ( four-poster) schlafen durften (nähere Informationen zum weiteren Verlauf des Abends werden nicht erteilt).
2.9.2002
Grantown-on-Spey kann als Ausgangspunkt des Malt Whisky Trail dienen. Denn hier liegt eine der bedeutendsten Whisky-Gegenden Schottland, die sogenannte Speyside. In fast jedem Ort gibt es hier eine Whiskybrennerei, die alle besichtigt werden können und deren bekannteste die Glenfiddich Destillery ist, was wir aber für etwas übertrieben hielten. Schließlich wollten wir uns nicht dauernd den Mund wässrig machen lassen. Jedenfalls fuhren wir ostwärts in aller Ruhe in der schönen Landschaft am Nordufer des Spey Rivers entlang. Statt einer Destille besuchten wir zunächst eine Böttcherei (engl.: Cooperage, Gary Cooper heißt somit auch nur Böttcher) in Craiggellachie, wo wir bei der Herstellung von Eichenfässern zuschauen konnten. Letztenendes werden die Fässer zur Whiskylagerung benutzt, wo der edle Tropfen bis zu 50 Jahre drin reift. Ist er einmal in Flaschen abgefüllt, reift er im Gegensatz zu Wein nicht mehr. Hier lernten wir, dass für Scotch Whisky niemals neue Fässer hergenommen werden, sondern solche, die schon zur Lagerung von Bourbon Whiskey (nur in Schottland heißt es Whisky, in USA, Kanada und Irland kommt das ‚e’ dazu) oder spanischem Sherry benutzt worden waren. Auch durch das, was vorher mal drin war, wird der Whiskygeschmack beeinflusst.
Nun fuhren wir über A941 wieder in nördlicher Richtung nach Elgin, wo wir eine Kathedrale und etwas außerhalb den Spynie Palace (hoher Turm mit Meerblick) besichtigten (in beiden Ruinen erhält man mit dem Explorer Ticket freien Einlass).
Um doch noch etwas Einblick in die Kunst der Whiskyherstellung zu bekommen, ging es dann weiter zur historischen Dallas Dhu Destillery. Sie liegt jedoch nicht direkt in dem Örtchen Dallas (nicht da, wo J.R wohnt), sondern mindestens 10km davon entfernt. Auch hier wirkte das Explorer Ticket als Sesam-öffne-dich. Erläuterungen erhielten wir über ein handyähnliches Funkgerät, wie wir es schon vom Besuch der Britannia in Edinburgh kannten.
Whiskyherstellung im Schnelldurchgang: Grundbestandteil ist Gerste. Aus dieser wird zunächst Malz hergestellt, indem man die Gerste in Wasser einweicht und keimen lässt. Mit Hilfe von Kohlefeuer wird das Getreide dann getrocknete, der Kohle wird dabei mehr oder weniger Torf zugemischt, was auf den späteren Geschmack Einfluss nimmt. Danach wird das ganze gemahlen. Dann kommt das ganze ins heiße Wasser. Unter ständigem Rühren bildet sich Zucker. Unter Zusatz von Hefe entsteht eine bierähnliche Flüssigkeit mit ca. 6% Alkoholgehalt. Dann wird mehrfach destilliert, dabei nimmt der Alkoholgehalt zu. Zum Schluss kommt der Whisky in Eichenfässer, wo er über Jahre reift. Obwohl Whisky wenige Zutaten hat, hängt der Endgeschmack von unzähligen Parametern ab, die beim Herstellungsprozess akribisch berücksichtigt werden. U.a. ist auch Größe und Form der Destilliergefäße von Bedeutung.
Das Ergebnis ist ein Single Malt Whisky. Ein Blended Whisky ist dagegen ein Gemisch aus bis zu 50 verschiedenen Single Malts. Neben der Speyside zählen Highlands, Lowlands und die Insel Islay zu den bedeutendsten Whiskyregionen Schottlands.
