Toskana Testbericht

Toskana
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Erfahrungsbericht von rispetto

Benvenuti! Willkommen in der Toskana

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Als wir nach langer Fahrt endlich unser Ziel
S. Leolino ereichen sind wir doch ein wenig enttäuscht!

Ein kleiner unauffälliger Ort mit einer Hauptstrasse, links und rechts gesäumt von Sienafarbenen einfachen Häusern empfängt uns.
Kein Allimentari, keine Trattoria.
Einwohner die uns misstrauisch beäugen.
Deutsche! Die haben uns grad noch gefehlt, sagt uns dieser Blick.

Vom winzigen Marktplatz grüßt uns eine Statue des Duce, jedenfalls glauben wir das er es ist. Ein wenig kommt es uns vor, als ob hier die Zeit stehen geblieben ist.
Beim Auspacken unseres Autos kommen ein paar Einwohner an uns vorbei, mehr als ein gemurmeltes... giorno ist ihnen auf unseren freundlichen Gruß hin nicht zu entlocken.

Die Wohnung, italienisch dunkel, aber nicht ohne Charme ist verrammelt und muss dringend gelüftet werden!
Wir reißen die hölzernen Außenjalousien und Fenster auf und blicken erstaunt in einen wunderschönen Garten.

Von einer alten Steinmauer begrenzt schaut man weit in die Toskana.
Die kleine Straße die uns hier heraufgeführt hat schlängelt sich bis zum Horizont, die Dächer des nächsten Dorfes sind gerade noch zu sehen, alles eingerahmt von den typischen Zypressen.
Wir setzen uns überwältigt und genießen diesen Ausblick, diese Farben die man nicht beschreiben kann, diesen unverwechselbaren Duft. Langsam beginnen wir unseren Urlaub zu genießen, Deutschland scheint schon sehr weit weg zu sein!

Wir müssen noch einkaufen, wollen wir doch nicht die Vorräte unserer Freunde dezimieren.
In Castelnuovo finden wir vor den Toren einen riesigen Supermercato (Supermarkt), vergleichbares haben wir in Deutschland noch nicht gesehen, er ist einfach gigantisch!
Im Unterschied zu Deutschland gibt es hier eine Vielzahl von regionalen Produkten in bester Qualität. Ich kann mich beim Einkauf kaum bremsen.

Kochen wird für mich in Italien immer zu einer sehr sinnlichen Angelegenheit. Wir werden unsere Mahlzeiten weitgehend selber zubereiten, immer mit frischen Produkten der Region und immer mit Wein der möglichst gleich um die Ecke wächst und hier verarbeitet wird. Das gilt auch für das Olivenöl, ich habe es mit besonderer Sorgfalt ausgesucht.
Der hohe Preis lässt mich zusammenzucken, aber dieses hier muss es sein, egal!

Zuhause habe ich auch viel Spaß am kochen, aber hier in der Toskana liebe ich es über alles! Vielleicht liegt es an der Harmonie der Dinge, der Harmonie mit der Natur, hier passt alles so wunderbar zusammen, das Essen ist ein wichtiger Teil des Ganzen.

Mit einer Flasche Rotwein setzen wir uns gegen Abend wieder in den traumhaften Garten und planen unsere eigentlich sehr kurze Zeit in der Toskana.
S. Leolino liegt für alle Ausflüge sehr günstig, jedoch muss für die Fahrt auf den kleinen Straßen immer etwas mehr Zeit veranschlagen.

Unsere ersten Ziele sind schnell gefunden, wir wollen wieder einmal nach S. Gimignano und Volterra.
Das ganze ohne Hetze und mit viel Zeit für alles was dazwischen liegt.
Anhalten wo es uns gefällt, die grandiose Landschaft der Toskana genießen.
Ein Glas San Pellegrino trinken, ein Panino essen, vielleicht noch ein Gelati und einfach nur leben.

Der Weg ist das Ziel.

Über Gaiole, Radda und Poggibonsi nähern wir uns auf der Chiantigiana S. Gimignano.
Schon von weitem ist die imposante Skyline dieser mittelalterlichen Stadt zu sehen.

Unsere Fahrt dahin bringt uns durch das Zentrum des Chianti, hier dreht sich alles um den Gallo Nero, den schwarzen Hahn, das Qualitätssiegel des, über lange Jahre umstrittenen Chianti - Classico. Die Qualität des Chianti ist mittlerweile wieder auf sehr hohen Niveau, unsere Weinproben bestätigen es.
Hier nicht nach Wein Ausschau zu halten und zu kaufen grenzt irgendwie schon an Frevel!
Auch wir decken uns mit Produkten der kleinen, aber feinen Weingüter ein, die allerdings oft schwer zu erreichen sind.
Eine Verkostung ist immer selbstverständlich, aber Vorsicht, man fährt ja noch Auto.

