Slowakei Testbericht

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Erfahrungsbericht von falk1

Wandern in der Hohen Tatra und im Pieniny Gebirge

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Die slowakische Seite der Tatra war in mancherlei Hinsicht anders. Die Täler enger, die Berge schroffer, das Bier besser. Doch eine Sache ärgerte mich gewaltig. Ich war im Begriff den Rat des Wanderers von der Waksmundska Wiese zu befolgen und wollte nach Starý Smokovec durch das Bielovodská Tal. Da mir die direkte Variante doch etwas zu weit schien, entschied ich mich über den sedlo Prielom zur Zboinícka chata (Räuberhütte) zu gehen. Doch dicke graue Wolken zogen von Westen heran und senkten sich in das Tal. Ich ignorierte die Warnung und lief weiter. Nach 2 ½ Stunden vielen die ersten Tropfen. Ich schaltete in den nächsten Gang und erreichte nach einer viertel Stunde eine Hütte, die aussah wie ein Zirkuszelt. In der Mitte gab es eine Feuerstelle und ein paar Meter weiter im Wald lugte ein Scheißhäuschen zwischen den Bäumen hervor.
Ich holte mein Mittagessen aus dem Rucksack, es gab wie immer Studentenfutter. Die Rosinen und getrockneten Ananas Stücken mochte ich am liebsten, was zur Folge hatte, dass zum Ende der Tour meine Hauptmahlzeit im Gebirge nur noch aus Erdnüssen und Pinienkernen bestand.
Die Regentropfen hatten sich mittlerweile in kleine Sturzbäche verwandelt, als etwas Dunkelblaues, Feuchtes unter das Hüttendach stolperte. Bartstoppeln schauten unter der Kapuze des Regencapes hervor. \"Wollte übers Wochenende klettern\", sagte der Typ. \"Aber die haben bis Mittwoch Regen vorausgesagt.\"
Hatte ich mich gerade verhört? Sagte der tatsächlich Mittwoch? Heute war Samstag. Er sah mein verdutztes Gesicht, grinste und sagte nur: \"Shit happens.\"
Der Bergsteiger sollte Recht behalten. Ich vertraute ihm und trat den Rückweg an. Tropfnass wie ein Badeschwamm brachte mich ein Maxi-Taxi nach Ždiar und erleichterte mich um 60 Kronen. In dem Ort am Fuße der Belaer Kalkalpen wollte ich mir ein Zimmer nehmen und den Regen abwarten. Da ich keine große Lust verspürte nach einem Zimmer zu suchen, ging ich wie im letzten Jahr zu den Kriššák\'s. Der Sohn, ein nach Knoblauch riechender Blondschopf zeigte mir das Zimmer und gab mir den Schlüssel.
Der größte Vorteil eines eigenen Zimmers war, endlich wieder mal richtig ausschlafen zu können. Keiner laberte irgendeinen Schwachsinn in der Nacht (Warum müssen sich Paare, die mit Sicherheit noch 50 - 60 Jahre Zeit haben sich zu Unterhalten ausgerechnet dann quatschen wenn ich pennen will?), keiner der das Licht ein und ausschaltete und keiner der mit den Türen knallte.
Samstag, Sonntag und Montag verstrichen. In Ždiar hatten die Tage für mich nur einen Sinn - warten auf den abendlichen Wetterbericht. Die Wetterdamen schienen kleine Sadistinnen zu sein. Mit einem charmanten Lächeln auf den Lippen erzählten sie mir, es würde auch die nächsten drei Tage nur regnen. Ich schaltete dann den Fernseher aus, hockte mich auf die Bettkante und köpfte einen Goldfasan oder schlenderte rüber zur Dorfkneipe, um einen Räubertee (Zbojnicky čaj) zu trinken. Morgens schaute ich dann aus dem Fenster - es regnete.

Am Dienstag hielt ich es nicht mehr aus. Es war nicht wirklich schön, regnete aber gerade nicht. Zwischen den Wolken blinkten die Berge hervor. Die Tatra hatte sich gewaschen und umgezogen und war jetzt nicht nur dem Namen nach weiß. Da die Regenpause nur von kurzer Dauer sein würde entschloss ich mich der Tatra erst einmal den Rücken zu kehren. Meine Idee vom Gipfel der Gerlsdorfer Spitze hatte der Regen mit fortgespült.

In\'s Pieniny Gebirge

Ich zahlte meine Unterkunft, schnappte den Rucksack und lief nach Osten über den Kamm der Spišská Magura. Mein Ziel hieß Pieniny. Der Weg über den Magura-Kamm war ein Hindernislauf über umgestürzte Bäume. Der Wind blies mir die Mütze vom Kopf, Schlamm spritzte die Hosenbeine hinauf. Als Markierung dienten an Baumstämme genagelte blaue Plastikfetzen.
In Veľká Lesná erwische ich den Bus nach Červený Kláštor. Ich kannte den Ort. Vor 4 Jahren lag er auf meiner Tour durch die Karpaten. Ich kannte auch das Bufet Cyprián vor dem Klostereingang. Dort arbeiteten Petra, Marcela und Iveta. Von den drei Damen blieb allerdings nur Marcela dem Imbisstand treu. Petra die Jüngste lebte in Bratislava und Iveta die Älteste arbeitete als Krankenschwester in der Schweiz. \"Falko?\", fragte Marcela erstaunt als sie mich antraben sah. Ich bekam einen Räubertee spendiert und wurde anschließend bei Helena in der Pension Pod Troma Korunami untergebracht. Ich blieb die nächsten drei Tage.