Der Tag endete für uns in dem Städtchen Nairn, wo wir Quartier bezogen. Eine sehr verspielte junge Hündin (Westhighland Terrier, siehe Black& White Whisky) beanspruchte dort unsere ganze Aufmerksamkeit.
3.9.2002
Am nächsten Morgen fuhren wir in Nairn zum Hafen mit anliegendem Strand. Endlich Meer in greifbarer Nähe. Der Duft des Meeres, genauer gesagt der Nordsee, und unzählige Möwen am fast menschenleeren Strand (lediglich ein paar Hunde wurden hier Gassi geführt) versetzten mich in beste Stimmung. Auf der anderen Seite der Mole lag ein noch viel längerer Strand. Und aus der Ferne sah ich tatsächlich jemanden baden. Wenn nicht im Spätsommer, wann dann? Aber ich ließ mich nicht verleiten. Bei eiskaltem Wasser bin ich doch etwas empfindlich.
Nicht weit von Nairn auf einer Landzunge liegt Fort George, eine riesige militärische Festung direkt am Meer, die heute noch als Kaserne dient. Trotzdem ist Besuchern der Eintritt gestattet (auch hier hilft das Explorer Ticket). Man hat herrliche Sicht auf den Moray Firth, mit etwas Glück kann man Delfine beobachten (wir haben keine gesehen).
Dann passierten wir Inverness, die Hauptstadt der Highlands, ohne dort Halt zu machen und fuhren stracks zum berühmten Loch Ness. Zur Begrüßung ragt eine Monster-Atrappe aus dem Wasser. Der Loch Ness ist nicht der schönste und auch nicht der flächenmäßig größte See Schottlands, aber er ist an die 40km lang und 230m tief. Damit fasst er mehr Liter Wasser als alle englischen (nicht schottischen) Binnengewässer zusammen. Ein riesiges Volumen, das natürlich einem Monster genügend Platz zum Verstecken bietet.
Das Monster Centre besuchen wir heute nicht (aber wir kommen in ein paar Tagen hier noch einmal vorbei, um das nachzuholen), sondern machen Halt am Urquart Castle.
Das Urquart Castle (sehr historisch, deshalb wieder Explorer Ticker hervorholen!) war einst eine der größten Burgen Schottlands. Es wurde im 12. Jahrhundert erbaut. 1692 wollten die Jakobiter es erobern, dabei wurden Teile gesprengt, nach dem Motto „euch ist es nicht vergönnt“. Deshalb auch heute nur noch als Ruine vorhanden.
Danach ging es weiter über die A82, A887 und A87 in die Western Highlands durch karge, jedoch schöne Landschaften bis hin zum malerischen Eilean Donan Castle. Da wollten wir unbedingt hin, weil wir davon immerhin schon 2 Postkarten verschickt hatten und nicht als Erfahrungsfaker gelten wollten. Es ist mindestens so schön wie auf der Postkarte. Dennoch gehen wir nicht hinein, weil wir erstens dafür bezahlen müssten (nix mit Explorer Ticket) und weil zweitens Unmengen von Touri-Bussen dort rumstehen. Außerdem kann man nicht alles haben. Stattdessen sagen wir uns, dass wir reif für die Insel sind und fahren weiter nach Skye.