Um die Mittagszeit erreichen wir die Stadt mit den 15 Türmen, S.Gimignano.
Busladungen vor den Toren lassen uns nichts gutes ahnen, es ist voll hier, zu voll!
Wir bleiben nur kurz, es wird nur ein Rundgang und schon wollen wir wieder weiter, weg von den Menschenmassen, hin zu den malerischen kleinen Nestern die am Weg liegen und die uns soviel mehr Freude bereiten.
Im schönen Volterra machen wir die nächste Rast, hier ist es nicht so hektisch, so gefällt es uns gleich viel besser und wir nehmen uns mehr Zeit für diese Stadt.

Am Abend erreichen wir erschöpft aber zufrieden wieder „unser“ Leolino und stellen fest: Die Mienen der Anwohner sind jetzt schon ein wenig freundlicher, man kennt uns, irgendwie gehören wir vielleicht schon ein kleines bisschen dazu.

Das Abendessen bereite ich mit den frischen Zutaten die wir unterwegs gekauft haben zu.
In unserem Garten, mit einem exzellenten Chianti genossen, schmeckt es einfach köstlich.

Warum kann es nicht immer so sein?

Den nächsten Tag werden wir in S. Leolino
verbringen, lesen, die Sonne genießen, etwas im Garten arbeiten, wie wir es unseren Freunden versprochen haben und vielleicht unsere wirklich netten Nachbarn auf ein Glas einladen.

Keine Planung, kein Stress. Wenn wir Lust bekommen fahren wir einfach los, es gibt so viel zu sehen, wir brauchen keine Karten, kein konkretes Ziel.
Die Toskana liegt gleich vor der Tür, wir müssen sie nur entdecken.

Bis denne, rispetto
©Rispetto, auch gepostet bei Ciao

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-29 07:37:28 mit dem Titel Toskana mal anders


Die Toskana und speziell Lucca im Herbst zu bereisen, ist ein besonderes Erlebnis. Die Menschen sind nicht mehr ganz so hektisch, die Hitze des vergangenen Sommers ist nur noch eine Ahnung und man bekommt einen wirklich neuen Eindruck der Region. Das jetzt ganz spezielle Licht und das allmähliche verfärben des Laubes verleihen der Landschaft einen völlig neuen Charakter.

Wir sind viel lieber zu dieser Jahreszeit hier, entspannt kann man dem jetzt fast schon wieder alltäglichen Leben der Italiener seine Aufmerksamkeit widmen, und die Küche der Toskana bietet mit seinen herbstlichen Genüssen immer wieder neue und köstliche Varianten.

Unser Ziel für unseren Kurzurlaub Ende Oktober war diesmal wieder Lucca.
Die Stadt ist auch im Hochsommer eher etwas beschaulich, während Florenz und Siena um diese Zeit eigentlich nur anstrengend sind.
Jetzt, im Herbst ist es hier einfach angenehm, die Stadt präsentiert sich in seiner ganzen, gelassenen Schönheit.
Es ist der Ort an dem man die Toskana um diese Jahreszeit am besten genießen kann.
Im mittelalterlichen Lucca geht das Leben einen recht gemächlichen Gang, schmalen Gassen mit römischen Grundriss kann man jetzt in aller Ruhe folgen, man muss nicht befürchten überfahren zu werden, und wird nicht von eiligen Lucchesern überrannt. Die nahe Umgebung, die sogenannte Lucchesia lädt zu Ausflügen förmlich ein.

Lucca will natürlich zu Fuß erkundet werden.
Alle paar Schritte öffnen sich die Gassen zu kleinen, anheimelnden Plätzen. Ein gemütliches Café ist auch fast überall zu finden. Gute Gelegenheit für einen Campari oder ein Glas Wein. Immer wieder endet der Weg auf der wunderschönen Piazza mit der faszinierenden weißen Kalksteinkirche von San Michele.
Jetzt befinden wir uns im Zentrum von Lucca. Trotz der vielen mittelalterlichen Gebäude hat die Stadt auch einen deutlichen Jugendstilcharakter. Im Zentrum auf der Via Fillungo findet man viele kleine Geschäfte mit tadellos erhaltenen Jugendstilfassaden.

Die Besitzer haben mit viel Gespür ihre Häuserfronten kunstvoll renoviert und so den Geschäften ein unverwechselbares Ambiente erhalten. Es macht Spaß hier einige Stunden zu verbringen. Sicherlich hat man Gelegenheit im bekannten Café Di Simo eine Pause einzulegen und von seiner außergewöhnlichen Fassade ein Foto zu machen, es lohnt sich wirklich! Es erinnert vielleicht ein wenig an die Zeit, als die Luccheser Cafégesellschaft in voller Blüte stand. Es fällt einem in dieser Umgebung erstaunlich leicht, sich das vorzustellen. Hektik kommt hier nie auf.