Von Červený Kláštor wollte ich über Lesnica zurück nach Polen, um auch diese Seite des Gebirges zu besuchen. Das Dörfchen Lesnica liegt am östlichen Ende der Dunajec-Schlucht. Ich konnte dorthin zu Fuß gehen oder bequem mit einem Floß den Dunajec runterschippern. Da ich eine Floßfahrt vor 4 Jahren erleben durfte, entschied ich mich dieses mal für Schusters Rappen.
Die Blätter der Buchen leuchteten gelb in der Morgensonne. Auf dem breiten Wanderweg knieten Frauen aus dem Dorf und sammelten Bucheckern. Stück für Stück lasen sie die kleinen braunen Dinger auf und steckten sie in Plastiktüten. \"Ob es in Deutschland auch noch Menschen gibt, die Bucheckern sammeln?\", fragte ich mich. So recht vorstellen konnte ich es mir nicht. Das System versucht doch jeden vom Geld abhängig und somit formbar zu machen. Und wenn dann mal eine Entwicklung in diese Richtung beginnt, gleich wird\'s wieder kommerziell vergewaltigt. Ohne GoreTex und Co. traut sich der Durchschnittswanderer doch nicht mal mehr vor die eigene Haustür.
Kurz vor Lesnica stolperte ich fast über ein Reh. Es lag mitten auf dem Weg, der Kopf und das linke Vorderbein fehlten. Es könnte ein Luchs gewesen sein. Obwohl, Wölfe lebten auch im Pieniny.

Die meisten Tiere des Nationalparks hingen jedoch fein säuberlich präpariert als Trophäen an der Wand des Gastraumes der Pieniny-Hütte in Lesnica.
In meinem Zimmer stand ein Bett, ein Tisch, ein Hocker, ein Schrank und ein Waschbecken, für den Rucksack war kein Platz mehr. Die Steckdose an der Wand wurde auf Asbest geschraubt, die Zimmertür ließ sich von innen nicht verschließen und das Bier war teuer. Es war der ideale Ort, um bei schlechtem Wetter Depressionen zu bekommen.
Zwischen Lesnica in der Slowakei und Szczawnica in Polen wurde ein Grenzübergang für Fußgänger und Radfahrer aus Polen bzw. der Slowakei eingerichtet. Laut einem Schild war der Grenzübergang auch für Bürger aus den Ländern geöffnet, mit denen ein Abkommen über visafreien Verkehr getroffen wurde. Ob Deutschland dazugehörte wollte ich am nächsten Tag testen.
Man ließ mich passieren. Bevor ich zurück in die Tatra fuhr, wollte ich noch unbedingt auf den Sokolica-Felsen hoch. Von dort hatte man eine grandiose Sicht auf den Dunajec unten in der Schlucht und über den Pieniny bis hin zur Tatra. Der mit grünem Band markierte Wanderweg erwies sich als eine steile, matschige Rinne die einem den Schweiß aus den Poren trieb. Das Beste aber kam anschließend - unter dem Gipfel hockte tatsächlich ein Typ der mir 2,50 Złoty Gipfelgebühr abknöpfte. Da können sich die Amis von den Polen noch \'ne Scheibe abschneiden, dachte ich mir.

Pieniny-Info:

Das Pieniny Gebirge bildet, wie die Tatra, einen polnischen und einen slowakischen Teil. Auf beiden Seiten gibt es einen Nationalpark. Polen erklärte das Gebiet bereits im Jahre 1932 zum Nationalpark. Die Slowakei folgte 1967 indem sie 2125 ha unter Schutz stellte. Damit war Pieniny der erste internationale Nationalpark der Slowakei. Heute ist der Nationalpark 3750 ha groß und somit der Kleinste Nationalpark des Landes. 1377 ha sind mit Wald bedeckt. Der Dunajec, ein Nebenfluß der Weichsel, bildet im Zentrum des Nationalparks eine 7,5 km lange Schlucht, welche neben der Aksamitka-Höhle bei Haligovce (335 Meter hohe Felsen. Ist für Touristen gesperrt!) die Hauptattraktion des Pieniny-Gebirges ist.
Im 13. bis 14 Jahrhundert besiedelten Deutsche und Walachen das Gebiet. Die Deutschen waren Bauern und lebten vom Ackerbau in den Tälern. Sie bauten vor allem Kartoffeln und Getreide an. Die Walachen waren Hirten und hüteten ihre Schafherden in den umliegenden Hügeln.

