USA Testbericht

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Erfahrungsbericht von Ansprechpartner

Servicewüstenoase USA

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Wenn mir jemand erzählen würde, er habe zweimal hintereinander im Lotto gewonnen und sei obendrein sogar noch zum persönlichen Berater von Condoleezza Rice ernannt worden, weil er 25 Müllermilch Deckel an die falsche Adresse eingesandt hat, so würde ich wahrscheinlich mengenmäßig ähnlich viele Zweifel haben, als wenn mir jemand allen Ernstes erzählen würde, Deutschland sei ein Dienstleistungsland.

Weder Condoleezza Rice, noch deutsche Einzelhandelsketten bedürfen wahrscheinlich eines Beraters. Genial wäre aber, wenn sich beide untereinander arrangieren würden: Ms. Rice könnte sich ja beispielsweise beim deutschen Einzelhandel das zuvorkommend geduldige Verhalten des Personals abgucken, wenn dieses mit einer Reklamation kurz vor Feierabend konfrontiert wird. Im Gegenzug könnte sich der deutsche Einzelhandel ein gutes Stück von Condoleezzas Kälte abschneiden und in die Getränkeabteilungen verteilen, um endlich dafür Sorge zu tragen, dass man auch im Sommer in den Genuss eines gut gekühlten und im Vergleich zu diversen Kiosken, preiswerten Getränkes kommen kann, ohne dabei immer auf Müllermilch oder andere, meist probiotische Produkte ausweichen zu müssen.
Der amerikanische Einzelhandel schnitt sich bereits bei diversen Präsidentenberaterinnen dicke Scheiben ab, so dass es dort eine Selbstverständlichkeit ist, dass Getränke gekühlt im Regal auf ihren Verkauf warten.

Obschon mein USA Aufenthalt nun bereits über ein Jahr her ist, nehme ich aber dennoch an, dass auch just in diesem Moment in den Staaten noch Wert auf Getränkekühlung gelegt wird und lenke nun diesen Bericht weg von den Kühlregalen auf den eigentlichen Kern meines Anliegens: Was ist der Unterschied zwischen dem „Einkaufen in Deutschland“ und dem „Shoppen in USA“?

Wer zum ersten Mal genötigt sein wird, seinen Lebensmittelvorrat während eines USA Aufenthalts auffrischen zu müssen, wird bereits erstmalige Irritationsgefühle erleben, wenn er die Öffnungszeiten eruiert. Viele Geschäfte sind bis spät in den Abend, einige sogar rund um die Uhr geöffnet. Selbst wer nachts um 4 Uhr bemerkt, dass sein Klopapier nur noch aus einer Papprolle besteht, kann sich also im Handumdrehen aus seiner misslichen Lage befreien und für Nachschub sorgen. Natürlich kann auch der deutsche Klobesitzer in den Genuss neuen Papiers „de la Popo“ gelangen ohne gleich einen Transatlantikflug buchen zu müssen, indem er einfach in eine 24h-Tankstelle geht und dort zum Käufer wird. Jedoch wird dort aber weder der Preis, noch das Personal den Erwartungen entsprechen, die man hätte haben können, wenn man tagsüber dieses Geschäft abgewickelt hätte. Das Nachtpersonal signalisiert beim Kunden eher unbehagliche Gefühle und die Preise scheinen bereits die Inflationsrate Argentiniens berücksichtigt zu haben.
Anders in den Staaten: Auch wer völlig allein und mitten in der Nacht einen Laden betritt um noch so banale Dinge zu erwerben, kann sich sicher sein, dass er mit großer Freundlichkeit nicht nur empfangen, sondern sogar bedient wird.

Der deutsche Einzelhandelskettenfrequentierer wird aber noch mit weiteren Überraschungen rechnen müssen, die er von „daheim“ nicht kennt. Wer z.b. denkt, er könne getrost auf Beratung beim Klopapierkauf verzichten, wird sich spätestens beim Anblick eines aus annähernd 100 Sorten unterschiedlichsten Klopapiers zusammengestellten Angebots nicht nur Ausdrücke der Verwunderung verkneifen müssen.

Nachdem man sich sein, auf sich persönlich am besten abgestimmtes Klopapier ausgesucht hat, kann dieses dann zur Kasse befördert werden. Auch hier warten noch einige Überraschungen auf den Dienstleistungwüstenurlauber.
Auch nachts um 4 sind die Kapazitäten der einzelnen Kassen stets so ausgelegt, dass man zum einen nicht großartig warten muss und zum anderen, dass stets eine freundliche Hilfe am Ende eines jeden Bandes darauf wartet, die getätigten Einkäufe in kostenlos zur Verfügung stehende Tragetaschen zu verstauen. Wer nun wiederrum denkt, dass er dies lieber alleine machen möchte, kann sich gleich hinter die Ohren schreiben, dass er so für Desorientierung sorgen würde und mit unverständlichen Blicken getadelt werden würde. Der zuständige Einpacker hätte wahrscheinlich Verlustängste in bezug auf seinen Arbeitsplatz und liefe Gefahr, sich eine große und mittelschwere Depression einzufangen, da er durch derartiges Verhalten ebenso wahrscheinlich in eine berufliche Identitätskrise verfallen würde. Also: Einpacken lassen!

Nachdem nun der Einkauf, auch wenn er nur aus einem Paket Klopapier besteht, fachgerecht eingetütet wurde, geht es, analog zur deutschen Praxis, ans bezahlen. Nimmt man nun an, ein Paket Klopapier kostet in etwa 2 oder 3 Dollar liegt schnell der Gedanke nahe, man müsse sich nun daran machen sein passendes Kleingeld zusammenzukratzen, um diesen Kleckerbetrag zu begleichen, irrt erneut. Die Kreditkarte ist gängiges Zahlungsmittel. Wer mit Bargeld bezahlt, und dies vielleicht sogar in großen Mengen, macht sich eher eines Bankraubes verdächtig. Auch hier sind eklatante Unterschiede zur deutschen Vorgehensweise erkennbar. Nimmt ein bargeldloser Bezahlvorgang, wenn überhaupt möglich, einen Zeitraum von mehreren Minuten ein, dauert der gleiche Vorgang in den Staaten wenige Sekunden. Niemand schaut einen strafend an. Selbst wenn es mal dazu käme, aus welchen Gründen auch immer, dass sich der bargeldlose Bezahlvorgang hinauszögert, würde niemand dem Kunden die Verantwortung für die entstandene Wartezeit übertragen, sondern allenfalls die Gelegenheit nutzen um auf den offensichtlich sehr gut getätigten Klopapiereinkauf einzugehen.

Alles in allem macht der Einkauf in den USA mindestens doppelt soviel Spaß, wie das dortige Klopapier Lagen hat.

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