Nicht weit außerhalb der Ziegelmauern aus der Renaissance-Zeit gelangt man schnell in die ausgedehnten Kastanienwälder vor den Toren Luccas. Jetzt, im Oktober, ist das Kastaniensammeln ein beliebtes Freizeitvergnügen vieler Familien.

Tipp: Wer Lucca im Herbst besucht, muss hier unbedingt einmal mitmachen!
Aber es müssen die Edelkastanien sein, die Marroni. Ihre Schale und die Haut sind dünner als bei normalen Kastanien und sie schmecken ganz hervorragend.
Sie finden bei vielen toskanischen Gerichten ihre köstliche Verwendung.
Ein Stück heißes Castagnaccio (Süßes Kastaniengebäck) und ein Glas Prosecco ergeben einen wirklich unvergleichlichen Genuss!

Der Herbst ist auch die Zeit für eine andere Köstlichkeit der Toskana und Lucca. Jetzt wird er überall gesucht, der Porcino (Steinpilz).
Von Arezzo bis Lucca sind die Landstrassen gesäumt von Autos, die Pilzsammler stürzen sich jetzt in die Wälder. Auch der Steinpilz ist für die herbstliche Küche der Toskana unabdingbar. Leicht zu finden ist er allerdings nicht.
Tipp: Wer mag, kann sich bei seinem Aufenthalt in Lucca einer Gruppe von Sammlern anschließen.
Ein Vergnügen der besonderen Art! Man muss dann allerdings wirklich sehr früh aufstehen.

Einkaufen in Lucca

Schuhe, eleganten Schmuck und Kleidung findet man in großer Auswahl in der Via Bulo und der Via Lucia.
In der Nähe befindet sich der „Ceriali Marcucci“ mit seiner legendären Auswahl. Backwaren in Spitzenqualität findet man bei „Amedo Giusti“.
Köstliche Pralinen kauft man bei „Caniparoli“.
Das bekannte Luccheser Olivenöl in seiner ganzen Vielfalt und lokale Weine kauft man hervorragend ein bei „Lucca in Tavola“.
Auf keinen Fall sollte man einen Besuch im Kaufhaus Casalinghi Dani versäumen, hier kauft der Luccheser seine alltäglichen Dinge des Lebens. Man findet hier sicher auch etwas ausgefallenes für den eigenen Haushalt.

Essen in Lucca

Da Giulio in Pelleria, Via delle Conce 45
Unser persönlicher Favorit, immer knallvoll und laut, mit einmaligem Ambiente. Hervorragende, rustikale Küche mit freundlichem Service und menschlichen Preisen. Einfach mal von allem eine mezzo portione bestellen und man bekommt mehr als einen Eindruck der deftigen Küche.
Meine Empfehlung!

Da Leo, Via Tegrimi 1 und Da Guido, Via Cesare Battisti 28
Schlichte, traditionelle Trattoria mit gutem Essen und moderaten Preisen.
Preiswert und gut!

Puccini, Corte San Lorenzo 1
Sehr gute Fischgerichte und mehr in eleganter Atmosphäre.
Teuer!

Die Toskana und Lucca im Herbst, mal eine ganz andere italienische Erfahrung.
Wer bisher nur im Sommer in der Toskana war, hat hier die Möglichkeit ohne Hetze und ohne zu viele andere Touristen eine Stadt mit besonderem Flair zu erleben. Sich in aller Ruhe die Sehenswürdigkeiten der Stadt anzusehen, überraschende Erfahrungen mit der vielfältigen herbstlichen Küche der Toskana zu machen und die um diese Zeit wirklich wunderschöne Umgebung von Lucca erkunden, das kann das typische Italien-Bild doch ganz schön verändern und das bestimmt sehr positiv!

Bis denne, rispetto

©Rispetto, auch gepostet bei Ciao

40 Bewertungen, 3 Kommentare

  • Kunigunde

    02.05.2002, 15:09 Uhr von Kunigunde
    Bewertung: sehr hilfreich

    Als Italienliebhaber kann ich Dir nur in allem Recht geben, auch wenn ich noch nicht in Lucca war, aber das tut ja nichts zur Sache *hihi* Lieber Gruß, Kunigunde

  • LoMei

    29.04.2002, 17:14 Uhr von LoMei
    Bewertung: sehr hilfreich

    Da kommen viele schöne Erinnerungen. Gruß, LoMei.

  • Gering

    29.04.2002, 10:39 Uhr von Gering
    Bewertung: sehr hilfreich

    in 1 Woche bin ich auch da (jubeljubeljubel)