Diese erreicht man über eine Brücke bei Kyle of Lochalsh. Die Überfahrt über die relativ neue Brücke kostet an die 6 Pfund einfach. Das wird möglicherweise gleich wieder die Diskussion auslösen, ob die Bezeichnung Insel überhaupt noch gerechtfertigt ist, aber dann vergesst auch gleich die Inseln Sylt und Fehmarn. Diese sehr schöne Insel lebt stark vom Tourismus. Dennoch waren die Insulaner über den Brückenbau nicht so glücklich. Wahrscheinlich, weil sie dann unter Nichtbrückeninsulanern (davon gibt es in Schottland unzählige) nicht mehr als Insulaner zählen. Insulanerstolz halt. Jedenfalls fahren wir über die Brücke und dann weiter in die Inselhauptstadt Portree, wo wir uns eine Bleibe suchen (LosGatos’ Freundin: „Ich will in das rote Haus“). Wir bekommen gleich einen Tipp von der Vermieterin hinsichtlich eines lokalen Folkloreabends. Vorher wollen wir aber noch Seafood essen gehen. Wo, wenn nicht hier? Endlich mal was gescheites: Muscheln, Garnelen, Austern, Lachs. Letzterer, habe ich im Nachhinein dank eines Community-Mitglieds gelernt, ist auch Seafood. Wenn auch der Lachs an sich ein Flussfisch ist, wird er, damit er ein Wildlachs werde, zum Krabbenfressen ins Meer ausgesetzt. Neben uns sitzt ein amerikanisches Ehepaar aus Fresno/ California. Wie Amerikaner so sind, sie knüpfen schnell Kontakt und sind für jede Information / Unterhaltung dankbar. Es stellt sich heraus, dass sie Schottland per Wanderung zurücklegen. LosGatos’ Freundin fragt, warum sie das tun würden. Die Ehefrau seufzt „weil mein Mann das so möchte..“ (ihr Husband ist in die gleiche Meeresfrüchteplatte wie ich vertieft und lässt sich nicht stören). Aufgrund der netten Plauderei erreichen wir unseren Folkloreabend etwas verspätet (vorher waren wir im Restaurant noch 70 Pfund losgeworden – aber das Preis/Leistungsverhältnis war für schottische Verhältnisse OK). Dieser findet in einem Gemeindehaus statt. Dort treten nacheinander verschiedene Interpreten (auch Kinder und Jugendliche) auf, die je 1-2 Stücke zum besten geben. Instrumente wie Dudelsack, Harfe oder Gitarre sind dabei vertreten. Irgendwann kommt mein schottisches Lieblingslied, die ganze Zeit hatte ich schon darauf gehofft „...will ye go lassie go...“. Später erfahre ich, dass dieser schottische Klassiker „Wild Mountain Thyme“ heißt (keine wilde Zeit, sondern Thymian).
Zum Schluss gibt es noch einen Diavortrag über Skye, die „geflügelte“ Insel, sehr gekonnt vorgetragen von Mr. McKinnan, einem Mitglied einer der wichtigsten Clans von Skye neben den McDonalds. Dieser Vortrag macht Stimmung, macht Lust auf mehr. Noch nie habe ich jemals vorher erlebt, dass jemand so überzeugend Werbung für seine Heimat macht. Denn Skye lebt vom Tourismus und vermutlich nicht schlecht. Kam mir vor wie ein schottisches Sylt. Spät kamen wir ins Bett, die Melodie von „Wild Mountain Thyme“ ging mir die nächsten Tage nicht mehr aus dem Kopf.
4.9.2002
Der ganze Tag gehörte der Insel Skye. Wir fuhren 2 Schleifen und machten immer wieder halt an steilen Klippen. Dann fuhren wir an einer Pferderanch vorbei. Wir setzten uns ohne Vorkenntnisse aufs Pferd und durften in einer Gruppe uns eine Stunde lang durch die Landschaft tragen lassen. Da war es wieder, mein geliebtes „Winnetou-Feeling“.
Gen Abend kehrten wir aufs Festland zurück und übernachteten direkt am Brückenkopf in Kyle of Lochalsh bei einer reizenden Lady. Etwas vornehm, aber ungekünstelt nett. Beim Herumschlendern im Ort, beobachtete LosGatos’ Freundin einen seltsamen Typen, der gerade ein Paddelboot mit Einkäufen bepackte und in See stich. LosGatos’ Freundin wusste, das wäre der „Tiger Man“, über den auch bei uns schon das Fernsehen berichtet hätte. Ein Einsiedler und ehemaliger Lehrer, der angeblich das ganze Jahr über nackt wie ein Tier auf einer Insel hausen würde und ca. einmal im Monat sich anziehen würde, um in der zivilisierten Welt Lebensmittel einzukaufen. Er sei am ganzen Körper wie ein Tiger tätowiert.