Nationalpark Pieniny

Der Nationalpark Pieniny liegt in in der Zamagurie im nördlichen Teil der Zips. Das äußerlich rauhe und ungastliche Land besitzt eine einzigartige Volksarchitektur, viele historische Denkmäler und unzählige Naturschönheiten. Die architektonische Perle der Gegend - das Rote Kloster - wurde im 14. Jahrhundert von Kartäusermönchen gegründet, die sich vor allem als Kalligrafen und Illuminatoren einen Namen schufen.
Im 18. Jahrhundert war das Kloster von Kamaldulensern bewohnt, unter den bekanntesten der legendäre Flieger und Botaniker Cyprian sowie Romuald Hadbavny, mit dem eine komplette Bibelübersetzung und die Zusammenstellung eines lateinisch-slowakischen Wörterbuches in Verbindung gebracht wird. Das Symbol von Zamagurie ist der Naturpark Pieniny mit den majestätischen Drei Kronen - Felsen. Die steilen Ufer von Pieniny umspült der Grenzfluß Dunajec, dessen wilde Strömungen ein wunderschönes Tal geschaffen haben.
Durch dieses Tal schritten einst griechische und römische Kaufleute. Das Gebiet bewohnten Kelten und germanische Stämme, es wurde von den Hussiten bei ihren Ausritten besucht.
Den Transport von Waren und Personen auf dem Dunajec verzeichnen polnische Quellen bereits im 13. Jahrhundert. Unsere älteste Notiz ist eine lateinische Aufzeichnung aus dem Jahre 1708. Eine lebendige Erinnerung an den Holz- und Warentransport auf dem Dunajec und der Weichsel zur Ostsee ist der Flößerhut, auf dem der Flößer für jede Fahrt eine Meermuschel befestigen durfte. Die Flößerei als Touristenattraktion blüht vor allem seit Mitte des 19. Jahrhunderts.

Geld

Kurs: 1,00 € = 41,00 Sk
Devisen können in der Wechselstube auf dem Bahnhof in Poprad getauscht werden. Der Schalter öffnet um 7:30 Uhr.
Ein Geldautomat hängt rechts neben dem Eingang vom Busbahnhof.

Bergsteigen

Mountain Guide Office in Stary Smokovec - tel.:+421-(0)52-4422066, (0)905-428170.

Tatranská Lomnica

Múzeum Tatranského Národného Parku

Öffnungszeiten:
Mo - Fr 08:00 - 12:00 Uhr und 13:00 - 16:30 Uhr
Sa -So 08:00 - 12:00 Uhr

Eintritt:
Erwachsene: 30 Sk/Person
Schüler: 10 Sk/Person


Tatranská Kotlina

Belaer Kalkhöhle
Führungen: Di - So 09:30 Uhr, 11:00 Uhr, 12:30 Uhr, 14:00 Uhr


Ždiar

Geld

Geld konnte ich erst in Ždiar umtauschen. An der Grenze in Lysá Poľana bekam ich keine Slowakischen Kronen!

Post Ždiar
Öffnungszeiten:
Mo - Fr: 07:30 - 12:30 Uhr und 13:30 - 14:00 Uhr
Verpflegung

Restaurant Ždiarsky Dom
Ždiar 260
tel. 052-449 81 35
Öffnungszeiten:
Mo - So: 09:00 - 22:00 Uhr

Potraviny Vlasta Michalakova
Ždiar 289
Öffnungszeiten:
Mo - Fr: 07:30 - 17:00 Uhr
Sa : 07:30 - 13:00 Uhr
So : 08:30 - 11:00 Uhr


Hütteninfos:

Chata Pieniny
06533 Lesnica
tel. 0152-4397530 , fax. 0152-4397530

Červený Kláštor

Pensionen
Penzión Pod Troma Korunami
Helena Regecová
Červený Kláštor 41
tel. 0964 482 25 96

Die Übernachtung im Doppelbettzimmer kostete 250,00 Sk.
Olecný Pension

Verpflegung

Goralská Restauracia

Potraviny Art. Spožywcze
Peter Marchevka
Öffnungszeiten:
Mo - Fr: 07:00 - 16:00 Uhr
Sa : 07:00 - 12:00 Uhr

Potraviny u Moniky
Monika Švedová
Červený Kláštor 66


Floßfahrten auf dem Dunajec

Die 9 km lange Strecke führt vom Roten Kloster zur Ortschaft Lesnica und dauert 70 bis 90 Minuten.
Die Flößer-Saison beginnt am 15. April und endet am 31. Oktober.
Floßfahrten finden in dieser Zeit täglich von 08:00 - 18:00 Uhr statt.
Abfahrt vom Hotel Pltník.

Erwachsene: 250.00 Sk, Kinder: 100.00 Sk

Zwischen Pieniny-Hütte und Červený Kláštor besteht Bustransfer.
Preise Autobus: Erwachsene 45.00 Sk, Kinder 20.00 Sk.
Preise Mikrobus: Erwachsene 80.00 Sk, Kinder 40.00 Sk.
Informationen

Vereinigung der Dunajec-Flößer

05906 Červený Kláštor
tel. 00421-964-2785 (Mai - Oktober, 08:30 - 17:00 Uhr)

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