5.9.2002
Unsere Lady (mit Namen Margaret Sinclair) gibt uns beim Abschied noch den Rat, immer schön vorsichtig zu fahren, denn sie verstehe es überhaupt nicht, dass Autofahrer es immer so furchtbar eilig haben müssen. Zum Abschied umarmt sie uns beide.
Leider ist das Wetter heute zunächst nicht so gut. Aber gegen Mittag hört es auf zu regnen. Das ist auch gut so, denn heute steht eine Fahrt durch die nordwestlichen Highlands auf dem Plan. Das heißt, wir fahren über A896 und A832 durch schroffe Küstengegenden. Irgendwann machen wir bei Ebbe und steifer Seebrise einen ausgiebigen Strandspaziergang. Wir fahren heute eine relativ große Strecke, aber das Auge bekommt auch sehr viel geboten. Wir beenden den Tag in der Nähe von Inverness im Städtchen Beauly.
6.9.2002
Es geht nochmals über die A82 am Loch Ness vorbei. Dieses Mal besuchen wir das Monster Centre. Zuerst wollte ich nicht hinein, weil ich das für touristischen Humbug hielt. Aber ich wurde eines besseren gelehrt. Es beginnt mit den historischen Aufzeichnungen, als Augenzeugen erstmals 1933 der Meinung waren, ein Monster gesehen zu haben. Diese Augenzeugen galten als glaubwürdig, doch hielt man es für möglich, dass sie optischen Täuschungen erlegen waren. Danach wird von wissenschaftlichen Untersuchungen berichtet, die alle erfolglos waren, bis hin zu theoretischen Überlegungen, die es als fast unmöglich erscheinen lassen, dass ein riesiges Lebewesen im Loch Ness leben kann.
Bald fängt es an zu regnen, und dieses Mal hört es sobald nicht auf, sondern regnet sich richtig ein. Wir passieren Fort Williams und nehmen Kurs auf das bei den Schotten beliebte Tal Glen Coe. Hier suchen wir uns bald eine Bleibe. Da wir in den nächsten Tagen nicht vorhaben, noch übermäßig viel zu fahren, beschließen wir hier, für 3 Tage zu bleiben. „Hausherr“ ist mal wieder ein Hund, ein junger Labrador namens Max, von uns aufgrund seines Temperaments bald „Mad Max“ genannt.
Am Nachmittag fahren wir noch einmal nach Fort Williams. Im Grunde gibt es dort nicht allzu viel zu sehen. Wir gehen früh zum Essen und fahren heim.
7.9.2002
Heute machen wir zunächst eine Wanderung in unserem Wohnort in einem Wäldchen um einen kleinen See. Die Wasseroberfläche ermöglicht außergewöhnlich schöne Spiegelbilder. Nachmittags wollen wir noch einmal aufbrechen, aber es gießt in Strömen. Im Nachbarort entdecken wir den West Highland Trail, eine beliebte 150 km lange Wanderstrecke, die von Glasgow bis Fort Williams führt. Wir befinden uns mittendrin. Wir beschließen, auf besseres Wetter zu hoffen und es am nächsten Tag noch einmal zu probieren.
Das Tal von Glen Coe ist bei Schotten sehr beliebt. „We prefer it when it’s misty“. Auch ein Hitchcock-Film wurde da schon gedreht.
8.9.2002
Heute ist es zwar noch nicht ganz trocken, aber schon wesentlich besser als am Tag vorher. Wir unternehmen die Wanderung, indem wir einen Teil des West Highland Trails zunächst bergauf gehen. In der Tat begegnen uns viele Wanderer mit vollem Gepäck, die den ganzen Trail wandern. Wir gehen bis auf einen Gipfel und kehren dann um. Insgesamt sind wir dann vielleicht 7-8km gelaufen.
9.9.2002
Am Morgen sitzen bei uns 2 junge Holländer am Früstückstisch. Sie sind auch wegen des West Highland Trails hier und sind dafür ca. 1 Woche unterwegs.
Wir fahren weiter zum Loch Lomond, der im Großraum Glasgow liegt und als einer der schönsten Seen Schottlands gilt. In die Großstadt Glasgow zieht es uns jedoch nicht. Am Loch Lomond fahren wir über die A811 zunächst ostwärts, im Örtchen Drymen zweigen wir jedoch ab, um zum östlichen Ufer des Loch Lomond zurückzukehren. Hier machen wir eine längere Wanderung und stellen fest, dass wir wieder eine andere Stelle des West Highland Trails erwischt haben. Dementsprechend begegnen uns wieder viele bepackte Wanderer. Bei unserem Spaziergang sehen wir noch einmal einige schöne Exemplare von Hochlandrindern aus nächster Nähe.
Wir wollen noch einmal nach Stirling, um das Wallace Denkmal zu besichtigen, dass wir ca. 10 Tage vorher wegen des schlechten Wetters am 30.8. nicht besucht hatten. Kurz vor Stirling fängt es wieder an zu regnen und macht nicht den Eindruck, dass es bald aufhören würde. Wir fahren dennoch zum Wallace-Denkmal, das jenem Freiheitskämpfer gewidmet ist, dessen Story mit Mel Gibson als Braveheart verfilmt wurde. Ein stattlichen Denkmal, das auf einer Anhöhe steht, die man zu Fuß über steilen Weg erreichen kann.
Wir übernachten in unmittelbarer Nähe.
10.9.2002
Unser letzter Tag in Schottland. Wir fahren zunächst nach Falkirk, wo wir das Falkirk Wheel besichtigen. Eine riesige Konstruktion, die u.a. nach dem archimedischen Prinzip arbeitet und eine Schleuse ersetzt, die zwei Kanäle miteinander verbindet. Wer das am eigenen Leibe erfahren möchte und sich per Boot mit Hilfe des riesigen Rades rauf und –runtertransportieren lassen möchte, muss dafür zahlen. Zuschauer zahlen ansonsten nur Parkgebühren.
Wir suchen uns ein Quartier im Örtchen Dalmeny, das direkt am Firth of Forth und unweit vom Edinburgher Flughafen liegt. Von hier hat man einen herrlichen Blick auf die beiden Forth Bridges, die alte Eisenbahnbrücke und die neue Autobrücke.
11.9.2002
Wir müssen um 9 Uhr 30 am Flughafen sein, um unseren Mietwagen zurückzugeben. Ein bisschen mulmiges Gefühl befällt uns schon, als wir uns ausgerechnet am 11. September in ein Flugzeug setzen. Die Sicherheitskontrollen waren etwas gründlicher als sonst, aber der Flieger war dennoch voll. Über Frankfurt fliegen wir heim und kommen pünktlich an.
Damit ist meine Schottland-Reihe beendet. Ausklingen lasse ich es mit einem Lied. Auch wenn „Amazing Grace“ sicher das bekannteste schottische Lied ist, mein Lieblingslied, das auch schon von vielen Musikern interpretiert wurde ist....
„The Wild Mountain Thyme”
Oh, the summertime is coming
And the trees are sweetly blooming
And the wild mountain thyme
Grows around the blooming heather
Chorus:
Will ye go, lassie go?
And we\'ll all go together
To pluck wild mountain thyme
All around the blooming heather
Will ye go, lassie go
I will build my love a tower
By yon clear crystal fountain
And on it I will pile
All the flowers of the mountain
Chorus,
If my true love she were gone
I will surely find another
To pluck wild mountain thyme
All around the blooming heather
Chorus.
Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 20.9.2002
Veröffentlicht bei Ciao, Dooyoo, Yopi und vielleicht eComments und Talk-On
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